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Wichtiger Meilenstein bei HI-PLUS: Jetzt beginnt die Auswertung der Herzinsuffizienz-Versorgungsstudie

Die bundesweite HI-PLUS-Studie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) hat die Nachbeobachtung der letzten Teilnehmenden abgeschlossen

Deutschlandkarte mit Punkten Verteilung der teilnehmenden Praxen, Kontrollgruppen grün, Interventionsgruppen orange, Drop-out grau und Pilotphase lila.
Für die HI-Plus-Studie wurden 55 kardiologische Praxen in Deutschland rekrutiert, 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen geschult.
Stefan Störk im weißen Kittel steht vor HI-Nurses, ebenfalls in weißer Arbeitskluft, im Hintergrund ein Flipchart
Prof. Dr. Stefan Störk ist leitet am Deutschen Zentrum für Herzinisuffizienz (DZHI) Würzburg das Department Klinische Forschung und Epidemiologie und das Fortbildungsprogramm für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA). © Daniel Peter / UKW

In der HI-PLUS-Studie werden bekannte Defizite in der Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz adressiert. Dabei wird eine neue, sektorenübergreifende Versorgungsform untersucht, die die Lebensqualität der Betroffenen verbessern und Krankenhausaufenthalte reduzieren soll. Im Mittelpunkt der neuen Versorgungsform stehen speziell für die Versorgung herzinsuffizienter Menschen qualifizierte Medizinische Fachangestellte (HI-MFA). Sie begleiten die Patientinnen und Patienten, erfassen Vitaldaten telemonitorisch und unterstützen den Informationsaustausch zwischen Hausarztpraxis und kardiologischer Praxis über eine digitale Fallakte. Insgesamt wurden 712 Patientinnen und Patienten in die bundesweite HI-PLUS-Studie eingeschlossen, von denen 585 die zwölfmonatige Nachbeobachtung absolvierten. Mit deren Abschluss beginnt nun die wissenschaftliche Auswertung. Erweist sich das Versorgungsmodell als wirksam, könnte es als skalierbares Modell für eine integrierte Herzinsuffizienzversorgung in ganz Deutschland dienen.

Würzburg. Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz werden häufig sowohl hausärztlich als auch kardiologisch betreut. Im Versorgungsalltag funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Behandelnden jedoch nicht immer optimal. Das kann dazu führen, dass Therapien nicht rechtzeitig angepasst werden und die Patientinnen und Patienten Betreuung nicht in der Intensität erhalten, die sie benötigen. Genau hier setzt die HI-PLUS-Studie an. Die bundesweite Versorgungsstudie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) Würzburg untersucht, ob eine engere Zusammenarbeit zwischen hausärztlichen und kardiologischen Praxen sowie speziell in Herzinsuffizienz geschulten Medizinischen Fachangestellten (HI-MFA) die Versorgung von Menschen mit Herzschwäche verbessern kann. Die Ergebnisevaluation der Studie wird durch das Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) der Universität Würzburg durchgeführt. Mit dem Abschluss der Nachbeobachtung der letzten Studienteilnehmenden hat HI-PLUS nun einen wichtigen Meilenstein erreicht.

Innerhalb von drei Jahren wurden 712 Patientinnen und Patienten in die zweiarmige, parallelgruppen-geführte, cluster-randomisierte, kontrollierte Studie eingeschlossen, von denen 585 die zwölfmonatige Nachbeobachtung absolvierten. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden, von denen 24 Prozent weiblich waren, lag bei rund 69 Jahren. Der überwiegende Teil der Teilnehmenden wies eine leichte oder mittelschwere Einschränkung durch die Herzinsuffizienz auf: 67,5 Prozent wurden der NYHA-Klasse II und 25,8 Prozent der NYHA-Klasse III zugeordnet.

HI-MFA haben Schlüsselrolle in sektorenübergreifender patientenindividueller Versorgungsform

Insgesamt wurden 55 kardiologische Praxen deutschlandweit rekrutiert und 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen in sieben Kursen nach einem Curriculum der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) am DZHI geschult. Die HI-MFA übernehmen bei HI-PLUS eine Schlüsselrolle, indem sie das Care- und Case-Management der Erkrankten durchführen. Sie begleiten die Patientinnen und Patienten, unterstützen das Selbstmanagement, überwachen die Therapie und koordinieren die Versorgung zwischen kardiologischen und hausärztlichen Praxen. Eine eigens für HI-PLUS entwickelte digitale eHealth-Plattform unterstützt den Austausch relevanter Informationen und die Erfassung von Telemonitoring-Daten wie Gewicht, Blutdruck und EKG.

Studiendesign und Pilotstudie in Clinical Research in Cardiology veröffentlicht

Die kürzlich in der Fachzeitschrift „Clinical Research in Cardiology“ veröffentlichte Pilotstudie evaluierte die Studienabläufe und zeigte, dass sich diese erfolgreich in den Praxisalltag integrieren lassen. Die Studienabläufe und die digitale Plattform erwiesen sich als praktikabel und wurden von den Teilnehmenden – sowohl von den Patientinnen und Patienten als auch von den beteiligten Praxen – gut angenommen. Nun beginnt die Phase der wissenschaftlichen Auswertung.

„Die HI-PLUS-Studie befasst sich mit anerkannten Lücken in der Herzinsuffizienzversorgung. Sollte sie sich als wirksam erweisen, könnte sie als skalierbares Modell für eine integrierte Herzinsuffizienzversorgung in ganz Deutschland dienen“, kommentiert Martha Schutzmeier. Die Erstautorin der Pilotstudie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am IKE-B der Universität Würzburg und ist dort für die Projektkoordination zuständig.

Hier werden in den kommenden Monaten die umfangreichen Datensätze evaluiert. Wird sich das neue Versorgungsmodell tatsächlich positiv auf die Lebens- und Versorgungsqualität von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz auswirken? Kann eine engere Zusammenarbeit zwischen Hausarztpraxis, Kardio-Praxis und HI-MFA die Lebensqualität der Studienteilnehmenden verbessern und Krankenhausaufenthalte reduzieren?

Drohende Dekompensationen frühzeitig erkennen

„Jeder vermiedene Krankenhausaufenthalt bedeutet für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz mehr Lebensqualität und geht häufig mit einer besseren Prognose einher. Entscheidend ist deshalb, eine drohende Dekompensation frühzeitig zu erkennen und ambulant zu behandeln, bevor eine Klinikeinweisung notwendig wird,“ sagt Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter des Departments Klinische Forschung und Epidemiologie am DZHI sowie des Fortbildungsprogramms für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA) am DZHI. „Mit dem Abschluss der Nachbeobachtung haben wir eine entscheidende Etappe erreicht. Nun können wir erstmals umfassend untersuchen, welchen Nutzen das neue Versorgungskonzept für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz im Versorgungsalltag hat."

Publikation des Studienprotokolls mit Ergebnissen einer vorgeschalteten Pilotstudie: Schutzmeier, M., Rücker, V., Widmann, J. et al. HI-PLUS: design of a cluster-randomized trial evaluating structured case management with telemonitoring to improve quality of life in heart failure. Clin Res Cardiol (2026) https://doi.org/10.1007/s00392-026-02904-8

Studien-Webseite

Pressemeldung vom 01.12.2023 zum Start der Studie und Fortbildung der HI-MFA

Deutschlandkarte mit Punkten Verteilung der teilnehmenden Praxen, Kontrollgruppen grün, Interventionsgruppen orange, Drop-out grau und Pilotphase lila.
Für die HI-Plus-Studie wurden 55 kardiologische Praxen in Deutschland rekrutiert, 48 nahmen aktiv an der Studie teil. In den Praxen der Kontrollgruppe fand unverändert die Regelversorgung statt. Für die Versorgung in der Interventionsgruppe wurden 70 Medizinische Fachangestellte aus den kardiologischen Praxen geschult.
Stefan Störk im weißen Kittel steht vor HI-Nurses, ebenfalls in weißer Arbeitskluft, im Hintergrund ein Flipchart
Prof. Dr. Stefan Störk ist leitet am Deutschen Zentrum für Herzinisuffizienz (DZHI) Würzburg das Department Klinische Forschung und Epidemiologie und das Fortbildungsprogramm für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA). © Daniel Peter / UKW

Das war der 14. Würzburger Gesundheitstag

Impressionen von den Infoständen des Universitätsklinikums am 25. Juli vor dem Falkenhaus

 

Wir vom UKW waren am Samstag, 25. Juli 2026 wie immer mit unseren blauen Pavillons vor dem Falkenhaus in der Würzburger Innenstadt platziert. Auf dem Programm standen dieses Jahr vier interessante übergreifende Themen:

  • Selbsthilfefreundliches Krankenhaus - Hand in Hand mit der Selbsthilfe
  • Netzwerk Hoffnung: Blut- & Stammzellspende retten Leben!
  • Biobank ibdw – "der kälteste Ort in Würzburg": Ihre Probe für die Zukunft der Forschung!
  • Transplantationszentrum und Organspende: „Was zählt ist die Entscheidung!“

Unsere Infostände waren den ganzen Tag trotz des heißen Wetters über gut besucht, es gab angeregte Gespräche, etliche erfolgte Stammzelltypisierungen und viele Teilnehmer am Glücksrad und bei den anderen Aktionen.

Hier ein paar Impressionen davon:

Universitätsklinikum Würzburg: Bildergalerie 14. Würzburger Gesundheitstag 2026

Vielen Dank auch an den Veranstalter, das Aktivbüro der Stadt Würzburg. 
Der Gesundheitstag findet alle 2 Jahre statt, Anbieter aus dem professionellen Gesundheitsbereich, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen informieren, beraten und unterhalten in der Würzburger Innenstadt. 

Personalia vom 28. Juli 2026 +++ Wir gratulieren herzlich!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

 

Dr. Kerstin Michalski, Privatdozentin für das Fachgebiet Nuklearmedizin, stellvertretende Direktorin der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, wurde mit Wirkung vom 14.07.2026 zur außerplanmäßigen Professorin bestellt.

Dr. Anna Winter, Zahnärztin, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, wurde mit Wirkung vom 11.07.2026 die Lehrbefugnis für das Fachgebiet „Zahn-, Mund- Kieferheilkunde, insbesondere Prothetik“ erteilt.
 

einBlick - Das Online Magazin der Universität Würzburg vom 28. Juli 2026

Wie das Gehirn entscheidet. Dominik Groos erforscht die uralten Schaltkreise hinter Verhalten und Motivation

Mit Humboldt-Stipendium von Zürich nach Würzburg und zur eigenen Emmy Noether-Forschungsgruppe

Dominik Groos vor einer Glastür mit der Beschriftung ikn Institut für Klinische Neurobiologie
Der experimentelle und theoretische Neurowissenschaftler, Dr. Dominik Groos, baut am Universitätsklinikum Würzburg eine eigene Emmy Noether-Forschungsgruppe auf. © Katrin Walter / UKW
Die beiden Wissenschaftler sitzen am Tisch - vor sich der Ausdruck einer Publikation
Mit einem Humboldt-Forschungsstipendium kam Dr. Dominik Groos (rechts) von der Universität Zürich ans Würzburger Institut für Klinische Neurobiologie zu Prof. Dr. Philip Tovote. © Katrin Walter / UKW

Der experimentelle und theoretische Neurowissenschaftler Dr. Dominik Groos kommt mit einem Humboldt-Forschungsstipendium von der Universität Zürich zu Prof. Dr. Philip Tovote ans Würzburger Institut für Klinische Neurobiologie und baut am Universitätsklinikum Würzburg demnächst eine eigene Emmy Noether-Forschungsgruppe auf. Seine Forschung zeigt, wie evolutionär alte Hirnnetzwerke Risiko, Belohnung und Körperzustand miteinander verbinden – und eröffnet neue Perspektiven für das Verständnis psychischer und metabolischer Erkrankungen.

Würzburg. Sein Fokus liegt auf wertebasierten Entscheidungsfindungen. Um diese zu erforschen taucht der Neurowissenschaftler Dr. Dominik Groos in evolutionär alte Hirnstrukturen wie den Hypothalamus ab, der Informationen aus Körper und Gehirn zusammenführt. Diese alten Hirnnetzwerke entstanden bereits vor vielen Millionen Jahren im Verlauf der Evolution und steuern bis heute sowohl bei Menschen als auch bei anderen Wirbeltieren grundlegende Funktionen wie Hunger, Schmerz oder Stress, aber auch Bewertungs- und Motivationsprozesse. Dies zeigen unter anderem die neuesten Arbeiten von Dominik Groos.

Spezifischer Hypothalamus-Habenula-Kreislauf steuert die Risikobereitschaft

In einer international beachteten Studie (Groos, D., et al. A distinct hypothalamus–habenula circuit governs risk preference, Nature Neuroscience 28, 361–373, 2025,  https://doi.org/10.1038/s41593-024-01856-4) identifizierte Groos mit seinen damaligen Kolleginnen und Kollegen der Universität Zürich beispielsweise bei Mäusen einen bislang unbekannten neuronalen Schaltkreis zwischen Hypothalamus und lateraler Habenula. Dieser beeinflusst die individuelle Bereitschaft, Risiken einzugehen. Während der Hypothalamus innere Zustände wie Hunger, Durst, Schlaf, oder Sexualverhalten steuert, bewertet die Habenula – eine winzige Region im Zwischenhirn – ob eine Handlung das Risiko wert ist. Dabei arbeitet das System keineswegs nach dem Prinzip „Stop“ oder „Go“. Denn überraschenderweise setzen diese hypothalamischen Nervenzellen sowohl den erregenden Neurotransmitter Glutamat als auch die hemmende Gamma-Aminobuttersäure (GABA) frei und senden somit gleichzeitig aktivierende und bremsende Signale an die Habenula.

Information zum Mausexperiment: Konkret bot Groos mit seinem Team an der Universität Zürich den Mäusen die Wahl zwischen einer sicheren Option, bei der sie in jedem Fall eine mittelgroße Belohnung in Form von kleinen Mengen Zuckerwasser erhielten, und einer riskanteren Option, nach deren Wahl die Belohnung entweder wesentlich größer oder wesentlich kleiner ausfiel. Die meisten Tiere waren risikoavers und gingen auf Nummer sicher. Ein Drittel der Mäuse hingegen ging vermehrt ein höheres Risiko ein. Diese Ergebnisse decken sich mit Beobachtungen am Menschen. Die meisten Menschen sind sinnvollerweise risikoavers. Wären alle risikofreudig, wäre die Spezies auf Dauer wegselektioniert. 

Gerade diese feinmodulierte Abstimmung könnte erklären, warum manche Individuen eher Risiken eingehen, während andere vorsichtiger entscheiden. Diese Präferenz war übrigens unabhängig von Geschlecht und zeigte sich als erstaunlich stabile Eigenschaft, die sich sogar vorab erkennen ließ, wie moderne Aktivitätsmessungen und Optogenetik zeigten. So beobachteten die Forschenden mittels Calcium-Imaging, dass die Nervenzellen bereits vor der Wahlhandlung ein Aktivitätsmuster zeigten, das mit der späteren Entscheidung zusammenhing. Durch gezielte Manipulation der zuständigen Hypothalamus-Habenula-Verbindung mittels Optogenetik konnte Groos demonstrieren, dass genau dieser Schaltkreis die Risikobewertung beeinflusst.

Die Optogenetik, die vor über 20 Jahren die Neurowissenschaften revolutioniert hat, ermöglicht inzwischen den Nachweis eines kausalen Zusammenhangs zwischen einem evolutionär alten Hirnschaltkreis und einem Verhalten. Mithilfe lichtempfindlicher Proteine lassen sich einzelne Nervenzellen und ihre Verbindungen nämlich gezielt mit Licht aktivieren oder hemmen. Dadurch können Forschende heute nicht nur beobachten, welche Hirnschaltkreise bei einer Entscheidung aktiv sind, sondern auch nachweisen, welche davon das Verhalten tatsächlich steuern.

Würzburg als Standort für systemische Neurowissenschaften

Dass Groos seine Forschung am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) mit anfänglicher Unterstützung eines Humboldt-Stipendiums für Postdocs fortsetzt, ist kein Zufall. Er arbeitet mit Prof. Dr. Philip Tovote zusammen, dem Direktor des Instituts für Klinische Neurobiologie (IKN) und Inhaber des Lehrstuhls für Systemische Neurobiologie. Tovote ist einer der international führenden Experten für evolutionär alte Hirnschaltkreise wie das Zentrale Höhlengrau, das beispielsweise Reaktionen wie die sogenannte Schockstarre oder das Fluchtverhalten während Angstzuständen steuert. 

„Wir haben hier eine Forschungsinfrastruktur mit kontrollierten Bedingungen, exzellenter Mauszucht und Experimentalhaltung sowie anspruchsvollen In-vivo-Methoden aufgebaut, die Forschung auf höchstem Niveau ermöglicht. Solche Voraussetzungen gibt es in Deutschland nur an wenigen Standorten – und genau das macht ihn für ambitionierte Nachwuchswissenschaftler so attraktiv“, sagt Philip Tovote. „Ich war hocherfreut, als sich Dominik bei uns bewarb. Mit seinem Forschungsprofil, seiner Leidenschaft und seinem Know-how ergänzt er unser Forschungsprofil der systemischen Neurowissenschaften hervorragend.“ 

Das Forschungsprofil „Systemische Neurowissenschaften“ des UKW: Die Universitätsmedizin Würzburg baute in den vergangenen Jahren den systemischen Blickwinkel auf die Funktion des Nervensystems und das Zusammenspiel von Gehirn und Körpernervensystem sukzessive aus. Ziel ist es, einen Campus für translationale Neurowissenschaften zu etablieren. Einerseits soll die bereits bestehende exzellente Expertise in den verschiedenen Kliniken gebündelt werden, andererseits sollen ambitionierte und herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Dominik Groos die Möglichkeit erhalten, sich hier zu etablieren und ihr Wissen zu teilen. 

Von grundlegenden Mechanismen im Tiermodell hin zum besseren Verständnis menschlicher Erkrankungen

Doch welche Perspektiven eröffnen diese Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung am Tiermodell für die Humanmedizin? „Wir haben viele interessante Puzzleteile aus der systemischen Mausforschung, die zu dem passen, was wir im Menschen sehen“, sagt Dominik Groos. „Wir wissen zum Beispiel, dass bei vielen neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie und Suchterkrankungen wertebasiertes Entscheidungsverhalten gestört ist. Auf der anderen Seite gibt es eine starke Überlappung mit metabolischen Erkrankungen.“ Groos verweist auf zahlreiche aktuelle Studien, die belegen, dass zahlreiche Menschen mit psychischen Erkrankungen gleichzeitig Veränderungen des Stoffwechsels aufweisen. Die Forschung geht zunehmend davon aus, dass beiden Krankheitsgruppen gemeinsame biologische Mechanismen zugrunde liegen, etwa in den neuronalen Netzwerken, die Verhalten, Stress und Stoffwechsel miteinander verbinden. Tovote nennt die Abnehmspritze Semaglutid als Beispiel. Neben dem reinen Gewichtsverlust hat der Wirkstoff auch einen positiven Einfluss auf das psychische Wohlbefinden und das Suchtverhalten, da er GLP-1-Rezeptoren in Hirnnetzwerken beeinflusst, welche Hunger, Motivation und Belohnungsverhalten steuern.

Die spannende translationale Frage lautet also: Wie entscheidet das Gehirn, was es will, was es braucht und welches Verhalten sich lohnt? Genau an dieser Schnittstelle zwischen Stoffwechsel, Motivation und Verhalten gibt es viele offene Fragen, die für Erkrankungen wie Adipositas, Essstörungen, Depressionen oder Stressstörungen relevant sind. Wie werden Signale aus dem Körper in neuronale Entscheidungen übersetzt und wie können Fehlregulationen dieser Systeme zu Erkrankungen beitragen?

Humboldt-Forschungsstipendium, IZKF-Förderung und Emmy Noether-Gruppe 

Dominik Groos absolvierte seinen Master in Molekularer Medizin an der FAU Erlangen-Nürnberg. Anschließend promovierte er an der Universität Zürich (UZH), und arbeitete dort weitere vier Jahre als Postdoktorand. Im Juni 2026 kam er mit einem Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung für Postdocs ans Universitätsklinikum Würzburg. Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert überdurchschnittlich qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, indem sie Postdocs wie Dominik Groos beispielsweise einen Forschungsaufenthalt in Deutschland für sechs bis 24 Monate finanziert. Die Förderung ist Teil des 1.000 Köpfe-Plus-Programms des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Ebenfalls im Juni warb er erfolgreich eine eigene Emmy Noether-Gruppe ein. Das Emmy-Noether-Programm, benannt nach der deutschen Mathematikerin Emmy Noether, wurde 1997 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeführt, um herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu fördern und ihre Forschung langfristig in Deutschland durchzuführen. Mit dem Aufbau und der eigenverantwortlichen Leitung einer sogenannten Emmy Noether-Gruppe haben junge Forschende in der frühen Phase ihrer Karriere die Möglichkeit, sich über einen Zeitraum von sechs Jahren für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren. Eine Anschubfinanzierung erhält Dominik Groos zudem vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) der Universität Würzburg. 

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation

Dominik Groos vor einer Glastür mit der Beschriftung ikn Institut für Klinische Neurobiologie
Der experimentelle und theoretische Neurowissenschaftler, Dr. Dominik Groos, baut am Universitätsklinikum Würzburg eine eigene Emmy Noether-Forschungsgruppe auf. © Katrin Walter / UKW
Die beiden Wissenschaftler sitzen am Tisch - vor sich der Ausdruck einer Publikation
Mit einem Humboldt-Forschungsstipendium kam Dr. Dominik Groos (rechts) von der Universität Zürich ans Würzburger Institut für Klinische Neurobiologie zu Prof. Dr. Philip Tovote. © Katrin Walter / UKW

Das 300ste MIAI-Baby ist da!

In der MIAI-Studie wird untersucht, wie Kinder in den ersten Lebensjahren lernen, sich gegen Viren wie Influenza, RSV oder SARS-CoV-2 zu verteidigen

Säugling liegt mit Windel auf der Wickelkommode
Die kleine Mia-Sophie ist das dreihundertste Baby, das an der Geburtskohortenstudie MIAI teilnimmt. © Kirstin Linkamp / UKW
Säugling liegt auf Wickelkommode, Studienärztin nimmt mit Wattepad einen Abstrich von der Haut, im Hintergrund steht die Studynurse mit Mundschutz
Studienärztin Dr. Judith Wohlleben nimmt gemeinsam mit Studienbetreuerin Elena Fries zwei Tage nach der Geburt von Mia-Sophie Abstriche in der Nase, im Rachen und auf der Haut. © Kirstin Linkamp / UKW
Eltern, Studienärztin und Säugling im Wickelraum der Frauenklinik.
Die Erstuntersuchung im Rahmen der MIAI-Studie findet wenige Tage nach der Geburt statt. Weitere Untersuchungen folgen nach vier Wochen, einem halben Jahr, einem Jahr und fünf Jahren. © Kirstin Linkamp / UKW
Die Mutter hält den Säugling auf dem Arm, der Vater steht daneben.
Die Eltern von Mia-Sophie, Lisa-Marie und Michael, leisten gern einen Beitrag für die Wissenschaft. © Kirstin Linkamp / UKW

Würzburg. Mia-Sophie ist gerade einmal zwei Tage alt und schon jetzt ein kleiner Star auf der Geburtsstation des Uniklinikums Würzburg (UKW). Sie ist das dreihundertste Baby, das an der Geburtskohortenstudie MIAI teilnimmt. Das Akronym steht für „Maturation of Immunity Against Influenza”. Das Studienteam um Prof. Dr. Dorothee Viemann möchte mithilfe der gesammelten Daten, Untersuchungsergebnisse und Bioproben der Babys Faktoren identifizieren, die die Reifung des Immunsystems fördern, und herausfinden, warum manche Kinder anfälliger für schwere Virusinfektionen sind als andere. Das Ziel besteht darin, schwere virale Atemwegserkrankungen zu verhindern. Diese sind nach wie vor ein großes weltweites Problem und verursachen zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle. Ein besseres Verständnis dieser Reifungsprozesse wird künftig die Entwicklung evidenzbasierter Empfehlungen und gezielter Maßnahmen ermöglichen, mit denen sich Kinder besser gegen Viren wehren können. 

Körperliche Untersuchung, Abstriche, Stuhlprobe

Mia-Sophie und die 299 weiteren MIAI-Kinder leisten deshalb einen wichtigen Beitrag mit ihren Informationen. So nahm Studienärztin Dr. Judith Wohlleben zwei Tage nach der Geburt von Mia-Sophie mit dem Einverständnis der Eltern Lisa-Marie und Michael, Abstriche in der Nase, im Rachen und auf der Haut. Darüber hinaus untersuchte die Ärztin den Muskeltonus des Säuglings und hörte Herz und Lunge ab. Da im Rahmen der U2-Vorsorgeuntersuchung ohnehin Blut für ein Stoffwechselscreening abgenommen wird, bittet das Studienteam darum, auch eine geringe Menge Blut für die MIAI-Studie gewinnen zu dürfen. Außerdem werden Proben von Mia-Sophies erstem Stuhlgang sowie von der Muttermilch genommen. Hinzu kommen einige Fragebögen zu den Themen Schwangerschaft, Geburt, Gesundheit der Familie und Lebensumstände. 

Kohorte wurde auf fünf Jahre verlängert und um weitere Landkreise erweitert

In vier Wochen wird das Studienteam Mia-Sophie zur nächsten Untersuchung und Entnahme weiterer Proben in der Studienambulanz der Kinderklinik wiedersehen. Wenn Mia-Sophie ein halbes Jahr, ein Jahr und fünf Jahre alt wird, werden weitere Einladungen folgen. Das Screening zum fünften Geburtstag ist neu. Ebenso wie der erweiterte Radius der Kohorte. Denn jetzt dürfen auch Familien aus dem Umland in die Studie aufgenommen werden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Kinder am UKW geboren werden und zu den Untersuchungen in die Kinderklinik kommen.

Beitrag zur Forschung, zum Gemeinwohl und zur Verbesserung der Prävention und Versorgung 

Die MIAI-Studie hat gerade ihren vierten Geburtstag gefeiert und genießt große Akzeptanz. Viele Familien nehmen teil, um die Forschung des kindlichen Immunsystems zu unterstützen und somit langfristig die Gesundheit zukünftiger Generationen zu fördern. Auch für die Eltern von Mia-Sophie stand die Teilnahme außer Frage. Ihr Vater Michael ist selbst Wissenschaftler und weiß, wie wertvoll die Beiträge der Bürgerinnen und Bürger für die Forschung sind.

Links:

Studienwebseite: Universitätsklinikum Würzburg: Kinderklinik: Translationale Pädiatrie - MIAI-Studie: Geburtskohortenstudie zur Reifung des Immunsystems

PM zum vierten Geburtstag: Universitätsklinikum Würzburg: MIAI feiert vierten Geburtstag und verlängert Nachbeobachtung bis zum fünften Lebensjahr

PM zum 200. Baby: Universitätsklinikum Würzburg: Schon zweihundert MIAI-Babys

PM zum 100. Baby: Universitätsklinikum Würzburg: Selina ist das 100ste MIAI-Baby

Säugling liegt mit Windel auf der Wickelkommode
Die kleine Mia-Sophie ist das dreihundertste Baby, das an der Geburtskohortenstudie MIAI teilnimmt. © Kirstin Linkamp / UKW
Säugling liegt auf Wickelkommode, Studienärztin nimmt mit Wattepad einen Abstrich von der Haut, im Hintergrund steht die Studynurse mit Mundschutz
Studienärztin Dr. Judith Wohlleben nimmt gemeinsam mit Studienbetreuerin Elena Fries zwei Tage nach der Geburt von Mia-Sophie Abstriche in der Nase, im Rachen und auf der Haut. © Kirstin Linkamp / UKW
Eltern, Studienärztin und Säugling im Wickelraum der Frauenklinik.
Die Erstuntersuchung im Rahmen der MIAI-Studie findet wenige Tage nach der Geburt statt. Weitere Untersuchungen folgen nach vier Wochen, einem halben Jahr, einem Jahr und fünf Jahren. © Kirstin Linkamp / UKW
Die Mutter hält den Säugling auf dem Arm, der Vater steht daneben.
Die Eltern von Mia-Sophie, Lisa-Marie und Michael, leisten gern einen Beitrag für die Wissenschaft. © Kirstin Linkamp / UKW

Let’s talk about sex!

Interviewstudie des UKW mit Patientinnen und Patienten sowie hausärztlichem Fachpersonal zu sexuell übertragbaren Infektionen, ihrer Diagnose und Behandlung

Rebekka Falke sitzt am Tisch und spricht mit dem Studienteam, links im Bild ist Michael Huber zu sehen, der ebenfalls am Tisch sitzt.
Die Doktorandin Rebekka Falke und der Doktorand Michael Huber führen die Interviews über die Erfahrungen der Behandlung und Betreuung von sexuell übertragbaren Infektionen im deutschen Gesundheitssystem entweder persönlich am UKW oder online durch. © Nicolas Schwager / UKW
Die drei Männer und die Doktorandin stehen nebeneinander im Raum des Instituts für Allgemeinmedizin.
Das Team der Interviewstudie STI-Bay v.l.n.r.: Nicolas Schwager, Michael Huber, Alexander Kurotschka und Rebekka Falke. © Nicolas Schwager / UKW

Würzburg. Sexuell übertragbare Infektionen (STI, englisch: Sexually Transmitted Infections) nehmen in Europa seit Jahren stark zu und haben zuletzt einen neuen Höchststand erreicht. Aktuelle Daten des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zeigen, dass sich die Gonorrhö-Fälle in Europa seit 2015 vervierfacht und die Syphilis-Fälle verdoppelt haben. Am häufigsten wurden Infektionen mit Chlamydien gemeldet.

Sexuell übertragbare Infektionen können mit Beschwerden einhergehen, verlaufen jedoch häufig auch ohne erkennbare Symptome. Dadurch bleiben sie oft unbemerkt und können unwissentlich weitergegeben werden. Zudem können diese Infektionen schwerwiegende Komplikationen wie chronische Schmerzen, Unfruchtbarkeit oder Schäden am Herzen oder Nervensystem verursachen. Im Jahr 2024 wurden dem Robert Koch-Institut in Deutschland 9.519 Syphilis-Fälle gemeldet.

„Der Schutz der sexuellen Gesundheit umfasst sowohl Präventionsmaßnahmen als auch eine frühzeitige Diagnostik“, sagt Prof. Dr. Ildikó Gágyor. Die Hausärztin und Wissenschaftlerin leitet gemeinsam mit Prof. Dr. Anne Simmenroth das Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Sie empfiehlt: „Barrieremethoden wie Kondome können das Risiko einer STI-Übertragung reduzieren. Bei erhöhtem Expositionsrisiko können regelmäßige Testungen auch bei Beschwerdefreiheit sinnvoll sein. Und bei Verdacht auf eine Infektion sollte zeitnah eine ärztliche Abklärung erfolgen, um Komplikationen und weitere Übertragungen zu vermeiden.“ 

Rahmenbedingungen der Behandlung von sexuell übertragbaren Infektionen besser verstehen

Mit ihrem Studienteam führt Ildikó Gágyor gerade die Interviewstudie STI-Bay durch. „Wir wollen verstehen, wie derzeit in Bayern die Diagnose und Behandlung von sexuell übertragbaren Infektionen abläuft und diese gegebenenfalls verbessern“, erklärt Nicolas Schwager, ärztlicher Koordinator der STI-Bay-Studie. Interviewt werden sowohl Hausärztinnen und Hausärzte aus Bayern als auch Patientinnen und Patienten.

Die teilnehmenden Patientinnen und Patienten sollten mindestens 18 Jahre alt sein und in den vergangenen fünf Jahren eine STI-Diagnose in einer bayrischen Praxis erhalten haben. „Wir suchen explizit Personen jeden Geschlechts und jeder sexuellen Orientierung“, so Nicolas Schwager. „In dem etwa 60-minütigen, vertraulichen Interview möchten wir gern über die Erfahrungen sprechen. Wie haben die Betroffenen die Behandlung und Betreuung im Gesundheitssystem erlebt?“ 

Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig und erfolgt unter Einhaltung strenger Datenschutzvorkehrungen. Die Interviews werden entweder persönlich am UKW oder online durchgeführt. Nach dem Interview erhalten die Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung in Form eines Wunschgutscheins im Wert von 40 Euro. 

Bei Interesse an einer Studienteilnahme können Sie sich über diesen Link anmelden. Alternativ können Sie das Studienteam per E-Mail unter STI-Bay@ ukw.de kontaktieren.

Hier geht es zur Webauftritt der Studie, und hier zum PDF der Studie. 

ECDC sieht Handlungsbedarf
Um die steigenden STI-Zahlen umzukehren, sind laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) leicht zugängliche Präventionsangebote, ein einfacher Zugang zu Tests, schnellere Behandlungen und eine bessere Benachrichtigung von Sexualpartnern erforderlich, um weitere Übertragungen zu verhindern. Das ECDC fordert die Gesundheitsbehörden daher auf, nationale STI-Strategien dringend zu aktualisieren und Überwachungssysteme auszubauen, um die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen besser beurteilen zu können. Ohne entschlossenes Handeln werden die aktuellen Trends voraussichtlich anhalten – mit zunehmenden gesundheitlichen Folgen und wachsenden Ungleichheiten beim Zugang zur medizinischen Versorgung. Zur Pressemeldung der ECDC vom 21. Mai 2026.

Rebekka Falke sitzt am Tisch und spricht mit dem Studienteam, links im Bild ist Michael Huber zu sehen, der ebenfalls am Tisch sitzt.
Die Doktorandin Rebekka Falke und der Doktorand Michael Huber führen die Interviews über die Erfahrungen der Behandlung und Betreuung von sexuell übertragbaren Infektionen im deutschen Gesundheitssystem entweder persönlich am UKW oder online durch. © Nicolas Schwager / UKW
Die drei Männer und die Doktorandin stehen nebeneinander im Raum des Instituts für Allgemeinmedizin.
Das Team der Interviewstudie STI-Bay v.l.n.r.: Nicolas Schwager, Michael Huber, Alexander Kurotschka und Rebekka Falke. © Nicolas Schwager / UKW

Interdisziplinäre Intensivmedizin: Neues Wahlfach für Medizinstudierende

Sieben Kliniken am UKW verstärken ihre Zusammenarbeit und bündeln ihre Kompetenzen für eine zukunftsweisende studentische Lehre auf dem Gebiet der Intensivmedizin.

Intensivmedizin als Kernelement moderner Hochleistungsmedizin

Die Intensivmedizin ist der Bereich der modernen Medizin, der sich mit der Diagnostik und Therapie lebensbedrohlicher Krankheitsbilder beschäftigt. Im Einzelfall handelt es sich oft um hochkomplexe Patientinnen und Patienten. Multimodale Therapiekonzepte aus konservativen, interventionellen und chirurgischen Ansätzen sind erforderlich, um diese Patientinnen und Patienten adäquat versorgen zu können. Wissenschaftliche Erkenntnisse, technische Neuerungen und zunehmende Digitalisierung eröffnen den Behandelnden stetig neue Möglichkeiten.

Interdisziplinarität und Interprofessionalität als Schlüssel für zukunftsweisende Lehre

Um den rasanten Entwicklungen in der Intensivmedizin Rechnung zu tragen und diesen integralen Bereich in der studentischen Lehre zu verankern, gehen sieben Kliniken und Einrichtungen des UKW ab dem Sommersemester 2026 einen neuen Weg. Studierenden der Humanmedizin ab dem 8. Semester wird ermöglicht, das neue UaK-Wahlfach „Interdisziplinäre Intensivmedizin“ zu belegen. Unter Leitung der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie wurde dieses Wahlfach in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie (Chirurgische Klinik I), der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie (Chirurgische Klinik II), der Medizinischen Klinik und Poliklinik I, der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik, der Neurologischen Klinik und Poliklinik und der Pflegedirektion entwickelt. Ziel ist es, den Studierenden die Bedeutung von Interdisziplinarität und Interprofessionalität in der modernen Intensivmedizin zu vermitteln. Dies umfasst neben medizinischen Aspekten auch organisatorische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Überlegungen.

Organbezogenes und patientenzentriertes Lehrkonzept – das Curriculum im Überblick

Die Lehrinhalte sind in zwölf thematische Schwerpunkte gegliedert, welche die gesamte Bandbreite der modernen Intensivmedizin organbezogen und systemisch abbilden: Typische Erkrankungsbilder aus den Bereichen des Zentralen Nervensystems, des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge, des Gastrointestinaltrakts, der Nieren, des Skelettsystems oder der Blutgerinnung werden behandelt, ebenso wie entsprechende Organersatzverfahren. Hinzu kommt die interdisziplinäre Schockraumversorgung sowie der Umgang mit Therapiezieländerungen, palliativen Therapieansätzen und Tod.

Die Veranstaltung findet während des Semesters als UaK-Wahlfach in Kleingruppen direkt auf den Intensivstationen des UKW statt. Die wöchentlichen Seminare zu je 2 Unterrichtseinheiten beinhalten Theorieelemente, Falldiskussionen und praktische Aspekte inklusive Intensivvisiten.

Erste Evaluationsergebnisse als weiterer Ansporn für die Lehrenden

Die ersten sechs Studierenden haben im Sommersemester 2026 das Wahlfach besucht. Besonders positiv bewerteten die Studierenden die Organisation, die Motivation der Dozierenden, die Möglichkeit der aktiven Beteiligung sowie den hohen Praxisbezug. Weiterhin wurde der „Kontakt auf Augenhöhe“ zwischen Lehrenden und Studierenden gelobt. Alle Studierenden gaben an, dass ihr Interesse für Intensivmedizin geweckt wurde („stimme zu“ bzw. „stimme ganz zu“). Über alle Veranstaltungstermine hinweg konnte für das neue Wahlfach eine Benotung von 1,4 erzielt werden. Diese äußerst positiven Evaluationsergebnisse bieten reichlich Ansporn für die Dozierenden und zeigen das immense Potenzial, das in diesem Format steckt.