Aktuelle Pressemitteilungen

Wie aussagekräftig und fair sind VR-Prüfungen?

Würzburger Arbeitsgruppe „VR-Simulation im Medizinstudium“ veröffentlicht neue Erkenntnisse aus zwei Studien zu VR-Prüfungen in hochrangigen Fachzeitschriften für Digital Health

Großaufnahme des Anwenders mit VR-Brille und Hand mit Controller
Die immersive Kompetenz, also die Fähigkeit, sich in virtuellen Umgebungen sicher bewegen zu können, kann die klinische Beurteilung in der virtuellen Realität verzerren. © Liam König / UKW
VR-Situation aus Sicht des Anwenders: links im Bildrand die VR-Brille und in der Mitte des Bildes die Hand des Anwenders mit VR-Gerät - im Hintergrund die virtuelle Welt mit Patient und Geräten
Durch immersive Simulationen ermöglicht die virtuelle Realität eine realitätsnahe, standardisierte und reproduzierbare Vermittlung klinisch-praktischer Kompetenzen. © Tobias Mühling / UKW

Würzburg. Anwendungen in der virtuellen Realität (VR) gelten als vielversprechende Innovation für die medizinische Ausbildung. Insbesondere für Prüfungen zu klinisch-praktischen Kompetenzen erscheinen sogenannte immersive Simulationen attraktiv: Durch das Eintauchen in eine digitale Welt, in der die Anwenderinnen und Anwender ihre Handlungen selbst bestimmen müssen, lassen sich komplexe Notfallszenarien standardisiert abbilden. Abläufe sind reproduzierbar, und die Prüfungsbedingungen können für alle Teilnehmenden identisch gestaltet werden.

Zwei aktuelle Studien der Arbeitsgruppe VR-Simulation im Medizinstudium am Institut für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung (IMLA) des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) zeigen jedoch, dass VR-basierte Prüfungsformate derzeit möglicherweise nicht uneingeschränkt einsetzbar sind. Die Ergebnisse wurden in den renommierten Fachzeitschriften npj Digital Medicine, ein Journal des Nature-Portfolios, und JMIR Medical Education veröffentlicht.

Immersive Kompetenz beeinflusst Prüfungsleistung

In den Studien wurde der Frage nachgegangen, inwiefern die medizinische Prüfungsleistung in VR-Szenarien durch die immersive Kompetenz, also die Fähigkeit, sich in virtuellen Umgebungen sicher bewegen zu können, beeinflusst wird. Diese Fähigkeit wird unter anderem durch Vorerfahrungen mit 3D- und VR-Anwendungen geprägt. Dadurch könnten Studierende mit intensiver Gaming-Erfahrung einen Leistungsvorteil haben.

Die im JMIR veröffentlichte erste Arbeit schuf dafür die methodische Grundlage: Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Mensch-Computer Interaktion der Universität Würzburg wurde erstmals ein Instrument entwickelt und erprobt, mit dem sich die immersive Kompetenz direkt innerhalb einer VR-Anwendung erfassen lässt. 

In der darauf aufbauenden, randomisiert-kontrollierten Studie wurde die immersive Kompetenz bei einem Teil der Prüflinge gezielt trainiert. Die trainierte Gruppe erzielte anschließend signifikant bessere medizinische Ergebnisse in einem VR-Notfallszenario als die nicht trainierte Kontrollgruppe. 

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass VR-Prüfungen nicht nur medizinisches Wissen und klinisches Handeln, sondern auch den Umgang mit der Technologie selbst messen“, erklärt Jan Schaal, Erstautor der Validierungsstudie und Doktorand am IMLA. „Damit entsteht die Gefahr, dass digitale Vorerfahrung unbeabsichtigt zu einem Vorteil wird – unabhängig vom eigentlichen Leistungsvermögen“, ergänzt Verena Schreiner, ebenfalls Doktorandin und Erstautorin der methodenzentrierten Studie.

Training allein gleicht Unterschiede nicht automatisch aus

Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft vorbereitende VR-Tutorials. Solche Trainings sollen eigentlich gleiche Ausgangsbedingungen schaffen. Die Würzburger Daten legen jedoch nahe, dass die derzeit üblichen Einführungen möglicherweise nicht ausreichen, um bestehende Unterschiede vollständig auszugleichen. In bestimmten Konstellationen könnten die Trainings anfängliche Leistungsunterschiede sogar verstärken statt reduzieren.

Konsequenzen für die digitale Transformation der Lehre

Die Ergebnisse legen nahe, dass der Einsatz von VR in zukünftigen Prüfungen sorgfältig vorbereitet und überwacht werden muss. Entscheidend sind ein intuitives und zugängliches Design von VR-Hardware und -Software, gezielte Trainings zur Entwicklung immersiver Kompetenz sowie eine sorgfältige wissenschaftliche Prüfung von Aussagekraft und Fairness, bevor Ergebnisse über das Weiterkommen im Studium entscheiden.

„VR bietet enormes Potenzial für die medizinische Ausbildung – aber wir müssen sehr genau untersuchen, was wir eigentlich messen“, betont Dr. Tobias Mühling, Arbeitsgruppenleiter und Letztautor der Studien. „Wenn VR in Zukunft auch in benoteten Prüfungen über den Studienfortgang entscheiden soll, müssen die Ergebnisse zuverlässig sein und für alle Studierenden die gleichen Chancen bieten“, ergänzt die Institutsleitung Prof. Dr. Sarah König.

 

Publikationen:

Schreiner V, Backhaus J, Lindner M, Heinisch M, König S, Oberdörfer S, Mühling T. Specific Immersive Competence in VR-Based Medical Assessments: Development and Exploratory Evaluation of an In-Situ Measurement Approach. JMIR Medical Education. 24/02/2026:82136 (forthcoming/in press). DOI: 10.2196/82136 URL: https://preprints.jmir.org/preprint/82136

Schaal, J., Leutritz, T., Lindner, M. et al. Immersive competence as a source of bias in virtual reality clinical assessment. npj Digit. Med. (2026). https://doi.org/10.1038/s41746-026-02482-z

Großaufnahme des Anwenders mit VR-Brille und Hand mit Controller
Die immersive Kompetenz, also die Fähigkeit, sich in virtuellen Umgebungen sicher bewegen zu können, kann die klinische Beurteilung in der virtuellen Realität verzerren. © Liam König / UKW
VR-Situation aus Sicht des Anwenders: links im Bildrand die VR-Brille und in der Mitte des Bildes die Hand des Anwenders mit VR-Gerät - im Hintergrund die virtuelle Welt mit Patient und Geräten
Durch immersive Simulationen ermöglicht die virtuelle Realität eine realitätsnahe, standardisierte und reproduzierbare Vermittlung klinisch-praktischer Kompetenzen. © Tobias Mühling / UKW

Zeit gewinnen im klinischen Alltag: KI-Ideen aus Würzburg überzeugen beim 3. Healthcare Hackathon

Mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer tüftelten auf dem 3. Würzburger Healthcare Hackathon daran, medizinische Versorgung und Forschung an der Universitätsklinik Würzburg (UKW) zu erleichtern.

Die Siegerteams des 3. Würzburger Healthcare Hackathons. Bild: Jörg Fuchs, UKW
Die Siegerteams des 3. Würzburger Healthcare Hackathons. Bild: Jörg Fuchs, UKW
Das Organisationsteam (v.l.): Miriam Schlüter, Rüdiger Pryss, Gerhard Frank, Christian Andersen; Denise Hiebl ist nicht im Bild. Bild: Jörg Fuchs, UKW
Das Organisationsteam (v.l.): Miriam Schlüter, Rüdiger Pryss, Gerhard Frank, Christian Andersen; Denise Hiebl ist nicht im Bild. Bild: Jörg Fuchs, UKW

Würzburg. Wie lassen sich medizinische Faxbefunde schneller auswerten? Wie können Hauttumore objektiver beurteilt werden? Und wie erkennt man frühzeitig eine drohende Mangelernährung bei krebskranken Kindern? Mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer tüftelten auf dem 3. Würzburger Healthcare Hackathon daran, medizinische Versorgung und Forschung an der Universitätsklinik Würzburg (UKW) zu erleichtern. Innerhalb von nur 48 Stunden entwickelten sie (dazu) konkrete Lösungsansätze. 

Am 26. und 27. März wurde das Skyline Hill Center auf dem Hubland bereits zum dritten Mal zum Treffpunkt für Ärztinnen und Ärzte, IT-Fachleute, zahlreiche Studierende sowie Doktorandinnen und Doktoranden aus ganz Deutschland, der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und des UWK. In insgesamt elf Challenges untersuchten sie gemeinsam digitale Lösungsansätze für reale Probleme aus dem medizinischen Alltag. Der Trend war dabei deutlich: Künstliche Intelligenz spielte in vielen Projekten eine zentrale Rolle. 

Dabei ist der Healthcare Hackathon längst mehr als ein Wettbewerb: Vielmehr entsteht ein Raum, in dem unterschiedliche Disziplinen zusammenkommen und voneinander profitieren. Ideen werden diskutiert, verworfen, weiterentwickelt – und oft direkt als Prototyp umgesetzt. 

Wenn Daten den klinischen Alltag erleichtern

Besonders überzeugte die Jury aus wissenschaftlichen Fachvertretern in diesem Jahr das Team „CareTechCollective“ der Würzburger IT-Firma Systhemis. Mit seinem Projekt „LabEfficient“ gewann es den ersten Preis (in Höhe von 1.000 Euro).  Die Fragestellung wurde – ebenso wie die Challenge des zweitplatzierten Teams – von Dr. Simon Goller aus der Hautklinik des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) gestellt. Sie zielte auf die Erleichterung der Auswertung externer Laborbefunde: „Ein alltägliches Problem für uns in der Klinik ist, dass wir sehr viele Laborbefunde von Praxen als Fax erhalten und diese Befunde dann von Hand auswerten müssen. Das kostet im Arbeitsalltag viel Zeit“, erklärt Dr. Goller. Die prämierte Lösung nutzt Künstliche Intelligenz, um solche Dokumente automatisch auszulesen, Inhalte zu strukturieren und relevante Auffälligkeiten sichtbar zu machen. Das entlastet Ärztinnen und Ärzte und verbessert die Befundauswertung. 

Bildanalyse statt Bauchgefühl

Auch das Team „Helix“ hatte Erleichterungen des klinischen Alltags im Blick: Mit „SkinStager“ entwickelte es ein System, das Fotos von Hauttumoren analysiert und vergleichbar macht. Bislang ist die Beurteilung stark vom subjektiven Eindruck abhängig – unterschiedliche Perspektiven oder Bildausschnitte erschweren die Auswertung. Die Lösung setzt auf KI-gestützte Bildverarbeitung: Fotos werden automatisch ausgerichtet, auffällige Hautbereiche erkannt und in ihrer Größe vermessen. So entsteht eine objektivere Grundlage für die Beurteilung des Therapieverlaufs. „Das Team hat trotz anfänglicher Hürden schnell eine überzeugende und pragmatische Lösung entwickelt, die zukünftig Ärzten und Patienten gleichermaßen helfen kann“, freute sich Vanessa Borst, Doktorandin am Lehrstuhl für Informatik II (Software Engineering) der JMU, über den zweiten Platz des Teams, das sie als Mentorin begleitet hat. 

Früh erkennen, besser behandeln

Den dritten Platz belegte das Team „Krankenkassen-Codierer“ aus Studierenden der JMU mit dem Projekt „NutriCare Kinderonkologie“. Im Fokus stand hier die Versorgung krebskranker Kinder. Eine App soll dabei helfen, Mangelernährung frühzeitiger zu erkennen. Eltern können darin regelmäßig Daten eingeben, die automatisch ausgewertet werden. Kritische Entwicklungen werden früh erkannt und übersichtlich dargestellt, so dass medizinisches Personal schneller reagieren kann. 

Ideen mit Zukunft

Die Ergebnisse des Hackathons zeigen, wie groß das Potenzial digitaler Lösungen im Gesundheitswesen ist – vor allem dann, wenn medizinische Expertise und technisches Know-how zusammenkommen. Eine wichtige Grundlage dafür ist die dynamische Gründerszene in der Region Würzburg. Interdisziplinäre Zusammenarbeit, enge Vernetzung sowie kompetente Ansprechpartner aus Wissenschaft, IT und Wirtschaft schaffen einen fruchtbaren Boden für neue Start-up-Ideen. Dadurch steigen auch die Chancen, dass Projekte aus dem Hackathon weiterentwickelt und langfristig in die medizinische Praxis überführt werden. Der Healthcare Hackathon Würzburg entwickelt sich damit zunehmend zu einem Ort, an dem nicht nur Ideen entstehen, sondern konkrete Ansätze für die Medizin von morgen. 

Hacken für die gute Sache

Der Healthcare Hackathon Würzburg ist eine Kooperation des Lehrstuhls für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg (IKE-B), des Instituts für medizinische Datenwissenschaften (ImDS) des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), des Würzburger Innovations- und Gründerzentrums (IGZ) sowie des Zentrums für Digitale Innovationen (ZDI) Mainfranken. 

Anders als es der Name vermuten lässt, geht es bei der Veranstaltung nicht darum, in Computersysteme einzudringen. Stattdessen werden in interdisziplinären Teams innerhalb kurzer Zeit innovative digitale Lösungen zu häufigen Fragestellungen (in der Medizin) gesucht und erste Prototypen entwickelt.

Organisiert wurde die Veranstaltung von Miriam Schlüter und Prof. Dr. Rüdiger Pryss (Universität Würzburg und UKW), Denise Hiebl und Dr. Christian Andersen (ZDI) sowie Dr. Gerhard Frank (IGZ).

Die Jury bestand aus Professor Johannes Schobel (Hochschule Neu-Ulm), PD Dr. Patrick-Pascal Strunz (Universitätsklinikum Würzburg), Dr. Andrea Thelen-Frölich (IZKF Würzburg), Maximilian Ertl (Datenintegrationszentrum Würzburg, UKW) und Prof. Dr. Anke Bergmann (Universitätsklinikum Würzburg).

Unterstützer des 3. Healthcare Hackathon (alphabetisch):

  • Beratungsunternehmen Accenture
  • Agentur für Innovation und Förderung im Technologie- und Wissenstransfer Bayern Innovativ GmbH
  • IT-Dienstleister Bechtle
  • Health Study Club GmbH, Anbieterin digitaler Gesundheitslösungen
  • Technologieunternehmen Oracle
  • Servicezentrum Medizin-Informatik (SMI) des Uniklinikums Würzburg
  • Systhemis, Anbieter für Softwarelösungen und IT-Beratung im Gesundheitswesen
  • Universitätsklinikum Würzburg
  • Verein der Aktivsenioren Bayern e.V.
  • Würzburger Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp
  • Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV)
Die Siegerteams des 3. Würzburger Healthcare Hackathons. Bild: Jörg Fuchs, UKW
Die Siegerteams des 3. Würzburger Healthcare Hackathons. Bild: Jörg Fuchs, UKW
Das Organisationsteam (v.l.): Miriam Schlüter, Rüdiger Pryss, Gerhard Frank, Christian Andersen; Denise Hiebl ist nicht im Bild. Bild: Jörg Fuchs, UKW
Das Organisationsteam (v.l.): Miriam Schlüter, Rüdiger Pryss, Gerhard Frank, Christian Andersen; Denise Hiebl ist nicht im Bild. Bild: Jörg Fuchs, UKW

Oster-Brunch: Rezeptideen aus der Berufsfachschule für Diätassistenten
Oster-Brunch: Rezepte aus der Berufsfachschule für Diätassistenten. © Kim Sammet / UKW

Würzburg. Pünktlich zu den Osterfeiertagen hat die Berufsfachschule für Diätassistenten am Universitätsklinikum Würzburg eine kleine Rezeptsammlung zusammengestellt.

Unter dem Titel „Oster-Brunch – Leckere Rezepte für die Osterfeiertage“ finden sich kreative und zugleich alltagstaugliche Ideen für einen genussvollen Osterbrunch.

Neben Backrezepten wie gesunden Osterhasen aus Dinkelmehl, einem Osterlamm mit Popcornfell oder einem veganen Osterlamm ohne Zucker enthält die Sammlung auch herzhafte Gerichte wie Gemüsepakoras mit Minzsoße, Mini-Party-Quiches und einen Frühlingssalat mit grünem Spargel. Abgerundet wird die Auswahl durch frische Desserts wie ein Erdbeer-Kokos-Dessert und Schokocrossie-Nester.

Die Rezeptsammlung steht hier als Download zur Verfügung. Guten Appetit!

Informationen zur dreijährigen Ausbildung zur Diätassistentin / zum Diätassistenten

Oster-Brunch: Rezepte aus der Berufsfachschule für Diätassistenten. © Kim Sammet / UKW

Gütesiegel bestätigt die Strukturqualität bei der Versorgung von brandverletzten Kindern

Die Abteilung für Kinderchirurgie des Uniklinikums Würzburg erhielt kürzlich das Gütesiegel für „Sicherheit und Qualität für brandverletzte Kinder“.

Dr. Christoph Pensko und Prof. Thomas Meyer
Prof. Dr. Thomas Meyer (rechts) und Dr. Christoph Pensko von der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie des Uniklinikums Würzburg präsentieren die Urkunde zum Gütesiegel „Sicherheit und Qualität für brandverletzte Kinder“. © Veronica Havel / UKW

Würzburg. Der Arbeitskreis „Das schwerbrandverletzte Kind“ der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (DGV) zeichnete im Februar dieses Jahres die Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie, Kinderurologie und Kindertraumatologie des Uniklinikums Würzburg (UKW) mit dem Gütesiegel „Sicherheit und Qualität für brandverletzte Kinder“ aus. Damit wird bescheinigt, dass die von Prof. Dr. Thomas Meyer geleitete Abteilung als spezialisierte Einrichtung alle Kriterien für Strukturqualität bei der ambulanten und stationären Behandlung sowie Nachbehandlung von Kindern und Jugendlichen mit einer Verbrennung oder Verbrühung erfüllt. 

Anspruchsvolle Versorgung im interdisziplinären Team

„Die Behandlung von Kindern mit thermischen Verletzungen unterscheidet sich deutlich von der von Erwachsenen“, unterstreicht Prof. Meyer und fährt fort: „So haben Kinder beispielsweise eine dünnere Haut, weshalb Verbrennungen und vor allem Verbrühungen oft tiefer und schwerer sind.“ Häufig sei daher eine Hauttransplantation erforderlich. Ferner gilt es nach seinen Worten, die psychosoziale Dimension besonders zu beachten: Verbrennungen und Verbrühungen sind traumatische Erfahrungen für Kinder und Familien. Angst, Schmerzen und Trennungssituationen können eine psychologische Unterstützung erforderlich machen. „Insgesamt ist bei brandverletzten Kindern eine interdisziplinäre Hochspezialversorgung gefragt. Essentielle Beiträge leisten – neben der Kinder- und Jugendchirurgie – die Kinderintensivmedizin, die Anästhesie, die Pflege sowie die Physiotherapie und die Psychologie“, verdeutlicht Meyer. Als Maximalversorger halten nur wenige Uniklinika wie das UKW rund um die Uhr verfügbare Expertenteams sowie die erforderliche spezielle Infrastruktur vor. Die Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie, Kinderurologie und Kindertraumatologie des UKW schließt somit erfolgreich die Versorgungslücke von brandverletzten Kindern in Nordbayern.

Das Gütesiegel gilt für drei Jahre.

Text: Pressestelle / UKW

Dr. Christoph Pensko und Prof. Thomas Meyer
Prof. Dr. Thomas Meyer (rechts) und Dr. Christoph Pensko von der Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie des Uniklinikums Würzburg präsentieren die Urkunde zum Gütesiegel „Sicherheit und Qualität für brandverletzte Kinder“. © Veronica Havel / UKW

Personalia vom 31. März 2026 +++ Wir gratulieren herzlich!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

Dr. Johanna Büchel, Oberärztin, Frauenklinik und Poliklinik, wurde mit Wirkung vom 24.03.2026 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Gynäkologie und Geburtshilfe“ erteilt.

Dr. Henner Huflage, Oberarzt, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, wurde mit Wirkung vom 24.03.2026 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Radiologie“ erteilt.

Dr. Karsten Luetkens, Oberarzt, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, wurde mit Wirkung vom 24.03.2026 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Radiologie“ erteilt.

Dr. Johannes Waldschmidt, Oberarzt, Medizinische Klinik und Poliklinik II, wurde mit Wirkung vom 24.03.2026 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie“ erteilt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 31. März 2026

Universität Würzburg: Professor José Pedro Friedmann Angeli erhält Deutschen Krebspreis

Der Würzburger Professor für translationale Zellbiologie, José Pedro Friedmann Angeli erhält den Preis in der Kategorie „Experimentelle Forschung“ – gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Marcus Conrad (Helmholtz Munich).

Der Deutsche Krebsreis, verliehen von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebsstiftung, zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen in der Onkologie. Er wird jährlich in den Kategorien „Translationale Forschung“, „Klinische Forschung“, „Experimentelle Forschung“ und „Versorgungsforschung“ vergeben.

Für Friedmann Angeli, Professor für translationale Zellbiologie, Rudolf-Virchow-Zentrum for Integrative and Translational Bioimaging, Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), ist es die Ehrung eine erneute Bestätigung seiner herausragenden Arbeit. 2023 erhielt er bereits einen Consolidator Grant des European Research Councils (ERC), 2025 folgte ein Proof of Concept Grant. Außerdem zählt der JMU-Forscher seit 2021 regelmäßig zur Liste der Highly Cited Researchers. https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/pressemitteilungen/single/news/highly-cited-2025/

Forschung zu Ferroptose

José Pedro Friedmann Angeli und Marcus Conrad leisten gemeinsam Pionierarbeit bei der Entdeckung und Charakterisierung der Ferroptose, eine erst in den letzten Jahren intensiver erforschte Form des programmierten Zelltods. Sie wird durch eisenabhängige oxidative Schäden in der Zellmembran ausgelöst. Da viele Tumore, insbesondere hochaggressive, therapieresistente Tumore, empfindlich auf diesen Mechanismus reagieren, gilt die Ferroptose als vielversprechender Ansatz für neue Therapien. 

„Ich freue mich sehr über den Deutschen Krebspreis. Diese Auszeichnung bedeutet mir sehr viel, denn sie würdigt nicht nur unsere Arbeit zur Ferroptose, sondern auch die langjährige und äußerst erfolgreiche Partnerschaft mit Marcus Conrad. Viele der wichtigsten Fortschritte auf diesem Gebiet sind aus dieser engen Zusammenarbeit hervorgegangen,“ so Friedmann Angeli.

Marcus Conrad und José Pedro Friedmann Angeli erlangten durch ihre jeweilige Forschung sich ergänzende Erkenntnisse auf dem aufstrebenden Gebiet der Ferroptose. Während Conrads Gruppe den ersten Nachweis erbrachte, dass der Verlust des Enzyms Glutathionperoxidase 4 (GPX4) diese neue Form des nicht-apoptotischen Zelltods auslöst, hatte Friedmann Angeli in seinerHeimat Brasilien bereits an der Biochemie der Lipidperoxidation geforscht. Die gemeinsamen wissenschaftlichen Interessen brachten sie schließlich zusammen und legten den Grundstein für eine langjährige und äußerst erfolgreiche Kooperation. Diese trug maßgeblich zur Aufdeckung der molekularen Grundlagen der Ferroptose bei. Gemeinsam identifizierten die Forscher zentrale Faktoren, die bestimmen, wie empfindlich Tumorzellen gegenüber Ferroptose sind oder wie sie sich davor schützen können. 

Aufbauend auf ihren Erkenntnissen haben Conrad und Friedmann Angeli auch gemeinsam Wirkstoffe entwickelt, die diesen Zelltodmechanismus therapeutisch nutzen. Erste präklinische Studien zeigen im Mausmodell bereits, dass die Medikamente das Tumorwachstum hemmen und die Bildung von Metastasen verhindern können. Damit eröffnen ihre Entdeckungen neue Perspektiven für die Behandlung schwer therapierbarer Tumorerkrankungen.

Der Deutsche Krebspreis

Der Deutsche Krebspreis wird seit 1986 jährlich für hervorragende Arbeiten im deutschsprachigen Raum verliehen:

  • In der experimentellen onkologischen Grundlagenforschung (experimenteller Teil),
  • In der translationalen Forschung (Transfer experimenteller Forschungsergebnisse in den klinischen Bereich)
  • In der Tumordiagnostik und -behandlung (klinischer Teil).
  • Für Versorgungsforschung (2024 noch als Sonderpreis, seit 2025 als feste Kategorie)

Jede Kategorie ist mit 7.500 Euro dotiert.

Stifter des Deutschen Krebspreises sind die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebsstiftung. Mehr auf https://www.deutscher-krebspreis.de

Die offizielle Preisverleihung erfolgt am 19.6.2026 in Berlin.

Mehr zur Forschung des Preisträgers

Aktuelle Studie zu Vitamin B2: https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/pressemitteilungen/single/news/vitamin-b2-weg-neuen-krebstherapien-eroeffnen-koennte/ 
Proof of Concept Grant: https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/pressemitteilungen/single/news/erc-poc-grant-friedmann-angeli/ 
Consolidator Grant: https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/einblick/single/news/ercgrant-friedmannangeli/

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 31. März 2026

Vielversprechender GPVI-Inhibitor macht wichtigen Schritt in Richtung klinische Entwicklung

Paradebeispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit am UKW, produktive Interaktion mit Biotech-Startup und innerdeutsche Kollaboration mit führendem Pharmaunternehmen

Porträt von Valerie Orth und Bernhard Nieswandt - beide tragen ein helles Hemd bzw. Bluse und ein dunkles Jacket bzw. Blazer.
Valerie Orth und Bernhard Nieswandt beschrieben im Jahr 2001 erstmals die zentrale Rolle des Rezeptors GPVI, der ausschließlich auf Thrombozyten und ihren Vorläuferzellen im Knochenmark vorkommt. Ein Jahr später gründeten sie mit Susanne Nieswandt und Ralph Ziehfreund das Unternehmen EMFRET Analytics GmbH & Co. KG. © Thomas Berberich / EMFRET Analytics
2 mikroskopische Aufnahmen von Arteriolen einer Maus - mit und ohne EMA601-Behandlung.
Die Mikroskopie ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Thrombusbildung in Arteriolen der Maus. Im linken Bild ist eine humanisierte GP6 (hGP6^tg/tg^) Kontrollmaus zu sehen, bei der ein Thrombus (grün) das Gefäß vollständig verschließt. Demgegenüber bewirken die Thrombozyten in der mit EMA601 behandelten hGP6^tg/tg^-Maus lediglich eine Abdichtung der Gefäßverletzung, ohne eine Gefäßverstopfung zu verursachen. © Experimentelle Biomedizin I

Boehringer Ingelheim und das unterfränkische Biotech-Unternehmen EMFRET Analytics unterzeichnen Kooperations- und Lizenzvertrag für das präklinische Entwicklungsprogramm des GPVI-blockierenden Antikörpers EMA601. Die Universitätsmedizin Würzburg begleitete von Beginn an die Entwicklung des neuartigen Wirkstoffs. EMA601 zielt speziell auf den Oberflächenrezeptor Glykoprotein VI (GPVI) von Thrombozyten ab. Würzburger Studien ergaben, dass EMA601 den GPVI-Signalweg der Thrombozyten äußerst wirksam blockiert und so Thrombosen und thrombo-inflammatorische Krankheitsprozesse verhindert, ohne die lebensnotwendige Blutgerinnung zu beeinträchtigen. Das macht EMA601 für den Einsatz bei akutem Schlaganfall interessant.

Würzburg. Prof. Dr. Bernhard Nieswandt und sein Team blicken stolz auf eine langjährige Entwicklung zurück: Aus einer Entdeckung des Thrombozyten-Forschers vor 25 Jahren ist ein Hoffnungsträger für die Schlaganfallbehandlung geworden. Eine aktuelle Vereinbarung zwischen dem deutschen Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim und dem unterfränkischen Unternehmen EMFRET Analytics GmbH & Co. KG bringt diesen Hoffnungsträger nun einen Schritt näher an eine mögliche therapeutische Anwendung.

Oberflächenrezeptor GPVI spielt zentrale Rolle bei der Entstehung von Thrombosen und Infarkten, wird aber für die normale Blutgerinnung nicht gebraucht

Bernhard Nieswandt und seine damalige Doktorandin Valerie Orth (geb. Schulte) beschrieben im Jahr 2001 an der Universität Witten-Herdecke als Erste die zentrale Rolle des Rezeptors GPVI, der ausschließlich auf Thrombozyten (Blutplättchen) und ihren Vorläuferzellen im Knochenmark vorkommt (https://doi.org/10.1084/jem.193.4.459). GPVI bindet an freiliegendes Kollagen verletzter Gefäßwände und löst so die Aktivierung und Anhäufung der Blutplättchen aus – ein wichtiger Schritt der sogenannten Hämostase, also der Blutstillung. Eine übermäßige Aktivierung von GPVI kann jedoch zur Bildung gefährlicher Thromben (Blutgerinnseln) und damit zu Gefäßverschlüssen führen. In der Studie neutralisierten die Forschenden GPVI im Mausmodell durch einen monoklonalen Antikörper, sodass Thrombozyten nicht mehr effektiv auf Kollagen reagieren konnte. Dies führte zu einem Schutz vor Thrombose, ohne jedoch die normale Hämostase stark zu stören.

Ein Jahr später baute Nieswandt im Rahmen eines Heisenberg-Stipendiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die erste Arbeitsgruppe am neu gegründeten Rudolf-Virchow-Zentrum (RVZ) der Universität Würzburg auf. Zeitgleich gründete er mit Valerie Orth, Susanne Nieswandt und Ralph Ziehfreund in Würzburg das Unternehmen EMFRET Analytics GmbH & Co. KG, das 2002 im Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) Würzburg seine Arbeit aufnahm. Im Jahr 2005 übernahm Valerie Orth die Geschäftsführung (Chief Executive Officer, CEO), Bernhard Nieswandt fokussierte sich fortan auf die wissenschaftliche Leitung der Firma als Chief Scientific Officer (CSO). 2006 verlagerte das Unternehmen seinen Sitz nach Eibelstadt bei Würzburg.

GPVI-Inhibitor-Inhibitor EMA601 im Fokus eines führenden Pharmaunternehmens

„Wir sind ein klassisches Bootstrap-Unternehmen und haben unser Programm ohne externes Kapital aus eigener Kraft aufgebaut“, berichtet Dr. Valerie Orth. „Das heißt, wir haben Antikörper und Reagenzien für die Forschung entwickelt, produziert und weltweit vertrieben.“ Dies schaffte die finanzielle Grundlage für langfristig angelegte Projekte, die darauf abzielen, Antikörper-basierte Wirkstoffe zur therapeutischen Anwendung im Menschen voranzubringen. „Es ist ein riesiger Erfolg, dass der von uns entwickelte Antikörper EMA601 in das strategische Interesse von Boehringer Ingelheim gerückt ist, einem der führenden Hersteller von Schlaganfallmedikamenten weltweit“, freut sich Valerie Orth. 

Studie aus 2007 zeigte bereits im präklinischen Schlaganfallmodell: GPVI-Blockade kann therapeutisch schützen

Im Jahr 2007, ein Jahr bevor Bernhard Nieswandt die Leitung des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin I am Uniklinikum Würzburg (UKW) übernahm, entdeckte er gemeinsam mit Guido Stoll (damaliger Leiter der AG Schlaganfall und Neuroinflammation der Neurologischen Klinik des UKW) und weiteren Forschenden, dass eine GPVI-Blockade im präklinischen Schlaganfallmodell therapeutisch wirksam ist (https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.107.691279). Die Hemmung des Oberflächenrezeptors reduzierte die Infarktgröße im Gehirn deutlich, verbesserte das neurologische Ergebnis, erhöhte aber nicht das Risiko für intrakranielle Blutungen. 

Damit legten die Wissenschaftler den Grundstein für die Entwicklung von GPVI-Inhibitoren. 

EMA601 ist ein hochwirksamer GPVI-Inhibitor

„Unser in Würzburg entwickelter GPVI-Inhibitor EMA601 zeigt bereits in sehr niedrigen Dosen eine deutliche Wirksamkeit“, sagt Bernhard Nieswandt. Ihm zufolge ist EMA601 ein sehr potenter GPVI-Inhibitor und könnte daher klinisch entscheidende Vorteile bieten und breit eingesetzt werden. Das belegte Nieswandt mit seinem Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Emfret und dem UKW im November 2024 durch eine Kombination aus biochemischen Tests, Zellversuchen und Tiermodellen im European Heart Journal (https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae482). Nieswandt: „Wir konnten zum einen zeigen, dass EMA601 den GPVI-Signalweg gezielt hemmt, ohne die Gerinnung lahmzulegen. Zweitens verhinderte die GPVI-Blockade im Mausmodell die Bildung pathologischer Gerinnsel. Und schließlich reduzierte die GPVI-Blockade nicht nur Thrombose, sondern auch entzündungsgetriebene Gewebeschäden nach der Ischämie.“ 

Thrombo-Inflammation: eine treibende Kraft des Infarktwachstums selbst nach erfolgreicher Rekanalisation von Großgefäßverschlüssen

Trotz erheblicher Fortschritte – von der Einführung der intravenösen Lysetherapie 1995 in Europa durch Boehringer Ingelheim, bei der die Blutgerinnsel medikamentös aufgelöst werden, bis zur endovaskulären Thrombenentfernung durch die Interventionelle Neuroradiologie rund 20 Jahre später – bleibt die Schlaganfalltherapie begrenzt: Bei etwa der Hälfte der erfolgreich rekanalisierten Patientinnen und Patienten genügt die Wiederherstellung des Blutflusses allein nicht für ein gutes funktionelles Ergebnis. Das Problem ist die so genannte Thrombo-Inflammation, ein Begriff, der maßgeblich in Würzburg geprägt wurde.

„Wir konnten in tierexperimentellen Studien zeigen, dass bereits mit Beginn des Gefäßverschlusses in den nachgeschalteten minderdurchbluteten Gehirnarealen im Gefäßsystem ein Entzündungsprozess, die Thrombo-Inflammation, in Gang gesetzt wird, die trotz Rekanalisation aktiv bleibt und die Infarkte weiterwachsen lässt“, erklärt Prof. Dr. Guido Stoll. 

„Vor diesem Hintergrund könnte EMA601 eine vielversprechende Zusatztherapie zur Lyse oder Thrombektomie sein, nachdem es in humanisierten GPVI-Mausmodellen das weitere Infarktwachstum nach Rekanalisation hemmen konnte“, kommentiert Guido Stoll.

Ein großer Pluspunkt von EMA601 ist das präklinisch gezeigte geringe Blutungsrisiko: Im Gegensatz zu herkömmlichen antithrombotischen Wirkstoffen scheint EMA601 die normale Blutgerinnung nicht zu beeinträchtigen, was insbesondere für die Anwendung bei akutem Schlaganfall von großer Bedeutung ist, da ansonsten lebensbedrohliche Hirnblutungen entstehen könnten.

Kooperations- und Lizenzvertrag zur präklinischen Entwicklung eines First-in-Class Wirkstoffs 

Die Vorteile haben Boehringer Ingelheim überzeugt. Das Pharmaunternehmen hat mit Emfret einen Kooperations- und Lizenzvertrag unterzeichnet mit dem Ziel, den neuartigen und vielversprechenden Wirkstoff EMA601 zunächst gemeinsam präklinisch weiter zu entwickeln und so die Grundlagen für seine klinische Erprobung zu schaffen. Im Erfolgsfall würde aus dem in Würzburg entwickelten Antikörper ein potentieller „first-in-class“ Wirkstoff hervorgehen, der die anti-thrombotische und anti-entzündliche Therapie revolutionieren könnte. 

„Boehringer Ingelheim prägt seit Jahrzehnten die Akutversorgung bei Schlaganfällen mit“, sagt Søren Tullin, Senior Vice President und Global Head of Cardiometabolic Diseases Research bei Boehringer Ingelheim. „Diese Zusammenarbeit stellt einen wichtigen Schritt zur Erweiterung des Behandlungsspektrums bei Schlaganfällen dar und reflektiert das gemeinsame Bestreben der Partner, weltweit bedeutende Fortschritte für Patientinnen und Patienten zu erzielen.“

Der Schlaganfall ist nach wie vor eine der häufigsten Ursachen für Tod und Behinderung: Jährlich gibt es rund 11,9 Millionen neue Fälle, und 93,8 Millionen Menschen leben mit langfristigen Folgen. Aufgrund der alternden und wachsenden Bevölkerung wird die globale Belastung durch Schlaganfälle weiter zunehmen. 

„Die Zahlen unterstreichen den Bedarf an neuen therapeutischen Ansätzen, die die Behandlungsergebnisse in der Akutversorgung weiter verbessern. Umso mehr freue ich mich über diese innerdeutsche Kooperation, welche die exzellente Grundlagenforschung zu thrombo-inflammatorischen Mechanismen an der Universitätsmedizin Würzburg, die Innovationskraft eines regionalen Biotech-Start-ups und die umfassende Expertise von Boehringer Ingelheim in der klinischen Entwicklung und Translation vereint“, sagt Prof. Dr. Matthias Frosch. Der Dekan der Medizinischen Fakultät Würzburg gratuliert allen Beteiligten zu diesem wichtigen Schritt in der Entwicklungsgeschichte von EMA601.

Boehringer Ingelheim

Boehringer Ingelheim ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das in den Bereichen Humanpharma und Tiergesundheit tätig ist. Als einer der größten Investoren in Forschung und Entwicklung konzentriert sich das Unternehmen auf die Entwicklung innovativer Therapien in Bereichen mit hohem ungedecktem medizinischem Bedarf. Durch die Unabhängigkeit seit seiner Gründung im Jahr 1885 nimmt Boehringer eine langfristige Perspektive ein und verankert Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Unsere rund 54.300 Mitarbeitende bedienen über 130 Märkte für eine gesündere, nachhaltigere und gleichberechtigtere Zukunft. Erfahren Sie mehr unter www.boehringer-ingelheim.de

Emfret Analytics

Die Emfret Analytics GmbH & Co. KG ist ein privat geführtes deutsches Biotech-Unternehmen, das sich der Entwicklung von Antikörpern gegen Thrombozytenrezeptoren für Forschungs-, Diagnostik-- und Therapiezwecke widmet. Das 2002 gegründete Unternehmen pflegt eine enge und langjährige Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Würzburg, einem international führenden Zentrum für Grundlagen- und translationale Thrombozytenforschung. Diese Partnerschaft bildet die wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung neuartiger Forschungswerkzeuge und die für die Überführung neuer Erkenntnisse zur Thrombozytenbiologie in innovative therapeutische Strategien. Emfret fokussiert sich auf Krankheitsbereiche, die bislang nur unzureichend behandelbar sind, darunter Schlaganfall, akutes Lungenversagen und ausgewählte Autoimmunerkrankungen. Die strategische Partnerschaft mit Boehringer Ingelheim bezüglich des ersten klinischen Entwicklungskandidaten des Unternehmens unterstreicht das Potenzial einer neuartigen Klasse von antikörperbasierten Therapeutika, die darauf ausgelegt sind, die pathogene Thrombozytenaktivität präzise zu modulieren und gleichzeitig die essentielle hämostatische Funktion zu erhalten. Erfahren Sie mehr unter https://www.emfret.com

 

Zitierte Studien: 

Bernhard Nieswandt, Valerie Schulte, Wolfgang Bergmeier, Rabée Mokhtari-Nejad, Kirsten Rackebrandt, Jean-Pierre Cazenave, Philippe Ohlmann, Christian Gachet, Hubert Zirngibl.Long-Term Antithrombotic Protection by in Vivo Depletion of Platelet Glycoprotein VI in Mice.J Exp Med (2001) 193 (4): 459–470. https://doi.org/10.1084/jem.193.4.459

Christoph Kleinschnitz, Miroslava Pozgajova, Mirko Pham, Martin Bendszus, Bernhard Nieswandt, and Guido Stoll. Targeting Platelets in Acute Experimental Stroke: Impact of Glycoprotein Ib, VI, and IIb/IIIa Blockade on Infarct Size, Functional Outcome, and Intracranial Bleeding. Circulation. Volume 115, Number 17. 2007. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.107.691279

Stefano Navarro, Ivan Talucci, Vanessa Göb, Stefanie Hartmann, Sarah Beck, Valerie Orth, Guido Stoll, Hans M Maric, David Stegner, Bernhard Nieswandt. The humanized platelet glycoprotein VI Fab inhibitor EMA601 protects from arterial thrombosis and ischaemic stroke in mice, European Heart Journal, Volume 45, Issue 43, 14 November 2024, Pages 4582–4597, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae482
 

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation 

Porträt von Valerie Orth und Bernhard Nieswandt - beide tragen ein helles Hemd bzw. Bluse und ein dunkles Jacket bzw. Blazer.
Valerie Orth und Bernhard Nieswandt beschrieben im Jahr 2001 erstmals die zentrale Rolle des Rezeptors GPVI, der ausschließlich auf Thrombozyten und ihren Vorläuferzellen im Knochenmark vorkommt. Ein Jahr später gründeten sie mit Susanne Nieswandt und Ralph Ziehfreund das Unternehmen EMFRET Analytics GmbH & Co. KG. © Thomas Berberich / EMFRET Analytics
2 mikroskopische Aufnahmen von Arteriolen einer Maus - mit und ohne EMA601-Behandlung.
Die Mikroskopie ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Thrombusbildung in Arteriolen der Maus. Im linken Bild ist eine humanisierte GP6 (hGP6^tg/tg^) Kontrollmaus zu sehen, bei der ein Thrombus (grün) das Gefäß vollständig verschließt. Demgegenüber bewirken die Thrombozyten in der mit EMA601 behandelten hGP6^tg/tg^-Maus lediglich eine Abdichtung der Gefäßverletzung, ohne eine Gefäßverstopfung zu verursachen. © Experimentelle Biomedizin I