Aktuelle Pressemitteilungen

Tag der offenen Tür in der geriatrischen Tagesklinik

Das Zentrum für Altersmedizin des Uniklinikums Würzburg lädt am 5. Mai dieses Jahres alle Interessierten zu einem Tag der offenen Tür in seine geriatrische Tagesklinik ein.

 

Im Hintergrund das Gebäude Zentrum für Altersmedizin. Im Vordergrund großes Schild mit der Bezeichnung für das ZAM.
Das Zentrum für Altersmedizin des Uniklinikums Würzburg stellt am 5. Mai dieses Jahres bei einem Tag der offenen Tür seine Tagesklinik vor. © Stefan Dreising / UKW

Würzburg. Das Zentrum für Altersmedizin (ZAM) des Uniklinikums Würzburg (UKW) in der Kantstraße 45 umfasst neben einem stationären Bereich auch eine teilstationäre Tagesklinik. Deren Struktur, Ziele und Angebote werden am Dienstag, 5. Mai 2026, bei einem Tag der offenen Tür vorgestellt. 

„Es gibt viele Seniorinnen und Senioren, die von einer strukturierten Therapie profitieren würden, ohne eine vollstationäre Aufnahme zu benötigen. Unsere Tagesklinik schließt genau diese Versorgungslücke“, schildert Dr. Kathrin Tatschner, die Leiterin des ZAM am Standort Kantstraße. Die Einrichtung ermöglicht nach ihren Worten eine intensive, ganzheitliche Behandlung durch Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Pflegekräfte, während die Patientinnen und Patienten weiterhin in ihrem häuslichen Umfeld bleiben können.

Selbstständigkeit und Lebensqualität wiederherstellen

„Das Hauptziel der geriatrischen Tagesklinik besteht darin, die Selbstständigkeit und Lebensqualität älterer Menschen zu erhalten oder wiederherzustellen“, verdeutlicht Tatschner. Darüber hinaus sollen Krankenhausaufenthalte vermieden oder verkürzt werden. Patientinnen und Patienten, die nach einer akuten Erkrankung noch nicht vollständig rehabilitiert sind, können in der Tagesklinik weiter behandelt werden, ohne dass eine stationäre Pflege erforderlich ist.

Vorträge und Führungen in der Tagesklinik

Beim Tag der offenen Tür in der Tagesklinik erklären Expertinnen und Experten zwischen 9:00 und 10:00 Uhr in Vorträgen, welche Voraussetzungen für eine Behandlung erfüllt sein sollten und wie der Therapiealltag aussieht. Anschließend haben die Besucherinnen und Besucher bis 11:00 Uhr Gelegenheit, bei Führungen die Räume der Tagesklinik kennenzulernen.

Für die Teilnahme ist eine Anmeldung unter Tel. 0931/201-75010 oder E-Mail: Combee_E@ ukw.de wichtig.

Die kostenlose Veranstaltung in der Tagesklinik ist Teil der Seniorenwochen, die das Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg in Kooperation mit dem Landratsamt, der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege und den Senioreneinrichtungen des Landkreises Würzburg veranstaltet.

Text: Pressestelle / UKW
 

Im Hintergrund das Gebäude Zentrum für Altersmedizin. Im Vordergrund großes Schild mit der Bezeichnung für das ZAM.
Das Zentrum für Altersmedizin des Uniklinikums Würzburg stellt am 5. Mai dieses Jahres bei einem Tag der offenen Tür seine Tagesklinik vor. © Stefan Dreising / UKW

Aus Erfahrung wird Fortschritt: Betroffene verbessern die Krebsforschung in Bayern
PEP-Mitglieder die in einem Treppenhaus sich auf verschiedenen Stufen stehen.
Copyright: TUM Klinikum München/Kathrin Czoppelt

Erlangen, 22.04.2026 Seit zwei Jahren geben Patientinnen, Patienten und Angehörige der Krebsforschung in Bayern eine starke Stimme: Im Patienten-Experten-Pool (PEP) des BZKF bringen sie ihre Erfahrungen ein, damit Forschung und Versorgung konsequent an den Bedürfnissen der Betroffenen ausgerichtet werden.

Der Patienten-Experten-Pool (PEP) des BZKF wächst kontinuierlich und vereint inzwischen mehr als 90 engagierte Mitglieder. Menschen unterschiedlicher Altersgruppen, Geschlechter und Hintergründe bringen ihre Erfahrungen ein und tragen dazu bei, dass vielfältige Perspektiven systematisch in Forschung und Kommunikation des BZKF einfließen. Neu ist seit 2026: Der Austausch zwischen Forschenden und PEP-Mitgliedern beginnt bereits in der frühen Phase der Antragstellung – noch bevor Projekte starten. So wird die Sicht der Betroffenen von Anfang an berücksichtigt, Rückfragen können direkt geklärt und Impulse unmittelbar in die Projektplanung integriert werden. Der persönliche Dialog wird von beiden Seiten als konstruktiv und gewinnbringend erlebt:

„Das Gespräch mit dem PEP-Mitglied hat meine Forschung und den dazugehörenden Förderantrag sehr unterstützt und mir bestätigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Anmerkungen konnte ich gezielt in die Ausarbeitung einfließen lassen und so insbesondere die Umsetzung meiner Forschungsidee weiter präzisieren und verbessern“, bestätigt PD Dr. Maike Buchner, Forscherin und Antragstellerin vom TUM Klinikum München.

Auch aus Sicht der PEP-Mitglieder zeigt sich der Nutzen der Beratung deutlich: „Ich habe das Gefühl, dass ich mich hier wirklich aktiv einbringen kann – meine Erfahrungen fließen direkt in die Forschung ein. So kann ich dazu beitragen, sie zu verbessern und am Ende anderen Patientinnen und Patienten ganz konkret helfen“, so Beate Janusch, Patientin und Mitglied des PEP.

Zur fachlichen Weiterbildung bietet das BZKF den Mitgliedern des Patienten-Experten-Pools (PEP) regelmäßig Online- und Präsenztreffen an. Dort erhalten sie Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte, können ihr Wissen gezielt erweitern und sich aktiv mit Forschenden austauschen. Gleichzeitig stärkt dieser kontinuierliche Dialog die Vernetzung innerhalb des Pools und motiviert dazu, die eigene Perspektive noch wirkungsvoller in Forschung und Versorgung einzubringen. Der Patienten-Experten-Pool (PEP) verdeutlicht, wie die strukturierte Einbindung von Betroffenen dazu beitragen kann, Krebsforschung und -versorgung konsequent an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten auszurichten.

Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF) 

Das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) verfolgt das Ziel, allen Bürgerinnen und Bürgern in Bayern, ganz unabhängig von ihrem Wohnort, Zugang zu bestmöglichen und innovativen Therapien zu ermöglichen. Mit dem Zusammenschluss der sechs bayerischen Universitätsklinika und Universitäten in Augsburg, Erlangen, den zwei Standorten in München, Regensburg und Würzburg wird nicht nur die Krebsforschung gefördert, sondern auch Kompetenzen und Wissen zu den Themen Früherkennung, Therapie und Nachsorge von Tumorerkrankungen gebündelt und zugleich Betroffenen eine flächendeckende und interdisziplinäre Versorgung angeboten. Das BürgerTelefonKrebs des BZKF bietet unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 85 100 80 eine unkomplizierte Möglichkeit, sich individuell zu allen Fragen bezüglich einer Krebserkrankung beraten zu lassen. Weitere Infos: www.bzkf.de 

 

Pressemitteilung des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) vom 22.04.2026

 

PEP-Mitglieder die in einem Treppenhaus sich auf verschiedenen Stufen stehen.
Copyright: TUM Klinikum München/Kathrin Czoppelt

Drei neue Notärzte für die Luftrettung: Verstärkung für Christoph 18

Mit den drei neu qualifizierten Notärzten trägt das Universitätsklinikum Würzburg weiter zur Verbesserung der notfallmedizinischen Versorgung in Unterfranken bei.

Von links: Dr. Christopher Lorenz, Dr. Michael Schultheiß und Dr. Katharina Schäfer während der ADAC-HEMS Academy im Rahmen der Ausbildung zum Notarzt in der Luftrettung. Ein besonderes Highlight: der voll ausgestattete Simulations-Rettungshubschrauber, der realitätsnahes Training auf höchstem Niveau ermöglicht. Foto: ADAC
Von links: Dr. Christopher Lorenz, Dr. Michael Schultheiß und Dr. Katharina Schäfer während der ADAC-HEMS Academy im Rahmen der Ausbildung zum Notarzt in der Luftrettung. Ein besonderes Highlight: der voll ausgestattete Simulations-Rettungshubschrauber, der realitätsnahes Training auf höchstem Niveau ermöglicht. Foto: ADAC

Würzburg. Wenn jede Minute zählt, braucht es Teams, die unter höchstem Druck präzise Entscheidungen treffen – medizinisch wie organisatorisch. Die erfolgreiche Qualifikation von Dr. Katharina Schäfer, Dr. Christopher Lorenz und Dr. Michael Schultheiß aus der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie unterstreicht die hohe Expertise des Universitätsklinikums Würzburg in der präklinischen Notfallversorgung.

Anspruchsvolle Auswahl – gezielte Ausbildung

Der Weg in die Luftrettung ist anspruchsvoll. Neben der erforderlichen Facharztanerkennung für Anästhesiologie müssen Bewerberinnen und Bewerber umfangreiche Erfahrung in der Versorgung von Schwerverletzten und kritisch kranken Patienten mitbringen – einschließlich Expertise in der Kinderanästhesie. Doch fachliche Qualifikation allein reicht nicht aus: Gefordert sind ebenso ausgeprägte nicht-technische Fähigkeiten wie Teamführung, Entscheidungsstärke und Kommunikation unter Stress.

Das Auswahlverfahren ist entsprechend komplex und umfasst ein strukturiertes Assessment. Darauf aufbauend folgt eine spezialisierte Ausbildung, unter anderem an der ADAC HEMS-Academy in Oberpfaffenhofen sowie mehreren Einsatztagen in der Luftrettung unter Supervision erfahrener Kollegen. „Die Kombination aus medizinischer Exzellenz, fliegerischem Umfeld und Teamarbeit stellt höchste Anforderungen an unsere Notärztinnen und Notärzte – genau darauf bereiten wir sie gezielt vor“, betont Dr. Daniel Werner, Regionalleiter Süd der ADAC Luftrettung.

Christoph 18 – Hochleistung in der Notfallmedizin

Der Rettungshubschrauber Christoph 18 gehört zu den einsatzstärksten Luftrettungsmitteln in Deutschland. Betrieben durch den ADAC, versorgt er ein großes Einzugsgebiet in Unterfranken und darüber hinaus. Ein hoher Anteil der Einsätze betrifft Schwerverletzte und kritisch erkrankte Patientinnen und Patienten. Ein Großteil dieser Patienten wird im Universitätsklinikum Würzburg als überregionales Traumazentrum weiterbehandelt – ein Beispiel für die enge Verzahnung von Präklinik und Klinik. Die notärztliche Besetzung erfolgt gemeinsam durch die Abteilung der Anästhesiologie der Main-Klinik Ochsenfurt und die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg. Die ärztliche Leitung der Luftrettungsstation Christoph 18 liegt bei Dr. Jan Hentschel (Main-Klinik Ochsenfurt), die stellvertretende Leitung bei PD Dr. Maximilian Kippnich (Universitätsklinikum Würzburg).

Notfallmedizin als Kernkompetenz

Die Ausbildung und kontinuierliche Weiterentwicklung notfallmedizinischer Kompetenzen ist ein zentraler Bestandteil der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Die enge Verbindung von klinischer Spitzenmedizin, Simulation und präklinischer Erfahrung bildet die Grundlage für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung – am Boden wie in der Luft. „Notfallmedizin gehört zum Selbstverständnis der Anästhesiologie – fachlich wie strukturell“, erklärt Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg.

Mit den drei neu qualifizierten Notärzten trägt das Universitätsklinikum Würzburg weiter zur Verbesserung der notfallmedizinischen Versorgung in Unterfranken bei: Exzellente Ausbildung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und höchste medizinische Standards sichern die Versorgung von Patientinnen und Patienten auch unter extremen Bedingungen. 

Von links: Dr. Christopher Lorenz, Dr. Michael Schultheiß und Dr. Katharina Schäfer während der ADAC-HEMS Academy im Rahmen der Ausbildung zum Notarzt in der Luftrettung. Ein besonderes Highlight: der voll ausgestattete Simulations-Rettungshubschrauber, der realitätsnahes Training auf höchstem Niveau ermöglicht. Foto: ADAC
Von links: Dr. Christopher Lorenz, Dr. Michael Schultheiß und Dr. Katharina Schäfer während der ADAC-HEMS Academy im Rahmen der Ausbildung zum Notarzt in der Luftrettung. Ein besonderes Highlight: der voll ausgestattete Simulations-Rettungshubschrauber, der realitätsnahes Training auf höchstem Niveau ermöglicht. Foto: ADAC

Medizin der Zukunft: CAR-T-Zelltherapie auf der MS Wissenschaft

Forschende aus Würzburg und Leipzig steuern ein interaktives Exponat zum Ausstellungsschiff MS Wissenschaft bei. Damit rücken sie eine innovative Immuntherapie gegen Krebs in den Mittelpunkt.

 

Das Boot mit schwarzem Rumpf fährt auf einem Fluss durch eine grüne Landschaft
Am 7. Mai 2026 startet die MS Wissenschaft ihre neue Tour zum Thema "Medizin der Zukunft". Mit dabei ist ein Würzburg-Leipziger Exponat. (Bild: Gabriel Kienast / Wissenschaft im Dialog / CC BY-SA 4.0)

Auf der MS Wissenschaft dreht sich im Jahr 2026 alles um die Frage, wie Personalisierung, Prävention und neue Technologien die Medizin der Zukunft prägen. Das Schiff startet seine Tour am 7. Mai in Berlin. In Würzburg legt es vom 8. bis 11. September 2026 am Viehmarktplatz an.

Wie Therapien mit CAR-T-Zellen funktionieren

Zu den innovativen medizinischen Ansätzen, die auf dem Schiff gezeigt werden, gehören auch Immuntherapien gegen Krebs:

„Mit unserem Exponat wollen wir den Besucherinnen und Besuchern die Funktionsweise der CAR-T-Zelltherapie anschaulich vermitteln“, erklärt Professor Michael Hudecek. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Leiter der Außenstelle Würzburg des Leipziger Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie.

Bei der CAR-T-Zelltherapie werden körpereigene Immunzellen so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und gezielt bekämpfen – ein Beispiel für die innovativen Behandlungsmethoden, die am Würzburger Uniklinikum entwickelt werden.

Innovative Therapie wird in einem Spiel greifbar

Das Exponat ist eines von rund 30 Ausstellungsstücken auf dem Schiff. Auf einem großen Touchtable können die Ausstellungsgäste in einem Drag-and-Drop-Spiel eigene CAR-T-Zellen zusammenbauen. Mit dem passenden Rezeptor, dem CAR, können sie Immunzellen eine „Superkraft“ verleihen, um Krebszellen gezielt zu zerstören.

„Wir wollen damit eine komplexe und zugleich vielversprechende Krebstherapie verständlich machen und das Bewusstsein für ihre Chancen und Grenzen in der Öffentlichkeit stärken“, sagt Michael Hudecek. Sein Lehrstuhl hat das Spiel gemeinsam mit der Games Engineering Group des Lehrstuhls für Human-Computer Interaction der Uni Würzburg unter der Leitung von Professor Sebastian von Mammen konzipiert.

UKW-Vorstand: Innovative Diagnostik und Therapie

„Mit unserer Forschung prägen wir die Medizin der Zukunft – von innovativen Diagnostikverfahren bis hin zu neuartigen, personalisierten Therapieansätzen. Wir freuen uns, auf der MS Wissenschaft einen offenen Austausch darüber anstoßen zu können“, sagt Professor Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKW.

JMU-Präsident: Dialog mit der Gesellschaft stärken

Auch die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) nimmt das Wissenschaftsjahr zur „Medizin der Zukunft“ als Anlass, ihre Kompetenzen in Forschung und Lehre herauszustellen: „Die Beteiligung am Wissenschaftsjahr ist Ausdruck unseres Selbstverständnisses, wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden und den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zu stärken“, betont JMU-Präsident Paul Pauli.

Förderer: Das Würzburg-Leipziger Exponat für die MS Wissenschaft wird unterstützt vom Comprehensive Cancer Center Allianz WERA (CCC WERA), dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA, der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp, PlasmidFactory GmbH, Miltenyi Biotec und Johnson & Johnson.

Die MS Wissenschaft

Die 2026er-Route der MS Wissenschaft führt das 100 Meter lange Binnenfrachtschiff von Berlin zunächst nach Polen, anschließend durch Deutschland und Österreich. Insgesamt läuft das Schiff rund 35 Städte an. Der Eintritt ist frei.

Jedes Jahr besuchen etwa 100.000 Menschen die Ausstellung, darunter viele Schulklassen und Familien. Die MS Wissenschaft wird realisiert von der Wissenschaft im Dialog gGmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Das Wissenschaftsjahr 2026

Die Tour des Schiffes findet im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2026 statt, das unter dem Motto „Medizin der Zukunft“ steht. Die Wissenschaftsjahre des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt bringen Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch – über bundesweite Ausstellungen, Schulprojekte, Bürgerdialoge und Events.

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 21. April 2026

Das Boot mit schwarzem Rumpf fährt auf einem Fluss durch eine grüne Landschaft
Am 7. Mai 2026 startet die MS Wissenschaft ihre neue Tour zum Thema "Medizin der Zukunft". Mit dabei ist ein Würzburg-Leipziger Exponat. (Bild: Gabriel Kienast / Wissenschaft im Dialog / CC BY-SA 4.0)

Eingebaute „Haarnadelstruktur“ verhindert unerwünschte CRISPR-RNAs

Forschungsteam unter Federführung des HIRI entdeckt Optimierungsmechanismus in CRISPR-Cas13-System

 

Bakterien nutzen CRISPR-Cas-Systeme, um sich vor angreifenden Phagen zu schützen. Stockbild eines Phagenangriffs.
Bakterien nutzen CRISPR-Cas-Systeme, um sich vor angreifenden Phagen zu schützen. Stockbild eines Phagenangriffs.

Als vielversprechendes Werkzeug in der Genom-Editierung steht die Genschere CRISPR-Cas seit Längerem im Fokus der Forschung. Der Schwerpunkt lag dabei jedoch auf den grundlegenden Wirkmechanismen und Nukleasen. Es gibt hingegen kaum Arbeiten darüber, wie sich CRISPR-Cas-Systeme im Laufe der Evolution entwickelt und optimiert haben. Ein Forschungsteam des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in Würzburg hat in Zusammenarbeit mit den Universitäten Leipzig, Freiburg und Michigan (USA) einen Optimierungsmechanismus im CRISPR-Cas13-System näher beleuchtet, der Rückschlüsse auf die Evolution der Systeme gibt. Die Ergebnisse sind jüngst im Fachmagazin EMBO Journal erschienen.

CRISPR-Cas-Systeme sind die einzigen bekannten adaptiven Immunabwehrsysteme in Bakterien. Sie besitzen die Fähigkeit, genetische Informationen von angreifenden Phagen – Viren, die Bakterien befallen – zu speichern, um zukünftige Infektionen zu bekämpfen. In sogenannten CRISPR-Arrays, also DNA-Sequenzen, wird ein DNA-Schnipsel des Angreifers zwischen zwei festen Sequenzwiederholungen archiviert. Jeder dieser Virus-Schnipsel führt zur Bildung einer CRISPR-Ribonukleinsäure, kurz crRNA (von engl. CRISPR ribonucleic acid), die das System anleitet, denselben Eindringling bei einem erneuten Angriff zu erkennen.

Der zugrunde liegende Mechanismus ist komplex und besteht aus mehreren Komponenten, die gleichzeitig zusammenarbeiten und sich dabei auch gegenseitig beeinflussen können. Ein Beispiel: Damit ein CRISPR-Array gespeichert und korrekt verarbeitet werden kann, muss es mit einer Wiederholungssequenz beginnen und enden. In der Folge entsteht an einem Ende des Strangs eine zusätzliche Wiederholung ohne zugehörigen „Virenschnipsel“. Auch diese wird in eine CRISPR-RNA umgesetzt, allerdings fehlt ihr eine passende Zielsequenz. „Die daraus resultierende CRISPR-RNA, bekannt als ecrRNA (von engl. extraneous CRISPR RNA), ist im besten Fall überflüssig. Schlimmstenfalls lenkt sie die CRISPR-Maschinerien ab und hindert sie daran, nach infizierenden Viren zu suchen“, sagt Chase Beisel, affiliierter Abteilungsleiter am HIRI und Fakultätsmitglied am Botnar Institute of Immune Engineering im schweizerischen Basel. Er hat die Forschungsarbeit, die jüngst in der Fachzeitschrift EMBO Journal erschienen ist, initiiert.

Doch die Natur weiß sich zu helfen: In einer zuvor veröffentlichten Studie in Nature Microbiology aus dem Jahr 2022 hatte ein Team unter Beteiligung von Beisel gezeigt, dass eine Art von CRISPR-Cas-Systemen, die die Nuklease Cas9 zum Schneiden nutzen, durch eine zusätzliche RNA stromaufwärts der problematischen Wiederholung verhindern können, dass sich ecrRNAs bilden. „Die RNA bindet sich an die erste Wiederholung und sorgt dafür, dass diese nicht von der CRISPR-Maschinerie erkannt wird“, erklärt Beisel.

Lange war jedoch unklar, ob auch andere CRISPR-Cas-Systeme von jener Lösung Gebrauch machen. Forschende am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), einem Standort des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Kooperation mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), haben gemeinsam mit Wissenschaftler:innen der Universitäten Leipzig, Freiburg und Michigan in den USA untersucht, ob CRISPR-Cas13-Systeme – die wenig Ähnlichkeit mit CRISPR-Cas9-Systemen aufweisen – ecrRNAs produzieren und, falls ja, wie sie diesen entgegenwirken.

Eine systemübergreifende Lösung

„Wir konnten herausfinden, dass viele CRISPR-Cas13-Systeme ebenfalls über RNA verhindern, dass sich ecrRNAs bilden“, sagt Angela Migur, ehemalige Postdoktorandin im Labor von Chase Beisel. Die schützende RNA formt in der ersten Wiederholung eine stabile Struktur, die einer Haarnadelstruktur ähnelt. Diese verhindert, dass sich die Cas13-Nuklease an die Wiederholung binden, sie verarbeiten und so eine ecrRNA herstellen kann. „Das Auftreten der ‚Haarnadel‘ war unerwartet, da sich CRISPR-Cas9- und CRISPR-Cas13-Systeme unabhängig voneinander entwickelt haben und sehr unterschiedlich funktionieren“, fügt Migur hinzu. „Überraschenderweise waren die Mechanismen, die die ecrRNA-Bildung verhinderten, allerdings sehr ähnlich.“

Diese Beobachtungen deuten auf einen bemerkenswerten Fall konvergenter Evolution hin: Verschiedene CRISPR-Cas-Systeme haben unabhängig voneinander Mechanismen entwickelt, um gemeinsame Hürden in der Immunabwehr zu überwinden.

Das Team konnte außerdem feststellen, dass nicht alle CRISPR-Cas-Systeme auf eine solche schützende RNA zurückgreifen. Ausschlaggebend war dabei, ob die zusätzliche Wiederholung am Anfang oder am Ende des CRISPR-Arrays auftrat. Diese Beobachtung deutet darauf hin, dass es noch weitere unterschiedliche Strategien zu entdecken gibt, welche die Wirkweise von CRISPR-Cas-Systemen verbessern.

Neue Forschungsperspektiven

Cas13-Nukleasen werden heute häufig als Forschungswerkzeuge sowie als nicht permanente Methode zur Geneditierung auf RNA-Ebene eingesetzt. Die neue Entdeckung des Forschungsteams könnte dazu beitragen, diese Systeme besser nutzbar zu machen, indem sichergestellt wird, dass ausschließlich die beabsichtigten CRISPR-RNAs gebildet werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die virale Abwehr durch das CRISPR-Cas-System mithilfe von ecrRNAs zu hemmen, wodurch sich das genetische Werkzeug leichter kontrollieren lässt.

Die Forschung hat zwar bereits enorme Anstrengungen unternommen, um neue CRISPR-Cas-Systeme zu charakterisieren. Dabei konzentrierte man sich allerdings vor allem auf die grundlegenden Mechanismen der adaptiven Immunität, insbesondere auf die Eigenschaften der jeweiligen Nukleasen. Jedoch ist bislang kaum untersucht, wie die einzelnen Komponenten dieser Systeme optimal aufeinander abgestimmt sind, um ihr Zusammenspiel möglichst effizient zu gestalten. In dieser Arbeit wurde ein Schwachpunkt des Prinzips der CRISPR-Arrays aufgedeckt, der sich aber leicht durch eine einfache Haarnadel-RNA beheben lässt. „Wir hoffen, dass unsere Arbeit die Forschungsgemeinschaft dazu anregt, die Einschränkungen von CRISPR-Cas-Systemen und anderen bakteriellen Abwehrmechanismen intensiver zu untersuchen. Zugleich gilt es zu klären, welche Strategien diese Systeme entwickelt haben, um solche Hürden möglichst effektiv zu überwinden“, so Beisel.

Förderung

Die Studie wurde im Rahmen des Schwerpunktprogramms SPP 2141 der Deutschen Forschungsgemeinschaft, durch einen Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats und Fördermittel der US-amerikanischen National Institutes of Health und der und der National Science Foundation unterstützt.

Originalpublikation

Migur A, Feussner M, Liao C, Alkhnbashi OS, Chauvier A, Walter NG, Backofen R, Weinberg Z, Beisel CL (2026) A leader-repeat hairpin blocks extraneous CRISPR RNA production in diverse CRISPR-Cas13 systems. EMBO Journal, DOI: 10.1038/s44318-026-00769-1  

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 21. April 2026 
Pressemitteilung HZI Helmholtz - Zentrum für Infektionsforschung vom 14.04.2026
 

Bakterien nutzen CRISPR-Cas-Systeme, um sich vor angreifenden Phagen zu schützen. Stockbild eines Phagenangriffs.
Bakterien nutzen CRISPR-Cas-Systeme, um sich vor angreifenden Phagen zu schützen. Stockbild eines Phagenangriffs.

Gesundheitsmagazin UNI.KLINIK: Herzchirurgie durchs Schlüsselloch

Das Würzburger Gesundheitsmagazin UNI.KLINIK widmet sich im Titelthema seiner Ausgabe 1/2026 der Herz-Thorax-Chirurgie. Dabei wird unter anderem deutlich, dass heute viele Eingriffe am Herzen minimalinvasiv erfolgen können.

 

Titelbild Uniklinik Ausgabe 01_2026. Zwei Ärztinnen und ein Arzt schauen auf einem Ultraschallbildschirm.
Uniklinik Ausgabe 01_2026-Titelbild.jpg, © UKW

Würzburg. UNI.KLINIK ist ein vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW) zweimal jährlich herausgegebenes, kostenloses Gesundheitsmagazin. Topthema der kürzlich erschienenen Ausgabe 1/2026 ist das Leistungsspektrum der von Prof. Dr. Gloria Färber geleiteten Klinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie. Neben der komplexen Behandlung von Not- und Spezialfällen gehören dazu viele Routineeingriffe, die sich häufig über einen kleinen Zugang minimalinvasiv durchführen lassen. Außerdem wird am UKW kontinuierlich an einem noch besseren Verständnis von Krankheitsmechanismen und optimierten Therapien geforscht.

Darüber hinaus liefert das 24-seitige Magazin weiteres Wissenswertes aus der Welt der Universitätsmedizin, wie zum Beispiel: Wie finden Krebserkrankte passende klinische Studien? Wie lassen sich Unfälle im Säuglings- und Kindesalter vermeiden – und wie reagiert man im Notfall richtig? Welche Behandlungsmethoden stehen bei einer gutartigen Prostatavergrößerung zur Verfügung? Wie erkennt man eine Altersbedingte Makuladegeneration und wie kann die verbreitete Augenerkrankung therapiert werden? Warum erprobt die Hautklinik des UKW derzeit einen Roboterhund? Hinzu kommen Tipps zu anstehenden Informationsveranstaltungen und Einladungen zur Teilnahme an laufenden Studien.

Neben den gedruckten Exemplaren, die an vielen öffentlich zugänglichen Stellen am Klinikum zum Mitnehmen ausliegen, gibt es UNI.KLINIK auch als Webmagazin und als PDF unter www.ukw.de/medien-kontakt/presse/magazine 

Text: Pressestelle / UKW
 

Titelbild Uniklinik Ausgabe 01_2026. Zwei Ärztinnen und ein Arzt schauen auf einem Ultraschallbildschirm.
Uniklinik Ausgabe 01_2026-Titelbild.jpg, © UKW

"Es gibt kein Grundrecht auf TikTok"

Marcel Romanos über die Zunahme psychischer Krisen bei Kindern

Porträtfoto von Marcel Romanos im dunkeln Anzug und mit dunkler Krawatte im Flur des Zentrums für Psychische Gesundheit
Prof. Dr. Marcel Romanos ist Klinikdirektor der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKW, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und Kongresspräsident.

Die psychische Gesundheit von Kindern ist unter Druck. Marcel Romanos fordert strengere Regeln für Social Media, inklusive eines Verbots für Unter-14-Jährige, um sie vor Sucht und Cybergrooming zu schützen. Ein Interview von Daniel Staffen-Quandt (epd) mit dem Klinikdirektor der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKW anlässlich des Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP). Marcel Romanos ist stellvertretender Präsident der DGKJP und Kongresspräsident. 

Würzburg (epd). Die psychische Verfassung der jungen Menschen hierzulande ist besorgniserregend. Trotz einer Verdreifachung der Zahl der Fachärzte seit dem Jahr 2000 steigt die Belastung von Kindern und Jugendlichen stetig an - ein Trend, der sich nach der Corona-Pandemie verfestigt hat. Marcel Romanos, Klinikdirektor der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Würzburg, sieht in den Krisen der Welt und in der Digitalisierung Gründe dafür. Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) befasst sich unter der Überschrift «Entwicklungsaufgaben: Kind - Versorgung - Gesellschaft» vom 22. bis 25. April in Würzburg ebenfalls mit dem Themenkomplex.

Wie ist es um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen bei psychischen Problemen oder Erkrankungen hierzulande bestellt? Gibt es wirklich eine Unterversorgung?

Wenn man es positiv betrachtet, haben wir in den vergangenen 25 Jahren in Deutschland eine flächendeckende ambulante und stationäre kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung etablieren können. Es gibt natürlich immer mal wieder Lücken, aber wir haben die Zahl der Fachärztinnen und Fachärzte seit dem Jahr 2000 in Deutschland verdreifacht. Auch die psychotherapeutische Versorgung hat sich verbessert. Wir sehen aber auf der anderen Seite, dass die Inanspruchnahme deutlich gestiegen ist. Und auch die schwere der Erkrankungen nimmt zu - das zeigt sich etwa an der hohen Zahl an Notfallvorstellungen, also stark belastete Kinder und Jugendliche, bei denen es um eine Selbst- oder Fremdgefährdung geht.

Die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in,Deutschland befindet sich also in einer Art «Abwärtstrend»? Wie ist es dazu gekommen?

Was wir national und international sehen, ist, dass diemBelastungen tatsächlich hochgehen. Diese sind während der,Corona-Pandemie dramatisch gestiegen, haben sich aber auch danachmnicht wieder auf das vorherige Niveau eingependelt. Weshalb das somist, dazu gibt es vielfältige Überlegungen. Wir leben in Zeiten großer Unsicherheiten: zum einen die wirtschaftliche Entwicklung, die politische Weltlage, Kriege auf europäischem Boden, die Klimakrise. Diese Unsicherheiten erfassen auch Kinder und Jugendliche. Ein anderer Grund, den wir noch überhaupt nicht gut im Griff haben, ist der Einfluss von Social Media.

Krisen gab es aber schon immer, aber dieses «unbeschwertenKindsein» scheint heutzutage schwerer, weil Medien dauerhaft auf einen einströmen. Ist das ein zentraler Aspekt?

Ja. Digitale Medien können positive Aspekte haben, aber wir sehen, dass Social Media bei Kindern und Jugendlichen deutlich mehr Probleme macht, als dass es Nutzen bringt. Ein Punkt sind die Inhalte: Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten oder Suizidalität können Kinder emotional beeinträchtigen. Wenn sie einmal in Social Media damit in Kontakt kommen, füttert der Algorithmus sie kontinuierlich mit negativen Inhalten, wodurch Kinder tatsächlich krank werden können. Auf der anderen Seite haben wir ein Verhaltensproblem: Neuen Studien zufolge zeigt bereits ein Viertel der Kinder in Deutschland ein Konsummuster bei Social Media, das sie zur Suchtverhalten-Risikogruppe macht. Sie stehen kurz vor einer klinischen Diagnose.

Dient Social Media dann als eine Art digitale Einstiegsdroge - oder anders gefragt: Welche Kinder und Jugendliche sind von Social Media am Ende besonders suchtgefährdet?

Wir wissen, dass beispielsweise Kinder mit ADHS, traumatischen Erlebnissen oder Angsterkrankungen eine höhere Suchtgefahr haben. Jedes Kind, das eine psychische Erkrankung entwickelt, hat ein deutlich höheres Risiko, eine weitere Pathologie zu entwickeln, also auch eine Suchterkrankung. Wir haben als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Kinder vor schädlichen Inhalten und Nutzungsmustern, aber auch vor kriminellen Phänomenen wie Cybergrooming zu schützen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass 25 Prozent der Kinder mit Social-Media-Zugang sagen, schon einmal von fremden Erwachsenen zu einem «echten» Treffen aufgefordert worden zu sein. Jedes fünfte Kind sollte zudem schon einmal Bilder von sich an Fremde schicken. Das können wir nicht ignorieren! Wir müssen Kinderschutz im Netz genauso ernst nehmen wie in Schulen oder Vereinen. 

Für viele Eltern ist es unglaublich schwer, konsequent Grenzen bei der Nutzung digitaler Angebote zu setzen. Wären klare Altersgrenzen, etwa ab 16 Jahren, sinnvoller?

Das ist ein wichtiger Punkt, denn es gibt kein Grundrecht auf TikTok. Viele Eltern haben Schwierigkeiten, sich pädagogisch durchzusetzen, und fühlen sich dabei ineffizient und überfordert. Wir sind uns sicher, dass normative Vorgaben wie Verbote und Altersgrenzen von vielen Eltern willkommen geheißen würden, weil sie dadurch entlastet werden. Viele Fachleute und auch ich persönlich unterstützen solche Verstöße! Die DGKJP hat eine ganz klare fachliche Empfehlung zu dem Thema abgegeben und ist damit an die Politik herangetreten: Vor dem 14. Lebensjahr sollte Social Media für Kinder und Jugendliche überhaupt nicht zugänglich sein.

Zählen dazu auch Messengerdienste wie WhatsApp?

Ich will gar nicht über einzelne Messenger reden. Es gibt da einen Konflikt, weil Eltern ihre Kinder oft rund um die Uhr erreichen wollen. Wir empfehlen aber auch, dass es in Schulen keine privaten Geräte geben sollte. Wenn im Unterricht Geräte benötigt werden, um dort etwa Medienkompetenz zu lernen, sollten das Schulgeräte sein, die engmaschig kontrolliert werden. Bei offenen Plattformen gibt es einfach zu viele Gefahren, die man nicht ignorieren kann. (0000/19.04.2026)

Informationen  zum Kongress unter: https://www.dgkjp.de/kongress-und-veranstaltungen/dgkjp-kongress/

Porträtfoto von Marcel Romanos im dunkeln Anzug und mit dunkler Krawatte im Flur des Zentrums für Psychische Gesundheit
Prof. Dr. Marcel Romanos ist Klinikdirektor der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKW, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und Kongresspräsident.