Aktuelle Pressemitteilungen

Große COVID-Untersuchung in der Würzburger Bevölkerung

Wie ist die tatsächliche Verbreitung des Coronavirus in Würzburg? Wer ist bereits immun? Und wie wirkt sich die Corona-Pandemie mit und ohne eine Infektion auf Körper, Geist und Seele aus? Patienten mit Herzkrankheiten sind besonders durch das Virus gefährdet. In der STAAB-Studie sucht das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) seit sieben Jahren nach Vorstufen einer Herzinsuffizienz und jetzt auch nach Coronavirus und Antikörpern, um diese Fragen zu beantworten. Mit Unterstützung der Stadt Würzburg und Oberbürgermeister Christian Schuchardt wurden 5.000 Würzburger und Würzburgerinnen zu umfassenden Untersuchungen eingeladen. Diese Gruppe ist den Projektleitern Prof. Dr. Stefan Störk und Prof. Dr. Peter U. Heuschmann zufolge einmalig, weil sie herausfinden kann, welche Risikofaktoren eine COVID-Infektion begünstigen und zu einem schweren Krankheitsverlauf führen. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt das Programm mit 1,5 Millionen Euro. Wissenschaftsminister Bernd Sibler übernimmt zusammen mit der Stadt Würzburg die Schirmherrschaft.

Die STAAB-Studienteilnehmer werden im DZHI innerhalb der nächsten zwei Jahre in regelmäßigen Abständen auf eine Corona-Infektion sowie auf SARS-CoV-2 Antikörper getestet.

„Das Würzburger STAAB-Programm bietet für Bayern die einzigartige Möglichkeit, sehr schnell und mit hoher Verlässlichkeit entscheidende Informationen zum Verbreitungsgrad, dem Grad der Antikörperprävalenz und den psycho-sozialen und medizinischen Auswirkungen zu erhalten“, kommentiert Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler. „Es wird helfen, besondere Risikogruppen in der Bevölkerung zu identifizieren und zu schützen“.

23 Milliliter Blut, eine unterschriebene Einverständniserklärung zur Teilnahme an der Studie und ein ausgefüllter Fragebogen zu veränderten Lebensgewohnheiten und Auswirkungen von Sozialer Distanzierung während der Corona-Krise – das beinhaltet die erste Untersuchung, die ab sofort bis Mitte September läuft.

Die ersten Ergebnisse zur Durchseuchung und dem Anteil in der Bevölkerung, der bereits Antikörper gebildet hat, werden schon im September erwartet. Weitere Untersuchungen sind geplant. „Auch die detaillierten Beschreibungen der Auswirkungen von Sozialer Distanzierung sind wichtige Informationen für die Gesundheitspolitik“, erklärt Prof. Dr. Peter U. Heuschmann, Leiter des Instituts für Klinische Epidemiologie (IKE-B).

Nach der Basisuntersuchung ist ein Rachenabstrich geplant, den jeder Studienteilnehmer zu einem bestimmten Zeitpunkt selbst vornimmt. „Dieser punktuelle Rachenabstrich erlaubt eine unmittelbare Momentaufnahme der Würzburger Bevölkerung“, sagt Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der Klinischen Forschung und Epidemiologie der Herzinsuffizienz am DZHI, und fügt hinzu: „Unsere Datensätze werden so erhoben, dass ein direkter Vergleich zwischen andere Regionen in Deutschland möglich ist, in denen vergleichbare Studien durchgeführt werden.“

Und welchen persönlichen Nutzen haben die Probanden bei einer Studienteilnahme? Prof. Dr. Georg Ertl, Ärztlicher Direktor des UKW, antwortet: „Die Studienteilnehmer erfahren zum Beispiel kostenfrei, ob sie durch Antikörper geschützt sind. Und wiederholte Tests können uns helfen eine zweite Welle der Pandemie vorherzusagen und auch die Region darauf vorzubereiten.“

Weitere Informationen zu den hygienischen Sicherheitsvorkehrungen vor Ort, zu den Untersuchungen und Bedingungen finden Sie auf der Webseite www.ukw.de/dzhi/staab-covid.

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Uniklinikum Würzburg: Ministerien genehmigen ersten Bauabschnitt auf dem Erweiterungsgelände Nord

Das Bayerische Wissenschaftsministerium genehmigte heute zusammen mit dem Finanz- und Bauministerium den jeweils ersten Bauabschnitt der Neubauprojekte Kopfklinikum und Zentrum Frauen-Mutter-Kind des Uniklinikums Würzburg.

Der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler bei der heutigen Unterschrift unter dem für den Medizinstandort Würzburg und ganz Unterfranken so wichtigen Planungsauftrag. Bild: StMWK

Große Freude und Erleichterung am Uniklinikum Würzburg (UKW): Die zuständigen bayerischen Ministerien genehmigten heute den jeweils ersten Bauabschnitt für den Neubau des Kopfklinikums und des Zentrums Frauen-Mutter-Kind. Mit der Genehmigung bat das Wissenschaftsministerium das Bauministerium, den Planungsauftrag zur Erstellung der Projektunterlagen zu erteilen. Gleichzeitig wurde die Bauverwaltung zur Durchführung eines Planungswettbewerbs ermächtigt. Damit ist der Weg frei für die Planungen zur Bebauung des Würzburger Erweiterungsgeländes Nord, das der Freistaat Bayern im Herbst 2019 von der Stiftung Juliusspital erworben hatte.

 

Grünes Licht für eine der größten Maßnahmen des Freistaats in der Hochschulmedizin

Der Bedeutung dieses Schrittes angemessen, waren die Reaktionen allseits überschwänglich. „Ich freue mich sehr, dass wir mit der Genehmigung den Grundstein für eine der größten Maßnahmen, die der Freistaat im Bereich der Hochschulmedizin jemals in Angriff genommen hat, legen konnten“, kommentierte Wissenschaftsminister Bernd Sibler.

Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, sprach von einem Feiertag fürs Uniklinikum sowie einem Wirkungskreis, der teilweise weit über Unterfranken hinausreicht. „Die Weichen für diese unerlässliche Weiterentwicklung von Patientenversorgung, Forschung und Lehre waren ja schon gestellt. Jetzt kann auch der Zug auf diesen Gleisen Fahrt aufnehmen“, freute sich der Klinikumsdirektor. Er nutzte die Gelegenheit, allen Politikern zu danken, die sich für das so dringend erwartete Projekt engagiert hatten.

 

Staatliches Bauamt kann jetzt in die Projektplanung einsteigen

Mit den Planungsaufträgen kann das Staatliche Bauamt nun die Projektplanung des Großprojekts beginnen. Die nächsten Schritte sind die Auslobung eines interdisziplinären Planungswettbewerbs und die Erstellung einer vertieften Vorentwurfsplanung, der sogenannten Projektunterlagen, die dem Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags vorgelegt werden.

Laut Jan Knippel, Bereichsleiter am Staatlichen Bauamt Würzburg, werden für die Durchführung des Planungswettbewerbs und die Erstellung der Projektunterlagen aktuell etwa 2,5 bis drei Jahre veranschlagt.

Zusammen mit den Erschließungskosten werden die Gesamtkosten für die beiden geplanten ersten Bauabschnitte über eine Milliarde Euro betragen.

 

 

 

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Der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler bei der heutigen Unterschrift unter dem für den Medizinstandort Würzburg und ganz Unterfranken so wichtigen Planungsauftrag. Bild: StMWK

Handgefertigte Masken bringen 1.000 Euro für die Würzburger Universitäts-Kinderklinik

Bei einer Spendenaktion für privat genähte Mund-Nasen-Schutzmasken kamen 1.000 Euro für die Station Seestern der Würzburger Universitäts-Kinderklinik zusammen.

Mit dem Fortschreiten der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen kam in diesem Frühjahr die Verpflichtung auf, in öffentlichen Bereichen Mund-Nasen-Schutzmasken zu tragen. Bedingt durch den weltweit riesigen Bedarf an medizinischen, aber auch einfachen Stoffmasken war es anfangs fast unmöglich, als Normalbürger überhaupt eine Maske zu bekommen. Immer mehr Nähbegeisterte griffen daher in die eigene Stofftruhe und begannen mit der Hilfe zur Selbsthilfe.

100 Masken für die BDZ – Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft
So auch Dagmar Steinschauer mit ihren beiden erwachsenen Töchtern Laura und Denise aus Sondheim im Grabfeld. Mutter Dagmar nähte zunächst Stoffmasken nur für die eigene Familie. Nach und nach kamen erste Anfragen aus der Ortschaft dazu. Ihre Tochter Denise ist Vorstandsmitglied im Ortsverband Mainfranken des BDZ – Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft. Sie erkannte, dass ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen möglicherweise auch noch nicht ausreichend mit Masken versorgt sein könnten. Spontan bot sie hier ihre Hilfe an. Es kam die Idee auf, unter den Gewerkschaftsmitgliedern und unter den interessierten Mitarbeiter/innen ihrer Dienststelle beim Hauptzollamt Schweinfurt eine Anfrage zu starten, wer noch entsprechende Masken benötige. In der Folge gingen zahlreiche Bestellungen bei Familie Steinschauer ein, so dass am Ende allein für den Kollegenkreis von Denise Steinschauer rund 100 Masken zu nähen waren.
Dagmar Steinschauer saß Abend für Abend und in jeder freien Minute an ihrer Nähmaschine, um die Flut der Aufträge möglichst schnell abzuarbeiten. Nach gut einer Woche war ein Großteil der Masken fertig und konnte – meist durch kontaktlose Übergabe – an die „Kunden“ geliefert werden.
Bereits im Vorfeld der Nähaktion hatte sich die Vorstandschaft des BDZ Ortverbands Mainfranken mit Familie Steinschauer darauf verständigt, die Maßnahme auch für eine Benefizaktion zu nutzen. So wurde pro Maske eine freiwillige Spende von fünf Euro veranschlagt, wovon ein Euro auf die Materialkosten entfiel. Die verbleibenden vier Euro sollten einem guten Zweck dienen.

Familiärer Kontakt zur Kinderklinik

Da Laura Steinschauer als Kinderkrankenschwester auf der pädiatrischen Infektionsstation Seestern der Würzburger Universitäts-Kinderklinik tätig ist, schlug Familie Steinschauer vor, die Spendenaktion zugunsten dieser Station durchzuführen. Der BDZ Ortsverband Mainfranken und die Vorstandschaft beteiligten sich an der Spendenaktion mit 100 Euro. Ferner unterstützten viele Kolleginnen und Kollegen die Aktion mit Spenden, die weit über den vorgeschlagenen „Preis“ hinausgingen. Zusammen mit Einzelspenden von Zöllnern und Bekannten der Familie Steinschauer konnte nach rund zwei Wochen eine Spendensumme von 1.000 Euro verbucht werden.

1.000 Euro für Spielsachen und mehr

Johannes Koch, der Vorsitzende des BDZ Ortsverbands Mainfranken, und Denise Steinschauer überreichten den Spendenscheck an Prof. Dr. Johannes G. Liese und Privatdozent Dr. Henner Morbach. Die beiden Oberärzte der Kinderklinik bedankten sich herzlich für die wunderbare Idee und die großzügige Spende. Das Geld soll unter anderem für die Beschaffung von Spielsachen für die kleinen Patienten der Station Seestern und für die Neueinrichtung des Spielplatzes vor der Station verwendet werden.

 

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Uniklinikum Würzburg: Online-Vortrag zu Wassereinlagerungen

Am Donnerstag, den 23. Juli 2020, beantworten zwei Experten des Uniklinikums Würzburg in einem kostenlosen Online-Vortrag Fragen zur Diagnostik und Behandlung von Wassereinlagerungen im Körper, sogenannten Ödemen.

Ein Ödem ist eine durch Flüssigkeitsansammlung bedingte Schwellung im Körper. „Meist sammelt sich das Wasser in den Beinen und an den Fußknöcheln, manchmal aber auch an anderen Stellen“, sagt Privatdozent Dr. Kai Lopau, der Stellvertretende Leiter der Nephrologie der Medizinische Klinik und Poliklinik I am Uniklinikum Würzburg (UKW). „Neben harmlosen Ursachen, wie Hitze oder langes Stehen, können Ödeme auch die Folge von ernsten Krankheiten, wie etwa Herzschwäche oder Nierenerkrankungen sein“, verdeutlicht sein Kollege, der Kardiologe Prof. Dr. Ulrich Hofmann. Der Geschäftsführende Oberarzt der Medizinischen Klinik I fährt fort: „Oft sind die Wassereinlagerungen zudem chronisch oder wiederkehrend und können für die Betroffenen ein beträchtliches Problem sein.“

Für einen umfassenden Blick auf die Diagnostik und Behandlung der verschiedenen Arten von Ödemen laden die beiden Experten alle Interessierten am Donnerstag, den 23. Juli 2020 zwischen 18:00 und 19:30 Uhr zu einem Online-Vortrag ein. Die Veranstaltung unter den Titel „Wenn das Wasser bis zum Hals steht“ nutzt die Plattform „Skype for Business“. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Internetverbindung sowie ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop oder ein PC.

„Wir werden an dem Abend unter anderem schildern, wie man Ödeme entdeckt, wann man zum Hausarzt oder zum Spezialisten gehen sollte und welche Behandlungswege für wen geeignet sind“, kündigt der Nierenspezialist Dr. Lopau an. „Zum Teil reichen schon Änderungen im Trinkverhalten oder die Kompression der Beine als vielleicht unbequeme, aber erfolgreiche Maßnahmen“, verrät Prof. Hofmann.

Mit dem digitalen Format setzen die Mediengruppe Main-Post und das UKW nach einer Corona-bedingten Pause ihre gemeinsame, seit Jahren erfolgreiche Reihe „Abendsprechstunde“ fort, die bislang aus Hörsaal-Vorträgen bestand. Die Teilnahme ist kostenlos. Wichtig ist jedoch eine Anmeldung ausschließlich bei der Main-Post unter Tel: 0931/6001 6009 oder unter http://akademie.mainpost.de.

 

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Pressemitteilung der Universität Würzburg: Auf die Lage kommt es an – auch bei der Immunantwort im Magen-Darm-Trakt

Forscher der Universität Würzburg bilden im Labor den Magen-Darm-Trakt mit Mini-Organen nach. Die Mini-Organe geben Einblicke in die Entzündungsreaktionen, die auch bei Krankheiten wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eine Rolle spielen.

 

Wie kommt es, dass bei manchen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn, sowohl der Dünn- als auch der Dickdarm betroffen sind, während andere Leiden (zum Beispiel Colitis ulcerosa) ausschließlich den Dickdarm befallen? Unter anderem, um medizinischen Rätseln wie diesen auf die Schliche zu kommen, hat ein Forschungsteam der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg Miniaturversionen des Magen-Darm-Trakts im Labor rekonstruiert. Eine ihrer Entdeckungen: Dem Magen-Darm-Trakt wohnt eine verborgene Strukturierung inne, die auch neues Licht auf die genannten, weitverbreiteten Entzündungserkrankungen werfen könnte.

Inzwischen können Forscherinnen und Forscher im Labor von praktisch all unseren Organen – darunter Haut, Gehirn und Darm – Miniaturversionen bilden. Man bezeichnet die dreidimensionalen Gebilde, die sich aus Stammzellen herstellen lassen, als „Organoide“. Organoide sind mit einem Durchmesser von 0,5 Millimetern zwar nur etwa so groß wie ein Senfkorn, zeigen aber eine frappierende Ähnlichkeit mit den realen Organen. „Obwohl sie winzig sind, bilden die Organoide das ursprüngliche Organ sehr gut nach“, sagt Dr. Sina Bartfeld, die Leiterin der Studie vom Zentrum für Infektionsforschung am Institut für Molekulare Infektionsbiologie der JMU. „Im Organoid sind die gleichen Zelltypen vorhanden, wie im echten Organ. In den Stammzellen, aus denen die Organoide entstehen, ist dabei auch eine Art Gewebsidentität einprogrammiert. Die Stammzelle weiß sozusagen, aus welchem Organ sie kommt, und produziert auch in der Kulturschale diejenigen Zellen, die in diesem Organ im Körper vorhanden sind.“

Mini-Organe des Magens, Dünndarms und Dickdarms analysiert

In Zusammenarbeit mit dem Chirurgen Armin Wiegering der Uniklinik Würzburg, generierte das Team um Sina Bartfeld Mini-Organe des Magens, des Dünndarms sowie des Dickdarms. Dabei stießen sie auf eine überraschend große molekulare Komplexität. Dies ergab die Analyse der Sequenzierung der RNA, die die Genaktivität der Zellen widerspiegelt. Beispielsweise zeigte sich: Die Organoide der verschiedenen Abschnitte des Magen-Darm-Traktes schalten je nach der Gewebsidentität spezielle Gen-Programme an. „Es ist jedem intuitiv verständlich, dass Magen- und Darmzellen unterschiedliche Enzyme zur Verdauung bilden müssen, aber uns hat überrascht, dass auch bestimmte Andockstellen des Immunsystems zu dieser Gewebsidentität gehören“, sagt Bartfeld.

Die spezielle Organisation dieser Immun-Andockstellen könnte eine Rolle spielen bei den Organ-spezifischen Entzündungskrankheiten. Sie könnte auch für die Krebsentstehung relevant sein, bei der ebenfalls chronische Entzündungen im Verdacht steht. Ob dies so ist und wie Entzündungsprozesse zur Krebsentstehung beitragen könnten, muss noch näher erforscht werden. Die Organoide bieten hierfür eine neue Grundlage.

Organoide lassen sich im Labor nicht nur rasch und in großer Stückzahl bilden, sie haben zudem den Vorteil, dass sie aus menschlichem Gewebe bestehen und ein menschliches Organ rudimentär nachbilden. Da die Unterschiede zwischen Tier und Mensch beträchtlich sind, können Organoide helfen, Tierversuche zu reduzieren und Krankheiten zu entschlüsseln, die es nur beim Menschen gibt. Auch bei der Entwicklung von Medikamenten spielen sie eine immer größere Rolle.

Zellen unterschieden zwischen Freund und Feind

Außerdem bieten Organoide ganz neue Möglichkeiten, molekulare Grundlagenprozesse an einem biologisch realistischen Modell zu erforschen, etwa des Magen-Darm-Trakts, auf den sich auch die Würzberger Gruppe um Bartfeld spezialisiert hat. Die Zellen, die unseren Verdauungstrakt auskleiden, die „Epithelzellen“, haben eine wichtige Barrierefunktion, die unseren Körper vor dem Eindringen von Bakterien schützt. Das können zum einen Pathogene, wie krankheitserregende Bakterien oder Viren sein. Zugleich wird der Darm von Billionen gutartigen Bakterien bevölkert (die Darmflora oder auch „Mikrobiota“ genannt), die uns bei der Verdauung von Nahrung behilflich sind. Die Epithelzellen müssen somit in der Lage sein, sowohl freundliche als auch feindliche Bakterien wahrzunehmen und auf diese adäquat zu reagieren. Dies funktioniert über spezielle Immun-Andockstellen, die als „Mustererkennungs-Rezeptoren“ (PRRs) bezeichnet werden.

Diese Immun-Andockstellen erkennen spezifische Moleküle, die von den unterschiedlichen Bakterien im Darm produziert werden. Werden Moleküle von gefährlichen Pathogenen erkannt, müssen die Epithelzellen – im Gegensatz zu jenen Molekülen der gutartigen Bakterien – Alarm schlagen und eine Immunantwort herbeiführen. Unklar ist bislang, wie das Epithel dabei zwischen Freund und Feind zu unterscheiden vermag. „Es ist ausgesprochen schwierig, die komplexen Interaktionen zwischen Immunzellen, Epithelzellen und Mikroben zu entwirren“, sagt Bartfeld. „Da aber unsere Organoide im Labor nur aus eben diesen Epithelzellen bestehen, können wir anhand der Organoide ganz reduziert beobachten, was das Epithel zu diesen Interaktionen beiträgt.“

Wichtiger Schritt in der Aufklärung von Entzündungsmechanismen

Bei ihren Untersuchungen fanden die Würzberger Forscher für jeden der untersuchten Mustererkennungsrezeptoren ein eigenes, segmetspezifisches Genaktivitäts-Muster. „Der Magen und jedes Segment im Darm hat ein eigenes, bestimmtes Repertoire von Erkennungsrezeptoren“, sagt Özge Kayisoglu, Erstautorin der Studie. „Es kommt also auch bei der Immunantwort des Epithels auf die genaue Lage an. So reagiert der Magen auf andere baktierielle oder virale Stoffe, als der Dünn- oder Dickdarm.“ Diese Unterschiede in der Immunantwort könnten möglicherweise auch zu den segmentspezifischen Krankheiten wie Colitis ulcerosa beitragen.

Woher kommt diese unterschiedliche Reaktion auf bakterielle oder virale Stoffe? Die naheliegende Vermutung der Forscherinnen und Forscher war zunächst, dass die Immunrezeptoren als Antwort auf die Besiedlung mit den gutartigen Bakterien reguliert ist. Um diese Vermutung zu testen, stellten die Wissenschaftler Organoide von Zellen her, die noch nie in Kontakt mit Bakterien waren. „Die Daten zeigen, dass es durchaus einen Einfluss des Mikrobioms gibt – aber es war überraschend und faszinierend zu sehen, dass ein Großteil der Immunerkennung des Epithels rein entwicklungsbiologisch in den Genen festgeschrieben und unabhängig von der Umwelt ist“, sagt Bartfeld.

Die gesammelten Erkenntnisse stellen einen wichtigen Schritt in der Aufklärung von Entzündungsmechanismen dar. Sie zeigen, dass jeder Abschnitt des Magen-Darm-Traktes eine spezifische Kombination von Erkennungsrezeptoren aufweist. Eine Fehlfunktion dieser angeborenen Immunität könnte die Entwicklung entzündlicher Krankheiten fördern.

Publikation

Location-specific cell identity rather than exposure to GI microbiota defines many innate immune signalling cascades in the gut epithelium. Ozge Kayisoglu, Franziska Weiss, Carolin Niklas, Isabella Pierotti, Malvika Pompaiah, Nina Wallaschek, Christoph-Thomas Germer, Armin Wiegering, Sina Bartfeld. (Juni 2020) Gut. doi: 10.1136/gutjnl-2019-319919. http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2019-319919


Kontakt

Dr. Sina Bartfeld, Zentrum für Infektionsforschung, Institut für Molekulare Infektionsbiologie, Universität Würzburg, T +49 931 – 31 80121, sina.bartfeld@ uni-wuerzburg.de

 

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Wird Telemonitoring zur Routineversorgung bei Herzinsuffizienz?

Herzinsuffizienz ist in Deutschland der häufigste Grund für eine Klinikeinweisung. Die von der Würzburger Kardiologin Christiane Angermann geleitete multizentrische Registerstudie MEMS-HF hat erstmals in Europa gezeigt, dass ein Monitoring des Lungenblutdrucks mit dem CardioMEMS™HF System sicher ist und Krankenhausaufenthalte und Sterblichkeit verringern könnte. In einer Folgestudie, PASSPORT-HF, prüft das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) nun im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ob das CardioMEMS™HF System in Deutschland in die Regelversorgung integriert werden soll.

Der 15 Millimeter lange Sensor des CardioMEMSTM HF Systems wird mit zwei Drahtschlaufen in der Pulmonalarterie fixiert. © Abbott, 2020

Fast vier Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einer Herzinsuffizienz. Die Ursachen sind komplex. Die Lebenserwartung nimmt stetig zu und akute kardiovaskuläre Erkrankungen werden immer häufiger überlebt – nicht selten mit einer Herzinsuffizienz als Langzeitfolge. Hinzu kommen zahlreiche weitere Erkrankungen sowie gravierende Einschränkungen der Lebensqualität. Diese Volkskrankheit stellt sowohl für die Betroffenen als auch für das Gesundheitssystem eine enorme Belastung dar.

Bei Druckanstieg in Lungenarterie droht Dekompensation
Eine vielversprechende therapeutische Chance bietet die Früherkennung und präventive Behandlung von Verschlechterungen der Herzinsuffizienz. Klinische Symptome dieser sogenannten Dekompensation bemerken die Patienten in der Regel erst in einem fortgeschrittenen Stadium, wenn ein Krankenhausaufenthalt zur Behandlung dieses oft lebensgefährlichen Zustands nicht mehr zu vermeiden ist. Ein Druckanstieg in der Lungenarterie deutet indes meist schon Wochen zuvor die drohende Entgleisung an - früh genug, um durch eine geeignete vorbeugende Therapieanpassung einen weiteren Krankenhausaufenthalt zu verhindern.

Das CardioMEMS™HF System bietet die Möglichkeit, mit einem in die Lungenarterie eingebrachten Sensor die Druckwerte täglich zu überwachen. Die Patienten leiten sie mit der elektronischen Patienteneinheit selbst ab und übertragen sie auf eine sichere Website, wo das Betreuungsteam sie überprüfen und je nach Ergebnis die Therapie flexibel anpassen kann. Professor Dr. Christiane Angermann vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) berichtete beim Online-Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in einer „Late Breaking Clinical Trials“ Session am 23. Juni über die von ihr geleitete multizentrische MEMS-HF Studie, in der die Anwendung das CardioMEMS™HF Systems erstmals in drei europäischen Ländern untersucht wurde. Die Studienergebnisse wurden jetzt vom European Journal of Heart Failure veröffentlicht. 

Weniger Klinikaufenthalte und Todesfälle, mehr Lebensqualität
Die MEMS-HF Studie bestätigt Ergebnisse der amerikanischen CHAMPION-Studie und zeigt, dass ein CardioMEMS- geführtes Herzinsuffizienzmanagement auch in Deutschland, den Niederlanden und in Irland machbar ist. 234 Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz (NYHA Klasse III*) erhielten in insgesamt 31 Zentren einen CardioMEMS Sensor. Komplikationen bei der Implantation oder ein Versagen des Sensors wurden nur in seltenen Ausnahmen beobachtet und waren nicht lebensbedrohlich, das System erwies sich also als sehr sicher. „Die Teilnahmetreue der Patienten war zudem sehr hoch“, berichtet Prof. Dr. Christiane Angermann erfreut. Mehr als drei von vier Patienten übertrugen tatsächlich jeden Tag ihre Werte an ihr Zentrum und fast 100 Prozent übertrugen wenigstens einmal wöchentlich.“

Die klinischen Erfolge waren ebenfalls deutlich: „Die Hospitalisierungsrate war nach der Implantation des Sensors im Vergleich zum Jahr vorher um mehr als 60 Prozent reduziert, und die jährliche Sterblichkeit war mit weniger als 14 Prozent bei diesen Hochrisikopatienten relativ niedrig“, erklärt Christiane Angermann. „Eindrucksvoll war auch, dass sich die Lebensqualität umso mehr verbesserte, je ausgeprägter die Drucksenkung in der Lungenarterie war. Die depressiven Symptome bildeten sich ebenfalls deutlich zurück. Dazu kamen eine während des gesamten Untersuchungszeitraums von zwölf Monaten anhaltende Verbesserung der Herzschwächesymptome bei über 40 Prozent der Patienten und ein hochsignifikanter Abfall des Herzschwächemarkers NT-proBNP*.“

„Wert des CardioMEMS™HF-Systems ist umso größer, je besser das Betreuungsteam die Information für die Behandlung nutzt“
Wie kamen diese vielfältigen Verbesserungen zustande? „Natürlich erfordert die engmaschige Betreuung viel Kommunikation zwischen Patienten und Betreuungsteam und eine Infrastruktur, in der geschultes Personal zeitnah die richtigen Maßnahmen ergreift, wenn Abweichungen des Lungenarteriendrucks auftreten“, erläutert Angermann. „Für die Studie wurden in den Zentren Pflegekräfte speziell geschult, die bei den Patienten auch das in Würzburg entwickelte Disease Management Programm HeartNetCare-HF™ anwendeten. Hier lernen Patienten Therapietreue und Selbstfürsorge und erhalten Informationen über das Krankheitsgeschehen“, so die Kardiologin. „In MEMS-HF wurden besonders in der Anfangsphase die Medikamente oft angepasst, um den Lungenarteriendruck zu normalisieren. Wie weit das Disease Management zusätzliche positive Effekte hatte, ließ sich in der Registerstudie nicht sicher unterscheiden. Wahrscheinlich haben Patientenschulung und -information zu den guten Studienergebnissen beigetragen“.  Abschließend stellt Christiane Angermann fest: „Natürlich ist das CardioMEMS™HF System nur ein Hilfsmittel, es stellt nicht selbst eine Therapie dar. Sein Nutzen hängt daher immer ganz entscheidend von der nachgeschalteten Effektorseite ab, also davon, wie gut das Betreuungsteam das System zur Optimierung der Behandlung nutzt, und wie zeitnah und umfassend gut informierte Patienten die Behandlungsempfehlungen umsetzen. Leider gibt es für diese vielversprechende Betreuungsform bisher von den Krankenkassen keine Finanzierung.“

Wie geht es weiter? Derzeit wird im Auftrag des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) in der randomisierten PASSPORT-HF Studie geprüft, ob hierzulande im Vergleich ähnlich positive Effekte zu erwarten sind und das CardioMEMSTM HF-System in die Regelversorgung integriert werden soll. „Wichtig ist jedoch, dass die übertragenen Messwerte der Patienten von einer geschulten Pflegekraft und im Bedarfsfall zusätzlich vom Arzt regelmäßig evaluiert und interpretiert werden, sodass die Medikation und Therapie zeitnah angepasst werden können“, resümiert Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der neuen PASSPORT-HF Studie am DZHI.

* Die New York Heart Association (NYHA) hat die Herzinsuffizienz in vier Stadien eingeordnet.

*Die Biomarker BNP (brain natriuretic peptide) und NT-proBNP (N-terminales pro-BNP) sind Indikatoren für die Herzinsuffizienz und den Behandlungserfolg.

Publikationen
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32592227/
Angermann CE, Assmus B, Anker SD, et al. Pulmonary artery pressure-guided therapy in ambulatory patients with symptomatic heart failure: the CardioMEMS European Monitoring Study for Heart Failure (MEMS-HF) [published online ahead of print, 2020 Jun 27]. Eur J Heart Fail. 2020;10.1002/ejhf.1943. doi:10.1002/ejhf.1943

Angermann CE, Assmus B, Anker SD, Brachmann J, Ertl G, Köhler F, Rosenkranz S, Tschöpe C, Adamson PB, Böhm M.Safety and feasibility of pulmonary artery pressure-guided heart failure therapy: rationale and design of the prospective CardioMEMS Monitoring Study for Heart Failure (MEMS-HF).  Clin Res Cardiol. 2018 Nov;107(11):991-1002. doi: 10.1007/s00392-018-1281-8. Epub 2018 May 19.

 

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Der 15 Millimeter lange Sensor des CardioMEMSTM HF Systems wird mit zwei Drahtschlaufen in der Pulmonalarterie fixiert. © Abbott, 2020

Würzburger Universitäts-Frauenklinik: Tablets für die stationären Patientinnen

In Zukunft können stationäre Patientinnen der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg über zwei gesponserte Tablet-PCs mit der Außenwelt in Kontakt bleiben.

 

An der Würzburger Universitäts-Frauenklinik gibt es einen neuen Service für Patientinnen, die auf den operativen Stationen der Klinik auf ihre Genesung warten: Mit zwei gesponserten Tablet-PCs können sie ab sofort unkompliziert und kostenlos mit ihren Lieben zuhause kommunizieren. Hinter dem neuen Angebot steht die MediaMarktSaturn Retail Group. Diese stellt zusammen mit der Deutschen Technikberatung bei ihrer bundesweiten Initiative „Getrennt und doch verbunden“ vornehmlich Pflege-, Behinderten- und Seniorenheimen kostenlos Tablets zur Verfügung. Insgesamt drei Geräte gingen auch an den Würzburger Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“. Eines davon reichte der Verein schon vor einigen Wochen an die Medizinische Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) weiter, die beiden anderen wurden jetzt an die Frauenklinik ausgehändigt.

Hilfreich bei Heimatferne und in Corona-Zeiten

Mit den vorfigurierten, von der Klinik leihweise überlassenen Geräten können sich die dortigen Nutzerinnen mit Angehörigen und Freunden per Videochats in Wort und Bild austauschen. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das für viele unserer Patientinnen hoch attraktiv ist“, betont Prof. Dr. Achim Wöckel. Laut dem Direktor der Würzburger Universitäts-Frauenklinik hat seine Einrichtung gerade bei stationären gynäko-onkologischen Therapien einen sehr weiten Einzugskreis. „Bei den entsprechenden Entfernungen nachhause können viele unserer Frauen nicht täglich Besuch empfangen. Für sie sind die Tablets eine schöne Möglichkeit für Zuspruch und Information.“ Hinzu kommen nach seinen Worten aktuell die besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie, bei denen ein persönlicher Kontakt oft nicht möglich oder nicht gewünscht ist.

„Wir freuen uns, dass wir als Vermittler wieder einen Baustein dazu beitragen konnten, vor allem krebskranken Frauen ihre an sich schon belastende Situation ein bisschen zu vereinfachen“, sagt Gabriele Nelkenstock vom „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“. Zusammen mit Prof. Wöckel und seinem Team dankt sie den Sponsoren sehr herzlich.

Wer die Projekte von Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V. am UKW unterstützen will, kann auf folgendes Konto spenden:

Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.
Castell Bank Würzburg
IBAN: DE74 7903 0001 0000 0092 45
BIC: FUCEDE77XXX

www.kampfgegenkrebs.de

 

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