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Fachverbände fordern strikte Altersgrenzen für digitale Medien

Eine neue wissenschaftliche Stellungnahme warnt vor Gesundheitsrisiken für Kinder und Jugendliche durch digitale Medien. Fachgesellschaften fordern klare Altersgrenzen und stärkeren Kinderschutz.

Kinder und Jugendliche bei der Nutzung digitaler Medien.
Ob und wie die Nutzung digitaler Medien bei Kindern und Jugendlichen reguliert werden soll, ist Gegenstand einer aktuellen Diskussion. (Bild: Drazen Zigic / AdobeStock)

Über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche wird in Deutschland aktuell breit diskutiert. Dazu liegt nun eine aktuelle wissenschaftliche Stellungnahme vor, an der Professorin Andrea Reiter seit Sommer 2025 als Teil einer Ad-hoc-Experten-Arbeitsgruppe mitgewirkt hat. Andrea Reiter leitet an der Universität Würzburg die Professur für Psychotherapie und Interventionspsychologie.

Die Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) hat die Stellungnahme erarbeitet. Weitere führende Fachgesellschaften und Verbände aus Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie haben sie mit unterzeichnet. Die Stellungnahme basiert auf aktuellen Studien, internationalen Empfehlungen sowie neurobiologischen und entwicklungspsychologischen Erkenntnissen.

Forschende sehen Chancen, aber auch erhebliche Risiken

Das Papier zeigt: Trotz großer Chancen der Digitalisierung bergen viele digitale Angebote erhebliche Risiken für die psychische, soziale und körperliche Entwicklung junger Menschen. Besonders betroffen sind Kleinkinder, Kinder im Vorschulalter und Schülerinnen und Schüler bis 14 Jahre.

Die Fachverbände fordern deshalb klare Altersgrenzen für Smartphones, Social Media und KI-Chatbots, ein Verbot manipulativer Designmechanismen, verbindliche Medienkonzepte in Kitas und Schulen sowie eine deutlich stärkere Verantwortung der Anbieter digitaler Dienste.

Sie fordern außerdem die Finanzierung weiterer Forschung: „Gerade bei Kindern ist die Studienlage bislang noch begrenzt“, sagt Professorin Andrea Reiter. „Wir können bislang zwar mögliche Zusammenhänge beschreiben, aber keine kausalen Aussagen treffen.“

Frühe Kindheit (0–5 Jahre): „Bildschirmfrei ist gesund“

Für Säuglinge und Kleinkinder empfehlen die Fachgesellschaften eine weitgehende Bildschirmabstinenz – Ausnahmen sind zum Beispiel Videotelefonate mit Verwandten oder digitale Bilderrahmen.

Hintergrund für diese Empfehlung sind Studien, denen zufolge eine frühe Bildschirmnutzung zusammenhängen kann mit:

  • Störungen des Schlafs,
  • verzögerter Sprachentwicklung,
  • beeinträchtigter Aufmerksamkeitsentwicklung,
  • und einer Schwächung der Eltern-Kind-Interaktion.

Künftig sollten alle Bildschirmgeräte einen Hinweis tragen:

„Nicht geeignet für Kinder von 0–3 Jahren – die Bundesgesundheitsministerin empfiehlt: Dieser Bildschirm schadet der Entwicklung Ihres Säuglings und Kleinkindes.“

Kitas sollen bundesweit einheitliche Standards erhalten: keine Bildschirme für 0–3-Jährige, und nur begleitete, reflektierte Mediennutzung für 4–5-Jährige.

Smartphone und Social Media erst ab 14

Kinder erhalten in Deutschland immer früher ein eigenes Smartphone. Neuere Studien, die in der aktuellen Stellungnahme aufgegriffen werden, zeigen jedoch, dass ein früher Smartphone-Besitz mit höheren Risiken für Depressionen, Schlafprobleme und Übergewicht im Jugendalter einhergeht.

Die Fachgesellschaften fordern daher:

  • Kein Smartphone vor 14 Jahren
  • Keine Nutzung algorithmischer Sozialer Medien vor 14 Jahren (TikTok, Instagram, Snapchat etc.)
  • Begrenzte, begleitete Messenger-Nutzung
  • Kein Zugang zu KI-Chatbots vor 14 Jahren

Digitale Spiele sollen nur mit wirksamer Altersverifikation und ohne Kontaktmöglichkeiten zu Fremden erlaubt sein.

Zugleich wird eine Rückbesinnung auf analoge Freizeitaktivitäten gefordert – auch weil viele Kinder inzwischen weniger Zeit draußen verbringen und seltener lesen.

14–18 Jahre: Stärkerer Schutz vor Sucht, Manipulation und Missbrauch

Die Stellungnahme dokumentiert auch Zusammenhänge zwischen problematischer Mediennutzung und

  • Angststörungen
  • depressiven Symptomen
  • Schlafstörungen
  • Essstörungen
  • verminderter Schulleistung
  • vermehrtem Cybermobbing
  • erhöhtem Risiko für Verhaltenssüchte (Gaming, Social Media, Online-Shopping)

Besonders stark kritisieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler manipulative Designmechanismen („Dark Patterns“) wie Lootboxen (digitale Überraschungspakete in Videospielen), Endlos-Scrollen oder personalisierte Werbung. Diese sollen für Minderjährige verboten werden.

Für Schulen gilt laut der Empfehlung: Keine privaten Smartphones im Schulalltag. Stattdessen sollen pädagogisch verwaltete Geräte genutzt werden.

Forderungen an Politik und Plattformbetreiber

Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften fordern unter anderem:

  • Verbindliche Altersgrenzen für Gerätebesitz, Social Media, KI-Chatbots und Online-Games
  • Strenge Altersverifikation nach EU‑DSA
  • Verbot personalisierter Werbung an Minderjährige
  • Verbot manipulativer Designmechanismen
  • Schulische Medienkompetenz ab Klasse 1 – bundeslandübergreifend einheitlich
  • Forschungsförderung und regelmäßiges nationales Monitoring
  • Förderung der Medienkompetenz bei Eltern, die sich bislang oft wenig unterstützt fühlen
     

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Wissenschaftliche Stellungnahme "Nutzung digitaler Medien und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen" (pdf)

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 25.02.2026

Kinder und Jugendliche bei der Nutzung digitaler Medien.
Ob und wie die Nutzung digitaler Medien bei Kindern und Jugendlichen reguliert werden soll, ist Gegenstand einer aktuellen Diskussion. (Bild: Drazen Zigic / AdobeStock)

Infoabend: Endometriose ist behandelbar

„Endometriose – nicht heilbar, aber behandelbar“ – das ist der Titel eines Informationsabends, zu dem die Würzburger Universitäts-Frauenklinik am Dienstag, 24. März 2026, betroffene Frauen und alle sonstigen Interessierten herzlich einlädt. Angesprochen werden aktuelle Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sowie die Chancen, die sich aus einer strukturierten Selbstfürsorge und aus der Beteiligung an einer neu entstehenden Selbsthilfegruppe ergeben.

 

Urkunde vom zertifizierten Endometriosezentrum.
Als zertifiziertes Endometriosezentrum verfügt die Würzburger Universitäts-Frauenklinik über umfassende Kompetenzen bei der Diagnostik, Behandlung und Erforschung der komplexen Erkrankung. © Daniel Peter / UKW

Würzburg. Endometriose ist eine häufige und komplexe gynäkologische Erkrankung. In Deutschland sind etwa zwei Millionen Frauen davon betroffen. Grund genug für die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW), der gutartigen Erkrankung jährlich einen kostenlosen Informationsabend zu widmen, jeweils unter wechselnden Aspekten. Die nächste Ausgabe findet am Dienstag, 24. März 2026 statt.
Prof. Dr. Achim Wöckel, der Direktor der Frauenklinik, erläutert: „Bei der Endometriose wachsen gebärmutterschleimhautähnliche Zellverbände außerhalb der Gebärmutterhöhle, also zum Beispiel im Scheidenbereich, im Bauchfell, in den Eierstöcken oder in der Darmwand. Je nach Lokalisation und Einzelfall kann dies zu sehr unterschiedlichen Beschwerden führen.“

Endometriose verstehen – Schmerzen ernst nehmen

Diese unspezifischen Symptome und oft langen Diagnosewege führen dazu, dass Betroffene jahrelang mit Schmerzen leben, ohne eine klare Ursache zu kennen. Privatdozentin Dr. Saskia-Laureen Herbert, die stellvertretende Leiterin des zertifizierten Endometriosezentrums des UKW, klärt beim Infoabend über die Möglichkeiten der Diagnostik auf – von der strukturierten Anamnese über Ultraschall bis hin zur Magnetresonanztomographie (MRT). „Wir wollen Frauen ermutigen, anhaltende Schmerzen konsequent abklären zu lassen“, unterstreicht Dr. Herbert.

Präsentation der verschiedenen Therapieoptionen

„Wie es der Titel unseres Infoabends beschreibt, ist Endometriose zwar bisher nicht heilbar, aber die mit der Erkrankung verbundenen Beschwerden lassen sich durchaus gut therapieren“, sagt Dr. Anastasia Altides. Die Leiterin des Endometriosezentrums stellt in ihrem Vortrag medikamentöse, hormonelle und operative Behandlungswege vor. „Falls eine Operation die besten Ergebnisse verspricht, sollte diese grundsätzlich minimal-invasiv erfolgen. Hier können wir in der Universitäts-Frauenklinik Würzburg neben der konventionellen Laparoskopie auch robotisch unterstützte Systeme anbieten“, schildert Dr. Altides.

Chancen der Selbstfürsorge

Neben der Behandlung in einem spezialisierten Zentrum können auch die Patientinnen sich selbst viel Gutes tun. Welche Chancen in Selbstmanagement und Selbstfürsorge stecken, beschreibt Prof. Dr. Imad Maatouk, Schwerpunktleiter für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Medizinischen Klinik II des UKW. 

Als für seine Selbsthilfefreundlichkeit ausgezeichnetes Krankenhaus freut sich Würzburger Uniklinikum zudem, am Infoabend zu kommunizieren, dass sich derzeit auch für Endometriose eine Selbsthilfegruppe herausbildet. 

Abgerundet wird die Veranstaltung durch eine ausführliche Diskussionsrunde mit dem Auditorium.

Der Informationsabend findet um 18:00 Uhr im Hörsaal 1 des Zentrums für Innere Medizin des UKW an der Oberdürrbacher Straße 6 statt.
Für die Teilnahme ist eine Anmeldung bis spätestens 17. März 2026 erforderlich unter https://service.ukw.de/Formular/?u=ver_24_03_2026_frauenklinik. 

Text: Pressestelle / UKW
 

Urkunde vom zertifizierten Endometriosezentrum.
Als zertifiziertes Endometriosezentrum verfügt die Würzburger Universitäts-Frauenklinik über umfassende Kompetenzen bei der Diagnostik, Behandlung und Erforschung der komplexen Erkrankung. © Daniel Peter / UKW

Magersucht: Studie untersucht familien-basierten Therapieansatz

Studie will untersuchen, ob die familien-basierte Therapie in telemedizinischer Form eine alternative Behandlungsoption zur vollstationären klinischen Versorgung für die Betroffenen und deren Familien darstellt.

Würzburg. 23 Kliniken in Deutschland untersuchen derzeit neue Wege in der Behandlung von Magersucht. Die Studie „FIAT - familien-basierte telemedizinische vs. Institutionelle Anorexia nervosa Therapie“ vergleicht eine alternative, familien-basierte Therapie von Magersuchtbetroffenen mit einer klassischen stationären Therapie. 100 Jugendliche erhalten die familien-basierte Therapie, weitere 100 eine stationäre Regelversorgung. 

Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) beteiligt sich an der Untersuchung, für die derzeit Betroffene eingeschrieben werden können. Gemeinsam mit neun weiteren Krankenkassen unterstützt die Techniker Krankenkasse (TK) das Projekt „FIAT“. Die Studienleitung liegt bei der Berliner Charité. 

In Deutschland wird Magersucht ab einem gewissen Schweregrad vollstationär behandelt, also in einer Klinik außerhalb des gewohnten familiären Umfeldes. Die Studie will nun untersuchen, ob die familien-basierte Therapie in telemedizinischer Form eine alternative Behandlungsoption zur vollstationären klinischen Versorgung für die Betroffenen und deren Familien darstellt. 

Prof. Dr. Marcel Romanos, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Würzburg, erklärt: „Bei dem familien-basierten telemedizinischen Ansatz wird die ganze Familie während der zehnmonatigen Therapie engmaschig eingebunden. In regelmäßigen Therapiesitzungen per Videoanruf finden beispielsweise Beratungen statt, um gemeinsam neue, gesunde Essgewohnheiten und Verhaltensweisen im Alltag zu etablieren und zu festigen.“ Gelingt dies nicht, begleiten die betreuenden Ärztinnen und Ärzte den sofortigen Übergang in die stationäre Regelversorgung. 

Dr. Gabriele Gonschor, Leiterin Regionales Vertragswesen bei der TK in Bayern, sagt: „In Ländern wie Großbritannien, USA, Kanada, Neuseeland und Australien hat sich die familien-basierte Therapie bereits bewährt und gilt als Standardverfahren für die Behandlung von Magersucht. Wenn die Studie zeigt, dass die Behandlung über Video und Telefon genauso gut funktioniert wie die Behandlung im Krankenhaus, hätte das für die Patientinnen und Patienten viele Vorteile: sie könnten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, weiter zur Schule gehen und ihre Freundinnen und Freunde treffen. Außerdem müssten sie nicht lange auf einen Behandlungsplatz warten.“

Die Einschreibung läuft bis Ende 2026. Teilnehmen können Versicherte im Alter von 8 bis 17 Jahren mit einer Anorexia Nervosa, die eine stationäre Aufnahme erforderlich macht. In der Regel befinden sich die Versicherten bereits in Behandlung bei den teilnehmenden Kliniken oder stehen auf einem Warteplatz. Weitere Informationen gibt es hier: https://www.tk.de/techniker/versicherung/tk-leistungen/weitere-leistungen/igv-vertraege/fiat-ambulante-magersucht-therapie-fuer-kinder-und-jugendliche--2190078

Laut statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2023 rund 12.000 zumeist jüngere Menschen in Deutschland aufgrund einer Essstörung stationär behandelt. Darunter leiden besonders viele an Magersucht. Doch auch nach einem Klinikaufenthalt bleibt die Erkrankung für viele Betroffene präsent. Rund 42 Prozent der Betroffenen erleiden nach der Entlassung einen Rückfall.

Weitere Informationen zur Studie und zur Teilnahme gibt es online:

FIAT :: Familien-Basierte telemedizinische versus Institutionelle Anorexia nervosa Therapie HOME - FIAT STUDIE

25000 Euro für Elterninitiative Regenbogen

Thorsten "Otto" Ellmauer sammelte für den gemeinnützigen Verein

Thorsten Ellmauer und Denise Lampert bei der Spendenübergabe mit einer Kiste Bargeld und einem Teddy.
Thorsten Ellmauer und Denise Lampert (Elterninitiative Regenbogen) bei der Spendenübergabe. Foto: Yevgeniya Ronis

Auch im vergangenen Jahr setzte sich Thorsten Ellmauer, meist "Otto" genannt, wieder für die Elterninitiative Regenbogen ein. Durch sein beispielhaftes und selbstloses Engagement sammelte er über 25.000 Euro innerhalb eines Jahres für den gemeinnützigen Verein. Bereits in den letzten Jahren organisierte und begleitete "Otto" Spendenaktionen verschiedenster Art auf ehrenamtlicher Basis. Dank seiner Spenden können die Projekte der Elterninitiative nachhaltig unterstützt werden. Der gemeinnützige Verein setzt sich u.a. für eine familiengerechte Ausstattung der Kinderkrebsstationen der Uni-Kinderklinik ein und unterstützt die dortige Krebsforschung. Das Motto der Elterninitiative lautet: "Die Diagnose können wir nicht ändern, aber das gesamte Umfeld positiv beeinflussen" - getreu diesem Ansatz bietet der Verein Unterstützung für die gesamte Patientenfamilie, das vielseitige Angebot ist vollständig finanziert aus Spendengeldern.

Die Elterninitiative Regenbogen bedankt sich herzlich bei Thorsten Ellmauer für sein treues und vorbildliches Engagement.

Pressemitteilung: Nadine Kempa (Elterninitiative Regenbogen e.V.) vom 23. Februar 2026

 

Thorsten Ellmauer und Denise Lampert bei der Spendenübergabe mit einer Kiste Bargeld und einem Teddy.
Thorsten Ellmauer und Denise Lampert (Elterninitiative Regenbogen) bei der Spendenübergabe. Foto: Yevgeniya Ronis

Das große Ganze im Blick

Jonas Czwikla ist neuer Professor für Versorgungsforschung

Porträt von Jonas Czwikla im Foyer des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz - Czwikla trägt sehr kurze, dunkle Haare und ein dunkles Hemd
Prof. Dr. Jonas Czwikla hat seit Januar 2026 die Professur für Versorgungsforschung am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg inne. © Miriam Schlüter / Universität Würzburg
Die beiden Herren stehen vor einer Wand mit Logo der Uni Würzburg und halten die Ernennungsurkunde in den Händen
JMU-Vizepräsident Matthias Bode (rechts) überreicht Prof. Dr. Jonas Czwikla die Ernennungsurkunde zur W2-Professur für Versorgungsforschung an der Universität Würzburg. © Robert Emmerich / Universität Würzburg

Prof. Dr. Jonas Czwikla hat seit Januar 2026 die Professur für Versorgungsforschung am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg inne. Der Wissenschaftler, der zuvor an den Universitäten in Bremen und Oldenburg forschte und lehrte, versteht sich als epidemiologisch ausgerichteter Versorgungsforscher. Das heißt, er analysiert große Datensätze mit epidemiologischen Methoden und entwickelt Ideen für neue Versorgungsformen. Diese werden evaluiert, um bei einem positiven Effekt eine Implementierung in die Regelversorgung zu ermöglichen. 

Würzburg. Der Blick auf das große Ganze fasziniert ihn - möglichst immer über den Tellerrand hinaus. Anstatt sich mit einzelnen medizinischen Fällen zu beschäftigen, widmet er sich ganzen Bevölkerungsgruppen. Sein Spektrum reicht von zu früh geborenen Kindern über Brustkrebsfrüherkennung für Frauen zwischen 50 und 75 Jahren bis hin zur medizinischen Versorgung von Pflegebedürftigen. „Mich hat schon immer mehr der gesundheitsorientierte Ansatz interessiert als der krankheitsorientierte. Wie verhindern wir, dass Menschen krank werden?“, sagt Prof. Dr. Jonas Czwikla. Deshalb entschied sich der gebürtige Wiesbadener nach dem Abitur am beruflichen Gymnasium für Gesundheit in Koblenz gegen ein Medizinstudium und für den Studiengang Public Health und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bremen.

Krankheiten vorbeugen und bestmöglich versorgen

Während seines Studiums begeisterte sich Czwikla insbesondere für die Epidemiologie und Versorgungsforschung. Heute versteht sich der 36-Jährige als epidemiologisch ausgerichteter Versorgungsforscher. In der klassischen Epidemiologie beschäftigt er sich unter anderem mit folgenden Fragen: Wie ist die Krankheitslast in der Bevölkerung verteilt? Welche Krankheiten gibt es, wie oft treten sie auf und bei wem? Und wie können wir sie verhindern? Gleichzeitig analysiert er mit epidemiologischen Methoden, wie Menschen mit diesen Krankheiten von welchen Ärztinnen und Ärzten mit welchen Leistungen versorgt werden. Welche neuen Versorgungskonzepte gibt es? Und wie können wir den Fachkräftemangel bewältigen? Czwikla zufolge ist es besonders spannend, die klassische Perspektive der Epidemiologie um versorgungsbezogene Fragestellungen zu erweitern und gemeinsam mit einer Vielzahl von Partnerinnen und Partnern aus Forschung, Politik und Praxis zu einer Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung beizutragen.

Seit dem 1. Januar 2026 geht Jonas Czwikla seinen Fragen und Aufgaben als neuer Professor für Versorgungsforschung am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg nach. 

„Target Trial Emulation“ bei der Auswertung von Routinedaten

Ein wichtiger Baustein seiner Arbeit ist die Auswertung von Routinedaten. „Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung sind größtenteils erst seit 2004 digital verfügbar und für die Forschung nutzbar“, erklärt Czwikla. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Evaluation von Krebsfrüherkennungsuntersuchungen anhand von Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. In Bremen nutzte er solche Routinedaten zur Evaluation der Brustkrebssterblichkeit im deutschen Mammographie-Screening-Programm mittels Target Trial Emulation. Hierbei handelt es sich um ein innovatives Konzept, mit dem sich Beobachtungsstudien designen lassen, die trotz ihrer Limitationen der Qualität von randomisierten kontrollierten Studien nahekommen. 

Evaluation des Mammographie-Screenings in Deutschland 

Im Rahmen einer vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) koordinierten und unter Leitung der Universität Münster zusammen mit dem Landeskrebsregister Nordrhein-Westfalen (LKR NRW), dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS und der Universität Bremen durchgeführten Studie ging Czwikla der Frage nach, ob Frauen, die am Mammografie-Screening teilnehmen, ein geringeres Risiko haben, an Brustkrebs zu sterben. In die Evaluation flossen auch Daten des Bayerischen Krebsregisters ein. „Anhand der ausgewerteten Daten, die einem Zeitraum von über zehn Jahren abdeckten, konnten wir zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu sterben, bei den Frauen, die am Mammographie-Screening teilnahmen, um 20 bis 30 Prozent niedriger war als bei den Frauen, die diese Früherkennungsmaßnahme nicht in Anspruch nahmen.“ Die Ergebnisse wurden im vergangenen Jahr bei einer Veranstaltung mit Bundesumweltminister Carsten Schneider und Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in Berlin vorgestellt und fließen in die Weiterentwicklung der Entscheidungshilfe zum Mammographie-Screening des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ein. Der G-BA legt fest, welche medizinischen Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen unter welchen Bedingungen bezahlt werden. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) werden schließlich Entscheidungshilfen erstellt, die Versicherte dabei unterstützen, die Vor- und Nachteile von Früherkennungsuntersuchungen abzuwägen. 

Informierte Entscheidung ermöglichen

„Es freut mich immer besonders, wenn unsere Ergebnisse auch in die Praxis einfließen“, sagt Jonas Czwikla. Er betont jedoch: „Wir wollen Frauen nicht zum Mammographie-Screening überreden, sondern sie transparent über den erwartbaren Nutzen und mögliche unerwünschte Effekte informieren. Auf dieser Basis sollen die Frauen eine informierte Entscheidung treffen.“ Das Konzept der Target Trial Emulation möchte er in Würzburg auch in anderen Themen- und Krankheitsbereichen anwenden. 

Fokus auf medizinischer Versorgung von Pflegebedürftigen 

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Jonas Czwikla ist die medizinische Versorgung von vulnerablen Bevölkerungsgruppen. In seiner Habilitation befasste er sich mit der medizinischen Versorgung von Pflegebedürftigen. „Wir haben inzwischen rund sechs Millionen Pflegebedürftige, mit stark steigender Tendenz. Jedes Jahr kommt derzeit nahezu eine halbe Million hinzu. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, pflegerisches Personal zu akquirieren. Das wird das Versorgungssystem zukünftig ganz klar an seine Grenzen bringen. Hier wollen wir gemeinsam mit der Praxis Lösungen für eine bestmögliche medizinische Versorgung entwickeln“, erklärt Jonas Czwikla. 

Als Beispiel nennt er Blasendauerkatheter in Pflegeheimen, deren Wechsel vor allem bei Männern nicht einfach ist. Obwohl ein solcher Wechsel im Heim möglich wäre, werden die Betroffenen vielerorts ins Krankenhaus geschickt, was für alle Beteiligten eine große Belastung darstellt. Czwikla führt aus: „Wir wollen gemeinsam mit den Einrichtungen Best-Practice-Beispiele identifizieren und Standards etablieren, die eine flächendeckende Versorgung im Heim ermöglichen und durch die Qualität und Sicherheit gewährleistet sind. Das heißt: Wir begleiten den gesamten Prozess von der Idee bis zur Implementierung in die Regelversorgung.“ Czwikla will jedoch nicht nur die medizinische Versorgung in Heimen, sondern auch die häusliche Versorgung verbessern. Schließlich werden mehr als 80 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause betreut.

Koordinierung des BARMER-Pflegereports

In Bremen arbeitete er bereits am jährlichen BARMER-Pflegereport mit und von Würzburg aus wird er dessen Veröffentlichung zukünftig koordinieren. Dabei wertet er mit seinem Team, Daten, Trends und Versorgungsprobleme im Pflegebereich systematisch aus, zeigt Entwicklungen, Probleme und mögliche Handlungsfelder auf und trägt so zu Diskussionen über Pflegestrategien sowie Reformbedarf bei. Hierbei wird er maßgeblich von Dr. Alexander Fassmer unterstützt, mit dem Czwikla gemeinsam an der Universität Oldenburg im Department Versorgungsforschung tätig war und der mit ihm nach Würzburg gekommen ist.

Uniklinikum Würzburg bietet große Kooperationspotenzial 

Auf dem Campus der Würzburger Universitätsmedizin sieht Czwikla große Kooperationspotenziale, vor allem mit dem von Prof. Dr. Melanie Messer geleiteten Institut für Pflegewissenschaft. Mit Messer beantragte er bereits ein neues Forschungsprojekt. Auch zur Pädiatrie hat er bereits Kontakte geknüpft. Einerseits will er in Würzburg ein bewilligtes Projekt zur Antikoagulation bei Kindern in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS umsetzen, das vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gefördert wird. Andererseits plant er gemeinsam mit Prof. Dr. Juliane Spiegler, der Ärztlichen Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) am Uniklinikum Würzburg, den Ausbau der Versorgungsforschung bei Kindern und Frühgeborenen. 

„Der Standort Würzburg ist weit über die Landesgrenzen hinaus für seine exzellente Forschung bekannt, auch in den Bereichen Epidemiologie und Versorgung. Daher freue ich mich sehr über den Ruf nach Würzburg und darüber, dass ich dazu beitragen kann, die Versorgungsforschung noch weiter auszubauen“, sagt Jonas Czwikla. Der Wechsel von Norddeutschland nach Unterfranken sei ihm leichtgefallen. „Ich bin in der Nähe von Lahn, Mosel und Rhein aufgewachsen, daher fühle ich mich in der Weinregion Würzburg gleich heimisch. Und da ich eher der Fraktion Fleisch angehöre, ist die Versorgung in Franken für mich kein Problem“, schmunzelt der Vater einer Tochter und Triathlet.

Über Prof. Dr. Jonas Czwikla
Prof. Dr. Jonas Czwikla wurde 1989 in Wiesbaden geboren. Er wuchs im Taunus und Rheinland auf und besuchte nach der Realschule ein berufliches Gymnasium für Gesundheit in Koblenz, wo er sein Abitur machte. Anschließend studierte er Public Health in Bremen. 2012 schloss er sein Bachelor-Studium ab, 2014 sein Master-Studium mit den Schwerpunkten Versorgungsforschung und Gesundheitssystem. 2020 erlangte er die Doktorwürde im Fach Public Health mit dem Prädikat „summa cum laude“. 2025 habilitierte er im Fach Epidemiologie und Public Health an der Universität Bremen. Czwikla war über zehn Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter im SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik tätig und arbeitete zeitgleich viele Jahre am Department für Versorgungsforschung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Seit dem 1. Januar 2026 ist er Universitätsprofessor für Versorgungsforschung am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Julius-Maximilians-Universität. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Versorgungsforschung, Epidemiologie und Public Health, wobei er sich insbesondere mit der Analyse von Primärdaten und Routinedaten der Gesetzlichen Krankenversicherung sowie mit der Evaluation von Public-Health-Interventionen beschäftigt.

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation 

Porträt von Jonas Czwikla im Foyer des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz - Czwikla trägt sehr kurze, dunkle Haare und ein dunkles Hemd
Prof. Dr. Jonas Czwikla hat seit Januar 2026 die Professur für Versorgungsforschung am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg inne. © Miriam Schlüter / Universität Würzburg
Die beiden Herren stehen vor einer Wand mit Logo der Uni Würzburg und halten die Ernennungsurkunde in den Händen
JMU-Vizepräsident Matthias Bode (rechts) überreicht Prof. Dr. Jonas Czwikla die Ernennungsurkunde zur W2-Professur für Versorgungsforschung an der Universität Würzburg. © Robert Emmerich / Universität Würzburg

3D-Modell eröffnet neue Ansatzpunkte für Therapien von Hirnmetastasen nach Brustkrebs

Klinische Neurobiologie am UKW zeigt am 3D-Modell komplexen Prozess der Interaktionen von Brustkrebszellen im Gehirn

Illustration auf der Rückseite des Einbandes der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials.
Die AG Villmann lieferte das Bild für die Rückseite des Einbandes der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials. Zu sehen sind in das Gehirn metastasierte Brustkrebszellen (Kreis und Vergrößerung unten rechts). Sie stehen eng mit den Blutgefäßen in Kontakt, da sie über diese Nährstoffe und Sauerstoff enthalten und die Gefäße als Steuerungs- und Orientierungshilfe dienen. Die Tumorzellen passen sich schließlich immer mehr der neuen Umgebung im Gehirn an und gehen eine enge Wechselwirkung mit den Proteinen der extrazellulären Matrix des Gehirns ein (roter Kreis unten links), interagieren über pseudosynaptische Kontakte mit Neuronen sowie über Gap Junctions mit Astrozyten (Kreise oben rechts). Die Erregungsaktivität der Neuronen ist in Anwesenheit von Tumorzellen erhöht (Kreis oben links). Nach einer gewissen Zeit beginnen sie sich zu vermehren und bilden kleine Tumorkolonien. © Türker et al. AFM. 2025 (https://advanced.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/adfm.74287)
Mateo Andrade Mier, Carmen Villmann und Esra Türker sitzen vor einem Laptop und betrachten ein mikroskopisches Bild, Carmen Villmann ist nur von hinten zu sehen.
Esra Türker (links) und Mateo Andrade Mier entwickelten ein neuartiges 3D-Modell, das die Umgebung von Nervenzellen im Gehirn nachbildet. © Daniel Peter / UKW
Mateo Andrade Mier, Carmen Villmann und Esra Türker sitzen vor einem Laptop und betrachten ein mikroskopisches Bild, Mateo ist nur von hinten zu sehen.
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Carmen Villmann (Klinische Neurobiologie, UKW) entwickelte ein 3D-Zellkulturmodell, das die Veränderung des Netzwerks der Nervenzellen bei einem Brusttumor im Gehirn zeigt. © Daniel Peter / UKW

Forschende des Instituts für Klinische Neurobiologie am Universitätsklinikum Würzburg haben ein neuartiges 3D-Modell entwickelt, das die Umgebung von Nervenzellen im Gehirn nachbildet und zeigt, wie sich das neuronale Netzwerk durch Hirnmetastasen nach Brustkrebs verändert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials veröffentlicht. Die Studie liefert einen wichtigen Baustein zum Verständnis der Therapieresistenz von Hirnmetastasen bei Brustkrebs und bietet zugleich neue Ansatzpunkte für eine verbesserte Behandlung. Künftige Therapien könnten demnach nicht nur die Tumorzellen selbst, sondern auch ihre Interaktion mit dem umgebenden Gewebe gezielt beeinflussen.

Würzburg. Hirnmetastasen bei Brustkrebs sind schwer zu behandeln und gehen mit einer schlechten Prognose einher. Eine aktuelle Studie von Esra Türker und Mateo Andrade Mier aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Carmen Villmann vom Würzburger Institut für Klinische Neurobiologie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) liefert neue Einblicke in die Frage nach den zellulären Partnern der Tumorzellen sowie deren Wechselwirkung mit dem umgebenden Hirngewebe. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials veröffentlicht und auf der Rückseite des Einbandes visualisiert.

Das Team um Carmen Villmann entwickelte ein 3D-Zellkulturmodell auf Basis eines speziellen Hydrogels, das wichtige Bestandteile der extrazellulären Matrix im Gehirn enthält, sowie strukturgebende Gerüste. In diese so genannten Scaffolds werden die verschiedenen Zelltypen eingebracht. Untersucht wurden HER2-positive Brustkrebszellen, die ein besonders hohes Risiko für Hirnmetastasen aufweisen.

Tumorzellen aus der Brust passen sich der neuen Umgebung im Gehirn an

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die aus der Brust stammenden Tumorzellen im Gehirn an ihre neue Umgebung anpassen und enge Kontakte zu Nervenzellen und Astrozyten ausbilden. Dabei nimmt die Aktivität der Nervenzellen deutlich zu. Elektronenmikroskopische Analysen deuten darauf hin, dass zwischen Tumorzellen und Hirnzellen synapsen-ähnliche Kontaktstellen entstehen, über die wachstumsfördernde Signale übertragen werden könnten.

Erst Zellkontakte unterbinden, dann die Tumorzellen töten

Auf Basis dieser Erkenntnisse eröffnen sich neue therapeutische Strategien: Künftig könnten Behandlungen darauf abzielen, zunächst diese Zellkontakte zu unterbrechen und erst anschließend die Tumorzellen gezielt zu zerstören. Das etablierte 3D-Modell eignet sich zudem für systematische Medikamententests und kann auf andere Tumorarten mit Hirnmetastasen übertragen werden.

Publikation: Esra Türker, Mateo S. Andrade Mier, Jessica Faber, Mike Friedrich, Zan Lamberger, Jeannette Weigelt, Christian Stigloher, Nicoletta Murenu, Natascha Schaefer, Jörg Tessmar, Gregor Lang, Silvia Budday, Katrin G. Heinze, Antje Appelt-Menzel, Pamela L. Strissel, Reiner Strick, Carmen Villmann. A 3D Biofabricated Disease Model Mimicking the Brain Extracellular Matrix Suitable to Characterize Intrinsic Neuronal Network Alterations in the Presence of a Breast Tumor Disseminated to the Brain. Advanced Functional Materials. First published: 27 November 2025.  https://doi.org/10.1002/adfm.202515220

Illustration auf der Rückseite des Einbandes der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials.
Die AG Villmann lieferte das Bild für die Rückseite des Einbandes der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials. Zu sehen sind in das Gehirn metastasierte Brustkrebszellen (Kreis und Vergrößerung unten rechts). Sie stehen eng mit den Blutgefäßen in Kontakt, da sie über diese Nährstoffe und Sauerstoff enthalten und die Gefäße als Steuerungs- und Orientierungshilfe dienen. Die Tumorzellen passen sich schließlich immer mehr der neuen Umgebung im Gehirn an und gehen eine enge Wechselwirkung mit den Proteinen der extrazellulären Matrix des Gehirns ein (roter Kreis unten links), interagieren über pseudosynaptische Kontakte mit Neuronen sowie über Gap Junctions mit Astrozyten (Kreise oben rechts). Die Erregungsaktivität der Neuronen ist in Anwesenheit von Tumorzellen erhöht (Kreis oben links). Nach einer gewissen Zeit beginnen sie sich zu vermehren und bilden kleine Tumorkolonien. © Türker et al. AFM. 2025 (https://advanced.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/adfm.74287)
Mateo Andrade Mier, Carmen Villmann und Esra Türker sitzen vor einem Laptop und betrachten ein mikroskopisches Bild, Carmen Villmann ist nur von hinten zu sehen.
Esra Türker (links) und Mateo Andrade Mier entwickelten ein neuartiges 3D-Modell, das die Umgebung von Nervenzellen im Gehirn nachbildet. © Daniel Peter / UKW
Mateo Andrade Mier, Carmen Villmann und Esra Türker sitzen vor einem Laptop und betrachten ein mikroskopisches Bild, Mateo ist nur von hinten zu sehen.
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Carmen Villmann (Klinische Neurobiologie, UKW) entwickelte ein 3D-Zellkulturmodell, das die Veränderung des Netzwerks der Nervenzellen bei einem Brusttumor im Gehirn zeigt. © Daniel Peter / UKW

Mutmacherinnen spenden für die Würzburger Krebsforschung

Eine junge Tumorpatientin und ihre Mutter sammelten an ihren runden Geburtstagen Spenden für „Forschung hilft“. Dabei kamen 4.000 Euro für die Stiftung zur Förderung der Krebsforschung am Universitätsklinikum Würzburg zusammen.

Gruppenbild mit Scheck
Bei der Scheckübergabe (von rechts): Die Spenderinnen Angela May-Hock und Leni Hock mit Gabriele Nelkenstock von der Stiftung „Forschung hilft“ und Prof. Dr. Imad Maatouk vom Uniklinikum Würzburg. Bild: Jasmin Mühlich

Würzburg. Am 18. Februar dieses Jahres überreichten Leni Hock und ihre Mutter Angela May-Hock einen symbolischen Riesenspendenscheck über 4.000 Euro an Gabriele Nelkenstock, die Stiftungsratsvorsitzende von „Forschung hilft“. Die Stiftung fördert aussichtsreiche Krebsforschungsprojekte am Uniklinikum Würzburg (UKW).

Eigene Krebserkrankung als Motivation

Das Leben von Leni und ihrer Familie war in den vergangenen Monaten eng mit dem Würzburger Krankenhaus der Maximalversorgung verbunden: Nachdem bei der damals 19-Jährigen im Frühjahr 2025 ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert worden war, durchlief sie am UKW eine umfangreiche Behandlungsabfolge aus Operation, Chemotherapie, Bestrahlung und zielgerichteter Therapie. Dabei konnte der Tumor zurückgedrängt werden. „Wir haben uns während dieser extrem belastenden Monate an der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums medizinisch wie menschlich sehr gut aufgehoben gefühlt. Außerdem finden wir es großartig, dass es in Würzburg ehrenamtlich tätige Einrichtungen wie den Verein ‚Hilfe im Kampf gegen Krebs‘ und die Stiftung ‚Forschung hilft‘ gibt, die Betroffene lokal unterstützen und vor Ort die Weiterentwicklung vorantreiben“, lobt Angela May-Hock. Ihre Tochter ergänzt: „Ich bin sehr dankbar, dass es möglich war, meine Erkrankung zu behandeln. Alle diese Therapieangebote beruhen auf ehemaliger Forschung und wir wollen gerne dazu beitragen, dass diese wissenschaftlichen Arbeiten auch für zukünftige Patientinnen und Patienten weitergehen können.“ Deshalb stellten sie und ihre Mutter ihre kürzlich gefeierten runden Geburtstage in den Dienst der Stiftung. Bei den großen Treffen zum 20. beziehungsweise 50. Wiegenfest sammelten sie Spenden statt Geschenken. Dabei kamen 4.000 Euro zusammen. 

Ein Beleg der großen Solidarität

„Dieses Ergebnis ist auch ein weiterer Beleg für den engen Zusammenhalt von Familie, Freunden und Nachbarn, den wir auch schon während des ganzen letzten Jahres erleben durften“, unterstreicht Angela May-Hock. Diese Solidarität wurde auch bei der Scheckübergabe deutlich. Die Spenderinnen wurden begleitet von Lenis Partner Jakob Zeiss, der ihr in vielen schweren Momenten treu zur Seite stand, und Giovanni Privitera. Der Freund der Familie backt und verkauft in seiner Freizeit besondere Pizzavariationen, deren Erlöse in die Spende einflossen. 

Für viele Krebserkrankte inspirierend

„Dass Leni so optimistisch durch die Therapie gehen kann, liegt sicher zum Teil an ihrer Persönlichkeit“, kommentiert Prof. Dr. Imad Maatouk. Der Schwerpunktleiter für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Medizinischen Klinik II des UKW fährt fort: „Wir wissen aus unserer Arbeit aber auch, wie wichtig die Unterstützung durch ein starkes familiäres und soziales Umfeld für die Psyche von Krebserkrankten und den Behandlungserfolg sein kann.“ Neben dem herzlichen Dank für die Spende zeigte sich auch Gabriele Nelkenstock von Tochter und Mutter tief beeindruckt: „Euer Beispiel kann viele Patientinnen und Patienten inspirieren und ihnen Mut machen, beim Kampf gegen den Krebs nicht aufzugeben.“

Über „Forschung hilft“

Die Stiftung „Forschung hilft“ wurde Ende 2017 vom Würzburger Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ gegründet. Seither schüttet die Stiftung jährlich Förderpreisgelder an lokale Krebsforscherinnen und -forscher aus – bislang rund 1,1 Millionen Euro. Weitere Infos gibt es unter www.forschung-hilft.de. 

Wer die Stiftung weiter voranbringen will, kann auf folgendes Konto spenden: 
Stiftergemeinschaft der Sparkasse Mainfranken Würzburg
IBAN: DE19 7905 0000 0000 0655 65
BIC: BYLADEM1SWU

 

Text: Pressestelle / UKW

Gruppenbild mit Scheck
Bei der Scheckübergabe (von rechts): Die Spenderinnen Angela May-Hock und Leni Hock mit Gabriele Nelkenstock von der Stiftung „Forschung hilft“ und Prof. Dr. Imad Maatouk vom Uniklinikum Würzburg. Bild: Jasmin Mühlich