Zwei aktuelle, öffentliche Gastvorträge an der Universität und Universitätsklinikum Würzburg beleuchten den langen Weg von der Grundlagenforschung bis zum erfolgreichen und hochwirksamen Medikament am Beispiel von Hemmstoffen der Blutplättchen und Blutgerinnung.
In der ersten Novemberwoche werden am Institut für Klinische Biochemie und Pathobiochemie / Zentrallabor (Direktor Prof. Dr. U. Walter) des Universitätsklinikums Würzburg zwei hochrangige ausländische Wissenschaftler und Pharmakologen zu Gast sein.
Am 4. November 2008 (17 Uhr, Hörsaal der Rechtsmedizin) wird Prof. Dr. Gustav Born im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereiches 688 (Sprecher Prof. Dr. U. Walter) einen Vortrag zum Thema „A journey from ADP-induced platelet shape change to the multifacetted role of platelets in haemostasis and thrombosis“ halten.
Prof. Gustav Born wurde 1921 in Göttingen geboren und ist der Sohn von Max Born (Nobelpreisträger für Physik 1954, für seine Beiträge zur Quantenmechanik und Relativitätstheorie). Gustav Born studierte Medizin in Edinburgh und promovierte in Oxford. Im Laufe seiner langen und überaus erfolgreichen akademischen Karriere hatte Prof. Born Lehrstühle in Pharmakologie am Royal College of Surgeons, an der Universität Cambridge und am King's College in London inne. Bis jetzt ist er als Research Professor dem William Harvey Research Institute in London verbunden.
Born hat außerordentliche Beiträge zur Erforschung der Pathophysiologie des Blutkreislaufes, insbesondere der Blutgerinnung, Thrombose und Blutplättchenfunktion geleistet. Ein von ihm entwickeltes Verfahren zur Messung der Bluttpättchenfunktion (Born-Aggregometrie) trägt seinen Namen. Diese Forschungen haben u.a. auch zur Entwicklung von neuen Hemmstoffen von Blutplättchen und Blockbustermedikamenten, u.a. den ADP-Rezeptorhemmern wie Clopidogrel (Plavix, Iscover) beigetragen.
Hierüber wird dann am 5. November (13 Uhr, Hörsaal der Pharmakologie) im Rahmen der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft (gegründet am 2.12.1849, Würzburg; Vorsitzender 2008, Prof. Dr. U. Walter) Dr. Jean-Marc Herbert sprechen. Dr. Herbert ist Senior-Vice President der Forschungsabteilung von Sanofi-Aventis in Toulouse. Sein Vortrag mit Titel „The making of a blockbuster drug: luck or scientific plan“ wird sicherlich die großen Herausforderungen und Hürden der erfolgreichen Medikamentenentwicklung diskutieren, die nur in wenigen Fällen zu der Entwicklung von Blockbustermedikamenten führen. Der von Dr. Herbert geleiteten Forschungsabteilung von Sanofi-Aventis (Toulose, Frankfurt) ist das aber gelungen. Dr. Herbert kann, im Anschluss an das Studium (Ingenieursdiplom und Dissertation in Biochemie, Universität Clermont-Ferrand) sowie einer Postdoc-Zeit in London, bereits auf eine 26-jährige industrielle Erfahrung in der Entwicklung hochwirksamer Hemmstoffe der Thrombose und Bluttplättchen [u.a. Clopidogrel (Plavix, Iscover)] zurückschauen. Viele Menschen verdanken heute ihr Leben solchen Medikamenten, deren Weiterentwicklung und Verbesserung nach wie vor von größter Bedeutung sind.
Ähnliche Fragen und Probleme werden auch im Sonderforschungsbereich 688 „Mechanismen und Bildgebung von Zell-Zell-Wechselwirkungen im kardiovaskulären System“ (Sprecher Prof. Dr. med. Ulrich Walter) sowie anderen Einrichtungen des Universitätsklinikum und Universität Würzburg, z.B. auch am Rudolf-Virchow-Zentrum, verfolgt und bearbeitet.