Aktuelle Pressemitteilungen

Brustkrebs: Neue S3-Leitlinie für die bestmögliche Versorgung

Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik am Uniklinikum Würzburg (UKW) koordinierte die umfassende Überarbeitung der S3-Leitlinie zur „Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“. Statt der bisherigen sieben gibt es nun fünf neu strukturierte Kapitel mit 27 Modulen, die für jede Phase der Erkrankung wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen ausweisen. Die Schlüsselfragen wurden teilweise neu formuliert, ergänzt und konkretisiert sowie anhand aktueller klinischer und wissenschaftlicher Entwicklungen angepasst.

Porträt des Klinikdirektors in weißem Kittel
Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik am Uniklinikum Würzburg (UKW), koordinierte die umfassende Überarbeitung der S3-Leitlinie zur „Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“. © Thomas Berberich / UKW
Titel vom PDF der neu strukturierten und aktualisierten S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Link: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Mammakarzinom_4_0/Version_5/LL_Mammakarzinom_Langversion_5.0.pdf

Würzburg. S3-Leitlinien gelten als Goldstandard in der medizinischen Versorgung. Sie dienen Behandelnden als Entscheidungshilfe und basieren auf einer systematischen Evidenzrecherche, Bewertung und Konsensfindung unter Expertinnen und Experten des entsprechenden Fachgebiets. Um den aktuellen Stand der Wissenschaft zu gewährleisten, unterliegen die S3-Leitlinien regelmäßigen Überprüfungen, fortlaufenden Anpassungen und manchmal auch einer umfassenden Überarbeitung – wie die neue S3-Leitlinie zur „Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“ (Link; PDF).

Leitlinie als „lebendes Dokument“ 

„Diese S3-Leitlinie ist in ihrem Erstellungsprozess die komplexeste aller S3-Leitlinien. Wir haben die Leitlinie komplett neu strukturiert und erstmals alle neuen Therapieformen integriert“, berichtet Prof. Dr. Achim Wöckel. Der Direktor der Frauenklinik am Uniklinikum Würzburg (UKW) ist hauptverantwortlich für die Leitlinienkoordination. Statt sieben gibt es nun fünf klar gegliederte Kapitel mit insgesamt 27 Modulen. Diese Unterkapitel decken alle wichtigen Themen rund um Brustkrebs ab – von der Früherkennung über moderne Behandlungsverfahren bis hin zur Nachsorge und psychoonkologischen Begleitung. „Durch die neue Struktur ist die Leitlinie übersichtlicher und einfacher nutzbar. Zudem können nun einzelne Teile der Leitlinie schneller aktualisiert werden – nach dem Prinzip einer ‚lebenden Leitlinie‘, die sich laufend weiterentwickelt“, erklärt Wöckel. Bei der Entwicklung kooperierte er eng mit mehr als 100 nationalen Expertinnen und Experten. Die Autorinnen und Autoren sichteten regelmäßig die neuesten Daten und besprachen ihre Evidenz-Recherchen in einer Konsens-Konferenz. Die daraus resultierenden Empfehlungen flossen dann in die Leitlinie. Um neue Erkenntnisse künftig noch zügiger in die Versorgung zu integrieren wurden im Zuge der Neustrukturierung Forschungsfragen teilweise neu formuliert, ergänzt und konkretisiert sowie anhand aktueller klinischer und wissenschaftlicher Entwicklungen angepasst.

Neue Themen und aktualisierte Empfehlungen 

Die Leitlinie greift beispielsweise neue Entwicklungen und Zielgruppen auf. So wurden erstmals eigene Module zu Brustkrebs bei Transgender-Personen, zur Brustrekonstruktion mit modernen Operationsmethoden sowie zu seltenen Tumorformen aufgenommen. Umfassend überarbeitet wurden die Abschnitte zu früh erkanntem Brustkrebs sowie Rückfälle oder Metastasen Dabei fanden neue Empfehlungen zu zielgerichteten Medikamenten Eingang, die es in der vorherigen Version noch nicht gab. In den Bereichen Operation und Strahlentherapie wurde ergänzt, welche Schritte vor oder nach einer medikamentösen Therapie sinnvoll sind. Ebenfalls aktualisiert wurden die Empfehlungen zur Früherkennung und Mammographie, zur Diagnose bei auffälligen Befunden und zur Abklärung bei familiärem Risiko. Auch bei den Gewebeuntersuchungen (Pathologie) helfen neue Erkenntnisse, die passende Therapie zu wählen und die Heilungschancen besser einzuschätzen. 

Ganzheitlicher Blick auf Patientinnen und Patienten 

Ob Frau oder Mann, unter 20 Jahre oder über 90 Jahre alt - niemand ist vor einer Erkrankung der Brust gefeit. Brustkrebs ist die weltweit am häufigsten diagnostizierte Krebsart. Allein in Deutschland erhalten jedes Jahr rund 70.000 Frauen und Männer die Diagnose. Jede achte Frau in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens am Mammakarzinom, einem bösartigen Tumor, der vom Drüsengewebe der Brust ausgeht.

Dank umfangreicher Vorsorgemaßnahmen liegen die Heilungschancen inzwischen jedoch bei über 90 Prozent. Und mithilfe der überarbeiteten Leitlinie können Ärztinnen und Ärzte Entscheidungen treffen, die noch individueller auf jede Patientin und jeden Patienten abgestimmt sind. Die Versorgung wird somit immer personalisierter und ganzheitlicher. So berücksichtigt die neue S3-Leitlinie nun verstärkt Themen wie Psychoonkologie, also die seelische Unterstützung, aber auch Lebensstil inklusive Ernährung und Bewegung sowie komplementäre und integrative Maßnahmen wie zum Beispiel Akupunktur. Auch für ältere Patientinnen sowie für die Palliativmedizin und Supportivtherapie bei fortgeschrittener Erkrankung wurden die Empfehlungen spezifiziert. Neu aufgenommen wurden zudem Informationen zur Gesundheitskompetenz, etwa im Umgang mit digitalen Gesundheitsangeboten (E-Health).

UKW koordinierte Leitlinienentwicklung 

Die S3-Leitlinie wurde unter der Federführung der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) erarbeitet. Zahlreiche weitere Fachgesellschaften, Berufsverbände sowie Vertreterinnen von Patientinnenorganisationen waren beteiligt. Die Koordination erfolgte nach den Qualitätsstandards der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).

Aus Würzburg war neben Prof. Dr. Achim Wöckel auch Prof. Dr. Ute-Susann Albert an der Leitlinienkoordination beteiligt. Die methodische Beratung erfolgte maßgeblich durch Prof. Dr. Peter Heuschmann und Dr. Steffi Jiru-Hillmann vom Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B). Das IKE-B führt derzeit übrigens gemeinsam mit der Universitätsfrauenklinik Würzburg die BETTER-CARE-Studie in ganz Deutschland durch. Hierbei steht speziell die Nachsorge im Fokus, die laut Wöckel dem Therapiefortschritt noch hinterherhinkt und viel individualisierter, bedarfs- und risikoadaptierter werden müsste. 

Zertifiziertes Brustkrebs- und Brustzentrum und Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs

Am UKW werden im zertifizierten Brustkrebs- und Brustzentrum jedes Jahr mehr als 300 Betroffene mit der Neudiagnose Brustkrebs nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen behandelt. Unter einem Dach werden sämtliche operative und nicht-operative Therapieverfahren angeboten, die interdisziplinär geplant und auf die einzelne Patientin und den einzelnen Patienten zugeschnitten sind. Bei der Behandlung von Brustkrebs werden stets mehrere Therapieansätze miteinander kombiniert. Zwei Breast Care Nurses der Frauenklinik begleiten und unterstützen die Erkrankten individuell auf ihrem Weg. In vielen Kliniken, so auch am UKW im zertifizierten Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs (FBREK-Zentrum), wird zudem eine Gendiagnostik und Früherkennungsmaßnahmen für Ratsuchende angeboten, die eine familiäre Belastung mit Brustkrebs oder Eierstockkrebs haben und ihr individuelles Risiko kennen möchten. Denn fünf bis zehn Prozent der Brustkrebsfälle beruhen auf einer ererbten Veranlagung, die mit einem gehäuften Auftreten in der Familie einhergeht, oft bereits vor dem 50. Lebensjahr.

Porträt des Klinikdirektors in weißem Kittel
Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik am Uniklinikum Würzburg (UKW), koordinierte die umfassende Überarbeitung der S3-Leitlinie zur „Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“. © Thomas Berberich / UKW
Titel vom PDF der neu strukturierten und aktualisierten S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Link: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Mammakarzinom_4_0/Version_5/LL_Mammakarzinom_Langversion_5.0.pdf

Das UKW ist auf den Roboterhund gekommen

ROBO-DOG HELIA SOLL PERSONAL DER HAUTKLINIK UNTERSTÜTZEN

Ein neues Forschungsprojekt am Uniklinikum Würzburg (UKW) untersucht gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem Forschungszentrum Jülich (FZJ), wie ein robotischer Hund, die Ärztinnen und Ärzte sowie die Pflegekräfte im Klinikalltag auf der Station unterstützen kann. Derzeit wird Robo-Dog HELIA für den Einsatz in der Hautklinik über sprachliche Interaktion trainiert und programmiert. Das Projekt läuft im Rahmen der Fördermaßnahme „Natürlichsprachliche Integration von Robotik in Gesundheitseinrichtungen (NLP.bot) des Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und wird mit insgesamt 1,78 Millionen Euro gefördert.

Die Forschenden aus den verschiedenen Zentren stehen im Treppenhaus der Dermatologie, vor ihnen ist der rote Roboter-Hund Helia. Einige Personen knien neben HELIA.
Das Uniklinikum Würzburg untersucht in den kommenden drei Jahren gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem Forschungszentrum Jülich (FZJ), wie ein robotischer Hund Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte sprachbasiert unterstützen kann. Ziel ist es, dass HELIA mündliche Anweisungen autorisierter Fachkräfte versteht, Visiten begleitet, Befunde dokumentiert und perspektivisch selbstständig Mess- und Dokumentationsaufgaben übernimmt. © Kim Sammet / UKW
Robo-Dog HELIA läuft durch den Flur der Station durch ein Spalier von Zuschauenden, darunter Klinikpersonal, Patienten und die Forschenden.
Debüt des Robo-Dogs HELIA (kurz für Helfender Roboter im Klinikalltag) auf der Station H21/22 der Hautklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW). Für den richtigen Einsatz muss HELIA jedoch noch trainiert werden. © Kim Sammet / UKW
Roboterhund HELIA wird von Professor Matthias Goebeler getätschelt.
Prof. Matthias Goebeler, Direkter der Hautklinik des UKW, begrüßt den neuen Roboterhund HELIA auf der Station. © Kim Sammet / UKW

Würzburg. HELIA ist noch etwas ungelenk, stakst mit lauten Schritten durch die Flure und bewegt sich ausschließlich nach den Impulsen der Fernsteuerung. Aber schon bei ihrem ersten Auftritt auf der Station H21/22 der Hautklinik am Uniklinikum Würzburg (UKW) flogen der roten Roboterhündin mit den silbernen Beinchen alle Herzen zu. Pflegekräfte, Reinigungspersonal, Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten zückten ihre Handys oder reckten die Hände, um HELIA zu streicheln oder zumindest ein Bild von ihr zu machen. HELIA steht für „Helfender Roboter im Klinikalltag“. Wie genau der vierbeinige Roboter im Klinikalltag eingesetzt werden kann und darf, das testet das UKW in den kommenden drei Jahren gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem Forschungszentrum Jülich (FZJ). 

Visiten protokollieren, Befunde dokumentieren, Wunden fotografieren und Vitalwerte messen

Ziel ist es, dass HELIA künftig auf mündliche Befehle autorisierter Fachkräfte aus Pflege und Medizin hört und diese ausführt. Sie soll bei Visiten mitlaufen und das Personal entlasten – zum Beispiel indem sie die Visite protokolliert, Befunde dokumentiert und diese idealerweise ins Krankenhausinformationssystem (KIS) überträgt. Darüber hinaus könnte HELIA selbst Daten erheben, beispielsweise indem sie Wunden fotografiert und Vitalwerte misst. Geplant ist außerdem, dass der Laufroboter die Patientinnen und Patienten zu Terminen begleitet, das Gesagte auf einem Bildschirm anzeigt und ihnen die Technik im Patientenzimmer erklärt.

Maßstäbe setzen

„Voraussetzung ist natürlich, dass sowohl das Personal als auch die Patientinnen und Patienten damit einverstanden sind, dass HELIA sie bei der Aufnahmeuntersuchung und während ihres stationären Aufenthalts begleitet“, sagt Prof. Dr. Astrid Schmieder. Die Dermatologin und leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie freut sich jedenfalls riesig über den vierbeinigen Roboter. Als Prof. Dr.-Ing. Arne Rönnau, Direktor am FZI und Professor für Maschinelle Intelligenz und Robotik am KIT, und Christoph Zimmermann, Leiter der Abteilung Medizinische Informationstechnik am FZI, mit der Idee eines Roboterhundes auf der Station auf sie zukamen, war die engagierte Ärztin und Wissenschaftlerin sofort Feuer und Flamme für das neue Forschungsprojekt. Sie hatte keine Mühe, die Belegschaft für HELIA zu begeistern. Alle sehen das Potential dieser Zukunftstechnologie, die perspektivisch in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen, in der häuslichen Pflege und im Rettungsdienst eingesetzt werden könnte, und freuen sich, hier Maßstäbe zu setzen. 

Effektiv, viel erreicht und immer Verlass 

Warum Würzburg? „Wir hatten bereits im vorhergehenden Projekt, HybridVITA, hervorragend zusammengearbeitet. Wir waren effektiv, haben sehr viel erreicht, konnten uns immer aufeinander verlassen und wir hatten auch noch Spaß am Projekt. Aus diesem Grund wollten wir die Implementierung eines Roboterhundes im Krankenhaus auch gern in Würzburg mit Astrid Schmieder erforschen", kommentiert Christoph Zimmermann. Der studierte Elektro- und Informationstechniker und sein Team vom FZI befassen sich damit, wie eine natürliche sprachliche Kommunikation zwischen Fachpersonal, Hund und Patient stattfinden kann und wie das System bei einer kontinuierlichen Aufnahme von Hautoberflächen oder der Wundbetrachtung unterstützen kann. Bei HybridVITA ging es bereits um die medizinische Betreuung von Patientinnen und Patienten mit chronischen Hauterkrankungen mittels einer appbasierten Lösung mit kontaktloser Diagnostik.

HELIA wird über Sprache trainiert und programmiert

Warum setzt das Projekt HELIA auf einen hundeähnlichen Laufroboter statt auf eine humanoide Maschine? Menschen reagieren oft sensibel, wenn Technik ihnen zu ähnlichsieht. Dieses Phänomen heißt „Uncanny Valley“ – je menschlicher ein Roboter erscheint, ohne völlig echt zu wirken, desto stärker empfinden viele Personen Unbehagen. Ein vierbeiniger Roboter bleibt klar als technische Unterstützung erkennbar und vermeidet diesen Effekt. „Wir möchten ein System entwickeln, das Beschäftigte im Klinikalltag intuitiv als hilfreich wahrnehmen“, sagt Arne Rönnau. Sein Team am Institut für Informationsmanagement im Ingenieurwesen des KIT erforscht, wie ein Laufroboter nicht mehr mühsam per Software programmiert werden muss, sondern Aufgaben einfach aus natürlich gesprochenen Erklärungen lernt. Beschäftigte in der Klinik sollen dem Roboter beschreiben können, was er tun soll – und die Künstliche Intelligenz setzt diese Anweisungen direkt in funktionsfähige Programme um. „Es ist dann so, als hätte der Roboter eine Tätigkeit erklärt bekommen und sie anschließend selbst erlernt“, erklärt Rönnau. Dafür entwickeln die Forschenden das System „Erklärt-Programmiert-Gemacht!“ (EPG), das Sprachverarbeitung, Robotik und Personenerkennung verbindet.

Ein zusätzlicher Greifarm, um Türen zu öffnen und Essen abzuräumen

Das heißt: HELIA geht jetzt erst einmal in die Hundeschule, um zu lernen, wer ihr überhaupt Befehle geben darf. Eine Sprachsoftware wandelt die Sätze der Mitarbeitenden in entsprechende Codes um, sodass der Robo-Dog die verschiedenen Aufgaben, die auf der Station anfallen, ausführen kann. „Wir sind gespannt, wie wir hier am besten helfen können“, sagt Arne Rönnau. Im nächsten Schritt erhält HELIA zum Beispiel einen Greifarm, damit sie auch Türen öffnen, Lagerware auffüllen, Essen abräumen und Wunden fotografieren kann.

Ein Robotereinsatz im Krankenhaus wirft natürlich auch ethische, rechtliche und soziale Fragen auf – kurz ELSA für Ethical, Legal and Social Aspects. Darum kümmert sich das FZJ. Prof. Dr. Jan-Hendrik Heinrichs fasst die Herausforderungen wie folgt zusammen: „Zentral ist, dass das HELIA-System nach Möglichkeit zum Wohl der Patientinnen und Patienten eingesetzt wird und diese nicht gefährdet. Darüber hinaus soll HELIA Medizinberufe entlasten und trotzdem ein sicheres Arbeitsumfeld ermöglichen. Dadurch können Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie den größten medizinischen bzw. pflegerischen Nutzen schaffen, ohne dass neue Ungleichheiten in der Verwendung von Gesundheitsressourcen entstehen.“

„Achtung, hier ist ein Roboterhund für Forschungszwecke im Einsatz!“

Nach ihrem gelungenen Debüt auf der Station kehrt HELIA zurück ins Körbchen in der Bibliothek der Dermatologie, wo sie in Ruhe ihre Batterien auflädt. Auf der Station wird hingegen eifrig diskutiert, welche Augen man dem Hund aufkleben soll und ob man HELIA ein Fässchen um den Hals hängen sollte - schließlich hat sie nicht nur die Größe eines Bernhardiners, sondern kommt auch aus der Schweiz. Der Roboterhund HELIA wurde von der Schweizer Firma ANYbotics entwickelt und heißt eigentlich ANYmal. Derzeit sind rund 200 der genannten ANYmals im Einsatz, allerdings primär dort, wo es für Menschen gefährlich ist. Als Inspektionsroboter überwachen sie Ölplattformen, Windparks oder Stahlwerke. Klinikstationen sind neu. „Da bei uns niemand mit einem Roboterhund rechnet, müssen wir am Eingang vor dem Hund warnen“, schmunzelt Astrid Schmieder. „Achtung, hier ist ein Roboterhund für Forschungszwecke im Einsatz!“

Projektbeteiligte HELIA – Robo-Dog

  • Hautklinik, Uniklinikum Würzburg (UKW)
    Marco Stumpf, Jan-Hendrik Maiwald, Jörg Eberling, Marion Berthold,Tassilo Dege, Astrid Schmieder
  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT
    Roberto Corlito, Louis Ensil, Hong Phuoc Nguyen Nguyen, Arne Rönnau
  • FZI Forschungszentrum Informatik 
    Dominik Beyer, Julia Konle, Christoph Zimmermann
  • Forschungszentrum Jülich GmbH (FZJ
    Dilara Diegelmann, Jan-Hendrik Heinrichs
  • Projektträger VDI/VDE Innovation + Technik GmbH (VDI/VDE-IT)
    Sandra Beyer, Patrick Ehrenbrink

Förderung

HELIA wird bei der Fördermaßnahme des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) „Natürlichsprachliche Integration von Robotik in Gesundheitseinrichtungen (NLP.bot) mit 1,78 Millionen Eurounterstützt. Von 54 eingereichten Skizzen wurden acht Projekte zur Förderung ausgewählt. Zur Projektbeschreibung: HELIA — Miteinander durch Innovation

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation

Die Forschenden aus den verschiedenen Zentren stehen im Treppenhaus der Dermatologie, vor ihnen ist der rote Roboter-Hund Helia. Einige Personen knien neben HELIA.
Das Uniklinikum Würzburg untersucht in den kommenden drei Jahren gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem FZI Forschungszentrum Informatik und dem Forschungszentrum Jülich (FZJ), wie ein robotischer Hund Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte sprachbasiert unterstützen kann. Ziel ist es, dass HELIA mündliche Anweisungen autorisierter Fachkräfte versteht, Visiten begleitet, Befunde dokumentiert und perspektivisch selbstständig Mess- und Dokumentationsaufgaben übernimmt. © Kim Sammet / UKW
Robo-Dog HELIA läuft durch den Flur der Station durch ein Spalier von Zuschauenden, darunter Klinikpersonal, Patienten und die Forschenden.
Debüt des Robo-Dogs HELIA (kurz für Helfender Roboter im Klinikalltag) auf der Station H21/22 der Hautklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW). Für den richtigen Einsatz muss HELIA jedoch noch trainiert werden. © Kim Sammet / UKW
Roboterhund HELIA wird von Professor Matthias Goebeler getätschelt.
Prof. Matthias Goebeler, Direkter der Hautklinik des UKW, begrüßt den neuen Roboterhund HELIA auf der Station. © Kim Sammet / UKW

Symposium für translationale Uro-Onkologie in Würzburg

Aktuelle Studienergebnisse, praxisrelevante Impulse und interaktive Fallbesprechungen für Fachkräfte in der Urologie

Arzt Portraitbild

Würzburg. Das 3. Translationale Uro-Onkologische Symposium lädt Urologinnen und Urologen aus Klinik und Praxis am Freitag, den 20. Februar 2026, nach Würzburg ein. Unter dem Motto „Innovation meets practice“ verfolgt die Veranstaltung das Ziel, aktuelle Forschungsergebnisse praxisnah aufzubereiten und für die tägliche Patientenversorgung nutzbar zu machen.

In den vergangenen zwei Jahren nahmen insgesamt über 100 Fachleute an den Symposien teil, eine ähnliche Resonanz wird auch 2026 erwartet. Veranstalter ist die Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). 

Hochkarätige Vorträge und interaktive Falldiskussionen

Auf dem Programm stehen Vorträge von renommierten Expertinnen und Experten zu aktuellen Themen der Uro-Onkologie. Prof. Dr. med. Jan Philipp Radtke (Universitätsklinikum Düsseldorf, Betreuer der PROBASE-Studie) spricht zur zeitgemäßen und individualisierten Früherkennung und Diagnostik des Prostatakarzinoms. Dr. med. Gregor Duwe (Universitätsmedizin Mainz) zeigt am Beispiel des KITTU-Projekts, wie künstliche Intelligenz Therapieentscheidungen im urologischen Tumorboard unterstützen kann. 

Ergänzend zu den onkologischen Themen stellt Dr. rer. nat. Katarzyna Jobin (Universität Würzburg) neue Ansätze zur Erforschung der interstitiellen Zystitis als mögliche infektiöse Erkrankung vor. 

„Das Symposium bietet urologischen und weiteren medizinischen Fachkräften aus allen Bereichen die einmalige Gelegenheit, aktuelle Forschungsergebnisse direkt mit der Praxis zu verknüpfen – nicht nur in Vorträgen, sondern auch in der aktiven Diskussion eigener Patientenfälle. Diese Kombination macht die Veranstaltung besonders wertvoll“, sagt PD Dr. med. Charis Kalogirou, Geschäftsführender Oberarzt und Facharzt in der Urologie des UKW. Gemeinsam mit Dr. med. Oliver Hahn, ebenfalls Oberarzt und Facharzt in der Urologie am UKW, übernimmt er die Moderation des Symposiums. Die kostenlose Veranstaltung findet von 18:00 Uhr bis 20:30 Uhr im Hotel Melchior Park in Würzburg statt. Fortbildungspunkte bei der Bayerischen Landesärztekammer und der Pflegeakademie wurden beantragt. 

Zum Flyer der Veranstaltung

Eine Anmeldung wird empfohlen, eine kurzfristige Teilnahme ist jedoch möglich.

Anmeldung bei Astrid Breitenstein
Telefon: +49 931 201-32012
Fax: +49 931 201-632103
E-Mail: breitenste_a@ukw.de

WERA am Weltkrebstag 2026 – Gemeinsam. Informiert. Gestärkt.

Online-Themennachmittag am 4. Februar 2026 für Patientinnen und Patienten, Angehörige und Interessierte

Anlässlich des Weltkrebstages wird zu einem kostenfreien, digitalen Themennachmittag eingeladen.
Am Weltkrebstag, 4. Februar 2026, laden CCC WERA und NCT WERA unter dem Motto „Gemeinsam. Informiert. Gestärkt.“ zu einem digitalen Themennachmittag mit interaktiven Talkrunden und praxisnahen Workshops ein. © NCT WERA/CCC WERA, KI-generiert (2025) mit Stable Diffusion und Starlight

Würzburg. Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar 2026 laden die Comprehensive Cancer Center Allianz WERA (CCC WERA) und das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA zu einem kostenfreien, digitalen Themennachmittag ein. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 4. Februar 2026, von 14:00 bis 17:15 Uhr online via Zoom statt und richtet sich an Patientinnen und Patienten, Angehörige und alle Interessierten. 

Unter dem Motto „Gemeinsam. Informiert. Gestärkt.“ erwartet die Teilnehmenden ein abwechslungsreiches Programm mit zwei interaktiven Talkrunden und vier praxisnahen Workshops. „Am Weltkrebstag 2026 setzen wir ein deutliches Zeichen: Gemeinsam mit Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Expertinnen und Experten wollen wir informieren, zum Austausch anregen und Mut machen. Krebs betrifft das ganze Leben – deshalb verbinden wir wissenschaftliche Exzellenz mit konkreter Unterstützung für den Alltag und echter Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, sagt Prof. Dr. Ralf Bargou, Sprecher für die CCC Allianz WERA. „Nur wenn wir Wissen teilen, Forschung vorantreiben und Betroffene konsequent in Entscheidungen einbeziehen, können wir bessere Perspektiven für jede einzelne erkrankte Person schaffen. Wir bringen unsere Forschungsergebnisse aus den Laboratorien möglichst rasch über klinische Studien in die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten auch in der ländlichen Region und bilden die nächste Generation an Krebsexpertinnen und -experten aus“, so Prof. Dr. Hermann Einsele, Sprecher für das NCT WERA.

Vielfältiges Programm zum Zuhören und Mitmachen 

Der Themennachmittag startet mit einer Talkrunde, in der die NCT WERA Patientenkoordinatorin Anke Faust gemeinsam mit Gästen aus Forschung und Patientenvertretung darüber diskutiert, wie Patientinnen und Patienten aktiv an Studien mitwirken können. 

Im Anschluss folgt ein vielfältiges Workshop-Programm mit Expertinnen und Patienten aus den WERA Standorten Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg. In mehreren aufeinanderfolgenden Workshops erhalten die Teilnehmenden alltagsnahe Impulse zu den Themen Bewegung und Sport bei Krebs, Energiesteigerung durch gezielte körperliche Aktivität, ausgewogene Ernährung sowie Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen zur Bewältigung von Fatigue. Die Workshops verbinden fachliche Informationen mit praktischen Übungen und konkreten Tipps, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen.

Zum Abschluss des Themennachmittags zeigt die NCT WERA Studienkoordinatorin Dr. Carine Nguemeni anhand von Beispielen aus der Praxis, welchen Stellenwert Studien für die Entwicklung neuer Therapien haben und wie Patientinnen und Patienten ganz konkret davon profitieren.

Nähere Informationen für alle Interessierten 

Die Teilnahme an der Online-Veranstaltung ist kostenfrei und ohne vorherige Anmeldung möglich. Auf der Veranstaltungs-Webseite finden Interessierte weitere Details zum Programm sowie den Link zur Zoom-Veranstaltung. Im Anschluss an jeden Live-Programmpunkt können Fragen an die Expertinnen und Experten gestellt werden. Sämtliche Programmpunkte werden als Videos dauerhaft in der Mediathek der CCC Allianz WERA online zur Verfügung gestellt. 

Webseite: www.ccc-wera.de/weltkrebstag2026  

CCC Allianz WERA und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen WERA

Die CCC Allianz WERA ist ein Zusammenschluss der Comprehensive Cancer Center in Würzburg (CCC MF), Erlangen (CCC Erlangen-EMN), Regensburg (CCCO) und Augsburg (CCCA). CCC WERA wird durch die Deutsche Krebshilfe als „Onkologisches Spitzenzentrum“ gefördert und deckt ein Versorgungsgebiet von rund acht Millionen Menschen ab. Zusammen mit den zwei Münchner Standorten sind die vier WERA Standorte Teil des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF).

Seit Februar 2023 ist NCT WERA ein Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT). Das NCT ist eine langfristig angelegte Kooperation zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum, exzellenten Partnern in der Universitätsmedizin und weiteren herausragenden Forschungspartnern an verschiedenen Standorten in Deutschland: Berlin, Dresden, Heidelberg, SüdWest (Tübingen-Stuttgart/Ulm), WERA (Würzburg mit den Partnern Erlangen, Regensburg und Augsburg) und West (Essen/Köln).

Kontakt und weitere Informationen 

Ansprechpersonen: 
Annette Popp, Uniklinikum Würzburg 
Anne Blum, NCT WERA 
E-Mail: wera@ukw.de 
Veranstaltungs-Webseite: www.ccc-wera.de/weltkrebstag2026/  
 

Anlässlich des Weltkrebstages wird zu einem kostenfreien, digitalen Themennachmittag eingeladen.
Am Weltkrebstag, 4. Februar 2026, laden CCC WERA und NCT WERA unter dem Motto „Gemeinsam. Informiert. Gestärkt.“ zu einem digitalen Themennachmittag mit interaktiven Talkrunden und praxisnahen Workshops ein. © NCT WERA/CCC WERA, KI-generiert (2025) mit Stable Diffusion und Starlight

Abschied von Prof. Dr. Arnulf Thiede

Prof. Dr. Arnulf Thiede ist am 17. Dezember 2025 im Alter von 83 Jahren verstorben. Der gebürtige Berliner war von 1991 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 Ordinarius für Chirurgie und Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Würzburg. „In dieser Zeit prägte er die akademische Chirurgie weitreichend“, unterstreicht Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Vorstandsmitglied des Uniklinikums Würzburg (UKW). Beispielsweise führte Prof. Thiede an der Chirurgischen Klinik und Poliklinik I des UKW die auch Bauchspiegelung oder Schlüssellochchirurgie genannte Laparoskopie ein. Außerdem wurden in den 1990er-Jahren unter seiner Leitung die ersten Leber- und Bauchspeicheldrüsentransplantationen am UKW durchgeführt.

Prof. Dr. Arnulf Thiede im Jahr 2014
Prof. Dr. Arnulf Thiede bei der Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen des Zentrums für Operative Medizin im Jahr 2014.

Mitwirkung am Konzept des ZOM

Zu seinen bleibenden Verdiensten um die Würzburger Universitätsmedizin zählt ferner die planerische Mitgestaltung des im Jahr 2004 in Betrieb genommenen Zentrums für Operative Medizin (ZOM). Der Krankenhausneubau an der Oberdürrbacher Straße galt und gilt als strukturell und architektonisch wegweisend.
Auch in der Lehre und Weiterbildung war der Chirurg höchst erfolgreich: Aus seinem Mitarbeiterstab traten zwei Ordinarien und über vierzig Chefärzte hervor.

Vielfach geehrt und ausgezeichnet

Seine Leistungen wurden zudem mit bedeutenden Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt. So erhielt Arnulf Thiede 1998 den Preis der International Society of Microsurgery und 2024 ernannte ihn die Universität Curitiba in Brasilien zum Ehrenprofessor. Im Jahr darauf wählte ihn die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) zum Vorsitzenden der Strategiekommission für Krankenhausstrukturen. Weiterhin war Prof. Thiede Ehrenmitglied der Vereinigung der Bayerischen Chirurgie und der Vereinigung Norddeutscher Chirurgie. 

„Arnulf Thiede wird uns als Arzt und Hochschullehrer stets ein Vorbild bleiben“, betont Prof. Frosch.
 

Prof. Dr. Arnulf Thiede im Jahr 2014
Prof. Dr. Arnulf Thiede bei der Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen des Zentrums für Operative Medizin im Jahr 2014.

Süddeutsches Zentrum für innovative Bildgebung entsteht in Würzburg

Mit 3,1 Millionen Euro fördert die DFG den Aufbau eines neuen Zentrums für Magnetpartikel-Bildgebung an der Uni Würzburg. Es soll die neue Technologie fit für die klinische Anwendung machen.

Professor Volker Behr, Sprecher des Süddeutschen Zentrums für Magnetpartikel-Bildgebung
Professor Volker Behr, Sprecher des Süddeutschen Zentrums für Magnetpartikel-Bildgebung, (Foto-Selfie: Volker Behr)

Die Bildgebung mit Magnetpartikeln (Magnetic Particle Imaging, MPI) ist ein vielversprechendes neuartiges Verfahren, mit dem sich magnetische Nanopartikel im Körper in Echtzeit, hochauflösend und quantitativ darstellen lassen. Es macht sichtbar, wo sich diese sogenannten Marker im Körper befinden und wie sie sich bewegen – ganz ohne Röntgenstrahlen oder andere ionisierende Strahlung.

Diese Eigenschaften machen die MPI besonders interessant für medizinische Anwendungen, zum Beispiel in der Herz- und Gefäßdiagnostik, bei bildgestützten Eingriffen oder der Verfolgung von Zellen, etwa in der Krebs- oder Immunforschung.

Anwendungen am Menschen bisher schwierig

In der präklinischen Forschung hat die Bildgebung mit Magnetpartikeln bereits vielversprechende Ergebnisse geliefert. Trotzdem bleibt der Schritt zur Anwendung am Menschen bislang schwierig. Ein wesentlicher Grund dafür ist das Fehlen einer Forschungsinfrastruktur, die genau diesen Übergang ermöglicht.

Das wird sich nun ändern: An der Universität Würzburg entsteht das Süddeutsche Zentrum für Magnetic Particle Imaging (SMPI), ein in Deutschland einzigartiger Forschungsstandort.

Dafür hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen ihrer Großgeräte-Initiative einem interdisziplinären Team um Physikprofessor Volker Behr 3,1 Millionen Euro bewilligt. Das Zentrum kann voraussichtlich 2027 in Betrieb gehen.

Das Süddeutsche MPI-Zentrum (SMPI)

Volker Behr ist der Sprecher des neuen Zentrums: „Wir werden an der JMU eine zentrale Plattform für die translationale MPI-Forschung schaffen – also für Forschung, die gezielt den Weg von der Grundlagenentwicklung hin zur medizinischen Anwendung am Menschen geht.“

Am SMPI soll die gesamte Entwicklungskette der Magnetpartikel-Bildgebung abgedeckt werden: von der Charakterisierung neuer magnetischer Marker über methodische Entwicklungen bis hin zur Bildgebung an größeren Objekten – und perspektivisch am Menschen.

Drei Systeme für den Weg zur klinischen Anwendung

Um den gesamten Entwicklungsprozess der Magnetpartikel-Bildgebung abzudecken, wird das Zentrum mit drei sich ergänzenden MPI-Systemen ausgestattet:

1. Ein großes, innovatives MPI-Forschungssystem

Ein speziell für das SMPI entwickeltes MPI-System soll Untersuchungen an größeren Objekten ermöglichen und die bislang bestehende Lücke zwischen Laborforschung und Anwendungen am Menschen schließen. Das System ist kein klinisch nutzbares Gerät. Vielmehr dient es als experimentelle Forschungsplattform für grundlegende technische, physikalische und biologische Fragestellungen. Die gewonnenen Erkenntnisse sind entscheidend, um realistisch einschätzen zu können, welche Anforderungen zukünftige MPI-Systeme für Routineanwendungen am Menschen erfüllen müssen.

2. Eine MPI-Spektroskopie-Plattform zur Markerforschung

Eine eigens dafür ausgelegte MPI-Spektroskopie-Plattform ermöglicht die präzise Untersuchung neuartiger magnetischer Nanopartikel, die als Marker für MPI eingesetzt werden. Unter kontrollierten Bedingungen können hier Eigenschaften wie Signalverhalten, Empfindlichkeit und Stabilität gemessen werden. Diese Grundlagenmessungen sind essenziell, um neue Marker zu verbessern und ihre Eignung für spätere Bildgebungsanwendungen zuverlässig zu bewerten.

3. Ein präklinisches MPI-System für die Methodenentwicklung

Ein weiteres präklinisches MPI-System dient der systematischen Entwicklung und Erprobung neuer Bildgebungsverfahren. Es ist mit den beiden anderen Geräten über eine gemeinsame Softwarebasis verbunden – so lassen sich Methoden direkt zwischen den Systemen übertragen und vergleichen. Das erleichtert den Übergang von theoretischen Konzepten und Laborversuchen hin zu realitätsnahen Anwendungsszenarien.

Zeitplan für den Aufbau des Zentrums

Die drei neuen Systeme werden in einem bestehenden Forschungsgebäude des Physikalischen Instituts am Hubland-Campus Süd installiert. Erste Vorbereitungen laufen, die zwei kleineren Geräte sollen bis Ende 2026 einsatzbereit sein. Das große MPI-System, das neu entwickelt wird und dessen Herzstück die Abmessungen einer mittleren Kühltruhe hat, wird voraussichtlich im Lauf des Jahres 2027 fertig sein.

Starkes Netzwerk aus Physik und Medizin

Eingebettet ist das SMPI in ein interdisziplinäres Forschungsumfeld aus Physik und Medizin. Beteiligt sind unter anderem:

  • Lehrstuhl für Experimentelle Physik 5, Universität Würzburg: Prof. Dr. Volker Behr, Prof. Dr. Peter Jakob, Dr. Patrick Vogel
  • Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Würzburg: Prof. Dr. Thorsten Bley, Dr. Viktor Hartung
  • Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, Universitätsklinikum Würzburg: Prof. Dr. Mirko Pham
  • Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Würzburg: Prof. Dr. Dr. Wolfgang Bauer

Schon während der Antragstellung zeigte sich das große überregionale Interesse: Zahlreiche Institutionen aus ganz Süddeutschland und darüber hinaus unterstützen das Projekt mit geplanten Kooperationsvorhaben: Dazu gehören die Universitätsklinika in Erlangen, Heidelberg und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg sowie Universitäten und außeruniversitäre Forschungszentren in Aachen, Bayreuth, Gatersleben, Karlsruhe und Würzburg.

Kontakt

Prof. Dr. Volker Behr, Universität Würzburg, Lehrstuhl für Experimentelle Physik 5, T +49 931 31-85766, volker.behr@ uni-wuerzburg.de  

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 19. Januar 2026
 

Professor Volker Behr, Sprecher des Süddeutschen Zentrums für Magnetpartikel-Bildgebung
Professor Volker Behr, Sprecher des Süddeutschen Zentrums für Magnetpartikel-Bildgebung, (Foto-Selfie: Volker Behr)

Ausstellung: "Ausgezeichnet! 14 Würzburger Nobelpreisträger"

Der Nobelpreis gehört seit über einem Jahrhundert fest zur Würzburger Geschichte: Vor knapp 125 Jahren, am 10. Dezember 1901, wurde der Würzburger Physiker Wilhelm Conrad Röntgen mit dem weltweit ersten Nobelpreis ausgezeichnet – für die Entdeckung der nach ihm benannten Strahlen, die er am Würzburger Physikalischen Institut gemacht hatte.

Zusammen mit ihm haben insgesamt 14 Nobelpreisträger an der Universität Würzburg geforscht und gelehrt – und die Welt mit ihren wissenschaftlichen Errungenschaften maßgeblich beeinflusst. Diese außergewöhnliche Erfolgsgeschichte würdigt die Julius-Maximilians-Universität Würzburg im Jahr 2026 mit der Ausstellung „Ausgezeichnet! 14 Würzburger Nobelpreisträger – geniale Köpfe, die die Welt veränderten“.

Die Ausstellung umfasst 14 allgemeinverständliche Informationstafeln, die die zentralen Entdeckungen anschaulich und kompakt darstellen. Im Laufe des Jahres wird sie an verschiedenen öffentlich zugänglichen Standorten in Würzburg zu sehen sein – unter anderem im Lichthof der Neuen Universität (im kompletten Januar und Februar) und im Foyer des Mozartareals (vom 16. März bis zum 10. April). Weitere Stationen sind geplant.

 

Pressemeldung der Universität Würzburg vom 19. Januar 2026