Für Prof. Matthias Goebeler ist die Berufung zum Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) eine Rückkehr zu einer langjährigen Ausbildungs- und Wirkungsstätte: Zwischen den Jahren 1993 und 1998 absolvierte er hier seine Facharztausbildung, an die sich bis zum Jahr 2004 eine Oberarztstelle anschloss. Seine „Lehrherrin“ und „Chefin“ war damals Prof. Eva-Bettina Bröcker, die er Anfang Oktober 2011 in der Leitung der Uni-Hautklinik ablöste.
Professuren in Mannheim und Gießen
Zwischen den beiden „Würzburger Phasen“ hatte Prof. Goebeler vier Jahre lang eine Professur für Klinische und Molekulare Dermatologie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg inne, die von weiteren zweieinhalb Jahren als Direktor der Hautklinik des Universitätsklinikums Gießen abgelöst wurde.
Die verschiedenen Arbeitsplätze geben dem gebürtigen Westfalen Vergleichsmöglichkeiten: „Die Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Würzburg gehören bundesweit zur Spitzengruppe, gerade auch bei schwierigen Krankheitsbildern. Ich freue mich, von Prof. Bröcker eine sehr gut strukturierte Klinik mit so hohem Qualitätsniveau übernehmen zu können.“
Operative Dermatologie stärken
Für den neuen Direktor geht es nun darum, erfolgreiche Entwicklungslinien fortzuführen und in Teilbereichen neue Akzente zu setzen. Dazu zählt, die Dermatochirurgie weiter zu stärken und auszubauen. „Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung mit immer älter werdenden Menschen und veränderten Lebensbedingungen ‑ wie zum Beispiel erhöhter UV-Belastung in der Freizeit ‑ ist eine Zunahme bösartiger Hauterkrankungen zu erwarten“, prognostiziert Prof. Goebeler. Demzufolge sei beispielsweise eine leistungsfähige Tumortherapie in Zukunft vermehrt gefragt.
Herausforderung Schuppenflechte
Auch manche dermatologischen Entzündungskrankheiten werden noch häufiger auftreten. Zu den persönlichen klinischen Schwerpunkten von Prof. Goebeler zählen dabei chronisch-entzündliche Hautkrankheiten, wie die Schuppenflechte (Psoriasis). „Man kann davon ausgehen, dass etwa zwei Prozent der deutschen Bevölkerung an Psoriasis leiden, das entspricht mehr als 1,5 Millionen Menschen“, umreißt der 48-jährige Mediziner die Größe der Behandlungsaufgabe.
Nickelallergien auf den Grund gegangen
Ein weiteres Spezialgebiet von Prof. Goebeler sind Kontaktallergien. Auf große Beachtung ‑ in der medizinischen Fachwelt genauso, wie in den Publikumsmedien ‑ stieß eine Entdeckung, er in diesem Zusammenhang vor rund drei Jahren machte: Gemeinsam mit Kollegen konnte er aufklären, dass Nickel eine Entzündung der Haut hervorrufen kann, in dem es intrazelluläre Signalübertragungswege in Gang setzt, die wiederum zur Bildung von entzündungsfördernden Botenstoffen führen. Prof: Goebeler: „Nickelallergien sind ein weit verbreitetes Problem: Allein in Europa reagieren 65 Millionen Menschen allergisch auf das Metall. Unsere Ergebnisse, die die Grundlage für neue Therapien sein können, unterstreichen die Bedeutung der molekularen Forschung.“
Neue Professuren für Molekulare Dermatologie und Dermato-Onkologie
Deshalb hat der neue Klinikdirektor mit der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg die Schaffung einer neuen Professur für Molekulare Dermatologie vereinbart. Die Grundlagenforschungsstelle soll Antworten finden auf die Fragen, wie Hautzellen Signale wahrnehmen und verarbeiten. „Die zu erwartenden Ergebnisse werden nicht nur für Entzündungsprozesse, sondern auch für die Hautkrebsforschung interessant sein“, ist sich Prof. Goebeler sicher.
Die Krebsforschung soll darüber hinaus noch durch eine weitere neue, dermato-onkologische Professur vorangetrieben werden. „Geplant ist, innerhalb der kommenden eineinhalb Jahre einen geeigneten Kandidaten zu finden und nach Würzburg zu berufen“, sagt der Hautklinikdirektor.
Zentrumsgedanken auch in Allergologie etablieren
Last but not least soll in Zukunft auch die Allergologie am UKW noch besser profiliert werden. Laut Prof. Goebeler ist hier die Schaffung einer Zentrumsstruktur im Gespräch.
„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es in der dermatologischen Forschung und Klinik eines Universitätsklinikums sehr wichtig ist, möglichst die gesamte Bandbreite des Faches abzudecken und sich nicht nur auf Teilgebiete zu konzentrieren“, resümiert der erfahrene Klinikleiter.
Grundlagen- und patientenorientierte Forschung und Lehre
Wie seine Vorgängerin will es Prof. Goebeler den Ärztinnen und Ärzten seiner Klinik ermöglichen, sich neben ihrer klinischen Tätigkeit auch in Ruhe ihren Forschungsarbeiten widmen zu können. „Ich sehe generell im deutschen Krankenhauswesen die Gefahr, dass die Mediziner durch die zunehmende Verdichtung ihrer Arbeitsleistung immer mehr zu reinen Krankenversorgern werden und die Hintergründe von Krankheiten immer weniger verstehen. Der Trend geht dahin, die Forschung mehr und mehr an Naturwissenschaftler abzugeben, denen die so wichtige Rückkopplung durch die klinische Arbeit fehlt. Diese Kluft gilt es zu schließen“, betont Prof. Goebeler.
Eine Grundidee, die sich auch in seinem Lehrangebot wiederfindet: „Ich versuche, in meinen Vorlesungen die Dermatologie nicht nur morphologisch zu betrachten, sondern auch Verständnis für die Entstehung der Erkrankungen zu erzeugen. Dabei kommt uns zu Hilfe, dass die Dermatologie ein sehr visuelles Fach ist.“