Ein im Sommer dieses Jahres erschienenes Buch des Wissenschaftsjournalisten Bernhard Albrecht bündelt neun Reportagen über Medizinerinnen und Mediziner, die mit hohem persönlichen Engagement und großem Mut neue Behandlungswege gegangen sind, um in scheinbar aussichtslosen Fällen das Leben und die Lebensqualität ihrer Patienten zu retten. Die Protagonisten einer dieser Geschichten sind Prof. Thorsten Walles, der Leiter der Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Würzburg, und seine Ehefrau Prof. Heike Walles, die den Lehrstuhl für Tissue Engineering und Regenerative Medizin der Uni Würzburg leitet. Am Donnerstag, den 14. November 2013, kommt der Buchautor zu einer Lesung nach Würzburg.
Der Autor des Buchs „Patient meine Lebens“, Bernhard Albrecht, war zunächst selbst als Arzt tätig, bevor er sich ganz dem Journalismus widmete. Er ist unter anderem Träger des Adolf-Grimme-Preises, eines der renommiertesten deutschen Fernsehpreise. Aktuell arbeitet er als Redakteur für das Wochenmagazin Stern. Anfang August dieses Jahres erschien sein 272-seitiges Buch „Patient meines Lebens“. Darin schildert er neun außergewöhnliche medizinische Fallgeschichten. Den beschriebenen Ärztinnen und Ärzten ist eines gemeinsam: Statt einen aussichtslosen Patienten aufzugeben, haben sie engagiert therapeutisches Neuland betreten und mit ungewöhnlichen Methoden um dessen Gesundheit weitergekämpft.
Loch in die Luftröhre geätzt
Die ärztlichen Hauptfiguren der ersten Reportage des Buches sind Heike und Thorsten Walles. Prof. Heike Walles leitet seit Mitte 2009 den damals an der Uni Würzburg neu eingerichteten Lehrstuhl für Tissue Engineering und Regenerative Medizin. Ihr Ehemann, Prof. Thorsten Walles, ist seit Januar 2012 der Bereichsleiter Thoraxchirurgie am Würzburger Uniklinikum Würzburg. Der „Patient ihres Lebens“ hatte sich bei einem Selbstmordversuch Ende des Jahres 2008 starke Verätzungen der Speise- und Luftröhre zugezogen. Um auf Dauer ein Überleben zu sichern, musste ein Weg gefunden werden, die geschädigte Luftröhre zu ersetzen.
Ersatzorgan aus eigenen Zellen gezüchtet
Eine extrem schwierige Aufgabe: Aufgrund verschiedener physiologischer Gegebenheiten kann die menschliche Luftröhre nicht im Rahmen einer Organspende gegen körperfremdes Material ausgetauscht werden. Außerdem ist der Anschluss der Luftröhre an den Blutkreislauf äußerst filigran und komplex. Die einzige Chance für den damals 21-Jährigen Patienten war das Züchten einer Ersatzluftröhre aus körpereigenen Zellen. Das Know-how hierfür brachte Heike Walles durch ihre Forschungstätigkeit am Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik mit. Das Verfahren war von ihr und ihrem Mann über acht Jahre hinweg entwickelt worden, aber bis zu jenem Zeitpunkt nur in Großtierversuchen erfolgreich erprobt worden. Es gelang ihnen, innerhalb eines Monats in einem speziellen Bioreaktor ein acht Zentimeter langes, künstliches Organ inklusive Blutadern wachsen zu lassen. Basis war eine aus Schweinedarm gewonnene Bindegewebsröhre, die von Körperzellen des Patienten besiedelt wurden.
Die erfolgreiche Transplantation der Ersatzluftröhre führten Thorsten Walles und seine Kollegen im April 2009 an der Lungenfachklinik Schillerhöhe in Gerlingen bei Stuttgart durch. Das künstliche Organ wurde vom Körper ohne Abstoßungsreaktion akzeptiert und ausreichend mit Blut versorgt.
Leider ist nach dieser ermutigenden Weltpremiere die Weiterentwicklung und Verbreitung des Verfahrens aufgrund europaweiter Änderungen im Arzneimittelgesetz ins Stocken geraten.
Populärwissenschaftliches Werk
Das Buch ist allgemeinverständlich geschrieben. Es schildert die grundsätzlichen Sachverhalte richtig und nachvollziehbar ohne sich in medizinischen Details zu verlieren. Wichtiger ist dem Autor der Blick auf die Persönlichkeiten von Kranken und Medizinern, ihre (Lebens-)Geschichte sowie die Darstellung des Arzt-Patienten-Verhältnisses.
Lesung in der Universitäts-Zahnklinik
Am Donnerstag, den 14. November 2013, wird Bernhard Albrecht ausgewählte Passagen aus „Patient meines Lebens“ im Großen Hörsaal der Universitäts-Zahnklinik am Pleicherwall 2 in Würzburg vorlesen. Beginn ist um 19:00 Uhr, der Eintritt ist frei.
Bernhard Albrecht: Patient meines Lebens. Von Ärzten, die alles wagen. Droemer Verlag, 2013, 272 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-426-27594-8