Das Würzburger König-Ludwig-Haus hat als erstes Krankenhaus in Bayern und als drittes Haus in Deutschland die reguläre Zertifizierung zum Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung erhalten. Der freiwillige Qualitätscheck bescheinigt der Orthopädischen Klinik beim Ersatz von Hüft- und Kniegelenken höchste Patientensicherheit, Behandlungsqualität und Effizienz.
In Deutschland werden jährlich rund 400.000 künstliche Hüft- und Kniegelenke implantiert, über 1.000 davon an der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus in Würzburg. „Komplikationsfrei durchgeführte Operationen sind für die Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten von entscheidender Bedeutung“, sagt Prof. Maximilian Rudert, der Ärztliche Direktor der vom Bezirk Unterfranken getragenen Einrichtung, und fährt fort: „Um dieses Ziel zuverlässig zu erreichen, ist ein hohes Maß an Spezialisierung, Kompetenz und Erfahrung nötig.“
Alleinstellung in ganz Nordbayern
Vor diesem Hintergrund haben es sich die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie der Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie zur Aufgabe gemacht, die Qualität der endoprothetischen Versorgung in Deutschland noch weiter anzuheben und auf hohem Niveau zu standardisieren. Dazu haben die beiden Institutionen das weltweit einzigartige Zertifizierungssystem EndoCert entwickelt und im Oktober 2012 bundesweit eingeführt. Als bislang einziges Krankenhaus in ganz Nordbayern hat sich das König-Ludwig-Haus erfolgreich dem aufwändigen, freiwilligen Qualitätscheck unterzogen: Seit Mitte Februar 2013 darf es sich offiziell „Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung“ nennen.
„Wir konnten nachweisen, dass wir nicht nur über die entsprechende fachliche Expertise verfügen, sondern auch hinsichtlich der Organisationsstruktur, der Prozessabläufe, der Dokumentation und der Forschungsleistung alle geforderten Kriterien sicher einhalten“, zeigt sich Prof. Rudert zufrieden. Besonders stolz ist der Klinikdirektor darauf, dass dies seinem Haus unter den „echten“ Zertifizierungsbedingungen gelungen ist. „23 der mittlerweile bundesweit 26 zertifizierten Endoprothetikzentren stammen aus einer Evaluationsphase vom Herbst letzten Jahres. Während in jener Pilotphase die Bedingungen zur Erlangung des Zertifikats noch wesentlich weicher waren, haben wir uns mit unserem realen Klinikalltag dem endgültigen, harten Prüfungskatalog gestellt“, erläutert Prof. Rudert.
Lösungen auch für schwierigste Fälle
Er und seine Mannschaft sind damit nachweislich in der Lage, endoprothetische Operationen jeden Schweregrades durchzuführen. Im Gegensatz zum Erstersatz von verschlissenen Hüft- und Kniegelenken, der in der Regel vergleichsweise einfach ist, kann der Austausch von durch langjährigen Gebrauch gelockerten Prothesen deutlich größere chirurgische Herausforderungen bergen. Das König-Ludwig-Haus führt jährlich über 300 dieser Wechseloperationen durch.
Hohe operative Kunstfertigkeit ist weiterhin bei Knochendeformationen, Knochentumoren oder bei durch Unfälle teilweise zerstörten Gelenkflächen gefragt. Um für jeden Fall die passende Behandlungsoption zu finden, hat das König-Ludwig-Haus eine ungewöhnlich hohe Zahl verschiedener Implantat-Typen im Portfolio.
Eine eher organisatorische Herausforderung ist die Behandlung von Menschen mit Blutgerinnungsstörungen, schweren Herzerkrankungen oder Dialysepflicht. „Beim Management dieser Patientinnen und Patienten hilft uns die enge Kooperation mit der Würzburger Uni und dem Universitätsklinikum“, berichtet Dr. Christian Kramer, Oberarzt am König-Ludwig-Haus. „Wir arbeiten dabei hauptsächlich mit den Kollegen aus der Anästhesiologie, der Intensivmedizin, der Pathologie sowie der Gefäßchirurgie zusammen.“
Der Qualitätscheck geht weit über die Operation selbst hinaus. Für eine Erhöhung der Patientensicherheit werden auch alle unterstützenden Prozesse überprüft – zum Beispiel die intensive Vorplanung, die personelle Logistik sowie die zuverlässige Versorgung mit allen benötigten Materialien. „Unseren Patienten gibt die Zertifizierung die Gewissheit, dass an ihrem OP-Tag alles optimal gerichtet ist“, fasst Dr. Kramer zusammen. Entsprechend seinem umfassenden Ansatz mussten laut dem Oberarzt Beschäftigte aus allen Tätigkeitsbereichen des König-Ludwig-Hauses am Zertifizierungsvorgang mitwirken.
In der Forschung hochaktiv
Der vom internationalen Zertifizierungsinstitut ClarCert durchführte EndoCert-Prozess prüft auch die wissenschaftliche Aktivität der Einrichtungen. „Das König-Ludwig-Haus ist der Lehrstuhl für Orthopädie der Uni Würzburg – da war es für uns ein Leichtes, die hier geforderten Kriterien zu erfüllen“, sagt Prof. Rudert und verweist beispielhaft auf neun, aktuell in der Endoprothetik laufende Studien. Weiterhin erforscht eine klinikeigene, osteologische Arbeitsgruppe die Erkrankungen des Knochenstoffwechsels. Und im Bereich der Materialforschung arbeitet das Krankenhaus gemeinsam mit dem Würzburger Universitätsklinikum unter anderem an neuen Metalloberflächen, die das Anwachsen des Knochenmaterials fördern und gleichzeitig Infektionen hemmen. „Unsere Patientinnen und Patienten können sicher sein, dass wir in allen Aspekten des Gelenkersatzes am Nabel der Entwicklung sind und sie stets nach den neuesten Erkenntnissen behandelt werden“, betont Prof. Rudert.
Die Nachfrage steigt
Der Ärztliche Direktor ist sich sicher, dass die Nachfrage nach exzellenten Lösungen in der Endoprothetik auch in Zukunft weiter wachsen wird – allein schon wegen der gestiegenen Mobilitätsansprüche der Menschen bis in hohe Alter. „Die mit der demographischen Entwicklung zahlenmäßig zunehmende ältere Generation will eben lieber ein schmerzfrei funktionierendes Kunstgelenk, statt sich mit einer Gehhilfe abzufinden“, bringt es Prof. Rudert auf den Punkt.
Das Zertifikat „Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung“ hat eine Gültigkeit von drei Jahren, bevor sich das König-Ludwig-Haus in einer Re-Zertifizierung erneut den Prüfern stellen wird.