Aktuelle Pressemitteilungen

Ein Jahr BürgerTelefonKrebs am Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF)

Seit Juli 2020 können sich Bürger*innen unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 85 100 80 individuell zu allen Fragen bezüglich einer Krebserkrankung beraten lassen. Das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) bietet mit diesem kostenfreien Telefonservice allen Betroffenen, Angehörigen, Freund*innen und Bekannten, an der Behandlung beteiligten weiteren Berufsgruppen sowie allgemein Interessierten die Möglichkeit sich zum Thema Krebs zu informieren. Durch das BürgerTelefonKrebs stellt das BZKF den direkten Zugang zu wissenschaftlich fundierten Informationen und die Vermittlung an ein wohnortnahes Krebszentrum, den Zugang zu neuesten Therapieoptionen und die Teilnahme an klinischen Studien sicher.

 

Nach einer Krebsdiagnose gibt es viele Fragen, aber das erste ärztliche Gespräch ist dann oft schon vorbei. Damit Betroffene ebenso wie Familie und Freund*innen nicht bis zum nächsten Behandlungstermin warten müssen oder „Dr. Google“ fragen, wurde am 06. Juli 2020 das BürgerTelefonKrebs am Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) eingerichtet. Das BürgerTelefonKrebs ist ein kostenfreier Telefonservice, welcher im letzten Jahr vom BZKF etabliert wurde. Das BZKF ist ein Zusammenschluss der sechs bayerischen Universitätsklinika und vereint die fachlichen Kompetenzen der Expert*innen aus Augsburg, Erlangen, den zwei Standorten aus München, Regensburg und Würzburg. Das 13-köpfige Team des BürgerTelefonKrebs ist der direkte Kontakt an den sechs BZKF-Standorten für alle Ratsuchenden, übersetzt verständlich medizinische Fachbegriffe und berät Patient*innen sowie deren Angehörige individuell und auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet.

Mehr als 500 Ratsuchende im letzten Jahr  

Seit Juli 2020 gibt es den kostenfreien Service, der seit Beginn sehr gut angenommen wird. Mehr als 500 Patient*innen und Angehörige kontaktierten bisher das BürgerTelefonKrebs und suchten Rat. Die Anrufer*innen haben mehrheitlich Fragen zur Therapie und Diagnostik, wie zum Beispiel der Notwendigkeit einer Chemotherapie oder zum Thema Krebsnachsorge. Der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe oder der Zugang zu finanziellen Hilfen stellen ebenso wichtige Themen der Betroffenen dar. Ferner wird die Möglichkeit für eine Zweitmeinung zu Diagnosen und Therapien von einer Vielzahl der Betroffenen genutzt. Für eine fundierte Zweitmeinung, die im Rahmen einer fachübergreifenden Tumorkonferenz durch die entsprechenden Fachexpert*innen erstellt wird, werden sämtliche Befunde der Erkrankten benötigt. Hier werden die Behandlungsmöglichkeiten durch Fachärzt*innen geprüft und diskutiert. Auch hier unterstützt das Team am BürgerTelefonKrebs: „Wir rufen bei verschiedenen Stellen an und lassen uns fehlende Unterlagen zustellen. Das ist manchmal mit Detektivarbeit zu vergleichen“, erklärt Volker Davinghausen, Teil des Teams des BürgerTelefonKrebs.

Zuhören und helfen – das BürgerTelefonKrebs 

„Wir holen die Anruferinnen und Anrufer dort ab, wo Sie stehen, und helfen weiter“, erklärt Susanne Kagermeier, ausgebildete Krankenpflegerin und Ansprechpartnerin am BürgerTelefonKrebs. „Wir beantworten sämtliche Fragen von A bis Z. Dabei geht es mitunter nur um eine Fahrtkostenerstattung, aber manchmal auch um das Erklären eines Befundes. Unser Team ist im Laufe des Jahres bereits auf 13 Kolleginnen und Kollegen gewachsen und ich freue mich, dass wir bei vielen Patientinnen und Patienten Unklarheiten aus dem Weg räumen konnten und gleichzeitig Anker, Ratgeber und Lösungsanbieter waren. Es entstehen häufig sehr persönliche Gespräche, die sich zum Teil über längere Zeit parallel zu einer Therapie fortsetzen“, so Frau Kagermeier weiter. Letztlich geht es beim BürgerTelefonKrebs immer darum, den Patient*innen bestmöglich zu helfen, sie an die richtigen und wohnortnahen Krebszentren und Spezialist*innen zu vermitteln und so neue Therapieformen oder die Teilnahme an klinischen Studien zu ermöglichen. Aktuell arbeitet das BZKF weiter an einer verstärkten Präsenz in der Öffentlichkeit, um so vermehrt Bürger*innen auf das kostenfreie Angebot aufmerksam zu machen. Das BürgerTelefonKrebs stellt auch in Zukunft eine zentrale Anlaufstelle für Fragen zum Thema Krebs dar, um so die Betroffenen und deren Angehörige bei der Diagnose Krebs bestmöglich zu unterstützen.

Bayerisches Zentrum für Krebsforschung (BZKF)

Mit der Gründung des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) im November 2019 wird das große Ziel verfolgt, allen Bürger:innen in Bayern, ganz unabhängig von ihrem Wohnort, Zugang zu bestmöglichen, neusten und innovativen Therapien zu ermöglichen. Mit dem Zusammenschluss der sechs bayerischen Universitätsklinika in Augsburg, Erlangen, den zwei Standorten in München, Regensburg und Würzburg wird nicht nur die Krebsforschung gefördert, sondern auch Kompetenzen und Wissen zu den Themen Früherkennung, Therapie und Nachsorge von Tumorerkrankungen gebündelt und zugleich Betroffenen eine flächendeckende und interdisziplinäre Versorgung angeboten. „Das Ziel unseres Zentrums ist es, gemeinsam innovative Krebstherapien von der Grundlagenforschung über die präklinische Prüfung zu den Patientinnen und Patienten zu bringen“, so Prof. Mackensen, Direktor des BZKF. „Neben dem Ziel, die Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten in Bayern voranzutreiben, möchten wir uns als starkes Konsortium etablieren, das national wie international in der Krebsbekämpfung eine entscheidende Rolle spielt“, so Prof. Mackensen weiter. Weitere Informationen finden Sie unter www.bzkf.de.

Pressemitteilung des BZKF vom 01.09.2021

Würzburger Universitätsmedizin: Neue Professur für Onkologische Viszeralchirurgie

Seit Juli dieses Jahres stärkt eine neue Professur für Onkologische Viszeralchirurgie die Würzburger Universitätsmedizin bei der Therapie und Erforschung von Tumorerkrankungen im Bauchraum. Besetzt wurde sie mit Armin Wiegering.

 

Bisher gab es in Deutschland im Bereich der onkologischen Chirurgie nur zwei Professuren. Vor kurzem fügte die Würzburger Universitätsmedizin eine dritte hinzu: Mitte Juli dieses Jahres übernahm Armin Wiegering eine neu eingerichtete W2-Professur für Onkologische Viszeralchirurgie. Die Besetzung erfolgte quasi „aus den eigenen Reihen“, denn Prof. Dr. Wiegering arbeitet ansonsten als stellvertretender Direktor und leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie – kurz Chirurgische Klinik I – des Uniklinikums Würzburg. Generell ist der gesamte bisherige Karriereweg von Armin Wiegering eng mit Würzburg verknüpft. Schon sein im Jahr 2002 begonnenes Humanmedizinstudium absolvierte er an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität. Nach seiner Approbation im Jahr 2008 startete er als Assistenzarzt an der von Prof. Dr. Christoph-Thomas Germer geleiteten Chirurgischen Klinik I. „Die Chirurgie hat mich von Beginn an fasziniert. Mir gefällt die handwerklich geprägte Arbeit, die einem die erzielten Ergebnisse sofort vor Augen führt. Bezogen auf die Krebstherapie heißt das, dass man in vielen Fällen durch das fachkundige Entfernen von Tumoren die Patientinnen und Patienten wirklich heilen kann“, beschreibt Wiegering.

Auch in der Laborforschung erfolgreich


Eine zusätzliche starke Bindung an die Onkologie entwickelte er durch seine Forschungsarbeit am Institut für Biochemie und Molekularbiologie der Uni Würzburg ab dem Jahr 2010. „In der akademischen Ausbildung ist es selbstverständlich, dass man auch grundlagenwissenschaftlich arbeitet“, schildert der neue Professor und fährt fort: „Dabei hatte ich Glück, dass ich an das von Prof. Dr. Martin Eilers geführte Institut kam und mich dort einem sowohl spannenden, wie auch therapeutisch aussichtsreichen Thema widmen konnte.“ Vereinfacht gesprochen ging und geht es in seiner Grundlagenforschung darum, beim Kolonkarzinom – also beim Dickdarmkrebs – molekulare Zielstrukturen zu erkennen, aus denen sich möglichst nur auf die Tumorzellen wirkende Therapieansätze entwickeln lassen. Seit dem Jahr 2012 führt Wiegering am Institut für Biochemie und Molekularbiologie dazu eine eigene Gruppe von derzeit acht Nachwuchsforscher*innen. Gemeinsam konzentrierten sie sich auf das APC-Gen von Tumorzellen, das bei 90 Prozent aller Fälle von Dickdarmkrebs mutiert ist. „Wir wollten Gene finden, die nur für das Überleben von Zellen mit APC-Mutation wichtig sind, nicht aber für gesunde Zellen“, erklärt der Professor. Die Suche war erfolgreich. Hemmen die Forscher*innen das Gen mit dem Namen eIF2B5, dann sterben die mutierten Darmkrebszellen den sogenannten programmierten Zelltod. Gesunde Zellen dagegen verkraften die Hemmung des Gens ohne jegliche Beeinträchtigung. Von dieser Erkenntnis ausgehend will das Forschungsteam neue Behandlungsmethoden entwickeln und zudem weitere Gene untersuchen.

Klinische Forschung: Wie kommt man zum besten Behandlungsergebnis?


Bei seiner klinischen Forschung will Prof. Wiegering unter anderem durch die Auswertung großer Patientendatenbanken der Frage nachgehen, welche Faktoren dafür sorgen, dass eine Krebspatientin oder ein Krebspatient mit dem bestmöglichen Ergebnis aus einer OP hervorgeht. „Hierbei konnten wir schon in mehreren Studien zeigen, wie wichtig bei viszeralonkologischen Eingriffen die Erfahrung der behandelnden Klinik für die Überlebenschancen der Patientinnen und Patienten ist – während der Operation selbst, wie auch im weiteren Verlauf“, berichtet der Mediziner. Nach seinen Erkenntnissen sollten sich Menschen mit Darm-, Magen-, Bauchspeicheldrüsen-, Leber- oder Speiseröhrenkrebs möglichst in den entsprechenden Zentren mit hohen Behandlungszahlen und großer Erfahrung operieren lassen.

Mit hochrangigem Forschungspreis geehrt

Eine besondere Würdigung erfuhren die bisherigen wissenschaftlichen Leistungen von Prof. Wiegering im Mai dieses Jahres: Er erhielt den Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis 2020/2021. Mit diesem Award ehrt die Förderstiftung „MHH plus“ – MHH steht für Medizinische Hochschule Hannover – junge Krebsforscher*innen für ihre aktuelle wissenschaftliche Arbeit. Laut der Laudatio des Preises beeindruckte Wiegering das Kuratorium mit seiner gelebten Vision des Clinician Scientist, der vor allem in Bezug auf die Versorgungsrealität onkologischer Patient*innen den Spagat zwischen klinischem Alltag und Grundlagenforschung in einzigartiger Weise meistere. Der Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis zählt zu den höchsten Auszeichnungen für Verdienste in der Krebsforschung in Deutschland.

Breite viszeralonkologische Therapieangebote


Hinter der Einrichtung der neuen Professur steht laut Prof. Wiegering das Ziel der Universitätsmedizin, die Sichtbarkeit und Leistungsfähigkeit Würzburgs als bedeutender Standort der onkologischen Forschung und Krebstherapie weiter zu erhöhen. Die Viszeralonkologie spielt hier nach seinen Worten bereits heute eine bedeutende Rolle. Beispielsweise leitet er zusammen mit Prof. Germer unter dem Dach des Comprehensive Cancer Centers Mainfranken ein von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Viszeralonkologisches Zentrum. Hier wird Patient*innen mit Darm-, Pankreas-, Magen-, Leber- oder Speisenröhrenkrebs eine umfassende, fächerübergreifende Versorgung auf dem neuesten Stand der Wissenschaft angeboten. „Es gibt bundesweit nur fünf weitere Zentren, die in allen diesen viszeralonkologischen Bereichen zertifiziert sind“, verdeutlicht Prof. Wiegering. Besondere Würzburger Schwerpunkte mit weitem Einzugsbereich liegen auf der Behandlung von Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Eine hohe Fernwirkung besteht zudem bei multiviszeralen Eingriffen, also bei Operationen von fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, bei denen mehrere Organe betroffen sind. Und bei manchen Tumorentitäten kommen Patient*innen aus ganz Deutschland zur Therapie nach Würzburg. „Beispielsweise verfügen wir über eine bundesweite Expertise bei der Behandlung der low-grade muzinösen Neoplase der Appendix – kurz LAWN“, sagt Prof. Wiegering. Darunter versteht man seltene Tumore des Wurmfortsatzes des Blindarms, die je nach Stadium mit höchst unterschiedlichem Aufwand behandelt werden müssen. „Auch wenn die Chirurgie bei vielen Tumoren die Therapie der Wahl ist, ist der operative Eingriff häufig nur ein Teil einer komplexen Behandlung, in die viele Disziplinen eingebunden sind“, unterstreicht Prof. Wiegering. So gehört es zu seinen Aufgaben, bei der Behandlungsplanung über den chirurgischen Tellerrand hinauszuschauen und mit den jeweiligen Expert*innen – zum Beispiel für Chemo- oder Strahlentherapie – den individuell besten Ablauf festzulegen. 

 

Pressemitteilung "Würzburger Universitätsmedizin: Neue Professur für Onkologische Viszeralchirurgie" vom 31.08.2021 zum herunterladen 

Hobit macht Immunzellen zu Killern

Gegen Infektionen, Tumore und Entzündungen stehen in den Organen des Körpers lokale Immunzellen als schnelle Eingreiftruppen bereit. Vor Ort spezialisieren sie sich und übernehmen verschiedene Aufgaben.

 

Wenn Krankheitserreger in den menschlichen Körper eindringen, ist eine schnelle Reaktion gefragt. An vorderster Front der Immunantwort stehen spezielle Immunzellen. Sie halten sich in verschiedenen Geweben wie Lunge, Leber, Haut und Darm auf, wo sie frühzeitig den Kampf gegen Eindringlinge aufnehmen. Ihr Name: angeborene lymphoide Zellen, kurz ILCs.

Eine besondere Eigenschaft dieser Zellen: Sie müssen nicht, wie viele andere Immunzellen, erst alarmiert werden, um dann an ihren Einsatzort im Körper zu wandern. Stattdessen siedeln sie sich schon kurz nach der Geburt in den Geweben und Organen an und verharren dort dauerhaft.

mRNA-Atlas von ILC1 auf Einzelzell-Ebene erstellt

ILCs können in den Geweben aus unreifen Vorläuferzellen entstehen und zu einsatzfähigen Immunzellen heranreifen. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Max-Planck-Forschungsgruppe am Institut für Systemimmunologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) vor kurzem gezeigt (https://www.uniwuerzburg.de/aktuelles/pressemitteilungen/single/news/immunzellen-zu-gast-in-geweben/). Unklar war bislang, wie diese Reifung im Detail abläuft.

„Wir wollten verstehen, wie unreife ILCs zu Effektorzellen werden, die zum Beispiel Tumorzellen abtöten oder mithilfe von Zytokinen gegen Infektionen kämpfen können“, erklärt Professor Georg Gasteiger, Lehrstuhlinhaber und Leiter der Max-Planck Forschungsgruppe am Institut für Systemimmunologie der JMU.

Dafür hat das Würzburger Forschungsteam die Gruppe der ILC1s untersucht, die bei viralen Infektionen und bei der Tumorabwehr eine Rolle spielen. Das Team hat sämtliche mRNA-Moleküle einzelner ILC1 in der Leber erfasst und aus diesen Analysen einen virtuellen Zellatlas erstellt (https://go.uniwue.de/hobit).

Aufgabenteilung: Nachschub-, Helfer- und Killerzellen

Anhand dieser „molekularen Fingerabdrücke“ erkannten die Forscherinnen und Forscher, dass es innerhalb der ILC1 spezialisierte Zellen gibt, die sich ihre Aufgaben teilen: „Wir fanden Zellen, die sich sehr rasch vermehren können und so für Nachschub von ILCs sorgen. Dabei spezialisieren sie sich zu sogenannten Helfer- oder Killer-ILCs.“

Das Team von Gasteiger fand heraus, dass die Helferzellen eine breite Palette von Botenstoffen produzieren, die zum Beispiel in der frühen Phase von Infektionen eine Rolle spielen. Die Killerzellen dagegen sind mit Molekülen gewappnet, die es ihnen erlauben, Tumorzellen zu erkennen und abzutöten.

„Bisher dachte man, dass diese Zellen unterschiedliche Typen von ILCs sind“ erklärt Christin Friedrich. Die Postdoktorandin aus Gasteigers Team ist die Erstautorin der Publikation, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Immunology erschienen ist. „Aber unsere Daten zeigen, dass es sich um unterschiedliche Spezialisierungsgrade handelt, die in jedem Organ aus den gleichen Nachschubtruppen entstehen können.“

Lassen sich Killer-ILCs therapeutisch nutzbar machen?

„Interessanterweise entwickeln sich ILCs aber nur in manchen Geweben zu Killerzellen, obwohl unsere Daten zeigen, dass sie in allen Geweben das Potential dazu haben“ erklärt Gasteiger.

„Wir haben erste Hinweise darauf, dass diese Entwicklung in manchen Geweben aktiv unterdrückt wird, möglicherweise um Gewebeschädigungen oder Entzündungen zu vermeiden. Wir wollen nun verstehen, wie wir die Killerzellen therapeutisch aktivieren können, um zum Beispiel die Immunkontrolle von entstehenden Tumoren und Metastasen zu verbessern. Außerdem wollen wir untersuchen, anhand welcher Moleküle die ILCs Tumore erkennen können und wie sie sich in den verschiedenen Geweben bei Infektionen verhalten.“

Transkriptionsfaktor Hobit treibt Spezialisierung an

Christin Friedrich ergänzt: „Unsere Arbeit zeigt, wie der Transkriptionsfaktor Hobit die Spezialisierung zu reifen Effektorzellen antreibt. Spannend ist, dass Hobit auch in anderen Killer-Zellen des menschlichen Immunsystems exprimiert wird. Auf der Basis unserer Ergebnisse kann jetzt die Funktion von Hobit in diesen Abwehrzellen erforscht werden, wie sie reifen und wie sie vielleicht dazu gebracht werden können, Tumore in verschiedenen Geweben zu bekämpfen.“

Publikation

Effector differentiation downstream of lineage commitment in ILC1 is driven by Hobit across tissues. Christin Friedrich, Renske L. R. E. Taggenbrock, Rémi Doucet-Ladevèze, Gosia Golda, Rebekka Moenius, Panagiota Arampatzi, Natasja A. M. Kragten, Katharina Kreymborg, Mercedes Gomez de Agüero, Wolfgang Kastenmueller, Antoine-Emmanuel Saliba, Dominic Grün, Klaas P. J. M. van Gisbergen, Georg Gasteiger. Nature Immunology, 30. August 2021, DOI: 10.1038/s41590-021-01013-0

Kontakt

Prof. Dr. med. Georg Gasteiger, Max-Planck-Forschungsgruppe und Institut für Systemimmunologie, Universität Würzburg, T +49 931 31-89599, georg.gasteiger@ uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 31.08.2021 herunterladen 

 

Uniklinikum Würzburg: Prof. Dr. Armin Wiegering für Verdienste in der Krebsforschung ausgezeichnet

Prof. Dr. Armin Wiegering von der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie des Uniklinikums Würzburg wurde mit dem Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis 2020/2021 geehrt. Dieser zählt zu den höchsten Auszeichnungen für Verdienste in der Krebsforschung in Deutschland.

 

Mit dem Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis ehrt die Förderstiftung „MHH plus“ junge Krebsforscher*innen für ihre aktuelle wissenschaftliche Arbeit. Die Ausgabe 2020/2021 des von der Deutschen Hypothekenbank gestifteten und mit 10.000 Euro dotierten Awards ging an Armin Wiegering. Der stellvertretende Klinikdirektor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie des Uniklinikums Würzburg ist dort seit kurzem Professor für Onkologische Viszeralchirurgie. Laut der Laudatio des Preises beeindruckte der 40-jährige Mediziner das Kuratorium mit seiner gelebten Vision des „Clinician Scientist“, der vor allem in Bezug auf die Versorgungsrealität onkologischer Patient*innen den Spagat zwischen klinischem Alltag und Grundlagenforschung in einzigartiger Weise meistere.

Zielführende Forschung in Klinik und Labor

Prof. Wiegering kämpft seit Jahren in der Klinik und im Labor gegen den Darmkrebs. Im Jahr 2019 konnte er mit seiner Nachwuchsforschergruppe am Institut für Biochemie und Molekularbiologie I der Uni Würzburg neue Therapieansätze identifizieren. Die Wissenschaftler*innen konzentrierten sich dabei auf das APC-Gen von Tumorzellen, das bei 90 Prozent aller Fälle von Dickdarmkrebs mutiert ist. „Wir wollten Gene finden, die nur für das Überleben von Zellen mit APC-Mutation wichtig sind, nicht aber für gesunde Zellen“, erklärt der Professor. Die Suche war erfolgreich. Hemmten die Forscher*innen das Gen mit dem Namen eIF2B5, dann starben die mutierten Darmkrebszellen den sogenannten programmierten Zelltod. Gesunde Zellen dagegen verkrafteten die Hemmung des Gens ohne jegliche Beeinträchtigung. Von dieser Erkenntnis ausgehend will das Forschungsteam neue Behandlungsmethoden entwickeln und zudem weitere Gene untersuchen. Auch den Klinikalltag nimmt Armin Wiegering kritisch unter die Lupe. Im vergangenen Jahr konnte er gemeinsam mit seinem Team nachweisen, wie wichtig die Erfahrung der behandelnden Klinik für die Überlebenschancen der Darmkrebspatient*innen ist. Die Preisverleihung der „Förderstiftung MHH plus“ – MHH steht für Medizinische Hochschule Hannover – fand Ende Mai dieses Jahres im Rahmen einer Online-Konferenz statt.

 

Pressemitteilung "Prof. Dr. Armin Wiegering für Verdienste in der Krebsforschung ausgezeichnet"

Mit einem Pilzmedikament Prostatakrebs bekämpfen

Forschungsteams aus Würzburg und Heidelberg haben einen neuen Angriffspunkt zur Behandlung von Prostatakarzinomen entdeckt – mit einem Medikament, das sonst bei Pilzinfektionen eingesetzt wird.

 

Dass ein Medikament mehr als nur ein Krankheitsbild behandeln kann, ist nicht unbedingt selten. Dass es sich um sehr unterschiedliche Krankheitsbilder handelt und das Medikament zudem ein schweres Leiden wie Krebs behandeln könnte, ist jedoch ein bedeutender Fund. Forschende aus der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg, dem Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg ist nun ein solcher Fund gelungen: Mit dem Medikament Terbinafin bei Prostatakarzinomen.

Das Forschungsteam konnte in einer Studie aufzeigen, dass Prostatakarzinome große Mengen des Enzyms Squalen Epoxidase (SQLE) bilden. SQLE wird in Zellen für die Synthese von Cholesterin gebraucht und das Team konnte zeigen, dass das Enzym das Wachstum von Prostatakarzinomzellen fördert. Das Ziel war in einem nächsten Schritt die Blockade von SQLE.

Tumorzellen sterben ab

Die Blockade gelang mit dem Medikament Terbinafin. Dieses Medikament blockiert die Funktion von SQLE und wird normalerweise zur Behandlung von Pilzinfektionen verwendet. Bei Mäusen, denen humane Prostatakarzinomzellen implantiert wurden, zeigte die Gabe von Terbinafin ein Absterben von Tumorzellen und eine Reduktion des Tumorwachstums. Außerdem konnte das Team zeigen, dass eine SQLE-Blockade bei Prostatakarzinompatienten zu einer Reduktion des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) führte. Dieses wird im Blut von Prostatakarzinompatienten nachgewiesen und ist ein Marker für das Fortschreiten der Krankheit. „Unsere Studie hat gezeigt, dass SQLE eine neuartige Zielstruktur für die Behandlung von fortgeschrittenem Prostatakrebs sein könnte und dass Hemmstoffe von SQLE in klinischen Studien genauer untersucht werden sollten“, erklärt Almut Schulze, Professorin und Abteilungsleiterin am DKFZ. 

„Eine Weiterentwicklung des Wirkprinzips von Terbinafin könnte eine neue Therapie für Patienten mit fortgeschrittenen Prostatakarzinomen darstellen“, erklärt Dr. med. Charis Kalogirou, Oberarzt und Erstautor der Studie von der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie am UKW. „Ein solches ‚repurposing‘ von existierenden Medikamenten hat große Vorteile, da Wirkung und Sicherheitsprofile bereits bekannt sind.“

Klinische Studie als nächster Schritt

Der nächste Schritt wäre daher die Ausweitung der Studienergebnisse auf eine größere Gruppe von Patienten. „Daher prüfen wir gerade die Möglichkeiten für eine klinische Studie“, so Schulze.

Veröffentlicht wurden die Forschungsergebnisse jetzt im Fachmagazin „Nature Communications“. Neben Kalogirou und Schulze waren Forschende des Lehrstuhls für Biochemie und Molekularbiologie um Professor Martin Eilers (Biozentrum JMU), Forschende der Klinik für Urologie und Kinderurologie unter der Leitung von Professor Hubert Kübler (UKW), Teams um Dr. Johannes Linxweiler (Universitätsklinik des Saarlands), Dr. Burkhard Kneitz (UKW), Dr. Mathias Rosenfeldt (Pathologisches Institut, JMU) sowie Forschende aus Erlangen, Innsbruck und Zürich an der Studie beteiligt. Finanziell unterstützt wurde die Arbeit durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das Ferdinand-Eisenberger-Forschungsstipendium der Deutschen Gesellschaft für Urologie und das Interdisziplinäres Zentrum für Klinische Forschung der JMU.

Publikation

Kalogirou C, Linxweiler J, Schmucker P, Snaebjornsson MT, Schmitz W, Wach S, Krebs M, Hartmann E,  Puhr M, Müller A, Spahn M, Seitz AK, Frank T, Marouf H, Büchel G, Eckstein M, Kübler H, Eilers M, Saar M, Junker K, Röhrig F, Kneitz B, Rosenfeldt MT and Schulze A.: MiR-205-driven downregulation of cholesterol biosynthesis through SQLE-inhibition identifies therapeutic vulnerability in aggressive prostate cancer, Nature Communications 08/2021, doi: 10.1038/s41467-021-25325-9

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg 

Wirkmechanismus des potenziellen Corona-Medikaments Molnupiravir entschlüsselt

Die USA sicherten sich kürzlich 1,7 Millionen Dosen eines Wirkstoffs, der Covid-19-Patientinnen und Patienten helfen könnte. Molnupiravir bremste in vorläufigen Studien das Coronavirus SARS-Cov-2 bei seiner Vermehrung aus. Forschende am Göttinger Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie und der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg haben jetzt den zugrundeliegenden molekularen Mechanismus aufgeklärt. Wie sie zeigen konnten, schleust der Wirkstoff RNA-ähnliche Bausteine in das Erbgut des Virus ein. Wird das Erbgut weiter vermehrt, entstehen fehlerhafte RNA-Kopien. Der Erreger kann sich dann nicht mehr ausbreiten. Molnupiravir wird derzeit in der Klinik erprobt.

 

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden zahlreiche wissenschaftliche Projekte weltweit vorangetrieben, die untersuchen, wie sich das neue Virus bekämpfen lässt. Forschende entwickeln auf Hochtouren diverse Impfstoffe und Medikamente – mit unterschiedlichem Erfolg. Letztes Jahr gewann der antivirale Wirkstoff Remdesivir an Aufmerksamkeit, als er als erstes COVID-19-Medikament zugelassen wurde. Studien, darunter Arbeiten von Patrick Cramer am MPI für biophysikalische Chemie und Claudia Höbartner von der JMU, zeigten jedoch, warum das antivirale Mittel bei Covid-19 eher schwach wirkt. 

Auch Molnupiravir ist ein antiviraler Wirkstoffkandidat, der ursprünglich als Grippemedikament entwickelt wurde. Basierend auf vorläufigen klinischen Studien verspricht die Substanz eine hohe Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2. „Zu wissen, dass ein neues Medikament anschlägt, ist wichtig und gut. Allerdings ist es genauso wichtig zu verstehen, wie Molnupiravir auf molekularer Ebene wirkt, auch um Einsichten für die weitere Entwicklung antiviraler Substanzen zu erhalten“, erklärt Max-Planck-Direktor Cramer. „Nach unseren Ergebnissen wirkt Molnupiravir in zwei Phasen.“ 

Mutationen im Erbgut stoppen das Virus

Molnupiravir wird nach oraler Einnahme erst durch die Verstoffwechselung im Körper aktiviert. Körperzellen nehmen das Mittel auf und wandeln es in RNA-ähnliche Bausteine um. In der ersten Phase schleust die virale Kopiermaschine, RNA-Polymerase genannt, die Bausteine in das Virus-RNA-Erbgut ein. Im Gegensatz zu Remdesivir, das die virale RNA-Polymerase ausbremst, beeinträchtigt Molnupiravir die Funktion der Kopiermaschine allerdings nicht direkt.

Stattdessen verbinden sich die RNA-ähnlichen Bausteine in der zweiten Phase mit den Bausteinen des viralen Erbguts. „Wird dieses vervielfältigt, um neue Viren zu produzieren, enthält es zahlreiche Fehler, sogenannte Mutationen. Dadurch kann sich der Erreger nicht mehr vermehren“, erläutert Florian Kabinger, Doktorand in Cramers Abteilung. Gemeinsam mit den anderen Erstautoren, Carina Stiller und Jana Schmitzová, führte er die entscheidenden Experimente für die Studie durch. Der Zwei-Phasen-Wirkmechanismus von Molnupiravir scheint auch bei anderen RNA-Viren Mutationen auszulösen und diese somit an einer weiteren Ausbreitung zu hindern. „Mit dem Wirkstoff ließe sich möglicherweise ein ganzes Spektrum von viralen Erkrankungen behandeln“, sagt Höbartner, Professorin für Chemie an der JMU. „Molnupiravir hat viel Potenzial.“ 

Zurzeit befindet sich der vielversprechende Wirkstoff in der letzten Entwicklungsphase (Phase III), in der er an einer großen Zahl von Patientinnen und Patienten erprobt wird. Ob Molnupiravir wirklich sicher ist und als Medikament zugelassen werden kann, wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte bekannt. Die US-Regierung ist dabei optimistisch: Sie hat sich bereits rund 1,7 Million Dosen im Wert von über einer Milliarde Dollar gesichert. 

Publikation

Kabinger F*, Stiller C*, Schmitzová J*, Dienemann C, Hillen HS, Höbartner C, & Cramer P: Mechanism of molnupiravir-induced SARS-CoV-2 mutagenesis. Nat Struct Mol Biol (2021), doi: https://doi.org/10.1038/s41594-021-00651-0
(*gleichwertiger Beitrag)

Weblinks

https://go.uniwue.de/hoebartner-group – Webseite der Gruppe Organische und biomolekulare Chemie, Julius-Maximilians  Universität Würzburg

https://www.mpibpc.mpg.de/de/cramer – Webseite der Abteilung Molekularbiologie von Patrick Cramer, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen

Kontakt

Prof. Dr. Claudia Höbartner, Institut für Organische Chemie, Universität Würzburg, T. +49 931 31-89693, claudia.hoebartner@ uni-wuerzburg.de  

Prof. Dr. Patrick Cramer, Abteilung Molekularbiologie, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, T. +49 551 201-2800, patrick.cramer@ mpibpc.mpg.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 16.08.2021

Uniklinikum Würzburg: Neuer Experte für die Herausforderungen der Pflege

Seit Anfang Juli dieses Jahres ist Marcus Huppertz der neue Pflegedirektor des Uniklinikums Würzburg. Die Bindung des bestehenden Pflegepersonals und die Akquise neuer Mitarbeiter*innen zählen zu den wesentlichen Aufgaben, mit denen sich der basisnahe Manager in den kommenden Jahren beschäftigen wird.

Bild: Daniel Peter / Uniklinikum Würzburg
Marcus Huppertz ist der neue Pflegedirektor des Uniklinikums Würzburg.

Ende August 2020 beendete Günter Leimberger seine Arbeit als Pflegedirektor des Uniklinikums Würzburg (UKW), um sich neuen beruflichen Aufgaben am Klinikum Nürnberg Nord zuzuwenden. Der Vorstandsposten, der für den weitaus größten Teil der insgesamt über 7.300 Beschäftigten des mainfränkischen Krankenhauses der Supramaximalversorgung zuständig ist, wurde zum 1. Juli dieses Jahres mit Marcus Huppertz neu besetzt.

Der gebürtige Rheinländer (Jahrgang 1970) kann sich neben rund zwölf Jahren in Pflegemanagementpositionen auf Berufserfahrungen aus über zwei Jahrzehnten am Krankenbett stützen. Diese starteten im Jahr 1988 mit seiner Ausbildung zum Krankenpfleger am Universitätsklinikum Bonn. „Ich wollte damals gerne mit Menschen arbeiten sowie einen krisensicheren und gleichzeitig sinnstiftenden Job“, erinnert sich Marcus Huppertz und fährt fort: „Die Krankenpflege war dafür genau das Richtige und ich habe es nie bereut, diesen Weg eingeschlagen zu haben.“ Besonders fesselte ihn die Tätigkeit auf der Intensivstation. Er war und ist nach eigenen Worten auch heute noch begeistert von der Leistungsfähigkeit der Intensivmedizin und von der pflegerischen Arbeit im Grenzbereich zwischen Leben und Tod. Folgerichtig schloss Huppertz 1998 die Ausbildung zum Fachkrankenpfleger Anästhesie und Intensivmedizin ab.

Zur Managementkarriere aufgefordert

In den folgenden Jahren stieg er zum stellvertretenden Stationsleiter der Chirurgischen Intensivstation auf. Seine kritisch-konstruktiven Anmerkungen zu verbesserungswürdigen Abläufen und sein „Blick über den Tellerrand“ erregten die Aufmerksamkeit von Alexander Pröbstl, des Pflegedirektors am Universitätsklinikum Bonn. Zusammen mit der Aussicht auf eine Tätigkeit im Team der Pflegedirektion forderte dieser Marcus Huppertz auf, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Dieser folgte dem Rat seines Mentors und schloss innerhalb von drei Jahren ein berufsbegleitendes Präsenzstudium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Duisburg Krefeld ab. „Eine harte Zeit, die mir aber in der Folge in Bonn eine Karriere in der Pflegebereichsleitung bis hin zum stellvertretenden Pflegedirektor ermöglichte“, kommentiert der Diplom-Betriebswirt.

Würzburg liegt näher an Bonn

Im Jahr 2014 wechselte er als Pflegedirektor an die Kliniken der Stadt Köln. „Nach gut vier Jahren an diesem kommunalen Haus zog es mich zurück in die von mir besonders geschätzte Universitätsmedizin“, berichtet Huppertz. Deshalb nutze er 2018 die Chance, die Pflegedirektion des LMU-Klinikums der Universität München zu übernehmen – seine letzte Position vor Würzburg. Warum jetzt der Wechsel aus einer vergleichbaren Stellung ans UKW? „Mein familiärer Lebensmittelpunkt war immer und bleibt auch in Zukunft Bonn“, erläutert der heimatverbundene Vater von zwei mittlerweile erwachsenen Töchtern. Er fährt fort: „Als ‚Wochenendheimfahrer‘ ist Würzburg mit seiner hervorragenden ICE-Anbindung für mich deutlich heimatnäher als München, was einen großen Gewinn an Lebensqualität bedeutet.“

Werben für einen hochattraktiven Beruf

In den ersten Wochen seit dem Dienstantritt erlebte er das UKW als Klinikum mit einer sehr hohen, loyalen Bindung der Pflegekräfte. „Das liegt nach meinen ersten Eindrücken daran, dass das UKW ein richtig guter Arbeitgeber ist, der viel für seine Beschäftigten tut. Allein die hohe Übernahmequote nach der Fachausbildung von um die 75 Prozent spricht für sich“, betont der neue Direktor. Dennoch steht die Pflege am Uniklinikum Würzburg – wie in der gesamten deutschen Gesundheitslandschaft – vor bedeutenden Herausforderungen. „Ich mag zwar den Begriff ‚Pflegenotstand‘ überhaupt nicht, aber Fakt ist, dass derzeit einerseits sehr viele Beschäftigte aus geburtenstarken Jahrgängen das Renteneintrittsalter erreichen und wir andererseits viel zu wenig Nachwuchs im Inland haben“, verdeutlicht Huppertz. Um hier gegenzusteuern, gibt es aus seiner Sicht diverse Ansatzpunkte. Zum Beispiel müsse massiv an der Außendarstellung der Krankenhaus-Pflege gearbeitet werden. Huppertz: „Es stimmt einfach nicht, dass alle Pflegekräfte eklatant von Covid-19 oder multiresistenten Keimen bedroht sind, am Boden liegen und jeden Abend heulend nach Hause gehen.

Tatsächlich ist die Pflege ein hochattraktiver, erfüllender Beruf mit sehr guten und differenzierten Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie einer festgeschriebenen 38,5 Stunden-Woche. Und die Bezahlung ist zwar ausbaufähig, aber schon derzeit nicht schlecht.“ Ein Karrierepfad in der Pflege könne beispielsweise auch über eine einjährige Krankenpflegehilfeausbildung gestartet werden. „Damit bieten wir auch jenen Menschen Optionen für hochwertige Qualifikationsniveaus an, die wohlmöglich ansonsten kaum eine Perspektive finden würden“, ist sich Huppertz sicher.

Appell für ein differenzierteres Tarifsystem

Was die Bezahlung angeht, ist seiner Meinung nach ein Umdenken in der Politik gefragt. „Wir brauchen keine Corona-Prämien, wir brauchen ein vernünftiges, differenzierteres Tarifsystem für alle Berufsgruppen des hochkomplexen Systems Krankenhaus“, fordert der Manager. Nach seinen Beobachtungen entwickelt sich derzeit neben dem Tarifsystem ein System der Leiharbeit, bei dem der Teamgeist verlorengehe. Dem könne man entgegenwirken, indem man innerhalb des Tarifsystems ein besseres Lohngefüge anbietet.

„Neben einer besseren Bezahlung – beispielsweise für Pflegerinnen und Pfleger, die eine Fachweiterbildung absolviert haben – oder attraktiven Lösungen für Frauen, die als Mütter in Teilzeit in ihren Job zurückkehren wollen, ist die Arbeitszufriedenheit ein wichtiger Faktor“, unterstreicht Huppertz. Beispielweise müsse an Ausfallkonzepten gearbeitet werden, die deutlich mehr Dienstplanstabilität als bisher sicherstellen: „Wir müssen uns von althergebrachten Dienstplansystemen lösen, in denen die Dienstplanerinnen und -planer beispielsweise einen Krankheitsausfall planen sollen, von dem sie im Moment der Planung noch überhaupt nicht wissen können, wann er konkret entsteht. Stattdessen gilt es, adäquate Lösungen mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf finden.“

Für eine lösungsorientierte Kommunikation mit der Basis

Generell sollten nach seiner Auffassung Personalakquise und Personalbindung als Aufgaben gleichberechtigt nebeneinander stehen. Für Letztere sieht er eine ganze Palette an Maßnahmen – von einer noch besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis zur Wertschätzung in Form von flexiblen Arbeitszeiten. „Auch eine lösungsorientierte Kommunikation mit der Basis gehört hierher – ein Punkt, für den ich mich persönlich besonders engagiere“, sagt die Führungskraft.

Auslandsakquise mit Augenmaß

Bei aller möglichen Aufwertung des Pflegeberufes im Inland wird das UKW in Zukunft auch eine verstärkte Auslandsakquise betreiben müssen, um die Stellen zu besetzen. Dabei ist sich der Pflegedirektor der damit verbundenen Probleme nur allzu bewusst: Sprachbarrieren, das Zurücklassen des heimatlichen Netzwerks sowie das vielfach fehlende Verständnis für fachliche Dinge wie Ablauforganisationen. „Außerdem dürfen wir aus unserer sozialen Verantwortung heraus natürlich den Arbeitsmarkt in den Herkunftsländern nicht leerfischen. Generell kommt für uns nur eine gezielte Vertragsakquise für ganz bestimmte Bereiche des Krankenhauses in Frage“, so Huppertz.

Trotz all dieser ernsten Worte wird im Gespräch mit dem Rheinländer schnell deutlich, dass er die gestellten Aufgaben zwar mit Umsicht und Sachverstand, aber mit einem durchaus humorvollen Stil angehen wird.

Pressemitteilung als PDF