Würzburg gibt den Startschuss für bundesweites Kommunikationsprogramm in der Krebsmedizin

Mit dem ersten von sechs Modulen eröffnet das Universitätsklinikum Würzburg das neue bundesweite Train-the-Trainer-Programm „TrainKommOnko“. Es soll die Kommunikation mit Krebspatientinnen und -patienten nachhaltig verbessern und als festen Qualitätsstandard in der onkologischen Versorgung verankern.

Würzburg. Die Krebsmedizin hat enorme Fortschritte gemacht. Doch gute Versorgung braucht mehr als moderne Diagnostik und innovative Therapien: Sie braucht Kommunikation, die Orientierung gibt, gemeinsame Entscheidungen ermöglicht und Menschen mit Krebs auf ihrem Weg begleitet. 

Train-the-Trainer-Prinzip: Multiplikatoren ausbilden

Vor diesem Hintergrund fördert die Deutschen Krebshilfe das Programm „TrainKommOnko“ mit mehr als acht Millionen Euro. Unter der Gesamtleitung von Prof. Dr. Jana Jünger vom Institut für Kommunikations- und Prüfungsforschung in Heidelberg werden in den kommenden vier Jahren Ärztinnen und Ärzte sowie Personen aus weiteren Gesundheitsberufen an Comprehensive Cancer Centers sowie Onkologischen Zentren zu Kommunikationstrainerinnen und -trainern qualifiziert. Als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren geben sie ihr Wissen anschließend an ihren jeweiligen Standorten weiter und etablieren gute Kommunikation als festen Qualitätsstandard.

Würzburger Modul: Haltung als Grundlage guter Gespräche

Das Uniklinikum Würzburg (UKW) hat für das Programm das erste von bundesweit sechs Modulen entwickelt und im Mai dieses Jahres erstmals durchgeführt. Verantwortet wird der Würzburger Schulungsbaustein von Prof. Dr. Imad Maatouk, Lehrstuhlinhaber für Integrierte Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, und Prof. Dr. Claudia Löffler, Professorin für Integrative Onkologische Medizin. Das interprofessionelle Curriculum entstand in enger Zusammenarbeit mit Privatdozentin Dr. Elisabeth Jentschke, Leiterin der Psychoonkologie am UKW, sowie weiteren Expertinnen und Experten aus den beteiligten Fachbereichen. Im Mittelpunkt steht weniger die Vermittlung einzelner Gesprächstechniken als vielmehr die Frage, welche professionelle Haltung Gesundheitsberufe benötigen, um Menschen mit einer Krebserkrankung bestmöglich zu begleiten. „Gute Kommunikation beginnt mit aufmerksamem Zuhören, gegenseitigem Vertrauen und dem gemeinsamen Entwickeln tragfähiger Entscheidungen“, verdeutlicht Prof. Maatouk. Und Prof. Dr. Löffler ergänzt: „Gute Krebsversorgung muss konsequent am Menschen orientiert sein. Gute Kommunikation schafft Orientierung und verbindet wissenschaftliche Evidenz mit den individuellen Bedürfnissen, Werten und Lebenszielen der Patientinnen und Patienten. So entsteht eine Versorgung, die Menschen befähigt, ihre Gesundheit und Lebensqualität aktiv mitzugestalten.“ Fragen zu Bewegung, Ernährung und weiteren unterstützenden Maßnahmen gehören längst zum Alltag in der Krebsmedizin. Gleichzeitig ist die Studienlage oft komplex und die Informationsflut im Internet schwer einzuordnen. Das Würzburger Modul vermittelt deshalb, wie Gespräche über Integrative Onkologie evidenzbasiert, verständlich und alltagsnah geführt werden können. Ergänzend wurden praxisnahe Gesprächshilfen sowie wissenschaftlich fundierte Informationsmaterialien erarbeitet, die Menschen in Gesundheitsberufen dabei unterstützen, Patientinnen und Patienten verlässliche Orientierung zu geben und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Im Tandem mit Hamburg

An der ersten, dreitägigen Schulung in Würzburg nahmen 18 Beschäftigte aus onkologischen Zentren in ganz Deutschland teil. Für die bundesweite Umsetzung arbeitet das UKW-Team eng mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf als Tandempartner zusammen. Die gemeinsam entwickelten Inhalte wurden Ende Juli einer zweiten Teilnehmerkohorte in der Hansestadt vermittelt.

In den kommenden Jahren sollen an zunächst zwölf, später an mehr als 30 onkologischen Zentren Kommunikationstrainerinnen und -trainer ausgebildet werden. So entsteht in den kommenden Jahren ein bundesweites Netzwerk, das Kommunikationskompetenz nachhaltig in der onkologischen Versorgung verankert.

 

Text: Pressestelle / UKW

Gesprächssituation
Zentraler Schulungsinhalt des Würzburger Moduls: Welche professionelle Haltung ist von Seiten der Gesundheitsberufe nötig, um Krebserkrankte bestmöglich zu begleiten? © Konstantin Schrader / UKW
Gruppenbild Teilnehmende und Dozierende
Die Teilnehmenden und Dozierenden der ersten TrainKommOnko-Schulung im Mai dieses Jahres am Uniklinikum Würzburg. © Konstantin Schrader / UKW

Zentraler Schulungsinhalt des Würzburger Moduls: Welche professionelle Haltung ist von Seiten der Gesundheitsberufe nötig, um Krebserkrankte bestmöglich zu begleiten? © Konstantin Schrader / UKW

Die Teilnehmenden und Dozierenden der ersten TrainKommOnko-Schulung im Mai dieses Jahres am Uniklinikum Würzburg. © Konstantin Schrader / UKW