Das Integrierte Krebsforschungs- und -behandlungszentrum (Comprehensive Cancer Center – CCC) Mainfranken organisiert gemeinsam mit der Würzburger Gruppe der Frauenselbsthilfe nach Krebs am Samstag, den 23. Juni 2018, zum zweiten Mal einen Krebs-Selbsthilfe-Tag. Die kostenlose Veranstaltung unter dem Titel „Alles, was der Seele gut tut“ richtet sich an Betroffene, Angehörige und sonstige Interessierte. Zwischen 9:00 und etwa 16:00 Uhr sind sie zu Vorträgen und Seminaren ans Zentrum für Innere Medizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) an der Oberdürrbacher Straße eingeladen. Schirmherr ist der Würzburger Schwimmweltmeister Thomas Lurz, der zum Informationstag auch einen Vortrag über „Höhen und Tiefen im Leben“ beisteuern wird. Weitere Referate des Vormittags thematisieren „Angst als Schutz oder Belastung“ und „Wie Gedanken unsere Wirklichkeit beeinflussen“.
Am Nachmittag können die Teilnehmer/innen aus einem Spektrum von fünf verschiedenen (Mitmach-)Seminaren auswählen. Themen sind „Lebenslust und Sterbensangst – die Tragweite von Ambivalenzen“, „Die Kraft der Selbsthilfe im Wandel der Zeit“, „Hilfe und Unterstützung für Angehörige und Krebspatienten“, „Stress und Gesundheit“ sowie „Schmerz und Atemnot“. Eine Anmeldung für das jeweilige Seminar ist am Aktionstag selbst vor Ort möglich.
Ergänzt wird der Krebs-Selbsthilfe-Tag durch einen Comedy- und Gesangsauftritt der Würzburger Kabarettistin Heike Mix – und als kleine Stärkung gibt es in der Mittagspause Soulfood von Reiser’s Genussmanufaktur.
Zur besseren Planung der Imbisspause bitten die Veranstalterinnen des Aktionstags um eine Anmeldung bis zum 10. Juni 2018 unter E-Mail: anmeldung_ccc@ukw.de oder Telefon: 0931/20135350.
Das vollständige Programm mit allen Details und Uhrzeiten findet sich im Internet unter www.ccc.uni-wuerzburg.de
Aktuelle Pressemitteilungen
„Zur Behandlung von Krebsarten in der Leber stehen zum Teil hochaggressive Zytostatika zur Verfügung, die zwar die Metastasen im Organ wirksam bekämpfen, aber im restlichen Körper starke Nebenwirkungen hervorrufen“, berichtet Prof. Dr. Ralph Kickuth. Der Experte für Interventionelle Radiologie am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Die seit März dieses Jahres am UKW verfügbare Chemosaturation ist ein Weg, diese ungewollten Begleiterscheinungen deutlich zu minimieren und gleichzeitig mit noch höheren Dosierungen der Chemotherapie in der Leber zu arbeiten.“
Kernpunkte des Therapiekonzepts sind die zeitweise Isolierung der Leber vom Blutkreislauf des Körpers und das Applizieren konzentrierter Dosen eines Antikrebsmedikaments direkt in die Leber, wobei das gesamte Organ mit dem Wirkstoff „gesättigt“ (saturiert) wird.
Blockade des Blutflusses durch Doppel-Ballon-Katheter
Um den restlichen Körper vor den toxischen Eigenschaften des Chemotherapeutikums zu schützen, platzieren Prof. Kickuth und sein Team einen speziellen Doppel-Ballon-Katheter in der Vena cava inferior. Nach dem Aufblasen der Ballons ist die untere Hohlvene, die das Blut aus der unteren Körperhälfte direkt zum rechten Vorhof des Herzens transportiert, bis auf einen kleinen, kontrollierten Blutstrom blockiert. Die Konstruktion mit zwei Ballons hilft, Umgehungskreisläufe, die sich ansonsten schnell im venösen System bilden würden, zu verhindern.
Über einen zweiten, arteriellen Katheter verabreichen die Mediziner das Antikrebsmittel direkt in die Leber. Dieses „Fluten“ des gesamten Organs hat zur Folge, dass sowohl die sichtbaren Tumore, wie auch möglicherweise unerkannte Mikrotumore mit dem Wirkstoff in Kontakt kommen.
Die Chemosaturation wird vornehmlich bei nicht operablen bösartigen Tumoren der Leber oder bei auf die Leber beschränkten Metastasen anderer Tumoren, wie zum Beispiel des Dickdarmkrebses, des schwarzen Hautkrebses oder des Aderhautmelanoms des Auges, eingesetzt.
Reinigen des Blutes außerhalb des Körpers
Und wie verlässt das therapeutische Zellgift den Körper wieder? Prof. Kickuth erläutert: „Der Doppel-Ballon-Katheter ist so konstruiert, dass zwischen den beiden Ballons das mit Chemotherapeutikum beladene Blut angesaugt werden kann. Dieses leiten wir dann zu einer Pumpe mit integriertem CO2-Membran-Filter.“ Unter der Aufsicht eines Kardiotechnikers und eines Anästhesisten reinigt dieser extrakorporale Kreislauf das Blut von dem Zytostatikum und führt es über die Halsvene in den Körper zurück. So werden bis zu 99 Prozent des Medikaments entfernt.
Der in Vollnarkose durchgeführte Eingriff dauert rund vier Stunden. Danach bleibt der oder die Patient/in noch für einen Tag auf der Intensivstation des UKW zur Beobachtung.
Die erste am UKW per Chemosaturation behandelte Patientin ist von Leber-Metastasen eines Aderhaut-Melanoms betroffen. „Für diese Krebsentität gab es bisher kaum eine Behandlungsoption, da ist die Chemosaturation ein willkommener weiterer Pfeil in unserem Köcher“, unterstreicht Prof. Kickuth. Bei der 65-Jährigen wurde der Eingriff bislang zweimal durchgeführt, eine dritte Sitzung ist in Vorbereitung. Ihre Behandlung am Uniklinikum Würzburg ist Teil einer weltweiten Studie, die die Wirksamkeit des Verfahrens dokumentieren soll. Wichtige Kooperationspartner des interdisziplinären Vorhabens sind die Würzburger Universitäts-Hautklinik, vertreten durch Dr. Anja Gesierich, und die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie des UKW, deren Ansprechpartner Prof. Dr. Peter Kranke ist.
„Aus jetziger Sicht schaut es gut aus: Bei unserer Patientin können wir seit der ersten Chemosaturation im März 2018 keinen Progress der Lebermetastasen verzeichnen“, berichtet Prof. Kickuth. Generell bieten in ganz Deutschland nur sehr wenige Krankenhäuser dieses technologisch aufwändige und personalintensive Verfahren an.
Nach einem Zahnunfall kann der betroffene Zahn mit einer „Verkalkung“ des Nervs reagieren. Dann ist die Behandlung selbst durch Experten und mit Operationsmikroskop schwer. „Guided Endodontics“, ein neues Verfahren, entwickelt am Zahnunfallzentrum des Uniklinikums Würzburg (UKW) in Zusammenarbeit mit dem Zahnunfallzentrum Basel (Schweiz), kann die Therapie wesentlich erleichtern. Im Idealfall hilft die neue Methode, den geschädigten Zahn zu retten. Denn wenn dessen Wurzelkanal nicht erschlossen werden kann, muss der Zahn oftmals entfernt werden.
Arbeiten mit 3D-Daten und Bohrschablone
Bei Guided Endodontics wird im Vorfeld der Behandlung eine dreidimensionale Röntgenschichtaufnahme der Zahnregion sowie ein optischer Scan der Zähne erstellt. Die 3D-Daten werden im Computer übereinander gelagert und dienen als Grundlage für die virtuelle Planung einer Bohrschablone. Diese wird in einem 3D-Drucker mit hoher Präzision erstellt. „Mithilfe der Bohrschablone können wir den verkalkten Wurzelkanal in kurzer Zeit und unter maximaler Schonung der Zahnhartsubstanz erschließen“, schildert Prof. Dr. Gabriel Krastl. Der Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des UKW ist einer der maßgeblichen Köpfe hinter dem neuen Verfahren. Mittlerweile wurde das Verfahren weiter miniaturisiert (Microguided Endodontics), um den Substanzverlust bei der Behandlung weiter reduzieren zu können.
Zur Präzision der (Micro)guided Endodontics-Technik liegen bereits Daten von drei in-vitro Untersuchungen vor und auch die Umsetzung am Patienten ist bereits mehrfach gelungen.
Bereits die dritte Auszeichnung
Die wissenschaftliche Publikation zum Verfahren wurde im April 2018 mit dem Jahresbestpreis in der Kategorie „Grundlagenforschung: Technologie“ des Journal of Endodontics, dem offiziellen Fachorgan der American Association of Endodontists, geehrt. Dies ist bereits die dritte Auszeichnung für die Innovation, die im Jahr 2015 den Hochschulpreis Endodontie der deutschen Fachzeitschrift Endodontie und in 2016 den Dental Innovation Award der Stiftung Innovative Zahnmedizin (Hamburg) erhielt.
Die dahinterstehende Publikation:
Connert T, Zehnder MS, Weiger R, Kuhl S, Krastl G. Microguided Endodontics: Accuracy of a Miniaturized Technique for Apically Extended Access Cavity Preparation in Anterior Teeth. J Endod 2017;43(5):787-790.
„Mit unseren neuen Stipendien wollen wir gezielt den Nachwuchs in der onkologischen Spitzenforschung fördern“, sagt Gabriele Nelkenstock, die Gründerin des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ und der Stiftung „Forschung hilft“. Die Stipendien wurden im Mai dieses Jahres erstmals vergeben.
Die beiden Doktorandinnen Maria Geis und Dina Kouhestani aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Gernot Stuhler und Dr. Thomas Bumm erhielten jeweils ein sogenanntes Travel-Stipendium in Höhe von 1.800 Euro. Dieses Geld soll ihnen die Teilnahme an demnächst anstehenden internationalen Kongressen in Wien/Österreich und Lissabon/Portugal erleichtern. Die Wissenschaftlerinnen werden dort die an der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) entwickelte, weltweit einzigartige Antikörpertherapie mit Hemibodies einer breiten Fachöffentlichkeit nahebringen.
In der gleichen Arbeitsgruppe arbeitet Andreas Wieser an seiner Bachelor-Arbeit. Der Tormann der Handballer der DJK Rimparer Wölfe, die sich als Botschafter für Hilfe im Kampf gegen Krebs engagieren, erhielt ein Forschungsstipendium von 6.800 Euro.
Die vierte Stipendiatin ist Dalia Sheta. Die Ägypterin war Jahrgangsbeste im Würzburger Masterstudienprogramm und arbeitet nun an einem anspruchsvollen Forschungsprojekt zur Verbesserung der Stammzelltransplantation mit. Ihr Ziel ist es, in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Andreas Beilhack (Medizinische Klinik II des UKW) die Phase der Immunschwäche nach der Transplantation besser zu verstehen und darauf aufbauend gezieltere Zytokintherapien für Krebspatienten zu entwickeln. Hilfe im Kampf gegen Krebs fördert diesen Einsatz mit 3.000 Euro.
„Hochmotivierte, kluge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind essentiell, um unserem Auftrag nachzukommen, an der Spitze der medizinischen Forschung in Deutschland und darüber hinaus mitzuwirken“, kommentiert Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, und fährt fort: „Deshalb sind wir zum einen stolz auf diese Nachwuchskräfte und zum anderen dem Verein Hilfe im Kampf gegen Krebs äußerst dankbar für diese motivierende Förderung.“
Im Jahr 2013 etablierte das Uniklinikum Würzburg (UKW) eine Kinderschutzgruppe. Die Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen schufen detaillierte, klinikinterne Ablaufpläne, die bei Kindeswohlgefährdungen das korrekte Vorgehen definieren. Außerdem ist das Klinikum seither sehr gut mit Institutionen wie Jugendämtern oder Familiengerichten vernetzt. Auch in der Lehre wurde das Thema noch tiefer verankert.
Kriterienkatalog voll erfüllt
Anfang März dieses Jahres erhielt die an der Würzburger Universitäts-Kinderklinik angesiedelte Fachrunde aufgrund ihrer hohen Qualitätsstandards die Akkreditierung der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin e.V., kurz DGKiM. Das Ziel der DGKiM ist es, die wissenschaftliche, klinische und praktisch-ärztliche Arbeit auf dem Gebiet der Erkennung und Verhinderung von Gewalt und Vernachlässigung an Kindern und Jugendlichen zu fördern. In diesem Zusammenhang rief die Gesellschaft im vergangenen Jahr ein neues Akkreditierungsverfahren ins Leben. Die Würzburger Kinderschutzgruppe konnte nachweisen, dass sie den dafür erforderlichen, breiten Kriterienkatalog vollumfänglich erfüllt. Das Zertifikat muss nach fünf Jahren erneuert werden.
Über die Kinderschutzgruppe des UKW
Die Kinderschutzgruppe des UKW umfasst neben Vertretern der Universitäts-Kinderklinik auch Experten aus den Bereichen Rechtsmedizin, Kinderchirurgie, Radiologie, Dermatologie, Gynäkologie, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Sozialpädagogik und Pflege. Koordiniert wird das Gremium von Oberarzt Dr. Frank Maier und Prof. Dr. Helge Hebestreit, beide von der Universitäts-Kinderklinik.
Rund 23 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Bei sechs Millionen davon sind die Schmerzen so ausgeprägt, dass sie sich im Alltag und im Berufsleben beeinträchtigt fühlen. „Entsprechend hoch ist das Informationsbedürfnis“, sagt Prof. Dr. Heike Rittner, die Leiterin der Schmerztagesklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW), und fährt fort: „Deshalb nutzen wir den diesjährigen bundesweiten ‚Aktionstag gegen den Schmerz‘, um über aktuelle Entwicklungen zu berichten.“
Multiprofessionelle Kurzvorträge
Das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin des UKW veranstaltet am Dienstag, den 5. Juni 2018, einen öffentlichen Informationstag für alle Interessierten. Zwischen 17:00 und 20:00 Uhr gibt es im Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) an der Oberdürrbacher Straße ein dichtes Programm von multiprofessionellen Kurzvorträgen. Thematisiert werden neueste Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten zu Gelenkschmerzen und Migräne. Außerdem: Wie sind die Zusammenhänge zwischen Schmerz und Depression? Was kann von Cannabis und Methadon bei der Therapie von Krebsschmerzen erwartet werden? Warum ist weniger Morphin in der Schmerztherapie oft mehr? Wie wirken Psychotherapie und Trainingstherapie? Antworten hierzu gibt es am Infotag aus Expertenmund.
Infostände in der Magistrale und „Café Schmerz“
Ergänzend dazu wird in der Magistrale des ZOM ein „Marktplatz“ aufgebaut mit Infoständen zu Themen wie Transkutane elektrische Nervenstimulation, Schmerzstudien, Aromapflege und Palliativmedizin. Im „Café Schmerz“ stehen außerdem Ärztinnen und Ärzte aus Anästhesie, Neurologie, Neurochirurgie und Psychosomatik für eine individuelle Beratung zur Verfügung. In den Räumen der Physiotherapie werden am Milonzirkel Übungen bei chronischen Schmerzen demonstriert.
Der Besuch des Infonachmittags ist kostenlos und ohne vorherige Anmeldung möglich. Das detaillierte Programm ist im Internet abrufbar unter http://www.schmerzzentrum.ukw.de/startseite.html.
Über den „Aktionstag gegen den Schmerz“
Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Nervenschmerzen, Tumorschmerzen – Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen. Viele von ihnen sind nach Einschätzung der Deutschen Schmerzgesellschaft unterversorgt. Um die öffentliche Aufmerksamkeit auf die in diesem Fall nach wie vor unzureichenden Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems zu lenken, veranstaltet die Deutsche Schmerzgesellschaft jährlich den bundesweiten „Aktionstag gegen den Schmerz“. Flyer zum Aktionstag.
Pressekontakt:
Für weitere Fragen kontaktieren Medienvertreter:
Prof. Dr. Heike Rittner
Leiterin der Schmerztagesklinik, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Zentrum für Interdisziplinäre Schmerzmedizin des Uniklinikums Würzburg
Tel: 0931/201-30251
E-Mail: rittner_h@ukw.de
Unter der Federführung des Würzburger Instituts für Experimentelle Biomedizin startet im Juli ein neuer Sonderforschungsbereich mit der Fördersumme von fast 14 Millionen Euro. Ziel ist es, die komplexen und unzureichend verstandenen Funktionen von Blutplättchen, den sogenannten Thrombozyten, zu entschlüsseln. Die Wissenschaftler hoffen auf neue Erkenntnisse, die eine bessere Behandlung von Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, akutes Lungenversagen und Krebs ermöglichen.
„Thrombozyten leisten sehr viel mehr, als Blutungen zu stillen und Herzinfarkte auszulösen“, erläutert Prof. Dr. Bernhard Nieswandt, Direktor des Instituts für Experimentelle Biomedizin, getragen vom Uniklinikum Würzburg (UKW) und dem Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). „Jüngere Studien gaben uns den Hinweis, dass es sehr komplexe Zusammenhänge gibt zwischen diesen kleinsten Zellen des Blutes und diversen entzündlichen Prozessen, zellulären Abwehrmechanismen, der angeborenen Immunität, der Aufrechterhaltung von Gefäß- und Organfunktionen sowie der Entstehung von Tumoren.“ Ein detaillierteres Wissen über die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen ist laut Professor Nieswandt die zentrale Voraussetzung für ein besseres Verständnis von Krankheiten wie Schlaganfall und akutem Lungenversagen.
Im Verbund mit der Universität Tübingen
Diese herausragende Bedeutung der Thrombozyten-Forschung bestätigte auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): Sie bewilligte kürzlich den Sonderforschungsbereich Transregio (SFB/TR 240) „Thrombozyten – molekulare, zelluläre und systemische Funktionen unter physiologischen und pathologischen Bedingungen“. Der mit 13,7 Millionen Euro ausgestattete SFB TR 240 hat eine Laufzeit von zunächst vier Jahren und beginnt zum 1. Juli 2018.
Bei der Antragstellung war das Würzburger Institut für Experimentelle Biomedizin federführend. Mitantragsteller war der Direktor der Medizinischen Klinik III (Kardiologie) der Universität Tübingen, Prof. Dr. Meinrad Gawaz. Beide Einrichtungen haben langjährige Forschungsprogramme zu Thrombozyten.
Grundlagenforschung, aber nahe an der klinischen Umsetzung
„Gerade der sehr ausgeprägte translationale Charakter, der Grundlagenforscher mit Klinikern zusammenbringt, ist eine besondere Stärke unseres Verbundes“, unterstreicht Prof. Nieswandt und präzisiert: „Wir gehen davon aus, dass unser neu gewonnenes Grundlagenwissen schnell zu gänzlich neuartigen Behandlungskonzepten für eine ganze Reihe von Erkrankungen führen kann, die bisher nicht in Zusammenhang mit Thrombozyten gesehen wurden.“
Mit Blick auf die Reputation des Standorts stolz zeigte sich Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW: „Die DFG-Gutachter bestätigten im Rahmen der Bewilligung, dass Prof. Nieswandt und sein Team in der Thrombozyten-Grundlagenforschung zur Weltelite gehören. Forschung für unsere Patienten ist eine unserer hervorragenden Aufgaben.“
Am neuen Sonderforschungsbereich sind auch Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald und des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften (ISAS) in Dortmund beteiligt. Der interdisziplinäre Forschungsverbund vereint Molekulargenetik, in-vivo-Krankheitsmodelle, hochauflösende Mikroskopie, in-vivo-Bildgebungsverfahren, Systembiologie, translationale Ansätze und klinische Forschungsergebnisse.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Jeden Tag entstehen im Knochenmark eines gesunden Menschen etwa 100 Milliarden Thrombozyten aus riesigen Vorläuferzellen und zirkulieren dann für etwa zehn Tage im Blutstrom. Ihre am besten beschriebene Funktion besteht darin, die Gefäßwand auf Verletzungen hin zu kontrollieren, diese bei Bedarf zu verschließen und so unkontrollierten Blutverlust zu verhindern. Wenn diese Prozesse unkontrolliert ablaufen, können Thrombozyten so große Zusammenlagerungen bilden, dass dies zu lebensbedrohlichen Gefäßverschlüssen wie im Falle eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls führt.
Zur Person
Bereits seit dem Jahr 2002 ist Prof. Dr. Bernhard Nieswandt an der Universität Würzburg in verschiedenen Funktionen tätig. Nach dem Biologie- und Biochemiestudium promovierte er an der Universität Regensburg und habilitierte im Bereich Experimentelle Medizin an Universität Witten/Herdecke. Seit 2008 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Biomedizin mit Schwerpunkt Vaskuläre Biologie und Leiter des Instituts für Experimentelle Biomedizin, das vom Uniklinikum Würzburg (UKW) und dem Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg gemeinsam getragen wird. Seit April 2016 gehört er zur Doppelspitze in der Leitung des Rudolf-Virchow-Zentrums für Experimentelle Biomedizin.
Weitere Informationen zur Arbeitsgruppe Nieswandt auf der Seite des Rudolf-Virchow-Zentrums unter der Rubrik Forschung: www.rudolf-virchow-zentrum.de/forschung/arbeitsgruppen/ag-nieswandt/forschung.html