Aktuelle Pressemitteilungen

Die Universitätsmedizin beim Würzburger Gesundheitstag 2022

Das Uniklinikum und die Würzburger Universität beteiligen sich mit einem breiten Themenspektrum am 12. Würzburger Gesundheitstag, der am Samstag, den 14. Mai 2022 in der Innenstadt stattfindet.

Am Samstag, den 14. Mai 2022 veranstaltet das Aktivbüro der Stadt Würzburg den 12. Würzburger Gesundheitstag. Über 80 Institutionen aus dem professionellen Gesundheitsbereich, aus Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen werden in der Innenstadt informieren, beraten und unterhalten. Auch die Würzburger Universitätsmedizin ist wieder mit einer großen Themenvielfalt dabei.

Dazu finden sich das Uniklinikum Würzburg (UKW) und die Universität mit fünf Infoständen vor dem Falkenhaus am Oberen Markt. 

Studien in Hausarztpraxen und Stammzelltransplantation

Das Institut für Allgemeinmedizin des UKW erläutert dort, wie sich Bürgerinnen und Bürger an Studien beteiligen können, die von Hausarztpraxen als wissenschaftliche Partner der Universitätsmedizin durchgeführt werden. Anhand einzelner Forschungsprojekte zu den Themen Covid-19 und zum unkomplizierten Harnwegsinfekt, die vom Feedback des Bürgerforums profitiert haben, soll die Rolle des Bürgerforums in der Wissenschaftskommunikation demonstriert werden.

Deutlich wird auch der national wie international hohe Stellenwert der von der Würzburger Universitätsmedizin geleisteten onkologischen Forschung, Vorsorge und Therapie. Der Fokus der Präsentationen liegt diesmal auf der Stammzelltransplantation – und auf der Möglichkeit, selbst Stammzellspenderin oder -spender zu werden. Neben der Information am Stand hält Dr. Daniel Teschner von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II um 13:00 Uhr zu diesem Themenkreis auch einen Vortrag im Dauthedey-Saal der benachbarten Stadtbücherei unter dem Titel „Stammzelltransplantation – wie läuft eine Transplantation ab und was muss ich als Spender wissen?“.

Infos zur Herzgesundheit und Kontakte zur Selbsthilfe

Unter dem Motto „Hand aufs Herz“ informieren die Medizinische Klinik und Poliklinik I des UKW und das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) über die Risiken und die Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen. Auch hier gibt es einen begleitenden Vortrag in der Stadtbücherei: Um 13:45 Uhr gibt Prof. Dr. Christoph Maack, der Sprecher des DZHI, Antworten auf die Frage „Wie schütze ich mich vor Herz-Kreislaufkrankheiten?“.

Als selbsthilfefreundliche Gesundheitseinrichtung fördert und pflegt das UKW die Verbindungen zwischen Patientinnen und Patienten und den Selbsthilfegruppen. Der Gesundheitstag soll dazu dienen, die Leistungen der Selbsthilfe zu verdeutlichen und neue Kontakte zu schließen.

Partner im Bündnis gegen Depression

Last but not least ist das UKW mit seinem Zentrum für Psychische Gesundheit als Partnerinstitution auf dem Stand des Würzburger Bündnisses gegen Depression auf dem Oberen Markt vertreten. 

Der Gesundheitstag geht von 10:00 bis 16:00 Uhr.

Schadstoff-Unfall: Erfolgreiche Übung in der Notaufnahme der Uniklinik

Dekontaminationsanlage im Praxistest: Rund 90 Beteiligte trainieren Zusammenarbeit zwischen Feuerwehren, Bayerischem Roten Kreuz und Uniklinikum

Die Dekontamination, also das Reinigen der Patienten, erfolgt in der zeltähnlichen Anlage durch die speziellen Einheiten der Feuerweheren und der Rettungsdienste- Foto: UKW/Dreising
Die Dekontamination, also das Reinigen der Patienten, erfolgt in der zeltähnlichen Anlage durch die speziellen Einheiten der Feuerweheren und der Rettungsdienste- Foto: UKW/Dreising
Nach der erfolgreichen Dekontamination übernehmen speziell geschulte Pflegekräfte des UKW den Patienten. Er wird dabei schnell mit Handtüchern abgedeckt. Foto: UKW/Dreising
Nach der erfolgreichen Dekontamination übernehmen speziell geschulte Pflegekräfte des UKW den Patienten. Er wird dabei schnell mit Handtüchern abgedeckt. Foto: UKW/Dreising
Das UKW nutzte die Übung, um die Krisenabläufe in der Notaufnahme zu trainieren. Foto: UKW/Dreising
Das UKW nutzte die Übung, um die Krisenabläufe in der Notaufnahme zu trainieren. Foto: UKW/Dreising

Alarm an der Uniklinik Würzburg: Am Samstagmorgen werden zwei Patienten angekündigt, die einen Unfall mit Schadstoffen erlitten haben. In wenigen Minuten wird daher die spezielle Dekontaminationsanlage am UKW eingerichtet. Kurz darauf werden die Patienten gebracht. Bevor der Patient in der UKW-Notaufnahme gesichtet und versorgt wird, muss er zuerst dekontaminiert, also mit Wasser abgewaschen werden. Um diese konkreten Abläufe ging es bei einer Übung am Samstag, 30. April, direkt vor der Notaufnahme der Würzburger Uniklinik.

Über den Tag verteilt waren rund 90 Personen an der Übung beteiligt. Die Uniklinik war mit rund 20 Personen aus Pflege, Ärzteschaft und Technik vertreten. Hinzu kamen nacheinander etwa 70 Beteiligte der Feuerwehren von Stadt und Landkreis Würzburg, aus Kitzingen, Main-Spessart und den Einheiten des Katastrophenschutzes des BRK, um die Arbeit mit der Dekontaminationsanlage am UKW zu trainieren.

Prof. Dr. Thomas Wurmb, Leiter der Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin am UKW: „Um die Betroffenen vor einer Einwirkung des Schadstoffes zu schützen und um eine Verschleppung des Stoffes in die Krankenhäuser zu vermeiden, ist eine sogenannte Dekontamination nötig. Hierbei wird Kleidung entfernt und die Patienten werden mit Wasser gewaschen. Hierfür haben wir am UKW gemeinsam mit den Kollegen der Berufsfeuerwehr, den Spezialkräften des Bayerischen Roten Kreuzes und der UKW-Technik vor drei Jahren eine eigene Dekontaminationsanlage installiert.“ 2020 erfolgte die erste Übung, eine zweite Übung war für 2020 geplant. Sie musste jedoch pandemiebedingt mehrmals verschoben werden.

Die Dekontamination, also das Reinigen der Patienten, erfolgt in der zeltähnlichen Anlage durch die speziellen Einheiten der Feuerwehren und der Rettungsdienste. „Es ist wichtig, dass wir gemeinsam solche Abläufe praxisnah üben können. Denn so können wir uns gemeinsam bestmöglich auf solche Szenarien vorbereiten und unsere Abläufe verbessern. Daher danke ich allen, die an dieser Übung teilgenommen haben“, so Helmut Sattler, zuständiger Übungsleiter bei der Berufsfeuerwehr Würzburg.

Die Dekontamination, also das Reinigen der Patienten, erfolgt in der zeltähnlichen Anlage durch die speziellen Einheiten der Feuerweheren und der Rettungsdienste- Foto: UKW/Dreising
Die Dekontamination, also das Reinigen der Patienten, erfolgt in der zeltähnlichen Anlage durch die speziellen Einheiten der Feuerweheren und der Rettungsdienste- Foto: UKW/Dreising
Nach der erfolgreichen Dekontamination übernehmen speziell geschulte Pflegekräfte des UKW den Patienten. Er wird dabei schnell mit Handtüchern abgedeckt. Foto: UKW/Dreising
Nach der erfolgreichen Dekontamination übernehmen speziell geschulte Pflegekräfte des UKW den Patienten. Er wird dabei schnell mit Handtüchern abgedeckt. Foto: UKW/Dreising
Das UKW nutzte die Übung, um die Krisenabläufe in der Notaufnahme zu trainieren. Foto: UKW/Dreising
Das UKW nutzte die Übung, um die Krisenabläufe in der Notaufnahme zu trainieren. Foto: UKW/Dreising

Ausgezeichnete Lehre in Radiologie und IT

Prof. Dr. Bettina Baeßler hat den Most Effective Radiology Educator Award der EuroMinnies erhalten

Das Bild zeigt Bettina Baessler mit der Trophäe.
Für ihr außerordentliches Engagement in der Ausbildung hat Prof. Dr. Bettina Baeßler, Leiterin der Kardiovaskulären Bildgebung am UKW-Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie den Most Effective Radiology Educator Award der Euro Minnies erhalten. © Henner Huflage

„Wer guten Nachwuchs haben möchte, der kreativ und innovativ denkt und arbeitet, der muss in die Lehre investieren und für sein Fach begeistern wollen“, findet Bettina Baeßler. Schon im Studium hat sich die gebürtige Rheinländerin vorgenommen, die Lehre zu verbessern. Mit Erfolg. Die Radiologie-Webseite AuntMinieEurope.com hat die Radiomics-Expertin zur effektivsten Ausbilderin der europäischen Radiologie gekürt. Jedes Jahr können die Abonnentinnen und Abonnenten der Webseite Persönlichkeiten für vier People Awards nominieren. Vom Rising Star über einflussreichste RadiologIn und WissenschaftlerIn bis hin zum Most Effective Radiology Educator. Ein Expertengremium ermittelt schließlich nach verschiedenen Auswahlrunden die Gewinnerinnen und Gewinner. Aunt Minnie ist übrigens die Bezeichnung für einen radiologischen Befund, der auf den ersten Blick so offensichtlich ist, dass es keine Zweifel an der Diagnose gibt.

Go for IT

Offensichtlich ist auch, dass Bettina Baeßler mit Leib und Seele Forschung und Lehre betreibt. Die zweifache Mutter leitet seit Oktober 2021 den Bereich „Kardiovaskuläre Bildgebung“ am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Außerdem ist die 38-Jährige im Rahmen einer W2-Professur für den neu geschaffenen Schwerpunkt „Künstliche Intelligenz in der Bildgebung“ zuständig. Die Medizinstudierenden an der Julius-Maximilians-Universität dürfen sich auf spannende und vor allem praxisbezogene Vorlesungen freuen und die Assistenzärztinnen und -ärzte auf ein neues, modernes Ausbildungsprogramm, welches Bettina Baeßler auf der Grundlage des Curriculums der European Society of Radiology geschaffen hat. Im Rahmen der Überarbeitung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM 2.0) war sie zudem als Projektgruppensprecherin für die radiologischen Lernziele und die Implementierung digitaler Kompetenzen in das Medizinstudium zuständig. Seit dem vergangenen Jahr ist sie Vorsitzende des Education Committee der kardiovaskulären Sektion der International Society for Magnetic Resonance in Medicine (ISMRM), wo sie unter anderem neue Lehrmaterialien entwickelt.

Für die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) hat sie zudem gemeinsam mit PD Dr. Daniel Pinto dos Santos die Webinar-Reihe „Go for IT“ ins Leben gerufen, in der sie einmal im Monat Grundkenntnisse wie Programmieren und Statistik mit Fokus auf Radiologie vermittelt haben. Darüber hinaus ist sie Mitbegründerin und Geschäftsführerin der LernRad GmbH, einem Unternehmen, das E-Learning-Inhalte für Medizinstudierende und Radiologinnen und Radiologen in Deutschland erstellt.

Vorreiterin auf dem Gebiet Radiomics

„Ich möchte gern meine Erfahrungen und mein Wissen weitergeben, das ich mir selber mühsam erarbeitet habe“, begründet sie ihren außerordentlichen Einsatz in Weiterbildung und Lehre. Als sie im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit zur quantitativen kardialen Magnetresonanztomografie an Grenzen stieß, die eine Translation, also eine Übertragung in den klinischen Alltag verhinderten, beschäftigte sie sich notgedrungen mit angewandter Statistik und maschinellen Lernen und entwickelte so neue Parameter. So stieß sie auf eine neue und aufstrebende Wissenschaft: Radiomics. Mithilfe von Radiomics können die für das menschliche Auge nicht sichtbaren Informationen, die in radiologischen Bildern enthalten sind, analysiert werden. Bettina Baeßler gilt im In- und Ausland als eine der anerkanntesten Vordenkerinnen auf dem Gebiet Radiomics.

Gegen den Spruch “radiology is not a science, it is a tool”, wehrt sie sich vehement. Schon als Assistenzärztin an der Uniklinik Köln hat sie die Lehre in die Hand genommen, um die Radiologie aus ihrem Schattendasein zu befreien. Später half sie bei der Entwicklung eines Projekts zur Qualitätsverbesserung der radiologischen Lehre mit, indem sie Vorlesungen auf Abruf bereitstellte und Online-Abstimmungssysteme in die Vorlesungen einbaute.

Erweiterte Intelligenz statt Künstlicher Intelligenz

Den Hype um die Künstliche Intelligenz sieht die Radiomics-Expertin allerdings eher kritisch. Sie ist vielmehr an Tatsachen interessiert, an valider Translation in den klinischen Alltag. Unterm Strich müsse die Künstliche Intelligenz etwas bringen und von Nutzen sein. Und das versuche sie dem Nachwuchs beizubringen. „Ich plädiere für augmented intelligence, also einer Erweiterung der Intelligenz statt Künstlicher Intelligenz“, sagt sie. Das bedeutet in der Praxis: „Als Clinician Scientist sehe ich, wo es bei der Arbeit Probleme gibt und welche Erleichterung sinnvoll wäre. Die augmented intelligence kann spezielle Aufgaben übernehmen und der Radiologin oder dem Radiologen assistieren.“ Als Beispiele nennt sie einen second read mittels KI, um die Detektion von Osteolysen beim Multiplen Myelom zu automatisieren, oder eine Risikomodellierung, bei der Korrelationen zwischen radiologischer Diagnostik, klinischen Befunden und molekulargenetischen Subtypen einer Erkrankung erstellt werden.

Vielfalt in der Radiologie

Ein weiteres wichtiges Thema, das Bettina Baeßler am Herzen liegt ist die Diversität und Inklusion. Dabei geht es ihr nicht allein um die Gleichstellung von Frauen und Männern in Medizin und Wissenschaft, sondern auch um Wissenstransfer von Alt nach Jung und umgekehrt, um soziale Herkunft und ethnischen Hintergrund. Für die, die Vielfalt wirklich leben wollen, die miteinander statt gegeneinander arbeiten wollen, für die hat sie mit Dr. Nienke Lynn Hansen im Rahmen der DRG den Podcast RADiversum geschaffen. Gerade die Radiologie habe mir ihrer Nähe zum Digitalen und zum technisierten Arbeiten viele Möglichkeiten, etwas zu bewegen und Vorreiter für neue Arbeitsmodelle zu sein. Reinhören ausdrücklich erwünscht: www.diversity.drg.de

In der UKW-Reihe #WomenInScience berichtet die Radiologin über ihre Faszination an der Forschung und warum sie für die Quote ist: www.ukw.de/forschung-lehre/women-in-science/

Uniklinikum Würzburg: Vortrag und Diskussion zu aktuellen Fragen der Krebsfrüherkennung

Am Mittwoch, den 11. Mai 2022, hält Professor Mark Herbert Ebell am Uniklinikum Würzburg – in Präsenz und online – einen Vortrag zu neuen Themen in der Krebsvorsorge. Der US-amerikanische Allgemeinmediziner ist ein international anerkannter Experte für evidenzbasierte Medizin und klinische Entscheidungsfindung.

Was sind die potenziellen Gefahren von Unter- und Überdiagnostik in der Krebsfrüherkennung? Warum werden ärztliche Empfehlungen zu onkologischen Erkrankungen immer komplexer? Wie lässt sich die Krebsvorsorge neu konzipieren, um den Patientennutzen zu maximieren? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich ein vom Institut für Allgemeinmedizin des Uniklinikums Würzburg (UKW) organisierter Impulsvortrag mit anschließender Diskussion am Mittwoch, den 11. Mai 2022. 

Als Referent konnte Prof. Mark Herbert Ebell gewonnen werden. Er ist Allgemeinmediziner und ein international anerkannter Experte für evidenzbasierte Medizin sowie klinische Entscheidungsfindung. Der Professor für Epidemiologie am College of Public Health an der University of Georgia/USA ist Autor von mehr als 500 international veröffentlichten Artikeln sowie Verfasser oder Herausgeber von acht Büchern. 

Die kostenlose Veranstaltung mit dem Titel „Emerging issues in cancer screening“ wird in Englisch geführt. Sie geht von 16:30 bis 17:30 Uhr. Teilnehmen kann man zum einen in Präsenz im Hörsaal der Würzburger Universitäts-Kinderklinik. Hierfür ist eine Anmeldung unter gsls.cloud.opencampus.net/node/43879 erforderlich. Zum anderen ist auch eine Online-Teilnahme möglich, für die man sich unter gsls.cloud.opencampus.net/node/43877 registrieren kann. Fortbildungspunkte sind bei der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) beantragt.

Weitere Informationen gibt es bei Peter Konstantin Kurotschka vom Institut für Allgemeinmedizin des UKW unter Tel. 0176 - 70 88 22 59 oder E-Mail: kurotschka_p@ ukw.de 

Uniklinikum Würzburg: Preiswürdige Trainings-App für Menschen mit ankylosierender Spondylitis

Das vom Uniklinikum Würzburg unterstützte Start-up Applimeda GmbH ist einer der Preisträger des „Gründungswettbewerbs – Digitale Innovationen" des Bundeswirtschaftsministeriums. Ausgezeichnet wurde es für die Entwicklung einer App, die Menschen mit ankylosierender Spondylitis zu einer leitliniengerechten Bewegungstherapie anleiten soll.

Patientinnen und Patienten mit ankylosierender Spondylitis – früher als Morbus Bechterew bezeichnet – leiden an einer unheilbaren, chronisch-entzündlichen Erkrankung, die sich häufig durch starke Rückenschmerzen äußert und unter anderem zur völligen Versteifung der Wirbelsäule führen kann. Als Gegenmaßnahme ist vor allem eine richtig durchgeführte Bewegungstherapie entscheidend. „In der Realität zeigt sich jedoch, dass ein Großteil der Betroffenen diese Therapie nur unzureichend oder gar nicht ausführt“, berichtet Maxime le Maire. Um diese Versorgungslücke zu schließen, arbeitet der Würzburger Medizinstudent zusammen mit seinem Studienkollegen Tobias Heusinger und dem Aachener Informatiker Johannes Raufeisen seit rund eineinhalb Jahren an einer Smartphone-App, die Menschen mit ankylosierender Spondylitis spielerisch zur Bewegungstherapie anleiten und motivieren soll. Für die weitere Entwicklung gründeten sie im November vergangenen Jahres das Start-up-Unternehmen Applimeda GmbH. 

Ihre Produktidee wurde im April dieses Jahres beim „Gründungswettbewerb – Digitale Innovationen" des Bundeswirtschaftsministeriums mit einem Preisgeld von 7.000 Euro ausgezeichnet.

Studie zur klinischen Wirksamkeit geplant

Kooperationspartner des Gründerteams ist – neben der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e.V. – das Uniklinikum Würzburg (UKW). „Ende 2020 nahmen wir im Zusammenhang mit unserer geplanten App Kontakt mit der Rheumatologie des UKW auf“, berichtet Tobias Heusinger und fährt fort: „Daraus entwickelte sich der Plan, die klinische Wirksamkeit der App in einer wissenschaftlichen Studie am UKW zu überprüfen.“ Diese soll im ersten Quartal 2023 mit rund 200 Patientinnen und Patienten starten. Maxime le Maire und Tobias Heusinger sind eng in die Durchführung und Planung der Studie eingeschlossen. Von Seiten des UKW betreuen Privatdozent Dr. Marc Schmalzing, der Leiter des Schwerpunkts Rheumatologie / Klinische Immunologie an der Medizinischen Klinik II, seine Kollegen Dr. Patrick-Pascal Strunz und Dr. Matthias Fröhlich sowie Anna Fleischer vom Schwerpunkt Psychosomatische Medizin der „Med II“ das Projekt.

Individuelles Übungsprogramm und weitere Funktionen

Was kann die neue Software im Detail leisten? „Die App soll den Patientinnen und Patienten mit ankylosierender Spondylitis vor allem eine leitliniengerechte Bewegungstherapie bieten, in deren Zentrum ein individuell zugeschnittenes Übungsprogramm steht“, beschreibt Maxime le Maire. Nach seinen Worten passt die App durch einen selbstlernenden Algorithmus die Übungen im Laufe der Zeit immer besser an die persönlichen Voraussetzungen der Nutzerin oder des Nutzers an. „Darüber hinaus wollen wir auch die Patientenedukation verbessern. So sollen durch spielerisch gestaltete Lektionen wertvolles Wissen und Tipps für den Umgang mit der Erkrankung vermittelt werden“, kündigt Tobias Heusinger an. Als weitere nützliche Funktion nennt er ein integriertes Medikamenten- und Schmerztracking.

Auszeichnung für Forschung an Hormon-Knochen-Interaktion

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ehrt Prof. Dr. Franz Jakob für seine klinischen und grundlagenwissenschaftlichen Arbeiten über die Interaktion zwischen Hormonsystemen und Bewegungsapparat

Das Bild zeigt Prof. Franz Jakob bei der Erwin-Uehlinger-Lecture
Der Internist und Endokrinologe Prof. Dr. Franz Jakob wurde für sein interdisziplinäres Engagement bereits mehrfach ausgezeichnet. Copyright: OSTAK Osteologie Akademie GmbH

Die Berthold-Medaille, die ihm auf dem diesjährigen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in Baden-Baden verliehen wurde, ist für Prof. Dr. Franz Jakob eine wunderbare Auszeichnung dessen, was er in seiner bisherigen Berufslaufbahn geleistet hat. Der 68-jährige Internist und Endokrinologe ist seit zwei Jahren Seniorprofessor für Regenerationsforschung. Bis dahin hielt er fast zwei Dekaden lang eine Professur für Klinische und Experimentelle Osteologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg; der Lehrstuhl war und ist an der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus angesiedelt. Zuvor hatte er sich am Uniklinikum Würzburg mit der Zellbiologie des Knochens beschäftigt, besonders mit Genen, die durch das Vitamin-D-Hormon reguliert werden.

Dass sich bereits vor 20 Jahren ein Internist und Endokrinologe auf orthopädische und unfallchirurgische Fachgebiete gewagt hätte, sei schon außergewöhnlich gewesen, berichtet Franz Jakob rückblickend. Damals habe man die Wissenschaft der Hormone eher an Drüsen und frauenspezifischen Erkrankungen aufgehängt. Doch auch Knochen können wichtige hormonell aktive Botenstoffe für den Stoffwechsel aussenden. Und umgekehrt haben Hormone Auswirkungen auf die Knochen und den gesamten Bewegungsapparat. „Gerade in der Osteologie, der Erforschung des Skelettsystems und Knochenstoffwechsels, müssen wir über den Tellerrand hinausschauen und interdisziplinär arbeiten“, betont Franz Jakob.

Blick geweitet für Verbindung zwischen Skelett und Hormonen

Mit diesem Weitblick hat der Vater von drei Söhnen es geschafft, eine starke Verbindung zwischen den operativen Fächern, die sich mit dem Bewegungsapparat beschäftigen und den internistischen Disziplinen mit Fokus auf die Endokrinologie und die Onkologie herzustellen. Seine Experimentelle Arbeitsgruppe, die vor kurzem von Prof. Dr. Denitsa Docheva übernommen wurde, ist heute in den so genannten DACH-Ländern (Deutschland, Österreich und Schweiz) eine der führenden auf ihrem Gebiet. Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Osteologie und als Vorsitzender des Dachverbands Osteologie e. V. gehörte Jakob zu den Protagonisten der Entwicklung der Osteologie und Osteoporoseforschung im deutschsprachigen Raum. Er hielt Verbindungen zur European Calcified Tissue Society ECTS und war Fachkollegiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

„Franz Jakob hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Blick geweitet wurde und inzwischen eine große Forschungslandschaft zur Dynamik und Anpassungsfähigkeit des Skeletts unter dem Einfluss von systemischen Hormonen und Gewebshormonen entstanden ist“, sagt Prof. Dr. Jochen Seufert, der als Tagungspräsident des DGE-Kongresses Franz Jakob die Berthold-Medaille überreicht hat.

Jakobs interdisziplinäres Engagement wurde bereits 2006 mit der Pauwels-Medaille gewürdigt. Damit zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC) Persönlichkeiten aus, die sich um die orthopädische Wissenschaft verdient gemacht haben - eine ganz besondere Ehrung für einen Endokrinologen wie Franz Jakob. Im Jahr 2019 wurde er zudem mit der Erwin-Uehlinger-Lecture durch die Deutsche Gesellschaft für Osteologie (DGO) ausgezeichnet. Die Berthold-Medaille, die als höchste Auszeichnung von der DGE führenden ForscherInnen aus dem In- und Ausland verliehen wird, welche sich auf dem Gebiet der Hormonforschung verdient gemacht haben, komplettiert nun seine Sammlung. Denn sie versinnbildlicht gemeinsam mit der Pauwels-Medaille und der Erwin-Uehlinger-Lecture den bedeutenden interdisziplinären Forschungsansatz von Franz Jakob.

Über die Berthold-Medaille

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie vergibt seit 1980 jährlich die Berthold-Medaille, die mit einem wissenschaftlichen Vortrag, der Berthold-Lecture, auf der Jahrestagung der Gesellschaft verbunden ist. Namensgeber dieser Auszeichnung ist Arnold Adolf Berthold. Mit seiner Publikation zur Transplantation von Hoden in kastrierte Hähne und die Einwirkung bestimmter Stoffe auf das Blut, gilt Berthold als Entdecker des Prinzips Endokrinologie. Die Berthold-Medaille ist die höchste Auszeichnung der DGE. 

Single-Cell Center Würzburg: Website soeben gestartet

Würzburg, 20. April 2022 – Mit seiner Kerntechnologie, der Einzelzellanalyse, ist das Würzburger Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) Vorreiter auf dem Gebiet der personalisierten Medizin. Um dieses zukunftsträchtige Forschungsgebiet konsequent weiterzuentwickeln, hat das HIRI im vergangenen Jahr zusammen mit lokalen Partnern das Single-Cell Center Würzburg ins Leben gerufen. Ermöglicht durch eine Anschubfinanzierung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, will diese neue Einrichtung die für innovative Einzelzellforschung relevante wissenschaftliche, klinische und methodische Expertise am Standort bündeln.

Begleitend hat das HIRI jetzt eine Internetpräsenz für das neue Single-Cell Center gestaltet. Das ab sofort unter der Adresse www.single-cell-center.de erreichbare Informationsangebot erklärt die Technologie der Einzelzellanalyse auf anschauliche Weise. Neben einer 3D-Animation bieten die Webseiten einen verständlichen Einblick in das Forschungsfeld und präsentieren die beteiligten Akteure. Wissenschaftler:innen finden wichtige Publikationen, Ansprechpartner und weiterführende Ressourcen, etwa zur Ausstattung der Labore. Künftig sollen weitere Informationen das Online-Angebot sukzessive erweitern und aktuelle Projekte vorgestellt werden.

Über das Single-Cell Center Würzburg

Das Single-Cell Center Würzburg ist ein gemeinsames Kompetenzzentrum des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) mit der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität (JMU), dem Universitätsklinikum Würzburg (UKW), dem Fraunhofer-Translationszentrum für Regenerative Therapien (TLZ-RT) und der Max-Planck-Forschungsgruppe am Würzburger Institut für Systemimmunologie (WüSI). Sprecher des Zentrums ist Prof. Dr. Jörg Vogel, der Geschäftsführende Direktor des HIRI.

Aufgabe der Einrichtung ist es, Krankheiten auf der Ebene einzelner Zellen zu analysieren und zu verstehen. Dadurch soll es künftig besser gelingen, frühestmöglich und verlässlich vorherzusagen, welchen Verlauf eine Erkrankung nehmen wird und wie sie bestmöglich behandelt werden kann.

Ausgehend von der Infektionsforschung wird das Würzburger Single-Cell Center auch Krebs, neurodegenerative Störungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf der Einzelzellebene erforschen. Das breite Methodenspektrum der RNA-Sequenzierungstechnologien soll dabei zügig weiterentwickelt werden.

Das Single-Cell Center Würzburg wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert. Es ist sein erklärtes Ziel, die wissenschaftliche, klinische und methodische Expertise in Würzburg zu bündeln. Mittelfristig soll sich das Kompetenzzentrum zu einer starken Serviceeinheit unter Beteiligung der Universität (JMU) und des Uniklinikums Würzburg (UKW) entwickeln.

Weitere Informationen unter www.single-cell-center.de.  

Presse-Keyvisual

Die komplette Medieninformation inkl. Keyvisual zum Download können Sie hier einsehen (Link zur HIRI-Webseite).

 

HIRI-Medieninformation vom 20. April 2022