IZKF fördert medizinischen Nachwuchs -acht junge WissenschaftlerInnen gehen 2012 mit ihrem ersten Projekt an den Start

26 junge Medizinerinnen und Mediziner haben sich im Februar 2012 mit einem Forschungsvorhaben für das Erstantragstellerprogramm (EAST) des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF) beworben. Sechs Antragstellerinnen und zwei Antragsteller konnten mit Ihrem Projekt die Gutachter überzeugen und werden für zwei Jahre im EAST gefördert. Fünf weiteren Antragstellern konnte eine Rotationsstelle bzw. eine Anschubfinanzierung angeboten werden.


Das Programm
Das Erstantragstellerprogramm geht bereits in die dritte Runde. Die Idee dahinter ist, schon früh junge Mediziner für die Forschung zu gewinnen und so langfristig eine Basis für eine breit aufgestellte Forschungslandschaft in Würzburg zu schaffen. Die Projekte werden zunächst intern begutachtet. Nach einer schriftliche Begutachtung und Vorauswahl müssen die ausgewählten Antragsteller am „Marktplatz für EAST“ noch eine Kurzpräsentation halten und ein Poster vorstellen. Erst danach wird über die endgültige Förderung entschieden.
Die Forschungsgelder, rund 65.000,00 Euro pro Jahr, können von den Nachwuchswissenschaftlern für Sachmittel und personelle Unterstützungen eingesetzt werden. Damit kann das Projekt neben dem Klinikalltag intensiver verfolgt und schneller ans gesteckte Ziel gebracht werden.


Die Projekte
Bei allen geförderten Projekten steht langfristig die Verbesserung von Heilungschancen für Patienten im Vordergrund. So wählen die Mediziner meist Themen aus dem unmittelbaren Umfeld ihrer klinischen Tätigkeit aus, mit denen sie häufig konfrontiert werden oder die selten auftreten und gerade deswegen wenig Forschungsaufmerksamkeit erhalten. Unterstützt werden die ForscherInnen in ihrer Arbeit von einem wissenschaftlichen Mentor, der ihnen bereits in der Antragsphase beratend zur Seite steht und sie bis zum Ende des Projektes unterstützt.



Geförderte Projekte 2012:

Albert Busch, Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen
Das Bauchaortenaneurysma, eine Erweiterung der Bauchschlagader, ist ein schweres und häufig zu spät erkanntes Krankheitsbild, das unbehandelt meist zum Tod durch einen spontanen Durchbruch führt. Die operative Ausschaltung stellt bisher die einzige Behandlungsmöglichkeit dar. Dem Aneurysma liegt eine Schwächung der mechanischen Eigenschaften der Gefäßwand zugrunde, über deren genaue Mechanismen und Ursachen nur sehr wenig bekannt ist. Albert Busch, Assistenzarzt der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie forscht gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern an der Entstehung dieser Krankheit und möchte so neuen Verfahren zur Behandlung und Diagnostik Vorschub leisten.


Stefanie Dießl, Neue Medikamente gegen Schilddrüsenkrebs
Tumoren der Schilddrüse sind in den meisten Fällen sehr gut heilbar. Ausnahme bilden einige aggressiv wachsende Tumorarten, die auf aktuelle Behandlungsmöglichkeiten kaum ansprechen und häufig zum Tod führen. Derzeit werden weltweit in klinischen Studien moderne Medikamente getestet, um zu überprüfen, wie wirksam die Medikamente tatsächlich gegen diese Krebsart sind. Stefanie Dießl, Assistenzärztin für Nuklearmedizin, forscht sowohl an der Therapie des Tumors mit Hilfe der neuen Medikamente, als auch an der Möglichkeit, das Therapieansprechen mithilfe des sogenannten PET-CTs (bildgebende Darstellung) besser erkennen zu können. Bei Nicht-Ansprechen kann ein Medikament dadurch sofort gegen ein anderes ausgewechselt werden


Stefanie Doht, Schienbeinkopffrakturen bei älteren Menschen
Tibiakopffrakturen (Schienenbeinkopffrakturen) umfassen bereits heute rund 10% aller Frakturen der Alterstraumatologie. Besondere Probleme der Therapie stellen hier die Osteoporose und das deutlich erhöhte Risiko des Einsinkens der Gelenkfläche unter Belastung dar. Bisher fehlen jedoch Untersuchungen der Stabilisierungstechniken der häufigen Eindrückungsfrakturen als Grundlage für die operative Frakturversorgung. Stefanie Doht, Assistenzärztin in der Facharztweiterbildung für Orthopädie und Unfallchirurgie, forscht an den biomechanischen Eigenschaften unterschiedlicher Frakturversorgungen der Tibiakopfimpressionsfrakturen auf drei klinisch relevanten Belastungsniveaus. Hieraus werden Rückschlüsse für die operative Frakturversorgung und das Nachbehandlungsschema mit Minimierung des Risikos eines Einsinkens der Gelenksfläche des Schienenbeinkopfes erwartet.


Kathrin Doppler, Frühere Diagnose bei M. Parkinson
Der M. Parkinson ist eine Erkrankung des Nervensystems, die zu Steifigkeit, Zittern und verminderter Beweglichkeit führt. Ein wichtiger Faktor bei der Entstehung der Erkrankung sind Ablagerungen des Eiweißstoffes Alpha-Synuclein in Nervenzellen des Gehirns. Kathrin Doppler aus der Neurologischen Klinik möchte untersuchen, ob sich diese Ablagerungen auch in Nervenfasern der Haut nachweisen lassen. Da Hautproben bei Patienten komplikationslos gewonnen werden können, ist dies ein vielversprechender Weg, um zum einen die Diagnose frühzeitig zu sichern, zum anderen den Mechanismus der Schädigung von Nerven durch die Alpha-Synuclein-Ablagerungen zu erforschen.


Sarah Kittel-Schneider,  Risikogene sind mitverantwortlich für manisch-depressive Störung
Die manisch-depressive Erkrankung betrifft mindestens ein Prozent der Bevölkerung weltweit. Bei bis zu 80 Prozent der Betroffenen sind die Ursachen der Erkrankung erblich bedingt. Mittlerweile sind schon eine Reihe sogenannter Risikogene für die manisch-depressive Erkrankung bekannt. Das heißt, dass bestimmte Varianten in Genen das Risiko erhöhen, eine manisch-depressive Erkrankung zu bekommen.
Allerdings sind die zugehörigen Eiweiße hinsichtlich ihrer Funktion im menschlichen Körper noch unerforscht. Um zu untersuchen, welche Rolle diese Eiweiße bei der Entstehung dieser Erkrankung spielen, wird Sarah Kittel-Schneider, angehende Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Hautzellen in Nervenzellen umprogrammieren und dann in diesen Zellen die Funktion der Eiweiße näher darstellen.  Indem Zellen von Gesunden und bipolaren Patienten untersucht werden, sollen so die Auswirkungen der genetischen Veränderungen bestimmt werden.


Monika Rau, Zusammenhang von Übergewicht und Leberzellkrebs
Aufgrund des westlichen Lebenswandels werden zunehmend häufiger Fettlebererkrankungen mit dem Risiko der Lebervernarbung und der Entwicklung eines Leberzellkrebs in der Bevölkerung diagnostiziert. In den letzten Jahren konnte man in Studien zeigen, dass die Stuhlbakterien bei normalgewichtigen und übergewichtigen Menschen unterschiedlich sind und bei der Aktivierung von Immunzellen im Darm eine wichtige Rolle spielen. Es gibt Hinweise, dass die veränderte Zusammensetzung der Stuhlbakterien sowie eine veränderte Darmdurchlässigkeit zu einer Leberzellverfettung und -entzündung im Sinne einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung führen. Dieser Zusammenhang zwischen Darm und Leber wird in dem Projektantrag von Monika Rau, Assistenzärztin in der Inneren Medizin, erforscht. Insbesondere wird die Aktivierung von Immunzellen im Zusammenhang mit der unterschiedlichen Stuhlflora bei Menschen mit einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung untersucht.


Lea Seidlmayer, Die Bedeutung von Kalzium für Herzkreislauferkrankungen
Über die Freisetzung von Kalzium wird im Herzen die Kontraktion ausgelöst. Gleichzeitig reguliert die Kalziumkonzentration in den Zellen wichtige Funktionen. Zum Beispiel steuert sie das Wachstum des Herzmuskels bei Herzerkrankungen und die Bereitstellung von Energie für die Zellen.
Über den Regulationsmechanismus, wie die Herzmuskelzelle die Kalziumkonzentration gezielt beeinflussen kann, ist bisher nur wenig bekannt.
Lea Seidlmayer, Assistenzärztin für Kardiologie, forscht daran diese Regulationsmechanismen zur Steuerung der Kalziumkonzentration in Herzmuskelzellen und deren Organellen, einem strukturell abgegrenzten Bereich der Herzmuskelzelle, aufzudecken. Die Forschungsergebnisse aus diesem Projekt stellen die Basis für neue Therapieverfahren von Herzkreislauferkrankungen wie Herzmuskelschwäche und Herzvergrößerung dar.


Florian Seyfried, Veränderter Gallefluss nach Magenbypass

Chirurgische Maßnahmen zur Bekämpfung des krankhaften Übergewichts, wie der Roux-en-Y Magenbypass, haben einen festen Stellenwert in der Behandlung der chronischen Fettleibigkeit, gelten allerdings auch als die aktuell effizienteste Therapie zur Behandlung des Typ 2 Diabetes. Warum es hier zur einer Verbesserung bzw. zum völligen Abklingen der Symptome der diabetischen Stoffwechsellage kommt, ist komplex und bisher nicht ausreichend geklärt. Die Effekte gehen jedoch weit über eine alleinige Gewichtsabnahme hinaus. Florian Seyfried, Assistenzarzt für Chirurgie, untersucht den nach Magenbypass veränderten Gallefluss und deren Einfluss auf die diabetische Stoffwechsellage. Ziel ist, den antidiabetischen Wirkungsgrad einzelner Faktoren des Magenbypasses besser zu verstehen und dies für die Entwicklung konventioneller Therapien zur Diabetesbehandlung zu nutzen.

 

Quelle: IZKF