Chirurg und Experte für Klinikstrukturen Prof. Arnulf Thiede wird 65 Jahre

Für den Medizinprofessor Arnulf Thiede von der Uni Würzburg war es die wohl größte organisatorische Herausforderung in seiner Laufbahn: Federführend die Planung und den Neubau des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) voranzutreiben und dann mit seiner Chirurgischen Klinik in das neue Haus umzuziehen * bei laufendem Betrieb. Das Alles nahm ihn 13 Jahre lang in Anspruch, bis das Zentrum schlussendlich 2004 eingeweiht wurde. Die ersten zwei Jahre war er dann geschäftsführender Direktor des neuen Klinikums.

Der Umzug seiner Klinik ins ZOM verlief damals geradezu bilderbuchmäßig: Er ging im Laufe eines Tages planmäßig und ohne Probleme vonstatten. Daran wird Thiede ganz sicher am Montag, den 20. August, zurückdenken. Dann feiert er seinen 65. Geburtstag, und an solchen Tagen gehören Rückblicke auf Vergangenes einfach dazu.

Arnulf Thiede, ein gebürtiger Berliner, wuchs in Schleswig-Holstein auf. Er studierte ab 1962 Medizin in Kiel, Frankfurt, Tübingen und Berlin. 1970 trat er die Weiterbildung in der Chirurgischen Universitätsklinik in Kiel an. Dort habilitierte er sich sechs Jahre später und wurde Oberarzt, 1983 dann Leitender Oberarzt und 1985 schließlich Stellvertreter des Klinikdirektors.

Während dieser Zeit absolvierte er vier mehrmonatige Studienaufenthalte in den USA. Außerdem wirkte er an Universitäten in Thailand als wissenschaftlicher Berater und an der Jichi-Universität in Japan als Gastprofessor. Heute pflegt Thiede wissenschaftliche Kontakte mit Universitäten in Brasilien, der Ukraine, Japan, USA und Großbritannien.

In Kiel baute der Chirurg eine Arbeitsgruppe für experimentelle Transplantationsforschung und ein klinisches Transplantationszentrum auf. Er befasste sich auch mit dem Ersatz von Magen und Enddarm nach der operativen Entfernung von Tumoren. Zudem griff er interdisziplinäre Konzepte der Krebstherapie für sein Fachgebiet auf.

Ab 1988 war Thiede chirurgischer Chefarzt in Neumünster, dem größten Lehrkrankenhaus der Uni Kiel. 1991 wurde er dann auf den Würzburger Lehrstuhl für Chirurgie berufen. Hier führte er die Laparoskopie ein, besser bekannt unter dem Schlagwort *Schlüsselloch-Chirurgie*. In den 90er-Jahren wurde unter seiner Leitung in Würzburg erstmals die Transplantation von Lebern und Bauchspeicheldrüsen verwirklicht.

Der Professor trieb auch chirurgische Rekonstruktionsverfahren mit Hilfsmitteln wie Nahtverfahren, Klammer- und Kompressionsnähten voran.

1991 gründete er eine Arbeitsgruppe zur Erforschung von Funktionsstörungen des Verdauungstraktes, 1994 eine Arbeitsgruppe für die mikrochirurgische experimentelle Transplantationsforschung. Letztere befasst sich unter anderem mit Transplantations- und Operationstechniken oder mit der Rolle der Stammzellen bei der so genannten Toleranzinduktion. Weitere Forschungsgruppen untersuchen die Entstehung und Therapie von Tumoren des Magen-Darm-Traktes.

Thiede hat bislang insgesamt 700 Originalarbeiten publiziert und 13 Bücher geschrieben. An der Uni Würzburg betreute er bislang 31 Habilitationen; unter seiner Leitung brachte die Klinik 26 Chefärzte hervor. Die Evangelische Fakultät der Universität Curitiba in Brasilien verlieh ihm 2004 den Titel Professor honoris causa * mit den dortigen Medizinern kooperiert Thiede seit Beginn der 90er-Jahre. Als eine Folge dieser Zusammenarbeit konnte in Curitiba ein Zentrum für die Behandlung von Reflux-Krankheiten etabliert werden. Bei diesen Leiden fließt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre, was Krebs auslösen kann.

In den vergangenen Jahren hat sich der Professor verstärkt mit der Organisation und Struktur von Kliniken befasst. 2005 wurde er zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie Vorsitzender der Strategiekommission für Krankenhausstrukturen. Im November 2007 wird er in Würzburg das Symposion *Strukturentwicklungen von Krankenhäusern* organisieren, das er selbst initiiert hat.