Am 9. Februar 2013 wird die neustrukturierte Lions-Hornhautbank an der Augenklinik des Universitätsklinikums Würzburg offiziell eröffnet. Die topmoderne Einrichtung ermöglicht eine bessere Versorgung mit Hornhauttransplantaten, die bei vielen Krankheiten eine Erblindung verhindern können. Die Hornhautbank ist Teil des Gewebenetzwerks der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation und wurde großenteils vom Lions Club Würzburg-West finanziert.
„Mit deutschlandweit jährlich etwa 6 000 Operationen ist die Hornhauttransplantation die häufigste und erfolgreichste Transplantation in der Humanmedizin“, berichtet Prof. Franz Grehn, Direktor der Universitäts-Augenklinik Würzburg. Der auch Keratoplastik genannte Eingriff wird am Uniklinikum Würzburg (UKW) seit den 1960er Jahren durchgeführt. Parallel wurde hier im Jahr 1969 eine der ersten deutschen Hornhautbanken gegründet. Ihre Aufgabe ist das Einholen der Spenderhornhäute, deren Aufarbeitung und Kultivierung sowie das Bereitstellen von Hornhauttransplantaten. „Die Präparation der Spenderhornhäute stellt seit jeher hohe Ansprüche an die Qualität und die sachgerechte Durchführung aller Arbeitsschritte“, betont Prof. Grehn.
Seit 2007 unter Arzneimittelgesetz
Wie diese Herausforderungen zu erfüllen sind, war bis zum Jahr 2007 jeder der rund 20 Hornhautbanken in Deutschland selbst überlassen. Seit dem Inkrafttreten des Gewebegesetzes im August 2007 fällt die Augenhornhaut jedoch unter das Arzneimittelgesetz. Um weiterhin humane Spenderhornhäute in Verkehr bringen zu dürfen, sind seither alle deutschen Hornhautbanken verpflichtet, exakt definierte Standards in der personellen und technischen Ausstattung, in der Qualitätssicherung und der Dokumentation zu erbringen.
Herstellungserlaubnis in Speziallabor
„Anfang Dezember 2012 erhielten wir von der zuständigen Landesbehörde, der Zentralen Arzneimittelüberwachung Bayern, die Herstellungserlaubnis und sind nun auch von unseren Räumen her startklar“, freut sich Karsten Kasper, der Leiter der Lions-Hornhautbank am UKW.
Die Hornhautbank nimmt in der Universitäts-Augenklinik an der Josef-Schneider-Straße zwei benachbarte Räume ein. Neben einem Büro ist dies ein zugangsbeschränkter Reinraum mit einer sterilen Sicherheitswerkbank, Mikroskop und zwei Brutschränken zur Lagerung der Transplantate.
Lions-Club als finanzieller Förderer
Wie schon bei der „ersten Gründung“ der Hornhautbank im Jahr 1969 hat der Lions-Club die „Neugründung“ umfangreich gefördert. „Die Bekämpfung von Blindheit durch Lions hat eine lange Tradition – nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in Deutschland“, unterstreicht Joachim Horn vom Lions-Clubs Würzburg-West. „Deshalb wünschen wir dem wiederbelebten Projekt einen guten Start und viel Erfolg.“
Mit der DGFG gegen die Transplantatknappheit in Deutschland
Einen Erfolg, der laut Joachim Horn auch entscheidend davon abhängt, dass sich möglichst viele Menschen dazu bereitfinden, ihre Hornhaut nach dem Tod zu spenden. Deutschlandweit reicht das Angebot an gespendeten Hornhäuten nicht aus, um den Bedarf zu decken. Um möglichst vielen Kranken schnell helfen zu können, arbeitet die Würzburger Lions-Hornhautbank eng mit der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) zusammen. Die DGFG ist ein Netzwerk vieler deutscher Kliniken, Gewebebanken und transplantierender Einrichtungen. „Wir freuen uns, mit der Augenklinik einen sehr guten Kooperationspartner im Netzwerk zu begrüßen“, sagt DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel. Die unabhängige, gemeinnützige Organisation hat die Wiedereröffnung von Anfang an begleitet.
Erfolge bei der Reduzierung der Wartezeiten
Die Wartezeit auf ein Hornhauttransplantat ist in den vergangenen Jahren im Netzwerk der DGFG deutlich gesunken. „Wir können inzwischen die Hälfte der bei uns gelisteten Patienten innerhalb von drei Monaten versorgen“, sagt Börgel. Vorher mussten Patienten ein halbes Jahr und länger auf eine neue Hornhaut warten. Die DGFG koordiniert gemeinsam mit der Universitäts-Augenklinik die Gewebespende in Würzburg. Die Spendezahlen steigen seitdem kontinuierlich an. „Für unsere Patienten bringt diese Struktur aus klinikumseigener Hornhautbank, kombiniert mit den Kapazitäten des DGFG-Netzwerks eine schnellstmögliche Versorgung mit qualitätsgesicherten Transplantaten und eine Behandlung immer auf der Höhe der Zeit“, fasst Karsten Kasper zusammen und fährt fort: „Wir ermutigen jeden, seine Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende kundzutun, sei es durch einen Organ- und Gewebespenderausweis oder im Gespräch mit der Familie oder Freunden. Nur so kann der Transplantatknappheit entgegengewirkt werden.“
Hintergrund
Welche Krankheiten können eine Keratoplastik notwendig machen?
• Hornhautendothel-Erkrankungen: angeborene Erkrankungen der Augenhornhaut, bei denen es im Laufe des Lebens zu Trübungen der Hornhaut kommt,
• Keratokonus: die fortschreitende Ausdünnung und kegelförmige Verformung der Hornhaut des Auges,
• Infektionen, zum Beispiel bei Kontaktlinsenträgern,
• Hornhautnarben, beispielsweise nach Verätzung,
• durchgreifende offene Hornhautwunden, zum Beispiel. nach Verletzung,
• nicht heilende Hornhautgeschwüre.
Hintergrund
Hornhautspende und -transplantation
Hornhauttransplantate stammen von Verstorbenen, die zu Lebzeiten oder deren Angehörige in Sinne der Verstorbenen die Einwilligung zur Hornhautspende gegeben haben. Im Gegensatz zu Organen wie Herz, Niere und Leber, bei denen wesentlich größere Eile geboten ist, kann die Hornhaut bis zu 72 Stunden nach dem Tod entnommen werden. Im Gegensatz zu Organen werden Hornhäute nicht sofort transplantiert. Die qualitätskontrollierten Transplantate werden in einer speziellen Nährlösung in einem Brutschrank bei Körpertemperatur bis zu sechs Wochen konserviert.
Die gespendeten Hornhauttransplantate müssen verschiedene Qualitätskontrollen durchlaufen, bevor sie zur Transplantation freigegeben werden. Die Qualitätskriterien sind dabei so streng, dass nur etwa 70 Prozent aller gespendeten Hornhäute verpflanzt werden können. Die für eine Transplantation ungeeigneten Hornhäute können bei entsprechender vorheriger Zustimmung des Spenders oder seiner Angehörigen in der Forschung den Weg für neue Therapien bahnen.
Bei der Keratoplastik ersetzt der Operateur die erkrankte Hornhaut durch das Transplantat. Die Spenderhornhaut wird mit einem nur 0,02 mm dünnen Nylon-Faden eingenäht, der nach etwa einem Jahr wieder entfernt wird.
Die Experten der Würzburger Universitäts-Augenklinik führen jährlich bis zu 80 Hornhauttransplantationen durch.
Sehr geehrte Medienvertreter,
am Samstag, den 9. Februar 2013, wird die neustrukturierte Lions-Hornhautbank an der Augenklinik des Universitätsklinikums Würzburg offiziell eröffnet. Die topmoderne Einrichtung ermöglicht eine bessere Versorgung mit Hornhauttransplantaten, die bei vielen Krankheiten eine Erblindung verhindern können. Die Hornhautbank ist Teil des Gewebenetzwerks der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation und wurde großenteils vom Lions Club Würzburg-West finanziert.
Anbei finden Sie eine ausführliche Pressemitteilung sowie Bildmaterial.
Die Eröffnung wird begleitet von einem zweistündigen Symposium zu verschiedenen Aspekten der Hornhauttransplantation – von neuen Operationstechniken über aktuelle Ergebnisse aus der Grundlagenforschung bis hin zur wichtigen Frage der Transplantat-Allokation.
Das detaillierte Programm entnehmen Sie bitte dem beigefügten Veranstaltungsflyer.
Wir laden Sie herzlich ein, an diesem Symposium teilzunehmen und Ihr Bild über die die häufigste und erfolgreichste Transplantation in der Humanmedizin abzurunden!
Im Anschluss an das Symposium stehen Ihnen außerdem die Referenten und weitere Projektbeteiligte für Interviews, O-Töne und Hintergrundinfos zur Verfügung.
Termin: Samstag, 9. Februar 2013
Symposium: 10:30 bis 12:30 Uhr
Gelegenheit zu Interviews: ab 12:30 Uhr
Ort: Hörsaal der Universitätsaugenklinik, Josef-Schneider-Straße 11, Haus B2, 97080 Würzburg
Ob Sie an dem Symposium teilnehmen oder „nur“ zum anschließenden individuellen Hintergrundgespräch kommen – wichtig ist eine vorherige Anmeldung bei
Susanne Just
Stabsstelle Vorstandsangelegenheiten Marketing & PR, Universitätsklinikum Würzburg Tel. 09 31/201-5 94 47 oder E-Mail: Just_S@klinik.uni-wuerzburg.de
Wir freuen uns auf Ihr Kommen und Ihre Berichterstattung!