Aktuelle Pressemitteilungen

Auch bei Rezeptoren kommt es auf die Lage an

Forschungsteams aus Würzburg, München, Erlangen und Berlin haben erstmals die Lage spezieller Rezeptoren auf Herzmuskelzellen bestimmt. Ihre Erkenntnisse eröffnen neue Perspektiven für die Therapie der chronischen Herzschwäche.

Im Herzen gibt es zwei verschiedene Subtypen der beta-adrenergen Rezeptoren, beta1 und beta2, die von den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin aktiviert werden. Beide bewirken die stärkste Stimulation von Schlagkraft und Frequenz des Herzens, die wir kennen. Biochemisch sind die beiden Subtypen sich höchst ähnlich – aber funktionell und auch therapeutisch zeigen sie große Unterschiede.Zwar können beide Rezeptortypen kurzfristig das Herz stimulieren. Bei einer längerfristigen Aktivierung zeigt jedoch der beta1-Rezeptor eine Reihe weiterer Wirkungen, der beta2-Rezeptor aber nicht: Beta1 kann eine Reihe anhaltender Veränderungen verursachen und durch die Aktivierung verschiedener Gene ein – oft schädliches – Wachstum der Herzmuskelzellen einleiten.

Neueste Untersuchungen von Forschern der Universitäten Würzburg und Erlangen, des Max-Delbrück-Centrums in Berlin und des ISAR Bioscience Instituts in München/Planegg zeigen nun, wie diese unterschiedlichen Wirkungen zustande kommen. Die Ergebnisse ihrer Arbeiten haben die Forschungsteams in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences USA veröffentlicht.

Spezielle Liganden und neue Mikroskopiemethoden

„Wir konnten mit Hilfe eines an der Universität Erlangen synthetisierten fluoreszierenden Liganden und mit hochsensitiven, neu entwickelten Mikroskopiemethoden erstmals zeigen, wo diese Rezeptoren auf Herzmuskelzellen sitzen“, erklärt Professor Martin Lohse vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Er ist gemeinsam mit Paolo Annibale einer der Hauptautoren der Studie.Dabei stellte sich heraus, dass die beta1-Rezeptoren sich überall auf der Oberfläche der Herzmuskelzellen finden, die beta2-Rezeptoren aber ausschließlich in sogenannten T-Tubuli. Diese Tubuli bilden ein röhrenartiges System durch Einstülpungen der Zelloberfläche, das das gesamte Innere von Herzmuskelzellen durchzieht. „Die spezifische besondere Lage der beta2-Rezeptoren erklärt, warum sie längst nicht so viel können wie beta1-Rezeptoren und sich auf eine direkte und kurzfristige Stimulation des Herzens beschränken“, erklärt Marin Lohse. Diese wird nämlich durch lokal auf die Zellmembran begrenzte Signale vermittelt. Dagegen geschieht die Aktivierung von Genen und die Stimulation des Zellwachstums über weiter reichende Signale, die nur an der Zelloberfläche ausgelöst werden können, wo sich nur die beta1-Rezeptoren finden.

Ein weiterer überraschender Befund der Arbeiten ist, dass nicht alle Herzmuskelzellen diese Rezeptoren aufweisen. „Offensichtlich gibt es unterschiedliche Typen oder verschiedene Zustände von Herzmuskelzellen, so dass nicht alle Zellen auf Adrenalin reagieren“, so Lohse. Bisher war man davon ausgegangen, dass die Herzmuskelzellen der großen Herzkammer alle gleich sind.

Neuer Ansatzpunkt für Therapie der Herzschwäche

Schon seit vielen Jahren ist bekannt, dass bei chronischer Herzschwäche zu viel Adrenalin und Noradrenalin im Blut kursieren und das Herz so stark stimulieren, dass es sich verändert und seine Zellen wachsen. Anfänglich kompensiert das die Herzschwäche, aber langfristig schädigt das übermäßige Wachstum das Herz. Auch auf der Basis von früheren Ergebnissen des Würzburger Teams hat sich deshalb die Blockade von beta-Rezeptoren als Therapie bei chronischer Herzschwäche durchgesetzt.Die neuen Befunde zeigen nun, warum bei diesen schädlichen Wirkungen den beta1-Rezeptoren eine viel größere Bedeutung zukommt als den beta2-Rezeptoren. Weil beta1-Rezeptoren auf der gesamten Zelloberfläche vorkommen, können sie vielfältiger wirken als beta2-Rezeptoren.

Das neue Wissen um die unterschiedliche Lokalisation und Wirkung von beta1- und beta2-Rezeptoren im Herzen lässt sich möglicherweise für bessere Therapien der chronischen Herzschwäche nutzen. Diese würden die schädlichen Wirkungen von beta-Rezeptoren – das Wachstum der Herzmuskelzellen – punktgenau hemmen, die positiven Wirkungen – die Stimulation der Herzfunktion – hingegen gezielt aktivieren.

Originalpublikation

Visualization of β-adrenergic receptor dynamics and differential localization in cardiomyocytes, Marc Bathe-Peters, Philipp Gmach, Horst-Holger Boltz, Jürgen Einsiedel, Michael Gotthardt, Harald Hübner, Peter Gmeiner, Martin J. Lohse, and Paolo Annibale, Proceedings of the National Academy of Sciences USA, doi.org/10.1073/pnas.2101119118  

Kontakt

Prof. Dr. Martin Lohse, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, lohse@ toxi.uni-wuerzburg.de 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 08.06.2021

 

 

Uniklinikum Würzburg: Online-Veranstaltungsreihe zu häufigen psychischen Beschwerden

Das Zentrum für Psychische Gesundheit des Uniklinikums Würzburg lädt in den kommenden Monaten alle Interessierten zu insgesamt vier digitalen Vorträgen ein, bei denen Expert*innen über die Vorbeugung und Behandlung häufiger psychischer Beschwerden informieren.

Angsterkrankungen, psychische Erkrankungen in Schwangerschaft und Stillzeit, Traumafolgen, Depressionen – das sind die Themen der Veranstaltungsreihe „Vorbeugung und Behandlung häufiger psychischer Beschwerden“, die in diesem Jahr zum elften Mal stattfindet. Neu ist das digitale Format: Erstmals wenden sich dabei die Referent*innen aus der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KPPP) des Uniklinikums Würzburg über die Online-Konferenzplattform Zoom an Betroffene und deren Angehörige, an Selbsthilfegruppen, an Berufsgruppen, die zur multiprofessionellen Behandlung von psychischen Krankheiten beitragen sowie an alle sonstigen Interessierten.Jeweils zwischen 18:00 und 19:30 Uhr gibt es zunächst eine kurze Zusammenfassung des aktuellen Kenntnisstands zu Ursachen und Behandlung, bevor vor allem auf die Fragen eingegangen wird, was man tun kann, um sich vor diesen Krankheiten zu schützen, mit der jeweiligen Erkrankung umzugehen sowie deren Verlauf positiv zu beeinflussen.

Den Auftakt macht am Mittwoch, den 23. Juni 2021, Prof. Dr. Jürgen Deckert. Der Direktor der KPPP referiert zum Thema „Wann ist Angst krankhaft und was kann ich dagegen tun?“.Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung nicht erforderlich. Die Links zu den digitalen Vorträgen finden sich unter www.ukw.de/psychiatrie/veranstaltungen.Die weiteren Termine, Themen und Referent*innen sind:

  • 21. Juli 2021:
    Wenn das Elternglück ausbleibt – psychische Erkrankungen in Schwangerschaft und Stillzeit, Prof. Dr. Sarah Kittel-Schneider und Dr. Andrea Gehrmann 
  • 19. September 2021:
    Traumafolgen erkennen und behandeln, Dr. Roxane Sell und PD Dr. Stefan Unterecker
  • 6. Oktober 2021:
    Depression im Alter: Erkennen, behandeln und vorbeugen, Dr. Alexandra Herr

 

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Anne Frank Tag 2021 an der Berufsfachschule für Diätassistentinnen und Diätassistenten

Deutschlandweit beteiligen sich rund 500 Schulen am Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus

Die Berufsfachschule für Diätassistentinnen am Uniklinikum Würzburg beteiligt sich in diesem Jahr am Anne Frank Tag, einem bundesweiten Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus. Der Anne Frank Tag findet rund um Anne Franks Geburtstag, dem 12. Juni, statt. Deutschlandweit engagieren sich Schüler und Schülerinnen an beinahe 500 Schulen bei der bundesweiten Aktion, die vom Anne Frank Zentrum in Berlin organisiert wird. Unter dem diesjährigen Motto »Blick auf die Geschichte« beschäftigen sich die Schüler/innen mit Anne Franks Lebensgeschichte und nehmen Fotos als historische Quellen kritisch in den Blick. Anne Frank ist eines der bekanntesten Opfer des Holocaust und wurde durch die Veröffentlichung ihres Tagebuchs weltweit bekannt. Die Schüler/innen der Berufsfachschule für Diätassistenten arbeiten zum Anne Frank Tag mit einer Plakatausstellung, einem Video-Interview mit dem Holocaust-Überlebenden Tswi Herschel sowie weiteren digitalen und analogen Lernmaterialien, die vom Anne-Frank-Zentrum entwickelt wurden. Sie setzen sich darüber hinaus mit ihrem Schulsozialpädagogen Joas Nickel sowie Mitarbeiter/innen der Jugendbildungsstätte Unterfranken am 14.06.2021 mit dem Würzburger DenkOrt Deportation am Hauptbahnhof Würzburg auseinander und beschäftigen sich mit den Biographien der Opfer des Nationalsozialismus. Im Vordergrund dabei steht die jugendliche Sichtweise auf die Vergangenheit und die Frage nach der Bedeutung der Erinnerung für unsere heutige Gesellschaft. Darüber hinaus kommt es im Rahmen des Programms „Meet a Jew“ zu einer persönlichen Begegnung mit jungen Juden und Jüdinnen, um in einem Gespräch auf Augenhöhe einen Einblick in jüdisches Leben im hier und heute zu gewinnen.

 

Pressefotos und weitere Informationen zum Anne Frank Tag allgemein: https://www.artefakt-berlin.de/pressecenter/  

Damaris Schmitz (damaris.schmitz@artefakt-berlin.de)

www.annefranktag.de/presse

 

Link: Weitere Informationen zum Projekt und zum Ablauf in der Berufsfachschule für Diätassistentinnen 

Längeres stationäres EKG-Monitoring nach ischämischem Schlaganfall sinnvoll

Ein verlängertes EKG-Monitoring bei stationär behandelten Schlaganfallpatient*innen detektiert ein intermittierendes Vorhofflimmern häufiger als der bisher etablierte diagnostische Standard, erhöht aber die Sekundärprävention mittels einer oralen Antikoagulation nicht signifikant. Das ist das zentrale Ergebnis einer randomisierten Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, an der Prof. Dr. Karl Georg Häusler und Prof. Dr. Peter U. Heuschmann vom Uniklinikum Würzburg maßgeblich beteiligt waren.

Flimmern die Vorhöfe des Herzens, können sich dort Blutgerinnsel bilden, die mit dem Blutstrom in die Hirnarterien gelangen und dort zu einem Gefäßverschluss führen können. Die Folge ist ein ischämischer Schlaganfall. Deshalb zählt Vorhofflimmern (VHF) zu den relevantesten Schlaganfall-Risikofaktoren. Vor diesem Hintergrund gehört das Elektrokardiogramm (EKG) des Herzens zur Standarddiagnostik nach einem Schlaganfall. Wird ein VHF als mögliche Ursache des Schlaganfalls erkannt, ist eine „blutverdünnende“ Therapie mittels eines oralen Antikoagulanz angezeigt, um das Risiko eines erneuten Schlaganfalls bestmöglich zu senken. Bei fehlendem Nachweis eines VHF wird regelhaft Acetylsalicylsäure verordnet, wodurch das Schlaganfallrisiko eines unerkannt gebliebenen VHF jedoch weit weniger effektiv gesenkt wird. Wie lange eine EKG-Aufzeichnung bei Schlaganfallpatienten durchgeführt werden sollte, ist bisher nicht abschließend geklärt und im Kontext limitierter Ressourcen relevant. Anhand der randomisierten Studie „Impact of MONitoring for Detection of Atrial Fibrillation in Ischemic Stroke“ (MonDAFIS) sollte zudem geklärt werden, ob das verlängerte EKG-Monitoring in der Akutphase des ischämischen Schlaganfalls in der Interventionsgruppe zu einer höheren Antikoagulationsrate und zu einer Reduktion klinischer Endpunkte führt. 

EKG-Monitoring erfolgte bis zu sieben Tage nach Studieneinschluss

Die MonDAFIS Studie wurde am Centrum für Schlaganfallforschung Berlin der Charité – Universitätsmedizin Berlin intendiert und unter Leitung von Prof. Dr. Matthias Endres durchgeführt. Als Studienkoordinator fungierte Prof. Dr. Karl Georg Häusler, der nunmehr als Leitender Oberarzt an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg tätig ist, das sich gemeinsam mit 38 weiteren deutschen Studienzentren an der Rekrutierung der 3465 Studienpatienten beteiligte. Die Fallzahlplanung und die statistischen Analysen übernahm das Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg. Der Schlaganfallexperte Prof. Häusler erläutert: „Viele Patientinnen und Patienten bemerken zunächst keine VHF-spezifischen Symptome, was den Nachweis eines VHF auch bei Schlaganfallpatienten erschwert. Im Rahmen der MonDAFIS-Studie erhielten die Studienpatienten, die in die Kontrollgruppe randomisiert wurden, die am jeweiligen Studienzentrum etablierte Standard-EKG-Diagnostik. In der Interventionsgruppe wurde während des stationären Aufenthalts zusätzlich ein EKG-Monitoring über bis zu sieben Tage durchgeführt, das innerhalb weniger Tage im kardiologischen Studienzentrum ausgewertet wurde. Die Befundweitergabe erfolgte an die Behandlerinnen und Behandler durch die Studienzentrale, die auch für die Nachbeobachtung der Studienpatienten über 24 Monate verantwortlich zeichnete.“ 

Studienergebnisse in der Fachzeitschrift Lancet Neurology publiziert

Anhand der MonDAFIS-Studie zeigte sich, dass die Rate der Patient*innen, bei denen stationär ein VHF diagnostiziert wurde, in der Interventionsgruppe signifikant höher war als in der Kontrollgruppe, obwohl diese einen hohen diagnostischen Standard aufwies. Ein VHF wurde dabei vornehmlich bei Schlaganfallpatienten nachgewiesen, die zumindest 65 Jahre alt waren. Der primäre Studienendpunkt, die Rate der ein Jahr nach Studieneinschluss oral antikoagulierten Schlaganfallpatienten, unterschied sich hingegen in beiden Studienarmen nicht signifikant. Ebenso wenig unterschied sich die Gesamtzahl eines erneuten Schlaganfalls, einer schweren Blutung, eines Herzinfarkts oder von Todesfällen jedweder Ursache. Interessanterweise traten in der Interventionsgruppe weniger Todesfälle auf als in der Kontrollgruppe, was Gegenstand noch laufender Analysen ist.

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft Neurologie und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft zur MonDAFIS-Studie 

Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft Neurologie, zog im Rahmen einer am 20. Mai 2021 veröffentlichten Pressemitteilung ein pragmatisches Fazit: „Es empfiehlt sich, das EKG-Monitoring zumindest bei älteren Schlaganfallpatientinnen und -patienten über 65 Jahre bis zur stationären Entlassung fortzuführen. Die Intervention erhöht bei Risikopatientinnen und -patienten die Diagnoserate von VHF – und ist darüber hinaus relativ kostengünstig.

Literatur:

Prof Karl Georg Haeusler, MD, Prof Paulus Kirchhof, MD, Claudia Kunze, BA, Serdar Tütüncü, MD, Cornelia Fiessler, PhD Carolin Malsch, MSc et al. Systematic monitoring for detection of atrial fibrillation in patients with acute ischaemic stroke (MonDAFIS): a randomised, open-label, multicentre study. The Lancet Neurology 2021; 20(6):426-436.

Pressemitteilung: 

dgn.org/presse/pressemitteilungen/verlaengertes-stationaeres-ekg-monitoring-nach-ischaemischem-schlaganfall-entdeckt-haeufiger-vorhofflimmern/ 

 

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Herzkrankheiten im Blick

Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke hat an der Universität Würzburg eine Professur für molekulare Pharmakologie übernommen. Sie ist Expertin für Erkrankungen des Herzmuskels, die Kardiomyopathien.

 

Wie und wo wirken Herzmedikamente? Wie werden sie in den Körper aufgenommen, verteilt und verstoffwechselt? Wann wirken sie toxisch? Diese und ähnliche Fragen werden bei den Vorlesungen der neuen Professorin zur allgemeinen Pharmakologie der Herzkrankheiten im Mittelpunkt stehen.

Dazu kommen Lehrveranstaltungen zu ihren Spezialgebieten: zur translationalen Stammzellforschung und zu den molekularen Ursachen von Herzkrankheiten. Die Ergebnisse dieser Forschungen kommen direkt den Patientinnen und Patienten zu Gute.

Interessierten Studierenden steht ihr Labor für Praktika und Doktorarbeiten offen.

Interview mit der neuen Professorin auf dem YouTube-Kanal der Uni

Hautzellen werden zu Stamm- und dann zu Herzmuskelzellen

Ein Schwerpunkt von Katrin Streckfuß-Bömeke liegt auf sogenannten Kardiomyopathien. Das ist eine Gruppe unterschiedlicher Erkrankungen, bei denen die Struktur des Herzmuskelgewebes defekt ist. Oft kommt es zu einer Erweiterung oder zu einer Verdickung einer Herzkammer. Die Pumpkraft des Herzens ist dadurch eingeschränkt, die Betroffenen sind nicht mehr so leistungsfähig und haben typische Beschwerden einer Herzschwäche. An Kardiomyopathien erkranken Menschen jedes Alters, und häufig liegen genetische Ursachen vor.Um diese genetischen Ursachen der Kardiomyopathien zu klären, setzt die Biologin auf Stammzellen: Sie verwendet Blut- oder Hautzellen, die Patienten entnommen wurden, und programmiert sie zu pluripotenten Stammzellen um. Bei diesem Verfahren werden die Zellen in ein sehr frühes Stadium ihrer Entwicklung zurückversetzt. Sie lassen sich dann so steuern, dass sie sich zu verschiedenen Zelltypen des Körpers weiterentwickeln können.Solche Stammzellen werden im Labor der Professorin zu Herzmuskel-, Blutgefäß-, und Bindegewebszellen, aber auch zu Neuronen umgewandelt, die genau dieselbe genetische Ausstattung und damit auch genau dieselben Mutationen haben wie die Patienten.Die Zellen lassen sich dann zu kleinen Geweben vereinigen oder zu organähnlichen Strukturen, sogenannten Organoiden, die über Wochen intakt bleiben. An ihnen lässt sich studieren, welche Ursachen für die Krankheit verantwortlich sind.

Verbesserung der individuellen Therapie

Bei ihrer Forschung hat Katrin Streckfuß-Bömeke immer die Patientinnen und Patienten im Blick. Ihr Team untersucht darum an den Geweben und Organoiden unter anderem, welche Medikamente im Einzelfall die besten Effekte bringen.

Wenn sie beispielsweise im Labor erkennt, dass sich die kardiomyopathischen Herzmuskelzellen durch Kalziumkanal-Hemmstoffe besser regulieren lassen als durch Betablocker, wie sie eigentlich in der Klinik verwendet werden, könnten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die Medikation umstellen.

Die Biologin erforscht auch, ob man die genetischen Defekte der Kardiomyopathie mit der Genschere CRISPR/Cas beseitigen kann. Bislang lassen sich nur die Symptome der Krankheit behandeln. Langfristiges Ziel dieser Arbeiten ist es, den Betroffenen eine echte Chance auf Heilung zu eröffnen.

Ursache für das Broken-Heart-Syndrom gefunden

Neue Erkenntnisse hat die Professorin an ihrem früheren Standort in Göttingen (Niedersachsen) unter anderem über die Takotsubo-Kardiomyopathie gewonnen, die auch als Broken-Heart-Syndrom bekannt ist. Der Hintergrund: Starke emotionale oder körperliche Belastungen können das Herz tatsächlich „brechen“. Es kontrahieren dann nur noch bestimmte Areale des Herzmuskels, die anderen bleiben bewegungslos.

„Wir haben herausgefunden, dass die Herzmuskelzellen von Betroffenen viel empfindlicher auf Adrenalin reagieren“, erklärt Streckfuß-Bömeke. Außerdem funktioniere die Desensibilisierung nicht mehr – dieser Selbstschutz-Mechanismus mache die Herzmuskelzellen im Normalfall unempfindlich gegen Adrenalin, wenn dieses Stresshormon längere Zeit in hohen Mengen auf sie einwirke.

Für diese Arbeiten wurde die Wissenschaftlerin mit dem Franz-Maximilian-Groedel-Preis 2018 der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ausgezeichnet. Zum Broken-Heart-Syndrom gebe es aber weiterhin Forschungsbedarf, sagt die Neu-Würzburgerin: „Ich bin sicher, dass bei jedem einzelnen Patienten eine andere Ursache vorliegt.“

Werdegang der neuen Professorin

Katrin Streckfuß-Bömeke, Jahrgang 1976, hat Biologie an der Universität Göttingen studiert. An der dortigen Universitätsmedizin absolvierte sie auch ihre weitere akademische Laufbahn. Die Promotion schloss sie 2006 ab. Die Habilitation in Molekularer Medizin folgte 2018. Dafür erhielt sie den Habilitationspreis der Universitätsmedizin Göttingen.

In Göttingen leitete die Biologin ab 2013 eine eigene Arbeitsgruppe für translationale Stammzellforschung am Institut für Kardiologie und Pneumologie. Dem Ruf auf die Professur für molekulare Pharmakologie an der Universität Würzburg folgte sie zum 1. April 2021.

Kontakt

Prof. Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Universität Würzburg, T: +49 931 31-84618, katrin.streckfuss-boemeke@ uni-wuerzburg.de

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 01.06.2021

 

 

 

 

Das Uniklinikum und die anderen Würzburger Kliniken öffnen für Besucher

Aufhebung des Besuchsverbotes ab 1. Juni 2021

Ab Dienstag, 1. Juni 2021 sind in den Kliniken in Würzburg und Umland wieder Patientenbesuche möglich. Um das Infektionsrisiko für Patienten und Personal weiterhin so gering wie möglich zu halten, sind bei diesen Besuchen strikte Hygieneregeln einzuhalten.

 


In der regelmäßigen Runde der Pandemiebeauftragten der Kliniken in Stadt und Landkreis Würzburg sowie den Landkreisen Kitzingen und Main-Spessart haben alle Häuser ein weitgehend abgestimmtes Vorgehen vereinbart.
Ab 1. Juni 2021 gelten folgende Regeln:

Nach der Regel 1-1-1 ist ein Besucher pro Patient und Tag für eine Stunde erlaubt.
Alle Besucher müssen sich bei Betreten der Klinik registrieren und strenge Hygienevorgaben einhalten. In der gesamten Klinik besteht eine Tragepflicht von medizinischen Masken, Alltagsmasken sind nicht zugelassen.
Voraussetzung für den Besuch ist zudem ein negativer PCR-Test (nicht älter als 48 Stunden) oder ein Antigen-Schnelltest (nicht älter als 24 Stunden). Akzeptiert werden nur Tests einer offiziellen Teststelle, vor Ort in den Kliniken können keine Tests angeboten werden. Das Testergebnis muss am Eingang der Klinik zusammen mit einem Lichtbildausweis vorgelegt werden. Diese Regelung gilt auch für Personen, die bereits eine Corona-Infektion durchgemacht haben oder noch nicht vollständig geimpft sind.
Ausgenommen von der Testpflicht sind nur Personen, die vollständig geimpft sind – die Gabe der letzten Impfdosis muss länger als 14 Tage zurückliegen. Geimpfte Personen müssen keinen Test, aber ihren Impfnachweis samt Lichtbildausweis vorlegen.

Weiterhin bitten alle Kliniken, die Besuche trotz der verbesserten Möglichkeiten so weit wie möglich einzuschränken und auf die Anweisungen der Klinikmitarbeiter zu achten.
Bitte informieren Sie sich hier vor einem Besuch. Im Uniklinikum Würzburg gelten folgende Regelungen:

 

  • Besuche bei allen stationären Patienten werden grundsätzlich täglich von 14:00 – 18:00 Uhr zugelassen
  • Letzter Zutritt zum Klinikum um 17:30 Uhr, Ausnahmen sind nur in Absprache möglich
  • Es gilt die 1-1-1-Regelung, d.h. 1 Besucher an 1 Tag für maximal 1 Stunde
  • Gesonderte Regelungen gelten für die Frauenklinik Kreißsaal/ Wochenbettstationen, die Kinderklinik, die Kinderchirurgie Station O15, die Palliativstation und das ZEP.
  • Besucher müssen die „Corona-Unbedenklichkeit“ wie folgt nachweisen:
    Impfbescheinigung über Erst- und Zweitimpfung (BioNTech/Pfizer, AstraZeneca oder Moderna), wobei die letzte Impfung mindestens 15 Tage zurückliegt
    oder
    Impfbescheinigung über eine Impfung (Johnson & Johnson), die mindestens 15 Tage zurückliegt
    oder
    Nachweis der Genesung von einer SARS-CoV-2-Infektion und einer Bescheinigung über eine Impfung, die mindestens 15 Tage zurückliegt
    oder
    Nachweis eines negativen PCR-Tests (≤ 48h)
    oder
    AG-Schnelltestergebnisses (≤ 24h) mit Testat (in deutscher oder englischer Sprache)
  • Zusätzlich kann eine Identitätskontrolle erfolgen, z. B. mittels Personalausweis, Führerschein, Gesundheitskarte, Schwerbehindertenausweis etc.

 

 

 

 

Frühe klinische Studien: Medizinische Innovation am Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF)

Erlangen, 31.05.2021 Die Entwicklung neuer Medikamente und Therapien basiert auf innovativer

präklinischer Forschung und klinischer Prüfung. Die Studien in frühen klinischen Phasen der Arzneimittelentwicklung sind nur in speziellen Einrichtungen hoch spezialisierter Krankenhäuser realisierbar: Das Uniklinikum und die Universität Würzburg sind Teil des Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) und betreiben hierfür als eine der ersten Einrichtungen in Deutschland eine Early Clinical Trial Unit (ECTU). Primäres Ziel des ECTU-Netzwerkes im BZKF ist ein verbesserter Zugang für Patientinnen in Bayern zu innovativer Tumortherapie, die Gestaltung eines gemeinsamen BZKF-weiten Studienportfolios sowie die Harmonisierung und Verbesserung der Vorgänge für frühe klinische Studien. Das BZKF sorgt als Zusammenschluss der bayerischen Universitätsklinika für die enge Vernetzung der Expertinnen. Die resultierenden Ergebnisse der neuen Krebstherapien werden den Patientinnen in Bayern flächendeckend zugänglich gemacht.

Prof. Dr. Ralf C. Bargou leitet am BZKF-Standort Würzburg die Arbeitsgruppe „Frühe klinische Studien“ und ist Direktor des Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF). Das CCC MF ist eine gemeinsame Einrichtung des Uniklinikums und der Universität Würzburg und umfasst aktuell 36 regionale Krankenhäuser, niedergelassene Fachärztinnen, Reha-Einrichtungen und Medizinische Versorgungszentren. Zusammen sorgen sie in der Region Mainfranken für eine flächendeckende Versorgungs- und Studieninfrastruktur. Krebspatientinnen erhalten durch das Netzwerk Zugang zu moderner Diagnostik und innovativen Therapien. Die Comprehensive Cancer Center (CCCs) bilden an allen sechs BZKF-Standorten die Basis und sind Bindeglied im Austausch mit der medizinischen Versorgungsstruktur und ermöglichen durch die enge klinikübergreifende Zusammenarbeit die bestmögliche Versorgung der Patientinnen.

Flächendeckender Zugang zu neuen Krebstherapien dank früher klinischer Studien
„Ein wesentliches Ziel von frühen klinischen Studien ist es, Patientinnen und Patienten einen frühen und sicheren Zugang zu klinischer Innovation anzubieten. Die Entwicklung neuer, effektiver und sicherer Therapien sowie die Optimierung von Verträglichkeit und damit Lebensqualität für die Patientinnen und Patienten ist eine der dringlichsten Aufgaben der onkologischen Forschung“, erklärt Prof. Dr. Ralf C. Bargou. „Medizinischer Fortschritt ist dann erfolgreich, wenn er Erkenntnisse und Wissen generiert und vor allem bei unseren Patientinnen und Patienten ankommt und Forschung den klinischen Alltag erreicht“, so Prof. Bargou weiter.
Die Early Clincal Trials Unit (ECTU) am CCC MF dient als interdisziplinäre Einheit der Durchführung klinischer Studien. Das Zentrum verfügt über die nötige Infrastruktur sowie ein erfahrenes Studienteam für die Durchführung früher klinischer Studien, einschließlich der „first in human“ (FIH)“ Anwendungen.

Kompetenz und Wissen der medizinischen Fachwelt in Bayern vereint
Im Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) arbeiten die sechs Uniklinika aus Augsburg, Erlangen, den zwei Standorten aus München, Regensburg und Würzburg gemeinsam an neuen Forschungsprojekten: „Das Ziel unseres Zentrums ist es, gemeinsam innovative Krebstherapien von der Grundlagenforschung über die präklinische Prüfung zu den Patientinnen und Patienten zu bringen.“ ,so Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor des BZKF und Direktor der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie der Universitätsklinik Erlangen. „Neben dem Ziel, die Versorgung von Krebspatienten in Bayern voranzutreiben, möchten wir uns aber als starkes Konsortium etablieren, das national wie international in der Krebsbekämpfung eine entscheidende Rolle spielt.“, so Prof. Mackensen weiter.

Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF)
Seit seiner Gründung im November 2019 eröffnet das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF)Patientinnen in Bayern mit der Diagnose Krebs neue Wege bei der Behandlung. Mit dem Zusammenschluss der sechs bayerischen Universitätsklinika in Augsburg, Erlangen, den zwei Standorten in München, Regensburg und Würzburg wird nicht nur die Krebsforschung gefördert, sondern auch Kompetenzen und Wissen zu den Themen Früherkennung, Therapie und Nachsorge von Tumorerkrankungen gebündelt und zugleich Betroffenen eine flächendeckende und interdisziplinäre Versorgung angeboten. Mit dem kostenfreien Bürger Telefon Krebs 0800 85 100 80 haben die Bürgerinnen eine weitere und unkomplizierte Möglichkeit, sich individuell zu allen Fragen bezüglich Krebserkrankungen beraten zu lassen. Weitere Informationen finden Sie unter www.bzkf.de. 

Pressekontakt
.FACTUM – Ehrliche Kommunikation
Jörg Röthlingshöfer

Telefon: 089 – 80 91 317 10
Mobil: 0151 – 11 60 23 80


Link zur Pressemitteilung vom Bayerischen Zentrum für Krebsforschung - BZKF