Seinen beruflichen Erfolg verstand Dr. Eckernkamp auch als soziale Verpflichtung: Im Jahr 2000 gründete er zusammen mit seiner Frau Nina Eckernkamp-Vogel die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp. Diese unterstützt seither Projekte und Einrichtungen in Bildung, Wissenschaft, Gesundheitswesen und Kultur. Auch das Uniklinikum Würzburg (UKW) profitierte vielfach von den Leistungen der Stiftung. So wurden allein in den letzten zehn Jahren Projekte des Zentrums für Psychische Gesundheit (ZEP), der Kinderklinik, der Frauenklinik, der Klinik für Anästhesiologie sowie des Lehrstuhls für Funktionswerkstoffe der Medizin und der Zahnheilkunde mit in Summe über einer Million Euro gefördert. „Mit Dr. Eckernkamp als Stifter verlieren wir nicht nur nicht nur einen großzügigen und verlässlichen Unterstützer, sondern vor allem auch einen unermüdlichen Anstifter“, bedauert Prof. Jürgen Deckert, der Sprecher des ZEP, stellvertretend für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des UKW.
Aktuelle Pressemitteilungen
Am Samstag, den 15.01. findet zum dritten Mal das Würzburger Forum Bevölkerungsschutz statt.
Organisiert wird die Veranstaltung durch die Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie und dem Bezirksverband Unterfranken des Bayerischen Roten Kreuzes.
- Die Messerattacke am Barbarossaplatz in Würzburg, die SARS-CoV-2 Pandemie und die Flutkatastrophe werden von kompetenten Referentinnen und Referenten aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet.
- Vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wird ein Ausblick über die neuesten Entwicklungen im Bevölkerungsschutz gegeben.
Das Forum findet online statt und ist kostenfrei.
Die Details und die Anmeldemodalitäten entnehmen Sie bitte dem Flyer.
Die Anmeldefrist wurde verlängert. Eine Anmeldung ist aktuell noch möglich.
Die sogenannten Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) gehören zu den bedeutendsten und angesehensten Förderinstrumenten in der Wissenschaft. Entsprechend groß ist die Freude über die Auszeichnung nicht nur in Würzburg, sondern auch in Braunschweig – das HIRI ist ein Joint Venture des dortigen Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg.
„Es bestärkt uns und spricht für die Bedeutung unserer Arbeit, dass erneut einem unserer Wissenschaftler diese Förderung zuteilwird“, sagt Jörg Vogel, Geschäftsführender Direktor des HIRI, und zeigt sich begeistert: „Spitzenforschung am Puls der Zeit ist auf ausreichend finanzielle Ressourcen angewiesen. Ich freue mich daher sehr darüber, dass Mathias Munschauer einen der begehrten ERC Starting Grants erhält.“
„Das internationale Renommee der ERC Grants ist sehr hoch“, ergänzt Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer am HZI. „Wir gratulieren Herrn Munschauer herzlich zu diesem großen Erfolg, der einen Ausbau seiner bahnbrechenden Forschungsarbeiten zur Ausbreitung von SARS-CoV-2 im menschlichen Organismus ermöglichen wird.“
Wie SARS-CoV-2 sich die Wirtszelle zu Nutze macht
Mathias Munschauer leitet die Forschungsgruppe „LncRNA und Infektionsbiologie“ am HIRI. Gleichzeitig hat er eine Juniorprofessur an der JMU inne. Mithilfe seines nun vom ERC geförderten Projektes „COVIDecode“ will er dazu beitragen, SARS-CoV-2 besser zu verstehen. Er konzentriert sich dabei auf die molekularen Wechselwirkungen zwischen Wirt und Krankheitserreger. Wie viele Humanviren nutzt auch SARS-CoV-2 Ribonukleinsäuren (RNA) als Träger der genetischen Information. Das RNA-Erbgut des Virus wird in die Zelle eingeschleust, die Zelle übersetzt es dann in die für die Vermehrung des Virus notwendigen Proteine. Die Forschung hat sich bisher weitgehend auf die Funktion dieser von dem Virus kodierten Proteine konzentriert. Über die viralen RNAs und deren Interaktion mit dem Wirtsapparat während der verschiedenen Stufen des Virus-Lebenszyklus ist jedoch noch wenig bekannt. Hier setzt die Forschungsgruppe um Munschauer an.
„Den ERC Starting Grant möchte ich mit meinem Team dazu nutzen, um das Zusammenspiel zwischen den RNAs des SARS-CoV-2-Virus und Faktoren der Wirtszelle systematisch zu erforschen. Wir wollen entschlüsseln, wie diese Interaktionen den viralen RNA-Lebenszyklus und die Abwehrmechanismen des Wirts gestalten“, sagt Munschauer. Die weltweite COVID-19-Pandemie zeige, wie wichtig es sei, ihren Erreger – und auch die vielen neu auftretenden Varianten – auf molekularer Ebene besser zu verstehen. Langfristig können so auch neue Möglichkeiten für RNA-basierte antivirale Therapien und Immuntherapien geschaffen werden, meint der Forscher.
Mathias Munschauer ist bereits der dritte Wissenschaftler am HIRI, den der Europäische Forschungsrat mit einem ERC Grant ausstattet. Im Jahr 2020 startete Chase Beisel sein durch einen ERC Consolidator Grant finanziertes Projekt „CRISPR Combo“. Neva Caliskan begann 2021 mit der Arbeit am Forschungsvorhaben „T-FRAME“, das mit einem ERC Starting Grant gefördert wird.
Über Mathias Munschauer
Mathias Munschauer studierte bis 2010 Biotechnologie an der Hochschule Mannheim und absolvierte zu dieser Zeit mehrere Forschungsaufenthalte in den USA. Nach seiner Dissertation an der Freien Universität Berlin im Jahr 2014 war er in verschiedenen renommierten Laboren wie etwa am Broad Institute of MIT and Harvard tätig und leistete wichtige Forschungsarbeit zum Thema RNA. Im Juli 2019 kam er über das Helmholtz-Nachwuchsgruppenprogramm als Leiter einer unabhängigen Helmholtz-Nachwuchsgruppe zum HIRI.
Weitere Informationen: https://www.helmholtz-hiri.de/de/forschung/organisation/people/person/jun-prof-mathias-munschauer/
Über das HIRI
Das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) ist die erste Einrichtung weltweit, die die Forschung an Ribonukleinsäuren (RNA) mit der Infektionsbiologie vereint. Auf Basis neuer Erkenntnisse aus seinem starken Grundlagenforschungsprogramm will das Institut innovative therapeutische Ansätze entwickeln, um menschliche Infektionen besser diagnostizieren und behandeln zu können.
Das HIRI ist ein Joint Venture des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und befindet sich auf dem Würzburger Medizin-Campus.
Die ERC Starting Grants
ERC Starting Grants sind Förderinstrumente des Europäischen Forschungsrats (European Research Council), die junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei unterstützen, den Karrieresprung zu unabhängigen und selbständigen Spitzenforschern zu machen. Bei Antragsstellung dürfen höchstens sieben Jahre seit dem Erlangen des Doktorgrades vergangen sein, ausdrücklich einziges Bewertungskriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz der Forscher und des vorgeschlagenen Vorhabens. Die erfolgreichen Projekte werden bis zu fünf Jahre mit einer Gesamtsumme von bis zu 1,5 Millionen Euro gefördert.
Weitere Informationen: https://erc.europa.eu/funding/starting-grants
Der Europäische Forschungsrat
Der Europäische Forschungsrat, der 2007 von der Europäischen Union eingerichtet wurde, ist die erste europäische Förderorganisation für exzellente Pionierforschung. Jedes Jahr wählt er die besten und kreativsten Forscher jeder Nationalität und jeden Alters aus und finanziert deren in Europa angesiedelte Projekte. Der ERC bietet vier Kernförderprogramme an: Starting, Consolidator, Advanced und Synergy Grants. Mit seinem zusätzlichen Proof-of-Concept-Grant-Programm hilft der ERC den Grant-Stipendiaten, die Lücke zwischen ihrer Pionierforschung und den frühen Phasen ihrer Vermarktung zu schließen.
Weitere Informationen: https://erc.europa.eu/
Pressebild
Die komplette Medieninformation inkl. Foto können Sie hier einsehen (Link zur HIRI-Webseite).
HIRI-Medieninformation vom 10. Januar 2022
Das orale Plattenepithelkarzinom ist die häufigste bösartige Tumorerkrankung der Mundhöhle. Es unterscheidet sich von Patient zu Patient sehr deutlich, etwa was die Entstehung von Metastasen oder das Ansprechen auf die Therapie betrifft.
Warum ist dieses Karzinom so vielfältig? Das will Dr. Kai Kretzschmar in seinem neuen Projekt OralNiche herausfinden.
Der Gruppenleiter am Würzburger Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum für Krebsforschung erhält dafür eine hochkarätige Förderung: Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) hat ihm einen Starting Grant in Höhe von 1,77 Millionen Euro bewilligt. Diese Auszeichnung wird in einem europaweiten Wettbewerb an herausragende Nachwuchsforschende vergeben.
Das Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum für Krebsforschung ist eine gemeinsame Einrichtung des Universitätsklinikums (UKW) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Es wurde im Juli 2018 durch eine Förderung der Deutschen Krebshilfe in Höhe von zehn Millionen Euro initiiert.
Blick richtet sich auf Stammzellen der Mundhöhle
Im Mittelpunkt des neuen Projekts steht das orale Epithel. Das ist die oberste Zellschicht in der Mundhöhle und auf der Zunge. Sie ist einzigartig durch ihre strukturelle Diversität und ihre unterschiedlichen Mikroumgebungen (Nischen). Um ihre Vielfalt zu verstehen, ist ein Blick auf die Stammzellen nötig, die das Epithel durch stetige Zellteilungen aufrechterhalten. Über die ortsspezifische Vermehrung und Reifung dieser Zellen ist bislang nur wenig bekannt.
Das soll sich ändern: „Wir werden erstmals die verschiedenen Pools der Oralepithelstammzellen systematisch und umfassend charakterisieren“, sagt Kretzschmar. Sein Team will die Mechanismen entschlüsseln, die der Vielfalt des oralen Epithels zugrunde liegen, und ihren Beitrag zur Vielfalt der Plattenepithelkarzinome beschreiben.
Der Würzburger Krebsforscher möchte am Ende auch verstehen, warum die Karzinome so unterschiedlich auf die Therapie ansprechen. Für die Patientinnen und Patienten könnte das zu einer verbesserten Behandlung führen. „Unsere Erkenntnisse könnten außerdem auf andere Gewebe und Tumorarten übertragbar sein und somit einen modellhaften Ansatz für die Krebsforschung bieten“, erklärt Kretzschmar.
Werdegang des ERC-Preisträgers
Kai Kretzschmar, 1985 in Berlin geboren, studierte Biologie in Frankfurt am Main und in Cambridge (UK). Anschließend promovierte er 2014 an der Universität Cambridge mit einem Thema zur Zellbiologie der Haut. Für seine Doktorarbeit erhielt er 2015 den Nikon-Nachwuchspreis der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie.
Nach der Promotion wechselte er ans Hubrecht-Institut in Utrecht (Niederlande). Dort arbeitete er über Hautstammzellen und Herzregeneration. Er entwickelte auch neuartige Organoid-Modelle zur Erforschung der Hautepidermis und der Immuntherapie gegen Darmkrebs.
Zur Finanzierung seiner Postdoc-Forschung erhielt Kai Kretzschmar mehrere prestigeträchtige Stipendien der Europäischen Organisation für Molekularbiologie, der Human Frontiers Science Programme Organisation und des niederländischen Forschungsrats.
Im Jahr 2020 kehrte der Biologe zurück nach Deutschland. Hier baute er am Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum für Krebsforschung des UKW und der JMU eine Nachwuchsgruppe auf. Mit rund 1,2 Millionen Euro von der Deutschen Krebshilfe gefördert, erforscht sein Team seitdem die zellulären und molekularen Grundlagen von Kopf-Hals-Krebserkrankungen.
Betätigungsfeld auch für Studierende
Dank der 1,77 Millionen Euro vom ERC kann Kretzschmars Gruppe nun weiter wachsen. Für OralNiche sind derzeit eine Postdoc-Stelle und zwei Promotionsstellen vorgesehen. Auch Studierende der Lebenswissenschaften können im Labor Praktika oder Bachelor- und Masterarbeiten absolvieren.
Kontakt
Dr. Kai Kretzschmar, Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum für Krebsforschung, Institut für Virologie und Immunbiologie, Universität Würzburg, T +49 931 31-88085, kai.kretzschmar@uni-wuerzburg.de
Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 10. Januar 2022
In einer furchteinflößenden Situation empfinden viele Menschen weniger Angst, wenn sie diese Situation nicht alleine durchstehen müssen. Was aber, wenn diese Menschen unter einer ausgeprägten sozialen Angst leiden – also Furcht davor haben, sich in der Öffentlichkeit zu blamieren? Dreht sich dann der beruhigende Einfluss eines Begleiters ins Gegenteil um? Könnte in solchen Fällen ein virtueller Begleiter die Lösung für das Problem sein? Und wie unterscheiden sich eigentlich Frauen und Männer in solchen Situationen?
Publikation in Translational Psychiatry
Diesen Fragen ist ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg sowie der Zhengzhou Universität (China) in einer aktuellen Studie nachgegangen. Daran beteiligt waren Vertreterinnen und Vertreter der Neurowissenschaften, der Psychologie und der Informatik; verantwortlich dafür war Grit Hein, Professorin für Translationale Soziale Neurowissenschaften an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Würzburger Universitätsklinikums. In der Fachzeitschrift Translational Psychiatry hat das Team jetzt die Ergebnisse seiner Untersuchungen veröffentlicht.
„In aller Kürze zusammengefasst zeigen wir, dass Angst auch durch die ‚Anwesenheit‘ einer virtuellen Person gemindert werden kann, insbesondere bei sozial ängstlichen Frauen. Und ganz generell scheinen Frauen mehr von der Anwesenheit Dritter zu profitieren als Männer“, fasst Hein die zentralen Ergebnisse der Studie zusammen. Für die Behandlung von Angststörungen könne diese Erkenntnis potenziell von praktischer Bedeutung sein.
Studie mit mehr als 200 Teilnehmenden
208 Männer und Frauen haben an der Studie teilgenommen. Ihnen allen wurden Angst auslösende Geräusche im Wechsel mit neutralen vorgespielt – mal in Begleitung einer Person, mal ohne. Dabei galt: Frauen bekamen Begleiterinnen zur Seite gestellt, Männer Begleiter. Den Grad der Angstreaktion der Probanden bestimmte das Forschungsteam zum einen über die Veränderung der Hautleitfähigkeit. Zum anderen mussten die Versuchspersonen die Geräusche auf einer vorgegebenen Skala bewerten.
Dabei unterschieden sich die Versuchsreihen in einem wesentlichen Kriterium: Während bei der einen Gruppe während des Experiments eine reale Person mit vor Ort war, erledigte die zweite Gruppe die Aufgabe in einer virtuellen Realität – mit einem Avatar an der Seite, der dem realen Begleiter lebensecht nachgebildet war.
Soziale Unterstützung wirkt wie ein Stresspuffer
„Frühere Experimente haben gezeigt, dass die Anwesenheit eines Dritten physiologische Angstreaktionen abschwächen kann. Soziale Unterstützung wirkt in solchen Fällen also wie ein Stresspuffer“, erklärt Grit Hein. Allerdings sind nicht alle Menschen gleichermaßen gesellig. Bei manchen löst gerade die Anwesenheit einer anderen Person Besorgnis oder Angst aus. Sie befürchten, dass ihre Begleitung Angstreaktionen wie Zittern, Erröten oder Schwitzen an ihnen wahrnehmen könnten, und geraten deshalb erst recht in Stress. Ob auch ein Avatar in der Lage ist, solch eine Reaktion hervorzurufen, war bislang nicht zweifelsfrei geklärt.
Für Klarheit sorgen jetzt die Ergebnisse der Würzburger Studie. Sie zeigen:
- Frauen reagieren deutlich stärker auf Angst auslösende Geräusche als Männer.
- Vor allem bei Frauen mindert die Anwesenheit Dritter Angst. Dies gilt in besonderer Weise für Frauen, die keine ausgeprägten sozialen Ängste haben.
- Auch die Anwesenheit einer virtuellen Person reduziert bei Frauen die Angstreaktion – unabhängig davon, wie stark sie von sozialen Ängsten betroffen sind. Ein virtueller Agent kann also bei Frauen mit ausgeprägten sozialen Ängsten das Sicherheitsgefühl verstärken.
- Bei Männern wirken sich soziale Ängste nicht in vergleichbarer Weise aus.
„Unsere Ergebnisse liefern neue Einblicke in die individuellen Unterschiede, die die soziale Modulation der autonomen menschlichen Angstreaktionen beeinflussen“, schreiben die Autorinnen und Autoren der Studie in ihrer Zusammenfassung. In zukünftigen Studien wäre es interessant, diese Effekte bei der Verarbeitung positiver Reize zu untersuchen.
Darüber hinaus wünschen sie sich, dass zukünftige Studien systematisch den Effekt des Geschlechts des „unbeteiligten Dritten“ erforschen. Dann ließen sich auch wissenschaftlich fundierte Aussagen darüber treffen, wie Männer reagieren, wenn ihnen eine Frau in einer Angst auslösenden Situation zur Seite steht – und umgekehrt.
Originalpublikation
Social buffering of human fear is shaped by gender, social concern, and the presence of real vs virtual agents. Yanyan Qi, Dorothée Bruch, Philipp Krop, Martin J. Herrmann, Marc E. Latoschik, Jürgen Deckert and Grit Hein 1. Translational Psychiatry; https://doi.org/10.1038/s41398-021-01761-5
Kontakt
Prof. Grit Hein, PhD, Professur für Translationale Soziale Neurowissenschaften, Universität und Universitätsklinikum Würzburg, T: +49 931 201-77411, hein_g@ukw.de
Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 10. Januar 2022
Das alljährlich im Dezember veranstaltete Jahresmeeting der American Society of Hematology (ASH) ist der weltweit wichtigste und umfassendste Kongress in der hämatologischen Onkologie. Seine 63. Neuauflage fand vom 11. bis 14. Dezember 2021 statt. „Die dort präsentierten Erkenntnisse, Forschungsansätze und Fortschritte sollten möglichst vielen interessierten Medizinerinnen und Medizinern nahegebracht werden“, betont Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW). Deshalb veranstaltet das UKW am Mittwoch, den 2. Februar 2022, ein Post-ASH-Webinar. Als Organisationspartner bei der über die Internet-Plattform Zoom übertragenen Veranstaltung fungiert das Klinikum Nürnberg Nord. Hintergrund dieser Allianz ist die kollegiale Verbindung zu Prof. Dr. Stefan Knop. Der ehemalige Schwerpunktleiter der Hämatologie sowie Universitätsprofessor für klinische und translationale Myelomforschung am UKW wechselte zum 1. November 2021 nach Nürnberg, um dort die Ärztliche Leitung der Medizinischen Klinik 5 mit den Schwerpunkten Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation zu übernehmen.
Moderiert von der Doppelspitze Einsele-Knop werden Kolleginnen und Kollegen aus Göppingen, Göttingen, Köln, Mannheim, Ulm und Würzburg schwerpunktmäßig über die praxisrelevanten klinischen Neuerungen des ASH referieren. Dabei wird es um die aktuelle Behandlung von Krankheiten wie Multiples Myelom, akute myeloische Leukämie, hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome, chronische lymphatische Leukämie, Morbus Hodgkin sowie Myelodysplastischen Syndromen gehen. Außerdem gibt es Updates aus dem Bereich der nicht malignen Hämatologie und zur allogenen Stammzelltransplantation.
Die kostenlose Veranstaltung beginnt um 16:00 Uhr. Wichtig ist eine Anmeldung bei Gabriele Nelkenstock, der Externen Selbsthilfebeauftragten des UKW, unter Tel: 0931 880 794 47 oder E-Mail: Nelkenstoc_G@ukw.de. Nach der Anmeldung erhalten die Teilnehmenden per E-Mail die Zugangsdaten und eine technische Anleitung. Das detaillierte Programm des Webinars findet sich unter www.ukw.de/medizinische-klinik-ii/veranstaltungen.
Um die Umsetzbarkeit und langfristige Akzeptanz verschiedener Testkonzepte in Betreuungseinrichtungen zu vergleichen, waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Würzburger Universitätsmedizin in neun Würzburger Kitas aktiv: Dort haben sie in enger Kooperation mit der Stadt Würzburg Kinder und Betreuungspersonal während der zweiten Coronawelle regelmäßig auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus getestet. Das zentrale Ergebnis der Studie: Kommen nicht invasive Testmethoden wie die Abgabe von Mundspülwasser zum Einsatz, wird das regelmäßige Testen sowohl vom Betreuungspersonal als auch von den Kindern auch langfristig gut akzeptiert.
Neben der Durchführbarkeit der Testmethoden wurden auch die Effekte, die regelmäßige Tests auf Kinder, Eltern und das Betreuungspersonal haben, umfassend analysiert. Basierend auf den Studienergebnissen wurde zudem ein mathematisches Modell entwickelt, das Infektionsketten und deren Eindämmung unter verschiedenen Szenarien darstellt. Die Ergebnisse der Würzburger Kinderbetreuungsstudie (Wü-KiTa-CoV) wurden nun in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlicht.
Die wichtigsten Ergebnisse
Kernaussagen der Wü-Kita-CoV-Studie sind:
- Über einen Zeitraum von zwölf Wochen wurden bei knapp 5000 Tests nur zwei Sars-CoV-2-Infektionen nachgewiesen. Dies belegt eine geringe Infektionsrate von Kindern in den ersten Infektionswellen der Pandemie.
- Die Bereitschaft zur Teilnahme an einer regelmäßigen Testung war nach einer umfassenden Aufklärung über den Ablauf der Testungen und über den zu erwartenden Nutzen sowohl bei Kindern und deren Eltern als auch bei den Mitarbeitenden der Kitas hoch.
- Die größte Zustimmung und zugleich die geringste Abbruchrate fand sich sowohl bei den Kindern als auch den Betreuerinnen für die nicht-invasive und wenig belastende Testmethode: die Entnahme von Mundspülwasser im häuslichen Umfeld.
- Lassen sich mindestens die Hälfte der Kinder und des Betreuungspersonals zweimal wöchentlich testen, ist die Gefahr einer Infektionsübertragung in der Betreuungseinrichtung so gering, dass eine kontinuierliche Kita-Betreuung möglich ist. Dabei sollte der erste Test am Wochenbeginn erfolgen, und die Testergebnisse müssen innerhalb von 24 Stunden vorliegen. Dies zeigt eine bioinformatische Modellierung der Virusausbreitung basierend auf den Studiendaten.
- Regelmäßiges Testen wirkte sich positiv auf das Sicherheitsempfinden der teilnehmenden Eltern und des Betreuungspersonals aus und minderte die empfundene psychische Belastung durch die Covid-19-Pandemie.
Nach der Einschätzung der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen diese Ergebnisse einen praxisnahen Weg auf, wie mit einer optimalen Teststrategie eine sichere Kinderbetreuung aufrechterhalten werden kann.
Allerdings geben sie zu bedenken, dass das mathematische Modell nur die Infektiosität der bisher in Deutschland verbreiteten Virusvarianten berücksichtigt. Sollten sich Virusvarianten durchsetzen, die deutlich ansteckender sind, wie beispielsweise Omikron, kann dieses Modell den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Auch der mögliche Effekt von Impfungen, die zum Zeitpunkt der Studie noch nicht verfügbar waren, ist in dieser Studie nicht berücksichtigt.
Auf Basis der Studiendaten hat das Studienteam einen konkreten Handlungsleitfaden für Kitas entwickelt, der über die Homepage der Studie frei verfügbar ist (https://go.uniwue.de/ueitaov).
Mehr Informationen zur Wü-KiTa-CoV-Studie
Um ein gut akzeptiertes und praktikables Corona-Testkonzept für Kinderbetreuungseinrichtungen zu ermitteln, hat die Wü-Kita-CoV-Studie über ein halbes Jahr hinweg fast 600 Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren und deren Eltern sowie Betreuerinnen und Betreuer durch die zweite Welle der Coronapandemie begleitet. Mehr als 60 Prozent der zur Teilnahme eingeladenen Kinder und des Betreuungspersonals aus neun Kinderbetreuungseinrichtungen im Stadtgebiet Würzburg nahmen zwischen Oktober 2020 und März 2021 – unterbrochen durch den Lockdown – an den Testungen auf das neuartige Coronavirus im Rahmen der Studie teil.
Fast 5000 Tests auf das SARS-CoV-2-Virus hat das Team der Würzburger Universitätsmedizin während der aktiven Studienphase von zwölf Wochen gewonnen. Zusätzlich konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über den gesamten Studienzeitraum hinweg in Interviews und Fragebögen Auskunft darüber geben, wie sie die Pandemie und die regelmäßigen Testungen erleben.
Durchgeführt wurde die Studie von einem interdisziplinären Studienteam, zusammengesetzt aus Mitgliedern der Universität, des Universitätsklinikums und der Stadt Würzburg unter der Leitung von Professor Oliver Kurzai (Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg) und Professor Johannes Liese (Kinderklink, Universitätsklinikum Würzburg).
Unter den beteiligten Partnern waren außerdem das Institut für Virologie und Immunbiologie, die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, das Institut für Allgemeinmedizin und das Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie sowie Experten für bioinformatische Modellierung des Leibniz Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut in Jena.
Unterschiedliche Testmethoden im Einsatz
Unterschiedliche Konzepte kamen in den neun Studien-Kitas zum Einsatz, um so herauszufinden, welches Testkonzept sich am besten durchführen lässt und welches die höchste Akzeptanz erreicht:
- regelmäßige Tests bei allen Betreuerinnen, Betreuern und Kindern mittels Nasenabstrich durch ein Studienteam einmal oder zweimal pro Woche vor Ort
- Mundspülwasserproben, die von den Eltern zweimal pro Woche selbständig entnommen und in der Kita für die nachfolgenden PCR-Labortestungen abgegeben wurden.
- Der Verzicht auf regelmäßige Testungen. Beim Auftreten von Erkältungszeichen wurde den Betroffenen eine rasche Testung in einer Untersuchungsstelle außerhalb der Kita angeboten.
Um festzustellen, ob Teilnehmer bereits vor Studienbeginn eine Coronainfektion durchgemacht hatten oder ob sich im Studienverlauf Infektionen ereignet hatten, die durch die regelmäßigen Testungen der Teilnehmenden nicht entdeckt wurden, wurde vor und nach der Studie der Corona-Antikörperstatus der Studienteilnehmer bestimmt.
Stimmen zur Studie
„Neben der hohen Teilnehmerrate und der klar dokumentierten positiven Auswirkung der regelmäßigen Testungen auf das psychische Befinden der Eltern und des Betreuungspersonals ist es besonders erfreulich, dass es während des gesamten Studienzeitraumes keine unentdeckte Covid-19-Infektion gegeben hat, wie wir mittels Antikörpertests feststellen konnten.“ (Dr. Johannes Forster; Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg)
„Eine regelmäßige Testung symptomfreier Kita-Kinder sowie deren Betreuerinnen und Betreuer auch über mehrere Monate wurde von dem Großteil der Kinder, Eltern und des Betreuungspersonals wirklich gut akzeptiert und vermittelte den Teilnehmenden ein hohes Sicherheitsgefühl. Im Gegensatz dazu nahm in der Kontrollgruppe, in der allen Haushaltsangehörigen nur beim Auftreten von Erkältungssymptomen eine Testung angeboten wurde, die psychische Belastung zu und die Teilnehmenden äußerten eine geringere Zufriedenheit mit ihrer Testmethode als in den anderen Gruppen.“ (Privatdozentin Dr. Andrea Streng; Kinderklink, Universitätsklinikum Würzburg)
„Das zweimal wöchentliche Testen der Hälfte der Kita-Kinder in einer Betreuungseinrichtung scheint ein realistisches und praktikables Konzept zu sein, um ein durchgängiges Offenhalten von Kinderbetreuungseinrichtungen zu ermöglichen. Ein nicht-invasives Testkonzept wie die Abgabe von Mundspülwasser oder Lollitests ließe sich sicher auch auf eine größere Zahl von Kinderbetreuungseinrichtungen übertragen.“ (Prof. Dr. Johannes Liese; Kinderklink, Universitätsklinikum Würzburg)
„Um Zweitinfektionen in den Kita-Gruppen zu vermeiden, ist es entscheidend, eine bestehende Covid-19-Infektion so schnell wie möglich zu detektieren. Das PCR-Ergebnis sollte entsprechend am Abend des Testtages, spätestens jedoch am Morgen des Folgetages vorliegen. Wenn das logistisch nicht möglich ist, kann ein Antigen-Schnelltest trotz seiner niedrigen Sensitivität definitiv die bessere Wahl sein.“ (Prof. Dr. Oliver Kurzai; Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg)
Die Beteiligten
Finanziert wurde die Studie mit mehr als einer Million Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Forschungsnetzwerks InfectControl. Die Modellierung wurde vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Bayern finanziert. In der täglichen Arbeit wurde das interdisziplinäre Studienteam aktiv von der Stadt Würzburg unterstützt.
Originalpublikation
Feasibility of SARS-CoV-2 Surveillance Testing Among Children and Childcare Workers at German Day Care Centers. JAMA Network Open, 2022; 5(1) e2142057. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.42057
Link zu open Access Original Publikation
Kontakt
Prof. Dr. Oliver Kurzai, Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie, T +49 931 31-88007, oliver.kurzai@uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Johannes G. Liese, Pädiatrische Infektiologie und Immunologie, Universitäts-Kinderklinik, T +49 931 201-27725, liese_j@ukw.de
Homepage der Studie: https://www.med.uni-wuerzburg.de/wuekitacov/startseite/