Aktuelle Pressemitteilungen

Covid Kids Bavaria: Kinder waren keine Treiber in den ersten Wellen der Pandemie

Das UKW war an einer bayernweiten Langzeitstudie beteiligt, die das Corona-Infektionsgeschehen in Schulen und Kindertagesstätten erforschte. Jetzt liegen die zentralen Ergebnisse vor.

An der Studie Covid Kids Bavaria arbeiteten ab dem Sommer 2020 alle sechs Universitätsklinika des Freistaats mit. Ziel des vom Bayerischen Wissenschaftsministerium geförderten Forschungsvorhabens war es, die Bedeutung von Grundschulen, Kindergärten und Kindertagesstätten für die Infektionsausbreitung von neuen Coronaviren zu untersuchen. Seit Ende Januar 2022 liegen die zentralen Ergebnisse vor. 

Kein erhöhtes Infektionsrisiko in Kitas & Co.

„Die Daten von insgesamt über 2500 Kindern sowie 1200 Lehrkräften, Betreuerinnen und Betreuern weisen klar darauf hin, dass Kinder während der zweiten und dritten Corona-Welle keine Treiber der Pandemie waren. Auch bestand kein erhöhtes Infektionsrisiko durch den regulären Besuch der Kinderbetreuungseinrichtungen“, fasst Prof. Dr. Johannes Liese wichtige Botschaften zusammen. Der Leiter des Bereichs Pädiatrische Infektiologie und Immunologie an der Würzburger Universitäts-Kinderklinik fährt fort: „Frühkindliche Bildung in Kinderkrippen und Kitas sowie Präsenzunterricht in Grundschulen sind auch nach zwei Jahren Pandemie weiterhin hoch relevant. Die Ergebnisse von Covid Kids Bavaria sind wesentlich mit in die Entscheidung der bayerischen Staatsregierung eingeflossen, dass Kinderbetreuungseinrichtungen während der Pandemie soweit irgend möglich offen bleiben müssen.“

Der Würzburger Beitrag zur Studie

Als Beitrag des Uniklinikums Würzburg zur Studie führte das von Prof. Liese geleitete Team der Kinderklinik im Oktober und Dezember 2020 sowie im März 2021 bei insgesamt 430 Kindern sowie 188 Betreuungspersonen Rachenabstriche durch. Dabei wurden nur ein Kind und ein Erwachsener corona-positiv getestet. 

Außerdem wurden Fragebögen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Kinder versandt. Die kleinen und großen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer kamen von acht Grundschulen und 16 frühkindlichen Bildungseinrichtungen. Diese verteilten sich auf acht Wahlkreise: Kreis Ansbach, Aschaffenburg Stadt, Coburg Stadt, Kreis Haßberge, Kreis Lichtenfels, Kreis Miltenberg, Kreis Schweinfurt und Würzburg Stadt.

Die durch die Fragenbögen gewonnenen, umfangreichen Daten zu den psychologischen und sozialen Auswirkungen des pandemischen Geschehens sind noch in der statistischen Auswertung.

Uniklinikum Würzburg: Neues Reanimationstraining für internationale Intensivpflegekräfte

Bei einem neukonzipierten Kurs im Simulationszentrum der Klinik für Anästhesiologie des Uniklinikums Würzburg trainierten fünf Pflegekräfte aus China und von den Philippinen erweiterte Reanimationsmaßnahmen.

Das Uniklinikum Würzburg wird zunehmend internationaler. Zu den zuletzt neugewonnenen internationalen Kolleginnen und Kollegen zählen fünf Chinesinnen und Filipinas, die auf den Intensivstationen des Klinikums eingesetzt werden. Um sie für wichtige Teilaspekte der Arbeit in diesem Bereich noch besser vorzubereiten, nahmen sie vor wenigen Wochen an einem neuen, maßgeschneiderten Reanimationsteamtraining im Simulationszentrum der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW teil. „Die zwischen 34 und 43 Jahre alten Kolleginnen sind in ihren Heimatländern examinierte Krankenschwestern. Sie alle bringen Erfahrungen in der Intensivpflege mit“, berichtet Nadja Kleilein. Die Praxisanleiterin für internationale Pflegekräfte am UKW, selbst Fachkrankenschwester für Intensivmedizin, fährt fort: „Im Moment werden sie noch als Krankenpflegehelferinnen eingesetzt, um dann aber nach offizieller Anerkennung zügig entsprechend ihrer fachlichen Qualifikation auch als Gesundheits- und Krankenpflegerinnen arbeiten zu können.“ 

Auf dem Weg dorthin durchlaufen die ausländischen Kräfte einen Deutschkurs sowie den von der Regierung von Unterfranken geforderten Anpassungslehrgang bei Nadja Kleilein. Der Lehrgang deckt allgemeine pflegerelevante Inhalte ab, wie zum Beispiel die Gabe von Medikamenten und Infusionen, den Pflegeprozess, die Wundversorgung sowie rechtliche Grundlagen. Hinzu kommt ein Extra-Unterricht zu intensivpflegerischen Themen. „Für Teilaspekte hieraus bat ich das Team des UKW-Simulationszentrums um Unterstützung“, schildert die Praxisanleiterin. Daraufhin entwickelte Manuel Hassemer, einer der Instruktoren des Simulationszentrums, ein speziell auf die internationale Zielgruppe angepasstes Schulungskonzept. 

Übungen am Full-Scale-Patientensimulator

„Unser Ziel war es, erweiterte Reanimationsmaßnahmen, also eine Wiederbelebung inklusive Intubation, Einsatz des Defibrillators und Gabe von Notfallmedikamenten, realitätsnah zu üben“, sagt der Krankenpfleger und Notfallsanitäter. Dafür wurde einer der Full-Scale-Patientensimulatoren des Zentrums genutzt. Hierbei handelt es sich um eine lebensgroße Nachbildung des menschlichen Körpers, die computergestützt und verbunden mit einer aufwändigen technischen Apparatur auf diverse klinische Eingriffe wie ein „echter Patient“ reagiert. Um den Patientensimulator herum wurde durch die entsprechenden medizinischen Geräte eine technische Umgebung ähnlich einer Intensiv- oder einer Intermediate-Care-Station geschaffen. 

Bei dem insgesamt vierstündigen Training führten Manuel Hassemer und Carolin Hofmann, Fachärztin für Anästhesiologie, zunächst die geforderten Maßnahmen vor. „Wichtig war uns, dass hier die Theorie vollständig verstanden wurde. Da die ausländischen Kolleginnen sehr gut Englisch sprechen, liefen die Hintergrundinfos und die Diskussion offener Fragen auf Englisch ab. Die Kommunikation während der Reanimation an sich wurde allerdings – wie in der Realität – auf Deutsch geübt“, erläutert Hassemer. 

Gelerntes sofort umgesetzt

Anschließend waren die Kursteilnehmerinnen selbst gefordert. Mit dem Patientensimulator wurde ein Atemstillstand bei noch bestehender Herzfrequenz simuliert. „Jetzt mussten die Kolleginnen selbstständig erkennen, dass eine akute Notfallsituation mit Herz-Kreislaufstillstand vorliegt und richtig handeln“, beschreibt der Instruktor.

Nach dem Training zeigte er sich mit dem gesamten Ablauf sehr zufrieden. „Man hat deutlich gemerkt, dass die Teilnehmerinnen bereits über ein sehr gutes Wissen in der Intensivpflege verfügen. Auch war die Gruppe hoch motiviert und hat die Inhalte des Kurses erfolgreich umgesetzt“, so Hassemer. Und Nadja Kleilein lobt: „Die Kursteilnehmerinnen und ich waren von dem Kurs begeistert. Ich hoffe, dass er zukünftig als festes Angebot bei der Einarbeitung von internationalen Pflegekräften etabliert werden kann.“

 

Uniklinikum Würzburg: Online-Vortrag zur Selbstfürsorge bei chronischen Krankheiten

Am 16. März 2022 organisiert der Steuerkreis Selbsthilfefreundliches Krankenhaus des Uniklinikums Würzburg eine kostenlose digitale Infoveranstaltung zum Selbstmanagement und zur Selbstfürsorge bei chronischen Erkrankungen.

Die meisten Menschen verfügen über enorme Fähigkeiten, Stress, Krisen und Rückschläge zu bewältigen. „Bei chronischen Erkrankungen kann es allerdings sein, dass der Zugang zu diesen persönlichen Ressourcen eingeschränkt ist oder verloren geht“, sagt Gabriele Nelkenstock. Die externe Selbsthilfebeauftragte des Uniklinikums Würzburg (UKW) weiß, dass dies ein Problem ist, mit dem sich viele Patientinnen und Patienten sowie Selbsthilfegruppen auseinandersetzen müssen. „Es gibt aber Wege, die individuellen Kräfte wieder selbst zu aktivieren oder zumindest notwendigen Unterstützungsbedarf zu erkennen“, betont Nelkenstock. Entsprechende Anregungen zur Selbstfürsorge und zum Erhalt eines selbstbestimmten Umgangs mit Erkrankungen wird ein Online-Vortrag am Mittwoch, den 16. März 2022, geben. Als Referenten für die kostenlose Infoveranstaltung konnte der Steuerkreis Selbsthilfefreundliches Krankenhaus des UKW Prof. Dr. Imad Maatouk gewinnen. Der Internist und ärztliche Psychotherapeut hat seit November vergangenen Jahres die Professur für Medizinische Psychosomatik an der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW inne und leitet den dortigen Schwerpunkt Psychosomatik, Psychotherapie und Psychoonkologie. „Generell richtet sich der Vortrag an alle Interessierten. Zu den Zielgruppen gehören aber gerade auch Selbsthilfegruppen, denn deren Angebote sind unverzichtbarer Bestandteil der psychosozialen Versorgung von Patientinnen und Patienten“, unterstreicht Prof. Maatouk. Er präzisiert: „Das Gespräch mit Gleichbetroffenen und aus den Erfahrungen Betroffener abgeleitete Patienteninformationen zum Leben mit einer Erkrankung bereichern die professionellen Angebote im Gesundheitswesen durch die sogenannte Betroffenenkompetenz. Diese leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung persönlicher Ressourcen.“

Die Veranstaltung beginnt um 18:00 Uhr und nutzt die Online-Plattform Zoom. Anmelden kann man sich bei Gabriele Nelkenstock unter Tel: 0931 880 794 47 oder E-Mail: selbsthilfe@ ukw.de.

Das UKW trägt seit dem Jahr 2019 die durch das bundesweite Netzwerk „Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“ vergebene Auszeichnung „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“.

Helfen Cortison und B-Vitamine gegen das Post-COVID-Syndrom?

PreVitaCOV geht am 1. Februar an den Start. Die vom Würzburger Institut für Allgemeinmedizin geleitete Pilotstudie ist eine der ersten medikamentösen Therapiestudien zu langfristigen Symptomen nach einer Infektion mit COVID-19.

Hausärztinnen und Hausärzte stehen seit knapp zwei Jahren vor ganz neuen Herausforderungen, eine davon ist die Behandlung des Post-COVID-Syndroms, auch als Long COVID bekannt. Bis zu 15 Prozent der SARS-COV19-Infektionen* ziehen Beschwerden nach sich, die länger als zwölf Wochen anhalten können. Die Betroffenen leiden am häufigsten unter Müdigkeit und Erschöpfung, Atembeschwerden, Kopfschmerzen sowie Riech- und Schmeckstörungen. Weitere häufige Symptome reichen von allgemeinen Schmerzen und Husten über posttraumatische Belastungsstörungen, Ängste und Zwänge bis hin zu kognitiven Einschränkungen und Haarausfall. 

Ursachen für Long COVID sind unklar

„Es gibt bislang keine wirksame Therapie gegen das Post-COVID-Syndrom. Es gibt lediglich Empfehlungen der S1-Leitlinie zur Linderung der Beschwerden und Vermeidung der Chronifizierung“, berichtet Professorin Ildikó Gágyor. Sie leitet gemeinsam mit Professorin Anne Simmenroth das Institut für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Würzburg, beide sind auch als Hausärztinnen tätig. Vermutet werden, dass Gewebeschäden und chronische Entzündungsprozesse die Symptome hervorrufen. Eine Viruspersistenz, also das Überleben des Krankheitserregers im Körper sowie Fehlregulationen von Zell- und Gewebsfunktionen werden ebenfalls als Ursachen von Long COVID diskutiert.

Therapiestudie mit Cortison und B-Vitaminen 

In der Regel verordnen Hausärztinnen und Hausärzte entzündungshemmende Medikamente und bestimmte B-Vitaminen um das Nervensystem zu unterstützen. Die Wirksamkeit dieser Therapie mit Cortison und Vitamin B1, 6 und 12 werden nun in der Studie PreVitaCOV untersucht. Die vierarmige randomisierte kontrollierte Pilotstudie ist eine der ersten Therapiestudien zu Post-COVID und wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Koordiniert wird das Projekt von Prof. Ildikó Gágyor vom Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Beteiligt sind neben dem UKW und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, die Institute für Allgemeinmedizin Kiel und Tübingen, die Forschungspraxennetzwerke der jeweiligen Institute sowie die Klinische Pharmakologie der Universität Magdeburg. 

Konkret werden ab Sommer 2022 insgesamt 100 Patientinnen und Patienten über 28 Tage entweder mit einem Kortikosteroid behandelt, mit einem Vitamin-B Komplex oder mit einem Placebo. In der Pilotstudie werden nicht nur erste Daten zur Wirksamkeit des Behandlungskonzeptes gesammelt, sondern auch Erkenntnisse zur Machbarkeit dieser klinischen Studie unter Integration von ambulanten und klinischen Versorgungstrukturen gewonnen. 

Wichtig für ambulante Forschung und Standort 

„Ich freue mich sehr, dass wir mit PreVitaCOV so schnell an den Start gehen konnten“, kommentiert Ildikó Gágyor. „Das Post-COVID-Syndrom geht mit einer hohen psychosozialen Belastung einher und hat eine enorme ökonomische Relevanz. Sofern es Hinweise für eine Wirksamkeit gibt, und wenn die Pilotstudie machbar ist, können wir sie fortsetzen, was ungemein wichtig ist für ambulante Forschung und den Standort - Würzburg, Bayern und Deutschland.“

* Sudre, C.H., Murray, B., Varsavsky, T. et al. Attributes and predictors of long COVID. Nat Med 27, 626–631 (2021). https://doi.org/10.1038/s41591-021-01292-y

Leitlinie: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-027l_S1_Post_COVID_Long_COVID_2021-07.pdf

 

 

„100 Jahre Luitpoldkrankenhaus“: Neue Festschrift ab sofort in Würzburger Buchhandlungen erhältlich

"Vom Luitpoldkrankenhaus zum Luitpold-Campus (1921-2021)" - Erhältlich in den Würzburger Buchhandlungen Hugendubel, Knodt und Schöningh.

100 Jahre Luitpoldkrankenhaus: Die Festschrift ist nun auch in den Würzburger Buchhandlungen Hugendubel, Knodt und Schöningh erhältlich. In der Festschrift thematisiert werden neben beispielhaften wissenschaftlichen und technischen Fortschritten auch Problemfelder wie die Rolle Würzburger Mediziner im Nationalsozialismus. Die chronologisch geordnete Darstellung in fünf Kapiteln wird durch Einschübe von Quellen und vertiefenden Informationen angereichert. Abgerundet wird der großzügig bebilderte Band durch ein umfassendes Personen- und Sachregister sowie durch Lagepläne, die die bauliche Entwicklung des Universitätsklinikums veranschaulichen. Der Autor Dr. Andreas Mettenleiter (Jahrgang 1968), Arzt und Medizinhistoriker, beschäftigt sich seit seiner Würzburger Studienzeit mit der Würzburger Medizingeschichte. 

Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor des UKW, freut sich, dass mit der Festschrift ein gut recherchiertes, übersichtliches und ansprechend gestaltetes Nachschlagewerk zur jüngeren Geschichte des Universitätsklinikums vorliegt: „Die Festschrift ist eine Fundgrube für alle, die tiefer in die facettenreiche Geschichte der Würzburger Universitätsmedizin eintauchen möchten. Gerade die vielen Zeitzeugen, die sich zu Wort melden, geben der Publikation eine sehr persönliche und unterhaltsame Note.“ 

Am 2. November 1921 wurde im Stadtteil Grombühl das ‚Staatliche Luitpoldkrankenhaus‘ eingeweiht. Vorausgegangen waren mehr als ein Vierteljahrhundert zäher Verhandlungen und kriegsbedingter Verzögerungen. Auf schwierige Anfangsjahre folgten Krieg, Zerstörung, Wiederaufbau und stufenweiser Ausbau des Universitätsklinikums bis hin zum Einzug in die Zentren ZOM und ZIM Anfang des 21. Jahrhunderts. Heute ist der Luitpold-Campus nicht nur Sitz von Kliniken und Universitätsinstituten, sondern auch Standort bedeutender Forschungseinrichtungen. 

Ein zweiter Band, der die Entwicklung der einzelnen Kliniken und Institute näher beleuchtet, wird aktuell bearbeitet.

Info:

Universitätsklinikum Würzburg: Vom Luitpoldkrankenhaus zum Luitpold-Campus 1921-2021. Bd. 1. 
Herausgegeben vom Vorstand des Universitätsklinikums Würzburg. Würzburg 2021
113 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
Preis: 18,00 Euro
ISBN 978-3-00-070503-8

Erhältlich in den Würzburger Buchhandlungen Hugendubel, Knodt und Schöningh, teilweise auch mit Versand.

Schnelle Datenerhebung für effektives Pandemiemanagement: Bund muss Investitionen in Digitalisierung mitfinanzieren

Pressemeldung Verband der Universitätsklinika Deutschlands e.V. (VUD) und Medizinischer Fakultätentag (MFT) vom 24. Januar 2022

Der Expertenrat der Bundesregierung zu COVID-19 hat in seiner Stellungnahme vom Wochenende auf die Dringlichkeit einer zeitnahen Datenerfassung und Datenverfügbarkeit hingewiesen.
Gerade durch die sich rasant ausbreitende Omikron-Variante wäre es notwendig, tagesaktuell die Hospitalisierungsrate in allen Altersgruppen und damit die täglich verfügbaren und belegten Krankenhausbetten zu erheben. 
Heute befasst sich die Konferenz des Bundeskanzlers mit den Regierungschef:innen der Länder mit den Vorschlägen des Expertenrats.
Die Deutsche Hochschulmedizin fordert die Verantwortlichen in Bund und Ländern ebenfalls dazu auf, so schnell wie möglich eine aktuelle Datenerhebung sowie die Verknüpfung von epidemiologischen und klinischen Daten und deren wissenschaftliche Auswertung für ein besseres Pandemiemanagement zu ermöglichen.

„Wir brauchen jetzt dringend ein Maßnahmenpaket, das die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreibt. Sofort benötigen wir aktuelle Daten über die Belegung und zu Ressourcen um die Lage in den Krankenhäusern beurteilen zu können. Sehr schnell muss dann die elektronische Patientenakte zeitnah und vollständig Gesundheitsdaten übermitteln, die auch für die wissenschaftliche Auswertung zugänglich sind und überall eingesetzt werden können. Das ist wichtig, um diese Pandemie in den Griff zu bekommen, aber auch für zukünftige Krisensituationen und generell für ein effektives Gesundheitswesen“, sagt Professor Jens Scholz, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands e.V. (VUD).

Der Expertenrat empfiehlt eine umfassende Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA), so wie es in dem Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) empfohlen wurde. Bisher wird die ePA nur von sehr wenigen Patientinnen und Patienten genutzt, obwohl die Krankenkassen ihren Versicherten seit 2021 eine ePA anbieten müssen.

„In anderen Ländern, wie z.B. in Dänemark oder Israel, hat eine Datenerhebung in Echtzeit und bezogen auf einzelne Patientinnen und Patienten bereits zu einem effizienteren Pandemiemanagement beigetragen. Um die Daten aus den elektronischen Patientenakten in Deutschland zukünftig besser für die Versorgung und Forschung nutzbar zu machen, sollte das vom SVR angeregte „Opt-out-Modell“ umgesetzt werden. Damit erhält jeder Mensch ab Geburt eine ePA, die automatisch in der Versorgung genutzt wird und nur auf Wunsch deaktiviert werden kann. Die Koalition hat das opt-out im Koalitionsvertrag vereinbart und sollte dies nun zügig umsetzen“, erklärt Professor Matthias Frosch, Präsident des Medizinischen Fakultätentags (MFT).

Um schnelle Erfolge bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens und insbesondere im Krankenhausbereich zu erreichen, wird die seit Jahren unzureichende Investitionsfinanzierung durch die Länder nicht ausreichen. Der Bund muss sich hier dauerhaft einbringen, um wichtige Investitionen zur Digitalisierung der Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Dies wäre ein wichtiger Impuls, um das Gesundheitswesen und die Krankenhauslandschaft in Deutschland nachhaltig zu verändern.

Kontakt: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Deutsche Hochschulmedizin e.V.

 

Stephanie Strehl-Dohmen/ Christiane Weidenfeld
Alt-Moabit 96, 10559 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 3940517-25
E-Mail: strehl-dohmen@uniklinika.de; weidenfeld@mft-online.de
www.deutsche-hochschulmedizin.de

Universitätsmedizin Würzburg: Translationale Biomechanik mit neuer Professur gestärkt

Die Unfallchirurgin Stefanie Hölscher-Doht ist jetzt Professorin für Translationale Traumatologie und Biomechanik an der Uni Würzburg. In ihrem Forschungsschwerpunkt untersucht sie, wie sich bei Frakturen der Einsatz von Platten, Schrauben, Zementen und Klebern auf die Knochen- und Sehnenstabilität sowie den Heilungsprozess insgesamt auswirkt.

Stefanie Hölscher-Doht arbeitet seit dem Jahr 2007 als Ärztin an der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Mit Wirkung vom 1. September 2021 wurde sie als Universitätsprofessorin für Translationale Traumatologie und Biomechanik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg eingestellt. 

Die gebürtige Düsseldorferin absolvierte ab dem Jahr 2000 ihr Humanmedizinstudium an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, wo sie in 2007 die Approbation als Ärztin erhielt. Schon ihre Doktorarbeit am Universitätsklinikum Münster führte die stark forschungsinteressierte Medizinerin in den Bereich der Biomechanik. Dabei überprüfte sie die Stabilität, die sich mit ursprünglich aus der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie stammenden Miniimplantaten in der Handchirurgie erzielen lässt.

Seit 2007 mit dem Thema Biomechanik am UKW betraut

Ihr Doktorvater in Münster war Prof. Dr. Rainer Meffert. Dieser wurde im Jahr 2007 nach Würzburg berufen, um dort die damals neu entstehende Chirurgische Klinik II zu leiten. Diese vereinte die Gebiete Unfall- und Handchirurgie sowie Plastische und Wiederherstellungschirurgie. Stefanie Hölscher-Doht folgte noch im selben Jahr einem Stellenangebot von Prof. Meffert ans UKW. „Im Zuge der Gestaltung der neuen Klinik bekam ich von Beginn an – als Assistenzärztin – die große Aufgabe und Chance, den Biomechanik-Bereich aufzubauen“, erinnert sich die W2-Professorin. Für die mechanischen Tests wurde im Zentrum für Operative Medizin des UKW ein Labor eingerichtet. Dessen Kernelement ist eine Materialprüfmaschine, mit der alle Arten von Druck-‚ Zug- und Torsionsbelastungen auf Knochen simuliert werden können. Neben menschlichen kommen hier Schweine- und Kunstknochen zum Einsatz. 

So wenige Schrauben wie möglich 

„Die zentrale Frage unserer Forschungsprojekte ist: Welche Versorgungstechnik gewährleistet nach einer Fraktur die höchste Stabilität, erlaubt eine schnelle Wiederbelastung und bietet die größten Chancen auf eine bestmögliche Ausheilung?“, schildert Prof. Hölscher-Doht. Zu der Suche nach passenden Antworten gehören immer wieder auch Abwägungsprozesse. So muss zum Beispiel beim Einsatz von Osteosynthesematerial – also implantierbaren Platten, Schrauben und Drähten – mit hohem Augenmaß vorgegangen werden. Denn jede Schraube sorgt nicht nur für Stabilität, sondern schwächt gleichzeitig den Knochen und die Knochenhaut, was sich auf die Heilung prinzipiell negativ auswirken kann. 

Impressionsbrüche am Schienbeinkopf: Arbeitsschritte umgekehrt

Zu den zur Verfügung stehenden Versorgungslösungen gehören auch Knochenersatzmaterialien wie Zemente und Kleber. „Eines meiner bislang schönsten Forschungsprojekte mit dem für mich interessantesten Ergebnis steht in enger Verbindung mit dem Einsatz von Knochenzement“, berichtet die Unfallchirurgin. Im Fokus stand die Therapie von Impressionsfrakturen am Schienbeinkopf. Hierbei brechen Teile der lasttragenden Gelenkfläche ein. Nach der chirurgischen Anhebung unter arthroskopischer Kontrolle des eingesunkenen Bereichs verbleibt darunter in vielen Fällen ein Hohlraum im Knochen. Dieser wird mit Knochenzement aufgefüllt. „Standardmäßig wurden zunächst Platten und Schrauben gesetzt – erst danach wurde der Zement eingespritzt. Das Problem dabei war, dass sich der zähflüssige Zement wegen der Schrauben häufig nicht mehr gut in der Höhle verteilen konnte“, beschreibt Prof. Hölscher-Doht. Oft blieb ein Hohlraum, in den das Plateau später wieder einsinken konnte. Mögliche Folgen sind eine Fehlstellung des Gelenks, Arthrose und chronische Schmerzen. „Auf der Suche nach einem alternativen Vorgehen experimentierten wir im Labor mit einem bohrbaren Knochenzement. Dieser wird als erstes eingespritzt, sodass ungehindert die komplette Knochenhöhle gefüllt werden kann. Erst anschließend, nach etwa acht Minuten Aushärtungszeit, werden die Schrauben durch den Zement hindurch gesetzt“, erläutert die Professorin. Nach ihren Worten konnte das Laborergebnis, aus dem nachweislich eine deutlich höhere Stabilität der Gelenkfläche resultiert, direkt in der klinischen Versorgung umgesetzt werden.

Breite Forschungstätigkeit trotz kleiner Manpower

Neben Frakturen am Schienbeinkopf beschäftigte sich Stefanie Hölscher-Doht in ihren bisherigen Forschungsvorhaben schwerpunktmäßig mit der Behandlung von Verletzungen der Mittelhandknochen. Hinzu kamen Frakturen des Ellenhakens. Für eine diesbezügliche vergleichende Untersuchung von unterschiedlichen Implantationslösungen erhielt sie im Jahr 2019 einen der klinischen Posterpreise auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. An Arbeiten zu vielen weiteren Lokalisationen, wie Schlüsselbein, Fersenbein und Sprunggelenk, war und ist sie beteiligt. „Ich bin sehr stolz darauf, dass es Stefanie Hölscher-Doht und ihrem kleinen Team seit Jahren gelingt, konkurrenzfähige translationale Forschung zu betreiben – gerade wenn man in Betracht zieht, dass vergleichbare biomechanische Themen andernorts von großen Instituten mit mehreren Ingenieuren beackert werden“, freut sich Prof. Meffert und ergänzt: „Zudem ist es ihr gelungen, wertvolle Kooperationen über das eigene Labor hinaus zu knüpfen. Das war ein wichtiger Schritt, um erfolgreich Forschungsmittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu akquirieren.“

Klinische Rückkopplung zu Zementen und Klebern

Auch in der Weiterentwicklung von Knochenzementen und -klebern ist die Forscherin aktiv. Dazu kooperiert sie seit vielen Jahren intensiv mit der von Prof. Dr. Uwe Gbureck geleiteten Arbeitsgruppe „Bioactive Inorganic Scaffolds“ vom Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe der Medizin und Zahnheilkunde der Uni Würzburg. „Unsere hervorragende Zusammenarbeit sorgt unter anderem dafür, dass die Grundlagenforschung nicht an den Anforderungen der klinischen Anwendung vorbeiläuft“, kommentiert Hölscher-Doht.

Sie selbst wird auch als Professorin den unmittelbaren Kontakt zu den alltäglichen Praxisanforderungen nicht verlieren, denn sie ist weiterhin mit einem bedeutenden Teil ihrer Arbeitszeit als Oberärztin der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie des UKW tätig. Spezialisiert ist sie dabei auf eher feine Eingriffe, wie das Zusammensetzen von stark fragmentierten Fuß- und Sprunggelenken, die Handchirurgie oder mikrochirurgische Operationen, wie das Annähen von abgetrennten Fingern.