Aktuelle Pressemitteilungen

„Der Kurs des UKW stimmt“ / Prof. Maschmann nimmt Abschied vom UKW

Herausforderungen der Pandemie bewältigt und wichtige Weichen für die bauliche Entwicklung gestellt

Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, wechselt zum August an das Universitätsklinikum Tübingen.
Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, wechselt zum August an das Universitätsklinikum Tübingen. Foto: UKW / privat

Würzburg. „Bei aller Vorfreude auf die neue Aufgabe in Tübingen: Es schwingt natürlich Wehmut mit, wenn ich Ende Juli das Universitätsklinikum Würzburg verlassen werde. Es war eine intensive Zeit, in der wir gemeinsam hier in Würzburg viel erreichen konnten“, betont Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor des UKW. Im August beginnt er seine neue Tätigkeit als Leitender Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Tübingen.

Für Prof. Maschmann (Jahrgang 1969) ist dies auch eine Rückkehr in seine Heimat: Er ist in der Nähe Tübingens aufgewachsen, hat an der Universität Tübingen studiert, promoviert und habilitiert und bereits zweimal am dortigen Universitätsklinikum gearbeitet. Seine Familie lebt im benachbarten Reutlingen.

Sein Start im Januar 2021 in Würzburg fiel mitten in die laufende Corona-Pandemie: „Diese große Herausforderung haben wir alle gemeinsam am UKW mit großem Engagement bewältigt. Dafür gilt mein Dank den vielen Teams in den verschiedenen Berufsgruppen der Uniklinik. Diese Zusammenarbeit war beeindruckend“, so Prof. Maschmann.

„Passionierter Arzt, ausgezeichneter Wissenschaftler, versierter Klinikmanager: Trotz kurzer Amtszeit hat Professor Dr. Jens Maschmann als Ärztlicher Direktor wichtige Weichen gestellt und das Uniklinikum souverän durch die Corona-Pandemie gesteuert. Ich danke ihm für seinen Einsatz für die gesamte Würzburger Hochschulmedizin und wünsche alles Gute für die neue Tätigkeit in seiner Heimat,“ betont der Bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume.

Planungen für das „Erweiterungsgelände Nord“ laufen

In den vergangenen Jahren galt es u.a., wichtige Entscheidungen für die Universitätsmedizin Würzburg voranzutreiben, um den Medizin-Campus weiter zu entwickeln. Ein Schwerpunkt dabei ist das „Erweiterungsgelände Nord“ für das UKW. Im Sommer 2022 konnte durch den Freistaat Bayern als Bauherrn der Generalplaner-Auftrag für den ersten Bauabschnitt auf dem zehn Hektar großen Gelände vergeben werden, das direkt an den bestehenden Klinik-Campus anschließt. Prof. Maschmann: „Die planerischen Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Dabei sind die verschiedenen Klinikbereiche eng beteiligt.“

Der Dank von Prof. Maschmann gilt den Beschäftigten des UKW und insbesondere den Kollegen im Vorstand des UKW: „Diese Zusammenarbeit war etwas ganz Besonderes. Ich denke, das ist auch ein wichtiger Beitrag für die Erfolge der Würzbürger Universitätsmedizin, wie etwa zuletzt die Ernennung zum Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT). Der Kurs des UKW stimmt.“ 

Bis zum Amtsantritt eines Nachfolgers für Prof. Maschmann, der durch den Aufsichtsrat bestellt wird, wird zunächst Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus bis Ende September die Aufgaben des Ärztlichen Direktors wahrnehmen. Prof. Ernestus, Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am UKW, ist bereits seit 2016 stellvertretender Ärztlicher Direktor. Prof. Dr. Stefan Frantz, Direktor der Klinik für Innere Medizin I, wird weiterhin sein Amt als stellvertretender Ärztlicher Direktor wahrnehmen.

Prof. Dr. Jens Maschmann wechselte im Januar 2021 an das UKW, zuvor war er Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum Jena.

Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, wechselt zum August an das Universitätsklinikum Tübingen.
Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, wechselt zum August an das Universitätsklinikum Tübingen. Foto: UKW / privat

Das Institut für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Würzburg feierte sein fünfjähriges Bestehen

Seit fünf Jahren setzt sich das Institut für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Würzburg erfolgreich für die allgemeinmedizinische Versorgungsforschung, Lehre und Vernetzung ein. Öffentlich markiert wurde das Jubiläum durch eine Veranstaltung mit Podiumsdiskussion und anschließenden Workshops.

Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion der Jubiläumsveranstaltung
Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion der Jubiläumsveranstaltung (von links): Prof. Dr. Ildikó Gágyor (UKW), Prof. Dr. Anne Simmenroth (UKW), Dr. Julia Treiber (Stadtlauringen), Lisa Kardel (BeLA-Stipendiatin), Anja Lehmeyer (GesundheitsregionPlus Stadt und Landkreis Schweinfurt), Bettina Bärmann (Stellvertretende Landrätin Landkreis Schweinfurt) und Dr. Wolfgang Blank (Kirchberg im Wald). Bild: UKW / Stefan Dreising

Würzburg. Am 12. Juli 2023 kamen rund 60 Gäste aus Ärzte- und Studierendenschaft sowie aus der regionalen Politik in den Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin am Uniklinikum Würzburg (UKW). Sie feierten im Rahmen eines Lehr- und Forschungsärztetreffens gemeinsam mit den Direktorinnen Prof. Dr. Ildikó Gágyor und Prof. Dr. Anne Simmenroth samt deren Team das fünfjährige Bestehen des Instituts für Allgemeinmedizin am UKW. 

In seinem Grußwort betonte Joachim Lentzkow, Regionaler Vorstandsbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) die Bedeutung des Instituts für die Region: „Als Zentrum der allgemeinmedizinischen Forschung und Lehre hat es die Vision von der Allgemeinmedizin als eigenes Fach an der Universität Würzburg mit einem eigenverantwortlichen Institut, geführt von zwei Professorinnen im Job-Sharing, Wirklichkeit werden lassen.“

Allgemeinmedizin als eigenständiges Fach vorangebracht

Auch die beiden Direktorinnen freuen sich über die positive Entwicklung ihres Instituts. „In diesen fünf Jahren konnten wir 55 interessierte Forschungspraxen gewinnen, 18 Forschungsvorhaben erfolgreich auf den Weg bringen und somit Netzwerke wie das Bayerische Forschungsnetz in der Allgemeinmedizin etablieren“, sagt Prof. Gágyor und Prof. Simmenroth ergänzt: „In Zusammenarbeit mit unseren mittlerweile 130 Lehrpraxen hat unsere Lehre die Allgemeinmedizin als eigenständiges Fach neben den anderen Fachdisziplinen mit seinem Blick auf den Menschen als Ganzes und seiner besonderen Praxisorientierung weiter vorangebracht“. 

Podiumsdiskussion zu ärztlichen Praktika und Weiterbildungen auf dem Land

Die Podiumsdiskussion zur Frage „Wege aufs Land – Wie können Praktika und Weiterbildungsangebote attraktiv gestaltet werden?“ wurde von Dr. Wolfgang Blank eingeleitet, Facharzt für Allgemeinmedizin und Begründer von „Die LandArztMacher“ und anderen Projekten zur Nachwuchsförderung im Bayerischen Wald. Seine These: Je autonomer und selbstbestimmter Studierende in ihren Praktika arbeiten dürfen, desto positiver ist die Erfahrung für alle Beteiligten und desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Studierende sich für die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin interessieren. Bettina Bärmann, stellvertretende Landrätin des Landkreises Schweinfurt und erste Bürgermeisterin von Niederwerrn, verwies auf die Rolle der Politik als Wegbereiterin und nannte als Beispiel Bau und Einrichtung einer Praxis in ihrer Gemeinde. Julia Treiber, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Anja Lehmeyer, Geschäftsstellenleiterin der GesundheitsregionPlus Stadt und Landkreis Schweinfurt, sehen das Engagement der Ärztinnen und Ärzte bei der Betreuung der Studierenden als wesentlichen Faktor für den Erfolg von Angeboten wie „Schweinfurter Praktikum Plus“. Für Lisa Kardel, Stipendiatin des Programms „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ (BeLA) bietet die Allgemeinmedizin die besten Chancen, frühzeitig und aktiv in die Behandlung von Patientinnen und Patienten eingebunden zu werden.

Workshops zu Nachwuchsförderung und Insulintherapie bei Typ 2 Diabetes 

In dem anschließenden Workshop zur Frage „Wie gelingt Nachwuchsförderung für die hausärztliche Versorgung im ländlichen Unterfranken?“ kamen die Teilnehmenden zu dem Schluss, dass es bereits viele erfolgversprechende Ansätze gibt, Studierende sowie Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung für die Landarztmedizin zu gewinnen. Dazu gehört eine stärkere Internetpräsenz der Landpraxen, eine optimale Betreuung vor Ort und günstige Unterbringungsmöglichkeiten.

Der zweite Workshop der Regionalen Ideenwerkstatt Würzburg für forschungsinteressierte hausärztliche Praxen beschäftigte sich mit der Insulintherapie bei Typ 2 Diabetes. Während die Hausärztinnen und -ärzte bei Betroffenen nach wie vor eine Insulintherapie einleiten oder weiterführen, befürworten die meisten einen zurückhaltenden Einsatz aufgrund der Gefahr der Unterzuckerung unter Insulin. Wichtig und bereichernd sei dabei eine gute Zusammenarbeit mit den involvierten Fachärztinnen und -ärzten. Zudem wünschten sich die Teilnehmenden bei neuen Leitlinien konkrete Handreichungen für die praktische Umsetzung der Behandlungsempfehlungen.

Tag der Allgemeinmedizin im Oktober

Bereits in drei Monaten lädt das Institut für Allgemeinmedizin erneut ein: Am 11. Oktober 2023 findet der jährliche „Tag der Allgemeinmedizin“ mit interaktiven Fortbildungsangeboten für Hausarztpraxen und deren Teams am UKW statt. 

Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion der Jubiläumsveranstaltung
Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion der Jubiläumsveranstaltung (von links): Prof. Dr. Ildikó Gágyor (UKW), Prof. Dr. Anne Simmenroth (UKW), Dr. Julia Treiber (Stadtlauringen), Lisa Kardel (BeLA-Stipendiatin), Anja Lehmeyer (GesundheitsregionPlus Stadt und Landkreis Schweinfurt), Bettina Bärmann (Stellvertretende Landrätin Landkreis Schweinfurt) und Dr. Wolfgang Blank (Kirchberg im Wald). Bild: UKW / Stefan Dreising

Vom Schwimmer im Strömungskanal

Die Universitätsmedizin Würzburg und ihr Spin-Off CatalYm zeigen in der Fachzeitschrift Nature Communications erstmals die Wirkung des Zytokins GDF-15 auf die LFA-1/Zelladhäsionsachse bei Tumor-assoziierten T Zellen. Eine erhöhte GDF-15-Expression beeinträchtigt die Immunantwort auf den Tumor und verhindert den Erfolg einer Immuntherapie.

Prof. Dr. Jörg Wischhusen und Dr. Markus Haake im Porträt
Jörg Wischhusen (links), Professor für Experimentelle Tumorimmunologie an der Universität Würzburg, und Markus Haake, Vice President Pharmacology bei CatalYm, forschen schon seit vielen Jahren am Wachstumsdifferenzierungsfaktor GDF-15. Wie GDF-15 die Immuntherapie bei soliden Tumoren beeinflussen kann, haben sie jetzt im Journal Nature Communications publiziert. © Dominik Gierke / CatalYm

Unser Immunsystem schützt uns vor körperfremden Eindringlingen oder krankhaft veränderten Zellen. Die Evolution hat jedoch Toleranzmechanismen entwickelt, die das Immunsystem zum Stillhalten bewegen. Ohne solche Toleranzsignale würde ein Embryo, der ja zur Hälfte väterliche Gene hat, vom mütterlichen Immunsystem abgestoßen werden. Aus eben diesem Grund ist die tumorimmunologische Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jörg Wischhusen in der Frauenklinik am Universitätsklinikum Würzburg angesiedelt. „Wir lernen von der feto-maternalen Toleranz“, erklärt Wischhusen. „Das heißt: Wir suchen nach Toleranzmechanismen, die den Fötus schützen und die sich Tumore zu eigen machen, um sich den gleichen Schutz zu verschaffen wie der Embryo.“

GDF-15 kann als Biomarker Versagen einer Immuntherapie vorhersagen

Schon vor vielen Jahren hat der Biochemiker mit seinem Team den Wachstumsdifferenzierungsfaktor GDF-15 (Growth/Differentiation Factor 15) als wichtige Zielstruktur identifiziert. Das Protein GDF-15 führt dazu, dass Immunzellen gar nicht erst zum Fötus gelangen, sondern einfach im Blutstrom am neuen, väterliche Antigene exprimierenden Gewebe vorbeischwimmen. Ein niedriger GDF-15-Spiegel bedeutet für Schwangere ein erhöhtes Risiko, dass ihr Immunsystem den Fötus abstößt. In der Krebstherapie wiederum geht ein erhöhter GDF-15 Spiegel mit einer schlechteren Prognose einher. In einer Studie im Wissenschaftsjournal Nature Communications konnte die Würzburger Arbeitsgruppe gemeinsam mit CatalYm, einer inzwischen in München beheimateten Ausgründung der Julius-Maximilians-Universität, zeigen, dass GDF-15 ein zentraler Faktor der Resistenz gegen Immuntherapien bei verschiedenen soliden Tumoren ist. Die Studie schlägt dabei den Bogen von molekularen Mechanismen über zelluläre Modelle und Mausmodelle bis hin zu Beobachtungen am Menschen. Untersucht wurden Melanome (Hauttumore) und Kopf-Hals-Tumore sowie im Tiermodell Kolon- und Pankreaskarzinome (Dickdarm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs).

Hoher GDF-15 Spiegel bedeutet schlechte Prognose bei aktuellen Immuntherapien

Wie stark GDF-15 den Erfolg einer Immuntherapie beeinflusst zeigen Blutproben, die Melanom-Patientinnen und Patienten abgenommen wurden, bevor sie eine Immuntherapie mit anti-PD-1-Antikörpern erhielten. PD-1 steht für Programmed Cell Death 1 und ist der Rezeptor für den von vielen Tumoren exprimierten Liganden PD-L1, der T Zellen regelrecht entwaffnet. PD-1-Antikörper, die aus der heutigen Krebstherapie nicht mehr wegzudenken sind, unterbrechen dieses inhibitorische Signal, sodass die T Zellen wieder ihrer eigentlichen Arbeit nachkommen und den Tumor bekämpfen können. Immuntherapien mit diesen so genannten Checkpoint-Inhibitoren bieten vielen Krebspatientinnen und -patienten realistische Heilungschancen. Die Ansprechraten liegen aber bei den meisten Tumorarten im unteren zweistelligen Prozentbereich.

„Diejenigen Melanompatientinnen und -patienten, die eine niedrige GDF-15-Konzentration im Serum aufwiesen, hatten sehr gute Überlebenschancen, wohingegen diejenigen mit einem hohen GDF-15-Wert nicht auf die Immuntherapie angesprochen haben“, schildert Jörg Wischhusen anhand einer Kaplan-Meier-Kurve. „Dass Überlebenskurven basierend auf einem einzigen Marker so weit auseinandergehen ist einer der stärksten Effekte, die bislang beschrieben wurden.“

GDF-15 blockiert die Rekrutierung von LFA-1-abhängigen T-Zellen

Doch warum ist das so? Wie kann GDF-15 die Immunzellen so wirksam hemmen? Hier kommt das Integrin LFA-1 (leukozytenfunktionsassoziiertes Antigen 1) ins Spiel. Seine Bindung an das Adhäsions-Molekül ICAM-1 sorgt für eine entscheidende Zell-Zell-Interaktion, damit aktivierte Immunzellen an ihren Bestimmungsort gelangen. Wischhusen vergleicht die Immunzelle mit einem Schwimmer im Strömungskanal. Nachdem sie im Lymphknoten aktiviert wurde macht sie sich in der Blutbahn auf den Weg zum Tumor, schafft es aber nicht, sich mit ihren Armen, den Integrinen, an den Griffen im Strömungskanal festzuhalten, sich herauszuziehen und zum Tumor ins Gewebe zu gelangen, um diesen zu bekämpfen. Denn GDF15 verhindert die Aktivierung der Zelladhäsionsachse LFA-1/ICAM-1, es schwächt gewissermaßen die Schultermuskulatur des Greifarms der Immunzelle.

Neutralisierung von GDF-15 verbessert Immunantwort

„Tatsächlich ist dies die erste Studie weltweit, die eine Verbindung zwischen GDF-15 und der LFA-1/ICAM-1 Zelladhäsionsachse auf T-Zellen zeigt“, berichtet Dr. Markus Haake, Vice President Pharmcology der CatalYm GmbH und Erstautor der Studie. Somit sei GDF-15 ein interessanter Biomarker, aber auch eine Option in der Therapie, betont Haake, der als ehemaliger Mitarbeiter der AG Wischhusen CatalYm mitbegründet hat. Wenn GDF-15 die Rekrutierung von LFA-1-abhängigen T-Zellen blockiert, so könnte wiederum eine Blockade von GDF-15 die Infiltration der Immunzellen in den Tumor und schlussendlich den Erfolg der Immuntherapie verbessern.

Mit Visugromab verfügt das Biotech-Start-up CatalYm über einen Antikörper, der GDF-15 neutralisiert und mit einer Anti-PD-1-Therapie kombiniert wird. Die aussagekräftigen Daten aus der Phase-1-Studie belegen das erhebliche klinische Potenzial von Visugromab, das inzwischen in einer multizentrischen und internationalen Phase-2-Studie (GDFATHER = GDF-15 Antibody-mediaTed Human Effector Cell Relocation Phase 2) mit Würzburger Beteiligung untersucht wird.

Gelungene Translation und Hoffnung für verschiedene Tumorarten und Therapien

Jörg Wischhusen blickt stolz auf die gelungene Translation, die er mit seiner Arbeitsgruppe geschafft hat: „Wir haben den Mechanismus von der Idee über die ersten Daten, Entwicklung eines Antikörpers, Gewinnung von Investoren, dem Liefern weiterer Evidenz aus Modellen und aus klinischen Korrelationen soweit gebracht, dass dieser GDF-15-neutralisierende Antikörper jetzt klinisch eingesetzt wird.“

„Natürlich müssen wir noch vorsichtig sein, aber es gibt gute Anzeichen, dass die Immunzellen im Tumor landen und wir mit der Kombination aus GDF-15-neutralisierenden Antikörpern und Immuntherapie Menschen mit verschiedenen Tumorarten helfen können, für die es keine therapeutische Option mehr gibt und denen sonst wirklich nicht mehr geholfen werden kann“, blickt Markus Haake hoffnungsvoll in die Zukunft. 

Studie: Haake, M., Haack, B., Schäfer, T. et al. Tumor-derived GDF-15 blocks LFA-1 dependent T cell recruitment and suppresses responses to anti-PD-1 treatment. Nat Commun 14, 4253 (2023). https://doi.org/10.1038/s41467-023-39817-3

Uniklinikum Würzburg sucht Teilnehmende für ADHS-Studie

Eine Studie am Zentrum für Psychische Gesundheit des Uniklinikums Würzburg untersucht die Zusammenhänge zwischen dem Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) und der Herz-Kreislaufregulation. Dafür werden Probandinnen und Probanden mit und ohne ADHS gesucht.

Würzburg. Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) leiden oft nicht nur unter weiteren psychischen Erkrankungen wie Depressionen, sondern auch unter körperlichen Krankheiten, wie zum Beispiel Bluthochdruck. „Ob und wie Psyche und Herz-Kreislauffunktion bei ADHS zusammenhängen ist aber noch kaum verstanden“, berichtet Dr. Georg Ziegler, Oberarzt am Zentrum für Psychische Gesundheit (ZEP) des Uniklinikums Würzburg. Hier soll nach seinen Worten die jetzt am ZEP durchgeführte Studie „Kardiovaskuläre Regulation bei ADHS“ (KoR-ADHS) für mehr Klarheit sorgen. Dafür werden noch Probandinnen und Probanden mit und ohne ADHS zwischen 18 und 65 Jahren gesucht, die herzgesund sind und keine Blutdruckmedikamente einnehmen.

Mit ihnen führen die Würzburger Forscherinnen und Forscher verschiedene psychologische Tests durch, wobei parallel ein EKG abgeleitet wird, um die Herzaktion in Ruhe und während geistiger Anstrengung zu untersuchen. Darüber hinaus werden Blutdruck und EKG über 24 Stunden gemessen sowie Blut- und Speichelproben abgenommen. 

Die Teilnehmenden erhalten die Ergebnisse der Langzeit-Blutdruckmessung und eine Aufwandsentschädigung von 30 Euro. Interessierte kontaktieren das Studienteam unter E-Mail: kor_adhs@ ukw.de oder Tel. 0931-201 76999.

Selina ist das 100ste MIAI-Baby

Seit dem Start der Geburtskohorte MIAI im Mai 2022 wurden am Uniklinikum Würzburg bereits 100 Babys in die Studie aufgenommen. Anhand ihrer Daten und Bioproben untersucht der Lehrstuhl für Translationale Pädiatrie an der Kinderklinik gemeinsam mit der Frauenklinik bei Kindern im ersten Lebensjahr die Entwicklung des Immunsystems gegen Viruserkrankungen der Atemwege.

Selina ist in einem Handtuch eingewickelt und wird gehalten vom MIAI-Studienarzt.
Selina ist das hundertste Baby in der Geburtskohorte MIAI des Lehrstuhls für Translationale Pädiatrie am Uniklinikum Würzburg. © Markus Hammer / UKW
Hautabstrich bei Selina, dem 100sten MIAI-Baby
Im Rahmen der MIAI-Studie werden in regelmäßigen Abständen verschiedene Bioproben wie etwa Hautabstriche und Stuhlproben abgenommen. © Markus Hammer / UKW
In der MIAI-Studienambulanz werden die Babys untersucht.
Das MIAI-Studienteam analysiert anhand der gesammelten Daten aus Fragebögen und Untersuchungen sowie den Bioproben, wie Babys lernen, sich gegen die Viren zu verteidigen, die Atemwegserkrankungen auslösen. © Kirstin Linkamp / UKW

Würzburg. Selina Brandl gähnt herzhaft als Dr. Jonas Fischer das Stethoskop auf ihre zarte Brust setzt. Und das vier Wochen alte Mädchen schläft seelenruhig weiter, während der Kinderarzt es gemeinsam mit Studienschwester Monika ausgiebig untersucht. Auch der prominente Status kann den Säugling nicht aus der Ruhe bringen. Selina ist das hundertste Baby in der MIAI-Studie und leistet mit allen weiteren MIAI-Kindern einen wichtigen Beitrag für die Wissenschaft. 

Mit ihren gesammelten Daten aus Fragebögen und Untersuchungen sowie den Bioproben erhofft sich das MIAI-Studienteam am Uniklinikum Würzburg ein besseres Verständnis, wie Babys lernen, sich gegen die Viren zu verteidigen, die Atemwegserkrankungen auslösen. Ziel der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Studie MIAI (englisch für Maturation of Immunity Against Influenza) ist es, wissenschaftlich belegte Empfehlungen zu geben und Maßnahmen zu entwickeln, mit denen Eltern die Entwicklung des Immunsystems frühzeitig fördern können.

Welche Faktoren tragen zur Entwicklung des Immunsystems bei?

Auch Selinas Immunsystem ist noch nicht ausgereift. Das ist ganz normal und hat bei Neugeborenen seinen Sinn. Es wird erst in den nächsten Wochen und Monaten durch verschiedene Einflüsse wie die Darmflora, Ernährung, Infektionen, Impfungen, soziale Kontakte und Lebensbedingungen geformt. Welche Faktoren die Reifung des kindlichen Immunsystems gegen Viruserkrankungen der Atemwege beeinträchtigen oder fördern, das erforscht Prof. Dr. Dorothee Viemann, Leiterin der Translationalen Pädiatrie, mit ihrem Team anhand des Datenschatzes, den die MIAI-Babys produzieren. Dazu werden die Kinder direkt nach der Entbindung in der Frauenklinik sowie nach einem, sechs und zwölf Monaten in der MIAI-Studienambulanz in der benachbarten Kinderklinik untersucht. 

Wie läuft eine typische Untersuchung ab? „Wir fragen zunächst nach dem Gesundheitszustand der Kinder, ob zwischendurch Impfungen erfolgt sind oder ein Urlaub im Ausland verbracht wurde. Wir sammeln verschiedene Bioproben der Kinder, nehmen zum Beispiel Hautabstriche und Stuhlproben. Außerdem werden die Babys gemessen, gewogen und von unserem Studienarzt gründlich untersucht“, berichtet die Studienkoordinatorin Carina Maier. Die Untersuchungen finden natürlich erst dann statt, wenn die Eltern in die Studienteilnahme eingewilligt haben.

Erkenntnisse für die Gesellschaft und ein Extra-Blick aufs Kind

Und das tun sie gern. Das Interesse ist groß. So sind die Eltern der MIAI-Zwillinge Anton und Bruno der Meinung: „Nur Forschung bringt uns voran!“ Eine andere Familie hat das Ziel überzeugt, „unabhängig von Pharmainteressen, Erkenntnisse zu gewinnen, was unseren Kindern Vorteile beim Start ins Leben gibt.“ Eine Mutter macht aus Dankbarkeit ein gesundes Baby zur Welt gebracht zu haben, an der Studie mit. Ihre Zimmerkollegin hatte ein Frühchen, das intensivmedizinisch betreut werden musste. Darüber hinaus schätzen viele neben dem gesellschaftlichen Aspekt den persönlichen Vorteil. Denn zusätzlich zu den U-Untersuchungen erfolgt regelmäßig ein professioneller Blick auf die Kleinen, und das Studienteam nehme sich noch einmal Extra-Zeit. Auch Selinas Mama, Sina Brandl, war von Beginn an überzeugt von der Studie und kommt dafür gern zum Uniklinikum. „Es ist ja für die Kinder“, sagt sie.

Weitere Studienteilnehmende sind herzlich willkommen

Wer in Würzburg und Umgebung demnächst Nachwuchs erwartet, am Uniklinikum Würzburg entbinden und an der Studie teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen, sich vorab mit dem MIAI-Studienteam in Verbindung zu setzen: www.ukw.de/miai.

Das Immunsystem: Balance zwischen Toleranz und Abwehr

Weitere Informationen zum Immunsystem als Brücke zwischen Gesundheit und Krankheit stehen in unserer Pressemitteilung, die wir anlässlich des diesjährigen Tag der Immunologie herausgegeben haben. Die Würzburger Universitätsmedizin hat sich als wichtiger Forschungsstandort im Bereich Immunologie hervorgetan und diese Kompetenzen in den letzten Jahren stark ausgebaut. In zahlreichen Instituten und Lehrstühlen arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, das Immunsystem besser zu verstehen, um neue Ansätze zur Therapie und vor allem Prävention von Krankheiten zu entwickeln. Dabei kooperieren sie eng mit Forschungsteams in Deutschland und weltweit.

 

Film: Selinas erste Untersuchung in der MIAI-Studienambulanz haben wir gefilmt und ist hier zu sehen. 

Schlaganfall: Studie untersucht Rückfallgefahr

Forschungsteams der Universität Würzburg und des Klinikums Ludwigshafen haben in einer großangelegten Studie untersucht, ob sich mit einer strukturierten ambulanten Nachsorge Schlaganfallrezidive vermeiden lassen.

Etwa 70.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland ein sogenanntes Schlaganfallrezidiv – also einen zweiten Schlaganfall nach einem vorherigen
Etwa 70.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland ein sogenanntes Schlaganfallrezidiv – also einen zweiten Schlaganfall nach einem vorherigen. (Bild: peterschreiber.media / istockphoto.com)

Das Risiko, nach einem Schlaganfall einen weiteren Schlaganfall zu erleiden ist hoch: Etwa 70.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland ein sogenanntes Schlaganfallrezidiv, häufig mit schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen. Über die Faktoren, die dieses Risiko erhöhen, herrscht weitgehend Einigkeit: Bluthochdruck, Rauchen und Hypercholesterinämie – also erhöhte Blutfettwerte – sind die wichtigsten darunter.

Eine verbesserte Kontrolle dieser Risikofaktoren könnte etwa die Hälfte dieser Schlaganfallrezidive vermeiden, schätzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Um dies zu erreichen, fehlen jedoch systematische Behandlungsangebote zur langfristigen ambulanten Schlaganfallnachsorge.

Strukturierte ambulante Nachsorge

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat das Klinikum Ludwigshafen daher die Studie „Strukturierte ambulante Nachsorge nach Schlaganfall“ (SANO) durchgeführt. Ziel des Projekts war es, die Versorgung von Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall langfristig zu verbessern und somit das Risiko für Schlaganfallrezidive zu reduzieren sowie eine bessere ambulante Versorgungsqualität zu erreichen.

Zu diesem Zweck wurde in den Interventionsregionen ein strukturiertes Nachsorgeprogramm etabliert, das zum einen regelmäßige ambulante Nachsorgetermine bei einem auf die vielfältigen Aspekte der Schlaganfallnachsorge spezialisierten Behandlungsteam umfasst. Ergänzend wurden die Patientinnen und Patienten in einem umfassenden lokalen Behandlungsnetzwerk bestehend aus Therapeutinnen und Therapeuten sowie Fachärztinnen und Fachärzten verschiedener Disziplinen und anderer gesundheitsnaher Dienstleiter betreut. Die Ergebnisse hat das Forschungsteam jetzt im Fachjournal The Lancet Neurology veröffentlicht.

An dem Projekt, das durch den Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) mit rund 5,8 Millionen Euro gefördert wird, nahmen insgesamt 2.791 Patientinnen und Patienten an 30 Partnerkliniken mit überregionalen Stroke Units in Süd- und Westdeutschland teil. Die Auswertung der dabei gewonnen Daten erfolgte am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie.

Verbesserte Kontrolle der Risikofaktoren

Dr. Christopher Schwarzbach, Koordinator des SANO-Projekts und Oberarzt der Neurologischen Klinik des Klinikums Ludwigshafen und Professor Armin Grau, früherer Chefarzt der Neurologischen Klinik und Mitinitiator der Studie, kommentieren die Ergebnisse wie folgt: „Im Rahmen von SANO konnte eine verbesserte Kontrolle der Gefäßrisikofaktoren erreicht werden, allerdings zeigte sich im Rahmen der einjährigen Nachbeobachtung noch keine Reduktion des Risikos für Schlaganfallrezidive. Eine Prüfung der langfristigen Effekte der SANO-Studie auf das Schlaganfallrezidivrisiko befindet sich daher bereits in Vorbereitung. Auch weitere Effekte des SANO-Projekts auf das Risiko von Stürzen, Depressionen und anderen Folgeerscheinungen eines Schlaganfalls sowie die Lebensqualität der Betroffenen müssen noch beurteilt werden.“

Professor Peter Heuschmann, Leiter des Institutes für Klinische Epidemiologie und Biometrie, ergänzt: „Durch das große Engagement aller Beteiligten – sowohl in den Zentren als auch aller an der Koordination und Evaluation beteiligten Personen – konnten wir die SANO-Studie trotz der Einschränkungen der Corona-Pandemie erfolgreich durchführen. Die Ergebnisse von SANO zeigen, dass komplexe Interventionsstudien unter Beteiligung zahlreicher unterschiedlicher Einrichtungen im Versorgungsalltag in Deutschland erfolgreich durchgeführt und evaluiert werden können.“

Originalpublikation

“The structured ambulatory post-stroke care program for outpatient aftercare in patients with ischaemic stroke in Germany (SANO): an open-label, cluster-randomised controlled trial”. Christopher J Schwarzbach, MD, Felizitas Anna Eichner, MSc, Viktoria Rücker, PhD, Anna-Lena Hofmann, MSc, Moritz Keller, MD, Prof Heinrich J Audebert, MD, et al. https://doi.org/10.1016/S1474-4422(23)00216-8

Kontakt

Prof. Dr. Peter Heuschmann, Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie,T: +49 (931) 201-47307, peter.heuschmann@ uni-wuerzburg.de   

Das dieser Veröffentlichung zugrundliegende Projekt wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter dem Förderkennzeichen 01NVF17032 gefördert.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 18.07.2023

Etwa 70.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland ein sogenanntes Schlaganfallrezidiv – also einen zweiten Schlaganfall nach einem vorherigen
Etwa 70.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland ein sogenanntes Schlaganfallrezidiv – also einen zweiten Schlaganfall nach einem vorherigen. (Bild: peterschreiber.media / istockphoto.com)

Immunzellen im Gänsemarsch

Es gibt Neuigkeiten aus dem Immunsystem: Dendritische Zellen wandern im Verbund an der Außenseite von Blutgefäßen entlang. Botenstoffe halten dieses dynamische Netzwerk stabil.

Die Abbildung zeigt die komplexe Organisation von dendritischen Zellen im Lymphknoten.
Die Abbildung zeigt die komplexe Organisation von dendritischen Zellen im Lymphknoten. Blau dargestellt sind Blutgefäße. Die grün dargestellten Zellen sind junge dendritische Zellen, wohingegen die rot dargestellten dendritischen Zellen ein paar Tage älter und bereits weitergewandert sind. Die orange dargestellten dendritischen Zellen liegen im Alter dazwischen. (Bild: Dr. Milas Ugur / Universität Würzburg)

Die Zellen des Immunsystems zirkulieren vor allem im Blut und wandern nach einer Entzündung in die Gewebe des Körpers ein. Einige Typen von Immunzellen befinden sich allerdings dauerhaft in den Geweben, wo sie sich zu dreidimensionalen Netzwerken zusammentun.

Wie entstehen diese Netzwerke und wie werden sie aufrechterhalten? Für die langlebigen Makrophagen (Fresszellen) ist die Antwort schon bekannt: Sie siedeln sich in sogenannten Nischen an. Dabei handelt es sich um eine Umgebung aus bindegewebigen Zellen, die den Makrophagen Nährstoffe liefern und sie am Leben erhalten.

Ein Team um die Professoren Georg Gasteiger, Dominic Grün und Wolfgang Kastenmüller vom Institut für Systemimmunologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) / Max-Planck Forschungsgruppe hat den Blick nun auf einen verwandten Typ von Immunzellen gerichtet, die sogenannten dendritischen Zellen.

Diese Immunzellen sind für die Steuerung von Immunantworten essenziell, weil sie an der ersten Abwehrlinie des Immunsystems stehen: Sie erkennen körperfremde Strukturen, nehmen sie auf und verarbeiten sie zu einer Art Fahndungsfoto. Das Foto präsentieren sie dann anderen Immunzellen und lösen damit eine spezifische Immunreaktion aus, etwa gegen Krankheitserreger oder Krebszellen.

Dendritische Zellen wandern durchs Gewebe

Das Besondere an den dendritischen Zellen: Sie leben nur etwa eine Woche und wandern in dieser Zeit kontinuierlich durch die Gewebe des Körpers. „Insofern war klar, dass das klassische Nischen-Konzept hier nicht trägt“, sagt Wolfgang Kastenmüller.

Das JMU-Team fand dafür ein komplett neuartiges Konzept, nach dem sich dreidimensionale Zell-Netzwerke organisieren können: Dendritische Zellen orientieren sich an den Blutgefäßen und wandern hintereinander an deren Außenwand entlang – ähnlich wie Kinder, die im Gänsemarsch laufen. Die Blutgefäße geben also die dreidimensionale Anordnung der Zellen vor.

Botenstoffe halten die Zellen im Verbund

„Wir wollten verstehen, wie dieser Prozess reguliert wird und wie die Zellen es schaffen, Lücken in ihrem Verbund zu schließen“, erklärt Dr. Milas Ugur, ein Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe von Professor Kastenmüller. Solche Lücken zu schließen ist wichtig, weil die Immunabwehr sonst nicht mehr optimal funktioniert.

Wie das JMU-Team im Journal Immunity berichtet, liegt es an einem lokal wirkenden Botenstoff, dem FLT3-Liganden, dass die dendritischen Zellen auf ihrer Wanderschaft immer schön beieinanderbleiben.

Die Botenstoffe werden vor Ort kontinuierlich hergestellt und von den dendritischen Zellen verbraucht. Gibt es Lücken im Verbund, stehen für die vereinzelten dendritischen Zellen mehr Botenstoffe zur Verfügung. Dieser Überschuss beschleunigt sie in ihrer Entwicklung und Bewegung und hilft ihnen, den Anschluss an die Gruppe wiederzufinden. Wenn die Zellen aufgerückt sind, haben sie durch die Konkurrenz ihrer Nachbarn wieder etwas weniger Botenstoffe zur Verfügung. Entsprechend drosseln sie ihre Entwicklungsgeschwindigkeit.

Von prognostischem Wert für Tumorerkrankungen

Diese Erkenntnisse sind unter anderem mit Blick auf die Krebstherapie von Bedeutung: Dendritische Zellen haben einen hohen prognostischen Wert für Tumorerkrankungen: Je mehr von ihnen sich in einem Tumor aufhalten, umso besser sind die Aussichten für die Erkrankten. Das gilt vor allem nach einer Immuntherapie.

„Mit möglichst viel Grundlagenwissen über dendritische Zellen können wir besser verstehen, wie wir die Netzwerke dieser Zellen in Tumoren wiederherstellen können und dadurch maßgeschneiderte Therapien in der Zukunft entwickeln“, erklärt Kastenmüller.

Wie die Forschenden weitermachen

Die bisherigen Daten der JMU-Forschungsgruppe beruhen auf der Analyse von Lymphknoten aus Tiermodellen. Das Team will als nächstes testen, ob die gleichen Prinzipien der Netzwerk-Organisation der dendritischen Zellen für alle Gewebe und auch im Menschen gelten.

Die beschriebenen Arbeiten sind in Kooperation mit Forschenden des Würzburger Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) und mit Wissenschaftlern aus Frankreich und Japan entstanden. Sie wurden vom Europäischen Forschungsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell gefördert.

Publikation

Lymph node medulla regulates the spatiotemporal unfolding of resident dendritic cell networks. Immunity, 17. July 2023, DOI: 10.1016/j.immuni.2023.06.020

Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang Kastenmüller, Institut für Systemimmunologie, Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) / Max Planck Forschungsgruppe, wolfgang.kastenmueller@ uni-wuerzburg.de 

Immunologie in Würzburg

Die Würzburger Universitätsmedizin hat sich als wichtiger Forschungsstandort im Bereich Immunologie hervorgetan und diese Kompetenzen in den letzten Jahren stark ausgebaut. In zahlreichen Instituten und Lehrstühlen arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, das Immunsystem besser zu verstehen und mit seiner Hilfe Krankheiten zu bekämpfen. Dabei kooperieren sie eng mit Forschungsteams in Deutschland und weltweit.

Webseite der Würzburger Immunologie 

 

einBlick - Das Online-Magazine der Universität Würzburg vom 18.07.2023

Die Abbildung zeigt die komplexe Organisation von dendritischen Zellen im Lymphknoten.
Die Abbildung zeigt die komplexe Organisation von dendritischen Zellen im Lymphknoten. Blau dargestellt sind Blutgefäße. Die grün dargestellten Zellen sind junge dendritische Zellen, wohingegen die rot dargestellten dendritischen Zellen ein paar Tage älter und bereits weitergewandert sind. Die orange dargestellten dendritischen Zellen liegen im Alter dazwischen. (Bild: Dr. Milas Ugur / Universität Würzburg)