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Vielversprechender GPVI-Inhibitor macht wichtigen Schritt in Richtung klinische Entwicklung

Paradebeispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit am UKW, produktive Interaktion mit Biotech-Startup und innerdeutsche Kollaboration mit führendem Pharmaunternehmen

Porträt von Valerie Orth und Bernhard Nieswandt - beide tragen ein helles Hemd bzw. Bluse und ein dunkles Jacket bzw. Blazer.
Valerie Orth und Bernhard Nieswandt beschrieben im Jahr 2001 erstmals die zentrale Rolle des Rezeptors GPVI, der ausschließlich auf Thrombozyten und ihren Vorläuferzellen im Knochenmark vorkommt. Ein Jahr später gründeten sie mit Susanne Nieswandt und Ralph Ziehfreund das Unternehmen EMFRET Analytics GmbH & Co. KG. © Thomas Berberich / EMFRET Analytics
2 mikroskopische Aufnahmen von Arteriolen einer Maus - mit und ohne EMA601-Behandlung.
Die Mikroskopie ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Thrombusbildung in Arteriolen der Maus. Im linken Bild ist eine humanisierte GP6 (hGP6^tg/tg^) Kontrollmaus zu sehen, bei der ein Thrombus (grün) das Gefäß vollständig verschließt. Demgegenüber bewirken die Thrombozyten in der mit EMA601 behandelten hGP6^tg/tg^-Maus lediglich eine Abdichtung der Gefäßverletzung, ohne eine Gefäßverstopfung zu verursachen. © Experimentelle Biomedizin I

Boehringer Ingelheim und das unterfränkische Biotech-Unternehmen EMFRET Analytics unterzeichnen Kooperations- und Lizenzvertrag für das präklinische Entwicklungsprogramm des GPVI-blockierenden Antikörpers EMA601. Die Universitätsmedizin Würzburg begleitete von Beginn an die Entwicklung des neuartigen Wirkstoffs. EMA601 zielt speziell auf den Oberflächenrezeptor Glykoprotein VI (GPVI) von Thrombozyten ab. Würzburger Studien ergaben, dass EMA601 den GPVI-Signalweg der Thrombozyten äußerst wirksam blockiert und so Thrombosen und thrombo-inflammatorische Krankheitsprozesse verhindert, ohne die lebensnotwendige Blutgerinnung zu beeinträchtigen. Das macht EMA601 für den Einsatz bei akutem Schlaganfall interessant.

Würzburg. Prof. Dr. Bernhard Nieswandt und sein Team blicken stolz auf eine langjährige Entwicklung zurück: Aus einer Entdeckung des Thrombozyten-Forschers vor 25 Jahren ist ein Hoffnungsträger für die Schlaganfallbehandlung geworden. Eine aktuelle Vereinbarung zwischen dem deutschen Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim und dem unterfränkischen Unternehmen EMFRET Analytics GmbH & Co. KG bringt diesen Hoffnungsträger nun einen Schritt näher an eine mögliche therapeutische Anwendung.

Oberflächenrezeptor GPVI spielt zentrale Rolle bei der Entstehung von Thrombosen und Infarkten, wird aber für die normale Blutgerinnung nicht gebraucht

Bernhard Nieswandt und seine damalige Doktorandin Valerie Orth (geb. Schulte) beschrieben im Jahr 2001 an der Universität Witten-Herdecke als Erste die zentrale Rolle des Rezeptors GPVI, der ausschließlich auf Thrombozyten (Blutplättchen) und ihren Vorläuferzellen im Knochenmark vorkommt (https://doi.org/10.1084/jem.193.4.459). GPVI bindet an freiliegendes Kollagen verletzter Gefäßwände und löst so die Aktivierung und Anhäufung der Blutplättchen aus – ein wichtiger Schritt der sogenannten Hämostase, also der Blutstillung. Eine übermäßige Aktivierung von GPVI kann jedoch zur Bildung gefährlicher Thromben (Blutgerinnseln) und damit zu Gefäßverschlüssen führen. In der Studie neutralisierten die Forschenden GPVI im Mausmodell durch einen monoklonalen Antikörper, sodass Thrombozyten nicht mehr effektiv auf Kollagen reagieren konnte. Dies führte zu einem Schutz vor Thrombose, ohne jedoch die normale Hämostase stark zu stören.

Ein Jahr später baute Nieswandt im Rahmen eines Heisenberg-Stipendiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die erste Arbeitsgruppe am neu gegründeten Rudolf-Virchow-Zentrum (RVZ) der Universität Würzburg auf. Zeitgleich gründete er mit Valerie Orth, Susanne Nieswandt und Ralph Ziehfreund in Würzburg das Unternehmen EMFRET Analytics GmbH & Co. KG, das 2002 im Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) Würzburg seine Arbeit aufnahm. Im Jahr 2005 übernahm Valerie Orth die Geschäftsführung (Chief Executive Officer, CEO), Bernhard Nieswandt fokussierte sich fortan auf die wissenschaftliche Leitung der Firma als Chief Scientific Officer (CSO). 2006 verlagerte das Unternehmen seinen Sitz nach Eibelstadt bei Würzburg.

GPVI-Inhibitor-Inhibitor EMA601 im Fokus eines führenden Pharmaunternehmens

„Wir sind ein klassisches Bootstrap-Unternehmen und haben unser Programm ohne externes Kapital aus eigener Kraft aufgebaut“, berichtet Dr. Valerie Orth. „Das heißt, wir haben Antikörper und Reagenzien für die Forschung entwickelt, produziert und weltweit vertrieben.“ Dies schaffte die finanzielle Grundlage für langfristig angelegte Projekte, die darauf abzielen, Antikörper-basierte Wirkstoffe zur therapeutischen Anwendung im Menschen voranzubringen. „Es ist ein riesiger Erfolg, dass der von uns entwickelte Antikörper EMA601 in das strategische Interesse von Boehringer Ingelheim gerückt ist, einem der führenden Hersteller von Schlaganfallmedikamenten weltweit“, freut sich Valerie Orth. 

Studie aus 2007 zeigte bereits im präklinischen Schlaganfallmodell: GPVI-Blockade kann therapeutisch schützen

Im Jahr 2007, ein Jahr bevor Bernhard Nieswandt die Leitung des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin I am Uniklinikum Würzburg (UKW) übernahm, entdeckte er gemeinsam mit Guido Stoll (damaliger Leiter der AG Schlaganfall und Neuroinflammation der Neurologischen Klinik des UKW) und weiteren Forschenden, dass eine GPVI-Blockade im präklinischen Schlaganfallmodell therapeutisch wirksam ist (https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.107.691279). Die Hemmung des Oberflächenrezeptors reduzierte die Infarktgröße im Gehirn deutlich, verbesserte das neurologische Ergebnis, erhöhte aber nicht das Risiko für intrakranielle Blutungen. 

Damit legten die Wissenschaftler den Grundstein für die Entwicklung von GPVI-Inhibitoren. 

EMA601 ist ein hochwirksamer GPVI-Inhibitor

„Unser in Würzburg entwickelter GPVI-Inhibitor EMA601 zeigt bereits in sehr niedrigen Dosen eine deutliche Wirksamkeit“, sagt Bernhard Nieswandt. Ihm zufolge ist EMA601 ein sehr potenter GPVI-Inhibitor und könnte daher klinisch entscheidende Vorteile bieten und breit eingesetzt werden. Das belegte Nieswandt mit seinem Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Emfret und dem UKW im November 2024 durch eine Kombination aus biochemischen Tests, Zellversuchen und Tiermodellen im European Heart Journal (https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae482). Nieswandt: „Wir konnten zum einen zeigen, dass EMA601 den GPVI-Signalweg gezielt hemmt, ohne die Gerinnung lahmzulegen. Zweitens verhinderte die GPVI-Blockade im Mausmodell die Bildung pathologischer Gerinnsel. Und schließlich reduzierte die GPVI-Blockade nicht nur Thrombose, sondern auch entzündungsgetriebene Gewebeschäden nach der Ischämie.“ 

Thrombo-Inflammation: eine treibende Kraft des Infarktwachstums selbst nach erfolgreicher Rekanalisation von Großgefäßverschlüssen

Trotz erheblicher Fortschritte – von der Einführung der intravenösen Lysetherapie 1995 in Europa durch Boehringer Ingelheim, bei der die Blutgerinnsel medikamentös aufgelöst werden, bis zur endovaskulären Thrombenentfernung durch die Interventionelle Neuroradiologie rund 20 Jahre später – bleibt die Schlaganfalltherapie begrenzt: Bei etwa der Hälfte der erfolgreich rekanalisierten Patientinnen und Patienten genügt die Wiederherstellung des Blutflusses allein nicht für ein gutes funktionelles Ergebnis. Das Problem ist die so genannte Thrombo-Inflammation, ein Begriff, der maßgeblich in Würzburg geprägt wurde.

„Wir konnten in tierexperimentellen Studien zeigen, dass bereits mit Beginn des Gefäßverschlusses in den nachgeschalteten minderdurchbluteten Gehirnarealen im Gefäßsystem ein Entzündungsprozess, die Thrombo-Inflammation, in Gang gesetzt wird, die trotz Rekanalisation aktiv bleibt und die Infarkte weiterwachsen lässt“, erklärt Prof. Dr. Guido Stoll. 

„Vor diesem Hintergrund könnte EMA601 eine vielversprechende Zusatztherapie zur Lyse oder Thrombektomie sein, nachdem es in humanisierten GPVI-Mausmodellen das weitere Infarktwachstum nach Rekanalisation hemmen konnte“, kommentiert Guido Stoll.

Ein großer Pluspunkt von EMA601 ist das präklinisch gezeigte geringe Blutungsrisiko: Im Gegensatz zu herkömmlichen antithrombotischen Wirkstoffen scheint EMA601 die normale Blutgerinnung nicht zu beeinträchtigen, was insbesondere für die Anwendung bei akutem Schlaganfall von großer Bedeutung ist, da ansonsten lebensbedrohliche Hirnblutungen entstehen könnten.

Kooperations- und Lizenzvertrag zur präklinischen Entwicklung eines First-in-Class Wirkstoffs 

Die Vorteile haben Boehringer Ingelheim überzeugt. Das Pharmaunternehmen hat mit Emfret einen Kooperations- und Lizenzvertrag unterzeichnet mit dem Ziel, den neuartigen und vielversprechenden Wirkstoff EMA601 zunächst gemeinsam präklinisch weiter zu entwickeln und so die Grundlagen für seine klinische Erprobung zu schaffen. Im Erfolgsfall würde aus dem in Würzburg entwickelten Antikörper ein potentieller „first-in-class“ Wirkstoff hervorgehen, der die anti-thrombotische und anti-entzündliche Therapie revolutionieren könnte. 

„Boehringer Ingelheim prägt seit Jahrzehnten die Akutversorgung bei Schlaganfällen mit“, sagt Søren Tullin, Senior Vice President und Global Head of Cardiometabolic Diseases Research bei Boehringer Ingelheim. „Diese Zusammenarbeit stellt einen wichtigen Schritt zur Erweiterung des Behandlungsspektrums bei Schlaganfällen dar und reflektiert das gemeinsame Bestreben der Partner, weltweit bedeutende Fortschritte für Patientinnen und Patienten zu erzielen.“

Der Schlaganfall ist nach wie vor eine der häufigsten Ursachen für Tod und Behinderung: Jährlich gibt es rund 11,9 Millionen neue Fälle, und 93,8 Millionen Menschen leben mit langfristigen Folgen. Aufgrund der alternden und wachsenden Bevölkerung wird die globale Belastung durch Schlaganfälle weiter zunehmen. 

„Die Zahlen unterstreichen den Bedarf an neuen therapeutischen Ansätzen, die die Behandlungsergebnisse in der Akutversorgung weiter verbessern. Umso mehr freue ich mich über diese innerdeutsche Kooperation, welche die exzellente Grundlagenforschung zu thrombo-inflammatorischen Mechanismen an der Universitätsmedizin Würzburg, die Innovationskraft eines regionalen Biotech-Start-ups und die umfassende Expertise von Boehringer Ingelheim in der klinischen Entwicklung und Translation vereint“, sagt Prof. Dr. Matthias Frosch. Der Dekan der Medizinischen Fakultät Würzburg gratuliert allen Beteiligten zu diesem wichtigen Schritt in der Entwicklungsgeschichte von EMA601.

Boehringer Ingelheim

Boehringer Ingelheim ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das in den Bereichen Humanpharma und Tiergesundheit tätig ist. Als einer der größten Investoren in Forschung und Entwicklung konzentriert sich das Unternehmen auf die Entwicklung innovativer Therapien in Bereichen mit hohem ungedecktem medizinischem Bedarf. Durch die Unabhängigkeit seit seiner Gründung im Jahr 1885 nimmt Boehringer eine langfristige Perspektive ein und verankert Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Unsere rund 54.300 Mitarbeitende bedienen über 130 Märkte für eine gesündere, nachhaltigere und gleichberechtigtere Zukunft. Erfahren Sie mehr unter www.boehringer-ingelheim.de

Emfret Analytics

Die Emfret Analytics GmbH & Co. KG ist ein privat geführtes deutsches Biotech-Unternehmen, das sich der Entwicklung von Antikörpern gegen Thrombozytenrezeptoren für Forschungs-, Diagnostik-- und Therapiezwecke widmet. Das 2002 gegründete Unternehmen pflegt eine enge und langjährige Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Würzburg, einem international führenden Zentrum für Grundlagen- und translationale Thrombozytenforschung. Diese Partnerschaft bildet die wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung neuartiger Forschungswerkzeuge und die für die Überführung neuer Erkenntnisse zur Thrombozytenbiologie in innovative therapeutische Strategien. Emfret fokussiert sich auf Krankheitsbereiche, die bislang nur unzureichend behandelbar sind, darunter Schlaganfall, akutes Lungenversagen und ausgewählte Autoimmunerkrankungen. Die strategische Partnerschaft mit Boehringer Ingelheim bezüglich des ersten klinischen Entwicklungskandidaten des Unternehmens unterstreicht das Potenzial einer neuartigen Klasse von antikörperbasierten Therapeutika, die darauf ausgelegt sind, die pathogene Thrombozytenaktivität präzise zu modulieren und gleichzeitig die essentielle hämostatische Funktion zu erhalten. Erfahren Sie mehr unter https://www.emfret.com

 

Zitierte Studien: 

Bernhard Nieswandt, Valerie Schulte, Wolfgang Bergmeier, Rabée Mokhtari-Nejad, Kirsten Rackebrandt, Jean-Pierre Cazenave, Philippe Ohlmann, Christian Gachet, Hubert Zirngibl.Long-Term Antithrombotic Protection by in Vivo Depletion of Platelet Glycoprotein VI in Mice.J Exp Med (2001) 193 (4): 459–470. https://doi.org/10.1084/jem.193.4.459

Christoph Kleinschnitz, Miroslava Pozgajova, Mirko Pham, Martin Bendszus, Bernhard Nieswandt, and Guido Stoll. Targeting Platelets in Acute Experimental Stroke: Impact of Glycoprotein Ib, VI, and IIb/IIIa Blockade on Infarct Size, Functional Outcome, and Intracranial Bleeding. Circulation. Volume 115, Number 17. 2007. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.107.691279

Stefano Navarro, Ivan Talucci, Vanessa Göb, Stefanie Hartmann, Sarah Beck, Valerie Orth, Guido Stoll, Hans M Maric, David Stegner, Bernhard Nieswandt. The humanized platelet glycoprotein VI Fab inhibitor EMA601 protects from arterial thrombosis and ischaemic stroke in mice, European Heart Journal, Volume 45, Issue 43, 14 November 2024, Pages 4582–4597, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae482
 

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation 

Porträt von Valerie Orth und Bernhard Nieswandt - beide tragen ein helles Hemd bzw. Bluse und ein dunkles Jacket bzw. Blazer.
Valerie Orth und Bernhard Nieswandt beschrieben im Jahr 2001 erstmals die zentrale Rolle des Rezeptors GPVI, der ausschließlich auf Thrombozyten und ihren Vorläuferzellen im Knochenmark vorkommt. Ein Jahr später gründeten sie mit Susanne Nieswandt und Ralph Ziehfreund das Unternehmen EMFRET Analytics GmbH & Co. KG. © Thomas Berberich / EMFRET Analytics
2 mikroskopische Aufnahmen von Arteriolen einer Maus - mit und ohne EMA601-Behandlung.
Die Mikroskopie ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Thrombusbildung in Arteriolen der Maus. Im linken Bild ist eine humanisierte GP6 (hGP6^tg/tg^) Kontrollmaus zu sehen, bei der ein Thrombus (grün) das Gefäß vollständig verschließt. Demgegenüber bewirken die Thrombozyten in der mit EMA601 behandelten hGP6^tg/tg^-Maus lediglich eine Abdichtung der Gefäßverletzung, ohne eine Gefäßverstopfung zu verursachen. © Experimentelle Biomedizin I

Doppelte Auszeichnung für Würzburger Endokrinologie

DGE ehrt Hanna Remde und Mario Detomas vom UKW für wegweisende Forschung zu Nebennierentumoren und Hypophysenerkrankungen

Preisträgerin mit Urkunde auf der Bühne, links steht Martin Fassnacht, rechts von ihr Jan P. Tuckermann mit Krücken.
Preisträgerin Dr. Hanna Remde mit dem amtierenden Präsidenten der DGE, Prof. Jan P. Tuckermann (rechts), und dem designierten Präsidenten der DGE, Prof. Martin Fassnacht. © M. Then, Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Preisträger Dr. Mario Detomas mit Urkunde auf der Bühne, rechts steht  Prof. Jan P. Tuckermann auf Krücken, links von ihm Prof. Martin Fassnacht.
Preisträger Dr. Mario Detomas mit dem amtierenden Präsidenten der DGE, Prof. Jan P. Tuckermann (rechts), und dem designierten Präsidenten der DGE, Prof. Martin Fassnacht. © M. Then, Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)

Im Rahmen des 69. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, der vom 11. bis zum 13. März 2026 in Weimar stattfand, wurden zwei Clinician Scientists des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) ausgezeichnet. Dr. Hanna Remde erhielt den Anke Mey-Preis für ihre Forschung zu malignen Nebennieren-Erkrankungen. Dr. Mario Detomas wurde für seine herausragende wissenschaftliche Arbeit zur Herzbeteiligung bei der seltenen hormonellen Erkrankung Akromegalie mit dem Ernst und Berta Scharrer-Preis gewürdigt. Beide Preise sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert. 

Würzburg. Exzellente Forschung beginnt oft mit Neugier, Engagement und innovativen Ideen. Wissenschaftspreise können diese Entwicklungen fördern und sind gerade für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler eine wichtige Anerkennung ihrer Leistung und zugleich eine große Motivation. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) würdigt das Potenzial junger Forscherinnen und Forscher und zeichnete auch dieses Jahr auf ihrem 69. Kongress für Endokrinologie, der vom 11. bis 13. März in Weimar stattfand, erneut herausragende Arbeiten aus. Zwei Preise gingen an junge Forschende vom Würzburger Lehrstuhl für Endokrinologie und Diabetologie. Dr. Hanna Remde erhielt den Anke Mey-Preis für ihre retrospektive, multizentrische, europäische Kohortenstudie zum metastasierten Phäochromozytom und Paragangliom. Dr. Mario Detomas erhielt für seine Forschung zu Veränderungen des Herzens und seiner Funktion in einem Mausmodell der Akromegalie den Ernst und Berta Scharrer-Preis

Anke Mey-Preis der DGE für maligne Nebennieren-Erkrankungen

Da Anke Mey selbst von einer malignen Nebennierenerkrankung genesen ist, liegt ihr die Unterstützung der Forschung auf diesem Gebiet besonders am Herzen. Mit dem Stiftungspreis sollen die zugrunde liegenden Pathomechanismen erforscht und neue therapeutische Ansätze entwickelt werden, um die Behandlungsmöglichkeiten für betroffene Patientinnen und Patienten zu verbessern. Zu diesen seltenen Erkrankungen zählen auch metastasierte Phäochromozytome und Paragangliome (mPPGL). Für diese besonders seltene Tumorform sind in Europa bislang noch keine zugelassenen Therapien verfügbar.

Hanna Remde, Fachärztin für Innere Medizin in der von Prof. Dr. Martin Fassnacht geleiteten Endokrinologie am Uniklinikum Würzburg (UKW), hat mit ihrem Team eine der größten Therapiestudien beim mPPGL überhaupt auf die Beine gestellt. Im Fokus stand Temozolomid, ein als Tablettenform verabreichtes Chemotherapeutikum.  „Zwei kleine Studien deuteten auf eine Wirksamkeit bei mPPGL hin, zeigten jedoch widersprüchliche Ergebnisse im Hinblick auf das Therapieansprechen bei Patientinnen und Patienten mit und ohne SDHx-Varianten“, berichtet Hanna Remde. SDHx steht für mehrere Gene, die für die Bestandteile der Succinatdehydrogenase kodieren. Dabei handelt es sich um einen Enzymkomplex in den Mitochondrien, der eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel spielt. Viele mPPGL sind mit genetischen Veränderungen assoziiert, die die Krankheitsentwicklung fördern. Am häufigsten sind hierbei Varianten in den SDHx Genen. 

Temozolomid bei metastasiertem Phäochromozytom und Paragangliom und die Relevanz von SDHx Varianten - Ergebnisse einer retrospektiven multizentrischen europäischen Kohortenstudie

„Ziel unserer Arbeit war es, die Sicherheit und Wirksamkeit von Temozolomid bei mPPGL zu überprüfen und den Einfluss von SDHx-Varianten auf das Therapieansprechen zu untersuchen“, erklärt Hanna Remde. Mithilfe des Europäischen Netzwerks für die Untersuchung von Nebennierentumoren (ENS@T) konnte sie retrospektiv 71 mit Temozolomid behandelte Patientinnen und Patienten mit mPPGL aus 15 europäischen Referenzzentren zusammentragen. Bei 28 Prozent von ihnen zeigte sich ein objektives Therapieansprechen, das heißt, die Tumorläsionen gingen teilweise oder ganz zurück. Bei 72 Prozent wurde eine Therapiekontrolle verzeichnet, das heißt, die Erkrankung blieb mindestens stabil. Ein Therapieansprechen war unabhängig vom SDHx-Status möglich, wenngleich Patientinnen und Patienten mit SDHx-Varianten häufiger ansprachen. „Temozolomid ist demnach eine Therapieoption, die sich mit anderen häufig eingesetzten Medikamenten messen kann“, resümiert Hanna Remde. 

Ernst und Berta Scharrer-Preis der DGE für neuroendokrinologische Forschung

Die Entdeckung, dass auch Nervenzellen bestimmte Substanzen absondern können, die den Hormonen endokriner Drüsenzellen ähneln, geht auf Berta Scharrer (1906-1995) zurück. Sie war eine Pionierin der neuroendokrinologischen Forschung. Ihre Arbeiten legten den Grundstein für das Verständnis der neuroendokrinen Signalübertragung.  Die Wechselwirkungen zwischen Nervensystem und Hormonsystem spielten auch im Forschungsprojekt von Dr. Mario Detomas eine Rolle. Während seiner Weiterbildung in der Endokrinologie am UKW forschte er an der Queen Mary University of London (QMUL) in der Arbeitsgruppe von Prof. Marta Korbonits zur Hypothalamus-Hypophysen-Achse bei Akromegalie und zu genetischen Mechanismen so genannter pituitärer Erkrankungen, also Krankheiten der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). 

Kardiales Remodeling und Herzfunktion in einem AIP-Knockout-Mausmodell der Akromegalie: Einfluss von Somatostatin-Analoga der ersten und zweiten Generation

Akromegalie ist eine seltene Krankheit, bei der der Körper zu viel Wachstumshormon produziert. In einem Teil der Fälle, insbesondere bei genetisch bedingten Formen, spielt das AIP-Gen (Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor-Interaktionsprotein) eine wichtige Rolle. Das AIP-Protein beeinflusst verschiedene Signalwege in den Zellen der Hypophyse und hilft dabei, das Wachstum der Hypophysenzellen, die Hormone produzieren, zu kontrollieren. Es wirkt also wie eine Bremse für das Wachstum dieser Zellen. Fehlt diese Bremse, kann dies zu Hypophysentumoren und einer vermehrten Hormonproduktion führen – eine Ursache für Akromegalie. Diese kann wiederum langfristig zu Veränderungen an verschiedenen Organen, besonders am Herzen, führen.   

„In unserer Arbeit haben wir ein genetisch definiertes Mausmodell mit hypophysenspezifischem Verlust des AIP-Gens untersucht. Dieses Modell bildet die für Akromegalie typischen Hypophysentumoren und die daraus resultierende kardiovaskuläre Beteiligung in einer dem Menschen ähnlichen Weise nach.“, erläutert Mario Detomas. Die Tiere entwickelten die für Akromegalie typischen Herzprobleme, darunter eine Verdickung des Herzmuskels und Vernarbungen. Diese Veränderungen konnten durch zwei Medikamente aus der Akromegalie-Therapie, sogenannte Somatostatin-Analoga, abgemildert werden.  Besonders interessant war laut Detomas der direkte Vergleich der Somatostatin-Analoga: „Obwohl Pasireotid den Hormonüberschuss stärker beeinflusste, zeigte Octreotid mindestens vergleichbare, teilweise sogar günstigere Effekte auf das Herzgewebe.“ „Das spricht dafür, dass der Schutz für das Herz nicht allein durch die Senkung der Hormonwerte (GH und IGF-1) wirkt, sondern möglicherweise auch direkt am Herzgewebe.“ 

Die Ergebnisse tragen insgesamt dazu bei, die Herzbeteiligung bei Akromegalie besser zu verstehen und langfristig Behandlungsmethoden zu entwickeln, die sowohl die Hormone als auch das Herz gezielt schützen. Als nächsten Schritt möchte das Team die Effekte der Somatostatin-Analoga auf translationaler Ebene genauer untersuchen und gezielt prüfen, inwieweit sich diese Befunde auf den Menschen übertragen lassen.

Förderungen 

Beide Forschenden wurden durch das Clinician-Scientist-Programm RISE der Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) sowie durch die Eva Luise und Horst Köhler Stiftung (ELHKS) gefördert. Mario Detomas erhielt zusätzliche Förderungen durch den Rolf Gaillard FEEL-UEMS Award 2024 sowie den EYES-ROP Award der European Young Endocrinologists and Scientists (EYES). Hanna Remdes Forschung wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Sonderforschungsbereichs SFB TRR 205: Die Nebenniere: Zentrales Relais in Gesundheit und Krankheit (Förderkennzeichen 314061271-TRR/CRC 205-1/2) unterstützt. 

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation

Preisträgerin mit Urkunde auf der Bühne, links steht Martin Fassnacht, rechts von ihr Jan P. Tuckermann mit Krücken.
Preisträgerin Dr. Hanna Remde mit dem amtierenden Präsidenten der DGE, Prof. Jan P. Tuckermann (rechts), und dem designierten Präsidenten der DGE, Prof. Martin Fassnacht. © M. Then, Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Preisträger Dr. Mario Detomas mit Urkunde auf der Bühne, rechts steht  Prof. Jan P. Tuckermann auf Krücken, links von ihm Prof. Martin Fassnacht.
Preisträger Dr. Mario Detomas mit dem amtierenden Präsidenten der DGE, Prof. Jan P. Tuckermann (rechts), und dem designierten Präsidenten der DGE, Prof. Martin Fassnacht. © M. Then, Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)

Erholung auf der Überholspur: Patient nach minimalinvasiver Entfernung der Harnblase bereits nach sieben Tagen wieder zuhause

Ein Interview mit Prof. Dr. Hubert Kübler und Privatdozent Dr. Charis Kalogirou vom UKW zu Blasenkrebs, minimalinvasive, robotergestützte Entfernung der Harnblase und Fast-Track-Behandlungskonzept

Patient steht zwischen seinen Ärzten in der Magistrale des Zentrums für Operative Medizin.
Der Patient kann heute nach sieben Tagen entlassen werden. V.l. Privatdozent Dr. Charis Kalogirou, Patient, Prof. Dr. Hubert Kübler. © Kim Sammet, UKW
Blick in den OP auf das OP-Team, das sich um den OP-Tisch reiht.
In der ‚Schlüssellochchirurgie‘ sind nur kleine Zugänge zur Bauchhöhle erforderlich, sodass Roboterarme präzise Bewegungen auf engstem Raum ermöglichen. © Kim Sammet, UKW

Würzburg. Ein urologisches Behandlungsteam des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) hat erstmals die Entfernung der Harnblase, eine der komplexesten urologischen Operationen, robotergestützt und minimalinvasiv durchgeführt. In Kombination mit dem Fast-Track-Behandlungskonzept konnte der 72-jährige Patient bereits nach sieben Tagen in sehr gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden.

Prof. Dr. Hubert Kübler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des UKW und Privatdozent Dr. Charis Kalogirou, Leitender Oberarzt der Klinik, erläutern im Gespräch den Eingriff und die Besonderheiten der Behandlung.

Was ist Blasenkrebs und wie lief die Behandlung des Patienten ab?

Prof. Kübler: Blasenkrebs ist eine häufige Tumorerkrankung. Wird er früh erkannt, ist er in vielen Fällen gut behandelbar. Für die Therapie ist entscheidend, wie tief der Tumor in die Blasenwand eingewachsen ist und wie aggressiv er sich verhält. Dringt der Tumor bereits in die Muskelschicht ein oder breitet sich darüber hinaus aus, ist meist eine radikale Entfernung der Harnblase, eine sogenannte Zystektomie, notwendig. Dieser Eingriff zählt zu den umfangreichsten Operationen in der Urologie und kann mit relevanten Risiken wie Blutungen, Infektionen bis hin zu den Nieren und Wundheilungsstörungen verbunden sein. Zudem muss die Funktion der Harnblase als Urinspeicher- und Ausscheidungsorgan ersetzt werden.

PD Kalogirou: Unser Patient wurde am 20. März von unserem Team minimalinvasiv per Bauchspiegelung operiert. Dieses Verfahren wird häufig als ‚Schlüssellochchirurgie‘ bezeichnet, da nur kleine Zugänge zur Bauchhöhle erforderlich sind. Dabei steuere ich Roboterarme, die besonders präzise Bewegungen auch auf engstem Raum ermöglichen. In der rund fünfstündigen Operation entfernten wir seine Harnblase, Prostata und die Lymphknoten im kleinen Becken. Anschließend legten wir einen künstlichen Ausgang zur Urinableitung an. Dazu nutzten wir ein kleines Stück Dünndarm als Zwischenstück, um die Harnleiter mit der Bauchdecke zu verbinden. Der Urin fließt dann kontinuierlich in einen außen angebrachten Beutel ab. 

Nach dem Eingriff verbrachte der Patient zwei Tage auf der Überwachungsstation und konnte dann zügig auf die Allgemeinstation verlegt werden. Heute, am 27. März, wurde er in einem sehr guten Gesundheitszustand entlassen.

Prof. Kübler: Das endgültige pathologische Ergebnis zeigte, dass der Krebs auf die Harnblase beschränkt war und die Lymphknoten darüber hinaus nicht befallen waren – Folgetherapien wie beispielsweise eine Chemo- oder Immuntherapien können dem Patienten hierdurch erspart bleiben. Natürlich entbindet dies nicht von der regelmäßigen Nachsorge bei der behandelnden Urologin oder dem behandelnden Urologen. 

Wie lief die operative Entfernung der Harnblase bisher ab?

Prof. Kübler: Die Entfernung der Harnblase wurde bislang am UKW und vielerorts weiterhin offen, also über einen Bauchschnitt, durchgeführt. Diese Methode ist überaus bewährt, bedeutet für die Patientinnen und Patienten jedoch eine größere körperliche Belastung und einen stationären Aufenthalt von meist zwei bis drei Wochen, oft mit mehreren Tagen auf einer Überwachungsstation.

Welche Rolle spielt das Fast-Track-Konzept?

PD Kalogirou: Neben dem schonenden OP-Verfahren war das Fast-Track-Behandlungskonzept ein entscheidender Faktor für die schnelle Erholung. Dieser evidenzbasierte Ansatz zielt darauf ab, den Körper nach einer Operation schneller wieder ins Gleichgewicht zu bringen, postoperative Komplikationen zu minimieren und die Selbstständigkeit der Patientinnen und Patienten möglichst zügig wiederherzustellen. Beim Fast-Track-Konzept geht es nicht darum, schneller zu operieren oder Patientinnen und Patienten ‚durchzuschleusen‘., wie der Name vielleicht vermuten lässt. Vielmehr soll durch die Kombination mehrerer Einzelmaßnahmen und Expertisen erreicht werden, dass die Menschen nach einer Operation schneller wieder selbstständig werden und in ihr bisheriges Leben zurückkehren können.

Bestandteil des Fast-Track-Konzepts bei Blasenkrebs ist beispielsweise, die Magensonde innerhalb von 24 Stunden nach der Operation zu entfernen und auf eine künstliche Ernährung zu verzichten. Eine personalisierte Schmerz- und Physiotherapie soll ermöglichen, sich so früh wie möglich nach dem Eingriff wieder selbstständig bewegen zu können.

Prof. Kübler: Zur Umsetzung von Fast Track wurden in unserer Urologie zwei Fast-Track-Nurses ausgebildet. Sie bereiten die Patientinnen und Patienten bereits vor dem Eingriff intensiv vor, vermitteln Atemübungen, Bewegungsabläufe und Ernährungsempfehlungen und stehen ihnen auch nach der Entlassung zur Seite. Innerhalb von 30 Tagen nach dem Krankenhausaufenthalt erfolgen zudem telefonische Rückrufe, um sich nach dem Befinden zu erkundigen und weitere Ratschläge zu geben. Das Fast-Track-Team arbeitet auch eng mit Fachbereichen wie Physiotherapie, Schmerztherapie, Ernährungsberatung und Sozialdienst zusammen.

Was ist perspektivisch bei der Behandlung von Blasenkrebs am UKW geplant?

Prof. Kübler: Perspektivisch planen wir, auch die Anlage einer sogenannten Ersatzblase aus Darm anzubieten. Diese wird direkt an die Harnröhre angeschlossen und ermöglicht es Betroffenen, wieder auf natürlichem Weg Wasser zu lassen.

Details: Weitere Informationen zu den Schwerpunkten der Urologie des UKW sowie die stationären und ambulanten Behandlungsangebote sind auf der Website der Klinik zu finden. Am UKW wird das Fast-Track-Konzept bislang in der Allgemeinchirurgie, der gynäkologischen Chirurgie und der Urologie angewandt.

Text: Annika Wolf/ UKW

Patient steht zwischen seinen Ärzten in der Magistrale des Zentrums für Operative Medizin.
Der Patient kann heute nach sieben Tagen entlassen werden. V.l. Privatdozent Dr. Charis Kalogirou, Patient, Prof. Dr. Hubert Kübler. © Kim Sammet, UKW
Blick in den OP auf das OP-Team, das sich um den OP-Tisch reiht.
In der ‚Schlüssellochchirurgie‘ sind nur kleine Zugänge zur Bauchhöhle erforderlich, sodass Roboterarme präzise Bewegungen auf engstem Raum ermöglichen. © Kim Sammet, UKW

Erneutes Gütesiegel für Kinderklinik und Kinderchirurgie

Die Kinderklinik und die Kinderchirurgie des Uniklinikums Würzburg erhielten kürzlich zum siebten Mal in Folge das Gütesiegel „Ausgezeichnet. Für Kinder“. Das in zweijährigem Rhythmus vergebene Zertifikat bescheinigt hohe Qualitätsstandards bei der stationären Versorgung von Kindern und Jugendlichen.

 

Prof. Dr. Thomas Meyer und Prof. Dr. Christoph Härtel freuen sich über das erneut verliehene Gütesiegel „Ausgezeichnet. Für Kinder“.
Prof. Dr. Thomas Meyer (links) und Prof. Dr. Christoph Härtel freuen sich über das erneut verliehene Gütesiegel „Ausgezeichnet. Für Kinder“. © Ricarda Gertner / UKW
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Würzburg. Die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland e.V., die Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus und die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. vergeben zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie in zweijährigem Rhythmus das Gütesiegel „Ausgezeichnet. Für Kinder“. Ende Februar dieses Jahres wurden die Zertifikate für die Periode 2026/2027 überreicht. Wie schon in den letzten sieben Gültigkeitsperioden sind die von Prof. Dr. Christoph Härtel geführte Kinderklinik und die von Prof. Dr. Thomas Meyer geleitete Abteilung für Kinderchirurgie der Chirurgischen Universitätsklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) wieder unter den damit geehrten Einrichtungen.
Die Bewertungskommission bestätigte erneut, dass die beiden Einrichtungen ausnahmslos alle Standards für die multiprofessionelle und interdisziplinäre Versorgung erfüllen. Dazu gehören nicht nur eine kontinuierliche fachärztliche Besetzung und ein speziell qualifiziertes Pflegeteam, sondern auch psychologische, sozialmedizinische, pädagogische und medizinisch-therapeutische Angebote. 

Ein Fokus der aktuellen Bewertungsrunde lag zudem auf der Stärkung der Kinderkrankenpflege. Einrichtungen, wie die Kinderklinik und die Abteilung für Kinderchirurgie des UKW, die aktiv Kinderkrankenpflegeausbildung betreiben und fördern, werden auf der Internetseite www.ausgezeichnet-fuer-kinder.de durch einen blauen Stern hervorgehoben.

Gütesiegel als Orientierungshilfe für Eltern

Nach Angaben der Fachgesellschaften wünschen sich Eltern und Angehörige die bestmögliche stationäre Versorgung ihres kranken Kindes. Dabei sei das Gütesiegel eine hervorragende Orientierungshilfe bei der Suche nach einer Qualitäts-Kinderklinik.

Das leisten Kinderklinik und Kinderchirurgie am UKW

Die Würzburger Universitäts-Kinderklinik ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung mit dem gesamten Leistungsspektrum der Kinderheilkunde. Zu den Schwerpunkten zählen unter anderem Früh- und Neugeborenenmedizin (Level 1), Pädiatrische Intensivmedizin, Onkologie inklusive Stammzelltransplantation, Hämatologie, Pneumologie, Entzündungsmedizin einschließlich Immunologie, Infektiologie und Rheumatologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, Neuro- und Sozialpädiatrie sowie weitere Spezialdisziplinen.

Die Kinderchirurgie am Zentrum für Operative Medizin (ZOM) des UKW bietet eine vollumfängliche kinderchirurgische Versorgung von der ersten Lebensminute bis zum vollendeten 16. Lebensjahr an. Schwerpunkte der Kinderchirurgie sind – neben der allgemeinen kinderchirurgischen Versorgung – die Neugeborenen- und Fehlbildungschirurgie, die Kinderurologie sowie die Kindertraumatologie.

Text: Pressestelle / UKW

 

Prof. Dr. Thomas Meyer und Prof. Dr. Christoph Härtel freuen sich über das erneut verliehene Gütesiegel „Ausgezeichnet. Für Kinder“.
Prof. Dr. Thomas Meyer (links) und Prof. Dr. Christoph Härtel freuen sich über das erneut verliehene Gütesiegel „Ausgezeichnet. Für Kinder“. © Ricarda Gertner / UKW
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COVID-19: Asthma-Therapie schwächt Impfantwort nicht

Vergleichbare Immunantwort bei Asthma-Patienten mit und ohne Antikörpertherapie

Die beiden Forschenden sitzen in weißen Kitteln im Labor vor einem Rechner und schauen in die Kamera.
Anna Broderdörp, Doktorandin in der AG Prelog, und der Laborleiter, Privatdozent Dr. Giovanni Almanzar, teilen sich die Erstautorenschaft der im Journal of Asthma and Allergy publizierten Studie. © Martina Prelog / UKW
Die drei Forschenden sind im Labor, zwei sitzen, Martina Prelog steht, alle blicken in die Kamera, im Hintergrund ist ein Monitor, der die aktuelle Studie zeigt.
Doktorandin Anna Broderdörp (links), Prof. Dr. Martina Prelog und Privatdozent Dr. Giovanni Almanzar von der Laborarbeitsgruppe „Pädiatrische Rheumatologie/Spezielle Immunologie” konnten zeigen, dass Asthma-Patientinnen und -Patienten auch unter einer Behandlung mit monoklonalen Antikörpern eine starke Immunantwort gegen SARS-CoV-2 entwickeln. © Gaby Haase / UKW

Eine neue Studie aus Würzburg in Kooperation mit Heidelberg zeigt, dass der Impfschutz trotz gezielter Eingriffe ins Immunsystem erhalten bleibt. Die Arbeitsgruppe um Martina Prelog konnte nachweisen, dass Asthma-Patientinnen und -Patienten auch unter einer Behandlung mit monoklonalen Antikörpern, sogenannten Biologika, eine starke Immunantwort gegen SARS-CoV-2 entwickeln.

Würzburg. Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Rund 300 Millionen Menschen sind betroffen, in Deutschland sind es etwa acht Millionen. Insbesondere Patientinnen und Patienten mit schwerem Asthma profitieren von modernen Therapien mit monoklonalen Antikörpern. Ähnlich wie natürliche Antikörper des Immunsystems können die im Labor hergestellten Eiweißstoffe, auch Biologika genannt, ganz gezielt bestimmte Strukturen im Körper erkennen und binden. Sie blockieren beispielsweise bestimmte Botenstoffe des Immunsystems wie die Zytokine IL-5, IL-4/IL-13 oder den Antikörper IgE, die bei allergischen oder entzündlichen Reaktionen eine zentrale Rolle spielen. Durch die Blockade dieser Botenstoffe werden schwere Asthmaanfälle reduziert, die Lungenfunktion stabilisiert und die Lebensqualität verbessert. 

Beeinträchtigt eine Biologika-Behandlung die Immunantwort auf mRNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV-2? 

Es wurde jedoch vermutet, dass diese Therapien die Abwehr gegen Virusinfektionen – wie SARS-CoV-2 – schwächen könnten, eben weil sie wichtige Immunreaktionen beeinflussen. Beeinträchtigt also eine Biologika-Behandlung die Immunantwort auf mRNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 oder auf frühere Infektionen mit diesem Virus? Dieser Frage ging die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Martina Prelog am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), in Kooperation mit Prof. Dr. Frederik Trinkmann, Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, nach.

Um die Immunantwort nach einer COVID-19-Impfung bei Asthmapatientinnen und -patienten, die eine Antikörpertherapie erhalten, mit der Immunantwort bei Asthmapatientinnen und -patienten, die eine konventionelle Behandlung erhalten, zu vergleichen, untersuchten sie die Antikörper in Blut und Nasenschleimhaut auf Quantität und Qualität sowie die Aktivität von T-Zellen und B-Zellen. Die Ergebnisse ihrer Fallserie wurden im Journal of Asthma and Allergy veröffentlicht. 

Unveränderte Immunogenität von COVID-19-Impfstoffen bei Asthma unter Therapie mit monoklonalen Antikörpern

„Alle Patientengruppen – mit oder ohne monoklonale Antikörper – waren in der Lage, eine starke Immunantwort zu entwickeln.“ Dies ist laut Privatdozent Dr. Giovanni Almanzar, Erstautor und Laborprojektleiter am UKW, die wichtigste Erkenntnis. „Alle Patientinnen und Patienten hatten eine vergleichbare Menge an IgA-Antikörpern im Blut.“ Antikörper des Typs Immunglobulin A (IgA) sind sogenannte dimere Antikörper, das heißt „Doppel-Antikörper“, die aus zwei verbundenen Einheiten bestehen. Dadurch können sie effizienter binden und schützen. Sie sind auch besonders wichtig für die Schleimhautabwehr. Die Impfung hat also bei allen eine entsprechende Immunantwort ausgelöst, bei der IgA-Antikörper gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 gebildet wurden. „Auch die Stärke der Abwehr war insgesamt vergleichbar gut“, so Almanzar.

Unter Anti-IL-5 zeigte sich sogar eine starke Schleimhaut- und Zellantwort

An den Nasenschleimhäuten – der Eintrittspforte für Erreger und daher besonders wichtig für die erste Abwehr – wiesen Patientinnen und Patienten, die eine Anti-IL-5-Therapie erhielten, sogar mehr IgA-Antikörper auf. 

Die Immunzellen reagieren ebenfalls auf das Virus. „Die T-Helferzell-Antwort war bei allen Patientinnen und Patienten vergleichbar gut“, berichtet Anna Broderdörp, Doktorandin in der AG Prelog und weitere Erstautorin der Studie. Auch hier scheint die Anti-IL-5-Therapie keinen Nachteil zu haben, im Gegenteil: „Unter der Anti-IL-5-Therapie beobachteten wir sogar eine starke Aktivierung von CD8⁺-T-Zellen, die vor allem für die Beseitigung des Virus wichtig sind“, so Broderdörp. 

Impfung gegen das Corona-Virus kann aus immunologischer Sicht sicher empfohlen werden 

„Wir konnten also zeigen, dass auch bei einer Hemmung von Interleukin-5 mukosale Immunantworten vom IgA-Antikörpertyp gegen Spike sowie IgG-Immunantworten im Serum und zelluläre Reaktivität gegen das Spike-Protein entwickelt werden“, resümiert Martina Prelog. Das Fazit der Würzburger Immunologin und Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin: „Basierend auf diesen Daten kann die Impfung gegen SARS-CoV-2 aus der Perspektive der Immunogenitätsentwicklung empfohlen werden.“ Außerdem deuten Prelog zufolge die Ergebnisse im Analogieschluss darauf hin, dass auch andere mRNA-Impfstoffe, etwa gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), bei Patientinnen und Patienten mit Antikörpertherapie gegen IL-5 eine wirksame Immunantwort hervorrufen könnten. Dazu sind aber RSV-spezifische immunologische Untersuchungen notwendig. 

Wie geht es weiter? „Wünschenswert wären Studien, die zeigen, wie langlebig die Immunantwort bei Asthma-Patientinnen und -Patienten unter Antikörpertherapie ist und wie gut regelmäßige Auffrischungen wirken“, sagt Martina Prelog. „Besonders interessant wären Untersuchungen zur Breite der zellulären Immunantwort und zur Schutzwirkung der Antikörper gegen neue Virusvarianten.“ Kontrollierte Placebo-Studien hält sie für unethisch, da gerade diese Patientinnen und Patienten eine jährliche Auffrischung mit einem adaptierten COVID-19-Impfstoff benötigen und deshalb der Impfstoff nicht vorenthalten werden sollte. Gerade Impfungen gegen respiratorische Erreger tragen dazu bei, schwere Krankheitsverläufe bei Asthmapatienten oder Exazerbationen des Asthmas, also akute Verschlechterungsschübe, zu verhindern und zusätzliche Belastungen der Atemwege zu reduzieren.

Publikation: Almanzar G, Broderdörp A, Mees J, Frey M, Herth FJF, Schneider MA, Trinkmann F, Prelog M. Significant Production of Serum and Mucosal Anti-Spike-IgA Antibodies After Vaccine-Encoded or SARS-CoV-2-Infection-Induced Spike-Exposures in Patients with Asthma Treated with Monoclonal Antibodies Compared to Conventional Therapy. J Asthma Allergy. 2026;19:1-15 https://doi.org/10.2147/JAA.S547038

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation

Die beiden Forschenden sitzen in weißen Kitteln im Labor vor einem Rechner und schauen in die Kamera.
Anna Broderdörp, Doktorandin in der AG Prelog, und der Laborleiter, Privatdozent Dr. Giovanni Almanzar, teilen sich die Erstautorenschaft der im Journal of Asthma and Allergy publizierten Studie. © Martina Prelog / UKW
Die drei Forschenden sind im Labor, zwei sitzen, Martina Prelog steht, alle blicken in die Kamera, im Hintergrund ist ein Monitor, der die aktuelle Studie zeigt.
Doktorandin Anna Broderdörp (links), Prof. Dr. Martina Prelog und Privatdozent Dr. Giovanni Almanzar von der Laborarbeitsgruppe „Pädiatrische Rheumatologie/Spezielle Immunologie” konnten zeigen, dass Asthma-Patientinnen und -Patienten auch unter einer Behandlung mit monoklonalen Antikörpern eine starke Immunantwort gegen SARS-CoV-2 entwickeln. © Gaby Haase / UKW

Geburtstagssymposium ehrte Christoph Reiners

Der Nuklearmediziner Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Reiners kann auf ein außergewöhnliches Lebenswerk zurückblicken. Anlässlich seines 80. Geburtstags würdigte das Uniklinikum Würzburg die Persönlichkeit und die Leistungen seines ehemaligen Klinik- und Ärztlichen Direktors mit einem hochkarätigen Symposium.

Prof. Dr. Christoph Reiners, umgeben von den Referierenden seines Geburtstagssymposiums.
Prof. Dr. Christoph Reiners (7. von links), umgeben von den Referierenden seines Geburtstagssymposiums. © Anna Wenzl / UKW
Prof. Dr. Christoph Reiners mit Prof. Dr. Andreas Buck, seinem Nachfolger als Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Uniklinikum Würzburg.
Prof. Dr. Christoph Reiners (rechts) mit Prof. Dr. Andreas Buck, seinem Nachfolger als Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Uniklinikum Würzburg. © Anna Wenzl / UKW
Prof. Dr. Christoph Reiners wurde anlässlich seines 80. Geburtstags für sein Lebenswerk mit einem Symposium am Uniklinikum Würzburg geehrt.
Prof. Dr. Christoph Reiners wurde anlässlich seines 80. Geburtstags für sein Lebenswerk mit einem Symposium am Uniklinikum Würzburg geehrt. © Anna Wenzl / UKW

Würzburg. Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Reiners leitete von 1994 bis 2010 die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg (UKW). Außerdem lenkte er von 2001 bis 2015 als Ärztlicher Direktor die Geschicke des unterfränkischen Krankenhauses der Maximalversorgung. Neben den Erfolgen in diesen Führungsrollen war seine Karriere von vielen wissenschaftlichen, klinischen und humanitären Leistungen geprägt. Das UKW nahm den diesjährigen 80. Geburtstag des Mediziners zum Anlass, sein Lebenswerk mit einem eintägigen Symposium zu ehren. Auf Einladung von Prof. Dr. Andreas Buck, Reiners Nachfolger als Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, kamen am 21. März dieses Jahres rund 100 Gäste im Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) des UKW zusammen. Während in den Vorträgen des Nachmittags namhafte Fachleute – viele von ihnen langjährige berufliche Weggefährten des Jubilars – zu aktuellen nuklearmedizinischen Themen referierten, setzten die Grußworte und Vorträge des Vormittags Schlaglichter auf Reiners Wirken und seine Persönlichkeit.

Als Ärztlicher Direktor für das Uniklinikum Würzburg prägend

Laut Prof. Dr. Stephan Hackenberg wurde das heutige Bild des UKW in zahlreichen Aspekten maßgeblich von Christoph Reiners geprägt. „Viele unserer infrastrukturellen und inhaltlichen Schwerpunkte entstanden in der Zeit, in der Sie Ärztlicher Direktor des Uniklinikums waren“, unterstrich der aktuelle stellvertretende „ÄD“ in seiner Ansprache. Sehr hilfreich seien hierbei – neben der guten internen Vernetzung – oft auch Reiners außergewöhnlich gute Kontakte in die Politik gewesen. Dazu passend zitierte Prof. Dr. Markus Luster, ehemaliger nuklearmedizinischer Oberarzt des UKW, in seiner Laudatio die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die dem Geehrten hohes diplomatisches Geschick und Charme bescheinigte.

Konsequenter Einsatz für Strahlenschutz

Für die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin konstatierte deren Präsident Prof. Michael Schäfers: „Wenn wir heute auf Ihr Leben und Wirken schauen, dann sehen wir einen Menschen, der unser Fach über Jahrzehnte hinweg geprägt hat – mit intellektueller Klarheit, klinischer Verantwortung, internationalem Weitblick und nicht zuletzt mit menschlicher Zuwendung.“ Besonders hob Schäfers Reiners Einsatz für den Strahlenschutz hervor. In Gremien wie der Strahlenschutzkommission habe er immer wieder dafür geworben, Strahlenanwendungen weder zu bagatellisieren, noch zu dämonisieren.

Medizinische Hilfe für Tschernobylkinder

Internationale Anerkennung erwarb sich der Würzburger Nuklearmediziner insbesondere für seine Arbeiten zum Schilddrüsenkarzinom. Mehrfach kam in den Laudationes auch sein humanitäres Engagement zur Sprache: So wurde auf Reiners Initiative 1996 am UKW der gemeinnützige Verein „Medizinische Hilfe für Tschernobylkinder“ gegründet. Dessen Ziel war es, in Folge der Nuklearkatastrophe von 1986 über 250 an Schilddrüsenkrebs erkrankten Kindern eine möglichst gute Therapie und Nachsorge zu bieten. Als Beleg der erfolgreichen, mittlerweile abgeschlossenen Arbeit zeigte Dr. Johannes Biko, Nuklearmediziner und Reiners zentraler Wegbegleiter bei diesem Hilfsangebot, auf dem Symposium ausgewählte Beispiele aus weit über 200 Geburtsanzeigen und Babyfotos, zugeschickt von ehemaligen Kinderpatientinnen und -patienten, die jetzt ihrerseits dankbare Eltern sind.

Ein Motor der Digitalisierung

Prof. Reiners selbst erinnerte in seinem Vortrag an weitere Aspekte aus seiner Zeit als Ärztlicher Direktor des UKW, die ihm rückblickend besonders wichtig erscheinen. Dazu zählt sein Einsatz für eine fortschrittliche, patientenorientierte nuklearmedizinische Station im 2009 eröffneten ZIM. Außerdem trieb er, selbst ein früher Experte für medizinische Informatik, ab dem Jahr 2002 mit Nachdruck die schrittweise Digitalisierung am UKW voran. Mit messbarem Erfolg: Beim Digitalradar-Score 2024, der die digitale Reife der deutschen Krankenhäuser misst, kam das Würzburger Uniklinikum auf den ersten Platz. Auch als Seniorprofessor war seine IT-Expertise gefragt. So koordinierte Reiners von 2018 bis 2023 das von der Bayerischen Staatsregierung geförderte Projekt „Digitalisierungszentrum Präzisions- und Telemedizin (DZ.PTM)“.

Text: Pressestelle / UKW
 

Prof. Dr. Christoph Reiners, umgeben von den Referierenden seines Geburtstagssymposiums.
Prof. Dr. Christoph Reiners (7. von links), umgeben von den Referierenden seines Geburtstagssymposiums. © Anna Wenzl / UKW
Prof. Dr. Christoph Reiners mit Prof. Dr. Andreas Buck, seinem Nachfolger als Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Uniklinikum Würzburg.
Prof. Dr. Christoph Reiners (rechts) mit Prof. Dr. Andreas Buck, seinem Nachfolger als Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Uniklinikum Würzburg. © Anna Wenzl / UKW
Prof. Dr. Christoph Reiners wurde anlässlich seines 80. Geburtstags für sein Lebenswerk mit einem Symposium am Uniklinikum Würzburg geehrt.
Prof. Dr. Christoph Reiners wurde anlässlich seines 80. Geburtstags für sein Lebenswerk mit einem Symposium am Uniklinikum Würzburg geehrt. © Anna Wenzl / UKW

500 Euro für krebskranke Kinder

Der Oldtimer-Stammtisch Tauber spendet für die Elterninitiative

 

Spendenübergabe an die Elterninitiative
Joseph Yasmin, Nadine Kempa und Klaus Heller freuen sich über die Übergabe des Spendenschecks (von links). Foto: Denise Lampert

Grund zur Freude gab es am 24. März 2026 für die Elterninitiative Regenbogen, die vom Oldtimer-Stammtisch Röttingen-Tauberrettersheim mit einer Spende in Höhe von 500 Euro bedacht wurde. Verschiedene Aktionen und Ausflüge nahm der Oldtimer-Club zum Anlass, um Spenden für den gemeinnützigen Verein zu sammeln und über die wichtige Arbeit der Elterninitiative zu informieren.

"Es lässt niemanden kalt, einem krebskranken Kind zu begegnen" begründete Klaus Heller die Motivation, an die Elterninitiative Regenbogen zu spenden. Bereits seit einigen Jahren fühlt er sich dem Verein und dessen Mission besonders verbunden und sicherte diesem auch zukünftige Unterstützung zu. Auch Joseph Yasmin, der die mit dem Ehrenamt verbundene Arbeit gut kennt, zeigte sich überzeugt von den Hilfsangeboten der Elterninitiative. Mit der Spende werden u.a. die 12 Elternwohnungen des Vereins finanziert, die mit weit über 6.500 Übernachtungen pro Jahr viel Zuwendung benötigen. Durch das große Einzugsgebiet der Uni-Kinderklinik müssten Familien oft weite Fahrten auf sich nehmen oder auch aus dem Ausland anreisen. Die Wohnungen schaffen Entlastung für die Familien, die diese während der Therapie kostenfrei nutzen könnten, klärte Nadine Kempa im Namen des Vereins auf.

Die Elterninitiative bedankt sich herzlich beim Oldtimer-Stammtisch Röttingen-Tauberrettersheim sowie allen involvierten Unterstützern für die wichtige Hilfe, welche der Arbeit des Vereins nachhaltig zugutekommt.

Text: Nadine Kempa für die Elterninitiative Regenbogen e.V.
 

Spendenübergabe an die Elterninitiative
Joseph Yasmin, Nadine Kempa und Klaus Heller freuen sich über die Übergabe des Spendenschecks (von links). Foto: Denise Lampert