Aktuelle Pressemitteilungen

Grenzen der Immuntherapien überwinden

Optimierung von CAR-T-Zellen mit CRISPR 2.0

Im Rahmen des Emmy Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) baut Dr. Karl Petri am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) eine Arbeitsgruppe auf, um neuartige CRISPR 2.0-Werkzeuge zur Generierung und Verbesserung von krebsgerichteten CAR-T-Zellprodukten zu entwickeln.

 

Porträt von Karl Petri im Labor
Der Mediziner Dr. Karl Petri vom Uniklinikum Würzburg nutzt die CRISPR 2.0-Methode CRISPR Prime Editing, um die CAR-T-Zelltherapie für onkologische Erkrankungen noch effizienter und sicherer zu machen. © Daniel Peter / UKW
Gruppenbild von Karl Petri, Alexandre Trubert und Leon Gehrke im Labor
Karl Petri (links) baut mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Uniklinikum Würzburg eine Emmy Noether-Forschungsgruppe auf. Bereits im Team sind Alexandre Trubert (Mitte) und Leon Gehrke (rechts). © Daniel Peter / UKW

Würzburg. CAR-T-Zellen sind hocheffektiv in der Behandlung bestimmter Blutkrebsarten. Jedoch bestehen weiterhin Herausforderungen dieser neuen Therapieform, die erstmals 2017 in den USA und ein Jahr später in Europa für die Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) zugelassen wurde. Bislang gibt es zum Beispiel noch keine effektiven CAR-T-Zelltherapie für solide Tumoren. Weiterhin sind CAR-T-induzierte Remissionen nicht immer dauerhaft, und die CAR-T-Zell-Produktion ist langsam und aufwendig. Das möchte der Mediziner Dr. Karl Petri vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW) ändern, indem er mit einer weiterentwickelten CRISPR Methode die Immunzelltherapien für onkologische Erkrankungen noch effizienter, aber auch sicherer macht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt sein Forschungsvorhaben im Rahmen des Emmy Noether-Programms in den kommenden sechs Jahren mit knapp zwei Millionen Euro.

Projekt Prime-CAR Inspection im Emmy Noether-Programm der DFG

Prime-CAR Inspection heißt sein Projekt. Prime steht für die CRISPR 2.0-Methode CRISPR Prime Editing, die den gezielten und programmierbaren Einbau von DNA-Veränderungen in die therapeutischen T-Zellen ermöglicht; CAR für den chimären Antigenrezeptor, mit dem die körpereigenen T-Zellen der Patientinnen und Patienten ausgestattet werden und der den Immunzellen hilft, charakteristische Oberflächenmoleküle von Krebszellen zu erkennen und gezielt zu bekämpfen; Inspection für die Sicherheitvalidierung neuer Geneditierungsverfahren mit Hilfe modernster molekularer Diagnostik.
„Während bei der herkömmlichen CRISPR-Cas9-Methode ein Doppelstrangbruch in das DNA-Molekül eingebracht wird, genügt bei der CRISPR Prime Editing Methode ein Einzelstrangbruch, was präzisere Modifikationen der Zielzell DNA ermöglicht“, erklärt Karl Petri. Alle zwölf möglichen Basenpaar-Substitutionen sowie kleine Insertionen und Deletionen können mit CRISPR Prime Editing präzise in das T Zell Genom eingebracht werden.

Karl Petri: „Wenn man CRISPR-Cas9 als DNA-Schere bezeichnet, mit der man selektiv Genfunktionen ausschalten kann, dann ist Prime Editing vergleichbar mit Radiergummi und Bleistift, mit denen man DNA gezielt umschreiben kann.“

Neben der Optimierung der Geneditierungstechniken soll im Rahmen von Prime-CAR Inspection auch die Validierung der Sicherheit neuer Geneditierungstechniken standardisiert werden, damit eine klinische Translation möglich wird und am Ende leistungsfähigere CAR-T-Zellprodukte für Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom und anderen Krebserkrankungen zur Verfügung stehen.

Verbesserung krebsgerichteter CAR-T Zellen mit sicherheitsvalidierten CRISPR Prime Editoren

„Bisher ist die CAR-T-Zelltherapie für einzelne Blutkrebsarten zugelassen. Unser Ziel ist es, das Einsatzgebiet von CAR-T-Zelltherapien zu erweitern und ihre Wirksamkeit zu verbessern, so dass zum Beispiel auch solide Tumoren mit CAR-T-Zellen effektiv behandelt werden können. Außerdem wollen wir CAR-T Zellen so verändern, dass sie längere und dauerhafte Remissionen erzielen “, sagt Karl Petri. 

Auch allogene CAR-T-Zellen, also veränderte T-Zellen von gesunden Spenderinnen und Spendern, stehen im Fokus seiner Forschung. „Mit CRISPR 2.0-Editing können bestimmte Moleküle der CAR-T Zellen so verändert werden, dass die fremden Zellen vom Immunsystem nicht abgestoßen werden. Auf diese Weise können große Mengen von CAR-T-Zellen mit breiter Anwendbarkeit auf Vorrat hergestellt werden was eine schnellere und kostengünstigere Anwendung von CAR-T Therapien ermöglicht“, erläutert der gebürtige Frankfurter. 

Derzeit müssen für die CAR-T-Zelltherapie die weißen Blutkörperchen aus dem Blut der Erkrankten mittels Leukapherese von den übrigen Blutbestandteilen getrennt werden. Die Zellen werden im Labor gentechnisch verändert und den Betroffenen als lebendes Medikament über eine etwa zehnminütige Infusion wieder zugeführt. Eine einzige „scharf gemachte“ T-Zelle kann auf diese Weise Hunderte von Tumorzellen vernichten. Im Idealfall bleiben die T-Zellen ein Leben lang im Körper und schalten versteckte oder neu entstandene Tumorzellen aus. 

Universitätsmedizin Würzburg bietet einzigartiges Forschungsumfeld 

Karl Petri kam im Sommer 2023 nach Würzburg - nach einem sechsjährigen Forschungsaufenthalt am Massachusetts General Hospital und an der Harvard Medical School in Boston. Unter dem Mentoring von Prof. J. Keith Joung und Dr. Vikram Pattanayak beschäftigte er sich in den USA intensiv mit neuen Technologien wie der CRISPR 2.0 Geneditierung. „Für die Realisierung des Prime-CAR Inspection Programms bietet der Standort Würzburg ein einzigartiges Forschungsumfeld“, so Petri. Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am UKW, leistete Pionierarbeit auf dem Gebiet der CAR-T-Zelltherapie beim Multiplen Myelom, der zweithäufigsten Blutkrebserkrankung nach der Leukämie. Prof. Dr. Michael Hudecek, Leiter des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie, hat in Würzburg bereits im Jahr 2012 ein eigenes translationales Forschungsprogramm zu CAR-T-Zellen etabliert und wurde für seine innovativen Verfahren mehrfach ausgezeichnet. Auf dem Campus befindet sich zudem das von Prof. Jörg Vogel geleitete Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung, kurz HIRI, das mit seinen molekularbiologischen Methoden viele Anknüpfungspunkte bietet. Das HIRI ist auch Wirkstätte von Prof. Chase Beisel, einem Pionier der CRISPR Forschung, was viele methodische Synergien ermöglicht. Weitere Synergien, vor allem bei der Editierung von Immunzellen, ergeben sich mit der benachbarten Max-Planck-Forschungsgruppe für Systemimmunologie, kurz WÜSI, einer Initiative der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG).

Über das Emmy Noether-Programm:

Das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft richtet sich an hervorragend qualifizierte Postdocs sowie befristet beschäftigte Juniorprofessorinnen und –professoren in einer frühen Phase ihrer wissenschaftlichen Karriere. Das Programm ermöglicht ihnen, sich durch die eigenverantwortliche Leitung einer Emmy Noether-Gruppe über einen Zeitraum von sechs Jahren für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren.

Text: Kirstin Linkamp / UKW 

Hier geht es zur englischen Pressemeldung beim Informationsdienst Wissenschaft. 
 

Porträt von Karl Petri im Labor
Der Mediziner Dr. Karl Petri vom Uniklinikum Würzburg nutzt die CRISPR 2.0-Methode CRISPR Prime Editing, um die CAR-T-Zelltherapie für onkologische Erkrankungen noch effizienter und sicherer zu machen. © Daniel Peter / UKW
Gruppenbild von Karl Petri, Alexandre Trubert und Leon Gehrke im Labor
Karl Petri (links) baut mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Uniklinikum Würzburg eine Emmy Noether-Forschungsgruppe auf. Bereits im Team sind Alexandre Trubert (Mitte) und Leon Gehrke (rechts). © Daniel Peter / UKW

Der Verein „Medizinische Hilfe für Tschernobylkinder“ beendet seine Tätigkeit

Der am Uniklinikum Würzburg angesiedelte Verein „Medizinische Hilfe für Tschernobylkinder“ hat sich zum Mai 2024 aufgelöst. Ein Rückblick auf seine Entstehungsgeschichte und die in 28 Jahren bei der Behandlung von kindlichem Schilddrüsenkrebs erzielten Erfolge.

Prof. Reiners und junger Patient mit Mutter
Prof. Dr. Christoph Reiners vom Verein „Medizinische Hilfe für Tschernobylkinder“ Anfang der 2000er Jahre mit einem jungen Patienten und dessen Mutter. Bild: Johannes Biko / UKW

Würzburg. Auf Initiative des Nuklearmediziners Prof. Dr. Christoph Reiners wurde im Mai 1996 am Uniklinikum Würzburg (UKW) der gemeinnützige Verein „Medizinische Hilfe für Tschernobylkinder“ gegründet. Dessen Ziel war es, in Folge der Nuklearkatastrophe von 1986 an Schilddrüsenkrebs erkrankten Kindern eine möglichst gute Therapie und Nachsorge zu bieten. Anfang Mai dieses Jahres löste sich der Verein auf. Als Begründung für diesen Schritt führt Reiners, Vereinsvorstandsvorsitzender und bis 2010 Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des UKW, an: „Zum einen konnte mit unserer Unterstützung in Belarus – früher als Weißrussland bezeichnet – eine adäquate lebenslange Nachsorge der mittlerweile erwachsenen Patientinnen und Patienten aufgebaut werden, so dass ausländische Hilfe nicht mehr zwingend erforderlich ist. Zum anderen haben wir in den letzten Jahren durch Tod oder politisch motivierte Auswanderung viele unserer jahrelangen Kooperationspartnerinnen und -partner in der belarussischen Hauptstadt Minsk verloren.“ Das Vereinsende ist Anlass, auf die Hintergründe, Maßnahmen und Ergebnisse des grenzüberschreitenden Hilfsangebots zurückzublicken.

Gehäuftes Auftreten von Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen

Bei der Atomreaktorkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl wurden große Mengen an radioaktivem Jod freigesetzt, die vorwiegend mit dem Wind nach Belarus verbracht wurden. Aufgenommen über die Atemwege und die Nahrung, reicherte es sich bei den Menschen in der Schilddrüse an. Bei Kindern ist das Organ deutlich strahlenempfindlicher als bei Erwachsenen. Deshalb kam es in den Folgejahren des Unglücks in Belarus zu einem gehäuften Auftreten von Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen in den benachbarten Regionen des grenznahen Tschernobyl. Zwischen 1986 und 2000 erkrankten über 1.000 Kinder und Jugendliche an Schilddrüsenkarzinom. Neben dem Befall der Hormondrüse selbst besteht bei Kindern zudem ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung von Fernmetastasen in der Lunge.

Bedingt durch den mittlerweile stattgefundenen radioaktiven Zerfall des bei dem Unglück 1986 ausgebrachten strahlenden Jods sind heutige Kinder vollkommen unbetroffen. „Nur die Menschen, die damals Kinder waren und deren Schilddrüsen das radioaktive Jod aufgenommen haben, leben mit einem – mit dem Alter abnehmenden – erhöhten Risiko, auch als Erwachsene noch an Schilddrüsenkrebs zu erkranken“, verdeutlicht Reiners.

Therapieweg und Nachsorgeaufwand

Zur optimalen Behandlung der Krebserkrankung muss die Schilddrüse komplett operativ entfernt werden. Häufig schließt sich eine Radiojodtherapie an, um eventuelle verbleibende Schilddrüsenzellen oder Metastasen zu zerstören. Einen besonderen Stellenwert hat nach den Worten von Prof. Reiners zudem die lebenslange hormonelle Nachsorge. Da die Schilddrüse Thyroxin produziert, müssen Patientinnen und Patienten, denen die Schilddrüse entfernt wurde, dieses Hormon dauerhaft in Tablettenform einnehmen. Um die richtige Dosis zu ermitteln und im Verlauf anzupassen, sind regelmäßige Blutuntersuchungen notwendig. „Die hormonellen Veränderungen der Pubertät erfordern eine besonders intensive Kontrolle und Nachjustierung“, unterstreicht der Nuklearmediziner.

Wie kam es zur Vereinsgründung?

Die Initialzündung für die Entwicklung eines deutschen Vereins war Zufall: 1992 begegnete Christoph Reiners – damals noch als Professor für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Essen – auf dem dortigen Krankenhausgelände einer belarussischen Mutter mit ihrem an Schilddrüsenkrebs erkrankten siebenjährigen Sohn. Da die Ärzte in der Heimat dem Jungen nur noch drei Monate zu leben gegeben hatten, suchte sie verzweifelt nach einem Experten für eine weitere Behandlung. „Dieser erste Patient war für mich der Beweis, dass es in Belarus nach Tschernobyl ein Problem mit Schilddrüsenkarzinom gab – eine Tatsache, die die medizinische Weltöffentlichkeit damals noch nicht ausreichend zu Kenntnis genommen hatte“, beschreibt Reiners. Ein paar Monate später reiste er mit einer internationalen Delegation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach Belarus und konnte sich vor Ort ein Bild machen. Es zeigte sich, dass im Land für die erkrankten Kinder keine ausreichenden Behandlungsmöglichkeiten bestanden. Um hier weiterzuhelfen, rief der engagierte Arzt schließlich den Verein „Medizinische Hilfe für Tschernobylkinder e.V.“ ins Leben.

Die Leistungen des Vereins

Bei weiteren, rund 20 Reisen nach Belarus und mit vielen Treffen mit internationalen Kolleginnen und Kollegen trug Prof. Reiners dazu bei, die nötigen Behandlungskonzepte zu entwickeln. Außerdem sammelte er zusammen mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern mehrere Millionen Euro, die in Belarus in Behandlungseinrichtungen und gemeinsame Forschungsprojekte flossen.

Für eine optimale Therapie und Verlaufskontrolle war es allerdings anfänglich über mehrere Jahre hinweg erforderlich, Kinder mit besonders fortgeschrittenem Schilddrüsenkrebs ans UKW zu holen. 250 Kinder konnten dort bei insgesamt 1000 einwöchigen Aufenthalten erfolgreich behandelt werden. „Die für alle diese Kinder lebensrettenden Therapieergebnisse beruhen auf einer hervorragenden Teamleistung“, betont Prof. Reiners und präzisiert: „So konnten wir beispielsweise bei der Problematik der Lungenmetastasen auf die Sachkompetenz von Prof. Dr. Helge Hebestreit, dem Leiter des Schwerpunkts Pädiatrische Pneumologie am UKW, zugreifen. Ein weiterer Glücksgriff – gerade für die Kommunikation mit den Kindern, deren Angehörigen und den Institutionen in Belarus – war die Einstellung des tadschikischen, deutschstämmigen Arztes Dr. Johannes Biko an der Würzburger Universitäts-Klinik für Nuklearmedizin.“

Im Jahr 2011 zeichnete sich ab, dass mit großzügiger finanzieller Unterstützung der EU zwei neu eingerichtete Zentren in Minsk und der zweitgrößten belarussischen Stadt Gomel künftig in der Lage sein würden, die Radiojod-Behandlung nach dem Würzburger Konzept durchzuführen. Allerdings bestanden zu jenem Zeitpunkt im belarussischen Gesundheitssystem noch massive Defizite bei der hormonellen Nachsorge der mittlerweile erwachsenen „Tschernobylkinder“. Deshalb kaufte der Verein in jenem Jahr im Stadtzentrum von Minsk eine Wohnung, die zu einer kleinen Ambulanz mit Übernachtungsmöglichkeit umgebaut wurde. Vom Verein mit einfachen Medizingeräten und einem gebrauchten Laborautomaten für Hormonanalysen ausgestattet, konnten dort nun schwerpunktmäßig junge Frauen mit Kinderwunsch oder bereits Schwangere beraten und mit Arzneimittelspenden aus Deutschland versorgt werden. „Ein besonders schönes Feedback der vergangenen Jahre zu unserer Arbeit waren weit über 200 Geburtsanzeigen, Babyfotos und Mitteilungen über gesunde Nachkommen. Zugeschickt wurden sie von unseren ehemaligen Kinderpatientinnen und -patienten, jetzt selbst dankbare Eltern“, merkt Prof. Reiners an.

Ein großer Dank für die breite Unterstützung

Anlässlich der Auflösung des Vereins dankt der Vorstandsvorsitzende neben den Vereinsmitgliedern und den an der Behandlung der Tschernobylkinder beteiligten UKW-Beschäftigten vor allem auch den zahlreichen Sponsoren. Mit ihren Spenden, viele in Verbindung mit Benefizaktionen des Vereins, machten sie nach seinen Worten die erfolgreiche Arbeit in den vergangenen 28 Jahren überhaupt erst möglich.

 

Text: Pressestelle / UKW

 

Prof. Reiners und junger Patient mit Mutter
Prof. Dr. Christoph Reiners vom Verein „Medizinische Hilfe für Tschernobylkinder“ Anfang der 2000er Jahre mit einem jungen Patienten und dessen Mutter. Bild: Johannes Biko / UKW

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg: Das Childhood-Haus Würzburg nimmt Form an

Ein bedeutender Schritt im Kinderschutz: Das Childhood-Haus in Würzburg soll nun Realität werden. Ein Childhood-Haus ist eine kinderfreundliche, multidisziplinäre, ambulante Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die Opfer oder Zeugen von sexualisierter und körperlicher Gewalt geworden sind.

Gruppenbild Protagonisten des Childhood-Hauses Würzburg
Die Protagonisten des Childhood-Hauses Würzburg bei der konstituierenden Sitzung am 30.07.2024. Bild: Alina Menschick / UKW

Würzburg. Dank einer langjährigen Kooperation mit der World Childhood Foundation, gegründet von Königin Silvia von Schweden, ist es gelungen, ein breites regionales Bündnis zur Etablierung eines Childhood-Hauses in Würzburg zu mobilisieren. Am Dienstag, den 30. Juli, hat sich der Förderverein Projekt Childhood-Haus Würzburg gegründet, um den Aufbau der neuen Einrichtung zu unterstützen.

Bereits im September 2015 entstanden im Rahmen einer Fachtagung mit Benefizgala in der Würzburger Residenz erste persönliche Kontakte zu der World Childhood Foundation, die schon zuvor Projekte von Wildwasser Würzburg e.V. in der Region unterstützt hat.

Die Schaffung einer gut strukturierten, zentralen Anlaufstelle, die alle notwendigen interdisziplinären Professionen unter einem Dach vereint, um eine optimale Versorgung für Kinder und Jugendliche mit Missbrauchserfahrungen zu gewährleisten, ist Kernpunkt der Initiative. Die Folgen eines Traumas zu mindern, Geschehenes strafrechtlich aufzuarbeiten und weitere Übergriffe zu verhindern, sind auch erklärte Ziele der Vereinsmitglieder.

Eine neue Dimension regionaler Zusammenarbeit im Bereich Kinderschutz

Das Universitätsklinikum, die Julius-Maximilians-Universität, die Stadt Würzburg, die Landkreise Würzburg und Main-Spessart, sowie pro familia Bezirksverband Unterfranken e.V., Wildwasser Würzburg e.V., Menschenskinder e.V. und die Flyeralarm Kids Foundation setzen sich künftig dafür ein, das Childhood-Haus langfristig zu sichern und den Kinderschutz in der Region weiter zu stärken. Die Kooperation ist geprägt von einer intensiven Vernetzung der existierenden regionalen Beratungs- und Behandlungsangebote.

Diese Haltung spiegelt sich auch in der Vorstandschaft des gemeinnützigen Fördervereins wider. Åsa Petersson wurde zur ersten Vorsitzenden gewählt. Prof. Christoph Härtel, Direktor der Kinderklinik am UKW, übernimmt den stellvertretenden Vorsitz. Weitere Vorstandsmitglieder sind Petra Müller-März, Wildwasser Würzburg e.V. sowie Prof. Marcel Romanos, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und psychosomatik am UKW.

Erste positive Effekte des Projekts sind bereits spürbar. Ein gemeinsamer Besuch im Childhood- Haus Heidelberg und die Gespräche mit den dortigen Fachkolleginnen und -kollegen haben wichtige Erkenntnisse gebracht.

Das Childhood-Haus Konzept

Bisher droht von Gewalt betroffenen Kindern und Jugendlichen die Gefahr, während eines Strafverfahrens mehrfach befragt zu werden – von der ersten polizeilichen Befragung über die medizinische Untersuchung bis hin zum Gerichtsverfahren –, was zu Retraumatisierungen führen kann. Die speziell eingerichteten Räumlichkeiten im Childhood-Haus, geschultes Fachpersonal und kurze Wege zwischen den beteiligten Behörden schützen die Betroffenen vor Mehrfachbefragungen.

"Wir wollen einen Perspektivwechsel initiieren. Das betroffene Kind bzw. der/die betroffene Jugendliche steht im Mittelpunkt der Überlegungen und notwendigen Maßnahmen, um die Belastung zu verringern. Das bedeutet, dass im Childhood-Haus die Abklärung und insbesondere auch die strafrechtliche Aufarbeitung unter vorrangiger Berücksichtigung des Schutz-, Unterstützungs- und Hilfebedarfs des betroffenen Kindes/Jugendlichen erfolgt. Ich freue mich, dass nun in Würzburg der zweite bayerische Standort entsteht", so Dr. Astrid Helling-Bakki, Geschäftsführerin der World Childhood Foundation Deutschland.

Als Nächstes soll mit den Justizbehörden eine Kooperationsvereinbarung geschlossen werden, die die Zusammenarbeit zwischen dem Förderverein Projekt Childhood-Haus Würzburg e.V., dem Amtsgericht Würzburg, dem Landgericht Würzburg und den Ermittlungsbehörden regelt.

Text: Åsa Petersson

 

Gruppenbild Protagonisten des Childhood-Hauses Würzburg
Die Protagonisten des Childhood-Hauses Würzburg bei der konstituierenden Sitzung am 30.07.2024. Bild: Alina Menschick / UKW

Die spannende Reise in die Welt der Krebsforschung geht weiter

Im Podcast „Krebsforschung im Gespräch“ sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Comprehensive Cancer Center Allianz WERA über aktuelle Themen der Krebsforschung, geben exklusive Einblicke in ihren Arbeitsalltag und erklären einfach und verständlich, wie und an welchen Themen sie forschen. Die spannende Reise in die Krebsforschung geht weiter – mit neun weiteren Folgen ab 1. August 2024.

Dr. Elisabeth Jentschke und Prof. Imad Maatouk
Talkgäste am 1. August 2024: Dr. Elisabeth Jentschke und Prof. Dr. Imad Maatouk vom Universitätsklinikum Würzburg

Start in Würzburg am 1. August 2024

Der erfolgreiche Podcast „Krebsforschung im Gespräch“ startet seine zweite Staffel am 1. August 2024 mit zwei Experten des Uniklinikums Würzburg (UKW): In der Folge „Psychoonkologie – ein integrativer Bestandteil in Klinik und Forschung“ sprechen sie mit der Moderatorin Anne Kollikowski (CCC Mainfranken) über ihr interdisziplinäres Fachgebiet und erklären, wie durch psychologische Unterstützung und Therapie die Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten und ihren Angehörigen verbessert werden kann.

Talkgäste: Dr. Elisabeth Jentschke, Psychoonkologin und -therapeutin, Leiterin der Psychoonkologischen, Neuropsychologischen und Gerontologischen Dienste am UKW, und Prof. Imad Maatouk, Facharzt für Innere Medizin sowie für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Professur für Medizinische Psychosomatik am UKW

Die nächste Folge am 15. August 2024

Weiter geht es am 15. August 2024 mit der Folge „Ernährung und Krebs“. Zwei Expertinnen aus Erlangen und Würzburg informieren über ausgewogene Ernährung als Basis für ein gesundes Leben, ihre präventive Wirkung auf die Entstehung einiger Krebsarten und über die bedarfsgerechte Ernährung im Falle einer Krebserkrankung.

Talkgäste: Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Leiterin vom Hector Center für Ernährung, Bewegung und Sport der Medizinischen Klinik 1 am Uniklinikum Erlangen, und PD Dr. Claudia Löffler, Leiterin des Teams „Komplementäre Onkologie Integrativ“ am CCC Mainfranken am UKW

Ausblick auf den 1. Oktober 2024

In einer weiteren Episode ab 1. Oktober 2024 greifen zwei Würzburger Expertinnen das Thema der geriatrischen Onkologie auf. In der Folge „Forschen für die Hochbetagten“ geht es um Krebs als Erkrankung im hohen Alter und um die vielfältigen Möglichkeiten der Altersmedizin, um die Lebensqualität und Selbstständigkeit der hochbetagten Erkrankten während und nach einer Tumortherapie zu erhalten oder sogar zu verbessern.

Talkgäste: PD Dr. Barbara Deschler-Baier, Fachärztin für Innere Medizin und Hämatoonkologie, Oberärztin am CCC Mainfranken, Leitung des Bereichs „Experimentelle Tumortherapie“ der Interdisziplinären Studienambulanz, Universitätsklinikum Würzburg, und Dr. Miriam Hüttmeyer, angehende Allgemeinmedizinerin und ärztliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgemeinschaft „Geriatrische Onkologie“ am CCC Mainfranken, Universitätsklinikum Würzburg

Kurzweilig, offen, einfach und verständlich

Im Podcast „Krebsforschung im Gespräch“ erhalten die Zuhörenden vielfältige Einblicke, wie und an welchen Themen im Kontext Krebs aktuell geforscht wird. Kurzweilig, offen, einfach und verständlich – in neun weiteren Folgen ab 1. August 2024 sind Forschende aus den Onkologischen Spitzenzentren in Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg im Gespräch mit Moderatorin Anne Kollikowski (CCC Mainfranken):

  • #01 Psychoonkologie – ein integrativer Bestandteil in Klinik und Forschung
    ab 1. August 2024 mit Dr. Elisabeth Jentschke & Prof. Imad Maatouk
  • #02 Ernährung und Krebs
    ab 15. August 2024 mit Prof. Dr. Yurdagül Zopf & PD Dr. Claudia Löffler
  • #03 Krebs und Kinderwunsch
    ab 1. September 2024 mit PD Dr. Laura Lotz
  • #04 Forschen für die Jüngsten
    ab 15. September 2024 mit Prof. Michael Frühwald
  • #05 Forschen für die Hochbetagten
    ab 1. Oktober 2024 mit PD Dr. Barbara Deschler-Baier & Dr. Miriam Hüttmeyer
  • #06 Mit digitaler Medizin gegen Brustkrebs: „digiOnko“
    ab 15. Oktober 2024 mit PD Dr. Hanna Hübner
  • #07 Strahlen gegen Krebs – Forschung in der Radioonkologie
    ab 1. November 2024 mit Prof. Oliver Kölbl
  • #08 Künstliche Intelligenz zur Krebsfrüherkennung
    ab 15. November 2024 mit Dr. Andrea Schuh & Dr. Josua Decker
  • #09 Krebsforschung – wo geht die Reise hin?
    ab 1. Dezember 2024 mit Prof. Tobias Pukrop

Eine spannende Reise in der Welt der Krebsforschung

Mit Geschichten aus dem Forschungsalltag nimmt der erfolgreiche Podcast seit April 2023 in bereits 13 Folgen alle Interessierten auf eine Reise in die Welt der Krebsforschung mit. Bei der Konzeptionierung und Planung des Podcast waren auch Patientenvertreterinnen und -vertreter beteiligt und haben die Initiative der Onkologischen Spitzenzentren in Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg maßgeblich unterstützt.

Die CCC Allianz WERA

Zusammen bilden die vier Standorte der Comprehensive Cancer Center in Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg die CCC Allianz WERA. Als „Onkologisches Spitzenzentrum der Deutschen Krebshilfe“ hat die Allianz aus den vier starken Krebsversorgungs- und -forschungszentren zum Ziel, mit neuen Konzepten zu Krebsforschung und -versorgung wesentlich zum Fortschritt in der Krebsmedizin beizutragen und mehr als acht Millionen Einwohner in einem großen Teil von Bayern mit Spitzenmedizin zu versorgen. Zudem ist WERA Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT). Darüber hinaus sind die vier Standorte Teil des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF).

Website: www.ccc-wera.de/podcast/

Kontakt: CCC Allianz WERA, Annette Popp (CCC Mainfranken), E-Mail: popp_a3@ ukw.de

Dr. Elisabeth Jentschke und Prof. Imad Maatouk
Talkgäste am 1. August 2024: Dr. Elisabeth Jentschke und Prof. Dr. Imad Maatouk vom Universitätsklinikum Würzburg

Uniklinik Würzburg baut mit neuem Angebot geriatrische Versorgung in Unterfranken aus

Neue UKW-Fachabteilung soll im Januar 2025 starten / Ausbau der Altersmedizin / Uniklinik erwirbt Geriatrische Rehabilitationsklinik der AWO / Sichere Perspektiven für das Personal

geriatrische Rehabilitationsklinik der AWO
Die geriatrische Rehabilitationsklinik der AWO in Würzburg. Anfang 2025 soll dort eine neue UKW-Fachabteilung starten. Damit kann die geriatrische Versorgung an diesem Standort für Unterfranken langfristig gesichert werden. Bild: Juri Samochwalow / AWO Unterfranken

Würzburg. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) wird in dem Gebäude der Geriatrischen Rehabilitationsklinik der AWO Unterfranken e.V. in Würzburg eine neue „Fachabteilung für Akutgeriatrie und geriatrische Frührehabilitation“ aufbauen. Diese neue UKW-Fachabteilung soll ihren Betrieb zum 1. Januar 2025 am Standort der jetzigen Reha-Klinik in der Kantstraße aufnehmen. Dazu erwirbt die Würzburger Uniklinik das Klinikgebäude der Geriatrischen Rehabilitationsklinik und das dazugehörige Gelände der AWO.

Langjährige Kompetenz ergänzt Angebot des UKW

„Dies ist eine weitreichende strategische Entscheidung des UKW. Mit der langjährig aufgebauten geriatrischen Kompetenz an der AWO Reha-Klinik können wir unser Angebot im UKW ideal ergänzen, davon lernen und gemeinsam weiterentwickeln. Und wir erhalten damit die dringend notwendige geriatrische Versorgung in der Region. Viele ältere und mehrfach erkrankte Patienten sind nach einer akuten Erkrankung stark beeinträchtigt. Es kann sein, dass sie dauerhaft pflegebedürftig werden. Ziel der frühzeitig einsetzenden geriatrischen Komplexbehandlung soll für viele dieser Patienten sein, wieder aktiv am Alltagsleben teilhaben zu können. Genau hier setzt das zukünftige Versorgungsangebot des UKW an“, erklärt PD Dr. Tim von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Würzburger Uniklinik.

Unter den Bedingungen einer akutstationären Krankenhausbehandlung wird diese Behandlungsform als „Geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung“ beschrieben und unterliegt strengen Qualitätskontrollen durch den Medizinischen Dienst. Ein vergleichbares Versorgungsangebot fehlt in Unterfranken bislang in den Kreisen Würzburg, Kitzingen und Main-Spessart. Die Fachabteilung verfügt über insgesamt 90 Betten, die im Rahmen eines Stufenkonzeptes ab Januar 2025 in Betrieb genommen werden sollen und der Medizinischen Klinik und Poliklinik I zugeordnet wird. Zudem wird es 20 teilstationäre Behandlungsplätze geben.

 „Zukunftsweisende und tragfähige Lösung“

Das UKW übernimmt das gesamte Personal der AWO-Rehaklinik und sichert der Belegschaft einen Übergang in das attraktive Tarifsystem des UKW zu. Durch die Übernahme des Gebäudes und die Aufnahme des Betriebs durch das Universitätsklinikum Würzburg Anfang nächsten Jahres kann die geriatrische Versorgung an diesem Standort für Unterfranken langfristig gesichert werden.

Die AWO findet durch die Partnerschaft mit der Uniklinik eine „zukunftsweisende und tragfähige Lösung, die allen zugutekommt – den Patientinnen und Patienten, dem Geriatrie-Standort Würzburg sowie den 193 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Rehaklinik“, so Martin Ulses, Bezirksgeschäftsführer der AWO Unterfranken.

Die Geriatrische Rehaklinik der AWO litt in den letzten Jahren an einer nicht auskömmlichen Finanzierung seitens der Krankenkassen. „Die uns gewährten Pflegesätze ließen nie eine sichere betriebswirtschaftliche Planung zu. Die Finanzierung über die Pflegesätze ist ausgelegt auf eine 95%-Belegung. Das Erreichen dieser Auslastung war bestenfalls in Spitzenmonaten möglich. Auf Jahressicht gelang dies in all den Jahren des Betriebs als Rehabilitationseinrichtung nicht annähernd. Ich kann unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Klinik gar nicht genug für ihre wertvolle Arbeit danken, die sie trotz der immensen wirtschaftlichen Herausforderungen immer zum Wohle aller Patientinnen und Patienten erbracht haben. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass so viele Menschen nach ihrer Reha wieder in ihr gewohntes familiäres Umfeld zurückkehren konnten, statt ins Pflegeheim zu müssen,“ so Ulses.

Neue Struktur bringt Verbesserung der Arbeitssituation

Mit dem neuen Betriebskonzept des UKW greifen künftig andere Vorgaben. In Krankenhäusern der akutstationären Versorgung gelten besondere Regeln zur personellen Mindestausstattung auf den Stationen. Diese Anforderungen führen im Vergleich zum Personaleinsatz in einer Rehabilitationsklinik zu einer besseren Steuerung der Belastung für die Pflege. Die maßgeblichen Personalschlüssel werden auch in der neuen Abteilung des UKW umgesetzt.

„Wir bieten am neuen Standort den dort tätigen Beschäftigten sehr abwechslungsreiche und interessante Arbeitsplätze mit sicheren persönlichen Perspektiven und der engen Einbindung in den universitären Versorgungsauftrag der Pflege an. Gleichzeitig können die Mitarbeiter der AWO in ihrem gewohnten Arbeitsumfeld weiter tätig bleiben und haben natürlich den Zugang zu den umfassenden Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und den Karrierepfaden am UKW“, so Marcus Huppertz, Pflegedirektor der Würzburger Uniklinik.

Wichtige Vorbereitung auf die Alterung der Bevölkerung / Langfristige Stärkung der Altersmedizin in Würzburg

Ab dem Jahr 2030 wird die Zahl der älteren und der hochbetagten Einwohner über 80 Jahre stark ansteigen; gegen 2045 wird der vorläufige Höhepunkt erreicht. Gleichzeitig nimmt die Zahl der beruflich tätigen Menschen ab. Um die sich öffnende Schere zwischen Behandlungsbedarf und Behandlungsmöglichkeiten in Zukunft zu kompensieren, wird auch in der ärztlichen Tätigkeit zunehmend eine altersmedizinische Kompetenz erforderlich. „Durch die Einbindung der Akutgeriatrie in die Strukturen der Universitätsmedizin Würzburg leisten wir unseren Beitrag zur Vorbereitung auf den demografischen Wandel in den nächsten Jahrzehnten. Die Universitätsmedizin Würzburg stärkt damit die Altersmedizin in Unterfranken und Bayern auch dauerhaft“, erklärt Philip Rieger, Kaufmännischer Direktor des UKW.

Auch die Forschung und Lehre in Würzburg werde davon profitieren, betont der Dekan der Medizinischen Fakultät Würzburg, Prof. Dr. Matthias Frosch: „Die Bedeutung der Altersmedizin wird in den kommenden Jahren stetig wachsen. Mit der neuen Abteilung am UKW können wir auf diesem Gebiet neue Schwerpunkte setzen und die studentische Ausbildung weiter stärken.“

Zeitnahe und unmittelbare Weiterversorgung möglich

Für die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung werden Patientinnen und Patienten mit dem Betrieb durch das UKW zukünftig direkt von ihren behandelnden Klinikärzten der neuen UKW-Abteilung zugewiesen. Damit ist eine zeitnahe und unmittelbare Weiterversorgung dort möglich. Bisher ist es noch so, dass bei einer Verlegung in die jetzige Geriatrische Rehabilitationsklinik der AWO ein Antragsverfahren beim Kostenträger (in der Regel die Krankenkasse) erforderlich ist. Das konnte dazu führen, dass zur zeitlichen Überbrückung nach einer akuten Erkrankung eine Kurzzeitpflege erforderlich war.

In den kommenden Wochen wird das Betriebskonzept fertiggestellt. Die Aufsichtsgremien von AWO und UKW haben der Transaktion bereits zugestimmt. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AWO wurden am 30. Juli 2024 über die Neuausrichtung der Klinik und die damit einhergehende sichere Zukunftsperspektive am UKW ab 2025 informiert.

geriatrische Rehabilitationsklinik der AWO
Die geriatrische Rehabilitationsklinik der AWO in Würzburg. Anfang 2025 soll dort eine neue UKW-Fachabteilung starten. Damit kann die geriatrische Versorgung an diesem Standort für Unterfranken langfristig gesichert werden. Bild: Juri Samochwalow / AWO Unterfranken

Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom für Studie zu Ohrakupressur gesucht

Kann Ohrakupressur nach dem NADA Protokoll helfen, die Symptomlast bei Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom unter laufender Therapie zu lindern? Dieser Frage geht eine vom Uniklinikum Würzburg geleitete Studie nach, für die jetzt noch weitere Teilnehmende gesucht werden.

spezielle Akupressurpflaster am Ohr
Bei der Studie kommen spezielle Akupressurpflaster zum Einsatz, die ein kleines, goldbeschichtetes Kügelchen am Ohr andrücken. Bild: Claudia Löffler / UKW

Würzburg. Das Multiple Myelom ist eine Untergruppe des Lymphknotenkrebses. Daran Erkrankte berichten vielfach über belastende Symptome. Diese sind sowohl durch die Krankheit selbst, als auch durch die Therapie bedingt und können die Lebensqualität einschränken. In Studien werden am häufigsten Schmerzen, Schlafstörungen, Fatigue sowie Einschränkungen der Konzentrations- und Merkfähigkeit beschrieben.

Möglicherweise lassen sich genau diese Beschwerden durch Ohrakupressur lindern. Das will die derzeit laufende Studie MY-ACU untersuchen, für die bis Ende 2024 weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht werden.

Durchgeführt wird das Projekt von dem am Uniklinikum Würzburg angesiedelten Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC-MF) in Kooperation mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart sowie der Charité Berlin.

Akupressur als Säule der Therapie?

Privatdozentin Dr. Claudia Löffler vom CCC MF erläutert: „Akupunktur und Akupressur haben sich bereits in vielen Studien als wirksame ergänzende Therapieoptionen erwiesen. Jetzt geht es darum, möglichst einfache Konzepte zu entwickeln, die die Beschwerden effektiv lindern und möglichst vielen Patientinnen und Patienten zugänglich gemacht werden können.“ Ob dies für das sogenannte NADA-Protokoll zutrifft, soll in der MY-ACU-Studie untersucht werden. Beim NADA-Protokoll werden nach einem standardisierten Konzept fünf definierte Punkte an den Ohren mit Akupressur behandelt.

Die Studienteilnehmenden sind eingeladen, über einen Zeitraum von acht Wochen einmal wöchentlich eine Akupressurbehandlung am Ohr zu erhalten. Vorab werden sie ausführlich in den Ablauf eingewiesen und durchlaufen eine Eingangsuntersuchung.

Teilnahmevoraussetzungen

An der Studie teilnehmen können Frauen und Männer ab 18 Jahren, die bei Multiplem Myelom eine Therapie erhalten und unter Symptomen durch die Erkrankung oder Therapie leiden. Da im Studienverlauf das Befinden mittels digitaler Tagebücher dokumentiert wird, sollten sie ein Smartphone oder Tablet besitzen und bedienen können

Interessierte kontaktieren das Studienteam am CCC MF unter der E-Mail-Adresse:
koi-studien_ccc@ ukw.de
, Betreff „MY-ACU-Studie“.

spezielle Akupressurpflaster am Ohr
Bei der Studie kommen spezielle Akupressurpflaster zum Einsatz, die ein kleines, goldbeschichtetes Kügelchen am Ohr andrücken. Bild: Claudia Löffler / UKW

Rekordfinanzierung: 150 Millionen US-Dollar für CatalYm

Das aus der Uni Würzburg entstandene Startup CatalYm hat sich eine Finanzierung von 150 Millionen US-Dollar gesichert. Das Unternehmen entwickelt eine innovative Krebstherapie.

Professor Jörg Wischhusen, Hauptgründer der CatalYm GmbH. (Bild: Michael Hoetzel / DGPh)
Professor Jörg Wischhusen, Hauptgründer der CatalYm GmbH. (Bild: Michael Hoetzel / DGPh)

Seit 2012 arbeitet ein Team um Professor Jörg Wischhusen von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg an einer innovativen Immuntherapie gegen Krebs. Die Arbeiten bildeten 2016 die Basis für die Gründung der CatalYm GmbH, die das Konzept in die klinische Anwendung überführt hat.

Im Juli 2024 hat CatalYm nun bekanntgegeben, dass es sich eine Rekordfinanzierung von 150 Millionen US-Dollar gesichert hat: Sie gehört bislang zu den zehn größten Finanzierungen in Deutschland im Jahr 2024.

Das frische Geld dient der Ausweitung der Phase-2b-Studie mit Visugromab, einem vielversprechenden Krebsmedikament. Visugromab ist ein von der JMU lizenzierter Antikörper, der den von vielen Tumoren produzierten Wachstumsdifferenzierungsfaktor GDF-15 neutralisiert – ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die bei Krebstherapien auftretende Immunresistenz.

Die Investoren

Die überzeichnete Finanzierungsrunde wurde von den neuen Investoren Canaan Partners und Bioqube Ventures angeführt und von Forbions Growth Opportunities Fund, Omega Funds und Gilde Healthcare unterstützt. Die bestehenden Investoren Jeito Capital, Brandon Capital Partners, Novartis Venture Fund und Vesalius nahmen ebenfalls an der Runde teil.

CatalYm hatte es bereits 2020 und 2022 geschafft, jeweils die stolze Summe von 50 Millionen Euro bei Investoren einzusammeln.

Unterstützt durch das SFT der Uni Würzburg

Das JMU-Servicezentrum Forschung und Technologietransfer (SFT) und das Innovations- und Gründerzentrum Würzburg (IGZ) haben das Team um Professor Jörg Wischhusen auf dem Weg zur Gründung der CatalYm unterstützt. Die Einrichtungen berieten die Forschenden bei der Ausgründung und unterstützten sie bei Förderanträgen.

„Die patentrechtliche Sicherung des Antikörpers durch die JMU war ein entscheidender Schritt für die erfolgreiche Firmengründung“, erinnert sich SFT-Leiterin Iris-Zwirner-Baier. Ende 2018 hat das Unternehmen seinen Schwerpunkt ans Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie in Martinsried verlegt.

Von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Uni Würzburg

Professor Jörg Wischhusen, Hauptgründer der CatalYm GmbH. (Bild: Michael Hoetzel / DGPh)
Professor Jörg Wischhusen, Hauptgründer der CatalYm GmbH. (Bild: Michael Hoetzel / DGPh)