Aktuelle Pressemitteilungen

Ausstellung: Menschen auf Organspende-Listen wollen hoffen und leben

Eine neue Ausstellung am Uniklinikum Würzburg macht anhand der persönlichen Situation von Wartelistenpatientinnen und -patienten die Dringlichkeit der Organspende greifbar.

Im Zentrum für Operative Medizin des Uniklinikums Würzburg verdeutlicht eine Ausstellung die Lebenssituation von Menschen, die auf ein Spenderorgan warten.
Im Zentrum für Operative Medizin des Uniklinikums Würzburg verdeutlicht eine Ausstellung die Lebenssituation von Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. © Susanne Just / UKW

Würzburg. In der Magistrale des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) des Uniklinikums Würzburg (UKW) ist derzeit eine Ausstellung zu sehen, die auf authentische Weise an die Lebensumstände von Menschen heranführt, die am Würzburger Krankenhaus der Maximalversorgung – zum Teil schon seit vielen Jahren – auf eine Spenderniere warten oder gewartet haben. Unter dem Titel „Wir wollen hoffen – Wir wollen leben“ zeigen Rollups und Poster Fotos aus deren privatem Umfeld in glücklichen Momenten und bei geliebten Tätigkeiten. Ergänzt werden die Porträtaufnahmen durch jeweils kurze Statements.

Leben unter hoher physischer und psychischer Belastung 

„Wartelistenpatientinnen und -patienten müssen mit der Sorge leben, dass jederzeit eine plötzliche Verschlechterung ihres Zustandes eintreten kann, sodass die gezeigten Situationen, Begegnungen und Aktivitäten abrupt nicht mehr möglich sein könnten“, schildert Dr. Anna Laura Herzog. Die Leiterin des Transplantationszentrums des UKW fährt fort: „Die Schau verdeutlicht, dass Organversagen keinen Unterschied macht zwischen Faktoren wie Alter oder Geschlecht und auf Lebensziele keine Rücksicht nimmt.“

Im vergangenen Jahr haben am UKW 34 Patientinnen und Patienten eine Spenderniere erhalten – bei rund 180, die auf ein Organ warteten. „Neben der enormen psychischen und physischen Belastung während der Wartezeit zeigen wir auch die Dankbarkeit und Erleichterung derjenigen, die bereits transplantiert wurden“, beschreibt Herzog, die die Ausstellung konzipierte und organisierte.

Online-Umfrage soll regional weiteren Aufklärungsbedarf ermitteln 

Begleitet wird die Schau von einer Online-Umfrage. Damit will das Team des UKW-Transplantationszentrums herausfinden, welche Ängste die Menschen in Würzburg und der Region Mainfranken bei der Organspende haben, wo noch Aufklärungsbedarf besteht und wie dieser noch besser gedeckt werden kann. Den Fragenkatalog erreicht man unter www.ukw.de/behandlungszentren/transplantationszentrum

Die Ausstellung ist im ZOM noch bis zum 7. April 2026 zu sehen. „Danach sind wir gerne bereit, die Exponate an interessierte Einrichtungen zur Präsentation auszuleihen“, unterstreicht Anna Laura Herzog. Für eine entsprechende Anfrage kann man sie unter E-Mail: herzog_a1@ ukw.de kontaktieren.

Text: Pressestelle / UKW
 

Im Zentrum für Operative Medizin des Uniklinikums Würzburg verdeutlicht eine Ausstellung die Lebenssituation von Menschen, die auf ein Spenderorgan warten.
Im Zentrum für Operative Medizin des Uniklinikums Würzburg verdeutlicht eine Ausstellung die Lebenssituation von Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. © Susanne Just / UKW

Glücksmomente für die Elterninitiative Regenbogen

Datev bedenkt den Verein mit einer Spende

DATEV-Weihnachtsspende Scheckübergabe an die Elterninitiative Regenbogen.
Dr. Markus Algner, Denise Lampert, Nadine Kempa, Christoph Thiele, Saskia Lück und Dr. Michael Link bei der Scheckübergabe (von links). Foto: Daniel Tkatsch

"Datev schenkt Glücksmomente" - unter diesem Motto unterstützt die Genossenschaft mit Sitz in Nürnberg seit 35 Jahren gemeinnützige Initiativen aus ganz Deutschland. Vorgeschlagen werden die regionalen Projekte von Genossenschaftsmitgliedern sowie Mitarbeitern der Datev. Bei der vergangenen Weihnachtsspende wurde auch die Elterninitiative Regenbogen mit einer Spende in Höhe von 5.000 Euro unterstützt. Der Spendenscheck wurde im Rahmen einer Veranstaltung bei Datev in Nürnberg am 27. Februar 2026 an Denise Lampert und Nadine Kempa, die die Elterninitiative Regenbogen vertraten, übergeben. Vorgestellt wurde das Angebot des Vereins und dessen Entstehungshintergrund. Die Elterninitiative gründete sich 1984 als Verein aus einer im Jahr zuvor gebildeten Selbsthilfegruppe Eltern krebskranker Kinder heraus. Über die letzten 40 Jahre hinweg entwickelte sich das Angebot für betroffene Familien über kostenfreie Elternwohnungen in Kliniknähe bis hin zu diversen therapeutischen Angeboten auf den Stationen stetig weiter. Für den Verein engagieren sich hauptsächlich selbst betroffene Eltern, die die Sorgen und Ängste im Zusammenhang mit einer onkologischen Erkrankung kennen und verstehen. Folglich richtet sich das Unterstützungsangebot des Vereins an den unterschiedlichen Bedürfnissen der Familienmitglieder aus.

Insgesamt 150.000 Euro wurden im Rahmen der Datev-Weihnachtsspende an gemeinnützige Einrichtungen übergeben. Die Elterninitiative Regenbogen bedankt sich herzlich bei Datev für die nachhaltige Unterstützung. Insgesamt 150.000 Euro wurden im Rahmen der Datev-Weihnachtsspende an gemeinnützige Einrichtungen übergeben. Die Elterninitiative Regenbogen bedankt sich herzlich bei Datev für die nachhaltige Unterstützung.

 

Pressetext: Nadine Kempa für die Elterninitiative Regenbogen e.V.

DATEV-Weihnachtsspende Scheckübergabe an die Elterninitiative Regenbogen.
Dr. Markus Algner, Denise Lampert, Nadine Kempa, Christoph Thiele, Saskia Lück und Dr. Michael Link bei der Scheckübergabe (von links). Foto: Daniel Tkatsch

Mobiler Ultraschall im Notarzteinsatz: Würzburg setzt neuen Standard in der Notfallmedizin

Der mobile Ultraschall erlaubt es Notärztinnen und Notärzten, auch in unklaren Situationen unmittelbar Diagnosen zu stellen – etwa bei inneren Blutungen, Herz- oder Lungenerkrankungen – und die Therapie gezielt einzuleiten.

Gemeinsamer Startschuss von BRK und UKW für den Einsatz eines mobilen Ultraschallgerätes Notarzteinsatzfahrzeug des Bayerisches Rotes Kreuz (BRK). Die Anschaffung wurde möglich durch die Unterstützung des Universitätsbundes Würzburg (links Gunther Schunk, Vorsitzender des Universitätsbundes). Über die ergänzte Ausstattung des Fahrzeuges freut sich auch der Vorsitzende des BRK-Kreisverbandes, Landrat Thomas Eberth (2.v.r.). Foto: UKW / Kim Sammet
Gemeinsamer Startschuss von BRK und UKW für den Einsatz eines mobilen Ultraschallgerätes Notarzteinsatzfahrzeug des Bayerisches Rotes Kreuz (BRK). Die Anschaffung wurde möglich durch die Unterstützung des Universitätsbundes Würzburg (links Gunther Schunk, Vorsitzender des Universitätsbundes). Über die ergänzte Ausstattung des Fahrzeuges freut sich auch der Vorsitzende des BRK-Kreisverbandes, Landrat Thomas Eberth (2.v.r.). Foto: UKW / Kim Sammet
Das neue Gerät unterstützt im Rettungseinsatz dabei, lebensbedrohliche Erkrankungen bereits vor Eintreffen im Krankenhaus schneller und präziser zu erkennen. Die Aufnahmen können direkt am Einsatzort bewertet werden. Das UKW schult sowohl Notärzte als auch Notfallsanitäter gezielt für den Einsatz. Foto: UKW / Kim Sammet
Das neue Gerät unterstützt im Rettungseinsatz dabei, lebensbedrohliche Erkrankungen bereits vor Eintreffen im Krankenhaus schneller und präziser zu erkennen. Die Aufnahmen können direkt am Einsatzort bewertet werden. Das UKW schult sowohl Notärzte als auch Notfallsanitäter gezielt für den Einsatz. Foto: UKW / Kim Sammet

Würzburg. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) stärkt die notfallmedizinische Versorgung der Würzburger Bevölkerung nachhaltig. Ab sofort ist ein mobiles Ultraschallgerät auf dem Notarzteinsatzfahrzeug des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Würzburg verfügbar.

Möglich ist dies durch die Unterstützung des Universitätsbundes Würzburg durch eine besondere Würdigung und die finanzielle Förderung durch den Baetz-Preis. Die Mittel flossen in die Beschaffung hochmoderner, mobiler Ultraschallgeräte und ermöglichen damit einen entscheidenden Fortschritt in der präklinischen Notfallmedizin. Solche mobilen Ultraschallgeräte zählen nicht zur Standardausstattung der Fahrzeuge.

Lebensbedrohliche Erkrankungen bereits vor Eintreffen im Krankenhaus präziser erkennen

Ziel des Projekts ist es, lebensbedrohliche Erkrankungen bereits vor Eintreffen im Krankenhaus schneller und präziser zu erkennen. Der mobile Ultraschall erlaubt es Notärztinnen und Notärzten, auch in unklaren Situationen unmittelbar Diagnosen zu stellen – etwa bei inneren Blutungen, Herz- oder Lungenerkrankungen – und die Therapie gezielt einzuleiten.

Unter der Federführung der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie wurden mit den neuen Geräten zertifizierte Fortbildungskurse etabliert. In diesen Kursen werden sowohl Notärzte als auch Notfallsanitäter geschult. Parallel wurde der mobile Ultraschall fest in die studentische Lehre sowie in die frühzeitige Ausbildung von Assistenzärztinnen und -ärzten integriert. Bereits jetzt befassen sich mehrere Dissertationsprojekte mit neuen wissenschaftlichen Fragestellungen rund um den präklinischen Ultraschalleinsatz.

Vorreiterrolle in Bayern

Nun folgte der entscheidende Meilenstein: Ab sofort ist ein mobiles Ultraschallgerät auf dem Notarzteinsatzfahrzeug des Bayerischen Roten Kreuzes in Würzburg verfügbar. Damit nimmt Würzburg eine Vorreiterrolle in Bayern ein. Die moderne Ultraschalltechnik ist bereits auf dem Rettungshubschrauber der ADAC Luftrettung (Christoph 18) etabliert und bewährt, nun werden auch bodengebundene arztbesetzte Rettungsmittel in der Region mit dieser Diagnostik ausgestattet. 

„Die Notfallmedizin hat in Würzburg einen sehr hohen Stellenwert. Auf unterschiedlichen Ebenen nehmen wir schon seit Jahren eine Vorreiterrolle ein“, betont Prof. Dr. Thomas Wurmb, Leiter der Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie.

Auch Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Der mobile Ultraschall stellt einen großen medizinischen Fortschritt dar, den wir in der Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin konsequent voranbringen.“

Die Projektleiter Christian Zech, Oberarzt der Klinik und PD Dr. Maximilian Kippnich ebenfalls Oberarzt und stv. Chefarzt des Kreisverbandes Würzburg der Bayerischen Roten Kreuzes, heben insbesondere die enge Kooperation hervor: „Das erfolgreiche Projekt basiert vor allem auf der seit Jahren sehr vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Roten Kreuz und den Notfallsanitäterinnen und -sanitätern vor Ort.“

Mit dem präklinischen Ultraschall auf dem Notarzteinsatzfahrzeug wird die Versorgungsqualität in Würzburg spürbar verbessert – zum unmittelbaren Nutzen der Patientinnen und Patienten.

Gemeinsamer Startschuss von BRK und UKW für den Einsatz eines mobilen Ultraschallgerätes Notarzteinsatzfahrzeug des Bayerisches Rotes Kreuz (BRK). Die Anschaffung wurde möglich durch die Unterstützung des Universitätsbundes Würzburg (links Gunther Schunk, Vorsitzender des Universitätsbundes). Über die ergänzte Ausstattung des Fahrzeuges freut sich auch der Vorsitzende des BRK-Kreisverbandes, Landrat Thomas Eberth (2.v.r.). Foto: UKW / Kim Sammet
Gemeinsamer Startschuss von BRK und UKW für den Einsatz eines mobilen Ultraschallgerätes Notarzteinsatzfahrzeug des Bayerisches Rotes Kreuz (BRK). Die Anschaffung wurde möglich durch die Unterstützung des Universitätsbundes Würzburg (links Gunther Schunk, Vorsitzender des Universitätsbundes). Über die ergänzte Ausstattung des Fahrzeuges freut sich auch der Vorsitzende des BRK-Kreisverbandes, Landrat Thomas Eberth (2.v.r.). Foto: UKW / Kim Sammet
Das neue Gerät unterstützt im Rettungseinsatz dabei, lebensbedrohliche Erkrankungen bereits vor Eintreffen im Krankenhaus schneller und präziser zu erkennen. Die Aufnahmen können direkt am Einsatzort bewertet werden. Das UKW schult sowohl Notärzte als auch Notfallsanitäter gezielt für den Einsatz. Foto: UKW / Kim Sammet
Das neue Gerät unterstützt im Rettungseinsatz dabei, lebensbedrohliche Erkrankungen bereits vor Eintreffen im Krankenhaus schneller und präziser zu erkennen. Die Aufnahmen können direkt am Einsatzort bewertet werden. Das UKW schult sowohl Notärzte als auch Notfallsanitäter gezielt für den Einsatz. Foto: UKW / Kim Sammet

Personalia vom 3. März 2026 +++ Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

Dr. Julia Geißler, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, wurde mit Wirkung vom 24.02.2026 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet Klinische Kinder- und Jugendpsychologie erteilt.

Privatdozentin Dr. Carmen Roch, Akademische Oberrätin, Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, wurde mit Wirkung vom 15.02.2026 für fünf Jahre zur Universitätsprofessorin für Palliativmedizin an der Universität Würzburg ernannt.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 3. März 2026

Startschuss für das Nationale Studiennetzwerk Intensivmedizin

Bundesweite Forschungsinfrastruktur an allen 37 Universitätskliniken stärkt Evidenz und Krisenfestigkeit in der Intensivmedizin

Collage der Porträts von Meybohm und Benstöm, beide in weißen Kitteln
Professorin Carina Benstöm (Uniklinik RWTH Aachen) und Professor Patrick Meybohm (Uniklinikum Würzburg) übernehmen die wissenschaftliche Leitung und Koordination des neuen NUM Studiennetzwerks Intensivmedizin. (Collage mit Bildern von Uniklinik RWTH Aachen und UKW / R. Wenzl)

Aachen/Würzburg. Im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) startet ein nationales Studiennetzwerk für Intensivmedizin mit Beteiligung der Standorte der deutschen Universitätsmedizin. Univ.-Prof. Dr. rer. medic. Carina Benstöm (Uniklinik RWTH Aachen) und Univ.-Prof. Dr. med. Patrick Meybohm (Uniklinikum Würzburg) übernehmen die wissenschaftliche Leitung und Koordination des Studiennetzwerks. Ziel ist es belastbare Evidenz für intensivmedizinische Therapien zu schaffen und damit die Versorgung kritisch kranker Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen zu verbessern.

Mit dem Studiennetzwerk Intensivmedizin entsteht eine bundesweite Forschungsinfrastruktur an allen 37 deutschen Universitätskliniken, die eine standortübergreifende Durchführung großer klinischer Studien in der Intensivmedizin ermöglicht. Das Studiennetzwerk bündelt Forschungsprozesse, entwickelt Studien gemeinsam und setzt sie koordiniert um. Im Mittelpunkt stehen zentrale klinische Fragestellungen aus der Versorgung kritisch kranker Patientinnen und Patienten, für die bislang keine ausreichende Evidenz vorliegt. Dazu zählen auch grundlegende Therapieentscheidungen in der Intensivmedizin, die bisher häufig auf Erfahrungs-werten beruhen. Auf Basis standardisiert erhobener klinischer Daten identifiziert das Netzwerk gezielt Versorgungslücken und untersucht diese systematisch in klinischen Studien. 

Das Studiennetzwerk Intensivmedizin ist Teil des NUM Studiennetzwerks (NUM SN), das seit 2024 als zentrale Forschungsinfrastruktur innerhalb des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) aufgebaut wird. In der Hightech-Agenda der Bundesregierung ist fest verankert, das NUM künftig als dauerhafte Forschungsinfrastruktur der deutschen Universitätsmedizin zu institutionalisieren. Das Studiennetzwerk Intensivmedizin ist ein wichtiger Baustein dieser Entwicklung. Es schafft ab sofort die Voraussetzungen dafür, klinische Forschung in der Intensivmedizin langfristig standortübergreifend, koordiniert und krisenfest durchzuführen. Dadurch trägt es wesentlich dazu bei, die klinische Forschung zu stärken und die Fähigkeit des Gesundheitssystems zu verbessern – insbesondere mit Blick auf zukünftige Krisensituationen, in denen schnelle, evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen sind.

Große klinische Studien gemeinsam aufsetzen und bei Bedarf schnell aktivieren – auch in Krisensituationen

„Wir schaffen mit dem Studiennetzwerk Intensivmedizin eine Infrastruktur, die klinische Forschung nicht nur im Projektmodus denkt, sondern dauerhaft verankert“, so Carina Benstöm (Professorin für Evidenzbasierte Gesundheitsforschung in Anästhesie und Intensivmedizin in der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH Aachen). Patrick Meybohm (Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Uniklinikum Würzburg) ergänzt: „Damit sind wir in der Lage, große klinische Studien gemeinsam aufzusetzen und bei Bedarf schnell zu aktivieren – auch in Krisensituationen.“ Benström und Meybohm übernehmen die wissenschaftliche Leitung und Koordination des neuen Studiennetzwerks Intensivmedizin.

Schwerpunkt auf Organdysfunktionen bei Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen

Ein besonderer Fokus liegt auf akuten Organdysfunktionen bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten. In Deutschland werden jährlich rund zwei Millionen Menschen intensivmedizinisch behandelt. Ein erheblicher Anteil von ihnen entwickelt ein Versagen lebenswichtiger Organsysteme wie Gehirn, Herz, Lunge, Leber oder Niere. Die im Studiennetzwerk durchgeführten Studien werden Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen einschließen – von der Neonatologie bis ins hohe Alter – und damit die gesamte Breite der intensivmedizinischen Versorgung abbilden.

Innerhalb des Studiennetzwerks werden spezialisierte Module aufgebaut, die thematisch fokussierte klinische Studien vorbereiten und durchführen. Als erster Anwendungsfall ist ein Use Case im Bereich der Beatmung vorgesehen, bei dem unter anderem der optimale Zugangsweg zur Beatmung sowie das Timing komplexer intensivmedizinischer Interventionen untersucht werden. Die Fragestellungen sollen in großen, multizentrischen Studien evidenzbasiert beantwortet und die gewonnenen Erkenntnisse systematisch in die klinische Versorgung überführt werden.

Über das NUM Studiennetzwerk (NUM SN) und seine Fachnetzwerke im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)
Das NUM Studiennetzwerk ist eine zentrale Initiative, entstanden als spezialisierte Forschungsinfrastruktur innerhalb des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM). Im NUM führen erstmalig alle 37 deutschen Standorte der Universitätsmedizin gemeinsam große interdisziplinäre klinische Forschungsprojekte durch. Ziel des NUM Studiennetzwerks ist die Optimierung von Prozessen, die Vernetzung von Akteur*innen und die Beschleunigung der klinischen und klinisch-epidemiologischen Forschung in Deutschland. Die drei Fachnetzwerke im NUM Studiennetzwerk erheben standardisiert klinische Forschungsdaten und sammeln Bioproben, um einen standortübergreifenden Datenpool im jeweiligen Fachbereich aufzubauen.

Collage der Porträts von Meybohm und Benstöm, beide in weißen Kitteln
Professorin Carina Benstöm (Uniklinik RWTH Aachen) und Professor Patrick Meybohm (Uniklinikum Würzburg) übernehmen die wissenschaftliche Leitung und Koordination des neuen NUM Studiennetzwerks Intensivmedizin. (Collage mit Bildern von Uniklinik RWTH Aachen und UKW / R. Wenzl)

Überarbeitung der Leitlinie zur Therapie immunvermittelter Neuropathien

Die S2e-Leitlinie zur Therapie immunvermittelter Neuropathien wurde unter der Federführung von Prof. Dr. Claudia Sommer vom Uniklinikum Würzburg und Priv.-Doz. Dr. Kalliopi Pitarokoili aus Bochum vollständig überarbeitet.

Claudia Sommer mit weißem Kittel im Labor
Prof. Dr. Claudia Sommer vom Uniklinikum Würzburg hatte gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Kalliopi Pitarokoili aus Bochum die Federführung bei der vollständigen Überarbeitung der S2e-Leitlinie zur Therapie immunvermittelter Neuropathien. © Daniel Peter / Main-Post

Würzburg. Bei immunvermittelten Neuropathien greift das eigene Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Nervenstrukturen an. Mögliche Folgen sind Kribbeln, Gefühlsstörungen, Muskelschwäche oder sogar Lähmungen. Zu den bekanntesten Formen zählen das Guillain-Barré-Syndrom (GBS), das meist plötzlich auftritt, und die chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie (CIDP). Entscheidend ist: Viele dieser Erkrankungen sind heute gut behandelbar, sofern sie frühzeitig erkannt und leitliniengerecht therapiert werden. Eine jetzt vollständig überarbeitete medizinische S2e-Leitlinie fasst den aktuellen Stand der Forschung zusammen und gibt klare Empfehlungen für die Behandlung im klinischen Alltag – das e steht für evidenzbasiert.

„Immunvermittelte Neuropathien sind eine sehr heterogene Erkrankungsgruppe. Deshalb muss die Therapie immer genau auf die jeweilige Diagnose abgestimmt werden“, erklärt Prof. Dr. Claudia Sommer vom Uniklinikum Würzburg (UKW). Die Neurologin hat die neue Leitlinie gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Kalliopi Pitarokoili vom Klinikum der Ruhr-Universität Bochum (UKRUB) federführend überarbeitet. Für die Diagnosestellung verweisen die beiden Autorinnen auf die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zur ‚Diagnostik bei Polyneuropathien‘ sowie auf die europäischen Leitlinien der European Academy of Neurology und der Peripheral Nerve Society aus den Jahren 2021 zur CIDP und 2023 zum GBS. Die aktuelle Leitlinie legt den Schwerpunkt auf die Therapie. So gibt es für die Behandlung des akuten GBS und der CIDP klare und teilweise neue Empfehlungen. 

Klare Empfehlungen für das Guillain-Barré-Syndrom

Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine meist akut auftretende Erkrankung, bei der es innerhalb weniger Tage oder Wochen zu Lähmungen kommen kann. Die neue Leitlinie bestätigt: Eine Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen (IVIg) oder eine Plasmapherese (Blutwäsche) ist gleichermaßen wirksam und deutlich besser als eine Placebo-Behandlung. Patientinnen und Patienten mit mittelschweren oder schweren Verläufen sollten intensivmedizinisch überwacht werden. Neu ist die Empfehlung, eine Behandlung mit IVIg nicht zu wiederholen, wenn sich der Zustand nach der ersten Gabe nicht verbessert.

Fortschritte bei der Behandlung der CIDP

Auch bei der CIDP gibt es Neuerungen. In der Erhaltungstherapie sind Immunglobuline, die unter die Haut verabreicht werden (SCIg), wahrscheinlich ebenso wirksam wie die intravenöse Gabe (IVIg). Für stabile Patientinnen und Patienten können Dosissenkungen oder Auslassversuche in Betracht gezogen werden. Entsprechende Reduktionsschemata werden vorgeschlagen, ein Monitoring ist jedoch weiterhin erforderlich.

Das Therapiespektrum wurde zudem durch den neuen Wirkstoff Efgartigimod erweitert. Es handelt sich dabei um einen Inhibitor des neonatalen Fc-Rezeptors (FcRn). Dieses Medikament greift gezielt in bestimmte Mechanismen des Immunsystems ein und ist in Deutschland zur Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten mit aktiver, fortschreitender oder wiederkehrender CIDP zugelassen, wenn vorherige Therapien mit Kortikosteroiden oder Immunglobulinen nicht ausreichend wirksam waren.

Nebenwirkungen moderner Krebstherapien: Immun-Checkpoint-Inhibitoren aktivieren das Immunsystem gezielt gegen Tumoren, können aber auch Nerven angreifen

Für den klinischen Alltag von besonderer Bedeutung ist der Hinweis auf immunvermittelte Neuropathien als mögliche Nebenwirkung moderner Krebsimmuntherapien mit sogenannten Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI). Diese bewirken über eine Enthemmung von T-Zellen eine starke Immunaktivierung und verstärken dadurch die endogene Anti-Tumor-Immunität. Da diese Krebstherapien inzwischen weit verbreitet sind, ist es wichtig, entsprechende Symptome frühzeitig zu erkennen. Die Beschwerden können einem GBS oder einer CIDP ähneln. Je nach Schweregrad kann die Behandlung Kortison umfassen, unter Umständen muss auch die Krebstherapie angepasst werden. Solche Entscheidungen sollten interdisziplinär, also gemeinsam von Neurologen und Onkologen, getroffen werden.

Wissenschaftlich breit abgestützt

Die Leitlinie wurde von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) herausgegeben. An der Überarbeitung waren außerdem mehrere neurologische Fachgesellschaften aus Deutschland, der Schweiz und Österreich beteiligt: Junge Neurologie, Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN), Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), Schweizerische Neurologische Gesellschaft (SNG) und Österreichische Gesellschaft für Neurologie sowie die Deutsche GBS-CIDP-Selbsthilfe e. V.

Mit der neuen S2e-Leitlinie steht Ärztinnen und Ärzten eine aktuelle, wissenschaftlich fundierte Orientierungshilfe zur Verfügung, um Patientinnen und Patienten mit immunvermittelten Neuropathien bestmöglich zu behandeln. Das Uniklinikum Würzburg unterstreicht damit seine ausgewiesene Expertise auf dem Gebiet entzündlicher Nervenerkrankungen.

Sommer C., Pitarokoili K. et al., Therapie immunvermittelter Neuropathien, S2e-Leitlinie, 2025, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 23.02.2026)

Informationen zu Leitlinien: Die S2e-Leitlinie ist eine medizinische Behandlungsleitlinie mit besonders hoher methodischer Qualität. Sie ist evidenzbasiert und gehört zur Stufe 2. Das heißt, dass die therapeutischen Empfehlungen auf ausgewerteten Studien beruhen. Bei S2k-Leitlinien fand hingegen eine strukturierte Abstimmung (K für Konsens) in der Leitliniengruppe statt, jedoch ohne eine wissenschaftliche Auswertung aller Studien. S3-Leitlinien kombinieren eine systematische Evidenzrecherche (S2e) mit einer strukturierten Konsensfindung (S2k), während S1-Leitlinien nur auf Empfehlungen von Expertinnen und Experten basieren, die sich informell abstimmen.

Claudia Sommer mit weißem Kittel im Labor
Prof. Dr. Claudia Sommer vom Uniklinikum Würzburg hatte gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Kalliopi Pitarokoili aus Bochum die Federführung bei der vollständigen Überarbeitung der S2e-Leitlinie zur Therapie immunvermittelter Neuropathien. © Daniel Peter / Main-Post

Genomischer „Arztbrief“ gegen resistente Myelomzellen

Beim Multiplen Myelom hinterlassen Therapien genetische Spuren – ihr Nachweis entscheidet, welche Therapien erneut wirksam sein können

Die beiden Forschenden stehen auf der Terrasse der Medizinischen Klinik II des UKW, im Hintergrund der Helikopter-Landeplatz
Christine Riedhammer und Leo Rasche vom Myelomzentrum des Uniklinikums Würzburg zeigen in einer multizentrischen Studie, wie sich Resistenzmechanismen beim hepta-refraktären Multiplen Myelom mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung entschlüsseln lassen. © Kirstin Linkamp / UKW
Die Grafik zeigt eine Zusammenfassung, Circos plot, der genetischen Veränderungen bei 17 Myelom-Patientinnen und -Patienten, deren Tumorerbgut mit Whole Genom Sequencing vollständig untersucht wurde. Schwarze Linien markieren größere Umbauten zwischen verschiedenen Chromosomen. Blaue Bereiche stehen für zusätzliche Kopien von Erbgut, rote für verlorenes Erbgut. Im äußeren Ring sind Gene mit wichtigen Mutationen (rot und schwarz) sowie Veränderungen mit noch unklarer Bedeutung (grau) an ihrer jeweiligen Position im Erbgut dargestellt. © Quelle: Riedhammer, C., Truger, M., Lee, H. et al. The evolution to hepta-refractory myeloma involves sequential loss of CD38, BCMA and GPRC5D. Leukemia (2026). https://doi.org/10.1038/s41375-026-02889-3
Hier wurde ein modifizierter Arztbrief eines Patienten mit hepta-refraktärem Myelom den Ergebnissen des Whole-Genome-Sequencing der Myelomzellen gegenübergestellt, um die therapiebedingten „Spuren” im Tumorerbgut zu verdeutlichen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen auch, warum manche Folgetherapien wirkungslos geblieben sind: Die Schlüsselantigene, die als Angriffspunkte für die jeweiligen Therapien dienen, waren nicht mehr intakt. © Christine Riedhammer / UKW

Forschende des Uniklinikums Würzburg zeigen in einer multizentrischen Studie, wie sich Resistenzmechanismen beim hepta-refraktären Multiplen Myelom mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung entschlüsseln lassen. Die in der Fachzeitschrift Leukemia veröffentlichte Studie belegt: Sind Zielantigene wie BCMA oder GPRC5D noch vorhanden, kann eine erneute Immuntherapie wirksam sein – ein wichtiger Schritt hin zu präziserer Therapieentscheidung selbst nach sieben Vortherapien.

Würzburg. Was wie ein frustrierender Behandlungsmarathon klingt, ist laut Prof. Dr. Leo Rasche vom Myelomzentrum des Uniklinikums Würzburg (UKW) eine echte Erfolgsgeschichte. Denn früher gab es kaum wirksame Therapien für das Multiple Myelom. Heute sitzen Patientinnen und Patienten vor einem, die sieben verschiedene Medikamentenklassen erhalten haben: Je zwei Proteasom-Inhibitoren und Immunmodulatoren, monoklonale und bispezifische Antikörper sowie eine CAR-T-Zelltherapie. „Das heißt, sie haben schon viele Jahre mit der Erkrankung gelebt und sind dank der schonenderen, neuartigen Immuntherapien relativ fit“, sagt Rasche. Doch was ist zu tun, wenn der Patient nach der siebten Therapie ein Rezidiv hat, der Krebs zurückgekehrt ist und therapeutisch am Ende der Fahnenstange angelangt ist? Leo Rasche und sein Team in der Medizinischen Klinik II des UKW haben den Begriff hepta-refraktär eingeführt, also resistent gegen sieben (griech. hepta) wichtige Behandlungsarten. 

Rasche forscht bereits seit Langem an den Resistenzmechanismen, die solche Rückfälle antreiben. Das Verständnis dieser Mechanismen ist entscheidend für die Entwicklung geeigneter Behandlungsstrategien. „Wichtig ist jedoch, unsere Erkenntnisse aus dem Elfenbeinturm auf die Straße zu bringen. Das ist uns jetzt mit unserer neuesten Studie gelungen, in der wir Whole-Genome-Sequencing mit Immunhistochemie kombiniert haben“, freut sich Leo Rasche. 

Myelom-Therapien hinterlassen Spuren im Genom 

Gemeinsam mit Dr. Christine Riedhammer und Partnerinnen und Partnern aus Würzburg, München, Hamburg, Heidelberg und dem kanadischen Calgary konnte er zeigen, dass zahlreiche Therapien des Multiplen Myeloms Spuren im Genom der Tumorzellen hinterlassen. Mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung ließen sich komplexe Vortherapien rekonstruieren – man könnte es einen genomischen Arztbrief nennen. „Tatsächlich können wir für einige Therapien ganz klar sagen, dass man diese nicht noch einmal einsetzen muss. Der Tumor ist definitiv resistent dagegen. Bei anderen konnten wir jedoch noch Angriffspunkte für eine erneute Therapie entdecken, sodass eine Wiederholung durchaus Sinn macht“, berichtet Christine Riedhammer. Die Hämatoonkologin teilt sich mit Marietta Truger die Erstautorenschaft der in der nature-Fachzeitschrift Leukemia veröffentlichten Erkenntnisse.

Insgesamt wurden 37 Patientinnen und Patienten, bei denen alle verfügbaren Therapien ausgeschöpft waren, in die multizentrische Studie aufgenommen. Bei 17 von ihnen führte das Münchner Leukämielabor (MLL) eine Ganzgenomsequenzierung durch. 

Antigenverlust und Mutation bei der Hälfte der Patienten

Die Ergebnisse zeigen, dass bei etwa der Hälfte der Patientinnen und Patienten die Tumorzellen selbst die Resistenz verursachen. Das bedeutet, dass der Tumor durch Mutationen dafür gesorgt hat, dass die Immuntherapie nicht mehr wirkt. In diesem Fall spricht man von tumorintrinsischer Resistenzentwicklung. Bei der anderen Hälfte sind die Mechanismen hingegen noch völlig ungeklärt. Möglicherweise liegen diese in der Epigentik, im Immunsystem oder in der Mikroumgebung, also den gesunden Zellen in der Umgebung des Tumors. An dieser Stelle gibt es noch viel zu entdecken. 

Sind Zielantigene BCMA oder GPRC5D auf den Myelomzellen noch intakt, kann die Immuntherapie ein zweites Mal gegeben werden

Was bedeuten diese Erkenntnisse für die weitere Behandlung? Sind die Schlüsselantigene für die Immuntherapie noch intakt, kann diese ein zweites Mal gegeben werden. Das Protein BCMA ist der Angriffspunkt für CAR-T-Zellen und GPRC5D für einen bispezifischen Antikörper. „In unserer Kohorte am UKW haben alle Patientinnen und Patienten mit vorhandenen Antigenen auf die erneute Immuntherapie angesprochen und waren im Median neun Monate in Remission“, berichtet Christine Riedhammer. Bei der Therapie des Multiplen Myeloms gehe es letztendlich in erster Linie noch um eine Lebensverlängerung bei guter Lebensqualität. 

Letztendlich veranschaulicht die Studie, wie dringend neue Therapien und genaue diagnostische Untersuchungen sind. Denn sie verdeutlicht noch einmal die genetische Komplexität des Multiplen Myeloms sowie die Tumor-Evolution. Jede Therapie, die die Tumorzelle überlebt, macht sie stärker. Die Tumorzelle kann immer leichter überleben und sich teilen, da sie die Tumorsuppressor-Gene sukzessive ausschaltet. Diese Gene sorgen normalerweise dafür, dass kein Tumor entsteht. „Dadurch wird die Biologie immer wilder und die Zellen immer entfesselter“, schildert Leo Rasche. Der Letztautor der Studie zeichnet das Bild einer völlig vernarbten, aber starken Myelomzelle, die durch den Kampf gegen die zahlreichen Medikamentenklassen noch stärker geworden ist. 

Hepta-refraktär ist das neue „Normal“ im klinischen Alltag 

In den letzten Jahrzehnten hat keine andere hämatologische Krebserkrankung mehr neue Medikamentenzulassungen erlebt als das Multiple Myelom, darunter einige der modernsten Wirkstoffklassen. Dennoch bleibt die Erkrankung bislang unheilbar. Patientinnen und Patienten, die gegenüber zwei immunmodulatorischen Substanzen (IMiDs), zwei Proteasom-Inhibitoren (PIs) und einem CD38-Antikörper resistent sind, werden als „penta-refraktär“ bezeichnet. Früher betrug ihr medianes Überleben nur 5,6 Monate. Durch das Aufkommen neuartiger Immuntherapien, wie CAR-T-Zellen und bispezifische T-Zell-aktivierende Antikörper (T-Cell Engagers, TCE), die gegen Plasmazell-Antigene wie BCMA und GPRC5D gerichtet sind, haben sich die Behandlungsergebnisse für diese Patientengruppe deutlich verbessert. Ein Drittel der Patientinnen und Patienten sind fünf Jahre nach der CAR-T-Zellbehandlung noch rezidivfrei. Bei den meisten Patienten konnten diese neuen Immuntherapien bislang jedoch kein dauerhaftes Überlebensplateau erreichen, viele erleiden letztlich einen Rückfall. Diese „hepta-refraktären“ Patienten (penta-refraktär plus Resistenz gegenüber BCMA- und GPRC5D-gerichteten Therapien) werden im klinischen Alltag zunehmend häufiger gesehen. Am UKW werden derzeit rund 40 hepta-refraktäre Patientinnen und Patienten betreut. Solange die Erkrankung nicht geheilt werden kann, wird dieses hepta-refraktäre Stadium laut Leo Rasche bald das neue „Normal“.

Publikation: Riedhammer, C., Truger, M., Lee, H. et al. The evolution to hepta-refractory myeloma involves sequential loss of CD38, BCMA and GPRC5D. Leukemia (2026). https://doi.org/10.1038/s41375-026-02889-3

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation 

Die beiden Forschenden stehen auf der Terrasse der Medizinischen Klinik II des UKW, im Hintergrund der Helikopter-Landeplatz
Christine Riedhammer und Leo Rasche vom Myelomzentrum des Uniklinikums Würzburg zeigen in einer multizentrischen Studie, wie sich Resistenzmechanismen beim hepta-refraktären Multiplen Myelom mithilfe der Gesamtgenomsequenzierung entschlüsseln lassen. © Kirstin Linkamp / UKW
Die Grafik zeigt eine Zusammenfassung, Circos plot, der genetischen Veränderungen bei 17 Myelom-Patientinnen und -Patienten, deren Tumorerbgut mit Whole Genom Sequencing vollständig untersucht wurde. Schwarze Linien markieren größere Umbauten zwischen verschiedenen Chromosomen. Blaue Bereiche stehen für zusätzliche Kopien von Erbgut, rote für verlorenes Erbgut. Im äußeren Ring sind Gene mit wichtigen Mutationen (rot und schwarz) sowie Veränderungen mit noch unklarer Bedeutung (grau) an ihrer jeweiligen Position im Erbgut dargestellt. © Quelle: Riedhammer, C., Truger, M., Lee, H. et al. The evolution to hepta-refractory myeloma involves sequential loss of CD38, BCMA and GPRC5D. Leukemia (2026). https://doi.org/10.1038/s41375-026-02889-3
Hier wurde ein modifizierter Arztbrief eines Patienten mit hepta-refraktärem Myelom den Ergebnissen des Whole-Genome-Sequencing der Myelomzellen gegenübergestellt, um die therapiebedingten „Spuren” im Tumorerbgut zu verdeutlichen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen auch, warum manche Folgetherapien wirkungslos geblieben sind: Die Schlüsselantigene, die als Angriffspunkte für die jeweiligen Therapien dienen, waren nicht mehr intakt. © Christine Riedhammer / UKW