Aktuelle Pressemitteilungen

Personalia vom 30. September 2025 +++ Wir gratulieren!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

 

Dr. Maximilian Bellut, Facharzt, Neurologische Klinik und Poliklinik, wurde mit Wirkung vom 18.09.2025 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Neurologie“ erteilt. 
 

Dr. Srikanth Karnati, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universitätsklinikum Würzburg, wurde mit Wirkung vom 23.09.2025 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Anatomie und Zellbiologie“ erteilt und gleichzeitig zum „apl.Professor“ an der Universität Würzburg bestellt. 
 

Dr. Aleksander Kosmala, Facharzt, Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, wurde mit Wirkung vom 18.09.2025 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Nuklearmedizin“ erteilt. 
 

PDin Dr. Claudia Löffler, Oberärztin, Medizinische Klinik und Poliklinik II, ist mit Wirkung vom 01.10.2025 befristet bis 30.09.2030 als Universitätsprofessorin für Integrative onkologische Medizin an der Universität Würzburg eingestellt worden. 
 

Privatdozent Dr. Christopher Lotz, Oberarzt, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, wurde mit Wirkung vom 18.09.2025 zum außerplanmäßigen Professor bestellt. 
 

Dr. Quirin Notz, Facharzt, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, wurde mit Wirkung vom 18.09.2025 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Anästhesiologie“ erteilt. 
 

Dr. Mila Paul, Oberärztin, Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie (Chirurgische Klinik II), wurde mit Wirkung vom 17.09.2025 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Unfall- und Handchirurgie“ erteilt. 
 

Dr. Ellaine Salvador, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Neurochirurgische Klinik und Poliklinik, wurde mit Wirkung vom 18.09.2025 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Experimentelle Neurochirurgie“ erteilt. 
 

Dr. Patrick-Pascal Strunz, Facharzt, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Schwerpunkt Rheumatologie/Klinische Immunologie, wurde mit Wirkung vom 16.09.2025 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Innere Medizin“ erteilt. 
 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 30. September 2025

Würzburger erweitern kontinuierlich die Grenzen der Augenforschung

Forschungsteam der Würzburger Augenklinik unter der Leitung von Dr. Malik Salman Haider feiert Erfolge auf dem Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e. V. (DOG) in Berlin

Collage aus vier Bildern, die beim DOG aufgenommen wurden.
Dr. Malik Haider (linke Spalte) wurde im Rahmen der DOG 2025 in Berlin mit dem Sicca-Preis ausgezeichnet, Zhi Liang erhielt den „Best Abstract“-Preis der AG Young DOG.
Collage von vier Porträts der Forschenden in weißen Kitteln.
Das Forschungsteam der Würzburger Augenklinik unter der Leitung von Dr. Malik Salman Haider (oben links) feierte Erfolge beim Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e. V. (DOG) in Berlin. Oben rechts Zhi Liang, unten Pia Schröder und Dr. Raoul Verma-Führing.

Der Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e.V. (DOG), der vom 25. bis zum 28. September in Berlin stattfand, trug in diesem Jahr das Leitthema „Ophthalmologie im Wandel – Gemeinsam die Zukunft gestalten“. Auch das Forschungsteam der Augenklinik des Universitätsklinikums Würzburg präsentierte wieder zahlreiche Innovationen, die die Augenheilkunde nachhaltig verändern und zu neuen therapeutischen Ansätzen inspirieren. 

„Als Leiter unseres Forschungsteams bin ich unglaublich stolz auf die herausragenden Leistungen, die wir auf der DOG 2025 vorgestellt haben. Von den ersten 3D-Konjunktivalsphäroiden über sphäroidbasierte Mikrogewebe der Meibomdrüsen bis hin zu innovativen abbaubaren Hydrogelen mit Dexamethason – unser Team erweitert kontinuierlich die Grenzen der Augenforschung“, freut sich Dr. Malik Haider. „Unsere Arbeit ist mehr als nur Wissenschaft – sie ist eine Verpflichtung zur Entwicklung reproduzierbarer, patientenorientierter und translationaler Lösungen.“

Best Abstract Preis an Zhi Liang für die Biofabrikation dreidimensionaler konjunktivaler Sphäroide als In-vitro-Testsystem

Auf dem Kongress wurden zahlreiche Arbeiten ausgezeichnet. Zhi Liang erhielt den „Best Abstract“-Preis der AG Young DOG. Der mit 500 Euro dotierte Preis, gestiftet von Margarete Kramer, würdigt herausragende wissenschaftliche Arbeiten junger Augenärzte und Wissenschaftler aus dem gesamten Gebiet der Augenheilkunde. Zhi Liang präsentierte auf dem Kongress das erste dreidimensionale Konjunktival-Sphäroidmodell, das den Mangel an physiologisch relevanten In-vitro-Systemen für die Augenoberflächenforschung behebt. 

Mithilfe spezieller wabenförmiger Zellkulturplatten aus Agarose – einem aus Rotalgen gewonnenen Zuckerbaustein – und menschlichen Bindehautzellen konnte Zhi Liang mit seinem Team kleine kugelförmige Mini-Gewebe, sogenannte Sphäroide, herstellen. Diese bestehen aus mehreren Zellschichten, ähnlich wie in der echten Bindehaut des Auges. „Unsere reproduzierbare und kostengünstige Plattform fördert mechanistische Studien und das Screening von Wirkstoffen, entspricht den 3R-Prinzipien und bietet Potenzial für personalisierte Augenbehandlungen“, erklärt Malik Haider. 

Sicca-Preis für Biofabrikation von Mikrogewebe auf Sphäroidbasis von Meibom- und Tränendrüsen 

Malik Haider selbst wurde mit dem mit 1.500 Euro dotierten Sicca-Preis ausgezeichnet. Auch er präsentierte eine Arbeit aus dem Bereich der Biofabrikation. Um dem Mangel an physiologisch relevanten Modellen für die Erforschung von Erkrankungen des trockenen Auges sowie für die Verabreichung von Augenmedikamenten entgegenzuwirken, entwickelte er sphäroidbasiertes Mikrogewebe aus Meibom- und Tränendrüsen. Meibomdrüsen sind kleine Talgdrüsen am Rand der Augenlider. Sie produzieren eine fettige Flüssigkeit, die sich als dünne Schicht auf den Tränenfilm legt und so verhindert, dass die Tränenflüssigkeit zu schnell verdunstet. Als Fettlieferanten des Tränenfilms sind sie entscheidend für gesunde, befeuchtete Augen. 

Mithilfe skalierbarer 3D-Kulturverfahren gelang es Haider und seinem Team, die Zellen dazu zu bringen, sich zu gleichmäßigen, lebensfähigen, kugelförmigen Mini-Geweben zusammenzuschließen. Diese bewahrten die gewebespezifische Struktur und Funktion des echten Drüsengewebes. Die Methode ist einfach, günstig und gut reproduzierbar. Dadurch eignet sie sich hervorragend für die Erforschung von Krankheitsursachen, das Testen neuer Therapien und sogar für die personalisierte Augenmedizin. Außerdem erfüllt sie die 3R-Prinzipien, da sie Tierversuche deutlich reduzieren kann.

Zwei Poster des Tages

Darüber hinaus wurden zwei Posterbeiträge des Würzburger Teams als Poster des Tages ausgezeichnet. Dr. Raoul Verma-Führing wurde für die Entwicklung und Charakterisierung eines neuartigen Trägersystems für Augenmedikamente gewürdigt. Dabei handelt es sich um ein Gel auf Hyaloronsäure-Basis, das mit winzigen Mizellen gefüllt ist. Diese enthalten den Wirkstoff Dexamethason, ein starkes entzündungshemmendes Medikament. Das System zeigte eine ausgezeichnete Zytokompatibilität und ist somit zellverträglich sicher für das Auge. Es verfügt über ein stabiles Quellverhalten, kann also Wasser aufnehmen, ohne seine Stabilität zu verlieren. Zudem lässt es sich so einstellen, dass es sich im Auge langsam abbaut und den Wirkstoff gleichmäßig und über einen längeren Zeitraum freisetzt. Durch die Kombination von Lichtaktivierung beim Einsetzen und der empfindlichen Reaktion auf körpereigene Enzyme entsteht eine maßgeschneiderte und patientenfreundliche Methode zur wirksamen Behandlung von Augen über längere Zeiträume – ohne dass ständig neue Tropfen oder Injektionen nötig sind.

Das zweite Poster des Tages aus Würzburg stammte von Pia Schröder. In ihrer Arbeit machte die Assistenzärztin auf die Diskrepanz zwischen Ganglienzellanalyse in der optischen Kohärenztomografie (OCT) und Gesichtsfeldtests bei der Erkennung von (post-)chiasmatischen Läsionen aufmerksam. Das Chiasma ist die Kreuzung, an der sich die Sehnerven treffen, die die Signale vom Auge ins Gehirn leiten. Schädigungen oder Erkrankungen an oder hinter dieser Kreuzung können zu Gesichtsfeldausfällen führen. Auch ein Glaukom kann die Sehnerven schädigen und Einschränkungen im Gesichtsfeld verursachen. Es kann schwierig sein, eine Schädigung des Sehnervs durch ein Glaukom von einer Schädigung hinter der Sehnervenkreuzung im Gehirn zu unterscheiden. Mithilfe einer speziellen Bildgebungsmethode, der OCT-Ganglienzellanalyse, lässt sich die Nervenzellschicht der Netzhaut sehr genau untersuchen. Pia Schröder berichtete von drei Patienten, bei denen diese Analyse eine Verdünnung der Nervenzellschicht entlang der vertikalen Mittellinie zeigte, obwohl die üblichen Gesichtsfeldtests noch unauffällig waren. Weitere Untersuchungen ergaben einen Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophysenadenom), eine Narbenbildung entlang der Sehnervenbahn (Gliose) sowie eine Läsion im Bereich des Kapselsattels/Hypothalamus. Die Ergebnisse zeigen, dass Veränderungen in der Ganglienzellschicht bereits in einem sehr frühen Stadium auftreten können, noch bevor Patienten Einschränkungen im Gesichtsfeld bemerken. Damit könnte die OCT-Analyse ein wichtiger Frühwarnhinweis sein.

Malik Haider resümiert: „Diese Auszeichnungen und Anerkennungen spiegeln nicht nur die individuelle Brillanz wider, sondern auch das kollektive Engagement, die Kreativität und die Ausdauer jedes einzelnen Teammitglieds.“

Die Kongressbeiträge der Augenklinik finden Sie hier.

Collage aus vier Bildern, die beim DOG aufgenommen wurden.
Dr. Malik Haider (linke Spalte) wurde im Rahmen der DOG 2025 in Berlin mit dem Sicca-Preis ausgezeichnet, Zhi Liang erhielt den „Best Abstract“-Preis der AG Young DOG.
Collage von vier Porträts der Forschenden in weißen Kitteln.
Das Forschungsteam der Würzburger Augenklinik unter der Leitung von Dr. Malik Salman Haider (oben links) feierte Erfolge beim Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e. V. (DOG) in Berlin. Oben rechts Zhi Liang, unten Pia Schröder und Dr. Raoul Verma-Führing.

Neues Institut für Klinische Genetik und Genommedizin am UKW stärkt Kompetenz in Bayern

Für Patientinnen und Patienten wird eine neue Anlaufstelle für genetische Beratungen eingerichtet. Ein Schwerpunkt liegt hier in der genetischen Betreuung von Patientinnen und Patienten mit onkologischen Erkrankungen und deren Angehörigen.

Prof. Dr. Anke K. Bergmann leitet das neue Institut für Klinische Genetik und Genommedizin am Universitätsklinikum Würzburg. Foto: UKW / Anke K. Bergmann (privat)
Prof. Dr. Anke K. Bergmann leitet das neue Institut für Klinische Genetik und Genommedizin am Universitätsklinikum Würzburg. Foto: UKW / Anke K. Bergmann (privat)

Würzburg. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) stärkt die patientenorientierte Genommedizin: Am 1. Oktober nimmt das neu gegründete Institut für Klinische Genetik und Genommedizin am UKW die Arbeit auf. Am Institut werden rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten, Direktorin ist Prof. Dr. Anke K. Bergmann. In das neue Institut am UKW werden die bisherigen Aufgaben des Institutes für Humangengenetik der Julius-Maximilians-Universität Würzburg übernommen. Zudem wird es sich mit genommedizinischen Fragestellungen befassen und direkt neue Versorgungsangebote der klinischen Genetik schaffen.

Neue Ambulanz für Genetik

Für Patientinnen und Patienten wird eine neue Anlaufstelle für genetische Beratungen eingerichtet. Ein Schwerpunkt liegt hier in der genetischen Betreuung von Patientinnen und Patienten mit onkologischen Erkrankungen und deren Angehörigen. Auch Familien mit Seltenen Erkrankungen finden hier kompetente Beratung. Damit baut das Universitätsklinikum Würzburg speziell die Möglichkeiten der personalisierten Medizin entscheidend aus. „Das ist ein wesentlicher Beitrag für die zukunftsorientierte Ausrichtung des Standorts Würzburg“, erklärt Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des UKW.

Der derzeitige Standort der Diagnostiklabore am Campus Hubland werden weiter betrieben und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom UKW übernommen. Zudem wurde am UKW-Medizincampus in Grombühl unter anderem eine neue Ambulanz für Genetik und ein Labor für Genom-Diagnostik zur Patientenversorgung eingerichtet. 

Implementierung von genetischer Diagnostik, Prävention und Therapie

„Mit dieser neuen Struktur schaffen wir eine wichtige zusätzliche Säule in der Patientenversorgung für die Region und darüber hinaus. Ein Schwerpunkt werden dabei zunächst die so genannten Seltenen Erkrankungen und onkologische Krankheitsbilder sein. Aufgrund zunehmender klinischer Anwendung der Genetik werden perspektivisch viele weiteren Fachdisziplinen die Genommedizin noch stärker in die klinische Diagnostik, Prävention und Therapie integrieren, weswegen die Integration ins Klinikum ein konsequenter und zukunftsorientierter Schritt ist“, betont Institutsleiterin Prof. Bergmann.

Der Vorteil für die Patienten: Durch eine genetische Diagnostik und eine klinische Interpretation der jeweiligen Erbinformationen können die behandelnden Mediziner unterstützt werden, Krankheitsbilder besser zu verstehen. Prof. Bergmann: „Die Genommedizin wird so dazu beitragen, individuelle Therapien einzuleiten und ggf. zielgereichte Präventionsmaßnahmen für die Patienten und deren Angehörige anzubieten.“ Der große Vorteil an der interdisziplinären Verzahnung liege darin, dass am UKW die Sequenzierungsdaten des Erbgutes mit weiteren klinischen und diagnostischen Daten zusammengeführt werden können. 

Ein weiterer Schwerpunkt des Instituts wird die Onkogenetik im Kindesalter sein. Die nationale genetische Diagnostik der kindlichen Leukämie, genetische Analysen bei kindlichen Nierentumoren und die „Fanconi“-Diagnostik (seltene genetische Erkrankung) bilden deutschlandweit einen einzigartigen Schwerpunktbereich.

Teilnahme am bundesweiten Modellvorhaben zur Genomsequenzierung

Am Institut wird auch die Teilnahme des UKW am bundesweiten Modellvorhaben zur Genomsequenzierung geleitet, ein Kernstück der Nationalen Strategie für Genommedizin. Dabei wird das Erbgut von Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine Seltene erbliche Erkrankung oder Krebserkrankung analysiert. Dadurch wird den Patientinnen und Patienten eine hochinnovative Diagnostik ermöglicht. Zudem werden durch die Sequenzierungen neue Erkenntnisse gewonnen, die auf weitere Krankheitsbilder übertragen werden können mit dem Ziel, die Genomsequenzierung in die Regelversorgung zu übertragen.

„Genau diese Translation der Grundlagenforschung und der interdisziplinären Zusammenarbeit ist eine besondere Stärke der Universitätsmedizin in Würzburg. Mit dem Institut können wir zudem die Angebote in Forschung und Lehre nachhaltig stärken“, erklärt Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg.

Zur Person:

Prof. Dr. med. Anke Katharina Bergmann wechselte im September 2024 an die Universitätsmedizin Würzburg. Zuvor war sie stellvertretende Direktorin des Instituts für Humangenetik der Medizinischen Hochschule Hannover, eines der aktuell größten humangenetischen Institute Deutschlands.

Nach dem Medizinstudium in Berlin und Paris und ihrer Promotion an der Charité arbeitete sie zunächst an der Harvard Universität in Boston. Bereits damals beschäftigte sie sich mit der genetischen Grundlage von Blutkrankheiten. Danach war sie in Kiel am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in der Kinderheilkunde und der Humangenetik tätig, wo sie sich habilitierte und die Facharztanerkennung erwarb.

Im Anschluss wechselte sie an die Medizinische Hochschule Hannover. Ab 2021 übernahm sie dort die stellvertretende Leitung des Instituts für Humangenetik und baute mit ihrem Team die nationale genetische Referenzdiagnostik für kindliche Leukämie aus. Wissenschaftlich beschäftigt sich Prof. Bergmann mit den (epi-)genetischen Grundlagen von Blutkrebserkrankungen und deren klinische Anwendung. Weiterhin implementiert sie in unterschiedliche Diagnostikanwendungen Algorithmen der künstlichen Intelligenz, um präzisere Diagnosen zu stellen und genetische Entstehungsmechanismen von genetisch bedingten Erkrankungen besser zu verstehen. 

Prof. Dr. Anke K. Bergmann leitet das neue Institut für Klinische Genetik und Genommedizin am Universitätsklinikum Würzburg. Foto: UKW / Anke K. Bergmann (privat)
Prof. Dr. Anke K. Bergmann leitet das neue Institut für Klinische Genetik und Genommedizin am Universitätsklinikum Würzburg. Foto: UKW / Anke K. Bergmann (privat)

Babygesänge: Kathleen Wermke als Pionierin geehrt

KULTURPREIS DEUTSCHE SPRACHE: WÜRZBURGER ZENTRUM FÜR VORSPRACHLICHE ENTWICKLUNG UND ENTWICKLUNGSSTÖRUNGEN (ZVES) MIT INSTITUTIONENPREIS AUSGEZEICHNET

Prof. Dr. Kathleen Wermke erforscht seit Jahrzehnten das Weinen sowie die vorsprachlichen Lautäußerungen von Säuglingen und Kleinkindern auf fast allen Kontinenten. Ihre bahnbrechenden Erkenntnisse über Babylaute hat sie in dem Buch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ zusammengefasst. Das Sachbuch wurde Anfang 2025 in Österreich bereits zum besten Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Medizin/Biologie gewählt. Nun nahm Kathleen Wermke bei der Verleihung des Kulturpreises Deutsche Sprache in Baden-Baden für ihr Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) am Uniklinikum Würzburg den Institutionenpreis entgegen.

 

Kathleen Wermke hält auf der Bühne die Urkunde, Helmut Glück die gläserne Trophäe
Prof. Dr. Kathleen Wermke vom Universitätsklinikum Würzburg erhielt für ihre Forschung im Übergangsbereich zwischen Biologie, Medizin und Linguistik den Institutionenpreis Deutsche Sprache, überreicht durch Prof. Dr. Helmut Glück, Mitglied der Jury. © Eberhard-Schöck-Stiftung
Gruppenbild der Gewinner mit ihren Preisen und Laudatoren
Im Kurhaus Baden-Baden wurde zum 24. Mal der Kulturpreis Deutsche Sprache in drei Sparten verliehen: Vor 400 geladenen Gästen erhielt Hape Kerkeling den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis). Rechts neben ihm die Preisträgerinnen des Initiativpreises für ihr Projekt „Echt absolut – Literarisches Übersetzen mit Jugendlichen“, links Kathleen Wermke vom Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) am Universitätsklinikum Würzburg, die den Institutionenpreis erhielt. © Eberhard-Schöck-Stiftung
Buchtitel mit schreiendem Baby
Das Buch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ von Kathleen Wermke (224 Seiten Hardcover, 13,5 x 21,5 cm. EUR 26,00. ISBN 978-3-222-15122-4 Molden Verlag) wurde in Österreich zum Wissenschaftsbuch in der Kategorie Medizin / Biologie gewählt. © Molden Verlag

Würzburg/Baden-Baden. Hape Kerkeling, der in diesem Jahr den Jacob-Grimme-Preis, den Hauptpreis des „Kulturpreises Deutsche Sprache“, erhielt, erinnerte gleich zu Beginn seiner Dankesrede in Baden-Baden an seine Mutter: „Sie hat mir die Liebe zur deutschen Sprache beigebracht. Sie ließ keine Pointe aus und zeigte mir, dass zur Sprache auch Lachen und Weinen gehören.“ Für ihn sei Sprache mehr als nur Bedeutung, sie sei Emotion. 

Für Prof. Dr. Kathleen Wermke, beginnt die Sprache sogar schon im Mutterleib. Kaum auf der Welt, imitieren Säuglinge die Sprachmelodie ihrer Mütter, um eine emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen. Diese stimmlichen Botschaften sind laut Wermke wie ein Urgesang, aus dem sich die gesprochene Sprache entwickelt. Sie möchte daher Erwachsene, nicht nur Eltern, dazu anregen, Babys einfach mal zuzuhören, ihre stimmlichen Botschaften wertzuschätzen und zu akzeptieren, dass diese emotionale Sprache der Weg zur Sprache ist.

Weltweit einzigartige Datenbank von Babylauten

Kathleen Wermke wurde am 27. September 2025 neben Hape Kerkeling mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache geehrt, und zwar in der undotierten Sparte „Institutionspreis“. Die Verhaltensbiologin und Anthroposophin leitet am Uniklinikum Würzburg (UKW) das 2003 in enger Kooperation mit der Kinderklinik, der Hals-Nasen-Ohren-Klinik und der Kinderneurochirurgie in der Poliklinik für Kieferorthopädie gegründete Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES). Im Laufe der Jahre ist dort eine weltweit einzigartige Datenbank von Babylauten entstanden. Mithilfe ihrer Daten ist es möglich, die normale Sprachentwicklung sowie Einflussfaktoren wie Fehlbildungen, Hörstörungen oder Umweltbedingungen zu analysieren, Entwicklungsstörungen frühzeitig zu erkennen und gezielte Fördermaßnahmen zu entwickeln. „Mittels der Sprach- und Stimmdiagnostik lässt sich eine Hörstörung bei Babys inzwischen sehr früh behandeln“, so Wermke. Über die mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache und die damit verbundene Anerkennung freut sie sich sehr. Es sei nicht leicht, angesichts der aktuellen globalen Probleme in der Öffentlichkeit gesehen zu werden. 

Pionierin und Grundlagenforscherin in einem Übergangsbereich zwischen Biologie, Medizin und Linguistik

„Als eine Pionierin in einem Forschungsfeld, das noch viele offene Fragen für uns parat hat“, ehrte sie Prof. Dr. Helmut Glück, Sprachwissenschaftler und Mitglied der Jury, in seiner Laudatio. „Wesentliche Fragen hat sie gestellt, einige davon hat sie beantwortet.“ Kathleen Wermke sei eine Grundlagenforscherin in einem Übergangsbereich zwischen Biologie, Medizin und Linguistik. „Sie hat herausgefunden, dass es zunächst einfache Tonkurven sind, die das Babyweinen charakterisieren, Tonkurven aus Melodien, Rhythmen, Lautstärken und Klangfarben.“ Und sie habe zeigen können, dass sich diese Grundbausteine in Abhängigkeit davon unterscheiden, welche Sprache die Mutter während der Schwangerschaft gesprochen oder ob sie ein Instrument gespielt habe. Auch der Frage, ob man vom Babyweinen auf Entwicklungsstörungen im Gehirn des Babys schließen kann, sei sie nachgegangen.

Nach Sachbuch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ folgt Fachbuch

Der Kulturpreis Deutsche Sprache ist bereits die zweite Ehrung für Kathleen Wermke in diesem Jahr. Im Februar 2025 wurde ihr Sachbuch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ (Molden Verlag) zum besten Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Medizin/Biologie gewählt. In dem Buch nimmt sie ihre Leserinnen und Leser auf über 200 Seiten unterhaltsam und fundiert mit zahlreichen Hörbeispielen in die geheimnisvolle Klangwelt der Babys mit. Derzeit arbeitet sie mit Unterstützung der Carl Friedrich von Siemens Stiftung an einem Fachbuch, in dem sie ihre Theorien zur vorsprachlichen Entwicklung sowohl mit modernen Konzepten zur Sprachrevolution als auch mit ihren klinischen Erfahrungen verbindet. 

Zum Kulturpreis Deutsche Sprache

Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird von der Eberhard-Schöck-Stiftung gemeinsam mit der renommierten Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in drei Sparten verliehen. Ausgezeichnet werden seit 2001 alljährlich Personen, Institutionen und Initiativen, die sich in besonderem Maße um die deutsche Sprache verdient gemacht haben. Der Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis) ging bisher an bekannte Persönlichkeiten wie die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, Udo Lindenberg, Cornelia Funke, Loriot, Ulrich Tukur oder die Fantastischen Vier.

Am Samstag wurde in Baden-Baden zum 24. Mal der Kulturpreis Deutsche Sprache in drei Kategorien verliehen. Vor 400 geladenen Gästen erhielt Hape Kerkeling den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis). Ausgezeichnet wurden außerdem das Projekt „Echt absolut – Literarisches Übersetzen mit Jugendlichen“ von Nina Thielicke und Christine Wagner (Initiativpreis) sowie das von Kathleen Wermke geleitete Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) am Universitätsklinikum Würzburg (Institutionenpreis).

Kathleen Wermke hält auf der Bühne die Urkunde, Helmut Glück die gläserne Trophäe
Prof. Dr. Kathleen Wermke vom Universitätsklinikum Würzburg erhielt für ihre Forschung im Übergangsbereich zwischen Biologie, Medizin und Linguistik den Institutionenpreis Deutsche Sprache, überreicht durch Prof. Dr. Helmut Glück, Mitglied der Jury. © Eberhard-Schöck-Stiftung
Gruppenbild der Gewinner mit ihren Preisen und Laudatoren
Im Kurhaus Baden-Baden wurde zum 24. Mal der Kulturpreis Deutsche Sprache in drei Sparten verliehen: Vor 400 geladenen Gästen erhielt Hape Kerkeling den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis). Rechts neben ihm die Preisträgerinnen des Initiativpreises für ihr Projekt „Echt absolut – Literarisches Übersetzen mit Jugendlichen“, links Kathleen Wermke vom Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) am Universitätsklinikum Würzburg, die den Institutionenpreis erhielt. © Eberhard-Schöck-Stiftung
Buchtitel mit schreiendem Baby
Das Buch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ von Kathleen Wermke (224 Seiten Hardcover, 13,5 x 21,5 cm. EUR 26,00. ISBN 978-3-222-15122-4 Molden Verlag) wurde in Österreich zum Wissenschaftsbuch in der Kategorie Medizin / Biologie gewählt. © Molden Verlag

Würzburger Forscher auf Internationalem Myelom-Kongress in Toronto ausgezeichnet

Das Myelomzentrum der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) durfte sich auf dem Jahreskongress der International Myeloma Society (IMS) in Toronto, Kanada, über zwei Auszeichnungen freuen. Am 19. September 2025 wurde Doktorand Max Köppel beim President´s Dinner für seine Promotionsarbeit über die Entstehung von Sekundärleukämien nach CAR-T-Zelltherapien mit dem Young Investigator Award ausgezeichnet. Die Arbeit von Oberarzt Dr. Torsten Steinbrunn zu zielgerichteten Krebstherapien wurde als eines der „Highlights of IMS 2025” gewürdigt.

Die beiden ausgezeichneten Herren stehen auf der Bühne, im Hintergrund vor schwarzer Gardine ein Monitor mit der allgemeinen Kongress-Folie, Max Köppel hält eine eingerahmte Urkunde in den Händen
Max Köppel (rechts) erhielt auf dem Jahreskongress der International Myeloma Society (IMS) in Toronto den Young Investigator Award. Die Arbeit von Dr. Torsten Steinbrunn wurde als eines der „Highlights of IMS 2025” ausgezeichnet. © Collage aus Bildern von Lisa Leypoldt und IMS/Todd Buchanan

Würzburg. Beim 22. Jahrestreffen der International Myeloma Society (IMS), das im September 2025 in Toronto stattfand, diskutierten führende internationale Expertinnen und Experten neueste Erkenntnisse zur Früherkennung, Risikostratifizierung und Behandlung des Multiplen Myeloms. Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks, bei der sich Plasmazellen, also Antikörper produzierende Zellen des Immunsystems, unkontrolliert vermehren. Die Erkrankung führt zu Knochenabbau, Blutbildveränderungen und einer geschwächten Immunabwehr. Sie zählt zu den zweithäufigsten Blutkrebserkrankungen. Die Medizinische Klinik II hat das Multiple Myelom zu einem ihrer zentralen Forschungsschwerpunkte gemacht und das Würzburger Myelomzentrum ist eines der europaweit führenden Zentren für die Behandlung dieser Erkrankung. 

Neue Erkenntnisse zur Entstehung von Sekundärleukämien als seltene Nebenwirkung von CAR-T-Zelltherapien

In Toronto fanden die Arbeiten zweier Forscher besondere Beachtung. Max Köppel, Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe von Dr. Johannes Waldschmidt, erhielt beim President’s Dinner den „Young Investigator Award“ für seine Arbeit über die Entstehung von Sekundärleukämien nach CAR-T-Zelltherapien. In seiner von der José Carreras Leukämie-Stiftung geförderten Promotionsarbeit konnte Köppel nachweisen, dass Chemotherapien in früheren Behandlungslinien eine Selektion von Stammzellklonen mit onkogenen Driver-Mutationen bewirken können. Diese Mutationen werden möglicherweise durch einen anschließenden CAR-T-vermittelten Entzündungszustand in ihrer Entwicklung weiter beschleunigt, was nachfolgend zur Entstehung von Sekundärleukämien führen kann. 

RAS-Inhibitoren sind vielversprechender Ansatz für neue zielgerichtete Krebstherapien

Dr. Torsten Steinbrunn verfolgt einen weiteren Behandlungsansatz mit RAS-Inhibitoren. Der Hämato-Onkologe konnte zeigen, dass die Myelomerkrankung häufig durch onkogene Mutationen des RAS-Proteins vorangetrieben wird. RAS-Proteine sind an der Zellteilung und an der Tumorentwicklung beteiligt, sodass Mutationen in deren Genen das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen begünstigen können. Mithilfe neuartiger kleiner Moleküle ist es nach langer Zeit nun erstmals möglich, diese RAS-Proteine direkt pharmakologisch auszuschalten und somit das Wachstum der Krebszellen spezifisch zu bremsen. Steinbrunns präklinische Ergebnisse sind vielversprechende Ansätze für eine personalisierte Behandlungsstrategie. RAS-Inhibitoren könnten in künftigen klinischen Studien ergänzend oder alternativ zu Immuntherapien eingesetzt werden. Seine Arbeit zu dieser neuen zielgerichteten Krebstherapie wurde als eines der „Highlights of IMS 2025” ausgezeichnet.

Zu den Arbeiten in „Clinical Lymphoma, Myeloma & Leukemia - The Abstract from International Myeloma Society 22nd Annual Meeting and Exposition, 17-20 September 2025 • Toronto, Canada”:

Max Köppel, Johannes Waldschmidt, Umair Munawar, Shilpa Kurian, Manja Meggendorfer, Marietta Truger, Silvia Nerreter, Seungbin Han, Christina Verbruggen, Emma Besant, Nina Rein, Johanna Lehmann, Torsten Steinbrunn, Wing Cheung, Dominic Grün, Konstantin Matjusinski, Mikko Myllymaki, Satu Mustjoki, Michael Hudecek, Hermann Einsele, Leo Rasche, Martin Kortüm. PA-047 - Melphalan-Induced Enrichment of TP53-Mutant CHIP as a Risk Factor for Subsequent CAR-T Related Myeloid Neoplasms in Multiple Myeloma. Clinical Lymphoma Myeloma and Leukemia, Volume 25, Supplement 2, 2025, Pages S71-S72, ISSN 2152-2650, https://doi.org/10.1016/S2152-2650(25)03514-1

Torsten Steinbrunn, Ryosuke Shirasaki, Olga Dashevsky, Huihui Tang, Brian Glassner, Shizuka Yamano, Oliver Bohorquez, Ricardo de Matos Simoes, Hermann Einsele, Constantine Mitsiades. PA-319 - Preclinical Activity of Pharmacological Inhibitors Targeting KRAS and pan-RAS in Multiple Myeloma. Clinical Lymphoma Myeloma and Leukemia. Volume 25, Supplement 2, 2025, Page S228, ISSN 2152-2650, https://doi.org/10.1016/S2152-2650(25)03782-6 

Einen ausführlichen Bericht über die Promotionsarbeit von Max Köppel finden Sie hier: 
Universitätsklinikum Würzburg: Exzellenter wissenschaftlicher Nachwuchs für die Blutkrebsforschung

Die beiden ausgezeichneten Herren stehen auf der Bühne, im Hintergrund vor schwarzer Gardine ein Monitor mit der allgemeinen Kongress-Folie, Max Köppel hält eine eingerahmte Urkunde in den Händen
Max Köppel (rechts) erhielt auf dem Jahreskongress der International Myeloma Society (IMS) in Toronto den Young Investigator Award. Die Arbeit von Dr. Torsten Steinbrunn wurde als eines der „Highlights of IMS 2025” ausgezeichnet. © Collage aus Bildern von Lisa Leypoldt und IMS/Todd Buchanan

Eiserne Schlüssel zum Tod von Krebszellen

Dr. Hariharan Moorthy untersucht eine spezielle Form des Zelltods, die innovative Krebstherapien ermöglichen könnte. Er ist mit einem Alexander von Humboldt-Stipendium am Rudolf-Virchow-Zentrum der Uni Würzburg zu Gast.

Hariharan Moorthys Expertise liegt in der Ferroptose – also einer speziellen Form des Zelltods. (Bild: Martin Brandstätter / Universität Würzburg)
Hariharan Moorthys Expertise liegt in der Ferroptose – also einer speziellen Form des Zelltods. (Bild: Martin Brandstätter / Universität Würzburg)

„Die Zellbiologie gibt uns die Chance, das Leben auf seiner fundamentalsten Ebene zu verstehen. Die Chemie ermöglicht es uns, diese Prozesse zu manipulieren. Die Schnittmenge aus den beiden Fächern eröffnet in der chemischen Biologie völlig neue Wege, Biologie zu gestalten.“ Das fasziniert Dr. Hariharan Moorthy an dem Fach. Für ihn fühle es sich an, wie das Lösen eines Rätsels, bei dem jeder Hinweis zu besseren Behandlungsmethoden führen kann – insbesondere bei chronischen Krankheiten wie Krebs.

Seit April 2025 forscht Moorthy in der Arbeitsgruppe von José Pedro Friedmann Angeli, Professor für Translationale Zellbiologie. Nun verlängert sich sein Aufenthalt um zwei weitere Jahre durch ein Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung. Neben Friedmann Angeli ist auch Hermann Schindelin, Professor für Biochemie und Strukturbiologie, Gastgeber. Beide Professoren arbeiten am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Ferroptose: Den Selbstzerstörungsschalter von Krebszellen aktivieren

Die Arbeitsgruppe des Zellbiologie-Professors beschäftigt sich mit der Ferroptose. Diese spezielle Form des Zelltods entsteht durch die Anhäufung oxidierter Lipide – darunter versteht man wasserunlösliche Moleküle wie beispielsweise Fette. Sie wird mit vielen krankhaften Zuständen in Verbindung gebracht – unter anderem mit Krebs und Neurodegeneration. Einen gezielten Zelltod in Tumoren herbeizuführen und somit das Potenzial für neue Krebstherapien zu schaffen, ist das Ziel der Arbeitsgruppe.

Die Aufgabe des Humboldt-Stipendiaten liegt darin, die Proteine zu identifizieren, die für die Ferroptose verantwortlich sind. „Man kann sich Ferroptose als das eingebaute Selbstzerstörungsprogramm der Zelle vorstellen. Unser Ziel ist es, herauszufinden, welche Proteine als ‚Sicherheitsschalter‘ fungieren, die dieses Programm daran hindern, abzulaufen“, so der Stipendiat. Sobald eine Karte dieser Regulatoren vorliege, ließe sich untersuchen, wie man sie gezielt ausschalten kann.

Präzisere und wirksamere Krebstherapien entwickeln

Daraus will das Team eine „Karte“ potenzieller Wirkstoffziele erstellen – ähnlich wie beim Aufspüren von Schwachstellen im Abwehrsystem von Krebs. Dieses grundlegende Wissen kann als Leitfaden für die zukünftige Krebsforschung und Wirkstoffentwicklung dienen, mit dem langfristigen Ziel, präzisere und wirksamere Therapien zu entwickeln.

So ließen sich sogar hartnäckige Tumorzellen bekämpfen, die resistent gegen Arzneimittel sind. „Dr. Moorthy bringt einen ausgeprägten chemischen Ansatz in unsere Ferroptose-Forschung. Seine einzigarte Expertise und Perspektive machen ihn zu einer enormen Bereicherung für unser Team und für das Fachgebiet“, so Friedmann Angeli.

Zur Person

Geboren in Puducherry (Indien) studierte Hariharan Moorthy Chemie am Sri Sathya Sai Institute of Higher Learning. Seine Promotion schloss er in Chemischer Biologie am Jawaharial Nehru Centre for Advanced Scientific Research in Bangalore ab. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Ferroptose und deren Rolle bei Alzheimer, um einen ganzheitlichen Ansatz zu finden, neurodegenerative Erkrankungen zu behandeln.

Kontakt

Dr. Hariharan Moorthy, Lehrstuhl für Translationale Zellbiologie, Rudolf-Virchow-Zentrum – Centre für Integrative and Translational Bioimaging, hariharan.moorthy@ uni-wuerzburg.de

Von Martin Brandstätter

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 23. September 2025

Hariharan Moorthys Expertise liegt in der Ferroptose – also einer speziellen Form des Zelltods. (Bild: Martin Brandstätter / Universität Würzburg)
Hariharan Moorthys Expertise liegt in der Ferroptose – also einer speziellen Form des Zelltods. (Bild: Martin Brandstätter / Universität Würzburg)

Auftritt der Uni Würzburg auf der Mainfranken-Messe

300 Aussteller, 17 Messehallen, ein großes Freigelände: Die Mainfranken-Messe schlägt Ende September ihre Zelte auf. Auch die Universität Würzburg präsentiert sich dort.

 

Mit einer Sandbox werden Prozesse simuliert, welche die Oberfläche der Erde verändern. (Bild: Thomas Amend / Universität Würzburg)
Mit einer Sandbox werden Prozesse simuliert, welche die Oberfläche der Erde verändern. (Bild: Thomas Amend / Universität Würzburg)
Beim Mindball wird eine Kugel mit Gehirnströmen bewegt. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)
Beim Mindball wird eine Kugel mit Gehirnströmen bewegt. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)
An der Agility Wall können Besucherinnen und Besucher ihre Reaktionsschnelligkeit testen. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)
An der Agility Wall können Besucherinnen und Besucher ihre Reaktionsschnelligkeit testen. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)
Das Handygame über die KatzeQ macht die Quantenphysik spielerisch zugänglich. (Bild: Philipp Stollenmeyer)
Das Handygame über die KatzeQ macht die Quantenphysik spielerisch zugänglich. (Bild: Philipp Stollenmeyer)
Der Spieleklassiker „Vier gewinnt“ kann in einer dreidimensionalen Variante gespielt werden. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)
Der Spieleklassiker „Vier gewinnt“ kann in einer dreidimensionalen Variante gespielt werden. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)

„Komm vorbei und entdecke die Welt der Forschung!“ Unter diesem Motto ist die Universität Würzburg auf der Mainfranken-Messe vertreten – mit vielen Mitmach-Stationen zum Lernen und Erleben. Die Messe findet vom 27. September bis 5. Oktober 2025 auf den Mainwiesen in Würzburg statt; der Stand der Uni befindet sich im Zelt der Stadt.

Organisiert wird der Auftritt der Universität vom Servicezentrum Forschung und Technologietransfer (SFT). Das Team um Saschan Korder und Ronja Möller hat für die neun Messetage in Kooperation mit vielen Akteuren aus der Uni ein attraktives Programm zusammengestellt.

Folgen von Hochwasser simulieren

Die Geographie-Didaktik zeigt eine Sandbox, mit der sie Prozesse simulieren kann, welche die Oberfläche der Erde verändern – etwa Flussläufe und die Folgen von Hochwassern. Mit der Box lassen sich verschiedene Talquerschnitte modellieren und der sich daraus ergebende Wasserabfluss und die Erosion messen. Mithilfe einer 3D-Kamera und eines Beamers ist es außerdem möglich, Veränderungen der Höhenlinien in Echtzeit darzustellen.

Schnell reagieren und handeln

Vor allem für Kinder, Jugendliche und Junggebliebene geht es in einem Bewegungsexperiment des Sportzentrums um Schnelligkeit: Wer kann an einer Wand aufleuchtende Lichtpunkte so schnell wie möglich erkennen und berühren? Die „Agility-Wall“ prüft die Reaktions- und Handlungsschnelligkeit. Vergleichbare Tests werden zum Beispiel im hochklassigen Fußball und Basketball eingesetzt.

Mit der Kraft der Gedanken spielen

Die interaktive Wissensausstellung Touch Science aus dem MIND-Center lädt zum Spiel Mindball ein: Zwei Personen sitzen sich an einem Tisch gegenüber, auf dem eine Kugel liegt. Die Spieler tragen mit Sensoren besetzte Stirnbänder, die ihre Hirnaktivität messen. Die Kugel reagiert auf die Nervensignale – wer mental gelassen bleibt, gewinnt. Seine „entspannten“ Hirnströme befördern die Kugel ins Feld des Gegenübers.

Touch Science präsentiert außerdem eine 3D-Version des Spieleklassikers „Vier gewinnt“. Sie besteht aus vier Ebenen mit je 16 Vertiefungen, in die rote und weiße Kugeln gelegt werden können. Ziel ist es, auch über die Ebenen hinweg vier Kugeln der gleichen Farbe aneinanderzureihen.

Mensch tritt gegen KI an

Künstliche Intelligenz verstehen? Mit einem von Dr. Silvia Joachim aus der Informatik-Didaktik entwickelten Experimentiersatz gelingt das spielend leicht: Man kann einer KI beim maschinellen Lernen zusehen. Am Anfang des Spiels „KI gewinnt“ ist es für den Menschen noch leicht, die KI zu übertrumpfen. Das ändert sich aber, je länger die Maschine lernen kann.

Quiz zum Botanischen Garten

Ob Tropenwald, mediterrane Felsheide oder amerikanische Prärie: Die Pflanzenvielfalt im Botanischen Garten ist groß. Auf der Messe können die Besucherinnen und Besucher des Uni-Stands an einer interaktiven Stele Fragen zum Botanischen Garten beantworten. LEDs zeigen, ob die Antworten richtig sind.

Katze Q und Quantenphysik

Auf einem Tablet kann „Katze Q – ein Quanten Adventure“ gespielt werden, ein mehrfach preisgekröntes Lernspiel zur Quantenphysik für Menschen ab 11 Jahren. Entwickelt wurde es vom Würzburg-Dresdener Exzellenzcluster ct.qmat zusammen mit dem App-Designer Philipp Stollenmayer.

Über das Servicezentrum Forschung und Technologietransfer

Das Servicezentrum Forschung und Technologietransfer (SFT) der JMU informiert und unterstützt in den Bereichen Erfindungen, Patente und Lizenzen sowie bei Fragen zur unternehmerischen Selbstständigkeit und zum Technologietransfer. Es ist Anlaufstelle für Studierende, Forschende und Beschäftigte der Uni, aber auch für Unternehmen, die mit der Universität kooperieren möchten.

Ansprechperson der Uni zum Auftritt auf der Mainfranken-Messe

Saschan Korder, SFT-Erfinderberater und Patentmanager, T +49 931 31-82643, saschan.korder@ uni-wuerzburg.de

Weblink

Mainfranken-Messe Würzburg 2025 www.mainfrankenmesse.de

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 23. September 2025

Mit einer Sandbox werden Prozesse simuliert, welche die Oberfläche der Erde verändern. (Bild: Thomas Amend / Universität Würzburg)
Mit einer Sandbox werden Prozesse simuliert, welche die Oberfläche der Erde verändern. (Bild: Thomas Amend / Universität Würzburg)
Beim Mindball wird eine Kugel mit Gehirnströmen bewegt. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)
Beim Mindball wird eine Kugel mit Gehirnströmen bewegt. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)
An der Agility Wall können Besucherinnen und Besucher ihre Reaktionsschnelligkeit testen. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)
An der Agility Wall können Besucherinnen und Besucher ihre Reaktionsschnelligkeit testen. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)
Das Handygame über die KatzeQ macht die Quantenphysik spielerisch zugänglich. (Bild: Philipp Stollenmeyer)
Das Handygame über die KatzeQ macht die Quantenphysik spielerisch zugänglich. (Bild: Philipp Stollenmeyer)
Der Spieleklassiker „Vier gewinnt“ kann in einer dreidimensionalen Variante gespielt werden. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)
Der Spieleklassiker „Vier gewinnt“ kann in einer dreidimensionalen Variante gespielt werden. (Bild: Rosalinde Baunach / Universität Würzburg)