Aktuelle Pressemitteilungen

Erste DiGA für entzündlich-rheumatische Erkrankungen zugelassen

Die Axia-App bietet eine strukturierte Bewegungstherapie und schließt damit die Versorgungslücke bei axialer Spondyloarthritis (axSpA)

Illustration mit feierndem Maskottchen Bechto (ein Wirbelkörper) sowie einer Hand, die ein Smartphone mit App Axia in der Hand hält und der Überschrift Axia ist erste Rheuma-DiGA.
Mit der Zulassung der in Würzburg entwickelten App „Axia“ für Patientinnen und Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA) steht nun erstmals eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung in der Regelversorgung in Deutschland zur Verfügung. © UKW

Würzburg. Für „Apps auf Rezept“ wurde bereits im Dezember 2019 mit dem Digitalen-Versorgungs-Gesetz (DVG) ein rechtlicher Rahmen geschaffen. Seitdem können vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geprüfte Apps und webbasierte Therapieprogramme ärztlich verordnet und von allen gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Mit der Zulassung der in Würzburg entwickelten App „Axia“ steht nun erstmals eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung in der Regelversorgung in Deutschland zur Verfügung. Die App richtet sich speziell an Patientinnen und Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA), die früher auch als Morbus Bechterew bezeichnet wurde.

Mit studentischem Enthusiasmus, wissenschaftlicher Expertise und Einbindung von Patientinnen und Patienten zum Erfolg

Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit zwischen Würzburger Medizinstudierenden, der Rheumatologie des Uniklinikums Würzburg (UKW) und der Selbsthilfeorganisation für axSpA. „Es verbindet studentischen Enthusiasmus, wissenschaftliche Expertise und die enge Einbindung der Patientinnen und Patienten auf besondere Weise, was seinen Erfolg erklärt“, erläutert Privatdozent Dr. Patrick-Pascal Strunz. Der Rheumatologe leitete die deutschlandweit randomisiert-kontrollierte klinische Studie, die eine signifikante Wirksamkeit der digitalen Therapiehilfe als Ergänzung zur medikamentösen Behandlung zeigte. „Dass die Axia-App mit ihrer evidenzbasierten Bewegungstherapie nun analog zu einem Medikament durch Ärztinnen und Ärzte verordnungsfähig ist, ist ein bedeutender Meilenstein für die digitale Versorgung unserer Patientinnen und Patienten mit axSpA. Damit wird eine bisherige Versorgungslücke geschlossen.“

Axia motiviert zu regelmäßiger Bewegung - ein zentraler Baustein der Therapie

Bei der axSpA handelt es sich um eine rheumatische Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule und die Iliosakralgelenke betrifft und zu chronischen Rückenschmerzen führt. Neben entzündungshemmenden Medikamenten ist eine konsequente Bewegungs- und Physiotherapie eine der zentralen Säulen der leitliniengerechten Therapie. Im Versorgungsalltag kann diese jedoch häufig nicht ausreichend umgesetzt werden.

Verbesserte Beweglichkeit, weniger Schmerzen, mehr Lebensfreude

Axia unterstützt und motiviert die Patientinnen und Patienten effektiv dabei, ihre Behandlung aktiv mitzugestalten und regelmäßige Bewegung, die ein zentraler Baustein der Therapie ist, orts- und zeitunabhängig in den Alltag zu integrieren. Mithilfe der App konnten typische Krankheitssymptome wie Rückenschmerzen, Morgensteifigkeit und Erschöpfung gelindert, die Beweglichkeit verbessert und die Lebensqualität deutlich gesteigert werden 

Den Studienteilnehmenden fielen alltägliche Aktivitäten wie Anziehen, Bücken oder längeres Gehen nach der Anwendung leichter. Viele von ihnen fühlten sich insgesamt aktiver, beweglicher und leistungsfähiger.

Patientenzentrierte Versorgungslösungen made in Würzburg

Die Zulassung ist nicht nur für die Patientinnen und Patienten ein Gewinn, sondern stellt auch einen großen Erfolg für die beteiligten Entwickler dar. Die Würzburger Medizinstudenten Maxime le Maire und Tobias Heusinger brachten gemeinsam mit dem Informatiker Robert Leppich im Rahmen ihres Start-ups Applimeda ihre Idee bis zur Marktreife. Dabei arbeiteten sie eng mit der Rheumatologie des UKW und der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e. V. (DVMB) zusammen. 

Gemeinsam entwickelten sie mehr als 250 physiotherapeutisch angeleitete Übungsvideos, darunter sogenannte Alltagsroutinen. Dabei werden gezielte Dehn- oder Mobilisationsübungen in alltägliche Aktivitäten wie Zähneputzen oder Kaffeekochen integriert. Ein spielerisches Belohnungssystem mit Punkten, virtuellen Meilensteinen und dem Maskottchen „Bechto” sorgt zusätzlich für Motivation. Neben den Übungen umfasst die App auch informative Inhalte. In interaktiven Lernmodulen wird medizinisches Wissen zur Erkrankung sowie Tipps zu den Themen Ernährung, Medikamenteneinnahme, Begleiterkrankungen und Alltagserleichterungen vermittelt. Das Angebot wird durch Funktionen wie einen Symptom- und Medikamententracker, die Möglichkeit, Schrittzählerdaten einzubinden, sowie Entspannungsübungen ergänzt.

Zur axialen Spondyloarthritis (axSpA)

Der Begriff „axiale Spondyloarthritis“ setzt sich aus den griechischen Wörtern „axial“ für Körperachse – hier vor allem Wirbelsäule und Kreuz-Darmbein-Gelenke –, „spondylo“ für Wirbel, „arthron“ für Gelenk und „itis“ für Entzündung zusammen. Es handelt sich also um eine entzündlich-rheumatische Erkrankung der Gelenke, die vor allem die Wirbelkörper entlang der Körperachse betrifft. Sie tritt meist im jungen Erwachsenenalter, häufig vor dem 45. Lebensjahr, auf. Typisch sind schleichend beginnende, entzündliche Rückenschmerzen, die vor allem im Ruhezustand auftreten. In Deutschland sind schätzungsweise 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung betroffen. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten sowie konsequenter Bewegung sind entscheidend, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten.

Illustration mit feierndem Maskottchen Bechto (ein Wirbelkörper) sowie einer Hand, die ein Smartphone mit App Axia in der Hand hält und der Überschrift Axia ist erste Rheuma-DiGA.
Mit der Zulassung der in Würzburg entwickelten App „Axia“ für Patientinnen und Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA) steht nun erstmals eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung in der Regelversorgung in Deutschland zur Verfügung. © UKW

1.800 Euro zugunsten krebskranker Kinder

Familie Hess unterstützt erneut die Elterninitiative Regenbogen

Scheckübergabe der Familie Hess aus Randersacker an Jana Lorenz-Eck, Vorsitzende der Elterninitiative.
Scheckübergabe der Familie Hess aus Randersacker an Jana Lorenz-Eck, Vorsitzende der Elterninitiative.

Mittlerweile ist es bei Familie Hess aus Randersacker Tradition, Freunde und Bekannte in der Adventszeit zum Wintergrillen einzuladen. Auch im vergangenen Jahr entschieden sie sich dazu, bei ihrer Veranstaltung auf die wichtige Arbeit der Elterninitiative Regenbogen aufmerksam zu machen und baten um Spenden für den Verein. Das Ergebnis der vergangenen Jahre konnte dieses Mal sogar übertroffen werden, insgesamt 1.800 Euro wurden in Form eines Spendenschecks an Jana Lorenz-Eck, Vorsitzende der Elterninitiative, übergeben. Unter dem Motto „Die Diagnose können wir nicht ändern, aber das gesamte Umfeld positiv beeinflussen“ setzt sich die Elterninitiative Regenbogen für krebskranke Kinder und deren Familien ein. Das spendenfinanzierte Angebot des Vereins umfasst u.a. die familiengerechte Ausstattung der betreffenden Stationen an der Uni-Kinderklinik sowie die psychosoziale Betreuung von Familien während und nach der Therapie.

Das Wintergrillen und der gemeinnützige Gedanke dahinter kommen bei den Gästen so gut an, dass Familie Hess bereits die nächste Veranstaltung plant. Die Elterninitiative Regenbogen bedankt sich herzlich für die treue Unterstützung.

 

Pressemitteilung: Nadine Kempa für die Elterninitiative Regenbogen e.V.

Scheckübergabe der Familie Hess aus Randersacker an Jana Lorenz-Eck, Vorsitzende der Elterninitiative.
Scheckübergabe der Familie Hess aus Randersacker an Jana Lorenz-Eck, Vorsitzende der Elterninitiative.

Tag der Ausbildung am Universitätsklinikum Würzburg

Einblicke in 18 Ausbildungsberufe am 13. Februar 2026

Verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten an der Uniklinik Würzburg
Einblicke in vielfältige Ausbildungsberufe bietet der Tag der Ausbildung am Universitätsklinikum Würzburg, der am 13. Februar 2026 stattfindet. © Salih Usta / UKW.

Würzburg. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) bietet jungen Menschen vielfältige berufliche Perspektiven: Insgesamt 18 Berufe können am Klinikum erlernt werden. Beim Tag der Ausbildung haben Interessierte die Möglichkeit, diese Ausbildungsangebote kennenzulernen. 

Am Freitag, 13. Februar 2026, lädt das UKW von 8:30 bis 16:00 Uhr Schülerinnen und Schüler sowie alle Ausbildungsinteressierten ein, das Klinikum zu besuchen und mehr über die unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten zu erfahren. Auch Eltern sind herzlich willkommen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen persönliche Einblicke in die Ausbildungsberufe am UKW. Besucherinnen und Besucher können mit Auszubildenden, Ausbilderinnen und Ausbildern sowie Mitarbeitenden ins Gespräch kommen, Fragen stellen und sich über Ausbildungsinhalte, Voraussetzungen und berufliche Perspektiven informieren. „Neben medizinischen Ausbildungsberufen bietet das UKW auch Ausbildungen in der Verwaltung, der IT, in technischen Bereichen, der Tierpflege oder der Küche an. Am 13. Februar stehen wir allen Schülerinnen und Schülern, Berufseinsteigenden und Angehörigen für einen offenen und lockeren Austausch zur Verfügung“, erklärt Stefanie Freiberg, Leiterin der Stabsstelle Ausbildung und Studium am UKW und Organisatorin der kostenlosen Veranstaltung.

Neben Informationen gibt es auch spannende und erlebbare Eindrücke aus den einzelnen Bereichen. So können die Besucherinnen und Besucher durch Mikroskope die faszinierende Welt der Zellen verfolgen oder mittels Virtual Reality an einer Operation teilnehmen.

Der Tag der Ausbildung bietet damit eine ideale Gelegenheit, das Universitätsklinikum Würzburg als Ausbildungsbetrieb aus nächster Nähe zu erleben. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung findet im Zentrum für Operative Medizin (ZOM), Haus A1/A2 (Oberdürrbacher Straße 6, 97080 Würzburg), statt.

Weitere Informationen zu den Ausbildungsmöglichkeiten am UKW.

 

 

Text: Annika Wolf / UKW

Verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten an der Uniklinik Würzburg
Einblicke in vielfältige Ausbildungsberufe bietet der Tag der Ausbildung am Universitätsklinikum Würzburg, der am 13. Februar 2026 stattfindet. © Salih Usta / UKW.

Notfallversorgung gesichert: Informationen zum Warnstreik am 10. Februar 2026

Anlass der Streikmaßnahmen sind die laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder

Durch eine Notdienstvereinbarung zwischen der Gewerkschaft und dem UKW ist die Notfallversorgung auch während des Streiks gesichert. Foto: UKW / Salih Usta
Durch eine Notdienstvereinbarung zwischen der Gewerkschaft und dem UKW ist die Notfallversorgung auch während des Streiks gesichert. Foto: UKW / Salih Usta

Würzburg. Die Gewerkschaft ver.di hat für das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) einen ganztägigen Warnstreik angekündigt am Dienstag, 10. Februar. Durch eine Notdienstvereinbarung zwischen der Gewerkschaft und dem Universitätsklinikum ist die Notfallversorgung auch während des Streiks gesichert.

Allerdings sind Einschränkungen im Rahmen der übrigen Versorgung zu erwarten. So müssen planbare Eingriffe aufgrund des Streiks verschoben werden, sofern dies medizinisch vertretbar ist. Betroffene Patientinnen und Patienten werden, sofern möglich, von den jeweiligen Kliniken über Terminausfälle und -verschiebungen informiert bzw. gebeten, sich vorab nochmals in der behandelnden Klinik zu erkundigen.

Auch in Ambulanzen, Sprechstunden und weiteren Bereichen kann es am Streiktag zu Einschränkungen kommen. 

Anlass der Streikmaßnahmen sind die laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder. Dabei verhandelt die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) als Arbeitgeberverband mit der Gewerkschaftsseite. Die Abschlüsse gelten dann auch für die Beschäftigten am Universitätsklinikum Würzburg. Das UKW ist selbst nicht an den Tarifverhandlungen beteiligt und hofft auf einen zeitnahen Tarifabschluss.

Durch eine Notdienstvereinbarung zwischen der Gewerkschaft und dem UKW ist die Notfallversorgung auch während des Streiks gesichert. Foto: UKW / Salih Usta
Durch eine Notdienstvereinbarung zwischen der Gewerkschaft und dem UKW ist die Notfallversorgung auch während des Streiks gesichert. Foto: UKW / Salih Usta

Ausgezeichnete Blutplättchenforscherin

Sarah Beck aus der Experimentellen Biomedizin I des Uniklinikums Würzburg erhält „Frank Misselwitz Memorial Award for Excellence in Thrombosis Research“

Sarah Beck im Gespräch bei einer Postersession im RVZ
Sarah Beck aus der Experimentellen Biomedizin I des UKW erhielt den „Frank Misselwitz Memorial Award for Excellence in Thrombosis Research. © Kerstin Siegmann / UKW
Die hochschwangere Biomedizinerin Sarah Beck steht im schwarzen engen Kleid an einer Treppe im Foyer des RVZ.
Da Sarah Beck in wenigen Tagen ihr zweites Kind erwartet, konnte sie den „Frank Misselwitz Memorial Award for Excellence in Thrombosis Research“ nicht persönlich entgegennehmen. © Kirstin Linkamp / UKW
Die Forscherinnen und Forscher haben sich auf einer Treppe im Foyer des Rudolf Virchow Zentrums positioniert und blicken freudig in die Kamera.
Erfolgreiche Kooperationen der Experimentellen Biomedizin I und des Rudolf-Virchow-Zentrums. Forscherinnen v.l.n.r.: Dr. Sarah Beck (Experimentelle Hämostaseologie), Dr. Tamara Girbl (Nachwuchsgruppenleiterin RVZ), Prof. Dr. Katrin Heinze (Sprecherin RVZ, Molekulare Mikroskopie). Forscher v.l.n.r.: Dr. Zoltan Nagy (Emmy-Noether-Forschungsgruppe, Megakaryozyten), Prof. Dr. Markus Bender (Kardiovaskuläre Zellbiologie), Prof. Dr. Harald Schulze (Experimentelle Hämostaseologie), Prof. Dr. David Stegner (Vaskuläre Bildgebung), Prof. Dr. Bernhard Nieswandt (Leiter des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin I, Schwerpunkt Vaskuläre Biologie). © Anna Wenzl / UKW

Der „Frank Misselwitz Memorial Award for Excellence in Thrombosis Research” würdigt Nachwuchswissenschaftler, die herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Thromboseforschung vorweisen können und zur Verbesserung von Diagnose, Prävention oder Behandlung thromboembolischer Erkrankungen beitragen. Ausgezeichnet wird die Würzburger Biomedizinerin Sarah Beck für ihre translationale Forschung in den Bereichen Hämostase, Thrombose und Thrombo-Inflammation. Ihre Forschung hilft dabei, die Entstehung und Entwicklung von Blutgerinnseln zu verstehen. Damit leistet sie einen Beitrag zu potenziellen Innovationen in Prävention und Therapie. Sarah Beck teilt sich den mit 20.000 Euro dotierten Preis mit dem Mediziner Gerrit M. Grosse vom Universitätsspital Basel. Der Award wird einmalig von der Bayer Foundation verliehen. 

Würzburg/Leverkusen. Sarah Beck ist ein „Würzburger Gewächs“ durch und durch. Sie wurde am Uniklinikum Würzburg (UKW) geboren, erwarb ihre Hochschulreife am Riemenschneider-Gymnasium und studierte Biomedizin an der Julius-Maximilians-Universität (JMU). Über ihre Masterarbeit fand sie den Weg in die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte und angesehene Würzburger Thrombozytenforschung, die Würzburger Platelet Group. Diese ist in der Experimentellen Biomedizin I des UKW und dem Rudolf-Virchow-Zentrum für Integrative und Translationale Biobildgebung (RVZ) angesiedelt. Die Forschung an den Blutplättchen, wie die Thrombozyten im Volksmund heißen, fand sie so spannend, dass sie direkt ihre Promotion in der Arbeitsgruppe von Bernhard Nieswandt, Direktor der Experimentellen Biomedizin I, anschloss. Inzwischen hat die 37-Jährige ein Forschungsprojekt zur experimentellen Hämostaseologie im neuen Graduiertenkolleg 3190 „Thrombo-Inflame“ und ist dabei, mit Fördergeldern der Deutschen Forschungsgemeinschaft ihre eigene Arbeitsgruppe aufzubauen. Jetzt wurde sie für ihre bisherige Thrombozytenforschung mit dem "Frank Misselwitz Memorial Award for Excellence in Thrombosis Research” der Bayer Foundation geehrt. 

Thrombozyten sind Haupttreiber von Thrombosen und spielen gleichzeitig eine zentrale Rolle bei der Hämostase, der Verhinderung von Blutungen

Thrombozyten sind die kleinsten zellulären Bestandteile des Bluts. Sie entstehen durch Abschnürung aus Megakaryozyten im Knochenmark und besitzen keinen Zellkern, was sie sehr empfindlich macht. „Da die Blutplättchen sehr schnell an Qualität verlieren, benötigen wir immer kurze Transportwege und müssen unsere Experimente binnen zwei bis drei Stunden abgeschlossen haben“, beschreibt Sarah Beck die Besonderheit der Thrombozyten. 

In ihrer Forschung konzentriert sie sich auf die molekularen Mechanismen der Thrombozytenaktivierung bei der sogenannten Hämostase. Dieser Prozess ist lebenswichtig, um Blutungen zu stillen und Wunden zu schließen. Bei der Blutstillung heften sich Thrombozyten an die Wundränder und bilden einen Pfropf, der die Verletzung provisorisch abdichtet. Bei der Blutgerinnung, auch Koagulation genannt, werden lange Fasern aus Fibrin gebildet, die gemeinsam mit den Blutplättchen die Wunde fest abdichten. Wird jedoch zu viel Fibrin gebildet, beispielsweise bei chronischen Wunden, kann es zu Gefäßverschlüssen, sogenannten Thrombosen, kommen. 

Revolutionären Regulationsmechanismus der Blutgerinnung in Nature Cardiovascular Research veröffentlicht

Lange Zeit war nicht vollständig verstanden, wie die Gerinnung begrenzt werden kann – bis Sarah Beck als Erstautorin einen revolutionären Regulationsmechanismus der Fibrinbildung im renommierten Magazin Nature Cardiovascular Research veröffentlichte. Gemeinsam mit einem internationalen Autorenteam deckte sie das Glykoprotein V (GPV), das sich auf der Oberfläche der Thrombozyten befindet, als Schaltstelle für die Blutstillung und Thrombusbildung auf. Aus diesen Erkenntnissen leiteten sie neue Therapieansätze ab.

Glykoprotein GPV als Schaltstelle für die Blutstillung und Thrombusbildung

„GPV wird während der Blutgerinnung vom Enzym Thrombin freigesetzt. Indem das lösliche GPV wieder an Thrombin bindet, verändert es dessen Aktivität, sodass weniger Fibrin gebildet wird“, erläutert Sarah Beck den Mechanismus. In verschiedenen Versuchen an experimentellen Thrombosemodellen konnte durch die Zugabe von löslichem GPV die Bildung von gefäßverschließenden Thromben verhindert und ein deutlicher Schutz vor experimentellem Schlaganfall und damit verbundener Hirnschädigung vermittelt werden. 

Andererseits kann ein Eingreifen in diesen Mechanismus die Blutstillung bei Menschen mit Blutungsproblemen verbessern. „Wir haben einen Antikörper gegen GPV entwickelt, der verhindert, dass GPV von Thrombin geschnitten wird – es entsteht also kein lösliches GPV. Dadurch wird die Thrombin-Aktivität und die Fibrinbildung gesteigert, was wiederum die Blutstillung in Fällen mit gestörter Hämostase verbessert“, erklärt Sarah Beck. Die Anti-GPV-Behandlung habe großes klinisches Potenzial – ein Ansatzpunkt, den sie derzeit in einem humanisierten Mausmodell näher untersucht. 

„Dieses Forschungsprojekt ist aus translationaler Sicht extrem spannend. Denn je nachdem, wie ich am Thrombozytenrezeptor ansetze und seine Funktion moduliere, kann ich Blutungsrisiken oder Thrombosen reduzieren – im besten Fall sogar beides: Thrombosen verhindern, ohne die Blutstillung zu beeinträchtigen“, schwärmt Sarah Beck. 

Weitere Projekte zur vaskulären Integrität und mit photoschaltbaren Inhibitoren

Im neuen Graduiertenkolleg 3190 „Thrombo-Inflame“ untersucht sie außerdem den Oberflächenrezeptor GPV und seine Beteiligung am Verlust der sogenannten vaskulären Integrität. Dabei geht es um den Prozess, bei dem die Blutgefäße aufgrund von Entzündungsreaktionen durchlässiger werden. 

Zukunftsmusik stimmt sie schließlich mit Kolleginnen und Kollegen der Chemie in ihrem neuen Projekt an, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Hier geht es um sogenannte photoschaltbare Inhibitoren, also Wirkstoffe, deren hemmende Wirkung sich mit Licht ein- und ausschalten lässt. Beck nennt ein Beispiel: „Wenn jemand dauerhaft Antikoagulanzien nehmen muss – das sind Medikamente, die verhindern, dass das Blut zu schnell oder unkontrolliert gerinnt und verklumpt –, hätte diese Person bei einer spontanen Operation ein hohes Blutungsrisiko. Wir versuchen hier einen neuen Ansatz in der Grundlagenforschung auszutesten, um mit Licht, also Photoaktivität, ein- beziehungsweise kurzfristig auszuschalten und somit das Risiko einer Blutung zu reduzieren.“ 

Würzburg bietet beste Voraussetzungen

Ihre Forschung werde nie langweilig. Öffnet sich eine Tür, gehen gleich viele weitere auf. In Würzburg habe sie die besten Voraussetzungen und ein ideales Umfeld. Beck: „Es ist alles da: gute Fragestellungen, eine exzellente Zusammenarbeit mit tollen Kolleginnen und Kollegen mit herausragenden Expertisen, eine weltweit einmalige Ausstattung, eine breite Methodenvielfalt und schlussendlich mit den Grombühlzwergen eine gute und flexible Kinderbetreuung am Uniklinikum.“

Bernhard Nieswandt vertritt hochschwangere Sarah Beck bei der Preisverleihung

Da sie in wenigen Tagen ihr zweites Kind erwartet, konnte Sarah Beck den „Frank Misselwitz Memorial Award for Excellence in Thrombosis Research“ nicht persönlich entgegennehmen. Doch sie hätte sich niemanden Besseres vorstellen können, der sie bei der feierlichen Preisverleihung am 5. Februar 2026 in Leverkusen vertritt: Bernhard Nieswandt, Becks Mentor, Doktorvater sowie wissenschaftliches Vorbild. „Seine Unterstützung, sein Vertrauen und seine intellektuelle Großzügigkeit haben meinen wissenschaftlichen Weg und mein Verständnis davon, was es heißt, Forschung mit Sorgfalt, Integrität und Leidenschaft zu betreiben, maßgeblich geprägt“, sagte die Biomedizinerin in einer Videobotschaft.

Der Frank Misselwitz Memorial Award motiviere sie zusätzlich, ihre Forschung weiterhin mit Hingabe, Neugier und Ehrgeiz fortzusetzen. „Die Auszeichnung ist eine außergewöhnliche Ehre und eine starke Anerkennung dafür, dass meine Forschung nicht nur für mich persönlich, sondern auch bei anderen Resonanz findet“, so Sarah Beck. Forschung ist für sie nicht nur ein wissenschaftliches Unterfangen, sondern auch eine Verantwortung: „Wissen zu schaffen, das das Potenzial hat, die Patientenversorgung und letztlich die Lebensqualität zu verbessern. Durch die Untersuchung grundlegender biologischer Prozesse möchte ich helfen, die Lücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung zu schließen.“

Über den Frank Misselwitz Memorial Award for Excellence in Thrombosis Research

Der Frank Misselwitz Memorial Award for Excellence in Thrombosis Research ist eine einmalig verliehene Auszeichnung zur Würdigung des wissenschaftlichen Vermächtnisses von Dr. Frank Misselwitz, der im Sommer 2025 im Alter von 68 Jahren verstarb. Misselwitz war für seine bedeutenden Beiträge zur Thrombose‑ und Hämostaseforschung bekannt und spielte eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Zulassung von Rivaroxaban (Xarelto). Gemeinsam mit seinen Kolleginnen Dr. Dagmar Kubitza und Dr. Elisabeth Perzborn erhielt er 2009 für diese bahnbrechende Arbeit den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten. Das Team spendete das Preisgeld an die Bayer Foundation, wodurch der Bayer Thrombosis Research Award geschaffen werden konnte. Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung wird alle zwei Jahre für außergewöhnliche frühkarrierebezogene Leistungen in der Grundlagen‑ oder klinischen Thromboseforschung. Auch dieser Preis ging bereits in die Würzburg Platelet Group: Im Februar 2015 wurde Prof. Dr. Markus Bender mit dem Bayer Thrombosis Research Award ausgezeichnet. Der Frank Misselwitz Memorial Award ehrt zwei Nachwuchsforschende, deren Arbeiten den translationalen Anspruch und die Neugier widerspiegeln, die Misselwitz’ Karriere prägten.

Mehr über Dr. Sarah Beck und die Faszination an der Blutplättchen-Forschung erfahren interessierte Leserinnen und Leser im Porträt der UKW-Serie #WomenInScience

Pressemeldung zum GRK 3190 Thrombo-Inflame

Pressemeldung zum Glykoprotein V als Schaltstelle für Blutstillung und Thrombusbildung

Pressemeldung zur siebten internationalen Konferenz des European Platelet Network (EUPLAN), das vom 17. bis 19. September 2025 in Würzburg stattfand mit Informationen zur Würzburg Platelet Group. 

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation UKW

Sarah Beck im Gespräch bei einer Postersession im RVZ
Sarah Beck aus der Experimentellen Biomedizin I des UKW erhielt den „Frank Misselwitz Memorial Award for Excellence in Thrombosis Research. © Kerstin Siegmann / UKW
Die hochschwangere Biomedizinerin Sarah Beck steht im schwarzen engen Kleid an einer Treppe im Foyer des RVZ.
Da Sarah Beck in wenigen Tagen ihr zweites Kind erwartet, konnte sie den „Frank Misselwitz Memorial Award for Excellence in Thrombosis Research“ nicht persönlich entgegennehmen. © Kirstin Linkamp / UKW
Die Forscherinnen und Forscher haben sich auf einer Treppe im Foyer des Rudolf Virchow Zentrums positioniert und blicken freudig in die Kamera.
Erfolgreiche Kooperationen der Experimentellen Biomedizin I und des Rudolf-Virchow-Zentrums. Forscherinnen v.l.n.r.: Dr. Sarah Beck (Experimentelle Hämostaseologie), Dr. Tamara Girbl (Nachwuchsgruppenleiterin RVZ), Prof. Dr. Katrin Heinze (Sprecherin RVZ, Molekulare Mikroskopie). Forscher v.l.n.r.: Dr. Zoltan Nagy (Emmy-Noether-Forschungsgruppe, Megakaryozyten), Prof. Dr. Markus Bender (Kardiovaskuläre Zellbiologie), Prof. Dr. Harald Schulze (Experimentelle Hämostaseologie), Prof. Dr. David Stegner (Vaskuläre Bildgebung), Prof. Dr. Bernhard Nieswandt (Leiter des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin I, Schwerpunkt Vaskuläre Biologie). © Anna Wenzl / UKW

Schnellere Erholung nach Nieren-OP mit Fast-Track

Das Fast-Track-Verfahren wurde am Uniklinikum Würzburg nun erstmals auch bei einer Nierenkrebs-Operation erfolgreich angewendet. Die Patientin profitierte von einer nahezu schmerzfreien Behandlung, einer schnellen Erholung und einem kurzen Krankenhausaufenthalt.

 

Patientin eingerahmt von den Fast-Track Nurses, der Stationspflegekraft sowie dem leitenden Oberarzt.
Nach dem gelungenen Fast-Track-Eingriff: Die Patientin Petra Engelhardt (Mitte), eingerahmt von den Fast-Track Nurses Verena Bolldorf, Cornelia Röth-Mais und der Stationspflegekraft Luzy Rosario sowie PD Dr. Charis Kalogirou, dem leitenden Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des Uniklinikums Würzburg (von links). © Susanne Just / UKW
Fast-Track-Konzept bei Nieren-Operationen wird mittels Ultraschall der sogenannte Quadratus-Lumborum-Block durchgeführt.
Zum Fast-Track-Konzept bei Nierenkrebs-Operationen gehört auch ein innovatives Verfahren zur selektiven Betäubung von Nerven. Mittels Ultraschall führt Anästhesist Dr. Johannes Herrmann zusammen mit der Anästhesietechnischen Assistentin Lara Buggenhagen den sogenannten Quadratus-Lumborum-Block durch. © Maximilian Kippnich / UKW
Mit dem DaVinci-Operationsroboter lassen sich Nierenkrebs-Operationen minimalinvasiv und damit äußerst schonend durchführen
Mit dem DaVinci-Operationsroboter lassen sich Nierenkrebs-Operationen minimalinvasiv und damit äußerst schonend durchführen. © Charis Kalogirou / UKW

Würzburg. Die Fast-Track-Chirurgie ist ein modernes Behandlungskonzept, das darauf abzielt, den Körper nach einer Operation schneller wieder ins Gleichgewicht zu bringen, postoperative Komplikationen zu minimieren und die Selbstständigkeit der Patientinnen und Patienten möglichst zügig wiederherzustellen. Das dazugehörige Maßnahmenbündel umfasst zum Beispiel eine optimierte Ernährung, ein differenziertes, multimodales Schmerzkonzept und eine individuelle Betreuung.

Bewährtes Konzept nun auch bei Nierenoperationen

Am Uniklinikum Würzburg (UKW) wurde das Konzept bislang in der Allgemeinchirurgie und der gynäkologischen Chirurgie umgesetzt. Die Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des UKW wendet Fast-Track bereits seit einem Jahr erfolgreich bei radikalen Harnblasenentfernungen an. Im Januar dieses Jahres wurde das Verfahren nun auch auf Nierenoperationen ausgeweitet. Pilotpatientin war hier Petra Engelhardt. Die 72-Jährige war von einem Tumor an der rechten Niere betroffen. Dieser wurde von Privatdozent Dr. Charis Kalogirou, leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des UKW, und seinem Team am 20. Januar operativ entfernt. Das Organ konnte dabei erhalten werden.

Entlassung schon drei Tage nach der OP

„Bei einem herkömmlichen Vorgehen wäre Frau Engelhardt mindestens sechs Tage stationär bei uns geblieben. Durch die Fast-Track-Chirurgie konnte sie schon nach drei Tagen und in einem sehr guten Gesundheitszustand nach Hause entlassen werden“, berichtet Kalogirou. Zu diesem überaus positiven Ergebnis trug neben dem minimalinvasiven Eingriff mit dem DaVinci-Operationsroboter vor allem ein innovatives Regionalanästhesieverfahren bei: Beim sogenannten Quadratus-Lumborum-Block werden Nerven ultraschallgesteuert gezielt blockiert. Zentraler Partner hierbei ist die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Deren Oberarzt, Privatdozent Dr. Maximilian Kippnich, erläutert: „Diese moderne Betäubungstechnik ermöglicht eine deutlich frühere Mobilisation der Patientinnen und Patienten, einen erheblich geringeren Bedarf an Schmerzmitteln – insbesondere an Opiaten – und trägt maßgeblich zur guten Ergebnisqualität bei." Außerdem konnte auf eine Drainage des Operationsgebiets verzichtet werden.

Optimierte Ernährung und schnelle Mobilisation

Das beschleunigende Verfahren startete allerdings schon deutlich vor der Operation. „Wir haben der Patientin in einem Gespräch erläutert, wie wichtig ihre Mithilfe hierbei ist", berichtet die Pflegekraft Verena Bolldorf aus dem Fast-Track-Team der Urologischen Klinik und fährt fort: „Beispielsweise hatte sie in der Zeit vor dem Eingriff auf eine kohlenhydrat- und eiweißreiche Ernährung plus ausreichend Bewegung mit Spaziergängen sowie Atem- und Beingymnastik zu achten." Nach der Operation wurde eine schnelle Mobilisation angestrebt: Schon am Tag des Eingriffs konnte Petra Engelhardt zwei Stunden lang das Bett verlassen, was in den folgenden drei Tagen schrittweise auf acht Stunden gesteigert wurde. Der Dauerkatheter wurde bereits am Morgen nach der Operation gezogen. Noch am Operationstag selbst gab es für die Patientin feste, proteinreiche Kost, die die Wundheilung unterstützt und dem Muskelabbau entgegenwirkt.
Verena Bolldorf und ihre Kollegin Cornelia Röth-Mais vom Fast-Track-Team begleiteten und unterstützten Petra Engelhardt während ihres gesamten stationären Aufenthalts. „Und auch nach der Entlassung rufen wir die Patientinnen und Patienten innerhalb von 30 Tagen noch zweimal an, um uns nach dem Befinden zu erkundigen und bei Bedarf noch Empfehlungen zu geben", schildert die Fast-Track-Nurse Cornelia Röth-Mais.


Text: Pressestelle / UKW
 

Patientin eingerahmt von den Fast-Track Nurses, der Stationspflegekraft sowie dem leitenden Oberarzt.
Nach dem gelungenen Fast-Track-Eingriff: Die Patientin Petra Engelhardt (Mitte), eingerahmt von den Fast-Track Nurses Verena Bolldorf, Cornelia Röth-Mais und der Stationspflegekraft Luzy Rosario sowie PD Dr. Charis Kalogirou, dem leitenden Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des Uniklinikums Würzburg (von links). © Susanne Just / UKW
Fast-Track-Konzept bei Nieren-Operationen wird mittels Ultraschall der sogenannte Quadratus-Lumborum-Block durchgeführt.
Zum Fast-Track-Konzept bei Nierenkrebs-Operationen gehört auch ein innovatives Verfahren zur selektiven Betäubung von Nerven. Mittels Ultraschall führt Anästhesist Dr. Johannes Herrmann zusammen mit der Anästhesietechnischen Assistentin Lara Buggenhagen den sogenannten Quadratus-Lumborum-Block durch. © Maximilian Kippnich / UKW
Mit dem DaVinci-Operationsroboter lassen sich Nierenkrebs-Operationen minimalinvasiv und damit äußerst schonend durchführen
Mit dem DaVinci-Operationsroboter lassen sich Nierenkrebs-Operationen minimalinvasiv und damit äußerst schonend durchführen. © Charis Kalogirou / UKW

Erstmalig Biomarker für „schlafende Schmerznerven“ identifiziert

Biomarker für die wichtigsten peripheren Neurone beim neuropathischen Schmerz im Fachjournal Cell veröffentlicht

Porträt von Barbara Namer, die einen braunen Blazer trägt, eine Lederkette mit Anhänger, die braunen Haare locker zusammengebunden.
Professorin Barbara Namer vom Uniklinikum Würzburg war maßgeblich an der Entschlüsselung der molekularen Identität von schlafenden Nozizeptoren beteiligt. © Uniklinik RWTH Aachen

Die Entschlüsselung der molekularen Identität von schlafenden Nozizeptoren, an der Professorin Barbara Namer vom Uniklinikum Würzburg maßgeblich beteiligt war, bringt die Entwicklung besserer Therapien gegen chronische Nervenschmerzen einen wichtigen Schritt voran.

Würzburg. Ob heißer Kochtopf, spitze Nadel oder zufallende Tür – sobald wir potenziellen Gefahren zu nahe kommen, schlagen Schmerzrezeptoren, sogenannte Nozizeptoren, in unserem Körper Alarm, um uns zu schützen. Nach ihrer Aktivierung senden die Alarmsensoren elektrische Signale ans Rückenmark und Gehirn, wo der Schmerz wahrgenommen wird. Es gibt schnelle Nozizeptoren für akute, stechende Schmerzen und langsamere für dumpfe, anhaltende Schmerzen. Zu letzteren gehören die sogenannten „schlafenden Nozizeptoren“. 

Diese reagieren in gesundem Gewebe nicht auf physikalische Reize, also weder auf Druck noch auf Nadelstiche. Sie werden jedoch durch chemische Verbindungen wie Toxine aber auch körpereigene Substanzen stark aktiviert, was zu Schmerzen führt. Bei länger anhaltenden krankhaften Zuständen, etwa bei Entzündungen oder Nervenschäden, werden diese ursprünglich schlafenden Schmerzsensoren sensibler. Dann können sie plötzlich auch auf Druck reagieren, was dazu führt, dass solche Reize als deutlich schmerzhafter wahrgenommen werden. Bei Patientinnen und Patienten mit Nervenschmerz können diese Sensoren spontan aktiv werden und dauerhaft Signale abgeben, ohne dass dafür ein offensichtlicher Grund besteht. Diese spontane Aktivität gilt bislang als der einzige objektiv messbare Hinweis darauf, dass periphere Nerven dauerhaft an der Entstehung von Nervenschmerzen beteiligt sind.  Damit sind schlafende Nozizeptoren beim Menschen weder verschlafen noch inaktiv, sondern klinisch relevante wichtige Spieler beim chronischen Schmerz. 

Eine die seit Jahrzehnten an diesen schlafenden Nozizeptoren forscht ist Professorin Dr. med. Barbara Namer aus der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Die Medizinerin leitet am Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) in der klinischen Forschungsgruppe KFO 5001 ResolvePAIN die Arbeitsgruppe „Neuronale Signalwege von Schmerz und Juckreiz beim Menschen“. Außerdem betreut sie noch ein Labor an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen (FAU), wo einst ihre Faszination an den schlafenden Nozizeptoren geweckt wurde. Das dortige Institut für Physiologie und Pathophysiologie mit Prof. Hermann Handwerker und Dr. Martin Schmelz trug in Kooperation mit dem Institut für Neurophysiologie in Uppsala, Schweden, mit Dr. Roland Schmidt und Prof. Erik Torebjörk in den 1990er Jahren maßgeblich zur Entdeckung und Beschreibung der schlafenden Nozizeptoren beim Menschen bei. 

Jeder Zehnte leider an neuropathischen Schmerzen 

Obwohl die funktionellen Eigenschaften dieser Neuronen seit vielen Jahren bekannt sind, blieb ihre molekulare Identität bislang unklar. Damit fehlte eine entscheidende Voraussetzung für das Verständnis von chronischem Schmerz und die Entwicklung gezielter therapeutischer Interventionen. Der Bedarf ist groß. Schließlich leiden etwa zehn Prozent der Bevölkerung an neuropathischen Schmerzen. 

Ein multiprofessionelles Team entschlüsselte nun die molekulare Signatur der schlafenden Nozizeptoren. Die Arbeit demonstriert eindrucksvoll die Stärke intensiver interdisziplinärer und internationaler Kooperation. Der Erfolg der Studie beruht auf der engen Zusammenarbeit hochspezialisierter Zentren mit Expertise in „Patch-seq“, der zellulären Elektrophysiologie mittels Patch-Clamp-Techniken in Kombination mit Einzelzell-RNA-Sequenzierung unter der Führung von Prof. Angelika Lampert, Direktorin des Instituts für Neurophysiologie an der Uniklinik RWTH Aachen, sowie Bioinformatik im kanadischen Toronto unter der Leitung von Dr. Shreejoy Tripathy am Krembil Centre for Neuroinformatics des Centre for Addiction and Mental Health (CAMH) der University of Toronto, und translationaler Kompetenz bei der Übertragung molekularer Erkenntnisse auf den Menschen mithilfe der elektrophysiologischen Technik der Mikroneurographie, die Barbara Namer maßgeblich verantwortete. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Cell veröffentlicht. 

Molekulares Profil mit Rezeptor OSMR, Neuropeptid SST und Ionenkanal Nav1 1.9

Zunächst wurde die molekulare Identität sensorischer Neurone von Schweinen untersucht. Diese Neurone sitzen im sogenannten „Spinalganglion“, das neben der Wirbelsäule liegt. Beim lebenden Menschen kann es nicht entfernt und somit nicht untersucht werden. Und im Gegensatz zu Mäusen besitzen Schweine schlafende Nozizeptoren in der Haut, die denen des Menschen sehr ähnlich sind. Die vergleichend am Menschen (Barbara Namer) und am Schwein (Prof. Martin Schmelz, Uniklinikum Mannheim) gewonnenen Einsichten über die biophysikalischen Eigenschaften schlafender Nozizeptoren wurden in zelluläre Patch-Clamp-Experimente übersetzt. 

Mithilfe dieser Patch-Clamp-Untersuchungen wurde in Aachen die elektrische Aktivität einzelner Neurone in vitro aufgezeichnet und anhand der biophysikalischen Eigenschaften potentielle schlafende Nozizeptoren identifiziert. Die so charakterisierten Zellen wurden nachfolgend mit Einzelzell-Gensequenzierung untersucht. Anschließend wurden die Daten mit umfassenden bioinformatischen Analysen zusammengeführt. 

Die Analysen des internationalen Teams zeigen, dass schlafende Nozizeptoren durch eine spezifische molekulare Signatur definiert sind. Zu dieser Signatur gehören unter anderem der Oncostatin-M-Rezeptor (OSMR) und das Neuropeptid Somatostatin (SST). Die Ergebnisse weisen zudem auf weitere pharmakologische Zielstrukturen hin, darunter der Ionenkanal Nav1.9. Dieser ist in schlafenden Nozizeptoren stark exprimiert und trägt zu deren charakteristischen elektrischen Eigenschaften bei. Durch die gezielte Beeinflussung von Nav1.9 spezifisch in Nozizeptoren könnte es möglich werden, Medikamente zu entwickeln, die die schmerzauslösende Überaktivität dieser Neurone selektiv beruhigen.

Humane Mikroneurographie-Messungen bestätigten bioinformatische Analysen 

Diese molekularen Vorhersagen mussten schließlich am Menschen validiert werden. Barbara Namer, die sich der translationalen Forschung, also der Übertragung von Grundlagenforschung in die klinische Forschung, verschrieben hat, verantwortete die humanen Mikroneurographie-Messungen. Bei dieser technisch anspruchsvollen Methode wird die Aktivität einzelner Nozizeptoren direkt in der menschlichen Haut gemessen. Damit konnte gezeigt werden, dass Oncostatin M schlafende Nozizeptoren in der menschlichen Haut spezifisch moduliert und damit die bioinformatischen Analysen bestätigt werden.

„30 Jahre lang haben wir von Markern für schlafende Nozizeptoren geträumt. Nun konnten wir unseren Traum Wirklichkeit werden lassen und damit den Zugang zu einer ganz neuen Welt eröffnen“, freut sich Barbara Namer, die sich mit Lampert und Tripathy die Letztautorenschaft teilt. Sie nahm das Forschungsgebiet der unterschiedlichen Nozizeptorenklassen des Menschen und insbesondere die Wichtigkeit der schlafenden Nozizeptoren einst mit nach Aachen und freute sich, in der dortigen Forschungsumgebung dazu beizutragen deren molekulare Identität zu entschlüsseln. „Jetzt, da wir die schlafenden Nozizeptoren auf molekularer Ebene kennen, können wir in verschiedenen Geweben gezielt nach diesen Neuronen suchen. Bei Schmerzpatienten können wir genau diese Neuronen untersuchen, die wir für den Schlüssel zum chronischen Schmerz in der Peripherie halten. Dies ist der erste wichtige Schritt um Ansatzpunkte für neue Medikamente finden, die diese schmerzverursachenden Zellen beruhigen“, erläutert sie. Weitere Forschungsprojekte zum Thema „schlafende Nozizeptoren“ sind in Würzburg in Planung. Am UKW gibt es eine starke Expertise zum chronischen Schmerz innerhalb der Forschungsgruppe KFO5001 ResolvePain sowie die Möglichkeit, Neuronen in menschlicher Haut anzufärben. 

Publikation: Jannis Körner*, Derek Howard*, Hans Jürgen Solinski, Marisol Mancilla Moreno, Natja Haag, Andrea Fiebig, Anna Maxion, Shamsuddin A. Bhuiyan, Idil Toklucu, Raya A. Bott, Ishwarya Sankaranarayanan, Diana Tavares-Ferreira, Stephanie Shiers, Nikhil N. Inturi, Esther Eberhardt, Lisa Ernst, Lorenzo Bonaguro, Jonas Schulte-Schrepping, Marc D. Beyer, Thomas Stiehl, William Renthal,Ingo Kurth, Jenny Tigerholm, Jordi Serra, Theodore Price, Martin Schmelz, Barbara Namer*, Shreejoy Tripathy*, and Angelika Lampert*. Molecular architecture of human dermal sleeping nociceptors. Cell (2026), https://doi.org/10.1016/j.cell.2025.12.048

*geteilte Erst- und Letztautorenschaft 

Text: KL / Wissenschaftskommunikation UKW

Porträt von Barbara Namer, die einen braunen Blazer trägt, eine Lederkette mit Anhänger, die braunen Haare locker zusammengebunden.
Professorin Barbara Namer vom Uniklinikum Würzburg war maßgeblich an der Entschlüsselung der molekularen Identität von schlafenden Nozizeptoren beteiligt. © Uniklinik RWTH Aachen