Aktuelle Pressemitteilungen

Würzburg. Lisanne Carnier, Ariane Hillenbrand und Leonie Staimer sind Würzburger Zahnmedizin-Studentinnen, denen im Rahmen ihrer Ausbildung im Wintersemester 2021/2022 im deutschlandweiten Vergleich exzellente Wurzelkanalbehandlungen gelangen. Dieser Auffassung ist die Redaktion der Fachzeitschrift Quintessenz Endodontie und ehrte das Trio jeweils mit der Goldenen Hedström-Feile. Die von einem Buchpreis begleitete Auszeichnung soll Nachwuchszahnmedizinerinnen und -zahnmediziner schon während ihres Studiums zu hervorragenden endodontischen Behandlungen motivieren. Insgesamt erhielten 20 Studierende aus Deutschland und der Schweiz den Award, der nach einem zahnärztlichen Instrument benannt ist, mit dem Wurzelkanäle gesäubert und erweitert werden können.

„Die Preise sind nicht zuletzt ein Beleg dafür, auf welch hohem Niveau Patientinnen und Patienten behandelt werden, die das Angebot unseres Studentenkurses der Zahnerhaltung und Parodontologie nutzen“, freut sich Prof. Dr. Gabriel Krastl, der Geschäftsführende Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit am Uniklinikum Würzburg.

Personalisierte Medizin im Fokus

Mit dem vom G-BA mit 21 Millionen Euro geförderten Projekt Deutsches Netzwerk für Personalisierte Medizin (DNPM) sollen bundesweit individualisierte Behandlungsansätze gegen Krebs in hoher Qualität etabliert werden. Das Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF) am Uniklinikum Würzburg steht für die Zertifizierung seines Zentrums für Personalisierte Medizin (ZPM) in den Startlöchern.

Würzburg. Jeden Montag um 16:30 Uhr tagt im Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF) am Uniklinikum Würzburg das Molekulare Tumorboard. Neben Fachleuten aus der Medizinischen Onkologie, Pathologie, Humangenetik, Bioinformatik und Molekularbiologie sowie Expertinnen und Experten der klinischen Studieneinheiten nehmen auch Medizinerinnen und Mediziner aus verschiedenen Disziplinen teil, die ihre „Fälle“ vorstellen. Das sind Patientinnen und Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung, die für die so genannte Personalisierte Medizin in Frage kommen. „Diese Patientinnen und Patienten haben eine seltene Tumorerkrankung oder in absehbarer Zeit alle Therapien nach der aktuellen Leitlinie durchlaufen. Für sie bietet das Molekulare Tumorboard mit modernster molekularer Diagnostik und der daraus möglicherweise resultierenden gezielten Behandlung eine weitere Therapieoption“, erklärt Dr. Michaela Metz vom CCC MF. „Wir prüfen zunächst in der Indikationsbesprechung, ob und welches Material sequenziert wird und diskutieren in einer weiteren Sitzung den Befund und die Behandlungsmöglichkeiten. Kann der oder die Betroffene zum Beispiel an einer klinischen Studie teilnehmen oder, falls dieses nicht möglich ist, eine Off-Label-Therapie erhalten, also ein Arzneimittel, das für diese Tumorerkrankung noch nicht zugelassen ist?“ 

Um allen Patienten, also auch denjenigen, die nicht bereits an ein Krebsspitzenzentrum angebunden sind, deutschlandweit den gleichen niederschwelligen Zugang zur Personalisierten Medizin ermöglichen zu können, arbeitet das Molekulare Tumorboard des CCC Mainfranken eng mit externen Kliniken, Praxen und Medizinischen Versorgungszentren der Region zusammen. „Durch die gute Koordination und Vernetzung konnte der Anteil an externen Patienten auf mittlerweile über 30 Prozent gesteigert werden“, berichtet Nina Roth, die gemeinsam mit Dr. Diana Haake im CCC MF das DNPM-Projekt koordiniert.

Abläufe deutschlandweit harmonisieren und standardisieren 

Das Molekulare Tumorboard wurde von der interdisziplinären Arbeitsgruppe Präzisionsonkologie, einer gemeinsamen Initiative des UKW und des CCC MF, bereits vor fünf Jahren in Würzburg etabliert und existiert auch in vielen anderen universitären Krebszentren und Kliniken in Deutschland. Es gibt jedoch regionale Unterschiede bei den Einschlusskriterien, in der Diagnostik, Interpretation und Therapieempfehlung. Damit deutschlandweit jede Patientin und jeder Patient die gleiche qualitätsgesicherte Behandlung erhält, sollen jetzt an den 21 onkologischen Spitzenzentren nach Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) so genannte Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) eingerichtet werden. Vorbild ist Baden-Württemberg, wo sich bereits Tübingen, Heidelberg, Freiburg und Ulm als ZPM-Verbund zusammengeschlossen haben. Unter Federführung des Universitätsklinikums Tübingen soll diese Initiative nun im Projekt „Deutsches Netzwerk für Personalisierte Medizin“ (DNPM) deutschlandweit als neue Versorgungsform ausgerollt werden.  Das Projekt wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für 41 Monate mit insgesamt 21 Millionen Euro gefördert. 

Datenbank fördert wissenschaftliche Zusammenarbeit

In einer Begleitstudie mit insgesamt 6.000 Patientinnen und Patienten wird im Rahmen des Projekts evaluiert, ob und in wie fern diese von den neuen Standards und Strukturen der ZPM profitieren. Diejenigen, die vor dem Erfüllen der DKG-Zertifizierungskriterien an der Studie teilnehmen, gehören zur Kontrollgruppe, diejenigen, die nach dem Erfüllen der DGK-Zertifizierungskriterien behandelt werden, zur Interventionsgruppe. Darüber hinaus sollen in verschiedenen Arbeitsgruppen wie etwa in einer Medizininformatik-AG, Diagnostik-AG oder Bioinformatik-AG weitere Verbesserungen der Abläufe erarbeitet werden. Und schließlich ist eine gemeinsame Datenbank geplant, die der Qualitätssicherung dienen und neue Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Personalisierten Medizin liefern soll. „Bei der Vernetzung geht es vor allem um die wissenschaftliche Zusammenarbeit. Bestimmte Mutationen sind seltene Ereignisse, sodass wir uns für Studien vernetzen müssen, um eine neue Therapie von Patienten mit gleicher Mutation zu prüfen“, schildert Dr. Michaela Metz. 

Über das Projekt wird das Personal für Koordination, Dokumentation, IT, Diagnostik sowie die ärztliche Betreuung finanziert. Perspektivisch soll das Konzept bundesweit auf weitere Erkrankungen wie chronisch entzündliche oder neurologische sowie Infektionskrankheiten ausgeweitet werden. 

Zitate: 

Prof. Dr. Andreas Rosenwald, Direktor des Instituts für Pathologie der Universität Würzburg: „Die zunehmende Komplexität der molekularen Diagnostik mit Hochdurchsatzverfahren bis hin zur Genomsequenzierung stellt auch unsere Disziplin, die Pathologie, aus der diese Untersuchungen ja kommen, vor große Herausforderungen. Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir mit Hilfe dieser Netzwerkförderung auch in der personalisierten Krebsmedizin unsere ‚Lotsenfunktion‘ für Therapieentscheidungen stärken und ausbauen können.“

Prof. Dr. Ralf Bargou, Direktor des Comprehensive Cancer Center Mainfranken: „Die Teilnahme am Deutschen Netzwerk für Personalisierte Medizin (DNPM) sowie die Zertifizierung als Zentrum für Personalisierte Medizin am CCC Mainfranken stellt einen Meilenstein in der Etablierung einer zukunftsfähigen und innovativen Versorgungs- und klinischen Forschungs-Infrastruktur für Krebspatienten am Uniklinikum Würzburg und in unserer Region dar.“ 

Dr. Silke Appenzeller Leitung der Bioinformatik am Comprehensive Cancer Center Mainfranken: „Aufgrund der immensen genomischen Datenmengen, die gegenwärtig bei der Durchführung von Hochdurchsatzsequenzierungen von Patientenmaterial generiert werden, ist die Bioinformatik für eine sorgfältige Datenverarbeitung unerlässlich. Erst die valide bioinformatische Aufarbeitung, unter Berücksichtigung neuster Software und Qualitätsstandards, gewährleistet eine korrekte Interpretation und Diskussion der detektierten Biomarker im interdisziplinären Team des Molekularen Tumorboards. Die Bioinformatik ist demnach grundlegend für die Erarbeitung individueller Behandlungskonzepte nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.“

Prof. Dr. Volker Kunzmann, Leiter der Medizinischen Onkologie am Comprehensive Cancer Center Mainfranken: „Die Präzisionsonkologie auf der Basis hochkomplexer molekularer Diagnostik eröffnet vielen Krebspatienten aus der gesamten Region völlig neue Behandlungsperspektiven. Die Teilnahme am  Deutschen Netzwerk für Personalisierte Medizin (DNPM) sowie die Zertifizierung als Zentrum für Personalisierte Medizin stellen hierfür die optimalen Rahmenbedingungen dar und sichern einheitliche Qualitätsstandards.“ 

Links: 

Förderprojekt des Gemeinsamen Bundesausschusses: DNPM – Deutsches Netzwerk für Personalisierte Medizin - G-BA Innovationsfonds

Personalisierte Medizin am Comprehensive Cancer Center Mainfranken: https://www.med.uni-wuerzburg.de/ccc/krebsbehandlung/personalisierte-medizin/ 

Vorsicht beim Feuerwerk hilft, um Notaufnahmen entlasten

Würzburg. Die Uniklinik Würzburg (UKW) rät zu besonderer Vorsicht beim Silvesterfeuerwerk. „Gerade Verletzungen an den Händen und Armen oder am Kopf durch Böller führen dazu, dass Patientinnen und Patienten in die Notaufnahmen gebracht werden müssen. Die Belastungen für die Rettungsdienste, aber auch für die Notaufnahmen sind jedoch seit Wochen hoch. Wer also nicht verzichten mag auf die Knallerei: Mit einem besonnenen und vorsichtigem Verhalten beim Feuerwerk kann jeder dazu beitragen, solche Unfälle zu verhindern und eine zusätzliche Belastung der Notaufnahmen zu reduzieren“, so Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor der Würzburger Uniklinik.

Bisher sei es dem UKW gelungen, die Notfallversorgung zu sichern, aber jede Entlastung sei wichtig und helfe den Teams, die auch am Jahreswechsel Dienst haben, so Maschmann. Zudem: Bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen mit denen man im Normalfall eine Arztpraxis aufsuchen würde, wendet man sich am besten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Informationen und regionale Adressen hierzu gibt es online unter www.116117.de. „Dieses System ist eine wichtige Anlaufstelle für erkrankte Menschen, damit die Notaufnahmen und Rettungsdienste ihre Kräfte auf die lebensbedrohlichen Notfälle konzentrieren können, so Maschmann. 

Uniklinik: Das neue „klinikum & wir“ ist da

Die Ausgabe 4/2022 des vom Uniklinikum Würzburg herausgegebenen Magazins ist erschienen. Das Top-Thema beschreibt FLEX4UKW, das neue, flexible Angebot zur Arbeitszeitgestaltung im Pflegebereich. Auch sonst bietet die Publikation einen breiten Überblick über Neuigkeiten der letzten Monate am mainfränkischen Großkrankenhaus.

 

Würzburg. Mit dem FLEX4UKW-Modell können Bewerberinnen und Bewerber für den Pflegebereich am Uniklinikum Würzburg (UKW) selbst über ihre Arbeitszeiten entscheiden. Wie das Mitte November 2022 gestartete Angebot genau aussieht, verdeutlicht das Top-Thema der Ausgabe 4/2022 von klinikum & wir. Das 40-seitige Magazin der Würzburger Universitätsmedizin präsentiert darüber hinaus wegweisende Forschungsergebnisse, Neuigkeiten aus Patientenversorgung und Lehre, preiswürdige Leistungen, Wissenswertes aus der Verwaltung sowie weitere Meldungen aus dem bunten Leben an Unterfrankens Krankenhaus der Maximalversorgung.

Neben den gedruckten Ausgaben, die an vielen öffentlich zugänglichen Stellen im Klinikum zum Mitnehmen ausliegen, gibt es „klinikum & wir“ auch als Webmagazin unter www.ukw.de/presse/magazine 

Testzentrum für Besucher des UKW an Feiertagen geöffnet

Das UKW-Testzentrum öffnet an den Feiertagen (24. bis 26.12.2022, 31.12.2022, 1.1.2023) jeweils von 12:00 bis 17:00 Uhr. Das Testzentrum befindet sich auf dem Altcampus gegenüber der Kinderklinik in Haus „D 25“ und ist entsprechend ausgeschildert.

Hinweisschild zum UKW-Testzentrum.
Das Testzentrum für Besucherinnen und Besucher des UKW ist auch an den Feiertagen von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Es befindet sich auf dem Altcampus gegenüber der Kinderklinik. Foto: UKW/Stefan Dreising

Würzburg. Für Besucherinnen und Besucher der Uniklinik Würzburg gibt es auch an den Feiertagen die Möglichkeit, sich im UKW-Testzentrum vor einem Besuch des Klinikums testen zu lassen. Das UKW-Testzentrum öffnet an den Feiertagen (24. bis 26.12.2022, 31.12.2022, 1.1.2023) jeweils von 12:00 bis 17:00 Uhr. Das Testzentrum befindet sich auf dem Altcampus gegenüber der Kinderklinik in Haus „D 25“ und ist entsprechend ausgeschildert. Hinweis: Es handelt sich nicht um ein öffentliches Testzentrum, es ist ausschließlich ein Angebot für die Besucherinnen und Besucher des UKW für den erforderlichen Nachweis eines negativen Tests, der zum Betreten des Klinikums weiter erforderlich ist.

Für die Zeit vom 23. Dezember 2022 bis 9. Januar 2023 stellt das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege den Krankenhäusern in Bayern frei, bei den Besuchern stationärer Patienten auch einen Selbsttest zu akzeptieren. Das UKW muss von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen aufgrund des bestehenden Testzentrums. So kann die Sicherheit der Patienten und Mitarbeiter auf dem bisherigen Stand beibehalten werden. Daher gibt es am UKW auch weiterhin nicht die Möglichkeit, eine Eigenerklärung nach Selbsttestung ohne Aufsicht abzugeben.

Die zahlreichen öffentlichen Corona-Teststellen in Stadt und Landkreis Würzburg haben auch an den Weihnachtsfeiertagen geöffnet, eine vollständige Übersicht aller Teststellen und deren Öffnungszeiten ist auf www.landkreis-wuerzburg.de/Testzentren zu finden.

Hintergrund: Der Zutritt zu Krankenhäusern ist weiterhin nur mit einem aktuellen negativen Corona-Testergebnis möglich. Zudem gilt auch am UKW die FFP-2-Maskenpflicht. Die Besuchszeiten des Klinikums sind von 14 bis 18 Uhr, der letzte Zutritt zum Klinikum ist bis 17.30 Uhr möglich.

Wie Musizierende die Angst vor Auftritten bewältigen können

Für eine interdisziplinär angelegte und im Rahmen des DFG-Clinician Scientist-Programms UNION CVD geförderte Studie sucht das Zentrum für Psychische Gesundheit (ZEP) des Uniklinikums Würzburg (UKW) Musikerinnen und Musiker zwischen 18 und 60 Jahren, die unter Auftrittsangst leiden und etwas dagegen unternehmen möchten.

 

Das Bild zeigt die Violine des Studienleiters, Daniel Bellinger, der selbst Hobbymusiker ist.
Bis zu 60 Prozent aller Musikerinnen und Musikern leiden unter Auftrittsangst, die mit starken Symptomen einhergeht und sich negativ auf die künstlerische Leistung auswirkt. In einer Studie werden zur Reduktion der Auftrittsangst am Uniklinikum Würzburg zwei Methoden der Verhaltenstherapie untersucht: Angstkonfrontationstraining in virtueller Realität und ein Entspannungstraining durch progressive Muskelrelaxation. © Daniel Bellinger / Uniklinikum Würzburg

Daniel Bellinger ist Facharzt für Neurologie und Assistenzarzt in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Würzburg – und er ist Hobbymusiker, spielt Klavier, Geige und Querflöte. Gelegentlich hat er Lampenfieber, was zwar unangenehm ist, aber durchaus nützlich sein kann. „Denn es weckt uns auf, schärft die Sinne und verschafft uns zusätzliche Energie. Auftrittsangst hingegen verursacht so starke Symptome, dass sich diese oft negativ auf die künstlerische Leistung auswirken“, berichtet der Mediziner. Bis zu 60 Prozent aller Musikerinnen und Musiker leiden unter Auftrittsangst, die oft mit beschleunigtem Herzschlag und erhöhtem Blutdruck sowie Zittern, Übelkeit und der Furcht vor einem Kontrollverlust und Blackout einhergehen. Viele Betroffene versuchen sich mit Betablockern zu beruhigen, nur die wenigstens nehmen professionelle Hilfe in Anspruch.

Angstkonfrontation in virtueller Realität oder Entspannungstraining

Das möchte Daniel Bellinger ändern. Zur Reduktion von Auftrittsangst untersucht er zwei Methoden der Verhaltenstherapie: Ein Angstkonfrontationstraining in virtueller Realität und ein Entspannungstraining durch progressive Muskelrelaxation. Unterstützt wird er bei der Durchführung und Auswertung der Expositionstrainings von der Psychologin Kristin Wehrmann, die ebenfalls Hobbymusikerin ist.

Die Zuordnung zu einer der beiden therapeutischen Interventionen, die im Rahmen der Studie kostenlos angeboten werden, erfolgt randomisiert, das heißt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden einer der beiden Therapien zugeteilt. Gemessen wird die Angst vor und nach der Therapie im Rahmen eines so genannten Behavioural Assessment Tests (BAT). Darunter ist ebenfalls eine Auftrittssituation in Virtueller Realität zu verstehen. Vor, während und nach dem BAT werden zusätzlich Parameter zur Bestimmung von möglichen Biomarkern für den Therapieeffekt erhoben, wie Herzrate und Blutdruck werden dokumentiert und Speichel und Blut gewonnen.

Teilnahme an der Studie ist weiterhin möglich

Der Zeitaufwand zur Studienteilnahme beträgt rund zehn Stunden, verteilt auf sechs Sitzungen über einen Zeitraum von vier Wochen. Hinzu kommt eine weitere Sitzung nach einem Jahr, um die Nachhaltigkeit der Behandlung zu beurteilen. Die genauen Termine am Campus in Würzburg werden individuell abgesprochen.

Weitere Informationen zur Studie, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Clinician Scientist-Programms UNION CVD (Understanding InterOrgan Networks in Cardiac and Vascular Diseases) gefördert wird sowie Hinweise zu den Teilnahmevoraussetzungen finden Interessierte unter www.ukw.de/forschung/forschung-psychiatrie/klinische-studien

Bei Fragen kann unverbindlich das Studienteam vom Zentrum für Psychische Gesundheit des UKW kontaktiert werden unter Tel. 0931/201-76344 oder E-Mail: Auftrittsangst_VR@ukw.de.

Hinweis: In unserem digitalen Adventskalender „Forschende öffnen ihre Türchen“ laden am 21.12. Daniel Bellinger und Kristin Wehrmann ins Zentrum für Psychische Gesundheit ein und stellen die Therapiestudie zur Auftrittsangst vor. Der Film und viele weitere aus der bunten Palette an Forschungsprojekten im UKW können auf www.ukw.de/advent geöffnet werden. 

Das Bild zeigt die Violine des Studienleiters, Daniel Bellinger, der selbst Hobbymusiker ist.
Bis zu 60 Prozent aller Musikerinnen und Musikern leiden unter Auftrittsangst, die mit starken Symptomen einhergeht und sich negativ auf die künstlerische Leistung auswirkt. In einer Studie werden zur Reduktion der Auftrittsangst am Uniklinikum Würzburg zwei Methoden der Verhaltenstherapie untersucht: Angstkonfrontationstraining in virtueller Realität und ein Entspannungstraining durch progressive Muskelrelaxation. © Daniel Bellinger / Uniklinikum Würzburg

COMPASS für hochsensitive Schnelltests

Nur wenige Sekunden braucht ein neu entwickelter Schnelltest, um Krankheitserreger wie SARS-CoV-2 zuverlässig nachzuweisen. Seine Grundlage sind speziell designte magnetische Nanopartikel.

Grafik mit Funktionsweise des neuartigen COMPASS-Tests
Mit dem neuartigen COMPASS-Test lassen sich in wenigen Sekunden Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachweisen. (Grafik: Dr. Patrick Vogel / Universität Würzburg)

Die gängigen Schnelltests zur Diagnostik von Infektionskrankheiten sind flott, aber nicht wirklich schnell. Zum Beispiel dauert es bei Antigen-Selbsttests, bei PCR-Tests oder bei ELISA-Tests auf das Coronavirus 15 Minuten bis mehrere Stunden, ehe ein belastbares Ergebnis vorliegt.

Wesentlich weniger Zeit braucht dagegen ein neuer und sehr empfindlicher Schnelltest, den ein Team von den Universitäten Würzburg und Erlangen entwickelt hat. Er basiert auf speziell designten magnetischen Nanopartikeln und einer neu entwickelten Messmethodik. Mit einem mobilen Messgerät von der Größe eines Laptops dauert es nur wenige Sekunden, um beispielsweise aus einer Speichelprobe Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 verlässlich nachzuweisen.

Über diesen Fortschritt berichtet das Team im Fachjournal Nature Communications. „Unser Test würde inklusive Probennahme und mit allem Drumherum tatsächlich weniger als eine Minute dauern. Das eröffnet ganz neue Einsatzgebiete, etwa bei Kontrollen am Eingang zu Stadien“, sagt der Würzburger Physiker Dr. Patrick Vogel, Erstautor der Publikation.

Kleinste Veränderungen hoch empfindlich detektiert

Magnetische Nanopartikel, kurz MNPs, finden heutzutage Anwendung in verschiedensten Bereichen. Es handelt sich dabei um Kügelchen aus Eisenoxid, die nur wenige hundert Nanometer groß sind.

Durch die gezielte Modifikation ihrer Oberflächen sind nicht nur ihre magnetischen Eigenschaften einstellbar, sondern auch die Funktionalität ihrer Oberfläche. Das lässt sich zum Beispiel nutzen, um spezifische Antikörper oder Antigene an die Kügelchen zu binden.

Kommt es zu solchen Bindungen, vergrößern sich die Partikel ganz minimal. Um diese nur wenige Nanometer umfassende Änderung messen zu können, hat das Team um Professor Volker Behr und Dr. Patrick Vogel vom Physikalischen Institut der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) ein neuartiges Messverfahren entwickelt: die Critical Offset Magnetic PArticle SpectroScopy, kurz COMPASS. Das Verfahren benötigt einen nur geringen messtechnischen Aufwand; es ist schnell und ähnlich sensitiv wie die aufwändigen ELISA-Tests.

Einen realen Anwendungstest haben die Physiker mit der Arbeitsgruppe um Professor Lars Dölken vom JMU-Institut für Virologie und Immunbiologie durchgeführt. Mit einem tragbaren COMPASS-Messgerät konnten sie zeigen, dass der neue Schnelltest Antikörper gegen SARS-CoV-2 in nur wenigen Sekunden mit einem robusten Ergebnis nachweist.

Magnetische Partikel nach Maß gefertigt

Entscheidend für diesen Erfolg ist die spezielle Oberfläche des Partikelsystems. Für dessen Design zeichnet die Arbeitsgruppe um Professor Christoph Alexiou von der Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin an der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Erlangen verantwortlich. Die Gruppe ist führend in der Herstellung und Funktionalisierung von Magnetpartikeln.

Das Team aus Erlangen hat die Oberfläche der Partikel so geschickt manipuliert, dass sich dort gezielt verschiedenste Bindungspartner anbringen lassen. Diese können dann wiederum krankheitserregerspezifische Antigene oder Antikörper an sich binden.

Wenn Schnelligkeit und Zuverlässigkeit gefragt sind

„Das neue Messverfahren eröffnet viele Anwendungsmöglichkeiten, bei denen Schnelligkeit und Zuverlässigkeit gefragt sind“, sagt Professor Behr. Dazu gehörten beispielsweise die Erfassung neuartiger viraler Erkrankungen oder das Screening von Nutztieren auf meldepflichtige Erkrankungen.

Eine Anpassung auf neu auftretende Erreger sei tatsächlich recht schnell umsetzbar: „Die Gruppe aus Erlangen hat die Möglichkeit, die Magnetnanopartikel in größerem Maßstab zu produzieren. Soweit die entsprechenden Liganden zur Verfügung stehen, können die Testseren hergestellt werden“, erklärt Professor Behr. Für eine weltweite und große Produktion bedürfe es jedoch eines großen Industriepartners.

Nächste Schritte in der Forschung

Aktuell arbeitet das Team aus der Würzburger Physik daran, den der Messung zugrundeliegenden COMPASS-Effekt physikalisch noch tiefer zu durchdringen, um sein Potential voll ausreizen zu können. Außerdem wird die neuartige Messmethodik jetzt an verschiedenen Anwendungen erprobt.

Publikation

P. Vogel et al., „Critical Offset Magnetic PArticle SpectroScopy for rapid and highly sensitive medical point-of-care diagnostics“, Nature Communications, 13(1), 7320, 2022, Open Access.

https://doi.org/10.1038/s41467-022-34941-y