Ein Bild, das ein Ereignis zeigt, das niemals stattgefunden hat. Eine Stimme, die täuschend echt klingt, obwohl die betreffende Person kein Wort gesprochen hat. Eine Antwort, die vollkommen überzeugend wirkt – und dennoch falsch ist. Was bedeutet es unter solchen Bedingungen, etwas zu wissen? Und woran erkennen wir jemanden, der Wissen nur vortäuscht?
Mit diesen Fragen lädt das Würzburger Philosophicum Studierende aller Fachrichtungen zu einem philosophischen Samstag in die Wanderhütte Zultenberg ein. Im Mittelpunkt steht Platons Dialog Sophistes: ein anspruchsvolles und zugleich überraschend aktuelles Gespräch über Wahrheit und Täuschung, die Macht der Rede und die schwierige Kunst, Sein und Schein zu unterscheiden.
Wahrheit oder bloßer Anschein?
Der Sophist tritt als Lehrer, Wortkämpfer und geschickter Widerleger auf. Doch wie lässt er sich vom Philosophen unterscheiden? Beide können Gewissheiten erschüttern, Widersprüche aufdecken und mit ihrer Rede beeindrucken. Ob jemand die Wahrheit sucht oder nur recht behalten möchte, lässt sich am Auftreten allein offenbar nicht erkennen.
Gemeinsam mit dem Fremden aus Elea und dem jungen Theaitetos folgen wir Platon auf eine gedankliche Spurensuche, bei der auch unsere eigenen Maßstäbe auf den Prüfstand kommen. Dabei führt der Dialog zu einer grundlegenden Frage: Wie kann man überhaupt etwas Falsches sagen? Platon entwickelt den Gedanken, dass das Nichtseiende nicht einfach das Nichts bedeuten muss, sondern auch als Verschiedenheit verstanden werden kann. Eine falsche Aussage handelt durchaus von etwas, schreibt ihm aber etwas anderes zu, als tatsächlich zutrifft.
Die scheinbar ferne Frage nach dem Sein berührt damit etwas sehr Alltägliches: unsere Fähigkeit, Aussagen zu verstehen, Irrtümer zu erkennen und begründet zu widersprechen.
Platon im Zeitalter künstlicher Intelligenz
Als Zugang dient eine Neugestaltung des Sophistes, die Platons Gespräch in die Gegenwart versetzt. Digitale Profile, künstlich erzeugte Stimmen und überzeugende Bilder machen die Fragen des Dialogs anschaulich. Dabei geht es auch um die Möglichkeiten digitaler Werkzeuge für Lernen und Verständigung: Wer erhebt mit welchen Mitteln einen Anspruch auf Wissen – und wie lässt sich dieser Anspruch prüfen? Wann hilft uns eine Antwort beim Denken weiter, und wann verleitet ihre überzeugende Form dazu, auf die eigene Prüfung zu verzichten?
Nach einer Einführung wollen wir zentrale Gedanken des Dialogs erschließen, unterschiedliche Lesarten diskutieren und ihre Bedeutung für unseren heutigen Umgang mit Bildern, Sprache und vermeintlichen Gewissheiten erkunden. Philosophische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Willkommen sind Neugier, Freude am genauen Fragen und die Bereitschaft, auch die eigene Überzeugung zur Diskussion zu stellen.
Die Wanderhütte in der Fränkischen Schweiz bietet Abstand zum Studienalltag und Zeit für ein ausführliches Gespräch. Im Anschluss setzen wir den Austausch bei einer gemeinsamen Wanderung auf den Görauer Anger fort.
Platons Sophistes verspricht keine einfache Methode, jede Täuschung sofort zu durchschauen. Der Dialog lädt dazu ein, genauer hinzusehen, Gründe zu prüfen und dort weiterzufragen, wo eine überzeugende Antwort das Denken allzu schnell beendet.
Ich freue mich auf einen anregenden Seminartag und lebendige Gespräche mit Ihnen und Euch!
Thomas Bohrer
Termin und Anmeldung
Wann: Samstag, 24. April 2027, 10 bis 14 Uhr
Wo: Wanderhütte Zultenberg, Zultenberg 26, 95359 Kasendorf
Programm: Einführung und gemeinsame Diskussion, anschließend Wanderung auf den Görauer Anger.
Teilnahme: Für Studierende aller Fachrichtungen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Für Mittagskost sowie Kaffee und Kuchen ist gesorgt.
Anmeldung und Rückfragen: thomas.bohrer@klinikum-kulmbach.de
