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Strahlkraft für die Krebsforschung: BZKF stärkt Würzburger Leuchtturm „Präklinische Modelle“

KNAPP EINE MILLION EURO FÜR DIE ZWEITE FÖRDERPHASE UND DEN AUSBAU STANDORTÜBERGREIFENDER TUMORMODELL-DATENBANKEN

Das Leuchtturmprojekt „Präklinische Modelle“ wird seit zwei Jahren vom Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) gefördert. Unter der Leitung von Prof. Dr. Nicolas Schlegel, Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Viszeralchirurgie am Uniklinikum Würzburg, wurden in dieser Zeit zwei standortübergreifende Datenbanken mit Organoid-Modellen und Tiermodellen verschiedener Tumorentitäten aufgebaut. Das Ergebnis hat das BZKF überzeugt, sodass es den Leuchtturm in der zweiten Förderphase mit weiteren 980.000 Euro fördert. In den nächsten zwei Jahren sollen die Datenbanken auf einer Plattform zusammengeführt werden, um die Verfügbarkeit präklinischer Modelle an allen sechs BZKF-Standorten noch sichtbarer zu machen. Darüber hinaus sollen die bürokratische Genehmigungsprozesse verbessert und Testmodelle für die Validierung von Zielstrukturen etabliert werden.

 

Schwarz-weiß-Aufnahmen von drei verschiedenen Organoiden
Organoid aus gesundem Gewebe (links), aus einem Darmpolypen (Mitte) sowie rechts ein Tumor-Organoid aus dem Gewebe eines Patienten mit kolorektalem Karzinom. © UKW
Die vier Forschenden stehen in weißen Laborkitteln an einem gläsernen Geländer und stützen sich ab.
Das Team des BZKF-Leuchtturms Präklinische Modelle am UKW v.l.n.r. Sprecher Prof. Dr. Nicolas Schlegel (Sprecher), Anne Rech (Organoid-Datenbank), Dr. Mahasen Saati (Präklinische Tiermodelle), Prof. Dr. Christoph Otto (stellvertretender Sprecher). Nicht auf dem Bild ist Prof. Gabriele Büchel © Ulrich Bender
Der Mediziner steht in weißem Kittel mit verschränkten Armen im Flur des Zentrums für Operative Medizin
Prof. Dr. Nicolas Schlegel, Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Viszeralchirurgie am UKW, ist Sprecher des BZKF-Leuchtturms „Präklinische Modelle“. © Ulrich Bender

Würzburg. Leuchttürme dienen der Orientierung und Sicherheit, sie haben Strahlkraft und stehen für Zuversicht. All dies trifft auch auf die Leuchtturmprojekte des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) zu. Sie setzen sichtbare Impulse und weisen der innovativen Krebsforschung in Bayern den Weg nach vorn. An jedem der sechs BZKF-Standorte gibt es einen solchen Leuchtturm, der sich auf die spezifischen Stärken des jeweiligen Standorts fokussiert. Dadurch wird vorhandene Expertise genutzt, gebündelt und gezielt ausgebaut. 

Datenbanken umfassen inzwischen rund 150 humane Organoid-Modelle verschiedener Tumorentitäten sowie knapp 40 Tierversuchsmodelle

Am Uniklinikum Würzburg (UKW), in der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie (Chirurgie I), liegt die Expertise unter anderem auf der Organoid-Technologie. Mithilfe von Organoiden können Krankheitsmechanismen verstanden und neuartige Therapieansätze getestet werden.

Daher wurde vor zwei Jahren hier der BZKF-Leuchtturm „Präklinische Modelle“ unter der Planung von Prof. Dr. Armin Wiegering aufgestellt. Nach dessen Wechsel nach Frankfurt am Main übernahm Prof. Dr. Nicolas Schlegel, Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Viszeralchirurgie am UKW, die Sprecherfunktion. Gemeinsam mit seinem Team bestehend aus Prof. Dr. Christoph Otto, Anne Rech, Dr. Mahasen Saati sowie Prof. Dr. Gabriele Büchel von der Universität Würzburg, konnte er in der ersten Förderperiode zwei standortübergreifende Datenbanken aufbauen: die Organoid-Datenbank mit inzwischen rund 150 Ex-Vivo-Modellen verschiedener Tumorentitäten sowie die Datenbank für In-Vivo-Modelle mit derzeit knapp 40 onkologischen Tierversuchsmodellen.

BZKF bewilligt 980.000 Euro für die zweite Förderperiode

Der intensive Arbeitsaufwand in dieser kurzen Zeit hat das BZKF überzeugt. Die zweite Förderphase wurde bewilligt. „Ein enormer Erfolg!“, freut sich Nicolas Schlegel. Mit der maximal möglichen Fördersumme von insgesamt 980.000 Euro will das Team in den nächsten zwei Jahren die Verfügbarkeit präklinischer Modelle an allen sechs BZKF-Standorten sichtbarer machen. Hierzu sollen die Datenbanken optimiert und auf einer Plattform zusammengeführt werden. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, die Einheit zur Validierung vielversprechender therapeutischer Zielstrukturen so weiter auszubauen, dass eine schnellere Übersetzung von Grundlagenforschung in die klinische Anwendung erreicht wird. 

Doppelstrukturen vermeiden und Synergieeffekte schaffen

„Präklinische Modelle sind für die medizinische Forschung unverzichtbar – sowohl für den Weg aus der Grundlagenforschung in die Klinik als auch zurück, also Translation Forward und Reverse“, sagt Nicolas Schlegel. Doch es ist sehr aufwändig, solche Modelle zu entwickeln. Damit nicht jede Gruppe alles immer wieder neu etablieren muss, informieren Datenbanken darüber, welche Modelle wo vorgehalten werden und wer für die Durchführung der Experimente kontaktiert werden kann. Dadurch sollen Doppelstrukturen vermieden und Synergieeffekte geschaffen werden. Ein wichtiges Ziel hierbei ist, die Zahl der Tierversuche im Sinne des 3R-Prinzips zu reduzieren (reduce), zu ersetzen (replace) und zu verbessern (refine). Dies kann nur durch eine optimale Planung erreicht werden.

Datenbanken miteinander verknüpfen, um die gesamte Translation abzubilden

„Nachdem wir die beiden Datenbanken auf der webbasierten Plattform REDCap aufgebaut und für jede Tumorentität eine eigene Eingabemaske entwickelt haben, wollen wir im nächsten Schritt die Dateneingabe und Abfrage noch intuitiver gestalten und alle Modelle zusammenführen. Damit soll die gesamte Translation auf einer Plattform in logischem Zusammenhang abgebildet werden“, berichtet Nicolas Schlegel und nennt zwei Beispiele. „Wir haben ein Organoid aus Gewebespenden eines Patienten, das bestimmte Mutationen aufweist. Über die Datenbank könnten wir ein passendes Tiermodell mit der humanen Veränderung assoziieren. Aus diesem Tiermodell könnten wir auch murine Organoid-Modelle entwickeln. Dieses passt zum humanen Modell und reduziert Tierversuche. Ähnlich verfahren wir, wenn wir in Zellkulturexperimenten eine interessante Zielstruktur entdecken: Zunächst wird diese in einem Organoid auf ihre Wirksamkeit getestet und im nächsten Schritt gegebenenfalls im Tiermodell angewandt, bevor sie für die Anwendung am Menschen weiterentwickelt werden kann. Diese komplexen Schritte zu vereinfachen, ist das Ziel der Datenbank."

Abbau von bürokratischen Hürden in der Versuchsplanung

Leider kann noch nicht gänzlich auf Tierversuche verzichtet werden, vor allem, wenn es darum geht, die Komplexität eines gesamten Organismus im Zusammenhang zwischen immunologischen Prozessen und Tumorentstehung abzubilden. Doch trotz des hohen Niveaus der Versuche sind die bürokratischen Hürden, neue Dinge weiterzuentwickeln, häufig noch höher. Das erschwert den internationalen Wettbewerb, gefährdet Karrieren und treibt junge Talente aus der akademischen Forschung in die Industrie, gibt Nicolas Schlegel zu bedenken. „Ein Ziel ist deshalb, die Genehmigungsprozesse zu verbessern, indem wir Protokolle detailliert abbilden, Anträge standardisieren und Tierversuchsvorhaben harmonisieren“, erklärt er und verweist auf andere Bundesländer, in denen die Standardisierung gut gelinge. 

Vereinfachung der Target-Validierung 

Einen weiteren wichtigen Schwerpunkt im Leuchtturmprojekt verfolgt Prof. Dr. Gabriele Büchel vom Lehrstuhl für Biochemie und Molekularbiologie. Die Professorin für Dynamik zellulärer Proteinkomplexe versucht, bisher unzugängliche Zielstrukturen in Tumorzellen mit einer neuen Klasse von Arzneistoffen zu adressieren. Diese können krankmachende Proteine im Körper gezielt abbauen. 

In der Onkologie versucht man normalerweise, diese krankheitsauslösenden Proteine zu hemmen, beispielsweise indem ihre enzymatische Aktivität blockiert wird. Im neuen Ansatz werden die Proteine jedoch komplett aus der Zelle entfernt, indem man ihren Abbau einleitet. Dies erfolgt mithilfe des zellulären Mülleimersystems, dem Proteasom. Damit die Proteine gezielt zum Proteasom gelangen, werden sie mit sogenannten PROTACs (Proteolysis Targeting Chimeras) markiert. Allerdings müssen die PROTACs für jedes Zielprotein individuell hergestellt werden, was sehr aufwendig und zeitintensiv ist. Deshalb entwickelt Gabriele Büchel derzeit ein Modellsystem, mit dem geprüft werden kann, ob ein Protein tatsächlich therapeutisch vielversprechend ist und es sich lohnt, im nächsten Schritt ein teures PROTAC zu entwickeln. „Mithilfe dieses vereinfachten und effizienten Forschungsmodells können neue Therapie-Zielstrukturen getestet werden, ohne dass sofort komplexe Wirkstoffe hergestellt werden müssen“, fasst Nicolas Schlegel zusammen.

Je mehr sich registrieren, desto besser wird das Netzwerk und letztlich die Forschung

„Je mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich registrieren und ihre Modelle verfügbar machen, desto besser wird natürlich das Netzwerk und letztlich auch die Forschung im gesamten BZKF“, sagt Schlegel und nimmt Skeptikerinnen und Skeptikern gleich eine Sorge: „Es gibt Transfer-Agreement-Sheets, in denen vertraglich geregelt wird, was genau mit dem Organoid gemacht werden darf.“ Die Datenbank soll andererseits auch bei der Recherche helfen. Schlegels Wunsch ist es, dass Personen innerhalb und außerhalb des BZKF-Netzwerks, die zu einer Tumorentität Fragestellungen beantworten möchten, zuerst die Datenbank nutzen, um sich einen Überblick über die Verfügbarkeit humaner Organoid- und Tiermodelle zu verschaffen. Dadurch würde erheblich Zeit und Geld gespart, da nicht alles immer selbst entwickelt werden müsste.

Ein Kontaktformular für die Registrierung gibt es auf der Webseite des Lehrstuhls für Experimentelle Viszeralchirurgie.

Über die Leuchtturmstrukturen des BZKF
Die Leuchtturmstrukturen sind die Grundlage für komplexe Weiterentwicklungen in den jeweiligen Bereichen. Sie übernehmen Servicefunktionen für das gesamte BZKF. Durch den Austausch von Proben und die Zuweisung von Patientinnen und Patienten mit besonderen Fragestellungen an die jeweils hochspezialisierte Stelle wird eine optimale Diagnostik und Therapie ermöglicht und es werden schnellere Fortschritte in den jeweiligen Bereichen erzielt. Diese Fortschritte kommen wiederum allen zugute. Die Leuchtturmstrukturen und die standortübergreifende Nutzung ihrer Expertise sichern die internationale Exzellenz und die bayernweite Teilhabe sowie die Verbesserung der Versorgung der Patientinnen und Patienten im BZKF. Weitere Informationen finden Sie unter: bzkf.de/standortspezifische-leuchttuerme

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation UKW

Schwarz-weiß-Aufnahmen von drei verschiedenen Organoiden
Organoid aus gesundem Gewebe (links), aus einem Darmpolypen (Mitte) sowie rechts ein Tumor-Organoid aus dem Gewebe eines Patienten mit kolorektalem Karzinom. © UKW
Die vier Forschenden stehen in weißen Laborkitteln an einem gläsernen Geländer und stützen sich ab.
Das Team des BZKF-Leuchtturms Präklinische Modelle am UKW v.l.n.r. Sprecher Prof. Dr. Nicolas Schlegel (Sprecher), Anne Rech (Organoid-Datenbank), Dr. Mahasen Saati (Präklinische Tiermodelle), Prof. Dr. Christoph Otto (stellvertretender Sprecher). Nicht auf dem Bild ist Prof. Gabriele Büchel © Ulrich Bender
Der Mediziner steht in weißem Kittel mit verschränkten Armen im Flur des Zentrums für Operative Medizin
Prof. Dr. Nicolas Schlegel, Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Viszeralchirurgie am UKW, ist Sprecher des BZKF-Leuchtturms „Präklinische Modelle“. © Ulrich Bender

Teilnehmerinnen für VR-Studie zu Furchtreaktionen gesucht

Am Uniklinikum Würzburg wird erforscht, wie virtuelle Eindrücke Emotionen und physiologische Reaktionen beeinflussen

Illustration von einer Frau mit VR-Brille vor einem Computer und mit einem Sensor auf dem Arm.
In einem einstündigen Studiensetting wird am ZEP in Würzburg der Einfluss von Geräuschen auf die Emotionen sowie die Änderung der Hautleitfähigkeit untersucht. Bild: KI-generiert

Angst- und Furchtreaktionen sind automatische körperliche Schutzmechanismen, die uns innerhalb von Sekunden in den sogenannten Fight-or-Flight-Modus versetzen. Herzschlag und Atmung beschleunigen sich, die Muskeln spannen sich an und die Haut beginnt vermehrt zu schwitzen – der Körper macht sich bereit für Kampf oder Flucht. Auch wenn diese Reaktionen evolutionär sinnvoll sind, können sie im modernen Alltag – etwa bei Stress, lauten Geräuschen oder ungewohnten Situationen – überraschend auftreten und mitunter belastend sein.

Prof. Dr. Grit Hein und ihr Team am Zentrum für Psychische Erkrankungen (ZEP) des Uniklinikums Würzburg (UKW) untersuchen, wie solche Reaktionen durch virtuelle Eindrücke in verschiedenen virtuellen Szenarien beeinflusst werden können. Dazu wird in einem einstündigen Studiensetting im VR-Raum des ZEP am Margarete-Höppel-Platz 1 in Würzburg der Einfluss von Geräuschen auf die Emotionen sowie die Änderung der Hautleitfähigkeit analysiert. Die Hautleitfähigkeit spiegelt die Aktivität des peripheren Nervensystems wider. Aufgrund von Emotionen wird die Haut feuchter, ihre Leitfähigkeit verändert sich und der Hautleitwert steigt.

Für die Studie werden gesunde weibliche Probandinnen im Alter von 18 bis 60 Jahren gesucht. Sie sollten gute Deutschkenntnisse besitzen und weder unter Platzangst leiden noch neurologische oder psychiatrische Vorerkrankungen haben. Für die Studienteilnahme gibt es eine Pauschale von 13 Euro. Bei Interesse schreiben Sie bitte eine E-Mail an die Psychologie-Studentin und Studienleiterin lorena.marcantonio@ stud-mail.uni-wuerzburg.de

Illustration von einer Frau mit VR-Brille vor einem Computer und mit einem Sensor auf dem Arm.
In einem einstündigen Studiensetting wird am ZEP in Würzburg der Einfluss von Geräuschen auf die Emotionen sowie die Änderung der Hautleitfähigkeit untersucht. Bild: KI-generiert

Neues aus der Krebsforschung: Das Uniklinikum Würzburg lädt zum Gesundheitstalk ein

Welche Fortschritte gab es in der jüngeren Vergangenheit bei der Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen? Wie sehen hier die weiteren Perspektiven aus? Und welche konkreten Vorteile haben Krebspatientinnen und -patienten von der Forschungsstärke der Würzburger Universitätsmedizin? Fragen wie diese werden von Fachleuten bei einem Gesundheitstalk am 24. Januar 2026 beantwortet.

Auf dem Foto sind drei Portrait Fotos von Herrn Prof. Einsele, Gabriele Nelkenstock und Herren Prof. Beilhack zu sehen.
Beim Gesundheitstalk am 24. Januar 2026 dabei (von links): Prof. Dr. Hermann Einsele, Gabriele Nelkenstock und Prof. Dr. Dr. Andreas Beilhack. © D. Peter / B. Schmitt / A. Wolf

Würzburg. Die Krebsmedizin befindet sich in einem historischen Umbruch: Personalisierte Therapien, moderne Immuntherapien und hochpräzise molekulare Diagnostik eröffnen heute Heilungs- und Langzeitüberlebenschancen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. Über diese bahnbrechenden Entwicklungen, ihre Perspektiven und ihre Bedeutung für die Patientinnen und Patienten informiert das Uniklinikum Würzburg (UKW) beim 1. Gesundheitstalk „Neues aus der Krebsforschung: Fortschritte und Perspektiven“. Die kostenfreie Informationsveranstaltung findet am Samstag, 24. Januar 2026, von 10:00 bis ca. 11:30 Uhr im Hörsaal 1 des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) des UKW an der Oberdürrbacher Straße statt. Der Gesundheitstalk ist eine Kooperation des UKW mit der Main-Post.

Als Referierende stehen Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW und Sprecher des Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen (NCT WERA), Prof. Dr. Dr. Andreas Beilhack vom Zentrum für Experimentelle Molekulare Medizin der Uni Würzburg sowie Dipl.-Soz.-Päd. Gabriele Nelkenstock, die Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung „Forschung hilft“, für Fragen und den Austausch mit dem Publikum zur Verfügung.

Paradigmenwechsel in der Krebstherapie

„Wir erleben derzeit keinen schrittweisen Fortschritt, sondern einen echten Paradigmenwechsel in der Krebsmedizin“, sagt Prof. Einsele. So ermögliche moderne molekulare Diagnostik heute Therapien, die gezielt an genetischen Veränderungen der Tumorzellen ansetzen. Operative und strahlentherapeutische Behandlungen seien wesentlich zielgenauer und nebenwirkungsärmer geworden. Gleichzeitig habe die Immuntherapie das Behandlungsspektrum grundlegend erweitert. Besonders eindrucksvoll seien die Erfolge bei ehemals sehr schwer behandelbaren Erkrankungen. „Beim Multiplen Myelom lag die Lebenserwartung im Jahr 2006 noch bei maximal vier Jahren. Heute erreichen viele unserer Patientinnen und Patienten krankheitsfreie Überlebenszeiten von mehr als 17 Jahren. Das ist eine der größten Erfolgsgeschichten der modernen Medizin“, betont der international renommierte Myelom-Experte. 

Auch bei soliden Tumoren zeigten sich dramatische Verbesserungen: „Bei Patientinnen und Patienten mit malignem Melanom – auch als Schwarzer Hautkrebs bekannt – konnten wir durch zielgerichtete Therapien, vor allem Immuntherapien, die Behandlung so dramatisch verbessern, dass heute viele Betroffene langfristig – teilweise dauerhaft – tumorfrei bleiben“, erklärt Einsele und fährt fort: „Selbst Krebserkrankte mit Lebermetastasen eines Darmtumors, die lange als kaum beherrschbar galten, haben heute mit kombinierter Systemtherapie plus Operation realistische Chancen auf Langzeitüberleben.“

(Lokale) Forschung, die ankommt

Die von Roland Schmitt-Raiser von der Main-Post moderierte Gesprächsrunde wird zudem zeigen, dass die Würzburger Universitätsmedizin in der Krebsforschung auf internationalem Spitzenniveau arbeitet und wichtige Beiträge zur Verbesserung von Diagnostik und Therapie leistet. Nach Auffassung von Prof. Beilhack wären viele dieser Fortschritte ohne ‚Forschung hilft‘ nicht möglich. Die Stiftung zur Förderung der Krebsforschung am Universitätsklinikum Würzburg unterstützt frühzeitig innovative Ideen und vor allem auch junge wissenschaftliche Talente. Beispielsweise konnten so besonders empfindliche Tests entwickelt werden, mit denen einzelne Krebszellen unter bis zu 100 Millionen gesunden Zellen erkannt werden. „Ein entscheidender Fortschritt für die Behandlung von Blutkrebspatientinnen und -patienten“, unterstreicht Beilhack und fährt fort: „Auch die Entwicklung neuartiger dreidimensionaler Tumormodelle begann durch lokale Förderung und wird vom UKW zusammen mit den anderen fünf bayerischen Universitätsklinika seit Januar 2026 im Rahmen einer Translationsgruppe des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung weiter vorangetrieben.“ Nach seinen Worten führte die Förderung durch die lokale Stiftung zudem zur Entwicklung einer neuen Klasse von Immuntherapeutika, die das körpereigene Abwehrsystem direkt im Tumorumfeld aktivieren. 

„Diese Beispiele zeigen eindrucksvoll, dass sich die Stiftung ‚Forschung hilft‘ zu einem wichtigen Katalysator für den Fortschritt entwickelt hat – mit direktem Nutzen für die Betroffenen sowie einem nachhaltigen Beitrag zur Stärkung der Krebsforschung vor Ort und darüber hinaus“, sagt Gabriele Nelkenstock und ergänzt: „Ein großer Dank gilt dem Verein ‚Hilfe im Kampf gegen Krebs‘, der die Stiftung im Jahre 2017 gegründet hat.“

Anmeldung und weitere Informationen

Weitere Informationen und einen Anmeldelink finden Interessierte unter www.ukw.de/selbsthilfe, Rubrik „Veranstaltungen“. Die Teilnahme ist kostenfrei.


Text: Pressestelle / UKW

 

Auf dem Foto sind drei Portrait Fotos von Herrn Prof. Einsele, Gabriele Nelkenstock und Herren Prof. Beilhack zu sehen.
Beim Gesundheitstalk am 24. Januar 2026 dabei (von links): Prof. Dr. Hermann Einsele, Gabriele Nelkenstock und Prof. Dr. Dr. Andreas Beilhack. © D. Peter / B. Schmitt / A. Wolf

Adventsspende für Elterninitiative Regenbogen

1.800 Euro kamen bei einer Spendenaktion in Schwarzach zusammen

Foto zeigt drei Personen bei der Spendenübergabe, die vor einem Roll-up stehen. In der Mitte hält eine Dame mehrere Geldscheine in der Hand.

Pünktlich zu Weihnachten übergaben Herbert Kestler und Nikolaus Helemann im Namen des „Altherren-Teams dritte Halbzeit“ 1.800€ an die Elterninitiative Regenbogen in Würzburg.
Gemeinsam mit den „Steinsitzern“ und der Feuerwehr Münsterschwarzach organisierten sie an einem Adventswochenende eine Spendenaktion auf dem Adventsmarkt in Schwarzach. Während die „Steinsitzer“ den Christbaumverkauf übernahmen, kümmerten sich Herbert Kestler, Nikolaus Helemann und Willi Pier vom „Altherren-Team dritte Halbzeit and friends“ um die Verpflegung. Mit dem Verkauf von Bratwurst, Glühwein und Co. kam an einem Abend die Spendensumme zusammen.

Im Rahmen der Spendenübergabe im Büro der Elterninitiative Regenbogen entschieden sich Herr Kestler und Herr Helemann dafür, mit dem Betrag die Elternwohnungen des Vereins zu unterstützen. Die Elterninitiative Regenbogen ist bereits seit über 40 Jahren für Familien krebskranker Kinder ehrenamtlich aktiv und stellt mit den insgesamt zwölf Elternwohnungen ein in der Therapiezeit besonders wichtiges Angebot zur Verfügung. Die Familien können die Wohnungen währenddessen kostenfrei nutzen und in unmittelbarer Nähe zur Uni-Kinderklinik wohnen. Durch diese Möglichkeit werden sie organisatorisch von den teils weiten Fahrten zur Klinik entlastet und können im Notfall innerhalb weniger Minuten bei ihrem Kind sein. Die über 7.000 Übernachtungen im Jahr 2024 untermauern die Unverzichtbarkeit dieses Angebots.

Die Elterninitiative Regenbogen bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten dieser Spendenaktion für die treue Unterstützung.

 

Pressemitteilung der Elterninitiative Regenbogen e.V.
 

Foto zeigt drei Personen bei der Spendenübergabe, die vor einem Roll-up stehen. In der Mitte hält eine Dame mehrere Geldscheine in der Hand.

Bayern stärkt Infektionsschutz – Freistaat richtet neues Zentrum für präventive Infektionsmedizin ein

Wissenschaftsminister Blume: „Unser Ziel ist nicht nur bestmöglich gewappnet zu sein – sondern die nächste Pandemie zu verhindern“

Würzburg/München. Der Freistaat setzt neue Maßstäbe im Kampf gegen Infektionskrankheiten und richtet das Bayerische Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) ein. Das gab Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume heute in München bekannt.

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume betonte: „Mit dem Bayerischen Zentrum für präventive Infektionsmedizin machen wir Bayern widerstandsfähiger gegen zukünftige Gesundheitsrisiken. Infektionskrankheiten sind omnipräsent: von der Atemwegerkrankung, über die Lungenentzündung bis zur Influenza. Wir können Menschen schützen, indem Forschungsergebnisse schnell und stringent in die Anwendung kommen – dazu denken wir Reagenzglas und Krankenbett in einer Linie. Gerade bei der Prävention und Bekämpfung von Infektionskrankheiten sind kurze Wege und ein Fokus auf Translation entscheidend.  Dabei stehen wir alle auch unter dem Eindruck der COVID-19-Pandemie, die uns bis heute massiv beschäftig. Deshalb ist es wichtig und richtig, dass in einem ersten Sonderprojekt des BZI der Fokus auf Erfassung, Erkennung und Erforschung von Long COVID gelegt wird.“

Zur Ausstattung, Struktur und Zielen des neuen Zentrums erklärte Minister Blume: „Wir schaffen eine eigene Einrichtung, in der alle Hochschulmedizinstandorte und unsere Uniklinika im Bereich Infektionsschutz dauerhaft verzahnt sind. Dafür stellen wir jährlich rund drei Millionen Euro zur Verfügung. Wir schaffen verlässliche Strukturen, damit Wissen schneller genutzt, Impfungen besser verstanden und Risiken früher erkannt werden können. Der Fokus des BZI liegt auf Forschung und Diagnostik, aber auch auf wissenschaftlich fundierter Beratung für Politik und Bevölkerung. Unser Ziel: Nicht nur bestmöglich gewappnet zu sein – sondern die nächste Pandemie zu verhindern.“

Akzeptanz von Impfungen durch wissenschaftlich Evidenz weiter stärken

Infektionskrankheiten gehören zu den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts im Gesundheits- und Medizinbereich. Das Zentrum vernetzt alle bayerischen Hochschulmedizinstandorte, die Uniklinika und den öffentlichen Gesundheitsdienst in einer eigenen wissenschaftlichen Einrichtung – dies stellt eine bundesweit einmalige Struktur dar. Im Mittelpunkt stehen Prävention, Diagnostik und die Erforschung von Impfstoffen. Wichtige Aufgabe ist ebenfalls, die Akzeptanz von Impfungen weiter zu stärken. Das BZI verfolgt das Ziel, Infektionsrisiken möglichst früh zu erkennen, wissenschaftliche Erkenntnisse schnell in die Versorgung zu übertragen und evidenzbasierte Entscheidungen im Gesundheitswesen zu unterstützen. Dazu werden eine eigene Datenplattform und eine eigene Studienplattform aufgebaut. Zudem sollen künftig eigene Forschungsgruppen eingerichtet werden können.

Das BZI gliedert sich in drei zentrale Programmbereiche:

  • Bayerisches Surveillancezentrum (BaySurv): Moderne und kontinuierliche Überwachung relevanter Erreger, einschließlich molekularer Analytik und datenbasierter Auswertung.
  • Bayerisches Vakzinezentrum (BayVak): Forschung zu Impfstoffen, Impfstrategien, klinischen Studien sowie wissenschaftlich fundierte Kommunikation rund um das Thema Impfen.
  • Erstes Querschnittsprojekt: Bayerisches Long-COVID-Register (BAY-LCR): Systematische Erfassung und wissenschaftliche Untersuchung postakuter Infektionssyndrome wie Long COVID.

Die drei Programmbereiche bilden die Grundlage für eine koordinierte und wissenschaftlich fundierte Vorsorgestrategie gegen Infektionskrankheiten in Bayern. Wissenschaftliche Initiatoren des BZI sind Prof. Dr. Oliver Kurzai, Vorstand am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Prof. Dr. Klaus Überla, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Virologisches Institut. Die Geschäftsstelle des BZI ist an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg eingerichtet, einen zweiten Standort gibt es zudem an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

 

Weitere Informationen zum BZI finden Sie unter: '
https://www.bzi-bayern.de/

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Pressemitteilung vom 29.12.2025

Sama ist das Neujahrsbaby 2026

Im vergangenen Jahr 2025 gab es 1918 Geburten und etwa 2000 Kinder, die am UKW das Licht der Welt erblickten.

Das „Neujahrsbaby“ Sama ist sich ihres besonderen Geburtsdatums noch nicht bewusst.  © M. Fastner / UKW
Das „Neujahrsbaby“ Sama ist sich ihres besonderen Geburtsdatums noch nicht bewusst. © M. Fastner / UKW

Jede Geburt ist einzigartig und etwas Besonderes. Und doch ist die erste Geburt nach dem Jahreswechsel immer mit Aufregung und Vorfreude verbunden. So fiebern nicht nur die werdenden Eltern, sondern auch das geburtshilfliche Team den ersten Minuten und Stunden des neuen Jahres entgegen und sind gespannt, ob und welches Kind begleitet von Feuerwerk auf die Welt kommt.

Sama ist das erste Kind des Jahres 2026 am UKW

In diesem Jahr hat erneut ein Mädchen das Rennen gemacht. Sie wurde in der Silvesternacht um 04:06 Uhr geboren. Die Eltern, sowie das Kind sind wohlauf und freuen sich über einen gelungenen Start ins neue Jahr. Sama ist das zweite Kind der Familie und wird Zuhause von einer großen Schwester erwartet.

Marlene Winkler, leitende Hebamme am UKW: „Wir haben hier ein großartiges Hebammenteam. Gemeinsam mit unseren Studierenden betreuen und begleiten wir die werdenden Familien nach deren persönlichen Bedürfnissen individuell und professionell.“ 

„Der Übergang in ein neues Jahr wird von vielen Menschen als Symbol für einen Neubeginn verstanden“, betont Prof. Dr. Ulrich Pecks, Leiter der Geburtshilfe am UKW. „Wir haben das Glück, mit jeder Geburt einen Neubeginn erleben zu dürfen. Wir setzen uns jeden Tag im Jahr mit hoher medizinischer Fachkompetenz und persönlichem Engagement für eine sichere und interventionsarme Geburt ein.“

Die beliebtesten Vornamen 2025 waren Emma und Elias, Noah und Paul

Im vergangenen Jahr 2025 gab es 1918 Geburten und also etwa 2000 Kinder, die am UKW das Licht der Welt erblickten. Bei den Mädchen wurde der Name Emma 17 Mal vergeben, Lina elf Mal, gefolgt von Emilia, Mia, Mila, Ella, Leni, Amelie, Ida und Lia. Bei den Jungen führten die Namen Elias, Noah und Paul mit 13 Vergaben, gefolgt von Ben und Emil, die jeweils zwölf Mal gewählt wurden. Darauf schlossen sich Anton, Leon, Matteo, Oskar und Felix an.

Text: Kim Sammet, UKW

Das „Neujahrsbaby“ Sama ist sich ihres besonderen Geburtsdatums noch nicht bewusst.  © M. Fastner / UKW
Das „Neujahrsbaby“ Sama ist sich ihres besonderen Geburtsdatums noch nicht bewusst. © M. Fastner / UKW

Universitätsklinikum Würzburg war 2025 eines der spendenstärksten Krankenhäuser im Netzwerk der DGFG

Von den 237 Gewebespenden in Bayern wurden allein 99 am Universitätsklinikum Würzburg umgesetzt

In 2025 ist die Anzahl an Gewebespenden im Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation erneut gestiegen. Foto: Augenhornhauttransplantat in einer Nährlösung in der Gewebebank Hannover. Foto: DGFG
In 2025 ist die Anzahl an Gewebespenden im Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation erneut gestiegen. Foto: Augenhornhauttransplantat in einer Nährlösung in der Gewebebank Hannover. Foto: DGFG

Würzburg/Hannover. Noch nie wurden in Deutschland so viele Gewebe gespendet wie im vergangenen Jahr. Obwohl es prozentual nicht mehr Zustimmungen gab als 2024, war die Anzahl der Meldungen, der Aufklärungsgespräche und damit auch der Personen, die Gewebe gespendet haben, erkennbar höher als 2024. 9.640 Patienten konnten mit einem Transplantat aus dem Netzwerk der gemeinnützigen Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) versorgt werden. Das ist eine Steigerung von 15,2 % zum Vorjahr – ebenfalls ein Rekordwert.

Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) war in 2025 eines der spendenstärksten Krankenhäuser im Netzwerk der DGFG: Von den 237 Gewebespenden in Bayern wurden allein 99 am Universitätsklinikum Würzburg umgesetzt. Die Zustimmungsquote lag dabei mit 46,8 % deutlich über dem Bundesdurchschnitt. 

Seit 2013 können Augenhornhautspenden in der Lions Hornhautbank des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) aufbereitet werden. Die Hornhautbank am UKW ist Mitglied im bundesweiten Netzwerk der DGFG. Zu den häufigsten Hornhauterkrankungen zählen Trübungen der Hornhaut, etwa durch Narben oder Hornhautdystrophien, Verformungen der Hornhaut (z.B. infolge eines Keratokonus) sowie Schädigungen durch Infektionen. „In bestimmten Fällen ist die Transplantation einer Hornhaut der einzige Weg, das Sehen wieder zu verbessern“, sagt Dr. Franziska Seifert, Oberärztin in der UKW-Augenklinik und Leiterin der Würzburger Hornhautbank. 

Erstmals erreichten die DGFG mehr als 60.000 Meldungen potenzieller Gewebespender aus mehr als 320 verschiedenen Einrichtungen. Über 12.000 Aufklärungsgespräche zur Gewebespende wurden im Jahr 2025 mit An- und Zugehörigen von Verstorbenen geführt, wobei in 4.585 Fällen eine Zustimmung zur Spende gegeben wurde. Die Zustimmungsquote lag mit 37,9 % nach einem Abwärtstrend in den vergangenen 3 Jahren mit einem Minus von 0,2 % zu 2024 nur leicht unter dem Vorjahresniveau. „Insgesamt blicken wir voller Dankbarkeit auf ein sehr Spenden-starkes Jahr 2025. Zuallererst gilt unser Dank immer den Spenderinnen und Spendern sowie ihren An- und Zugehörigen. Ihr Altruismus und ihre Solidarität machen die Gewebemedizin erst möglich. Dass wir bei gleichbleibender Zustimmungsquote mehr Spenden realisieren konnten, ist auch dem zu verdanken, dass immer mehr Kliniken in Deutschland potenzielle Spender:innen melden und die Gewebespende in ihr Selbstverständnis integrieren. Das ist in einer Zeit, in der die Kliniken und ihr Personal so stark belastet sind, keine Selbstverständlichkeit“, sagt DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel.

Augenhornhäute – am häufigsten gespendet, am häufigsten transplantiert

Von 4.188 durchgeführten Entnahmen spendeten 4.070 Personen nach ihrem Tod ihre Augenhornhäute. In 2025 wurden 6.370 in der Gewebebank aufbereitete Augenhornhauttransplantate zur Operation an Augenkliniken vermittelt und ermöglichten Patientinnen und Patienten ihr Augenlicht zu erhalten oder wiederzuerlangen. Das entspricht einer Steigerung um 16 % gegenüber dem Vorjahr. Und trotzdem besteht weiterhin ein Mangel an Augenhornhäuten und anderen Geweben.

Anbindung von Gewebespendeeinrichtungen an das Organspenderegister

Ein weiteres Hilfsmittel der Willensäußerung ist das im März 2024 in Betrieb genommene Organspende Register (OGR). Seitdem haben dort 448.681 Menschen ihre Zustimmung oder ihre Ablehnung zur Organ- und Gewebespende festgehalten (Quelle: www.organspende-info.de, Stand 30. Dezember 2025). Im Jahr 2026 soll nach Verabschiedung des Dritten Gesetzes zur Änderung des Transplantationsgesetzes die rechtliche Grundlage geschaffen sein, damit auch Gewebespendeeinrichtungen auf das Register und dessen Eintragungen zugreifen können. Das Gesetzesvorhaben war im November 2024 mit dem Bruch der Regierungskoalition zunächst eingestellt, im Sommer 2025 vom Bundesgesundheitsministerium aber wieder aufgenommen worden. 

Über die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG)

Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Als unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. 

In 2025 ist die Anzahl an Gewebespenden im Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation erneut gestiegen. Foto: Augenhornhauttransplantat in einer Nährlösung in der Gewebebank Hannover. Foto: DGFG
In 2025 ist die Anzahl an Gewebespenden im Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation erneut gestiegen. Foto: Augenhornhauttransplantat in einer Nährlösung in der Gewebebank Hannover. Foto: DGFG