Translation und Transfer im Fokus: Würzburg will seine Forschungsinfrastruktur für die Medizin der Zukunft weiter ausbauen

Beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ an Bord der MS Wissenschaft stand die Weiterentwicklung des Forschungsstandorts im Mittelpunkt. Diskutiert wurde, wie Forschungsinfrastruktur, Translation und Transfer gestärkt werden können, um Würzburgs starke Position weiter auszubauen. Ein wichtiges Signal setzte die Vogel Stiftung mit drei Millionen Euro für die CAR-T-Zellforschung am Universitätsklinikum Würzburg.

Würzburg als starken medizinischen Wissenschaftsstandort sichtbar machen und den Austausch über aktuelle Forschung und innovative Entwicklungen fördern: Das war das Ziel des „Würzburger Tags der Zukunftsmedizin“. Rund 150 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft kamen dazu am Mittwoch, 09. September an Bord der MS Wissenschaft zusammen. Das schwimmende Science Center – eine Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt und Wissenschaft im Dialog – tourt seit Mai unter dem Motto „Medizin der Zukunft“ durch Deutschland und machte in Würzburg als letzten Stopp Station, bevor es weiter nach Wien schippert. 

CAR-T-Zelltherapie ist ein Aushängeschild des Standorts

Mit an Bord der MS Wissenschaft ist ein vom Universitätsklinikum und Universität Würzburg entwickeltes Exponat zur CAR-T-Zelltherapie. Die Immuntherapie mit gentechnisch veränderten T-Zellen ist ein Aushängeschild des Standorts. Würzburg war das erste Zentrum in Deutschland, an dem diese Therapie bei der Behandlung von Blutkrebs eingesetzt wurde, und zählt heute zu den Zentren mit den höchsten Behandlungszahlen.

Um diese Position weiter auszubauen und neue Forschungsergebnisse möglichst schnell in die klinische Anwendung zu bringen, sind Investitionen in die gesamte Innovationskette notwendig, war man sich auf dem hochkarätig besetzten Panel einig. 

Drei Millionen Förderung für CAR-T-Zellforschung

Ein starkes Zeichen war daher auch die symbolische Scheckübergabe der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp von 3 Millionen Euro. Die Stiftung fördert die Arbeit von Professor Hermann Einsele und Professor Michael Hudecek am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) schon seit einigen Jahren und diese Forschungsförderung ist nun auf insgesamt 3 Millionen angewachsen. Diese Summe stärkt das Gesamtprojekt der CAR-T-Zellforschung und setzt zugleich einen Schwerpunkt in die Unterstützung der Nachwuchsforschung im Bereich Protein Engineering sowie beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Kampf gegen Krebs.

„Mit unserer Unterstützung möchten wir die wichtige Forschung zur CAR-T-Zelltherapie am Universitätsklinikum stärken. Wir haben hier die Chance, gezielt in die Dynamik und das Wachstum eines Spitzenthemas zu investieren und damit die Leuchtturmfunktion Würzburgs zu stärken“, begründete Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp, die Förderung. „Wir wünschen Professor Hudecek und seinem gesamten Team viel Erfolg und vor allem, dass die Ergebnisse ihrer Forschung möglichst schnell den Weg zu den Patientinnen und Patienten finden.“

Forschung konsequent in Translation und Transfer bringen

Prof. Dr. Michael Hudecek, Inhaber des UKW-Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie und Leiter der Außenstelle Würzburg des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) sagte: „Für diese großzügige Unterstützung sind wir der Vogel Stiftung sehr dankbar. Die CAR-T-Zelltherapie zeigt bereits heute, welchen Unterschied innovative Forschung für Patientinnen und Patienten machen kann. Unser Ziel in Würzburg ist es, Forschung konsequent in Translation und Transfer zu bringen und so möglichst schnell in die klinische Anwendung zu überführen.“ 

Der Dekan der Medizinischen Fakultät Würzburg, Prof. Dr. med. Matthias Frosch ergänzte: „Die drei Millionen Euro der Vogel Stiftung sind für das Universitätsklinikum und seine Forschung von großem Wert. Gerade neue und innovative Forschung braucht Freiräume - insbesondere dann, wenn sich ein Thema noch nicht in etablierten Förderstrukturen wiederfindet. Stiftungen schaffen diesen Spielraum und bringen Forschungsprojekte voran, die sonst so nicht möglich wären.“

Würzburg als Standort für Gen- und Zelltherapie ausbauen

Im Mittelpunkt der beiden von Johannes Keppner moderierten Panel-Diskussionen beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ stand die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse erfolgreich in die klinische Anwendung überführt werden können und welche Voraussetzungen Innovation am Standort Würzburg dafür braucht. 

Spitzenforschende des Universitätsklinikums und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie der außeruniversitären Forschungseinrichtungen Fraunhofer, Helmholtz und Max-Planck diskutierten den Weg von der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung und die dafür erforderlichen Strukturen und Infrastrukturen.

Dabei wurde deutlich: Würzburg ist international sehr gut auf dem Gebiet der Gen- und Zelltherapie aufgestellt und hat sowohl in der Forschung als auch in der klinischen Anwendung wichtige Erfolge erzielt. Diese Spitzenposition will Würzburg weiter ausbauen, insbesondere mit weiterer Forschungsinfrastruktur, die Translation und Transfer stärkt, direkt am Klinikum aber auch den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und den hiesigen Biotechnologieunternehmen.

Grundlagenforschung über klinische Studien und geeignete Infrastrukturen bis hin zur Herstellung von Zellprodukten sollten in Würzburg abgebildet werden können. Auch Kooperationen mit Biotech- und Pharmaunternehmen sowie die Förderung von Ausgründungen spielen dabei eine wichtige Rolle. 

„Würzburg hat in der Gen- und Zelltherapie eine hervorragende Ausgangsposition. Jetzt gilt es, diese Stärke durch gezielte Investitionen und starke Partnerschaften weiter auszubauen, um Forschung schnell in die klinische Anwendung zu bringen“, fasste Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, zusammen.

Ausstellung „Medizin der Zukunft“ stieß auf großes Interesse

Großes Interesse weckte auch die Ausstellung „Medizin der Zukunft“, die vom 8. bis 11. September an Bord der MS Wissenschaft zu sehen war. Nach Angaben der Veranstalter, Wissenschaft im Dialog, gab es auf die Ausstellung eine ausgezeichnete Resonanz: An allen vier Tagen war das Schiff durchgehend sehr gut besucht und zog zahlreiche Würzburgerinnen und Würzburger an. 

Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp: Die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp wurde im Jahr 2000 von dem Würzburger Verleger Dr. Kurt Eckernkamp und seiner Frau Nina Eckernkamp-Vogel gegründet. Die Stiftung fokussiert in ihrer Förderung auf vier Aktivitätsfelder: Bildung, Wissenschaft, Gesundheitswesen und Kultur. Die Teilhabe am Leben – über alle Generationen hinweg – steht im Mittelpunkt des Handelns der Stiftung. Für ihre Unterstützung von Forschungsprojekten wurde die Stiftung 2020 mit dem Gütesiegel „Innovativ durch Forschung“ vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet. Die Stiftung verfolgt ausschließlich gemeinnützige Ziele und ist dem Unternehmen Vogel Communications Group als Mitgesellschafterin verbunden.

Sieben Männer stehen auf der Bühne der MS Wissenschaft, in der Mitte bzw. dritter von links Michael Hudecek mit Scheck in der Hand, im Hintergrund Roll-ups.
Beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ an Bord der MS Wissenschaft überreichte die Vogel Stiftung einen Scheck über drei Millionen Euro zur Unterstützung der CAR-T-Zellforschung an das Team von Prof. Michael Hudecek vom Universitätsklinikum Würzburg. V.l.n.r.: Prof. Dr. Matthias Frosch, Prof. Dr. Hermann Einsele, Prof. Dr. Michael Hudecek, Rolf Lenertz, Prof. Dr. Michael Müßig, Dr. Gunther Schunk, Prof. Dr. Tim J. von Oertzen © Thomas Berberich / UKW

Beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ an Bord der MS Wissenschaft überreichte die Vogel Stiftung einen Scheck über drei Millionen Euro zur Unterstützung der CAR-T-Zellforschung an das Team von Prof. Michael Hudecek vom Universitätsklinikum Würzburg. V.l.n.r.: Prof. Dr. Matthias Frosch, Prof. Dr. Hermann Einsele, Prof. Dr. Michael Hudecek, Rolf Lenertz, Prof. Dr. Michael Müßig, Dr. Gunther Schunk, Prof. Dr. Tim J. von Oertzen © Thomas Berberich / UKW