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Wie Vitamin B2 den Weg zu neuen Krebstherapien eröffnen könnte

Ein Mangel an Vitamin B2 macht Tumorzellen anfälliger für eine spezielle Form des Zelltods. Das haben Forschende des Rudolf-Virchow-Zentrums der Uni Würzburg herausgefunden.

Vera Skafar und José Pedro Friedmann Angeli haben die Studie am Rudolf-Virchow-Zentrum durchgeführt.
Vera Skafar und José Pedro Friedmann Angeli haben die Studie am Rudolf-Virchow-Zentrum durchgeführt. (Bild: Natalie Fahmer / Universität Würzburg)

Der menschliche Körper kann Vitamin B2 (Riboflavin) nicht selbst herstellen, er muss den wichtigen Stoff über die Nahrung aufnehmen. Zu finden ist das Vitamin in Milchprodukten, Eiern, Fleisch und grünem Gemüse. Der Stoffwechsel wandelt es in Moleküle um, die unter anderem für den Schutz der Zelle vor oxidativen Schäden zuständig sind.

Forschende des Rudolf-Virchow-Zentrums (RVZ) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) haben herausgefunden, dass diese Funktion des Vitamins auch eine Kehrseite hat: Sie schützt auch Krebszellen.

„Vitamin B2 spielt eine entscheidende Rolle dabei, Krebszellen vor der Ferroptose zu schützen, einer speziellen Form des programmierten Zelltods“, so die Doktorandin Vera Skafar. Sie forscht in der Arbeitsgruppe von José Pedro Friedmann Angeli, Professor für Translationale Zellbiologie. Die Ergebnisse sind im renommierten Fachmagazin Nature Cell Biology erschienen.

Wie Vitamin B2 und die Ferroptose zusammenhängen

Der Körper des Menschen nutzt den Mechanismus des programmierten Zelltods, um beschädigte oder gefährliche Zellen kontrolliert “sterben” zu lassen, ohne dass es dabei im umliegenden Gewebe zu Entzündungen kommt. Die Spezialform der Ferroptose wird mit vielen krankhaften Zuständen in Verbindung gebracht, darunter Krebs und Neurodegeneration.

Im Gegensatz zu anderen Wegen des Zelltods wird die Ferroptose ausgelöst, wenn die durch Eisen verursachte Lipid-Peroxidation den anti-oxidativen Schutz einer Zelle überfordert. Krebszellen umgehen die Ferroptose häufig, indem sie ihre Redox-Abwehrsysteme verstärken. Die Studie hebt den Vitamin-B2-Stoffwechsel als wichtigen Faktor für diese Abwehrmechanismen hervor und legt nahe, dass die gezielte Bekämpfung von Vitamin-B2-abgeleiteten Kofaktoren die Ferroptose-Resistenz schwächen und Tumore anfälliger machen könnte.

Ein potenzieller Hemmstoff

Um gesunde Zellen vor dem Tod zu schützen, kümmert sich unter anderem das Protein FSP1, das ein Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe ist. Vitamin B2 unterstützt das Protein bei der Aufgabe. Per Genom-Editierung und mit Krebszell-Modellen beobachteten die Forschenden, dass ein Mangel des Vitamins Krebszellen anfälliger für die Ferroptose machte.

Das müsste sich im Idealfall therapeutisch nutzen lassen: Den Stoffwechsel-Weg von Vitamin B2 ausschalten und damit gezielt den Tod der Krebszellen auslösen. „Es fehlt aber bisher ein Hemmstoff, der das kann“, sagt Skafar. Die Gruppe umging diese Einschränkung, indem sie Roseoflavin einsetzten, eine natürliche Verbindung mit einer ähnlichen Struktur wie Vitamin B2. Roseoflavin wird von Bakterien produziert.

Auf dem Weg zu gezielten Krebstherapien durch Ferroptose

Im Labor testete die Arbeitsgruppe von Professor Friedmann Angeli den Wirkstoff in Krebszell-Modellen: „Es zeigte sich, dass Roseoflavin in niedriger Konzentration eine Ferroptose anstößt“, so der Gruppenleiter, „unsere Experimente zeigen die Machbarkeit dieses Konzepts.“ Die Studie eröffne damit den Weg, gezielte Krebstherapien auf Ferroptose-Grundlage zu entwickeln.
Im nächsten Schritt will die RVZ-Arbeitsgruppe Inhibitoren des Vitamin-B2-Stoffwechsels entwickeln, um deren Einsatz in präklinischen Krebsmodellen zu testen.

Friedmann Angeli fügt hinzu: „Ferroptose ist nicht nur für Krebs relevant. Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass sie auch zu pathologischen Prozessen bei neurodegenerativen Erkrankungen und bei Gewebeschäden nach Organtransplantationen oder Ischämie-Reperfusionsschäden beiträgt.“ Zu verstehen, wie der Vitamin-B2-Stoffwechsel die Ferroptose beeinflusst, könnte weitreichende Auswirkungen auf Erkrankungen haben, bei denen eine übermäßige oder unzureichende Ferroptose eine Rolle spielt.

Förderung

Die Studie erhielt Förderung aus dem Schwerpunktprogramm „Ferroptose: von den molekularen Grundlagen bis zur klinischen Anwendung“ (SPP2306) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Zudem lief sie unter dem Projekt DeciFerr (Deciphering and exploiting ferroptosis regulatory mechanism in cancer) von Professor Friedmann Angeli. Dieses wird vom Europäischen Forschungsrat (ERC) seit Mai 2024 mit einem ERC Consolidator Grant und knapp zwei Millionen Euro gefördert.

Mehr zum DFG-Schwerpunktprogramm 
Link: https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/info-wissenschaft/2023/priority-programme-ferroptosis-from-molecular-basics-to-clinical-applications-spp-2306- 

Informationen zum ERC Consolidator Grant 
Link: https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/einblick/single/news/ercgrant-friedmannangeli/ 

Originalpublikation

Riboflavin metabolism shapes FSP1-driven ferroptosis resistance. Vera Skafar Amen, Izadora de Souza, Biplab Ghosh, Ancely Ferreira dos Santos, Florencio Porto Freitas, Zhiyi Chen, Shibo Sun, Merce Donate, Palina Nepachalovich, Lars Seufert, Sebastian Bothe, Juliane Tschuck, Apoorva Mathur, Ariane Nunes-Alves, Jannik Buhr, Camilo Aponte-Santamaría, Werner Schmitz, Matthias Mack, Martin Eilers, Ralf Bargou, Milena Chaufan, Mayher Kaur, Mario Palma, Jessalyn M. Ubellacker, Ulrich Elling, Hellmut G. Augustin, Kamyar Hadian, Svenja Meierjohann, Bettina Proneth, Marcus Conrad, Maria Fedorova, Hamed Alborzinia, José Pedro Friedmann Angeli. Nature Cell Biology, 13. März 2026, https://doi.org/10.1038/s41556-025-01856-x 

Kontakt

Prof. Dr. José Pedro Friedmann Angeli, Rudolf-Virchow-Zentrum – Centre for Integrative and Translational Bioimaging, Universität Würzburg, pedro.angeli@ virchow.uni-wuerzburg.de 

Vera Skafar, Rudolf-Virchow-Zentrum – Centre for Integrative and Translational Bioimaging, Universität Würzburg, vera.skafar-amen@ uni-wuerzburg.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 13. März 2026
 

Vera Skafar und José Pedro Friedmann Angeli haben die Studie am Rudolf-Virchow-Zentrum durchgeführt.
Vera Skafar und José Pedro Friedmann Angeli haben die Studie am Rudolf-Virchow-Zentrum durchgeführt. (Bild: Natalie Fahmer / Universität Würzburg)

Zwischen Impuls und Vernunft: Wie unser Gehirn Entscheidungen trifft

Alexander Soutschek erhält am UKW Heisenberg-Professur für Neurowissenschaften der Entscheidungsfindung

Alexander Soutschek steht im Garten des Zentrums für Psychische Gesundheit
Der Psychologe und Philosoph Prof. Dr. Alexander Soutschek verstärkt seit März 2026 mit einer Heisenberg-Professur für Neurowissenschaften der Entscheidungsfindung die Forschung am Würzburger Zentrum für Psychische Gesundheit. © Daniel Peter / UKW
Alexander Soutschek steht im Labor und setzt einer Probandin eine Spule auf den Schädel.
Die transkranielle Hirnstimulation (TMS) ist ein zentraler Forschungsschwerpunkt des UKW. Prof. Dr. Alexander Soutschek untersucht, wie sich durch magnetische Impulse von außen bestimmte Hirnregionen stimulieren lassen, um Entscheidungsprozesse zu beeinflussen. © Daniel Peter / UKW

Seit März 2026 verstärkt Prof. Dr. Alexander Soutschek mit einer Heisenberg-Professur für Neurowissenschaften der Entscheidungsfindung die Forschung am Würzburger Zentrum für Psychische Gesundheit. Der studierte Psychologe und Philosoph erforscht, wie Gehirnnetzwerke Entscheidungen, Impulskontrolle und Motivation steuern und warum sie bei psychischen Erkrankungen aus dem Gleichgewicht geraten. Wie trifft unser Gehirn Entscheidungen, besonders dann, wenn wir zwischen verschiedenen Möglichkeiten abwägen müssen, zum Beispiel zwischen „Das will ich jetzt sofort“ und „Das ist langfristig besser für mich“? Und kann eine sanfte Hirnstimulation die Dysbalance korrigieren? 

Würzburg. Ob Schokolade zum Frustabbau, Wein nach einem stressigen Arbeitstag, das Scrollen auf dem Smartphone gegen Langeweile oder das Erreichen des nächsten Levels beim Computerspiel – all das sind Auslöser, die unser Belohnungssystem aktivieren und die Kontrollinstanz schwächen. Warum wir uns für Substanzen oder Handlungen entscheiden, obwohl wir wissen, dass sie uns langfristig nicht guttun oder sogar schon eine Sucht sind, ist eine der vielen Fragen, mit denen sich Prof. Dr. Alexander Soutschek beschäftigt. Der 42-jährige Psychologe hat seit März 2026 eine W2-Heisenberg-Professur für „Neurowissenschaften der Entscheidungsfindung“. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Professur ist an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (PPP) des Uniklinikums Würzburg (UKW) angesiedelt – Soutscheks Wunschort. 

Denn die gebündelte neurowissenschaftliche Expertise am Würzburger Zentrum für Psychische Gesundheit (ZEP) bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für seine Forschung. Prof. Dr. Grit Hein, die Leiterin der Translationalen Neurowissenschaften, untersucht beispielsweise, wie sich die soziale Modulation von Lern- und Entscheidungsprozessen auf die Gesundheit auswirkt. Prof. Dr. Lorenz Deserno leitet die Arbeitsgruppe „Kognitive Neurowissenschaften in der Entwicklungspsychiatrie“ und erforscht unter anderem Entscheidungsprozesse bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS.

„Entscheidungsprozesse sind bei nahezu allen psychischen Erkrankungen empfindlich gestört, ganz besonders bei Abhängigkeitserkrankungen und Psychosen. Daher wird Prof. Soutschek mit seiner Forschung das Profil der Neurowissenschaften in unserer Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie entscheidend verstärken. Wir freuen uns außerordentlich, dass wir ihn für Würzburg gewinnen konnten“, kommentiert der Klinikdirektor Prof. Dr. Sebastian Walther. 

Impulskontrolle, Metakognition und mentale Anstrengung 

Soutscheks Spezialgebiet sind impulsive Entscheidungen. Wie können wir unsere Impulse kontrollieren? Vor allem, wenn wir zwischen verschiedenen Möglichkeiten abwägen müssen, wie „Das will ich jetzt sofort“ und „Das ist langfristig besser für mich“. Neben der Impulskontrolle, die beim Suchtverhalten entscheidend ist, interessiert sich Soutschek für die Metakognition – also die Fähigkeit, die eigenen Gedanken und Leistungen einzuschätzen – und das Phänomen der mentalen Anstrengung, die zum Beispiel bei ADHS eine Rolle spielt. Wie steuert unser Gehirn die Motivation? Warum fällt es uns manchmal schwer, uns zu konzentrieren oder anzustrengen? „Auch das ist ein Entscheidungsprozess“, sagt Alexander Soutschek. „Personen mit ADHS entscheiden sich zum Beispiel seltener dafür, sich geistig anzustrengen, um ein Ziel zu erreichen. Denn es ermüdet sie schneller, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten.“

Mit sanften Verfahren bestimmte Hirnareale stimulieren und Entscheidungen lenken  

Um die Entscheidungsprozesse im Gehirn zu verstehen und zu beeinflussen, nutzt er verschiedene neurowissenschaftliche Methoden wie Neuroimaging, computergestützte Modellierung menschlichen Verhaltens, Psychopharmakologie und Hirnstimulation, also sanfte Verfahren zur gezielten Beeinflussung bestimmter Hirnareale. Der Einsatz der transkraniellen Hirnstimulation (TMS) ist einer der zentralen Forschungsschwerpunkte des ZEP. Prof. Dr. Martin Herrmann, Leiter der Arbeitsgruppe „Funktionelle Bildgebung und nicht-invasive Hirnstimulation“, untersucht beispielsweise, wie sich die Angst vor Spinnen mit TMS aus dem Gehirn löschen lässt. Sebastian Walther erforscht TMS als neuen Therapieansatz für motorische Störungen und Kommunikationsprobleme bei psychischen Erkrankungen. Die Klinik beteiligte sich an multizentrischen Studien zur TMS bei Depressionen oder Halluzinationen.

„Wenn wir sehen, dass die Stimulation einer bestimmten Hirnregion unseren Patientengruppen helfen kann, dann wollen wir den Erfolg natürlich in einer klinischen Studie belegen und die Intervention mit anderen Behandlungen vergleichen“, sagt Alexander Soutschek. Er testet jede Hirnstimulation vorher an sich selbst, damit er weiß, was er anderen zumuten kann. In der Regel spüre man die Stimulation nicht, aber an manchen Stellen könne es unangenehm sein.

Welche Hirnregion ist denn für Entscheidungen zuständig? „Da es verschiedene Arten von Entscheidungen gibt, spielen auch verschiedene Gehirnmechanismen eine Rolle“, erklärt Alexander Soutschek. Es gibt also kein Entscheidungszentrum, sondern ein Netzwerk aus mehreren Arealen. Der präfrontale Cortex im vorderen Teil des Gehirns sammelt beispielsweise Informationen, analysiert Optionen und Ziele. Das Striatum wiederum ist der Haupteingang der tiefer liegenden Basalganglien und integriert Motivation und Belohnung. Nach einer Rückkopplung zum Cortex wird die Entscheidung umgesetzt oder angepasst. Emotionale Informationen aus dem limbischen System modulieren diesen Prozess. 

Bei Sucht „zieht“ das Belohnungssystem zu stark, bei ADHS „bremst“ die Kontrollinstanz zu schwach

Bei der eingangs erwähnten Sucht ist das limbisch-striatale Belohnungssystem beispielsweise übermäßig aktiv für Handlungsoptionen, die mit der Sucht in Verbindung stehen. Gleichzeitig ist der Bereich im Stirnhirn, der für die Selbstkontrolle und das langfristige Denken zuständig ist, geschwächt. Durch diese Dysbalance werden kurzfristige Belohnungen überbewertet, während negative Folgen ausgeblendet werden. Entscheidungen sind dann stärker impulsiv und reizgesteuert.

Bei ADHS ist die Steuerungs- und Kontrollfunktion im Stirnhirn weniger effizient. Das macht es schwer, Impulse zu bremsen, abzuwarten oder langfristige Ziele im Blick zu behalten. Auch hier besteht eine Vorliebe für sofortige Belohnungen, allerdings weniger aufgrund einer Übererregung, wie sie bei Sucht auftritt, sondern eher aufgrund einer instabilen Regulierung von Aufmerksamkeit und Motivation.

Alexander Soutschek – Philosoph und Psychologe aus München
Alexander Soutschek wurde 1983 in München geboren. Er studierte Philosophie und Psychologie und promovierte in beiden Fächern. In der Psychologie erforschte er das Zusammenspiel von kognitiver Kontrolle und motivationalen Bewertungsprozessen, die gemeinsam entscheiden, ob und wie Aufmerksamkeit und Handlungen auf ein Ziel ausgerichtet werden. In der Philosophie untersuchte er, ob die klassische philosophische Erkenntnistheorie Descartes’ durch empirische Wissenschaften wie die Psychologie ersetzt werden kann. Sein Fazit: „Die Psychologie kann gut erklären, wie Menschen tatsächlich Wissen erwerben und welche kognitiven Prozesse dabei ablaufen. Sie kann aber nicht beantworten, was Wissen eigentlich ist oder wann es gerechtfertigt ist. Und sie kann auch nicht alle Fragen des philosophischen Skeptikers lösen. Die naturalistische Erkenntnistheorie ergänzt die Philosophie also sinnvoll, ersetzt sie aber nicht.“ 
Nach seinen Promotionen arbeitete Alexander Soutschek zunächst eineinhalb Jahre als Postdoc am Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin und anschließend knapp fünf Jahre an der Universität Zürich (UZH). Im Jahr 2019 erhielt er an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) eine von der DFG geförderte Emmy Noether-Gruppe für neurokognitive Psychologie. Jetzt warb er erfolgreich eine Heisenberg-Professur bei der DFG ein, die er in Würzburg ansiedeln konnte. Alexander Soutschek ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. 

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation

Alexander Soutschek steht im Garten des Zentrums für Psychische Gesundheit
Der Psychologe und Philosoph Prof. Dr. Alexander Soutschek verstärkt seit März 2026 mit einer Heisenberg-Professur für Neurowissenschaften der Entscheidungsfindung die Forschung am Würzburger Zentrum für Psychische Gesundheit. © Daniel Peter / UKW
Alexander Soutschek steht im Labor und setzt einer Probandin eine Spule auf den Schädel.
Die transkranielle Hirnstimulation (TMS) ist ein zentraler Forschungsschwerpunkt des UKW. Prof. Dr. Alexander Soutschek untersucht, wie sich durch magnetische Impulse von außen bestimmte Hirnregionen stimulieren lassen, um Entscheidungsprozesse zu beeinflussen. © Daniel Peter / UKW

Neue Magnetpartikelbildgebung erstmals am Menschen in Würzburg eingesetzt

Magnetpartikelbildgebung (MPI) zeigt Gefäßstrukturen und Blutfluss in Echtzeit ohne Strahlenbelastung

Szene der ersten MPI-Untersuchung am Menschen
Erste MPI-Untersuchung am Menschen im Würzburger Angiographielabor: Dr. Patrick Vogel (Mitte) hält seinen Arm in den MPI-Scanner (iMPI), darüber ist der C-förmige Arm des DSA-Systems zu sehen. Der Proband sowie Dr. Viktor Hartung als Interventionalist (links) und Dr. Philipp Gruschwitz als Sicherheitsbeauftragter verfolgen gebannt das Live-Monitoring. Quelle: Patrick Vogel (JMU) / Viktor Hartung (UKW)
Links ist ein Arm mit Gefäßstrukturen skizziert, Mitte eine DSA-Aufnahme eines bestimmten Bereiches des Arms und rechts eine MPI-Aufnahme.
Vergleich von MPI-Angiographie (MPA) und Digitaler Subtraktionsangiographie (DSA). Die aus der jeweiligen Echtzeitserie ausgewählten Bilder zeigen die maximal kontrastmittelgefüllten Venen im Arm des Probanden. Quelle: Philipp Gruschwitz (UKW), Patrick Vogel (JMU), Viktor Hartung (UKW)
Das Team freut sich über die gelungene erste MPI-Bildgebung am Menschen und steht glücklich hinter dem Scanner.
Das Team der ersten MPI-Untersuchung am Menschen v.l.n.r.: Proband Patrick Vogel, Thomas Kampf, Interventionalist Viktor Hartung, Sicherheitsbeauftragter Philipp Gruschwitz, Teresa Reichl und Johanna Günther. Quelle: Julia Serfling UKW.
MPI-Scanner im Angiographielabor
Der MPI-Scanner ermöglicht eine strahlungsfreie Darstellung von Blutgefäßen in Echtzeit. Quelle: Julia Serfling / UKW.

Forschenden der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) ist ein wichtiger Schritt für die medizinische Bildgebung gelungen. Sie setzten die Magnetpartikelbildgebung (Magnetic Particle Imaging, MPI) erstmals in vivo am Menschen ein. Das Verfahren ermöglicht eine strahlungsfreie Darstellung von Blutgefäßen in Echtzeit. In der Machbarkeitsdemonstration führten die Forschenden eine Gefäßdarstellung am Arm eines gesunden Probanden durch.

Würzburg. Vor 131 Jahren entdeckte der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen in Würzburg die nach ihm benannten Strahlen und ermöglichte damit völlig neue Verfahren zur Darstellung des menschlichen Körpers. Nun hat in Würzburg ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Physik und Radiologie einen weiteren wichtigen Meilenstein in der medizinischen Bildgebung erreicht. Die Forschenden demonstrierten erstmals am Menschen eine neuartige Technologie: die Magnetpartikelbildgebung (MPI, englisch: Magnetic Particle Imaging). 

Während Röntgen im Dezember 1895 die Hand seiner Frau Bertha ablichtete, hielt der Physiker Dr. Patrick Vogel, der am Lehrstuhl für Experimentelle Physik 5 der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) tätig ist, seinen Arm als gesunder Proband in den MPI-Scanner. Vogel war maßgeblich an der Entwicklung dieser Technologie beteiligt und führte das Experiment gemeinsam mit Dr. Viktor Hartung vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Uniklinikums Würzburg (UKW) durch. 

„Wenn man eine neue Bildgebung erstmals am Menschen erprobt, möchte man natürlich selbst erfahren, wie sich das anfühlt. Für mich war es daher selbstverständlich, auch als erster Proband zur Verfügung zu stehen“, berichtet Patrick Vogel. 

MPI: Bildgebung mit magnetischen Nanopartikeln

MPI gehört zu einer neuen Generation bildgebender Verfahren. Anstelle von Röntgenstrahlung oder radioaktiven Tracern nutzt MPI winzige magnetische Eisenoxid-Nanopartikel als Kontrastmittel. Diese werden in die Blutbahn injiziert und anschließend mit speziellen Magnetfeldern detektiert.

Das Besondere daran ist: MPI detektiert ausschließlich die Nanopartikeln selbst, das umliegende Gewebe erzeugt kein Hintergrundsignal. Dadurch entstehen besonders kontrastreiche Bilder mit hoher zeitlicher Auflösung. Gleichzeitig kommt das Verfahren vollständig ohne ionisierende Strahlung aus. 

Meilenstein nach fast 20 Jahren Entwicklung - Übergang von der präklinischen Forschung zur klinischen Machbarkeitsstudie

Mit der ersten Anwendung von MPI am Menschen erreicht die Technologie einen wichtigen Meilenstein in ihrer Entwicklungsgeschichte. Seit rund 20 Jahren arbeiten die Teams in Würzburg an der Entwicklung der Magnetpartikelbildgebung – von den ersten physikalischen Konzepten über den Bau experimenteller Scanner bis hin zur Integration der Technologie in ein klinisches Umfeld. 

„Dass wir diese Technologie nun erstmals am Menschen demonstrieren konnten, ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur klinischen Anwendung der Magnetpartikelbildgebung“, kommentiert Patrick Vogel den Beginn der translationalen Entwicklungsphase. „Damit zeigen wir, dass MPI nicht nur im Labor funktioniert, sondern auch unter realen klinischen Bedingungen eingesetzt werden kann.“

Erste MPI-Angiographie beim Menschen zur Gefäßdarstellung am Arm

Im Rahmen der Studie führten die Forschenden eine Gefäßdarstellung am Arm durch. Dazu injizierten sie klinisch zugelassene Eisenoxid-Nanopartikel und nahmen deren Verteilung mit einem speziell entwickelten MPI-Scanner auf. 

Zum direkten Vergleich führten sie zusätzlich eine digitale Subtraktionsangiographie (DSA) durch, die derzeitige Standardmethode zur Darstellung von Blutgefäßen mittels Röntgenstrahlung.

Die Ergebnisse zeigen: Mit MPI konnten die wichtigsten oberflächlichen und tiefen Venen des Arms einschließlich ihrer Verzweigungen sichtbar gemacht werden. Die Bildrate lag bei zwei Bildern pro Sekunde und damit im Bereich klinischer Angiographieverfahren. 

Neue Möglichkeiten für interventionelle Eingriffe – ohne Strahlenbelastung

„Die Bilder zeigen, dass wir die relevanten Gefäßstrukturen und den Blutfluss in Echtzeit darstellen können“, erklärt der Radiologe Viktor Hartung. „Das eröffnet perspektivisch neue Möglichkeiten für interventionelle Eingriffe – ohne Strahlenbelastung.“ Um die Sicherheit, Wirksamkeit und den klinischen Nutzen jedoch systematisch zu untersuchen, sind weitere präklinische und klinische Studien erforderlich.

Aus klinischer Sicht hat die Magnetpartikelbildgebung laut Prof. Thorsten Bley großes Potenzial. Der Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am UKW betont: „Wenn es gelingt, Gefäße in Echtzeit ohne ionisierende Strahlung darzustellen, könnte das langfristig neue Möglichkeiten für interventionelle Verfahren eröffnen.“

Enge Zusammenarbeit zwischen Physik und klinischer Medizin

Aufgrund der engen Zusammenarbeit zwischen Physik und Medizin war es möglich diese Studie durchzuführen. Während die physikalischen Grundlagen und Scannertechnologien in der Experimentellen Physik entwickelt werden, bringt die Radiologie ihre Erfahrung in der klinischen Bildgebung und interventionellen Verfahren ein.

„Solche Entwicklungen entstehen nur im engen Austausch zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung“, meint Prof. Volker Behr, Leiter der MPI-Arbeitsgruppe am Lehrstuhl für Experimentelle Physik 5 (Biophysik) an der JMU. „Unser Ziel ist es, neue physikalische Konzepte so weiterzuentwickeln, dass sie langfristig einen echten Mehrwert für die medizinische Diagnostik und Therapie bieten.“

Süddeutsches Zentrum für Magnetic Particle Imaging (SMPI)

Die Anwendung am Menschen ist Teil einer größeren Forschungsstrategie der JMU. Erst kürzlich wurde der Aufbau eines Süddeutschen Zentrums für Magnetic Particle Imaging (SMPI) an der JMU bewilligt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Das Zentrum unter der Leitung von Volker Behr soll eine Infrastruktur schaffen, um MPI von der Grundlagenforschung bis hin zu medizinischen Anwendungen weiterzuentwickeln (siehe Meldung vom 20.01.206)

Preprint:
Ein Preprint der zugehörigen wissenschaftlichen Veröffentlichung ist unter folgender URL abrufbar: https://doi.org/10.48550/arXiv.2603.12010
Der Artikel befindet sich derzeit noch im wissenschaftlichen Peer-Review-Prozess.

Hinweis für Patienten und Interessierte

Die hier gezeigten Ergebnisse basieren auf einer frühen Machbarkeitsdemonstration am Menschen. Die Technologie tritt gerade erst in die translationale Entwicklungsphase ein und ist derzeit weder für die klinische Routineanwendung noch für Patientenbehandlung oder für therapeutische Entscheidungen vorgesehen. Weitere präklinische und klinische Studien sind erforderlich, um Sicherheit, Wirksamkeit und klinischen Nutzen systematisch zu untersuchen.

Szene der ersten MPI-Untersuchung am Menschen
Erste MPI-Untersuchung am Menschen im Würzburger Angiographielabor: Dr. Patrick Vogel (Mitte) hält seinen Arm in den MPI-Scanner (iMPI), darüber ist der C-förmige Arm des DSA-Systems zu sehen. Der Proband sowie Dr. Viktor Hartung als Interventionalist (links) und Dr. Philipp Gruschwitz als Sicherheitsbeauftragter verfolgen gebannt das Live-Monitoring. Quelle: Patrick Vogel (JMU) / Viktor Hartung (UKW)
Links ist ein Arm mit Gefäßstrukturen skizziert, Mitte eine DSA-Aufnahme eines bestimmten Bereiches des Arms und rechts eine MPI-Aufnahme.
Vergleich von MPI-Angiographie (MPA) und Digitaler Subtraktionsangiographie (DSA). Die aus der jeweiligen Echtzeitserie ausgewählten Bilder zeigen die maximal kontrastmittelgefüllten Venen im Arm des Probanden. Quelle: Philipp Gruschwitz (UKW), Patrick Vogel (JMU), Viktor Hartung (UKW)
Das Team freut sich über die gelungene erste MPI-Bildgebung am Menschen und steht glücklich hinter dem Scanner.
Das Team der ersten MPI-Untersuchung am Menschen v.l.n.r.: Proband Patrick Vogel, Thomas Kampf, Interventionalist Viktor Hartung, Sicherheitsbeauftragter Philipp Gruschwitz, Teresa Reichl und Johanna Günther. Quelle: Julia Serfling UKW.
MPI-Scanner im Angiographielabor
Der MPI-Scanner ermöglicht eine strahlungsfreie Darstellung von Blutgefäßen in Echtzeit. Quelle: Julia Serfling / UKW.

Azubis gestalten Zukunft

UKW-Nachwuchs setzt mit Müllsammelaktion ein starkes Zeichen für Umweltbewusstsein

Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion am UKW © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion 2026 © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion am UKW © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion 2026 © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion am UKW © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion 2026 © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion am UKW © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion 2026 © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion am UKW © Eva Riedel / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion 2026 © Eva Riedel / UKW

Würzburg. Rund 100 Auszubildende des Universitätsklinikums Würzburg aus sieben Ausbildungsberufen haben am 12. März 2026 die Stadt ein Stück sauberer gemacht. Auf einer insgesamt 25 Kilometer langen Strecke sammelten sie unzählige Eimer voller Müll und hinterließen die Wege Würzburgs deutlich sauberer, als sie diese vorgefunden hatten. Auch die Weinberge in Grombühl wurden von Abfall befreit.

Neben der praktischen Müllsammelaktion erhielten die Auszubildenden auch theoretischen Input. Interne und externe Referierende hielten informative Vorträge zu aktuellen Umweltthemen und sensibilisierten die Nachwuchskräfte für nachhaltiges Handeln im Alltag und Beruf.

Der erfolgreiche Tag im Rahmen der Initiative „Azubis gestalten Zukunft“ endete mit einem gemeinsamen Pizzaessen, bei dem die Auszubildenden ihren Einsatz und das gemeinsame Engagement feiern konnten.

„Es war beeindruckend zu sehen, wie motiviert unsere Azubis bei der Müllsammelaktion waren. Ein Tag, an dem Theorie und Praxis Hand in Hand gingen und gleichzeitig ein sichtbares Zeichen für unsere schützenswerte Umwelt gesetzt wurde“, so Sandra Wiesenfelder, Ausbilderin am UKW und Organisatorin der Aktion.

Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion am UKW © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion 2026 © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion am UKW © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion 2026 © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion am UKW © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion 2026 © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion am UKW © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion 2026 © Kim Sammet / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion am UKW © Eva Riedel / UKW
Azubis gestalten Zukunft - Müllsammelaktion 2026 © Eva Riedel / UKW

Tabuthema Inkontinenz: Neues Zentrum am UKW bietet interdisziplinäre Hilfe

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Unterfranken gegründet

Das interdisziplinäre Behandlungsteam freut sich über die Gründung des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums Unterfranken am Universitätsklinikum Würzburg. © Kirstin Linkamp / UKW
Das interdisziplinäre Behandlungsteam freut sich über die Gründung des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums Unterfranken am Universitätsklinikum Würzburg. © Kirstin Linkamp / UKW

Würzburg. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) hat sein Leistungsspektrum erweitert. Im Februar 2026 eröffnete die Klinik das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Unterfranken. In diesem zertifizierten Spezialzentrum der Komplexversorgung bündeln Ärztinnen und Ärzte der Urologie, Gynäkologie und Allgemeinchirurgie ihre Expertise, um Frauen, Männer und Kinder mit Harn- oder Stuhlinkontinenz, Blasen- und Darmentleerungsstörungen sowie Senkungen der Beckenorgane umfassend und individuell zu versorgen.

Wenn der Alltag zur Belastung wird

Maria M. plante ihren Alltag nach der nächstgelegenen Toilette. Spaziergänge, längere Autofahrten oder Theaterbesuche wurden für die 52-jährige Mutter von drei Kindern zur Herausforderung. Aus Scham sprach sie lange mit niemandem über ihre Harninkontinenz. Erst als die Einschränkungen zunahmen, suchte sie ärztliche Hilfe.

Solche Leidensgeschichten sind für Dr. Oliver Hahn, den Sprecher des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums, keine Seltenheit. „Inkontinenz ist weiterhin ein Tabuthema, viele Betroffene leiden lange im Stillen“, sagt Oliver Hahn. „Dabei gibt es keinen Grund, sich für diese Erkrankung zu schämen.“

Etwa die Hälfte aller Frauen ist in unterschiedlichem Ausmaß von Beckenbodenbeschwerden wie Inkontinenz oder einer Senkung betroffen. Meist sind Schwangerschaft und Geburt die Ursache. „Häufig treten die Beschwerden auch schon bei jungen Frauen auf und schränken die Lebensqualität massiv ein“, sagt Dr. Bettina Blau-Schneider, Bereichsleiterin der Urogynäkologie in der Frauenklinik des UKW. 

Auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson können ursächlich für Harn- oder Stuhlinkontinenz sowie für Störungen der Blasen- und Darmentleerung sein. Zusätzlich können Männer nach urologischen Eingriffen, etwa nach der Entfernung der Prostata, unter Beschwerden leiden. 

„Da es deutschlandweit nur wenige zertifizierte Kontinenz- und Beckenbodenzentren gibt, behandeln wir am UKW Betroffene aus ganz Süddeutschland“, sagt Bettina Blau-Schneider.

Gebündelte Expertise als zentraler Behandlungsvorteil

Der besondere Mehrwert des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums Unterfranken liegt in der engen räumlichen und organisatorischen Verzahnung der drei beteiligten Kliniken des UKW:

  • der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie,
  • der Frauenklinik und Poliklinik sowie
  • der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie.

Das Behandlungsteam bespricht alle Patientinnen und Patienten in einem gemeinsamen Austausch, dem interdisziplinären Patientenboard. So können Diagnostik und Therapie abgestimmt und ohne lange Wege erfolgen. 

„Blase, Gebärmutter und Darm hängen im Beckenboden räumlich und funktionell eng zusammen. Deshalb ist es bei Beschwerden wichtig, den gesamten Beckenboden zu betrachten und die Therapie interdisziplinär zu planen“, sagt PD Dr. Joachim Reibetanz, Geschäftsführender Oberarzt in der Allgemeinchirurgie des UKW. Gemeinsam mit seinem Team sowie den urologischen Kolleginnen und Kollegen operiert er beispielsweise Patienten, bei denen eine Beckenbodensenkung sowohl die Blase als auch den Darm beeinträchtigt. So können beide Probleme in einer Operation behandelt werden. 

Je nach Krankheitsbild werden zur Diagnosestellung und der Behandlung weitere Kliniken des UKW eingebunden, etwa die Neurologie, die Kinderklinik, die Radiologie oder die Psychosomatik. Darüber hinaus kooperiert das Zentrum mit einer niedergelassenen Physiotherapeutin. 

Individuelle Therapie – konservativ und operativ

Im Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Unterfranken stehen abhängig von der Diagnose, dem Schweregrad, Begleiterkrankungen sowie den persönlichen Wünschen der Patientinnen und Patienten unterschiedliche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Neben konservativen Maßnahmen wie Kontinenzberatung, Beckenbodentraining, Elektrostimulation, Physiotherapie oder medikamentöser (Schmerz-)Therapie umfasst das Leistungsangebot sämtliche moderne operative Verfahren.

In der Urologie werden schonende Verfahren wie Band- und Schlingenoperationen eingesetzt, um die Harnröhre zu stützen. In ausgewählten Fällen kommen künstliche Schließmuskelsysteme zum Einsatz. Außerdem besteht die Möglichkeit einer Botox-Therapie der Harnblase zur Behandlung einer überaktiven Blase.

In der Gynäkologie werden Senkungen der Gebärmutter, der Scheide sowie anderer Beckenorgane, wie Blase und Enddarm, mit modernen Operationsmethoden behandelt. Das Gleiche gilt für Belastungsinkontinenz (ungewollter Urinverlust bei körperlicher Belastung) und Dranginkontinenz (plötzlicher, starker Harndrang und Urinverlust). Die Operation kann dabei vaginal oder minimalinvasiv über kleine Bauchschnitte, in vielen Fällen auch robotisch assistiert erfolgen. Für jede Patientin wird nach einer ausführlichen Beratung individuell die passende Methode ausgewählt.

Für Stuhlinkontinenz und Darmentleerungsstörungen steht die gesamte Bandbreite der Koloproktologie zur Verfügung, dem spezialisierten chirurgischen Fachgebiet für Erkrankungen des Dickdarms, Enddarms und Afters. Behandelt werden sowohl funktionelle Störungen des Beckenbodens als auch gut- und bösartige Erkrankungen. Viele Eingriffe können minimalinvasiv durchgeführt werden, was die Belastung für die Patientinnen und Patienten reduziert.

Zertifizierung bestätigt hohe Qualitätsstandards

Nach einer zweijähriger Aufbauzeit und entsprechender Praxiserfahrung durchlief das Zentrum im Februar 2026 erfolgreich das Zertifizierungsverfahren und wurde am 20. Februar offiziell als „Kontinenz- und Beckenbodenzentrum der Komplexversorgung“ anerkannt. 

Die Zertifizierung erfolgte auf Grundlage gemeinsamer Kriterien mehrerer Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, die Deutsche Gesellschaft für Urologie, die Deutsche Kontinenz Gesellschaft sowie die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Sie bestätigt, dass am UKW die strukturellen, personellen und fachlichen Voraussetzungen für eine spezialisierte interdisziplinäre Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Beckenboden- und Kontinenzerkrankungen erfüllt sind.

Kontakt

Nähere Informationen zum Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Unterfranken sowie die Kontaktdaten zur Terminvereinbarung sind auf der Webseite des Zentrums zu finden. 

 

 

Text: Annika Wolf / UKW

Infotag zum Thema Prostatakrebs

Am Samstag, 18. April 2026 lädt das DKG-zertifizierte Prostatakarzinomzentrum des Uniklinikums Würzburg zu seinem 8. Patienteninformationstag ein. Die kostenlose Veranstaltung bietet einen umfassenden Überblick über aktuelle Verfahren zur Vorsorge, Diagnostik und Therapie der häufigsten Krebserkrankung des Mannes.

Im CT wird ein Prostatakarzinom markant dargestellt.
Der 8. Patienteninformationstag des Prostatakarzinomzentrums des Uniklinikums Würzburg am 18. April 2026 beschäftigt sich mit Vorsorge, Diagnostik und Therapie. Das Bild zeigt, wie markant ein Prostatakarzinom unter Zuhilfenahme des Tracers PSMA im PET-CT als gelb-rotes Objekt dargestellt wird. © UKW

Würzburg. Das von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte Prostatakarzinomzentrum des Uniklinikums Würzburg (UKW) führt am 18. April 2026 seinen mittlerweile 8. Informationstag durch. In Kooperation mit dem Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA wendet sich die Veranstaltung an Patienten und alle sonstigen Interessierten. Zwischen 10:00 und etwa 14:15 Uhr geben neun Experten in für Laien verständlichen Kurzvorträgen einen Überblick über die aktuellen Möglichkeiten zur Vorsorge, Diagnostik und Behandlung der verbreiteten Tumorerkrankung.

Von bildgebenden Verfahren und Kombinationstherapien

„In der Diagnostik des Prostatakrebses gelten mittlerweile moderne bildgebende Verfahren als Standard, während neue Entwicklungen bei Operationen und in der Strahlentherapie das Behandlungsspektrum erweitern“, berichtet Prof. Dr. Hubert Kübler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie am UKW. Seine Stellvertreterin, Dr. Anna Katharina Seitz, ergänzt: „Gerade bei Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs stehen uns heute zudem viele wirksame Medikamente und Kombinationstherapien zur Verfügung.“

Referenten aus diversen Disziplinen

Voraussetzung für die am Prostatakarzinomzentrum gebotene ganzheitliche Patientenversorgung ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. Dies spiegelt sich auch bei den Referenten des Infotages wider. Neben der Urologie rekrutieren sie sich aus der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie, der Nuklearmedizin sowie der Strahlentherapie und Radioonkologie. Als wichtiger Partner kommt ferner die Selbsthilfe zu Wort.

Zum Abschluss der Veranstaltung im Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) an der Oberdürrbacher Straße haben die Zuhörerinnen und Zuhörer Gelegenheit, im direkten Gespräch mit den Spezialisten persönliche Fragen zu diskutieren. 

Die Teilnahme am Patienteninfotag ist kostenlos, das detaillierte Programm gibt es unter www.ukw.de/urologie, Rubrik „Veranstaltungen“.

Text: Pressestelle / UKW
 

Im CT wird ein Prostatakarzinom markant dargestellt.
Der 8. Patienteninformationstag des Prostatakarzinomzentrums des Uniklinikums Würzburg am 18. April 2026 beschäftigt sich mit Vorsorge, Diagnostik und Therapie. Das Bild zeigt, wie markant ein Prostatakarzinom unter Zuhilfenahme des Tracers PSMA im PET-CT als gelb-rotes Objekt dargestellt wird. © UKW

Online-Veranstaltung zu unerfülltem Kinderwunsch

Am Dienstag, 14. April 2026, bietet die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg unter dem Titel „Unerfüllter Kinderwunsch: Was tun?“ ein Webinar aus der Reihe „Abendsprechstunde“ an. Die kostenlose Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Mediengruppe Main-Post.

 

PD Dr. Saskia-Laureen Herbert und Dr. Florian Jakob
PD Dr. Saskia-Laureen Herbert und Dr. Florian Jakob Fragen beantworten am 14. April 2026 in einer Online-Veranstaltung zentrale Fragen zum Thema „Unerfüllter Kinderwunsch“. © Thomas Berberich / UKW

Würzburg. Ungewollte Kinderlosigkeit ist nicht ungewöhnlich: Bei etwa 15 Prozent der Paare im gebärfähigen Alter bleibt der Wunsch nach einem Kind unerfüllt. Um bei dieser für viele zentralen Lebensfrage weiterzuhelfen, bietet die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) in Kooperation mit der Mediengruppe Main-Post am Dienstag, 14. April 2026, ein kostenloses Webinar an. Bei der Veranstaltung aus der Reihe „Abendsprechstunde“ beantworten Privatdozentin Dr. Saskia-Laureen Herbert und Dr. Florian Jakob Fragen wie: Welche Optionen stehen in der Kinderwunschbehandlung zur Verfügung? Was versteht man unter künstlicher Befruchtung und wie gestaltet sich der Ablauf einer solchen Behandlung? Wie wirkt sich Endometriose auf die Fruchtbarkeit aus? Welche Maßnahmen oder Verfahren können eine Kinderwunschbehandlung sinnvoll begleiten und unterstützen?

Für das Zoom-Webinar anmelden

Das Webinar geht von 18:00 bis etwa 19:30 Uhr und nutzt die Plattform Zoom. Weitere Informationen und einen Anmeldelink finden Interessierte unter www.ukw.de/selbsthilfe, Rubrik „Veranstaltungen“.

Text: Pressestelle / UKW

 

PD Dr. Saskia-Laureen Herbert und Dr. Florian Jakob
PD Dr. Saskia-Laureen Herbert und Dr. Florian Jakob Fragen beantworten am 14. April 2026 in einer Online-Veranstaltung zentrale Fragen zum Thema „Unerfüllter Kinderwunsch“. © Thomas Berberich / UKW