Würzburg. Die Krebsmedizin befindet sich in einem historischen Umbruch: Personalisierte Therapien, moderne Immuntherapien und hochpräzise molekulare Diagnostik eröffnen heute Heilungs- und Langzeitüberlebenschancen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. Über diese bahnbrechenden Entwicklungen, ihre Perspektiven und ihre Bedeutung für die Patientinnen und Patienten informiert das Uniklinikum Würzburg (UKW) beim 1. Gesundheitstalk „Neues aus der Krebsforschung: Fortschritte und Perspektiven“. Die kostenfreie Informationsveranstaltung findet am Samstag, 24. Januar 2026, von 10:00 bis ca. 11:30 Uhr im Hörsaal 1 des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) des UKW an der Oberdürrbacher Straße statt. Der Gesundheitstalk ist eine Kooperation des UKW mit der Main-Post.
Als Referierende stehen Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW und Sprecher des Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen (NCT WERA), Prof. Dr. Dr. Andreas Beilhack vom Zentrum für Experimentelle Molekulare Medizin der Uni Würzburg sowie Dipl.-Soz.-Päd. Gabriele Nelkenstock, die Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung „Forschung hilft“, für Fragen und den Austausch mit dem Publikum zur Verfügung.
Paradigmenwechsel in der Krebstherapie
„Wir erleben derzeit keinen schrittweisen Fortschritt, sondern einen echten Paradigmenwechsel in der Krebsmedizin“, sagt Prof. Einsele. So ermögliche moderne molekulare Diagnostik heute Therapien, die gezielt an genetischen Veränderungen der Tumorzellen ansetzen. Operative und strahlentherapeutische Behandlungen seien wesentlich zielgenauer und nebenwirkungsärmer geworden. Gleichzeitig habe die Immuntherapie das Behandlungsspektrum grundlegend erweitert. Besonders eindrucksvoll seien die Erfolge bei ehemals sehr schwer behandelbaren Erkrankungen. „Beim Multiplen Myelom lag die Lebenserwartung im Jahr 2006 noch bei maximal vier Jahren. Heute erreichen viele unserer Patientinnen und Patienten krankheitsfreie Überlebenszeiten von mehr als 17 Jahren. Das ist eine der größten Erfolgsgeschichten der modernen Medizin“, betont der international renommierte Myelom-Experte.
Auch bei soliden Tumoren zeigten sich dramatische Verbesserungen: „Bei Patientinnen und Patienten mit malignem Melanom – auch als Schwarzer Hautkrebs bekannt – konnten wir durch zielgerichtete Therapien, vor allem Immuntherapien, die Behandlung so dramatisch verbessern, dass heute viele Betroffene langfristig – teilweise dauerhaft – tumorfrei bleiben“, erklärt Einsele und fährt fort: „Selbst Krebserkrankte mit Lebermetastasen eines Darmtumors, die lange als kaum beherrschbar galten, haben heute mit kombinierter Systemtherapie plus Operation realistische Chancen auf Langzeitüberleben.“
(Lokale) Forschung, die ankommt
Die von Roland Schmitt-Raiser von der Main-Post moderierte Gesprächsrunde wird zudem zeigen, dass die Würzburger Universitätsmedizin in der Krebsforschung auf internationalem Spitzenniveau arbeitet und wichtige Beiträge zur Verbesserung von Diagnostik und Therapie leistet. Nach Auffassung von Prof. Beilhack wären viele dieser Fortschritte ohne ‚Forschung hilft‘ nicht möglich. Die Stiftung zur Förderung der Krebsforschung am Universitätsklinikum Würzburg unterstützt frühzeitig innovative Ideen und vor allem auch junge wissenschaftliche Talente. Beispielsweise konnten so besonders empfindliche Tests entwickelt werden, mit denen einzelne Krebszellen unter bis zu 100 Millionen gesunden Zellen erkannt werden. „Ein entscheidender Fortschritt für die Behandlung von Blutkrebspatientinnen und -patienten“, unterstreicht Beilhack und fährt fort: „Auch die Entwicklung neuartiger dreidimensionaler Tumormodelle begann durch lokale Förderung und wird vom UKW zusammen mit den anderen fünf bayerischen Universitätsklinika seit Januar 2026 im Rahmen einer Translationsgruppe des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung weiter vorangetrieben.“ Nach seinen Worten führte die Förderung durch die lokale Stiftung zudem zur Entwicklung einer neuen Klasse von Immuntherapeutika, die das körpereigene Abwehrsystem direkt im Tumorumfeld aktivieren.
„Diese Beispiele zeigen eindrucksvoll, dass sich die Stiftung ‚Forschung hilft‘ zu einem wichtigen Katalysator für den Fortschritt entwickelt hat – mit direktem Nutzen für die Betroffenen sowie einem nachhaltigen Beitrag zur Stärkung der Krebsforschung vor Ort und darüber hinaus“, sagt Gabriele Nelkenstock und ergänzt: „Ein großer Dank gilt dem Verein ‚Hilfe im Kampf gegen Krebs‘, der die Stiftung im Jahre 2017 gegründet hat.“
Anmeldung und weitere Informationen
Weitere Informationen und einen Anmeldelink finden Interessierte unter www.ukw.de/selbsthilfe, Rubrik „Veranstaltungen“. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Text: Pressestelle / UKW