Würzburg. Prof. Dr. Carmen Roch ist seit Februar Professorin für Palliativmedizin an der Universitätsmedizin Würzburg. Zudem leitet sie den Schwerpunkt Palliativmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Im Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin am UKW werden Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen und nicht-heilbaren Erkrankungen ganzheitlich betreut. Bei der Behandlung steht nicht die Heilung der Krankheit im Vordergrund, sondern die bestmögliche Lebensqualität und die Stärkung eigener Ressourcen. Das Zentrum umfasst eine eigene Station mit derzeit sechs Betten, eine Ambulanz und einen klinikweiten Palliativdienst.
„Ein Kernziel unserer Arbeit ist die symptomlindernde Therapie. Daher ist es wichtig, dass die Palliativmedizin so früh wie möglich eingebunden wird, wenn feststeht, dass eine Heilung der Erkrankung nicht mehr erreicht werden kann“, betont Prof. Roch. Denn: Eine palliativmedizinische Versorgung kann sich über mehrere Jahre erstrecken. „In dieser Zeit können wir als multiprofessionelles Team einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität leisten. Die Einbindung der Palliativmedizin kann zu jedem Zeitpunkt einer Erkrankung sinnvoll sein – auch zeitgleich mit einer krankheitsspezifischen Behandlung, die andauert“, so die Fachärztin für Anästhesiologie. Zudem verfügt die 50-Jährige über die Zusatzbezeichnungen Palliativmedizin und spezielle Schmerztherapie und ist ausgebildete Ethikberaterin im Gesundheitswesen. Sie ist bereits seit 2017 am Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin am UKW tätig. Zu den Forschungsschwerpunkten von Prof. Roch zählen die Erfassung von Symptomen und Belastungen in spezifischen Erkrankungssituationen und daraus abgeleitet die bestmögliche und individuelle Behandlung von Symptomen. Dies schafft Behandlungssicherheit für Patientinnen und Patienten, aber auch Behandelnde.
Drei Säulen der palliativmedizinischen Versorgung am UKW
Neben der eigenen Station am UKW ist der Palliativdienst am UKW eine wichtige Säule der Versorgung an der unterfränkischen Uniklinik. Dort zählen die Beratung und Behandlung von Symptomen, die ressourcenorientierte Unterstützung von Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen zu den Kernaufgaben. Hinzu kommen Themen wie die vorausschauende Versorgungsplanung inklusive Beratung, etwa zum Thema Patientenverfügung oder Advance Care Planning, die Koordination und Organisation der Palliativversorgung und Mitbegleitung in der Sterbephase. Prof. Roch: „Dabei geht es auch darum, die Autonomie der Patienten bestmöglich zu unterstützen.“ Rund 1.000 Patientinnen und Patienten werden jährlich durch den Palliativdienst versorgt. Durch ein klinikweites Screening wird dabei die schnelle Einbindung des Palliativzentrums sichergestellt. Auf der Station werden aktuell etwa 220 Patientinnen und Patienten pro Jahr aufgenommen. In der Palliativambulanz des Zentrums werden ambulante Patientinnen und Patienten beraten und behandelt, die keiner stationären Aufnahme bedürfen.
Gemeinsam entscheiden, optimal behandeln
Gemeinsam mit dem Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) hat das Palliativzentrum am UKW das zertifizierte „Share to care“--Programm am Interdisziplinären Zentrum Palliativmedizin eingeführt. Dahinter steht der Anspruch, medizinische Entscheidungen gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten zu treffen, der Fachbegriff lautet „Shared Decision making“. Prof. Roch: „Wenn Menschen in die Palliativmedizin kommen, stehen sie vor wichtigen Entscheidungen in Bezug auf ihre Erkrankung und ihre Lebensqualität. Hier wollen wir gemeinsam und transparent aufzeigen, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.“
Organisatorisch zählt das Interdisziplinäre Zentrum Palliativmedizin zur Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am UKW. Mit der Fertigstellung der neuen Klinik für Strahlentherapie wird auch die Palliativmedizin zukünftig in den Neubau umziehen. Dann wird auch die Anzahl der stationären Betten in der Palliativmedizin ausgebaut.
Förderverein unterstützt Angebote
Neben der medizinischen Versorgung gibt es auch eine Vielzahl weiterer unterstützender Angebote für Patientinnen und Patienten des Interdisziplinären Zentrums Palliativmedizin am UKW. Eine wichtige Hilfe ist hier ein eigener Förderverein. Prof. Roch: „Viele unterstützende Angebote, die unsere Patienten entlasten oder stärken können, werden leider nicht durch die Krankenversicherung abgedeckt.“ Dazu zählen unter anderem Kunst- und Musiktherapie, jahreszeitliche Dekorationen auf Station sowie kleinere kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte, die direkt in der Klinik stattfinden.
Weitere Informationen zum Palliativzentrum des UKW sowie zum Förderverein gibt es hier online.