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Tabuthema Inkontinenz: Neues Zentrum am UKW bietet interdisziplinäre Hilfe

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Unterfranken gegründet

Das interdisziplinäre Behandlungsteam freut sich über die Gründung des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums Unterfranken am Universitätsklinikum Würzburg. © Kirstin Linkamp / UKW
Das interdisziplinäre Behandlungsteam freut sich über die Gründung des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums Unterfranken am Universitätsklinikum Würzburg. © Kirstin Linkamp / UKW

Würzburg. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) hat sein Leistungsspektrum erweitert. Im Februar 2026 eröffnete die Klinik das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Unterfranken. In diesem zertifizierten Spezialzentrum der Komplexversorgung bündeln Ärztinnen und Ärzte der Urologie, Gynäkologie und Allgemeinchirurgie ihre Expertise, um Frauen, Männer und Kinder mit Harn- oder Stuhlinkontinenz, Blasen- und Darmentleerungsstörungen sowie Senkungen der Beckenorgane umfassend und individuell zu versorgen.

Wenn der Alltag zur Belastung wird

Maria M. plante ihren Alltag nach der nächstgelegenen Toilette. Spaziergänge, längere Autofahrten oder Theaterbesuche wurden für die 52-jährige Mutter von drei Kindern zur Herausforderung. Aus Scham sprach sie lange mit niemandem über ihre Harninkontinenz. Erst als die Einschränkungen zunahmen, suchte sie ärztliche Hilfe.

Solche Leidensgeschichten sind für Dr. Oliver Hahn, den Sprecher des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums, keine Seltenheit. „Inkontinenz ist weiterhin ein Tabuthema, viele Betroffene leiden lange im Stillen“, sagt Oliver Hahn. „Dabei gibt es keinen Grund, sich für diese Erkrankung zu schämen.“

Etwa die Hälfte aller Frauen ist in unterschiedlichem Ausmaß von Beckenbodenbeschwerden wie Inkontinenz oder einer Senkung betroffen. Meist sind Schwangerschaft und Geburt die Ursache. „Häufig treten die Beschwerden auch schon bei jungen Frauen auf und schränken die Lebensqualität massiv ein“, sagt Dr. Bettina Blau-Schneider, Bereichsleiterin der Urogynäkologie in der Frauenklinik des UKW. 

Auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson können ursächlich für Harn- oder Stuhlinkontinenz sowie für Störungen der Blasen- und Darmentleerung sein. Zusätzlich können Männer nach urologischen Eingriffen, etwa nach der Entfernung der Prostata, unter Beschwerden leiden. 

„Da es deutschlandweit nur wenige zertifizierte Kontinenz- und Beckenbodenzentren gibt, behandeln wir am UKW Betroffene aus ganz Süddeutschland“, sagt Bettina Blau-Schneider.

Gebündelte Expertise als zentraler Behandlungsvorteil

Der besondere Mehrwert des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums Unterfranken liegt in der engen räumlichen und organisatorischen Verzahnung der drei beteiligten Kliniken des UKW:

  • der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie,
  • der Frauenklinik und Poliklinik sowie
  • der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie.

Das Behandlungsteam bespricht alle Patientinnen und Patienten in einem gemeinsamen Austausch, dem interdisziplinären Patientenboard. So können Diagnostik und Therapie abgestimmt und ohne lange Wege erfolgen. 

„Blase, Gebärmutter und Darm hängen im Beckenboden räumlich und funktionell eng zusammen. Deshalb ist es bei Beschwerden wichtig, den gesamten Beckenboden zu betrachten und die Therapie interdisziplinär zu planen“, sagt PD Dr. Joachim Reibetanz, Geschäftsführender Oberarzt in der Allgemeinchirurgie des UKW. Gemeinsam mit seinem Team sowie den urologischen Kolleginnen und Kollegen operiert er beispielsweise Patienten, bei denen eine Beckenbodensenkung sowohl die Blase als auch den Darm beeinträchtigt. So können beide Probleme in einer Operation behandelt werden. 

Je nach Krankheitsbild werden zur Diagnosestellung und der Behandlung weitere Kliniken des UKW eingebunden, etwa die Neurologie, die Kinderklinik, die Radiologie oder die Psychosomatik. Darüber hinaus kooperiert das Zentrum mit einer niedergelassenen Physiotherapeutin. 

Individuelle Therapie – konservativ und operativ

Im Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Unterfranken stehen abhängig von der Diagnose, dem Schweregrad, Begleiterkrankungen sowie den persönlichen Wünschen der Patientinnen und Patienten unterschiedliche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Neben konservativen Maßnahmen wie Kontinenzberatung, Beckenbodentraining, Elektrostimulation, Physiotherapie oder medikamentöser (Schmerz-)Therapie umfasst das Leistungsangebot sämtliche moderne operative Verfahren.

In der Urologie werden schonende Verfahren wie Band- und Schlingenoperationen eingesetzt, um die Harnröhre zu stützen. In ausgewählten Fällen kommen künstliche Schließmuskelsysteme zum Einsatz. Außerdem besteht die Möglichkeit einer Botox-Therapie der Harnblase zur Behandlung einer überaktiven Blase.

In der Gynäkologie werden Senkungen der Gebärmutter, der Scheide sowie anderer Beckenorgane, wie Blase und Enddarm, mit modernen Operationsmethoden behandelt. Das Gleiche gilt für Belastungsinkontinenz (ungewollter Urinverlust bei körperlicher Belastung) und Dranginkontinenz (plötzlicher, starker Harndrang und Urinverlust). Die Operation kann dabei vaginal oder minimalinvasiv über kleine Bauchschnitte, in vielen Fällen auch robotisch assistiert erfolgen. Für jede Patientin wird nach einer ausführlichen Beratung individuell die passende Methode ausgewählt.

Für Stuhlinkontinenz und Darmentleerungsstörungen steht die gesamte Bandbreite der Koloproktologie zur Verfügung, dem spezialisierten chirurgischen Fachgebiet für Erkrankungen des Dickdarms, Enddarms und Afters. Behandelt werden sowohl funktionelle Störungen des Beckenbodens als auch gut- und bösartige Erkrankungen. Viele Eingriffe können minimalinvasiv durchgeführt werden, was die Belastung für die Patientinnen und Patienten reduziert.

Zertifizierung bestätigt hohe Qualitätsstandards

Nach einer zweijähriger Aufbauzeit und entsprechender Praxiserfahrung durchlief das Zentrum im Februar 2026 erfolgreich das Zertifizierungsverfahren und wurde am 20. Februar offiziell als „Kontinenz- und Beckenbodenzentrum der Komplexversorgung“ anerkannt. 

Die Zertifizierung erfolgte auf Grundlage gemeinsamer Kriterien mehrerer Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, die Deutsche Gesellschaft für Urologie, die Deutsche Kontinenz Gesellschaft sowie die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Sie bestätigt, dass am UKW die strukturellen, personellen und fachlichen Voraussetzungen für eine spezialisierte interdisziplinäre Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Beckenboden- und Kontinenzerkrankungen erfüllt sind.

Kontakt

Nähere Informationen zum Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Unterfranken sowie die Kontaktdaten zur Terminvereinbarung sind auf der Webseite des Zentrums zu finden. 

 

 

Text: Annika Wolf / UKW

Infotag zum Thema Prostatakrebs

Am Samstag, 18. April 2026 lädt das DKG-zertifizierte Prostatakarzinomzentrum des Uniklinikums Würzburg zu seinem 8. Patienteninformationstag ein. Die kostenlose Veranstaltung bietet einen umfassenden Überblick über aktuelle Verfahren zur Vorsorge, Diagnostik und Therapie der häufigsten Krebserkrankung des Mannes.

Im CT wird ein Prostatakarzinom markant dargestellt.
Der 8. Patienteninformationstag des Prostatakarzinomzentrums des Uniklinikums Würzburg am 18. April 2026 beschäftigt sich mit Vorsorge, Diagnostik und Therapie. Das Bild zeigt, wie markant ein Prostatakarzinom unter Zuhilfenahme des Tracers PSMA im PET-CT als gelb-rotes Objekt dargestellt wird. © UKW

Würzburg. Das von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte Prostatakarzinomzentrum des Uniklinikums Würzburg (UKW) führt am 18. April 2026 seinen mittlerweile 8. Informationstag durch. In Kooperation mit dem Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA wendet sich die Veranstaltung an Patienten und alle sonstigen Interessierten. Zwischen 10:00 und etwa 14:15 Uhr geben neun Experten in für Laien verständlichen Kurzvorträgen einen Überblick über die aktuellen Möglichkeiten zur Vorsorge, Diagnostik und Behandlung der verbreiteten Tumorerkrankung.

Von bildgebenden Verfahren und Kombinationstherapien

„In der Diagnostik des Prostatakrebses gelten mittlerweile moderne bildgebende Verfahren als Standard, während neue Entwicklungen bei Operationen und in der Strahlentherapie das Behandlungsspektrum erweitern“, berichtet Prof. Dr. Hubert Kübler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie am UKW. Seine Stellvertreterin, Dr. Anna Katharina Seitz, ergänzt: „Gerade bei Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs stehen uns heute zudem viele wirksame Medikamente und Kombinationstherapien zur Verfügung.“

Referenten aus diversen Disziplinen

Voraussetzung für die am Prostatakarzinomzentrum gebotene ganzheitliche Patientenversorgung ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. Dies spiegelt sich auch bei den Referenten des Infotages wider. Neben der Urologie rekrutieren sie sich aus der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie, der Nuklearmedizin sowie der Strahlentherapie und Radioonkologie. Als wichtiger Partner kommt ferner die Selbsthilfe zu Wort.

Zum Abschluss der Veranstaltung im Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) an der Oberdürrbacher Straße haben die Zuhörerinnen und Zuhörer Gelegenheit, im direkten Gespräch mit den Spezialisten persönliche Fragen zu diskutieren. 

Die Teilnahme am Patienteninfotag ist kostenlos, das detaillierte Programm gibt es unter www.ukw.de/urologie, Rubrik „Veranstaltungen“.

Text: Pressestelle / UKW
 

Im CT wird ein Prostatakarzinom markant dargestellt.
Der 8. Patienteninformationstag des Prostatakarzinomzentrums des Uniklinikums Würzburg am 18. April 2026 beschäftigt sich mit Vorsorge, Diagnostik und Therapie. Das Bild zeigt, wie markant ein Prostatakarzinom unter Zuhilfenahme des Tracers PSMA im PET-CT als gelb-rotes Objekt dargestellt wird. © UKW

Online-Veranstaltung zu unerfülltem Kinderwunsch

Am Dienstag, 14. April 2026, bietet die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg unter dem Titel „Unerfüllter Kinderwunsch: Was tun?“ ein Webinar aus der Reihe „Abendsprechstunde“ an. Die kostenlose Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Mediengruppe Main-Post.

 

PD Dr. Saskia-Laureen Herbert und Dr. Florian Jakob
PD Dr. Saskia-Laureen Herbert und Dr. Florian Jakob Fragen beantworten am 14. April 2026 in einer Online-Veranstaltung zentrale Fragen zum Thema „Unerfüllter Kinderwunsch“. © Thomas Berberich / UKW

Würzburg. Ungewollte Kinderlosigkeit ist nicht ungewöhnlich: Bei etwa 15 Prozent der Paare im gebärfähigen Alter bleibt der Wunsch nach einem Kind unerfüllt. Um bei dieser für viele zentralen Lebensfrage weiterzuhelfen, bietet die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) in Kooperation mit der Mediengruppe Main-Post am Dienstag, 14. April 2026, ein kostenloses Webinar an. Bei der Veranstaltung aus der Reihe „Abendsprechstunde“ beantworten Privatdozentin Dr. Saskia-Laureen Herbert und Dr. Florian Jakob Fragen wie: Welche Optionen stehen in der Kinderwunschbehandlung zur Verfügung? Was versteht man unter künstlicher Befruchtung und wie gestaltet sich der Ablauf einer solchen Behandlung? Wie wirkt sich Endometriose auf die Fruchtbarkeit aus? Welche Maßnahmen oder Verfahren können eine Kinderwunschbehandlung sinnvoll begleiten und unterstützen?

Für das Zoom-Webinar anmelden

Das Webinar geht von 18:00 bis etwa 19:30 Uhr und nutzt die Plattform Zoom. Weitere Informationen und einen Anmeldelink finden Interessierte unter www.ukw.de/selbsthilfe, Rubrik „Veranstaltungen“.

Text: Pressestelle / UKW

 

PD Dr. Saskia-Laureen Herbert und Dr. Florian Jakob
PD Dr. Saskia-Laureen Herbert und Dr. Florian Jakob Fragen beantworten am 14. April 2026 in einer Online-Veranstaltung zentrale Fragen zum Thema „Unerfüllter Kinderwunsch“. © Thomas Berberich / UKW

Klinische Studien über Leukämie und Prostatakrebs starten

Mit 5,2 Millionen Euro fördert das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) erstmals eigene klinische Studien. Sie drehen sich um die Behandlung von Leukämie und die Diagnostik bei Prostatakrebs.

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume übergab die Förderschecks für die ersten eigenen klinischen Studien des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung.
Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume übergab die Förderschecks für die ersten eigenen klinischen Studien des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung. (Bild: Matthias Merz Fotografie)

Beide Studien laufen standortübergreifend an allen sechs BZKF-Standorten: Augsburg, Erlangen, München (LMU und TUM), Regensburg und Würzburg. Ziel der BZKF-Förderung ist es, Krebspatientinnen und Krebspatienten in Bayern so früh wie möglich Zugang zu innovativen Diagnose- und Therapie-Verfahren zu ermöglichen.

Dazu Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume: „Seit sechs Jahren kämpfen unsere bayerischen Uniklinika im BZKF gemeinsam gegen die große Geißel der Menschheit. Nach dem Motto ‚Wissen teilen, Menschen heilen‘ bringt jedes Klinikum seine Stärken ein – von KI bis Immuntherapie.“

Der Freistaat habe das Krebsforschungszentrum seit dessen Gründung mit über 72 Millionen Euro unterstützt. Mit dieser leistungsfähigen und vernetzten Infrastruktur werde onkologische Spitzenmedizin in allen Regionen Bayerns ermöglicht.

Neue Zelltherapie gegen aggressive Leukämie

Die Studie ERASE-AML richtet sich an Patientinnen und Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), einer besonders aggressiven Form von Blutkrebs. Trotz moderner Therapieverfahren sind die Heilungschancen noch begrenzt: Nur 3 von 10 Betroffenen überleben die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Für viele Patientinnen und Patienten ist eine Übertragung fremder Stammzellen die einzige Chance auf Heilung. Dennoch kommt es häufig zu Rückfällen – und wirksame Behandlungsoptionen sind dann begrenzt.

Die Studie prüft eine neuartige Form der personalisierten zell-basierten Immuntherapie. Dabei werden die T-Immunzellen eines Stammzellspenders im Labor gezielt mit mehreren Leukämie-spezifischen Eiweißbausteinen stimuliert. Auf diese Weise entsteht eine breit wirksame, gegen verschiedene Leukämie-Merkmale gerichtete Immunantwort. Zusätzlich werden die T-Zellen mit einer künstlichen Andock- und Aktivierungsstruktur (CARs) ausgestattet, welche die Aktivität der T-Zellen im Körper verstärken soll.

Die derart „trainierten“ und gezielt gestärkten T-Zellen werden bei Patientinnen und Patienten mit hohem Rückfallrisiko oder bei einem frühen Rezidiv nach einer Stammzelltransplantation eingesetzt. Ziel ist es, verbliebene Leukämiezellen dauerhaft zu eliminieren und Rückfälle zu verhindern.

Die Leitung der Studie liegt bei Dr. Veit Bücklein und Professorin Marion Subklewe (LMU Klinikum München). Das Fördervolumen beträgt rund drei Millionen Euro.

Bessere Diagnostik für Patienten mit Prostatakrebs

Die PRIME-Studie untersucht, wie sich Prostatakrebs – eine der häufigsten Krebsarten bei Männern – präziser und patientenschonender erkennen lässt. Bisher folgt bei einem erhöhten PSA-Wert im Blut und einer auffälligen Kernspintomographie meist eine Biopsie. Für viele Betroffene ist das eine große körperliche und seelische Belastung – unangenehm, schmerzhaft und mit möglichen Infektionen verbunden.

In der Studie soll geprüft werden, ob eine zusätzliche Bildgebung mit Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Computertomographie (CT) die Diagnostik weiter verbessern kann. Mit dem PSMA-PET/CT lassen sich Prostatakrebszellen durch eine sehr geringe Menge eines radioaktiven Medikaments noch genauer sichtbar machen.

In der Studie erhalten 150 Männer mit auffälliger Kernspintomographie zusätzlich diese Untersuchung. Je nach Ergebnis sollen dann weniger oder gezieltere Biopsien für die sichere Diagnose eines behandlungsbedürftigen Prostatakrebs nötig sein. Ziel ist es, aggressive Tumoren früh und zuverlässig zu erkennen und gleichzeitig unnötige Eingriffe zu vermeiden.

Die Studienleitung liegt bei den Professoren Matthias Eiber (TUM Klinikum München) und Matthias Heck (Universitätsklinikum Augsburg). Die Fördersumme beträgt 2,2 Millionen Euro.

Wichtiger Meilenstein für das BZKF

„Die Studien markieren einen wichtigen Meilenstein für das BZKF“, so Professor Andreas Mackensen, Direktor des BZKF. „Patientinnen und Patienten in ganz Bayern können daran teilnehmen, ohne weite Wege auf sich nehmen zu müssen.“

Patientenvertreter Ortwin Thiel: „Für Betroffene bedeutet der Start dieser Studien vor allem Hoffnung – Hoffnung auf wirksamere Therapien bei Hochrisiko-Leukämie und auf schonendere, treffsichere Diagnostik bei Prostatakrebs.“

Kostenfreie Beratung am Bürgertelefon

Das BZKF verfolgt das Ziel, allen Bürgerinnen und Bürgern in Bayern unabhängig von ihrem Wohnort Zugang zu bestmöglichen und innovativen Therapien zu ermöglichen. Mit dem BürgerTelefonKrebs bietet das BZKF unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 85 100 80 eine unkomplizierte Möglichkeit, sich individuell zu allen Fragen bezüglich einer Krebserkrankung beraten zu lassen.

 

einBlick das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 10.03.2026

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume übergab die Förderschecks für die ersten eigenen klinischen Studien des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung.
Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume übergab die Förderschecks für die ersten eigenen klinischen Studien des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung. (Bild: Matthias Merz Fotografie)

Mammutmarsch: 7.600 Euro für Regenbogen

Peter und Lenni Ptok liefen 100 km für krebskranke Kinder

Spendenübergabe an Nadine Kempa von der Elterninitiative Regenbogen.
Nadine Kempa (Elterninitiative Regenbogen), Lenni Ptok und Peter Ptok bei der Übergabe der Spenden (von links). Foto: Yevgeniya Ronis

Beim Mammutmarsch in Madrid haben Peter und Lenni Ptok sportliche Ausdauer mit einem guten Zweck verbunden. Die 100 km lange Strecke wurde von den beiden nach 19:55 Stunden erfolgreich absolviert. Bereits in der Vorbereitung auf den Lauf sowie während des Mammutmarschs riefen sie zu Spenden für die Elterninitiative Regenbogen e.V. auf. Über eine Online-Spendenaktion kamen so rund 7.600 Euro zusammen. Zahlreiche Freunde, Bekannte und weitere Unterstützer beteiligten sich an der Aktion.

Mit ihrer Herausforderung wollten die beiden nicht nur sportlich an ihre Grenzen gehen, sondern auch ein Zeichen setzen: Der Lauf sollte verdeutlichen, wie viel Ausdauer und Kraft eine lange Krebsbehandlung erfordert. Gleichzeitig wollten sie mit der Aktion auf die Situation krebskranker Kinder und Jugendlicher aufmerksam machen und deren Familien unterstützen. Bei der Spendenübergabe an die Elterninitiative Regenbogen berichteten Peter und Lenni Ptok auch von ihren persönlichen Eindrücken und den besonderen Momenten während des Mammutmarschs.

Die Elterninitiative Regenbogen begleitet Familien mit krebskranken Kindern und Jugendlichen während der Erkrankung sowie darüber hinaus. Die Spenden unterstützen verschiedene Angebote des Vereins, die den betroffenen Familien im Alltag Halt und Unterstützung geben. Dazu zählen unter anderem spezielle Angebote für verwaiste Familien, etwa gemeinsame Wanderungen, Gesprächskreise oder gemeinsame Wochenenden, bei denen Raum für Austausch und gegenseitige Unterstützung geschaffen wird. Ein weiterer Teil der Spende kommt dem Geschwisterclub zugute. Dabei handelt es sich um ein von den gesetzlichen Krankenkassen gefördertes Angebot, das die Geschwisterkinder krebskranker Kinder in den Mittelpunkt stellt und diesen bei Treffen und Workshops Raum für ihre eigenen Erfahrungen und Bedürfnisse bietet.

Mit der Spende leisten Peter und Lenni Ptok gemeinsam mit ihren Unterstützern einen wichtigen Beitrag dazu, betroffene Familien in einer schwierigen Lebensphase zu begleiten und zu stärken.

Pressetext: Nadine Kempa für die Elterninitiative Regenbogen e.V.
 

Spendenübergabe an Nadine Kempa von der Elterninitiative Regenbogen.
Nadine Kempa (Elterninitiative Regenbogen), Lenni Ptok und Peter Ptok bei der Übergabe der Spenden (von links). Foto: Yevgeniya Ronis

Leiter des BSZG Würzburg feierlich ins Amt eingeführt

Im November vergangenen Jahres startete Studiendirektor Matthias Schneider als Leiter des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe (BSZG) Würzburg. Jetzt folgte die feierliche Amtseinführung.

 

Amtseinführung Mattias Schneider mit Kanzler der Uni Würzburg, Regierungspräsident, Ministerialrat Staatsministerium für Unterricht und Kultus und Pflegedirektor vom UKW.
Bei der Amtseinführung: Matthias Schneider, der neue Leiter des BSZG Würzburg (Mitte), umgeben von (v. l.) Dr. Uwe Klug (Kanzler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Jochen Lange (Regierungsvizepräsident der Regierung von Unterfranken), Philipp Reichel (Ministerialrat des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus) und Marcus Huppertz (Pflegedirektor des Universitätsklinikums Würzburg). © Helmuth Ziegler / UKW
Matthias Schneider mit Vorgängerin Christine Hildebrandt
Matthias Schneider mit Christine Hildebrandt, seiner Vorgängerin in der Leitung des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe Würzburg. © Helmuth Ziegler / UKW

Würzburg. Am 5. März dieses Jahres wurde Matthias Schneider offiziell in das Amt als Leiter des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe (BSZG) Würzburg eingeführt. In dieser Position tätig ist der Studiendirektor schon seit November 2025 – als Nachfolger von Christine Hildebrandt, die im August 2025 in den Ruhestand ging. 

Bei der Feierstunde am Schulzentrum begrüßten Vertreter der Regierung von Unterfranken, des Bayerischen Kultusministeriums und des Uniklinikums Würzburg sowie eine Vertreterin des Gesamtpersonalrats des BSZG Würzburg die neue Führungspersönlichkeit herzlich. Als Moderator führte Florian Geißler, der Stellvertretende Leiter des Schulzentrums, durch die heitere Veranstaltung. Für musikalische Zwischenspiele aus Pop und Rock sorgte das Gesangsensemble „Meefrüchdli“ aus Schwarzach am Main.

Neben guten Wünschen für sein zukünftiges Wirken gaben die Referierenden in ihren Ansprachen auch einen Überblick über den bisherigen beruflichen Werdegang von Matthias Schneider und arbeiteten seine besonderen Kompetenzen heraus.

Durch den bisherigen Werdegang auf das Amt bestens vorbereitet

Der gebürtige Würzburger (Jahrgang 1974) studierte Lehramt an beruflichen Schulen (Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Gesundheitsmanagement). Berufserfahrungen als Lehrkraft sammelte er während des Referendariats an der Würzburger Klara-Oppenheimer-Schule und an der Beruflichen Oberschule in Kitzingen sowie von 2006 bis 2015 an der Berufsschule Kitzingen-Ochsenfurt. Ab Ende 2014 koordinierte er im Auftrag der Regierung von Unterfranken die Flüchtlingsbeschulung im Regierungsbezirk. Als Koordinator für Berufsvorbereitung organisierte er im Lauf der Zeit neben den Berufsintegrationsklassen auch die Klassen für die Schülerinnen und Schüler, die keinen Ausbildungsplatz fanden und berufsschulpflichtig waren. Vor seinem Wechsel ans BSZG Würzburg war Schneider zuletzt ab 2021 als Referent der Regierung von Unterfranken insbesondere für die unterfränkischen Berufsfachschulen des Gesundheitswesens zuständig. Zentrale Themen dabei waren unter anderem die Schulstatistik, die Lehrerausbildung, die Genehmigung von Lehrkräften, Schulneugründungen und -neubauten, die Erstellung zentraler Abschlussprüfungen, Schulfinanzierungen sowie die Unterstützung und Beratung der Schulen bei schulrechtlichen Fragen.

Sinnstiftende und wertvolle Arbeit

Zum am Uniklinikum Würzburg angesiedelten Staatlichen Beruflichen Schulzentrum für Gesundheitsberufe gehören sechs Berufsfachschulen – von Massage über Physiotherapie bis Medizinische Technologien. Zusammen bieten sie 550 Ausbildungsplätze an. Bei der Amtseinführung betonte Schneider: „Unsere Arbeit ist absolut sinnstiftend und wertvoll. Wir bilden junge Menschen fundiert aus. Wir helfen ihnen, mit ihren erworbenen Kompetenzen im Berufsleben anzukommen und dort qualifiziert tätig zu sein. Letztlich machen wir Mainfranken attraktiver, lebens- und liebenswerter.“

Zitate aus den Redebeiträgen der Amtseinführung:

„Herr Schneider ist ein Mann mit großer Berufs- und Lebenserfahrung, der sich mit vollem Engagement einbringt und sich in allen seinen bisherigen Funktionen bestens bewährt hat.“
Jochen Lange, Regierungsvizepräsident der Regierung von Unterfranken

„Herr Schneider versteht es, Menschen einzubeziehen, Verantwortung zu übertragen und zugleich Orientierung zu geben.“
Philipp Reichel, Ministerialrat des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus

„Als Leiter des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums ist es nun Ihre Aufgabe, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund – egal in welcher Lebensphase – Orientierung und Halt zu vermitteln, sie symbolisch an die Hand zu nehmen und ihnen den Weg in ihre berufliche Zukunft zu weisen.“
Marcus Huppertz, Pflegedirektor des Universitätsklinikums Würzburg

„In den vergangenen Monaten haben wir Sie als besonnen, klar und ansprechbar erlebt. Eigenschaften, die im Schulalltag sehr wertvoll und auch entscheidend sind.“
Monika Nätscher, 1. Vorsitzende des Gesamtpersonalrats des BSZG Würzburg


Text: Pressestelle / UKW
 

Ein Interview mit Studiendirektor Matthias Schneider, der neue Leiter des Beruflichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe in Würzburg.

Amtseinführung Mattias Schneider mit Kanzler der Uni Würzburg, Regierungspräsident, Ministerialrat Staatsministerium für Unterricht und Kultus und Pflegedirektor vom UKW.
Bei der Amtseinführung: Matthias Schneider, der neue Leiter des BSZG Würzburg (Mitte), umgeben von (v. l.) Dr. Uwe Klug (Kanzler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Jochen Lange (Regierungsvizepräsident der Regierung von Unterfranken), Philipp Reichel (Ministerialrat des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus) und Marcus Huppertz (Pflegedirektor des Universitätsklinikums Würzburg). © Helmuth Ziegler / UKW
Matthias Schneider mit Vorgängerin Christine Hildebrandt
Matthias Schneider mit Christine Hildebrandt, seiner Vorgängerin in der Leitung des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe Würzburg. © Helmuth Ziegler / UKW

EU-Fahrplan für bessere genetische Beratung bei Krebs

Delphi-Studie definiert unter Würzburger Leitung fünf prioritäre Maßnahmen für europaweit gerechteren Zugang zur personalisierten Krebsmedizin

Collage von freigestellten Personen, im Hintergrund Skizze von EU-Flagge
J. Matt McCrary und Anke K. Bergmann stellen im European Journal of Human Genetics fünf europäische Prioritätsmaßnahmen vor, für einen europaweit gerechteren Zugang zur personalisierten Krebsmedizin. Collage mit Canva
DNA unter Lupe
Damit personalisierte Krebstherapien ihr volles Potenzial entfalten können, brauchen Patientinnen und Patienten einen verlässlichen Zugang zu qualifizierter genetischer Beratung. Symbolbild von Canva/Africa Images

Damit personalisierte Krebstherapien ihr volles Potenzial entfalten können, brauchen Patientinnen und Patienten einen verlässlichen Zugang zu qualifizierter genetischer Beratung. Eine europaweite Delphi-Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Würzburg benennt nun fünf konkrete Maßnahmen, um die wichtigsten Hindernisse für die Implementierung der Genetik in der Krebsprävention und -behandlung zu beseitigen und die genetische Beratung in Prävention und Behandlung nachhaltig zu stärken. Ziel ist es, allen Betroffenen in der EU zur richtigen Zeit die individuell passende Therapie zu ermöglichen.

Würzburg. Mit „Europe’s Beating Cancer Plan“ hat die Europäische Union vor fünf Jahren eine neue Phase im gemeinsamen Kampf gegen Krebs eingeläutet. Denn mit dem Aktionsplan sollen die Prävention, Diagnose, Behandlung und Nachsorge europaweit verbessert und stärker koordiniert werden. Ein zentrales Ziel ist es, genetische Untersuchungen stärker in die Krebsvorsorge und -therapie einzubinden, um Behandlungen individueller und wirksamer zu gestalten. Schließlich sind fünf bis 15 Prozent aller Krebserkrankungen auf vererbte genetische Veränderungen zurückzuführen.

„Die Integration genetischer Tests und Analysen in die Krebsprävention und -behandlung ermöglicht zunehmend personalisierte Ansätze, die eine zeitnahe Behandlung bei gleichzeitiger Minimierung von Nebenwirkungen erlauben“, sagt Dr. J. Matt McCrary, Leiter der Versorgungsforschung am Institut für Klinische Genetik und Genommedizin des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). 

Dabei spielt die genetische Beratung eine entscheidende Rolle: Sie hilft Patientinnen und Patienten dabei, Testergebnisse zu verstehen und fundierte Entscheidungen über Vorsorge und Therapie zu treffen. Idealerweise erfolgt diese Beratung durch speziell ausgebildete Fachärztinnen und Fachärzte für Humangenetik. Fehlt diese Expertise, kann das zu unnötigen Untersuchungen, vermeidbaren Kosten, ungeeigneten Therapien oder auch zu psychischen Belastungen führen.

Obwohl die genetische Beratung eine bewährte und oft gesetzlich vorgeschriebene ärztliche Expertenkonsultation ist, ist der Zugang in der EU durch drei häufige Hindernisse eingeschränkt, wie J. Matt McCrary bereits vor zwei Jahren im „European Journal of Public Healthgezeigt hat: Die genetischen Kenntnisse von Patientinnen und Patienten sowie die genetischen Fachkenntnisse von Ärztinnen und Ärzten sind unzureichend, die Kapazitäten des genetischen Fachpersonals sind begrenzt und die Kostenerstattung durch die Krankenkassen ist uneinheitlich und unvollständig.

J. Matt McCrary hat nun als Erstautor im “European Journal of Human Genetics” fünf europäische Prioritätsmaßnahmen vorgestellt. Mit diesen sollen die wichtigsten Hindernisse für die Implementierung der Genetik in der Krebsprävention und -behandlung beseitigt werden. Sie reichen von einer besseren Integration genetischer Fachberaterinnen und Fachberater in europäische Gesundheitssysteme und einheitlichen Standards in der Ausbildung über eine stärkere Berücksichtigung der Genetik in onkologischen Leitlinien bis hin zu verbesserten Abrechnungspraktiken für genetische Beratung.

Die prioritären Maßnahmen wurden im Rahmen einer so genannten Delphi-Studie gemeinsam mit 77 Onkologen, Humangenetikern, genetischen Beratern und Patientenvertretern aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten identifiziert. Bei dem strukturierten Befragungsverfahren, das nach dem Orakel von Delphi benannt ist, bewerten Expertinnen und Experten in mehreren Runden Empfehlungen, bis sich ein gemeinsamer Konsens für die wichtigsten Maßnahmen ergibt. 

Diese werden demnächst in einem länderübergreifenden Pilotprojekt erprobt, das vom UKW im Rahmen der kürzlich gestarteten „EU Joint Action on Personalised Cancer Medicine” (JA PCM) geleitet wird (siehe Pressemeldung vom 16.01.2026).

Fünf prioritäre Maßnahmen aus der Delphi-Studie

1. Integration genetischer Fachberaterinnen und Fachberater in europäische Gesundheitssysteme 

Eine EU-weite Anerkennung genetischer Beraterinnen und Berater als eigenständiger Gesundheitsberuf würde klarstellen, dass diese medizinischen Fachkräfte mit Masterabschluss qualifiziert sind, genetische Beratung zu leisten. Zudem würde ihnen rechtlich und organisatorisch entsprechende Positionen und Aufgaben in den Gesundheitssystemen eröffnet. Dies könnte helfen, den Fachkräftemangel abzumildern und die Versorgung der Patientinnen und Patienten europaweit zu verbessern.

2. Einbindung von Genetik-Expertise bei der Erstellung onkologischer Leitlinien

Onkologische Leitlinien sind zentrale Empfehlungen für Ärztinnen und Ärzte, die aufzeigen, wie Krebspatientinnen und -patienten diagnostiziert und behandelt werden sollen. Durch die Einbindung von Expertinnen und Experten für Genetik in die Entwicklung und Aktualisierung dieser Leitlinien wird sichergestellt, dass genetische Risiken, Testverfahren und Beratung systematisch berücksichtigt werden und nicht nur individuell oder nach dem Ermessen einzelner Fachleute erfolgen. Dies würde dabei helfen, genetische Aspekte in der Krebsversorgung überall in der EU auf ein einheitliches und qualitativ hohes Niveau zu bringen.

3. Einheitliche Standards für Ausbildung, Qualifikation und Registrierung genetischer Beraterinnen und Berater

Da die medizinische Aus- und Weiterbildung national geregelt ist und bleibt, soll keine EU-weite Gesetzgebung zur Vereinheitlichung entwickelt werden, sondern ein System, das die Anerkennung und Übertragung von Qualifikationen und Abschlüssen in der gesamten EU ermöglicht. So könnten angehende Fachkräfte leichter in verschiedenen Ländern arbeiten und Ausbildungsprogramme könnten sich an gemeinsamen Mindeststandards orientieren.

4. Verbesserte Abrechnungspraktiken für genetische Beratung bei medizinischer Indikation

In vielen Ländern wird die genetische Beratung, obwohl sie offiziell empfohlen oder sogar gesetzlich vorgeschrieben ist, bisher nicht vollständig von den Gesundheitssystemen oder Versicherungen übernommen. Eine verpflichtende Erstattung würde sicherstellen, dass Patientinnen und Patienten diese wichtige Leistung ohne zusätzliche Kosten in Anspruch nehmen können.

5. Genetik-Ausbildung für Onkologinnen und Onkologen

Die Delphi-Studie schlägt schließlich vor, dass Genetik ein verpflichtender Bestandteil der Ausbildung und Fortbildung für Onkologinnen und Onkologen werden sollte. Eine fundierte Schulung in genetischen Grundlagen, Risikobewertung und der richtigen Einordnung genetischer Testergebnisse würde Ärztinnen und Ärzten dabei helfen, besser zu erkennen, wann eine genetische Beratung oder ein Test sinnvoll ist und wie die Ergebnisse genutzt werden können. 

„Die Beseitigung gemeinsamer Hindernisse durch kollektives europäisches Handeln verspricht die effizienteste Erzielung verbesserter Ergebnisse. Mit dem Fahrplan der EU-Initiative „Joint Action on Personalized Cancer Medicine“ haben wir klare Schritte festgelegt, um den Zugang zur genetischen Beratung in der gesamten Europäischen Union nachhaltig zu verbessern. Somit erhöhen wir die Möglichkeiten aller Patientinnen und Patienten in der EU, zur richtigen Zeit die richtige Behandlung für ihre spezifischen körperlichen und genetischen Merkmale zu erhalten“, resümiert Prof. Dr. Anke Katharina Bergmann, Direktorin des Instituts für Klinische Genetik und Genommedizin am UKW.

Die von der Europäischen Kommission finanzierte Delphi-Studie ist ein Projekt des CAN.HEAL-Konsortiums. In diesem arbeiten Onkologen, Humangenetiker, genetische Berater und Patientenvertreter aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten zusammen, darunter auch Personen in Führungspositionen nationaler humangenetischer Berufsverbände in 13 Mitgliedstaaten sowie nationaler onkologischer Berufsverbände in sechs Mitgliedstaaten.

Publikation: McCrary, J.M., Van Valckenborgh, E., Horgan, D. et al. Priority European strategies for sustainable access to high-quality genetic counselling in cancer: A Delphi study. Eur J Hum Genet (2026). doi.org/10.1038/s41431-026-02015-y

Collage von freigestellten Personen, im Hintergrund Skizze von EU-Flagge
J. Matt McCrary und Anke K. Bergmann stellen im European Journal of Human Genetics fünf europäische Prioritätsmaßnahmen vor, für einen europaweit gerechteren Zugang zur personalisierten Krebsmedizin. Collage mit Canva
DNA unter Lupe
Damit personalisierte Krebstherapien ihr volles Potenzial entfalten können, brauchen Patientinnen und Patienten einen verlässlichen Zugang zu qualifizierter genetischer Beratung. Symbolbild von Canva/Africa Images