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Ein schwieriger Schlüsselfaktor

Zu Beginn der Coronapandemie war der R-Wert ein wesentliches Kriterium, um die weitere Entwicklung abzuschätzen. Eine Studie der Universität Würzburg zeigt jetzt, dass er häufig nicht wirklich exakt ermittelt wurde.

Wie viele Personen steckt ein Infizierter an in einer Bevölkerung, die bislang noch keinen Kontakt mit diesem Virus gehabt hat? Auskunft auf diese Frage gibt die sogenannte Basisreplikationszahl R0.
Wie viele Personen steckt ein Infizierter an in einer Bevölkerung, die bislang noch keinen Kontakt mit diesem Virus gehabt hat? Auskunft auf diese Frage gibt die sogenannte Basisreplikationszahl R0. (Bild: BlackJack3D / iStock)

Nur zur Erinnerung: 2020 – zu Beginn der Coronapandemie – blickte ganz Deutschland wie gebannt auf den sogenannten R-Wert, der täglich neu in den Medien veröffentlicht wurde. Lag er über 1, war klar: Die Pandemie würde sich weiter ausbreiten. Ein Wert unter 1 hingegen versprach einen Rückgang der Infektionszahlen. Werte von über 2, wie sie das Robert-Koch-Institut in dieser Zeit berechnete, verhießen nichts Gutes: Sie standen für eine exponentielle Verbreitung von SARS-CoV-2.

Eine jetzt in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Studie kommt allerdings zu dem Schluss: In Wirklichkeit war der R-Wert deutlich niedriger als bisher angenommen. Verantwortlich für diese Berechnungen sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Virologie und Immunbiologie und vom Lehrstuhl für Bioinformatik der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Hauptautoren sind der Virologe Carsten Scheller und der Bioinformatiker Thomas Dandekar.

R0-Wert: Grundlage vieler Vorhersagen

„Die sogenannte Basisreplikationszahl R0 eines Virus beschreibt die durchschnittliche Anzahl von Personen, die ein Infizierter ansteckt in einer Bevölkerung, die bislang noch keinen Kontakt mit dem Virus gehabt hat“, beschreibt Carsten Scheller den Hintergrund der Studie.

Dementsprechend ist R0 ein Schlüsselfaktor, wenn es darum geht, Vorhersagen über die Ausbreitung eines Virus zu treffen oder um abzuschätzen, wie viele Menschen sich infizieren müssen, um das Ziel der Herdenimmunität zu erreichen. „Außerdem lässt sich anhand des R0-Werts vorhersagen, ob ein Atemwegsvirus in gemäßigten Klimazonen eher ein saisonales Infektionsmuster entwickelt, wie beispielsweise Grippeviren, oder ob eine kontinuierliche Übertragung während des ganzen Jahres erfolgt“, so der Virologe.

Schätzungen schwanken stark

Im Fall von SARS-CoV-2 schwankten die ermittelten R0-Werte deutlich. Eine erste Schätzung auf der Grundlage der Daten von 425 bestätigten Fällen in Wuhan ergab einen Wert von 2,26. Spätere Berechnungen hatten 5,77 zum Ergebnis. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation bewegten sich zwischen 1,95 und 6,49. Das deutsche Robert-Koch-Institut geht auf der Grundlage systematischer Übersichten von einem R-Wert im Bereich zwischen 2,8 und 3,89 aus.

„All diesen Schätzungen und Berechnungen ist gemeinsam, dass sie auf der Inzidenz von SARS-CoV-2-Infektionen beruhen, die mit einem PCR-Test nachgewiesen wurden“, sagt Carsten Scheller. Das Problem dabei: Diese Schätzungen sind nicht nur von den Merkmalen der untersuchten Population abhängig, sondern auch von den Teststrategien sowie von der steigenden Zahl verfügbarer und durchgeführter Tests in den ersten Wochen der Pandemie – zumindest dann, wenn keine mathematischen Korrekturen für diesen Anstieg vorgenommen werden.

Übersterblichkeit als Grundlage

Um seine Berechnungen von solch unsicheren Einflussfaktoren zu befreien, hat sich das Team der Universität Würzburg dafür entschieden, eine andere Datengrundlage zu wählen: den Anstieg der Sterblichkeit im Vergleich zu Vor-Corona-Jahren, die so genannte Übersterblichkeit. „Da die SARS-CoV-2-Infektion in vielen Ländern zu einer erhöhten Übersterblichkeit geführt hat, können diese Daten als Ersatzmarker für die Verbreitung des Coronavirus verwendet werden. Und da die Übersterblichkeit unabhängig von der Anzahl oder Strategie der durchgeführten Tests ist, liefert sie ein repräsentatives Bild für die Ausbreitung der Infektionen in der Allgemeinbevölkerung“, so der Virologe.

Dabei musste das Team allerdings einen wichtigen Aspekt berücksichtigen: die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die Erhebung der Daten. So hatte Deutschland frühzeitig Maßnahmen ergriffen, um die SARS-CoV-2-Epidemie einzudämmen – angefangen vom Verbot von Massenveranstaltungen (9. März) über Schulschließungen (16. März) bis zum kompletten Lockdown (23. März). All diese Einschränkungen sowie die breite Medienberichterstattung könnten nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Einfluss auf die Verbreitung des Coronavirus gehabt haben. 

„Aus diesem Grund haben wir für unsere Berechnungen nur Sterbefälle bis einschließlich 11. April 2020 verwendet. Da sich die Infektionen dieser Sterbefälle bereits im Mittel 25 Tage vor dem Tod ereignet haben, konnten die beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen keinen Einfluss auf den berechneten Wert von R0 gehabt haben“, erklärt der Bioinformatiker Thomas Dandekar.

Ausweitung der Testkapazitäten führt zu Überschätzung

Auf dieser Basis kommt das Team zu folgendem Ergebnis: „Wir ermittelten einen R0-Wert von 1,34 für Infektionen im März 2020, was einem saisonalen Bereich von 1,68 im Januar und einem Minimum von 1,01 im Juli entspricht.“ Diese eher niedrige Spanne von R0-Werten stimme viel besser mit den Beobachtungen des Pandemieverlaufs überein als viele frühere und viel höhere Schätzungen, so die an der Studie Beteiligten. Hauptursachen für diese Überschätzung ist ihrer Ansicht nach die massive Ausweitung der Testkapazitäten in der Frühphase der Pandemie in Verbindung mit Änderungen der Teststrategie. 

Dieser relativ niedrige R0-Wert hat nach Ansicht der Forschungsgruppe wesentlich zu einem Rückgang der Infektionszahlen im Frühjahr 2020 beigetragen. Die Effekte des Lockdowns auf die Ausbreitung des Virus seien deshalb möglicherweise nicht so hoch gewesen wie es scheinen mag. Bei einer vergleichbaren Entwicklung müsste deshalb eine Kosten-Nutzen-Abwägung von Lockdown-Maßnahmen anders ausfallen als in der Vergangenheit.

Neue Virusvarianten können andere R-Werte besitzen

Welche Bedeutung haben diese Ergebnisse jetzt noch vor dem Hintergrund, dass längst andere SARS-CoV-2-Varianten durchs Land ziehen? „Die neuen, meist ansteckenderen Varianten sollten durchaus in einer vom Virus unberührten menschlichen Population einen anderen R0-Wert besitzen als die Ursprungs-Variante. Das lässt sich allerdings nie mehr berechnen, weil die Bevölkerung sehr viel Immunität durch bereits durchgemachte Infektionen und auch durch Impfungen aufgebaut hat“, erklärt Carsten Scheller. 

Der niedrigere R0-Wert der Original-Variante ermögliche nun aber eine bessere Sicht auf die einzelnen Infektionswellen. Schließlich bedeute ein niedriger R-Wert auch, dass eine Herdenimmunität bereits früh erreicht wird. Dann hat das Virus keine Möglichkeit, sich weiter zu verbreiten, mit der Konsequenz, dass sich ständig neue Varianten bilden. „Die einzelnen Wellen, hervorgerufen durch sogenannte Immune-escape-Varianten, sind also etwas ganz normales“, sagt der Virologe. Sind etwa ein Drittel der Bevölkerung infiziert, brechen diese Wellen der Original-Variante von alleine wieder ab, was für die Planung von Gegenmaßnahmen wichtig zu wissen sei. 

Einschränkungen müssen berücksichtigt werden

Allerdings sind sich die Autoren der jetzt veröffentlichten Studie darüber bewusst, dass auch ihr Modell gewissen Einschränkungen unterliegt. So könnten beispielsweise pandemiebedingte medizinische Engpässe zu einem Anstieg der Übersterblichkeit führen, der unabhängig von einem direkten Effekt der Virusinfektionen ist. Eine solche Verzerrung würde zu einer Überschätzung des R-Werts führen. 

Zusätzlich beziehen sich Aussagen zu einer Übersterblichkeit immer auf einen bestimmten Referenzzeitraum, wie beispielsweise das Vorjahr oder – wie im Fall dieser Studie – auf die vorausgegangenen vier Jahre. Ein Anstieg oder Rückgang ist dementsprechend immer abhängig von der Entwicklung der Sterbeziffern in den Jahren davor.

Und zuletzt sei es Voraussetzung für die Ermittlung richtiger Werte, dass sich der Anteil besonders gefährdeter Gruppen an der gesamten Infektionsinzidenz im Analysezeitraum nicht wesentlich verändert. Zudem werden mit der Zeit die stärker ansteckenden Virusvarianten bevorzugt weitergegeben und dominieren schließlich das Infektionsgeschehen.

Ein wertvolles Instrument für künftige Pandemien

Würden alle diese Faktoren berücksichtigt, sind die Autorinnen und Autoren der Studie davon überzeugt, dass sich die Übersterblichkeit bei künftigen Pandemien als wertvolles Instrument anbietet, um zuverlässige Werte für die Ausbreitungsrate eines neu auftretenden Erregers in einer Bevölkerung zu ermitteln. Politische Entscheidungen könnten aus dieser Basis besser an die Realität angepasst werden.

Originalpublikation

Estimation of R0 for the spread of SARS-CoV-2 in Germany from excess mortality. Juan Pablo Prada, Luca Estelle Maag, Laura Siegmund, Elena Bencurova, Liang Chunguang, Eleni Koutsilieri, Thomas Dandekar & Carsten Scheller. Scientific Reports, 14. October 2022, https://doi.org/10.1038/s41598-022-22101-7 

Kontakt

Prof. Dr. Carsten Scheller, Institut für Virologie und Immunbiologie, T: +49 931 31-81563, scheller@ vim.uni-wuerzburg.de 

Prof. Dr. Thomas Dandekar, Lehrstuhl für Bioinformatik, T: +49 931 31-84551, dandekar@ biozentrum.uni-wuerzburg.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 19.10.2022

Wie viele Personen steckt ein Infizierter an in einer Bevölkerung, die bislang noch keinen Kontakt mit diesem Virus gehabt hat? Auskunft auf diese Frage gibt die sogenannte Basisreplikationszahl R0.
Wie viele Personen steckt ein Infizierter an in einer Bevölkerung, die bislang noch keinen Kontakt mit diesem Virus gehabt hat? Auskunft auf diese Frage gibt die sogenannte Basisreplikationszahl R0. (Bild: BlackJack3D / iStock)

Würzburg. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) zählt erneut zu Deutschlands besten Kliniken. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle „Klinikliste 2023“ des Nachrichtenmagazins „Focus“, die in dieser Woche erschienen ist. Das UKW belegt im bundesweiten Ranking Platz 15. Basis für die Liste waren die Daten von allen 1659 öffentlichen Kliniken in Deutschland, so das Magazin. Die „Klinikliste“ gilt als der umfangreichste Qualitätsvergleich der deutschen Krankenhäuser.

In der neuen Klinikliste 2023 empfohlen wird das Würzburger Uniklinikum bei der Behandlung folgender Krankheitsbilder bzw. bei den genannten Fachdisziplinen: 

Augenheilkunde (Hornhauterkrankungen), Augenheilkunde (Refraktive Chirurgie und Katarakt), Gynäkologische Chirurgie, Risikogeburt und Pränataldiagnostik, Hauterkrankungen, Herzchirurgie, Kardiologie, Schilddrüsenchirurgie, Kinderchirurgie, Neonatologie, Neuropädiatrie, Blasenkrebs, Brustkrebs, Darmkrebs, Gynäkologische Onkologie,   Hautkrebs, Hirntumoren,  Hodenkrebs, Knochenkrebs, Kopf-Hals-Tumoren, Leukämie, Lungentumoren, Lymphome, Nierenkrebs, Prostatakrebs, Prostatasyndrom, Demenzen, Multiple Sklerose, Parkinson, Schlaganfall, Handchirurgie, Kniechirurgie, Unfallchirurgie, Angst- und Zwangsstörungen, Nuklearmedizin, Strahlentherapie sowie bei den Zahnkliniken.

Speziell für Internationale Patienten wird auch die Medizinische Klinik II (u.a. Onkologie) des UKW empfohlen.

In die Klinikliste fließen auch die Bewertungen von etwa 15000 Fach- und Hausärzten ein.

Warum HPV nicht nur Frauen etwas angeht

Humane Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Viren. Eine Infektion kann Krebs verursachen – insbesondere Gebärmutterhalskrebs. Trotzdem ist HPV ein Problem, das beide Geschlechter angeht. Eine Impfung schützt.

Humane Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Viren. Eine Infektion kann Krebs verursachen – insbesondere Gebärmutterhalskrebs. Trotzdem ist HPV ein Problem, das beide Geschlechter angeht. Eine Impfung schützt. Im Laufe des Lebens infizieren sich 75 bis 80 Prozent aller Menschen mit HPV – unabhängig von ihrem Geschlecht. Trotzdem sind die Viren, die krebserregend sein können, in der Bevölkerung verhältnismäßig wenig bekannt. Das schlägt sich auch in der Impfquote nieder: 2019 waren in Deutschland von den 18-jährigen Frauen nur 52 Prozent vollständig geimpft, von den Männern nur 2,5 Prozent. Dabei wäre eine hohe Impfquote der beste Schutz vor HPV-bedingten Erkrankungen – insbesondere vor Krebs. Wie gut die Impfung schützt, zeigen Erfahrungen aus anderen Ländern, die diese schon länger empfehlen. In Dänemark etwa gingen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs bei jungen Frauen bereits um 40 Prozent zurück. Da die Krebsentstehung Jahrzehnte dauert, sind die Haupteffekte erst in der Zukunft zu erwarten. HPV-Infektionen verlaufen häufig unbemerkt. Die Ansteckung erfolgt in der Regel über Haut oder Schleimhaut, meist bei Intimkontakten. Eine indirekte Ansteckung, zum Beispiel über Handtücher, soll es in seltenen Fällen auch geben. Auch Kondome schützen nicht vollständig. Hat man sich angesteckt, bemerkt man meist nichts davon. Bei Menschen mit gesundem Immunsystem heilt die Infektion dann innerhalb einiger Monate von allein aus. Manche Virustypen können Genitalwarzen – auch Kondylome oder Feigwarzen genannt – auslösen.
Diese sind zwar harmlos, können für die Betroffenen aber belastend sein. Da es über 100 HPV-Typen gibt, kann man sich immer wieder anstecken.


Wenn die Infektion nicht ausheilt

In einigen Fällen heilt die Infektion nicht aus und persistiert. Dann kann bei bestimmten HPV-Typen irgendwann Krebs entstehen. Etwa 6250 Frauen und 1600 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland an HPV-bedingten Tumoren. Gebärmutterhalskrebs ist mit 5000 Fällen mit Abstand die häufigste HPV-bedingte Krebsart. Früh genug erkannt, liegen die Heilungschancen bei fast 100 Prozent. Allerdings ist dafür meist eine ausgedehnte Operation nötig. Und es sterben trotz Früherkennung immer noch jedes Jahr mehr als 1600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Die Impfung ist definitiv der richtige Weg, um diese Zahlen weiter zu verringern, ist Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Universitäts-Frauenklinik, überzeugt. Denn sie verhindert anhaltende HPV-Infektionen, die im schlimmsten Fall zu Krebs führen können. Die STIKO empfiehlt die Impfung für Jungen und Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren. „Ich rate dazu, den Empfehlungen der STIKO zu folgen, denn sie ist wirklich ein sehr gutes, unabhängig arbeitendes Gremium“, so Wöckel. Frauen, die geimpft sind, sollten allerdings nicht das Screening beim Frauenarzt auslassen. Denn die Impfung kann viele, aber nicht alle Erkrankungen verhindern. Hier haben sich 2020 die Empfehlungen geändert: Frauen zwischen 20 und 34 sollten weiter jährlich den sogenannten Pap-Abstrich machen lassen, der auffällige Zellen ins Visier nimmt. Ab 35 wird ein Kombinations-Test aus Pap-Abstrich und HPV-Test angeboten.
Da diese kombinierte Diagnostik sicherer ist, ist sie nur alle drei Jahre nötig.


Nicht zu viele Sorgen machen

Durch das Screening kann Gebärmutterhalskrebs oft frühzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden. Aber es hat nicht nur Vorteile. „Der Nachteil ist, dass viele Frauen unnötig in Sorge versetzt werden“, gibt Wöckel zu bedenken. Seine Botschaft: Das Risiko lässt sich durch die Impfung deutlich reduzieren, aber auch durch das Screening hat man eine sehr gute Kontrolle. Und eine HPV-Infektion geht in den meisten Fällen nach kurzer Zeit von allen wieder weg. „Man sollte deswegen nicht zu sehr besorgt sein.“


Wer sollte sich gegen HPV impfen lassen?

Am besten sollte man Kinder zwischen 9 und 14 Jahren impfen lassen. Versäumte Impfungen sollten bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.
Warum so früh? Zum einen wirkt die Impfung umso besser, je früher sie erfolgt.
Zum anderen kann man sich bereits beim ersten Geschlechtsverkehr anstecken. Trotzdem kann die Impfung auch bei sexuell aktiven Personen noch sinnvoll sein. Nach dem 18. Geburtstag muss man sie selbst bezahlen.


Nicht nur ein Mädchen und Frauenthema!

Zunächst wurde die HPV-Impfung nur für Mädchen empfohlen, da sie das größte Risiko für eine HPV-bedingte Krebserkrankung haben. Aber auch Männer können HPV-bedingt an Krebs erkranken. Humane Papillomviren können Krebserkrankungen im Mund-Rachen-Raum, in der Analregion und am Penis auslösen. „HPV ist nur für einen geringen Prozentsatz der Krebserkrankungen von Männern verantwortlich. Dementsprechend ist das Bewusstsein von Männern für HPV-bedinge Erkrankungen gering bis nicht vorhanden“, sagt Prof. Hubert Kübler, Direktor der Klinik für Urologie. Zwar gibt es Studien, die einen Zusammenhang zwischen HPV und Prostatakrebs, dem häufigsten Krebs bei Männern, aufzeigen. Klare Belege, dass die Infektion mit dem Virus tatsächlich ursächlich für ein Prostatakarzinom ist, fehlen aber. Sicher ist jedoch: Männer spielen die Hauptrolle bei der Ansteckung. Modellrechnungen zeigen, dass sich HPV-bedingte Erkrankungen in Zukunft noch besser vermeiden lassen, wenn man auch Jungen impft.

www.ukw.de/frauenklinik 
www.ukw.de/urologie 


Auszug aus "UNI.KLINIK 03_2022"

Würzburg. Die „Social Days“ sind ein konzernweites Programm der Deutschen Bank zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements ihrer Mitarbeitenden. In diesem Rahmen kam am 13. Oktober dieses Jahres ein Team von neun Führungskräften der Deutschen Bank Region Süd aus Regensburg ans Uniklinikum Würzburg (UKW), um die Dachterrasse der Kinderchirurgie noch kindgerechter zu gestalten. Gemeinsam mit Gabriele Nelkenstock, der Vorsitzenden des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs“, malten sie dort bunte Spielfelder auf. Außerdem bauten sie einen Wickeltisch im Aufenthaltsraum auf, damit Eltern auch ihre kleineren Kinder gut versorgen können. 

Finanziert mit 1.400 Euro-Spende

Zur Finanzierung des Vorhabens spendeten die Deutsche Bank und die Teammitglieder zusammen insgesamt 1.400 Euro an Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.

Ergänzt wurde das Programm des Aktionsnachmittags durch einen Vortrag von Prof. Dr. Thomas Meyer, dem Leiter der Kinderchirurgie – Kinderurologie und Kindertraumatologie der Chirurgie I des UKW, der den Gästen das breite Spektrum der in seiner Abteilung behandelten Erkrankungen verdeutlichte. Er spannte hierbei den Bogen von der Chirurgie des Früh- und Neugeborenen, über die allgemeine Kinderchirurgie, die minimal-invasive Chirurgie des Kindesalters, die Kindertraumatologie und Kinderurologie bis hin zur Kinderonkologie.

„Das Projekt, für Kinder im Uniklinikum Würzburg etwas Gutes zu tun, ihnen weitere Spielmöglichkeiten und somit Freude zu ermöglichen, hat uns von Anfang an fasziniert. Daher haben wir das von Gabriele Nelkenstock unterstützte Projekt sehr gerne in die Tat umgesetzt“, betont Martín Huber, der Sprecher der Regionalen Geschäftsleitung Süd der Deutschen Bank. Und Gabriele Nelkenstock kommentiert: „Wir sind sehr stolz, dass der Verein Hilfe im Kampf gegen Krebs e. V. bereits zum zweiten Mal für den ‚Social day‘ der Deutschen Bank ausgesucht wurde. Unter dem Motto ‚Gemeinsam besser‘ hat uns der Tag und die Vorbereitung der Aktion sehr viel Freude bereitet. Herzlichen Dank an das gesamte Team!“

Erste Hilfe im Säuglings- und Kleinkindalter

Kostenlose Informationsveranstaltung der Interessengemeinschaft zur Förderung der Kinder der Würzburger Intensivstation (Universitätskinderklinik) e. V.

Kostenlose Informationsveranstaltung zum Thema Erste Hilfe im Säuglings- und Kleinkindalter. Anmeldung nicht erforderlich.

Wann: Dienstag, 25. Oktober 2022 um 19:30 Uhr
Ort: Hörsaal der Universitäts-Kinderklinik (Gebäude D31) • Josef Schneider Straße 2, 97080 Würzburg
Referent: Dr. Katharina Ruf, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin  
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Veranstalter: KIWI e. V.

Informationen unter 09305/14 15

Förderungswürdig: Neues Transfusionsmedizin-Training mit Kunstblut am Uniklinikum Würzburg

Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert ein neues Lehrkonzept am Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie des Uniklinikums Würzburg. Durch den Einsatz von Blutkonserven-Dummys sollen in Zukunft deutlich mehr Medizinstudierende als bisher die Möglichkeit erhalten, die korrekte Durchführung einer Bluttransfusion auch praktisch zu üben.

Würzburg. Das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie des Uniklinikums Würzburg (UKW) hat sich mit seinem Projekt „Transfusionsmedizin-Training mit Dummys“, kurz TIMMY, erfolgreich um eine Förderung durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre beworben. Im Rahmen der Ausschreibung „Freiraum 2022“ wurden für Personal- und Sachkosten bis September 2024 knapp 100.000 Euro bewilligt. Privatdozent Dr. Jürgen Kößler vom Institut für Klinische Transfusionsmedizin erläutert: „Mit TIMMY wollen wir ein neues, strukturiertes Praktikum in der Transfusionsmedizin an der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg etablieren. Ein zentraler Punkt dabei ist der Einsatz von mit Kunstblut gefüllten Blutkonserven, so genannten Dummys.“

Bisher beschränkte Trainingsmöglichkeiten

Beim bisher am UKW angebotenen studentischen Transfusionsmedizinischen Praktikum werden nach seinen Worten verfallene Blutkonserven verwendet. Diese seien allerdings zahlenmäßig sehr begrenzt und dürften die Instituts-Laborräumen aus hygiene- und arzneimittelrechtlichen Gründen nicht verlassen. „Deshalb ist das Praktikum bislang lediglich eine Wahlveranstaltung innerhalb des Immunologie-Praktikums, so dass nur ein Teil der Studierenden eines Semesters den Umgang mit Blutkonserven realitätsnah üben kann“, bedauert Dr. Kößler. Durch die geplante Neustrukturierung und den Einsatz von in ausreichender Menge hergestellten Konserven-Dummys sollen künftig alle Würzburger Medizinstudierenden im Lauf ihres Studiums diese Chance bekommen.

Übungen nahe an der Realität

Beim neuen Praktikum wird ansonsten nur mit authentischen Materialien gearbeitet. Dabei spielen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer alle Schritte durch, die im Vorfeld einer Bluttransfusion notwendig sind. Beispielsweise prüfen sie die Angaben auf Etiketten und Begleitscheinen, sorgen für eine vorschriftsmäßige Patientenidentifikation, üben das korrekte Anbringen von Transfusionssystemen und führen einen so genannten Bedside-Test durch. Bei letzterem werden als zusätzlicher verpflichtender Kontrollschritt direkt am Krankenbett nochmals bestimmte Blutgruppenmerkmale der Empfängerin oder des Empfängers bestimmt.

Im Einklang mit aktuellen Anforderungen an die Lehre

„Mit dem TIMMY-Projekt tragen wir einer Forderung des Arbeitskreises Blut am Robert-Koch-Institut Rechnung, die das Fachgebiet Transfusionsmedizin noch stärker in die medizinische Lehre einbinden will, um Fehltransfusionen entgegenzuwirken“, betont Prof. Dr. Markus Böck, der Direktor des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie am UKW. Außerdem harmoniere das Vorhaben mit dem neuen Lernzielkatalog des im Rahmen des Masterplans 2025 reformierten Medizinstudiums. Dieser legt nicht zuletzt die Vermittlung von ärztlichen Kernkompetenzen im Bereich der Transfusionsmedizin fest.

Die Ausarbeitung und Etablierung des neuen Praktikumskonzepts findet in Absprache und mit Unterstützung von Prof. Dr. Sarah König, Leiterin des Instituts für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung am UKW und Studiendekanin der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg, statt. 

Nach seiner Finalisierung in zwei Jahren soll es als Vorbild dienen und für den Transfer an andere Universitäten offenstehen.

Tag der Allgemeinmedizin mit Themen am Puls der Zeit

Der Tag der Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Würzburg am 12. Oktober 2022 stieß mit seinem breiten Workshop-Angebot zu hausärztlichen Themen erneut auf hohes Interesse. Der Einführungsvortrag beschäftigte sich mit der aktuellen und auch zukünftigen Rolle von Hausärztinnen und Hausärzten beim ärztlich assistierten Suizid.

Würzburg. Am 12. Oktober 2022 organisierte das Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) seinen 5. Tag der Allgemeinmedizin. Die Fortbildungsveranstaltung richtete sich wie gewohnt an Hausärztinnen und Hausärzte, Medizinische Fachangestellte, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sowie Studierende. Sie hatten die Möglichkeit, aus insgesamt 17 Workshops auszuwählen. Auf großen Zuspruch der rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stießen zum Beispiel die Themen „Über- und Fehldiagnostik und -therapie aus endokrinologischer Sicht“, „Long-Covid aus internistischer und neuropsychologischer Sicht“ sowie „Grauer Star, grüner Star, rotes Auge, blaues Auge – wie geht es weiter?“.

Erfolgreiche BeLA-Studierende geehrt

Nach einem Grußwort von Prof. Dr. Sarah König, Studiendekanin der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und einer Begrüßung durch die Leiterinnen des Instituts für Allgemeinmedizin, Prof. Dr. Ildikó Gágyor und Prof. Dr. Anne Simmenroth, fand eine Ehrung der Studierenden Laura Ziegler und Julian Hauptmann statt. Die Stipendiatin und der Stipendiat des Programms „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ (BeLA) in Unterfranken absolvierten in den vergangenen vier Semestern ein Zusatzcurriculum mit Praktika und Abschnitte des Praktischen Jahres in ländlichen Regionen Unterfrankens. Das Programm ist eine Initiative des Bayerischen Gesundheitsministeriums und zielt darauf ab, mehr Medizinstudierende für das Fach Allgemeinmedizin zu begeistern und so langfristig im ländlichen Raum eine flächendeckende hausärztliche Versorgung zu sichern.

Anschließend dankten Prof. Gágyor und Prof. Simmenroth den teilnehmenden hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen für ihre unermüdliche Unterstützung der Lehre und für ihr Engagement in einer wachsenden Zahl an Forschungsprojekten. Prof. Gágyor wies in diesem Zusammenhang auf aktuell laufende klinische Studien zur Behandlung von Atemwegsinfekten und des Post-Covid-Syndroms in der hausärztlichen Praxis hin und warb für Unterstützung. 

Gedanken zum ärztlich assistierten Suizid

Den sich anschließenden Hauptvortrag mit dem Titel „Der ärztlich assistierte Suizid: (K)ein Thema für Hausärzt:innen“ übernahm Dr. Sandra Blumenthal vom Institut für Allgemeinmedizin der Berliner Charité. Unter einem ärztlich assistierten Suizid versteht man das Ermöglichen, Fördern oder Nichtverhindern einer Selbsttötung. Dies grenzte die Referentin von indirekter Sterbehilfe, einem Behandlungsabbruch oder einer Tötung auf Verlangen ab. Nach ihren Worten dürfen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland nach der Aufhebung des Paragrafen 217 des Strafgesetzbuches durch das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2020 Menschen beim Suizid beraten und assistieren. Auch die Berufsordnungen lassen dies derzeit in fast allen Bundesländern – auch in Bayern – zu. Um die dennoch unübersichtliche und rechtlich unbefriedigende Situation weiter zu klären, ist eine neue gesetzliche Regulierung der Beihilfe zur Selbsttötung in der Entwicklung. Entwürfe dazu werden seit diesem Sommer im Bundesrat diskutiert. „Gemeinsam ist ihnen die Überschrift ‚Suizidbeihilfe ermöglichen – aber nicht fördern‘“, verdeutlichte Blumenthal. Sie bedauerte, dass Hausärztinnen und Hausärzte zwar laut dieser Entwürfe bei der Suizidprävention und der Beratung weiterhin beteiligt sein werden, aber bislang nicht in die Gesetzesentwicklung einbezogen wurden. 

Graduierung von Suizidalität als eine der Herausforderungen

Eine der Herausforderungen bei den zu führenden Beratungsgesprächen ist laut der Ärztin die Abgrenzung eines krankheitsbedingten Tötungswunsches – zum Beispiel im Rahmen einer depressiven Episode – vom autonomen Wunsch, das Leben zu beenden. „Wir werden immer wieder vor der Entscheidung stehen, ob der Sterbewunsch Ausdruck der Patientenautonomie ist oder von einer psychiatrischen Erkrankung herrührt“, so Dr. Blumenthal. 

Um die eigene Beratungsleistung richtig einstufen zu können, riet die Expertin den Zuhörerinnen und Zuhörern, sich Gedanken über ihre persönlichen Einstellungen und Prägungen zu den Themen Tod, Sterben und Leben zu machen sowie sich hierzu mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. „Je nachdem, ob ich christlich sozialisiert bin und den Suizid beispielsweise aus religiösen Gründen kritisch sehe oder – als eine andere Position – die Autonomie des Menschen in den Mittelpunkt stelle, werden die Beratungsgespräche anderes ablaufen“, ist sich Dr. Blumenthal sicher.