Würzburg. Rheuma ist mehr als nur schmerzende Gelenke. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Gruppe unterschiedlicher Erkrankungen, die häufig mit Entzündungen einhergehen und den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Eine dieser Erkrankungen ist die axiale Spondyloarthritis (axSpA), die auch als Morbus Bechterew bekannt ist. Es handelt sich dabei um eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule betrifft und oft schon in jungen Jahren beginnt. Neben einer entzündungshemmenden medikamentösen Therapie spielt regelmäßige Bewegung eine zentrale Rolle – nicht nur in der Physiotherapie, sondern auch im Alltag. Genau dabei soll die App Axia Betroffene unterstützen – und kann dies laut aktueller Untersuchungen auch.
App unterstützt Bewegung im Alltag
„Axia reduziert die Krankheitsaktivität, verringert die Einschränkungen im Alltag und verbessert nachweislich die Funktionsfähigkeit und Lebensqualität der Betroffenen“, berichtet Privatdozent Dr. Patrick-Pascal Strunz. Der Rheumatologe vom Universitätsklinikum Würzburg hat den therapeutischen Nutzen der digitalen Gesundheitsanwendung in einer randomisiert-kontrollierten, deutschlandweiten Studie mit insgesamt 200 Patientinnen und Patienten mit axSpA belegt. In der Studie erreichte die Gruppe, die zusätzlich zur regulären medikamentösen Behandlung die App nutzte, deutlich bessere Ergebnisse als die Gruppe ohne App. Die Ergebnisse wurden gerade im Fachmagazin „Annals of the Rheumatic Diseases“ veröffentlicht (https://doi.org/10.1016/j.ard.2026.02.016, Zusammenfassung im paper place).
Auch Beweglichkeit und Muskelkraft verbessern sich
Fast zeitgleich publizierte das Studienteam aus Würzburg im Journal „Therapeutic Advances in Musculoskeletal Disease“ (https://doi.org/10.1177/1759720X261453287) die Ergebnisse der ergänzenden 24-wöchigen Pre-Post-Studie. Darin wurden die Auswirkungen von Axia auf objektive Parameter wie Beweglichkeit, Kraft und bildgebende Befunde bei 32 Patientinnen und Patienten untersucht. Auch hier zeigte sich, dass sich die Beweglichkeit der Wirbelsäule und die Kraft der Rückenmuskulatur unter der Nutzung der App ohne relevante Sicherheitsbedenken verbesserten und die Krankheitsaktivität sich verringerte.
Rudolf Schoen-Preis für Patrick-Pascal Strunz
Aufgrund seiner hervorragenden Forschungsarbeit zeichnete die Stiftung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e. V. (DGRh) Patrick-Pascal Strunz auf dem Deutschen Rheumatologiekongress 2026 in Leipzig mit dem Rudolf Schoen-Preis 2026 aus. Der nach dem ersten Nachkriegspräsidenten der DGRh benannte Preis gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen der Gesellschaft. Er soll junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich der Rheumaforschung fördern und in ihrer Arbeit unterstützen.
Die Verleihung fand am 9. September im Rahmen der Eröffnung der 54. Jahrestagung der DGRh statt. Strunz teilt sich den mit 10.000 Euro dotierten Preis mit Dr. Christina Bergmann vom Universitätsklinikum Erlangen. Bergmann veröffentlichte neue Erkenntnisse zur Regeneration vernarbten Gewebes bei systemischer Sklerose. Somit haben beide Forschungsarbeiten unmittelbare Bedeutung für die Behandlung von Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.
Über die App Axia: Axia wurde Anfang 2026 als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen und ist somit die erste App auf Rezept für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die in der Regelversorgung in Deutschland verfügbar ist. Die digitale Therapiehilfe wurde von den Würzburger Medizinstudenten Maxime Le Maire und Tobias Heusinger sowie dem Informatiker Robert Leppich im Rahmen des Start-ups Applimeda in Zusammenarbeit mit der Rheumatologie des UKW und der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e. V. (DVMB). entwickelt. Sie richtet sich an Menschen mit axialer Spondyloarthritis (axSpA). Von Spondyloarthritiden sind in Deutschland rund 700.000 Menschen betroffen. Die chronische entzündlich-rheumatische Erkrankung befällt vor allem das Becken und die Wirbelsäule. Sie führt zu Rückenschmerzen und Steifheit. Die App soll Versorgungslücken bei der Bewegungstherapie und der strukturierten Patientenschulung schließen.
Publikationen:
Patrick-Pascal Strunz, Matthias Froehlich, Tobias Heusinger, Maxime le Maire, Anna Fleischer, Karsten Sebastian Luetkens, Patricia Possler, Michael Gernert, Hannah Labinsky, Ottar Gadeholt, Robert Leppich, Astrid Schmieder, Ludwig Hammel, Billy Sperlich, Hermann Einsele, Marc Schmalzing, An app-based nonpharmacological intervention improves patient-reported disease activity, functionality, and quality of life in patients with axial spondyloarthritis: a randomised controlled trial, Annals of the Rheumatic Diseases, 2026, ISSN 0003-4967, https://doi.org/10.1016/j.ard.2026.02.016.
Patrick-Pascal Strunz, Marc Schmalzing, Amelie Wüst, Patricia Possler, Tobias Heusinger, Maxime le Maire, Anna Fleischer, Thorsten Bley, Michael Gernert, Hannah Labinsky, Ottar Gadeholt, Robert Leppich, Astrid Schmieder, Ludwig Hammel, Billy Sperlich, Ann-Cathrin Koschker, Hermann Einsele, Matthias Froehlich, and Karsten Sebastian Luetkens. Association of an app-based intervention with improvements in mobility, trunk muscle strength and patient-reported disease activity in axial spondyloarthritis: a 24-week pre–post study. Therapeutic Advances in Musculoskeletal Disease. 2026;18. doi:10.1177/1759720X261453287