Aktuelle Pressemitteilungen

Mukoviszidosekranke auch sportmedizinisch bestmöglich versorgt

Im Christiane Herzog-Zentrum für Mukoviszidose Würzburg werden Patientinnen und Patienten nach den höchsten Qualitätsstandards betreut und versorgt – auch in sportmedizinischen Fragen. Dies belegt die aktuelle Re-Zertifizierung der an der Würzburger Universitäts-Kinderklinik angesiedelten Einrichtung mit dem Gütesiegel „MUKO.zert Zertifikat plus“.

Untersuchung mit Spiroergometrie-Gerät
Zu den sportmedizinischen Untersuchungsmöglichkeiten des Würzburger Christiane Herzog-Zentrums gehört die Spiroergometrie. Bild: Alexandra Hebestreit / UKW
Untersuchung sportmedizinische Belastung
Am Christiane Herzog-Zentrum für Mukoviszidose können unter anderem individuelle Risiken bei sportlichen Belastungen abgeklärt und sportmedizinisch begründete Trainingsempfehlungen gegeben werden. Bild: Alexandra Hebestreit / UKW

Würzburg. Das Christiane Herzog-Zentrum am Uniklinikum Würzburg (UKW) betreut kontinuierlich mehr als 170 Kinder und Erwachsene, die von der schweren, noch nicht heilbaren Erbkrankheit Mukoviszidose betroffen sind. Die hohe Qualität der dabei geleisteten, multiprofessionellen und patientenzentrierten Versorgung bescheinigt ihr seit dem Jahr 2014 das „MUKO.zert Zertifikat plus“. Gemäß des mit der Zertifizierung verbundenen Rhythmus‘ überprüfte und bestätigte der Mukoviszidose e.V. jetzt erneut das Erfüllen aller Voraussetzungen für das Gütesiegel am UKW.

Erstmals mit Bewertung spezieller Kompetenzen

„Neben den bislang üblichen, allgemeinen Prüfkriterien, wie zum Beispiel der Qualifikation des Personals oder dem Vorhandensein der erforderlichen strukturellen Ressourcen, war es in diesem Jahr erstmals möglich, besondere Kompetenzen bewerten zu lassen“, berichtet Dr. Alexandra Hebestreit. Die Kinderpneumologin und langjährige Mitarbeiterin des Christiane Herzog-Zentrums fährt fort: „Hierbei konnten wir erfolgreich unsere sportmedizinische Expertise nachweisen und bekamen als einziges Mukoviszidose-Zentrum in Deutschland die entsprechende Kompetenz zugesprochen.“

Nach den Worten von Prof. Dr. Helge Hebestreit, dem Leiter des Zentrums, spielt Sport auch bei Mukoviszidosekranken – genauso wie in der Allgemeinbevölkerung – eine wichtige Rolle für die Gesundheit. „Wir haben wissenschaftlich nachgewiesen, dass eine gute körperliche Fitness bei Mukoviszidose mit einer höheren Lebenserwartung einhergeht. Ein sportlich-aktiver Lebensstil kann dazu beitragen, zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen, Adipositas, Diabetes mellitus, Krebs oder Depressionen entgegenzuwirken“, berichtet der Mukoviszidose-Experte, der auch die Pädiatrische Pneumologie des UKW und das Zentrum für Seltene Erkrankungen (ZESE) leitet.

Neue Krankheitslast durch lebensverlängernde Therapie möglich

Eine besondere Bedeutung von Bewegung und Sport sieht er im Zusammenhang mit der neuen, lebensverlängernden Therapie mit sogenannten CFTR-Modulatoren. „Bei Mukoviszidose besteht ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und weitere Erkrankungen, das bisher aufgrund der vergleichsweise geringen Lebenserwartung nicht so prominent war. Durch den Einsatz der Modulatoren steigt aber nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch der Body Mass Index und die Blutfettwerte. Hier kann eine neue Krankheitslast entstehen, gegen die sportliche Aktivität präventiv wirkt“, so Hebestreit.

Wissenschaftlich hochaktiv

Mitarbeitende des Christiane Herzog-Zentrums waren während der vergangenen 25 Jahre an vielen internationalen Studien und Leitlinien zu spiroergometrischen Untersuchungen und Sportinterventionen bei Mukoviszidose federführend beteiligt. Die Spiroergometrie ist ein diagnostisches Verfahren, das die gleichzeitige Messung von Atemgasen und Herz-Kreislauf-Parametern während einer körperlichen Belastung ermöglicht.

Beratung per Telemedizin und in Präsenz

Bei der Betreuung von Menschen mit Mukoviszidose ergeben sich laut Prof. Hebestreit immer wieder auch sportmedizinische Fragen, beispielsweise zu individuellen Risiken oder zu gezielten Trainingsempfehlungen. Die in Würzburg hierzu aufgebaute Kompetenz steht auch Menschen mit Mukoviszidose anderer Ambulanzen aus Deutschland bei Bedarf zur Verfügung – sowohl mit telemedizinischen Beratungen, als auch mit persönlichen Vorstellungen. Bei Zweiterer kann sich das Zentrum auf eine umfassende Ausstattung für sportmedizinische Untersuchungen stützen.

Über die Mukoviszidose

Bei der Mukoviszidose dickt durch einen Defekt in den Zellen der Schleimhäute das Sekret in den Atemwegen ein. Außerdem blockiert zähes Sekret die Ausführungsgänge zum Beispiel von Leber und Bauchspeicheldrüse und beeinträchtigt damit die Organfunktionen. In Deutschland leben etwa 8.000 Menschen mit der Multiorganerkrankung, pro Jahr werden rund 200 Kinder mit Mukoviszidose geboren. Die Lebenserwartung eines betroffenen Neugeborenen liegt heute bei ca. 60 Jahren.

 

Text: Pressestelle / UKW

Untersuchung mit Spiroergometrie-Gerät
Zu den sportmedizinischen Untersuchungsmöglichkeiten des Würzburger Christiane Herzog-Zentrums gehört die Spiroergometrie. Bild: Alexandra Hebestreit / UKW
Untersuchung sportmedizinische Belastung
Am Christiane Herzog-Zentrum für Mukoviszidose können unter anderem individuelle Risiken bei sportlichen Belastungen abgeklärt und sportmedizinisch begründete Trainingsempfehlungen gegeben werden. Bild: Alexandra Hebestreit / UKW

Philip Rieger als Kaufmännischer Direktor des UKW für weitere fünf Jahre bestätigt

Die zweite Amtszeit von Philip Rieger beginnt im April 2025. Er ist seit April 2020 Kaufmännischer Direktor am UKW.

Philip Rieger ist für weitere fünf Jahre zum Kaufmännischen Direktor des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) bestellt worden. Foto: UKW / Stefan Dreising

Würzburg. Philip Rieger ist für weitere fünf Jahre zum Kaufmännischen Direktor des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) bestellt worden. Diese Entscheidung traf der Aufsichtsrat der Würzburger Uniklinik in seiner Sitzung Anfang Oktober. Die zweite Amtszeit von Philip Rieger beginnt im April 2025. Er ist seit April 2020 Kaufmännischer Direktor am UKW.

„Über das mit der Verlängerung verbundene Vertrauen freue ich mich sehr. Der Kurs des UKW stimmt – und das soll auch in Zukunft so bleiben“, erklärt Rieger. Sein Antritt in Würzburg 2020 fiel noch mitten in die beginnende Corona-Pandemie. „Hier hat sich die enorme Leistungsstärke der Universitätsmedizin gezeigt, speziell in Würzburg. In Zukunft wollen wir diese Leistungsstärke am Standort Würzburg weiter ausbauen“, so Rieger. Die geplante bauliche Modernisierung des UKW-Campus sei hierfür ein wesentliches Element. Genauso wichtig sei die Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und natürlich das Gewinnen neuer Fachkräfte.

Rieger hofft zudem, dass die kommende Krankenhausreform eine spürbare und nachhaltige Verbesserung der Rahmenbedingungen bei den Kliniken ermöglicht: „Gerade für die Maximalversorger wie das UKW ist eine ausreichende Finanzierung der Vorhaltekosten von großer Bedeutung. Damit können wir auch in Zukunft eine tragende Säule der Gesundheitsversorgung in der Region bleiben.“

Vor seinem Antritt in Würzburg war der 49-jährige Jurist am Münchener LMU Klinikum tätig, u.a. als Leiter der Personalabteilung und als kommissarischer Kaufmännischer Direktor. Seine berufliche Laufbahn begann er im bayerischen Wissenschaftsministerium.

Philip Rieger ist für weitere fünf Jahre zum Kaufmännischen Direktor des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) bestellt worden. Foto: UKW / Stefan Dreising

DOG und Augenklinik des UKW feiern Rekorde

Ausgezeichnete Inspirationen aus Würzburg für neue Ansätze im Kampf gegen Augenkrankheiten

Auf dem bisher größten Jahreskongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) wurden von sieben eingereichten Postern der Würzburger Augenklinik fünf als Poster des Tages, zwei mit einem Posterpreis und eine Präsentation mit dem Sicca-Förderpreis ausgezeichnet.

Collage von sechs Porträts des Gewinnerteams.
Das Gewinnerteam der Augenklinik: oben v.l.n.r. Dr. Malik Salman Haider, Dr. Johanna Theuersbacher, Dr. Nikolai Kleefeldt; unten v.l.n.r. Privatdozent Dr. Daniel Kampik, Julian Schwebler und Dr. Raoul Verma-Führing. © UKW
Die Collage zeigt vier Bilder vom DOG-Jahreskongress, Julian Schwebler mit Sicca-Preis und Malik Salman Haider und Johanna Theuersbacher auf der Bühne bei der Verleihung des Posterpreises.
Die Würzburger Augenklinik feierte bei der DOG-Jahrestagung in Berlin Rekorde. Julian Schwebler erhielt den Sicca-Preis, Malik Salman Haider und Johanna Theuersbacher jeweils einen Posterpreis, drei weitere Beiträge wurden zum „Poster des Tages“ gekürt. © UKW

Würzburg. Mit 3.183 Fachteilnehmenden und 5.001 Besucherinnen und Besucher blickt die Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e.V. (DOG) auf eine Rekordbeteiligung beim 122. Kongress zurück, der vom 10. bis 13. Oktober in Berlin stattfand. Doch auch die Augenklinik des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) feierte bei der DOG-Jahrestagung Rekorde. Von sieben präsentierten Postern wurden fünf Poster als "Poster des Tages" ausgewählt. Dr. Johanna Theuersbacher und Dr. Malik Salman Haider erhielten zudem den Posterpreis der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Und Julian Schwebler wurde mit dem Sicca Förderpreis ausgezeichnet. 

„Als Leiter der Forschungslabore bin ich ungemein stolz auf die Leistungen unseres Teams, Krankheitsmechanismen zu verstehen und gleichzeitig innovative Therapiestrategien zu entwickeln“, kommentiert Dr. Malik Salman Haider. „Die Anerkennung, die wir durch die Posterpreise bei der DOG 2024 erhalten haben, spiegelt das Engagement und die harte Arbeit aller beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wider. Unsere Ergebnisse bringen nicht nur die Wissenschaft voran, sondern haben auch das Potenzial, die Versorgung in der Augenheilkunde maßgeblich zu beeinflussen. Ich freue mich darauf zu sehen, wie unsere Forschung auch in Zukunft neue Ansätze zur Bekämpfung von Augenkrankheiten inspirieren wird.“

Mit Mizellen Entzündungshemmer sicher und wirksam direkt ans Ziel bringen

Malik Salman Haider selbst erhielt einen Posterpreis für eine Entwicklung, die auch in vielen anderen preisgekrönten Projekten zum Einsatz kam, nämlich mizellare Formulierungen mit dem hochkonzentrierten, entzündungshemmenden Wirkstoff Dexamethason. Entzündungen sind bei verschiedenen Augenerkrankungen ein entscheidender Faktor, der das Fortschreiten der Erkrankung begünstigt und zu Gewebeschäden, Sehverlust und Beschwerden beiträgt. Malik Haider und seine Arbeitsgruppe haben den bewährten Entzündungshemmer Dexamethason (DEX) mit Hilfe von A-B-A-Triblock-Copolymeren in winzige Trägerstrukturen, so genannte Mizellen, verpackt. Die spezielle Struktur der Mizellen hilft, das Medikament effizienter zum betroffenen Gewebe zu transportieren. Die DEX-Mizellen zeigten eine ausgezeichnete Zytokompatibilität und eine deutlich verbesserte Permeabilität. Laut Haider hat diese neuartige mizellare Formulierung das Potenzial, die Einschränkungen der derzeitigen DEX-Therapien zu überwinden, indem sie das Medikament auf eine sichere und wirksame Weise direkt ans Ziel bringt – sei es durch Augentropfen oder Injektionen. 

Sicca-Förderpreis für die Erforschung der Entzündung und des Hydrogel-Drug-Delivery-Systems an einem in vitro 3D-Modell der Bindehaut

Der mit insgesamt 20.000 Euro dotierte Sicca-Förderpreis wird jährlich von der Arbeitsgemeinschaft Trockenes Auge und Oberflächenerkrankungen im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) vergeben. Einer der acht Preisträger in diesem Jahr ist Julian Schwebler, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Augenheilkunde. Sein mit 2.000 Euro und viel Lob ausgezeichnetes Projekt beschäftigte sich mit Entzündungen bei Bindehauterkrankungen und einer effizienteren Behandlung auf Basis von Hydrogelen. Um die zugrundeliegenden Mechanismen besser zu verstehen, studierte Julian Schwebler die Entzündung mit Hilfe eines 3D-in-vitro-Modells der Bindehaut. Darüber hinaus untersuchte er therapeutische Strategien mit Hydrogel-Wirkstoffträgersystemen, um die Entzündung wirksam zu lindern. Seine Forschungsergebnisse unterstreichen das Potenzial dieser Hydrogel-Formulierungen, therapeutische Wirkstoffe direkt an das betroffene Gewebe zu bringen, und bieten einen gezielten Ansatz, um Entzündungen zu reduzieren und die Ergebnisse bei Bindehauterkrankungen zu verbessern.

Besseres Verständnis der Fusarium-Keratitis und Grundlage für innovative Therapien

Dr. Johanna Theuersbacher wurde für ihre Erkenntnisse zum Verständnis der Fusarium-Keratitis mit einem Posterpreis (dotiert mit 500 Euro) ausgezeichnet. Die Fusarium-Keratitis ist eine schwere Infektion der Hornhaut (Keratitis), die durch Pilze der Gattung Fusarium verursacht wird. Diese Infektion kann das Auge stark schädigen und in schweren Fällen so weit fortschreiten, dass eine Enukleation, also die operative Entfernung des Augapfels, notwendig wird. Johanna Theuersbacher untersuchte den Pathomechanismus und den Prozess der Pilzinvasion. Dazu führte die Fachärztin mit ihrem Team In-vitro-Experimente an Hornhautepithelzelllinien durch. Ein bemerkenswerter Mechanismus der Pilzinfiltration war die Endozytose, also ein Mechanismus, der es Zellen ermöglicht, aktiv und gezielt Substanzen aus ihrer Umgebung aufzunehmen und zu verarbeiten. Ihre Forschungsergebnisse bilden die Grundlage für innovative Therapien, die darauf abzielen, die Ergebnisse für die Patientinnen und Patienten zu verbessern und diese sehkraftgefährdende Infektion zu verhindern.

Hydrogel als potentielle Ergänzung in der filtrierenden Glaukomchirurgie

Dr. Raoul Verma-Führing, Studienkoordinator und Assistenzarzt für Glaukomchirurgie, überzeugte die Jury mit einem mit Dexamethason beladenen Hydrogel, das speziell als Hilfsmittel in der filtrierenden Glaukomchirurgie eingesetzt werden soll. Ziel der filtrierenden Glaukomchirurgie ist es, den erhöhten Augeninnendruck, der unbehandelt zu einem dauerhaften Sehverlust führen kann, zu senken, indem ein künstlicher Abflussweg für das Kammerwasser aus dem Augeninneren geschaffen wird. Das innovative Hydrogelsystem soll therapeutische Wirkstoffe freisetzen, die auf die Ursachen der postoperativen Narbenbildung abzielen, die eine häufige und schwerwiegende Komplikation bei Glaukomoperationen darstellt. Verma-Führing und sein Team gehen davon aus, dass ihr selbst entwickeltes Hydrogel die chirurgischen Ergebnisse verbessern wird, indem es die Narbenbildung hemmt. Außerdem soll das Hydrogel die Notwendigkeit wiederholter Injektionen direkt in das Auge verringern, die für die Patientinnen und Patienten unangenehm sein und das Risiko von Komplikationen bergen können.

Veränderungen der sMNV bei CSCR unter Anti-VEGF-Therapie

Dr. Nikolai Kleefeldt beeindruckte mit seiner Arbeit über funktionelle und morphologische Veränderungen der sekundären makulären Neovaskularisation (sMNV) bei Patienten mit zentraler seröser Chorioretinopathie (ZSCR) unter Anti-VEGF-Therapie. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der Flüssigkeit unter die Netzhaut des Auges gelangt, was das Sehvermögen beeinträchtigen kann. Die Anti-VEGF-Therapie hemmt die Bildung der krankhaften Blutgefäße. Der Funktionsoberarzt führte eine retrospektive Analyse von insgesamt 20 Augen von 16 Patientinnen und Patienten durch, die zwischen Juli 2021 und Dezember 2022 am UKW behandelt wurden. Seine Ergebnisse zeigen, dass die Anti-VEGF-Therapie bei sMNV im Zusammenhang mit CSCR wirksam ist und zu einer signifikanten Verbesserung der Sehschärfe und einer deutlichen Reduktion der zentralen Netzhautdicke führt. Zwei Formen der sMNV konnten mit OCT-A, einer optischen Kohärenztomographie-Angiographie, sichtbar gemacht werden. Die Fläche der sMNV verringerte sich, aber nicht signifikant. Die Erkrankung selbst bleibt hochaktiv und erfordert weiterhin viel Aufmerksamkeit und eine hochfrequente IVOM-Therapie (Injektionen direkt in den Glaskörper des Auges). In vielen Fällen muss das Medikament innerhalb des ersten Jahres gewechselt werden.

Schädigungen der Hornhaut durch das Protein BCMA im Tränenfilm 

Privatdozent Dr. Daniel Kampik, Leiter der Hornhautbank der Augenklinik, untersuchte das Vorkommen des löslichen B-Zell-Reifungsantigens (BCMA) im Tränenfilm und seine mögliche Rolle bei den kornealen Nebenwirkungen des Medikaments Belantamab. Belantamab ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das zur Behandlung des Multiplen Myeloms, einer Form von Blutkrebs, eingesetzt wird. Es greift das Protein BCMA an, das auf den Krebszellen vorkommt. Es wurde jedoch beobachtet, dass Belantamab auch Augenprobleme verursachen kann, insbesondere eine Schädigung der Hornhaut (Hornhauttoxizität). Durch eine Kombination von in vitro- und in vivo-Experimenten konnten Kampik und sein Team einen Zusammenhang zwischen der Menge an löslichem BCMA im Tränenfilm und dem Auftreten von Hornhauttoxizität nachweisen. Seine Forschung konzentrierte sich auf die Aufklärung der Mechanismen, durch die lösliches BCMA im Tränenfilm zu diesen schädigenden Wirkungen auf die Hornhaut beitragen kann.

Text: Kirstin Linkamp / UKW 
 

Collage von sechs Porträts des Gewinnerteams.
Das Gewinnerteam der Augenklinik: oben v.l.n.r. Dr. Malik Salman Haider, Dr. Johanna Theuersbacher, Dr. Nikolai Kleefeldt; unten v.l.n.r. Privatdozent Dr. Daniel Kampik, Julian Schwebler und Dr. Raoul Verma-Führing. © UKW
Die Collage zeigt vier Bilder vom DOG-Jahreskongress, Julian Schwebler mit Sicca-Preis und Malik Salman Haider und Johanna Theuersbacher auf der Bühne bei der Verleihung des Posterpreises.
Die Würzburger Augenklinik feierte bei der DOG-Jahrestagung in Berlin Rekorde. Julian Schwebler erhielt den Sicca-Preis, Malik Salman Haider und Johanna Theuersbacher jeweils einen Posterpreis, drei weitere Beiträge wurden zum „Poster des Tages“ gekürt. © UKW

Mit Stricksocken Gutes tun

Bereits seit einigen Jahren spendet Hilde Oppmann der Elterninitiative Regenbogen selbstgestrickte Socken.

Hilde Oppmann und Denise Lampert (Elterninitiative Regenbogen) bei der Übergabe der Socken (von links) (Foto: Nadine Kempa).
Hilde Oppmann und Denise Lampert (Elterninitiative Regenbogen) bei der Übergabe der Socken (von links) (Foto: Nadine Kempa).

Würzburg. Insgesamt 185 Paare Stricksocken hat Hilde Oppmann in den vergangenen Jahren an die Elterninitiative Regenbogen und die Kinderkrebsstationen am Uniklinikum gespendet.Als ihre Enkelin vor einigen Jahren selbst an Krebs erkrankte begann Oppmann, für den damals im Klinikum stattfindenden Adventsbasar und weitere Veranstaltungen ihre Stricksocken bereitzustellen. Seit einigen Jahren gehen die Socken an die Elterninitiative Regenbogen, einen wohltätigen Verein, der eng mit dem Klinikum zusammenarbeitet. Dort kommen sie auch weiterhin den Kindern auf den Stationen zugute. Die Elterninitiative bedankt sich herzlich für das langjährige Engagement von Hilde Oppmann.

Text: Nadine Kempa (Öffentlichkeitsarbeit, Elterninitiative Regenbogen für leukämie- und tumorkranke Kinder Würzburg e. V.)

Hilde Oppmann und Denise Lampert (Elterninitiative Regenbogen) bei der Übergabe der Socken (von links) (Foto: Nadine Kempa).
Hilde Oppmann und Denise Lampert (Elterninitiative Regenbogen) bei der Übergabe der Socken (von links) (Foto: Nadine Kempa).

Weitere Sprosse auf der Karriereleiter für Barbara Altieri

Würzburger Endokrinologin erhält renommierten Nachwuchspreis von der Italienischen Gesellschaft für Endokrinologie

Ein Interview mit Dr. Barbra Altieri über die Auszeichnung der Italienischen Gesellschaft für Endokrinologie, ihre Arbeit am UKW und ihre Zukunftspläne.

 

Barbara Altieri am Rednerpult auf dem Kongress der Italienischen Gesellschaft für Endokrinologie in Genua
Dr. Barbara Altieri vom Uniklinikum Würzburg wurde am 28. September 2024 auf dem Kongress der Italienischen Gesellschaft für Endokrinologie in Genua mit dem prestigeträchtigen Preis „Premio SIE Under 40“ ausgezeichnet. ©Segreteria Organizzativa delle IIEM 2024 – Congress Planning
Porträt von Barbara Altieri im weißen Kittel
Dr. Barbara Altieri forscht in der Endokrinologie des Uniklinikums Würzburg hauptsächlich zum Nebennierenkarzinom. Für ihre Arbeiten wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. © Daniel Peter / UKW

Dr. Barbara Altieri wurde am 28. September 2024 auf dem Kongress der Italienischen Gesellschaft für Endokrinologie in Genua mit dem „Premio SIE Under 40“ ausgezeichnet. Der Preis der Società Italiana di Endocrinologia (SIE) ist mit 5.000 Euro dotiert und wird an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter 40 Jahren vergeben, die herausragende Beiträge auf dem Gebiet der Endokrinologie geleistet haben.

Barbara Altieri forscht seit dem Jahr 2019 in der Endokrinologie und Diabetologie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Ihr wissenschaftliches Interesse gilt neben endokrinen Tumoren, also Tumoren, die von hormonbildenden Zellen an verschiedenen Stellen im Körper ausgehen können, vor allem Nebennierentumoren und deren Pathogenese. Die 39-jährige Medizinerin hat bereits knapp 100 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht und wurde für ihre Forschungsarbeiten mehrfach ausgezeichnet.

Herzlichen Glückwunsch zu dieser Auszeichnung. Was bedeutet der "Premio SIE Under 40" für Sie? 

Der Preis ist eine große Ehre für mich. Er ist zwar nicht hoch dotiert aber mit viel Prestige verbunden. Für meinen Lebenslauf ist der Preis sehr wichtig und eine weitere Sprosse auf der Karriereleiter. Außerdem helfen solche Auszeichnungen dabei, Fördergelder einzuwerben und weitere Projekte zu finanzieren. 

Die Auszeichnung selbst baut stark auf meinem Lebenslauf auf und würdigt mein bisheriges Schaffen: Wie viele Preise habe ich erhalten, wie viele Publikationen habe ich veröffentlicht, wie hoch ist der Impact Factor der Fachzeitschriften, wie oft wurden die Publikationen zitiert, wo war ich Erstautorin oder Letztautorin, wie oft war ich als invited speaker auf Kongressen. 
Die Società Italiana di Endocrinologia hatte mich sogar als Sprecherin nach Genua eingeladen. Kurz danach kam die Nachricht über die Auszeichnung. Also durfte ich im Rahmen der Preisverleihung noch einmal zehn Minuten über mich und meine bisherigen Leistungen sprechen. 

Erst vor wenigen Monaten, im Mai 2024, erhielten Sie in Stockholm einen der begehrten Rising Star Awards des European Journal of Endocrinology (EJE). Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) verlieh Ihnen den Schoeller-Junkmann-Preis und den Anke-Mey-Preis. Die European Society of Endocrinology (ESE) ehrte Sie mit dem ESE Young Investigator. Zahlreiche weitere Preise schmücken Ihre Vita. Was zeichnet Sie und Ihre Arbeit aus? 

Zum einen liebe ich meine Forschung, ich arbeite leidenschaftlich an meinen Themen und investiere sehr viel Zeit in meine Projekte, um stets das Beste zu geben. Zum anderen verdanke ich einen Teil jeder Auszeichnung dem großartigen Team am UKW. Wir ergänzen uns hervorragend und pushen uns immer wieder aufs Neue. Ein besonderer Dank gilt Cristina Ronchi, die mich in meinen ersten Jahren in Würzburg betreut hat und inzwischen in Birmingham arbeitet, und Martin Fassnacht, dem Leiter der Endokrinologie. Er ist einer der größten Experten auf dem Gebiet des Nebennierenkarzinoms und ein großartiger Mentor, sowohl fachlich als auch menschlich. Ich habe sehr viel von ihm gelernt. 

Ihr Forschungsschwerpunkt ist das Nebennierenkarzinom, eine seltene Erkrankung mit einer Inzidenz von etwa 1 bis 2 Fällen pro einer Million Menschen pro Jahr. Wie entstand Ihre Leidenschaft für dieses Randgebiet? 

Während meines Studiums in Rom hatte ich zum ersten Mal Kontakt mit Patientinnen und Patienten mit einem Nebennierenkarzinom, ein hochgradig bösartiger Tumor an einer der paarig an den Nieren gelegenen Hormondrüsen. Entsprechend hoch ist der Leidensdruck der Betroffenen. Sie brauchen viel Zuwendung. Das hat mich sehr bewegt. Deshalb habe ich schon damals alles getan, um die Prognose und die Lebensqualität zumindest ein kleines bisschen zu verbessern. 

Der Kontakt zu den Patientinnen und Patienten ist in Würzburg allerdings weniger geworden, da Sie noch nicht klinisch tätig sind. Vermissen Sie das? 

Ja, schon. Aber ich arbeite daran und lerne fleißig Deutsch. Für die Approbation, also die Zulassung als Ärztin zu praktizieren, brauche ich einen Sprachnachweis auf dem Niveau C1. 
Und die Patientinnen und Patienten stehen nach wie vor über allem und sind Sinn und Zweck meines Tuns. Meine Forschung ist immer auf Translation ausgerichtet, damit die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zügig in die klinische Forschung und schließlich in die Behandlung einfließen. 

Was ist das Besondere an der Endokrinologie und speziell am Nebennierenkarzinom? 

Beim Nebennierenkarzinom haben wir mit verschiedenen Facetten der Medizin zu tun und arbeiten eng mit Kolleginnen und Kollegen aus der Onkologie, Radiologie, Chirurgie und Psychologie zusammen. Diese Interdisziplinarität gefällt mir sehr. Und man lernt ständig dazu. Aber auch im Team besprechen wir jede einzelne Patientin und jeden einzelnen Patienten. Die Diagnose ist sehr schwierig, weil das Nebennierenkarzinom oft erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. Außerdem ist die Pathogenese des Nebennierenkarzinoms noch nicht vollständig verstanden. Warum und wie entsteht das Nebennierenkarzinom? Der Mensch hat nicht nur den Krebs, sondern auch viele andere Symptome, die mit der Hormonausschüttung zusammenhängen. Es gibt also noch viel zu entdecken. 

Durch die Kombination von Einzelzelltechnologien, dem so genannten Single Cell RNA Sequencing, und Transkriptomanalysen, also der Analyse aller Gene, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Zelle abgelesen werden, haben Sie bereits einen umfassenden Zellatlas der gesunden Nebenniere erstellt.

Wir hatten bereits ein recht gutes Bild von der Histologie und Pathologie der Nebenniere, also den spezifischen Funktionen des Gewebes und den krankhaften Veränderungen. Aber wir hatten noch keinen Überblick über die einzelnen Zellen, und die komplizierten molekularen Mechanismen, die der Selbsterneuerung der Nebenniere beim Erwachsenen zugrunde liegen, waren noch kaum aufgeklärt. 
Bei unserer Arbeit, die übrigens ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Max Delbrück Center for Molecular Medicine in Berlin war, haben wir unter anderem zwei neue bisher unbekannte Zelltypen identifiziert. Die eine ist eine Subpopulation von vaskulären endothelialen Zellen, die andere ist ein potenzieller Vorläufer hormonproduzierender Zellen in der Nebennierenrinde. Der Zellatlas gibt auch Einblicke in die molekularen Mechanismen der Tumorentstehung in der Nebennierenrinde und hilft bei der Charakterisierung von Tumorzellen, um neue Targets für eine effiziente Therapie zu finden. 

Sie forschen auch an Medikamenten. Was gibt es da Neues? 

Mitotane ist derzeit das einzige zugelassene Medikament zur Behandlung des Nebennierenkarzinoms. Nach der erfolgreichen ADIUVO-Studie, die das UKW gemeinsam mit der Universität Turin durchgeführt hat, etablierte sich Mitotane weltweit als Standardtherapie zur Rezidivprophylaxe nach operativer Entfernung des Nebennierenkarzinoms. Inzwischen wissen wir, dass bei einem Tumor, der vollständig entfernt werden konnte, der niedriggradig und lokal begrenzt ist und nicht gestreut hat, und bei dem der Zellteilungsmarker Ki-67 unter 10 Prozent liegt, das Rückfallrisiko also gering ist, Mitotane die Rückfallrate nicht signifikant verbessert, dafür aber mit Nebenwirkungen verbunden ist. In meiner Forschung konzentriere ich mich auf die Nebenwirkungen des Medikamentes. Dazu wird es demnächst ein größeres Projekt mit mehr als 600 Patientinnen und Patienten aus 25 Zentren in Europa und den USA geben. 

Wie setzen sie das Preisgeld von 5.000 Euro ein? 

Normalerweise verwende ich Preisgelder für Reisekosten zu Kongressen. Demnächst steht aber ein dreimonatiger Aufenthalt in den USA an. Wir planen mit der University of Michigan ein Projekt zur Pathogenese des Nebennierenkarzinoms. Anders als beim Dickdarmkrebs, wo sich aus einem Polypen ein Adenom und im Laufe der Zeit ein Karzinom entwickeln kann, sieht beim Nebennierentumor ein Adenom, also ein gutartiger Tumor, wie ein Adenom aus und ein Karzinom, ein bösartiger Tumor, wie ein Karzinom. Das sind zwei verschiedene Entitäten. 

Als Vorstandsmitglied des Komitees EYES (ESE Young Endocrinologists & Scientists) sind Sie in der Ausbildung junger Endokrinologinnen und Endokrinologen aktiv. Zudem sind Sie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Arbeitsgruppe ACC des European Network for the Study of Adrenal Tumours (ENS@T). Wie wichtig sind Nachwuchsförderung und Vernetzung?

Beides ist enorm wichtig. Nur gemeinsam und im Austausch können wir besser werden. Wir pflegen intensive Kontakte zu verschiedenen Zentren weltweit. Junge Doktorandinnen und Doktoranden kommen aus anderen Ländern zu uns, wir hospitieren bei ihnen. Wir lernen voneinander und arbeiten zusammen. Das schafft gute und fruchtbare Verbindungen. 
Ich selbst bin 2014 als junge Studentin nach Würzburg gekommen. Für mich der ‚place to be‘. Die Endokrinologie, damals noch unter der Leitung von Professor Bruno Allolio, forscht seit über 20 Jahren zum Nebennierenkarzinom und gilt als internationales Referenzzentrum. Später war ich noch für meine europäische Promotion ein Jahr in Würzburg. Und als 2019 eine Stelle frei wurde, habe ich mich als Postdoc beworben.

Wie lebt es sich als Italienerin in Würzburg? 

Die Lebensqualität ist wirklich gut. Die Stadt ist zwar sehr klein, aber dafür ist alles fußläufig oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, und es ist sicher. Ich habe keine Angst, wenn ich früh die Wohnung verlassen muss, um den Zug zum nächsten Kongress zu erwischen. Auch das soziale Leben ist toll. Ich habe viele Freunde, die aus verschiedenen Ländern kommen, aber auch aus verschiedenen Fachbereichen, nicht nur aus der Medizin. Hier in Würzburg habe ich auch meinen Mann kennen gelernt, er kommt aus Norditalien und macht etwas ganz anderes als ich: Er ist Ingenieur. Weniger optimal an Würzburg ist sind die Öffnungszeiten der Geschäfte und Supermärkte. 18 Uhr, bestenfalls 20 Uhr. Das ist hart. Und beim Gemüse, da vermisse ich die Qualität meiner Heimat, wo die Tomaten wie richtige Tomaten schmecken. 

Was sind Ihre weiteren Pläne?

Neben meinen laufenden Projekten bereite ich gerade meine Habilitation vor. In Italien habe ich mich bereits vor einem Jahr habilitiert, in Deutschland steht das noch aus. Und dann muss ich neben der Familienplanung sehen, wo es für mich eine entsprechende Stelle als Privatdozentin oder Professorin gibt. 


Das Interview führte Kirstin Linkamp / UKW
 

Bullmanns Backshop spendet Eis für Kinderkrebsstationen

Ende September überraschte Bullmanns Backshop die Elterninitiative Regenbogen mit einer Eisspende.

Yevgeniya Ronis von der Elterninitiative und Michael Bullmann von Bullmanns Backshop bei der Übergabe der Eisspende
Yevgeniya Ronis von der Elterninitiative und Michael Bullmann von Bullmanns Backshop bei der Übergabe der Eisspende (Foto: Alexander Pfeffer).

Würzburg. Die Freude war groß als Bullmanns Backshop der Elterninitiative Regenbogen am 25.9.2024 eine großzügige Eisspende mitbrachte. Das Eis wurde ursprünglich auf Social Media bei einem Gewinnspiel verlost, da der Gewinn jedoch nicht abgeholt wurde, entschied sich Michael Bullmann kurzerhand dazu, das Eis für einen guten Zweck einzusetzen.

So konnten diverse Sorten einer Berliner Eismanufaktur von Stracciatella- bis Erdbeereis an die Elterninitiative Regenbogen übergeben werden. Der Verein arbeitet eng mit den Kinderkrebsstationen am Universitätsklinikum zusammen, welche das Eis an die kleinen Patienten und deren Familien verteilten. Den Kindern konnte durch diese Aktion ein wenig Unbeschwertheit und Freude ermöglicht werden, die in dieser schweren Zeit der Krankheit oft zu kurz kommen.

Michael Bullmann betonte seine langjährige Verbundenheit mit der Elterninitiative. Aufgrund eines Schicksalsschlags im familiären Umfeld liegt es ihm besonders am Herzen, Betroffenen selbst helfen zu können. Auch der regionale Kontext der Elterninitiative Regenbogen trage für ihn dazu bei, sich zu engagieren.

Die Elterninitiative Regenbogen ist ursprünglich aus einer Selbsthilfegruppe aus betroffenen Eltern krebskranker Kinder entstanden und führt auch heute noch diesen Gedanken in ihrer Arbeit fort. Den Familien stehen in dieser schwierigen Situation deshalb verschiedene Angebote unter Betroffene zur Verfügung, vom Zusammenkommen im Elterncafé bis über gemeinsame Feste nach der Therapie.

Text: Nadine Kempa (Öffentlichkeitsarbeit, Elterninitiative Regenbogen für leukämie- und tumorkranke Kinder Würzburg e. V.)

Yevgeniya Ronis von der Elterninitiative und Michael Bullmann von Bullmanns Backshop bei der Übergabe der Eisspende
Yevgeniya Ronis von der Elterninitiative und Michael Bullmann von Bullmanns Backshop bei der Übergabe der Eisspende (Foto: Alexander Pfeffer).

Herausragende Arbeiten zu herausforderndem Verhalten

Die Diplom-Psychologin Dr. Julia Geissler von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKW erhielt auf dem XXXVIII. DGKJP-Kongress in Rostock den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis der Steinhausen-Stiftung für ihre Projekte REDUGIA und ProVIA, in denen junge Menschen mit einer Entwicklungsstörung der Intelligenz und Autismus-Spektrum-Störungen im Mittelpunkt stehen.

Laudator Tobias Renner hält auf der Bühne einen Blumenstrauß in den Händen, daneben Hans-Christoph Steinhausen, der Julia Geissler die Urkunde überreicht.
Dr. Julia Geissler von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKW erhielt beim DGKJP-Kongress in Rostock den mit 10.000 Euro dotierten Preis der Steinhausen-Stiftung. Prof. Dr. Dr. Hans-Christoph Steinhausen (Mitte) verlieh diesen Preis zum ersten Mal. Prof. Dr. Tobias Renner (links) hielt die Laudatio. © Regina Taurines / UKW
Die Grafik zeigt sechs Screenshots der Smartphone-Applikation ProVIA-Kids
Features der App ProVIA-Kids: A) Homescreen, B) Verhaltensanalyse, C) Graphische Darstellung der Häufigkeit der verschiedenen Ursachen des Problemverhaltens, D) Inhaltsverzeichnis der Wissenskapitel, E) Auszug aus dem Wissenskapitel zu Besonderheiten der Sinneswahrnehmung, E) Stimmungstagebuch. © 2024 Meerson, Buchholz, Kammerer, Göster, Schobel, Ratz, Pryss, Taurines, Romanos, Gamer and Geissler

Würzburg. Auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) wurde erstmals der Steinhausen-Stiftungspreis verliehen. Der von Helene und Prof. Hans-Christoph Steinhausen gestiftete Preis zeichnet Forschende, Einrichtungen und Institutionen für bemerkenswerte wissenschaftliche Leistungen oder praktische Aktivitäten und Projekte aus, die in besonderer Weise geeignet sind, die Lebensqualität von Menschen mit einer Entwicklungsstörung der Intelligenz zu verbessern. 

Als erste Preisträgerin dieser Auszeichnung wurde Dr. Julia Geissler, Diplom-Psychologin der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Würzburg (UKW) und approbierte Psychologische Psychotherapeutin, für ihre herausragenden Projekte REDUGIA und ProVIA geehrt. REDUGIA steht für „Reduktion von freiheitsentziehenden Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung: Grundlagen einer interdisziplinären Allianz“; ProVIA für „Problemverhalten verstehen und vorbeugen bei Intellektueller Entwicklungsstörung und Autismus-Spektrum-Störungen“.

„Herausforderndes Verhalten ist ein dramatisches Hindernis für die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft“

„Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen oder Entwicklungsstörungen der Intelligenz sind eine vulnerable Gruppe, die oft Schwierigkeiten hat, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu kommunizieren, und die meist nicht in der Lage ist, um Hilfe zu bitten“, weiß Julia Geißler. „Sie zeigen herausforderndes Verhalten, weil sie sich im Moment nicht helfen können. Sie sind zum Beispiel aggressiv, verletzen sich selbst oder zeigen eine starke Verweigerungshaltung. Dies stellt für die Betroffenen eine erhebliche Erschwernis in Bezug auf Lernen, Selbstständigkeit, Sozialisation und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit dar und kann so zusätzlich zu den Hürden, mit denen diese Gruppe aufgrund ihrer Erkrankungen ohnehin konfrontiert ist, ein dramatisches Hindernis für die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft darstellen. Aus diesem Grund ist die Verhaltensprävention, unter anderem durch eine gute Schulung der Betreuungspersonen in der Erkennung der Ursachen, von zentraler Bedeutung“.

Freiheitsentziehende Maßnahmen in Extremfällen

Herausforderndes Verhalten stellt aber auch eine große Belastung für die Betreuungspersonen dar. Im Extremfall kann es sogar freiheitsentziehende Maßnahmen auslösen, die in erster Linie dem Schutz des Kindes oder seiner Umgebung dienen. Wann und unter welchen Voraussetzungen freiheitsentziehende Maßnahmen zulässig sind, regelt § 1631b BGB. Das Gesetz wurde durch eine Novellierung im Jahr 2017 dahingehend verschärft, dass solche Einschränkungen nur in Ausnahmesituationen und unter strengen Voraussetzungen erfolgen dürfen.

Hoher Versorgungsbedarf versus Ressourcenknappheit im Gesundheitssystem

REDUGIA ist die erste Studie, die systematisch den Status quo der Häufigkeit von herausforderndem Verhalten, freiheitsentziehenden Maßnahmen und der Belastung des Personals in stationären Einrichtungen für junge Menschen mit Entwicklungsstörungen der Intelligenz in einem deutschen Bundesland erfasst. In Bayern leben ca. 10 Prozent aller jungen Menschen mit Intelligenzminderung in stationären Wohneinrichtungen. Die repräsentative Befragung bayerischer Heime zeigte, dass herausforderndes Verhalten und freiheitsentziehende Maßnahmen kein flächendeckendes Phänomen sind, sondern sich auf wenige spezialisierte Einrichtungen konzentrieren, in denen die Kinder mit dem höchsten Bedarf und den gravierendsten Verhaltensproblemen betreut werden. Die Studie ergab, dass freiheitsentziehende Maßnahmen nicht häufig angewendet werden und dass die Einrichtungen bereits vor der Gesetzesänderung verantwortungsvoll damit umgegangen sind. Der 2016 in Presseberichten erhobene Vorwurf weitreichender unzulässiger freiheitsentziehender Maßnahmen konnte nicht bestätigt werden. 

„Aber es gibt einen Zusammenhang zwischen herausforderndem Verhalten und der Belastung des Personals, was zeigt, wie hoch der Betreuungsbedarf ist und wie wichtig Präventionsmaßnahmen sind, um solche Situationen zu vermeiden“, sagt Julia Geissler. Sie empfiehlt, den Pflegenden mehr Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um die Ursachen des Verhaltens anzugehen.

ProVIA-App unterstützt bei der Prävention von herausforderndem Verhalten, indem sie individuelle Gründe für das Verhalten der Kinder findet und passgenaue Handlungsempfehlungen gibt

Um dem Mangel an Beratungs- und Therapieangeboten bei herausforderndem Verhalten zu begegnen, wurde im Projekt ProVIA die Smartphone-App ProVIA-Kids entwickelt. In der App wurde erstmals das Prinzip der Verhaltensanalyse, das auch in der Psychotherapie zur Erforschung der Ursachen von Verhalten eingesetzt wird, in ein digitales Format übersetzt. Betreuungspersonen von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen oder Entwicklungsstörungen der Intelligenz erhalten so niedrigschwellig und kostenfrei Unterstützung im Alltag, ohne auf die personellen Kapazitäten anderer Stellen angewiesen zu sein. Die App bündelt Informationen und bereitet sie so auf, dass Betreuungspersonen Muster im Verhalten des Kindes leichter erkennen und die wichtigsten Probleme des Kindes effektiv angehen können. Darüber hinaus leitet die App die Betreuungspersonen zur Selbstfürsorge und zum Aufbau von Ressourcen an. Ziel von ProVIA ist die Prävention von herausforderndem Verhalten und in der Folge auch von freiheitsentziehenden Maßnahmen. „Natürlich erhebt die ProVIA-Kids-App nicht den Anspruch, eine therapeutische Behandlung zu ersetzen, aber sie kann helfen, Wartezeiten auf Therapieplätze zu überbrücken, Therapieinhalte zu ergänzen und leistet insgesamt einen wertvollen Beitrag zur Entlastung dieser Familien“, sagt Julia Geissler.

Pilotstudie verdeutlicht das Potenzial digitaler Interventionen zur Unterstützung dieser speziellen Gruppe

Eine Pilotstudie mit 23 Familien zeigte eine hohe Akzeptanz und eine sehr positive Bewertung der Lerninhalte. „Erste Verbesserungen in Bezug auf elterliche Belastung, kindliches Problemverhalten und Erziehungskompetenz deuten auf eine gute Eignung dieser niedrigschwelligen digitalen Intervention für die Zielgruppe hin, die perspektivisch in einer randomisiert-kontrollierten Studie auf ihre Wirksamkeit in Bezug auf die Prävention von herausforderndem Verhalten und die Belastung der Betreuungspersonen untersucht werden soll“, fasst Julia Geissler die Ergebnisse der Pilotstudie zusammen, die in der Fachzeitschrift Frontiers in Digital Health veröffentlicht wurden.

Aktuell wird die App im Folgeprojekt ProVIA-Teams auf Basis des Feedbacks der Pilotnutzer weiterentwickelt und um die Möglichkeit erweitert, die eingegebenen Daten datenschutzkonform mit anderen ausgewählten Betreuungspersonen zu teilen. Ab Winter 2024 haben Einrichtungen, die Kinder mit Autismus oder Intelligenzminderung betreuen, die Möglichkeit, die App zu testen. Darüber hinaus soll in Zusammenarbeit mit Betroffenenorganisationen und Familien eine begleitende App für die Nutzung durch Kinder mit Entwicklungsstörungen der Intelligenz oder Autismus-Spektrum-Störungen selbst entwickelt werden, die den Kindern hilft, ihr eigenes Verhalten besser zu verstehen und neue Fähigkeiten zu erlernen, zum Beispiel Frühwarnzeichen von Anspannung zu erkennen und Strategien, diese Anspannung zu regulieren.

Kooperationen und Förderung

Kooperationspartner sind Prof. Dr. Christoph Ratz vom Lehrstuhl für Sonderpädagogik IV – Pädagogik bei Geistiger Behinderung (Universität Würzburg) und der Medizininformatiker Prof. Dr. Rüdiger Pryss vom Institut für Medizinische Datenwissenschaften (Universität Würzburg). Finanziell unterstützt werden die Projekte einschließlich des Folgeprojekts ProVIA-Teams durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS).

Publikation der Pilotstudie zur Smartphone-App ProVIA-Kids
Rinat Meerson, Hanna Buchholz, Klaus Kammerer, Manuel Göster, Johannes Schobel, Christoph Ratz, Rüdiger Pryss R, Regina Taurines, Marcel Romanos, Matthias Gamer, Julia Geissler. ProVIA-Kids - outcomes of an uncontrolled study on smartphone-based behaviour analysis for challenging behaviour in children with intellectual and developmental disabilities or autism spectrum disorder. Front Digit Health. 2024 Sep 13;6:1462682. doi: 10.3389/fdgth.2024.1462682. PMID: 39351075; PMCID: PMC11440517. 

Text: Kirstin Linkamp / UKW 
 

Laudator Tobias Renner hält auf der Bühne einen Blumenstrauß in den Händen, daneben Hans-Christoph Steinhausen, der Julia Geissler die Urkunde überreicht.
Dr. Julia Geissler von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKW erhielt beim DGKJP-Kongress in Rostock den mit 10.000 Euro dotierten Preis der Steinhausen-Stiftung. Prof. Dr. Dr. Hans-Christoph Steinhausen (Mitte) verlieh diesen Preis zum ersten Mal. Prof. Dr. Tobias Renner (links) hielt die Laudatio. © Regina Taurines / UKW
Die Grafik zeigt sechs Screenshots der Smartphone-Applikation ProVIA-Kids
Features der App ProVIA-Kids: A) Homescreen, B) Verhaltensanalyse, C) Graphische Darstellung der Häufigkeit der verschiedenen Ursachen des Problemverhaltens, D) Inhaltsverzeichnis der Wissenskapitel, E) Auszug aus dem Wissenskapitel zu Besonderheiten der Sinneswahrnehmung, E) Stimmungstagebuch. © 2024 Meerson, Buchholz, Kammerer, Göster, Schobel, Ratz, Pryss, Taurines, Romanos, Gamer and Geissler