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Pressemitteilung der Universität Würzburg: Antidepressivum hemmt Coronavirus

Ein gängiges Medikament gegen Depressionen bietet sich möglicherweise auch als Mittel zur Behandlung von Covid-19 an. Das zeigt eine neue Studie Würzburger Wissenschaftler, die jetzt auf einem Preprint-Server veröffentlicht wurde.

Seit mehr als vier Jahrzehnten wird der Wirkstoff Fluoxetin beim Menschen zur Behandlung von Depressionen und weiteren psychischen Erkrankungen eingesetzt. Jetzt könnte das Medikament auch im Kampf gegen Covid-19 zum Einsatz kommen. Wie eine Studie von Virologen und Chemikern der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) zeigt, hemmt Fluoxetin die Vermehrung der Viren vom Typ SARS-CoV-2 deutlich. Nach Ansicht der Wissenschaftler bietet es sich deshalb vor allem zur frühen Behandlung von infizierten Patienten an, die einer der bekannten Risikogruppen angehören.

Verantwortlich für diese Studie sind Professor Jochen Bodem und sein Team vom Institut für Virologie und Immunbiologie der JMU; unterstützt wurden sie von Professor Jürgen Seibel vom Institut für Organische Chemie. Die Ergebnisse ihrer Arbeit haben die Wissenschaftler jetzt auf dem Preprint-Server bioRxiv veröffentlicht.

Wirkstoffsuche unter Zeitdruck

Seit Dezember 2019 breitet sich SARS-CoV-2 rund um den Erdball aus. Weltweit wurden bislang mehr als sieben Millionen Infizierte registriert und mehr als 400.000 Todesfälle. Bei der Behandlung schwer erkrankter Patienten ist Remdesivir immer noch das einzige Medikament, das gezeigt hat, dass es den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Weitere, im Idealfall besser wirksame Substanzen sind deshalb dringend gesucht, und weltweit arbeiten Forscher mit Hochdruck an dieser Aufgabe.

Das Problem dabei: Bevor neue Wirkstoffe beim Patienten zum Einsatz kommen, müssen sie diverse Stufen klinischer Studien durchlaufen, die sehr zeitaufwändig sind. Weil diese Zeit fehlt, haben die Würzburger Wissenschaftler einen anderen Weg gewählt: „Wir haben uns in unseren Untersuchungen auf bereits zugelassene Medikamente konzentriert und erforscht, ob diese sich als wirksame Inhibitoren von SARS-CoV-2 eignen“, erklärt Jochen Bodem.

Ein Medikament zeigt Wirkung

So genannte „Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer“ (SSRI) standen im Mittelpunkt einer ihrer Studien. SSRI bilden eine der bedeutendsten Wirkstoffgruppen gegen Depressionen und weitere psychische Erkrankungen. Fluoxetin beispielsweise wurde in den 1970-Jahren in Kliniken eingeführt und ist ein sehr gut erforschtes Medikament.
Im Labor haben die Wissenschaftler nun menschliche Zellen mit dem Wirkstoff in Kontakt gebracht in Konzentrationen, die üblicherweise bei der Therapie von Depressionen erreicht werden. Anschließend wurden die Zellen mit SARS-CoV-2 infiziert. Nach einigen Tagen wurde die Auswirkung auf das Virus kontrolliert. Die Ergebnisse sind vielversprechend: „Fluoxetin hemmt SARS-CoV-2 bereits in einer sehr geringen Konzentration“, sagt Bodem.


Eingriff in die Proteinexpression

Verantwortlich dafür scheint allerdings nicht die eigentliche Aufgabe von Fluoxetin zu sein – der Eingriff in den Serotin-Wiederaufnahme-Prozess. Dafür spricht unter anderem die Tatsache, dass in der Studie andere Medikamente aus der Gruppe der SSRI wie Paroxetin und Escitalopram die Vermehrung von SARS-CoV-2 nicht behinderten. Die antivirale Wirkung hängt also nicht mit dem Serotonin-Wiederaufnahme-Rezeptor zusammenhängt. Stattdessen hemmt Fluoxetin die Proteinexpression in dem Virus, wie Untersuchungen mit Immunfluoreszenz an einem vom Patienten gewonnenen Antiserum zeigten. Es hindert damit das Virus daran, die Bausteine zu bilden, die es für seine Vermehrung in der menschlichen Zelle benötigt.

Was die Studie ebenfalls zeigt: Fluoxetin wirkt sehr speziell auf Viren vom Typ SARS-CoV-2. Bei anderen Viren, wie etwa dem Tollwutvirus, dem Humanen Respiratorischen Synzytial-Virus, dem humanen Herpesvirus 8 oder dem Herpes-simplex-Virus Typ 1, konnten die Wissenschaftler keine Effekte beobachten. „Es spricht also alles dafür, dass Fluoxetin virusspezifisch wirkt, dennoch muss die Wirkung im Erkrankten bestätigt werden“, so der Virologe.

Seit mehr als 40 Jahren im klinischen Einsatz, gut erforscht, das Patent längst abgelaufen, von verschiedenen Firmen erhältlich und relativ günstig. Aus Sicht der Wissenschaftler spricht danach vieles dafür, Fluoxetin bei der frühen Behandlung von SARS-CoV-2-infizierten Patienten in Heilversuchen und Studien einzusetzen, zumal bekannt ist, dass Fluoxetin die Zytokin-Ausschüttung stark vermindert und somit einen zusätzlichen Nutzen für Erkrankte hätte.

Originalpublikation

The serotonin reuptake inhibitor Fluoxetine inhibits SARS-CoV-2. Melissa Zimniak, Luisa Kirschner, Helen Hilpert, Juergen Seibel, Jochen Bodem. doi: 10.1101/2020.06.14.150490. Posted June 14, 2020. https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.06.14.150490v1

Hinweis: Im Moment befindet sich die Studie im Peer-Review-Prozess und wird von externen Experten bewertet.

Kontakt

Prof. Dr. Jochen Bodem, Institut für Virologie und Immunbiologie, T: +49 931 31-81509, jochen.bodem@ vim.uni-wuerzburg.de

 

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Pressemitteilung des Rudolf-Virchow-Zentrums: Kryptischen Peptiden auf der Spur

Mit einer neu entwickelten Methode konnten Forscher der Universität Würzburg in Kooperation mit dem Uniklinikum Würzburg erstmals tausende spezieller Peptide auf der Oberfläche von Zellen identifizieren. Sie konnten zeigen, dass diese sogenannten kryptischen Peptide zu einem bedeutenden Anteil Tumorzellen markieren. Diese Erkenntnisse könnten einen neuen Ansatzpunkt für Krebs-Immuntherapien liefern und wurden in der renommierten Fachzeitschrift Cancer Immunology Research veröffentlicht.

Fast alle Zellen des menschlichen Körpers präsentieren auf ihrer Oberfläche Bruchstücke zellulärer Proteine, sogenannte humane Leukozyten-Antigene oder HLA-Peptide, die bei der Immunantwort eine wichtige Rolle spielen. Entdeckt das Immunsystem ihm fremde HLA-Peptide, wie etwa virale Peptide auf einer Virus-infizierten Zelle oder mutierte Peptide auf einer Tumorzelle, eliminieren T-Zellen die entsprechende Zelle. Die Gesamtheit der auf einer Zelle präsentierten HLA-Peptide bezeichnet man als das Immunpeptidom der Zelle.

Neuer Ansatz ermöglicht erstmals umfassende Analyse

Neben den gewöhnlichen HLA-Peptiden gibt es auch kryptische HLA-Peptide. Diese stammen von bestimmten RNA-Sequenzen ab, die nicht wie sonst üblich Informationen für ein bestimmtes Protein enthalten. In den letzten Jahrzehnten wurden lediglich vereinzelt kryptische HLA-Peptide ermittelt, da diese zum einen sehr klein sind und in den Zellen schnell abgebaut werden. Zum anderen fehlten effiziente Computerprogramme für die Analyse.

In einem völlig neuen Ansatz kombinierten die Würzburger Wissenschaftler nun mehrere Analysemethoden, die speziell für kleine Peptide gut geeignet sind. „Mit Hilfe einer von uns entwickelten, neuartigen bioinformatischen Methode konnten wir erstmalig tausende kryptische HLA-Peptide in den Immunpeptidomen unterschiedlichster Tumore wie Melanom und Brustkrebs identifizieren“, erklärt Dr. Andreas Schlosser, Forschungsgruppenleiter am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg.

Der neue bioinformatische Ansatz basiert ausschließlich auf Daten der Massenspektrometrie, einer Methode zur Massebestimmung von Molekülen, wie z.B. Peptiden. Dadurch ist es jetzt möglich die kryptischen HLA-Peptide systematisch und umfassend zu ermitteln. Zudem ließ sich klären, auf welchen Zellen und in welchem Ausmaß kryptische Peptide vorkommen: „Wir konnten zeigen, dass kryptische HLA-Peptide einen signifikanten Teil der Immunpeptidome von Tumoren ausmachen“, erläutert Prof. Dr. Florian Erhard, Arbeitsgruppenleiter am Institut für Virologie der Universität Würzburg.

Wirkungsvolle Angriffspunkte für das Immunsystem

Aus einzelnen Studien war bereits bekannt, dass kryptische Peptide sowohl Autoimmunreaktionen wie Diabetes Typ-1 als auch Immunantworten gegen Tumorzellen auslösen können. Die neuen Analysen liefern Hinweise darauf, dass bestimmte kryptische HLA-Peptide ausschließlich auf Tumorzellen zu finden sind. Solche tumorspezifische kryptische HLA-Peptide könnten sich somit als lohnende Zielstrukturen für Krebs-Immuntherapien erweisen. Die Wissenschaftler der Universität Würzburg und des Universitätsklinikums Würzburg untersuchen bereits eine Auswahl der identifizierten Peptide daraufhin, ob sie sich als Angriffspunkte für die Krebs-Immuntherapie eignen.
Auch Virus-infizierte Zellen präsentieren kryptische HLA-Peptide, die als Zielstruktur bei Impfungen eingesetzt werden könnten. Mit ihrer neuen Methode halten die Forscher somit ein wirkungsvolles Werkzeug in der Hand, um mehr über die generelle Funktion und die Entstehung kryptischer Peptide zu erfahren. „Wir hoffen, mit unserem bioinformatischen Ansatz ein besseres Verständnis von Autoimmunreaktionen sowie Immunreaktionen gegen Tumorzellen und Virus-infizierte Zellen zu erhalten“, sagt Schlosser.

Publikation

Florian Erhard, Lars Dölken, Bastian Schilling, Andreas Schlosser: Identification of the cryptic HLA-I immunopeptidome Cancer Immunology Research (Juni 2020) doi: 10.1158/2326-6066.CIR-19-0886.

Personen

Prof. Dr. Florian Erhard ist Leiter einer Forschungsgruppe am Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg.

Dr. Andreas Schlosser ist Leiter einer Forschungsgruppe am Rudolf-Virchow-Zentrum Center for Integrative and Translational Bioimaging der Universität Würzburg.

Kontakt

Dr. Andreas Schlosser (AG Schlosser, Rudolf-Virchow-Zentrum)
Tel: +49 931 31-86888, andreas.schlosser@ virchow.uni-wuerzburg.de

Dr. Judith Flurer (Pressestelle, Rudolf-Virchow-Zentrum)
Tel.: +49 931 31-85822, judith.flurer@ uni-wuerzburg.de

 

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Tag der Intensivmedizin: Das Uniklinikum Würzburg liefert Impressionen aus der Corona-Pandemie

Am Samstag, den 20. Juni 2020, findet der bundesweite Tag der Intensivmedizin statt. Die Klinik für Anästhesiologie des Uniklinikums Würzburg veröffentlicht aus diesem Anlass Interviews mit Beschäftigten, Patienten und Angehörigen – authentische Schlaglichter auf die Erlebnisse der zurückliegenden Corona-Monate.

Zwischen März und Mitte Juni 2020 wurde 27 Corona-Patienten von der Klinik für Anästhesiologie des Uniklinikums Würzburg intensivmedizinisch versorgt. Bild: Hans-Georg Barsch / Uniklinikum Würzburg
Der Intensivpfleger Markus Merz schildert unter anderem seine größten Herausforderungen der vergangenen Arbeitsmonate.
Die Stationsärztin Katharina Schäfer beschreibt ihre Erfahrungen während annähernd zwölf Wochen Krisenbewältigung.

Der Tag der Intensivmedizin ist eine jährliche Veranstaltung des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten (BDA) sowie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Ziel des am Samstag, den 20. Juni 2020 stattfindenden Aktionstages ist es, die besonderen Leistungen der Intensivstationen herauszustellen. Was in den vergangenen Jahren vielfach über Gespräche an Informationsständen stattfand, wird in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ins Internet verlagert. Auch die Klinik für Anästhesiologie des Uniklinikums Würzburg (UKW) beteiligt sich an diesem Online-Angebot.

 „In den zurückliegenden Monaten der Covid-19-Krise konnte die Intensivmedizin in Deutschland ihre Leistungsfähigkeit besonders augenscheinlich beweisen“, sagt Prof. Dr. Patrick Meybohm. Der Direktor der Klinik für Anästhesiologie des UKW fährt fort: „Viele Menschen haben mit großem Interesse unsere erfolgreichen Bemühungen um genügend Personal und ausreichende Behandlungskapazitäten in den Medien verfolgt. Nun nutzen wir den Aktionstag, um in Interviews authentische Einblicke in individuelle Erlebniswelten dieser Zeit zu geben.“ Zu Wort kommen dabei neben einer Stationsärztin und einem Intensivpfleger zwei wieder genesene Corona-Patienten sowie die Angehörige eines Betroffenen.

Hier geht es zu den Interviews:

Schriftliches Interview: Die Ehefrau eines Corona-Patienten beschreibt ihre emotionale Belastung während und nach der intensivmedizinischen Therapie ihres Mannes:
Link zum PDF „Auch die scheinbar auswegloseste Situation kann sich positiv entwickeln“

Schriftliches Interview: Ein Ehepaar wurde zeitlich versetzt auf der Intensivstation der Klinik für Anästhesiologie des Uniklinikums Würzburg behandelt. Wie erlebten die Corona-Patienten die Zeit ihrer künstlichen Beatmung, woran können sie sich erinnern?
Link zum PDF „Ohne die Intensivmedizin wäre ich gestorben“

Video-Interview: Der Intensivpfleger Markus Merz schildert unter anderem seine größten Herausforderungen der vergangenen Arbeitsmonate.
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Video-Interview: Die Stationsärztin Katharina Schäfer beschreibt ihre Erfahrungen während annähernd zwölf Wochen Krisenbewältigung.
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Der Intensivpfleger Markus Merz schildert unter anderem seine größten Herausforderungen der vergangenen Arbeitsmonate.
Die Stationsärztin Katharina Schäfer beschreibt ihre Erfahrungen während annähernd zwölf Wochen Krisenbewältigung.

Pressemitteilung der Universität Würzburg: Testphase für neue Corona-Tracing-App beginnt

Die App TraceCORONA, an der auch die Uni Würzburg beteiligt ist, ermöglicht eine effiziente und umfassende Pandemie-Rückverfolgung ohne Preisgabe persönlicher Daten. Nun geht sie in die Testphase.

Seit einigen Wochen arbeitet ein deutsches Forschungsteam an einer anonymen Contact-Tracing-App mit einer sicheren Informationsplattform gegen das Coronavirus: Nun ist TraceCORONA bereit für den Beta-Test. In der sogenannten Betatest-Phase haben Nutzerinnen und Nutzer die Möglichkeit, die App zu installieren und zu testen und das Forschungsteam durch ihr Feedback zu unterstützen. Die aktuelle Version der TraceCORONA-App wurde zunächst für Android-Geräte entwickelt, eine Version für das Apple-Betriebssystem iOS ist bereits geplant.

Ziel der App ist es, die Nachverfolgung der COVID-19-Infektionsketten zu unterstützen – und das völlig anonym und ohne die Preisgabe persönlicher Daten. Daran arbeitet ein Verbund von Forscherinnen und Forschern der Technischen Universität Darmstadt, der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg sowie der University of California in San Diego (USA) zusammen mit dem Unternehmen Kobil Systems aus Worms und Unterstützung von Intel.

Mehrere Apps im Rennen

Bislang standen drei Apps zu Corona im Fokus der Öffentlichkeit. Die App PEPP-PT wurde aus der Wissenschaft wegen dem stark zentralisierten Ansatz und Schwächen in Bezug auf Datenschutz kritisiert. Bekannt ist vor allem die App, die im Auftrag der Bundesregierung von Telekom und SAP entwickelt werden soll. Diese App verwendet die von Google und Apple entwickelte Schnittstelle zur Nutzung Bluetooth-basiertern Tracing-Funktion. Sie funktioniert dezentral, allerdings hat die verwendete Schnittstelle laut Experten aktuell noch Schwächen im Datenschutz.

TraceCORONA ist vollständig anonym und dezentral. Die Entwickler sehen die App jedoch keinesfalls als Konkurrenz zur App, die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde. „Unsere App sehen wir eher als Alternative mit vielen Vorteilen gegenüber den bisher vorgeschlagenen Apps. Sie ist anonym mit starkem Datenschutz und auch international einfach einsetzbar. Sie wird an eine Plattform angedockt, welche die App mit weiteren Services wie Fake News-Filter oder Secure Messaging erweitert und eine Beteiligung von verschiedenen Institutionen wie Gesundheitsbehörden ermöglicht“, erklärt Informatik-Professorin Alexandra Dmitrienko von der JMU, die an der Entwicklung beteiligt ist.

Datensammeln auf freiwilliger Basis

Das Forschungsteam betrachtet an der App verschiedene Aspekte: Welche Technologien eignen sich am besten zur Kontaktnachverfolgung? Welche Daten sollten zur Unterstützung von Gesundheitsexperten gesammelt werden? Wie können die eingesetzten Technologien so gestaltet werden, dass die Sicherheit und Privatheit der Nutzer garantiert sind?
Für die Expertinnen und Experten war daher eine Plattform zur Pandemie-Nachverfolgung und Informationsanalyse die beste Option. Zur kurz- und langfristigen Bekämpfung von Pandemien wie COVID-19 werde ein ganzheitlicher Ansatz benötigt, bei dem eine Tracing-App nur einen Teil der Gesamtlösung darstelle, heißt es aus dem Forschungsteam. In der App wird daher auch auf ein System von Kommunikationsmöglichkeiten und Dienstleistungen gesetzt, um konkrete Fragen und Probleme von betroffenen Menschen zu beantworten. Auf freiwilliger Basis können zudem Informationen datenschutzgerecht gesammelt und analysiert werden, um die Pandemie und deren Auswirkungen besser zu verstehen.

Mehr als reine Nachverfolgung

Die App warnt ihre Nutzerinnen und Nutzer über einen Kontakt mit einer infizierten Person. Schnelle und vertrauliche Hilfe mit konkreten Angeboten sind dann laut dem Forschungsteam essentiell. Daher erweitert TraceCORONA die reine Kontaktnachverfolgung mit weiteren Diensten und bietet damit die Möglichkeit, eine sichere Kommunikationsplattform für Fragen, Informationen und Leistungen rund um COVID-19 zu sein.

Die zugrundeliegende Technologie basiert auf der Sicherheits-Plattform mPower von Kobil, die bereits seit mehreren Jahren zum Schutz von sicherheitskritischen Anwendungen wie Online-Banking oder Krankenkassen-Apps eingesetzt wird. TraceCORONA wird an diese Plattform andocken und deren Dienste nutzen. 

Da TraceCORONA im Moment zum Betatest freigegeben ist, ist sie noch nicht im Google Play Store oder im Apple App Store verfügbar. Eine Anleitung zum Download und Installation der App ist auf der Webseite der App verfügbar (https://tracecorona.net/download-tracecorona/). Ist die Testphase abgeschlossen, wird das Forscherteam die gefundenen Probleme bearbeiten und die App danach der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Dann wird TraceCORONA auch mit zusätzlichen Diensten erweitert.

Kontakt

Prof. Dr. Alexandra Dmitrienko, Lehrstuhl für Informatik II, Universität würzburg, T +49 931 – 31 81667, alexandra.dmitrienko@ uni-wuerzburg.de

 

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Pressemitteilung der Universität Würzburg: Kleines Protein, große Wirkung

In Meningokokken spielt das unscheinbare Protein ProQ eine tragende Rolle. Zusammen mit RNA-Molekülen reguliert es Prozesse, die für die krankmachenden Eigenschaften der Bakterien von Bedeutung sind.

Meningokokken sind Bakterien, die lebensbedrohliche Hirnhautentzündungen und Sepsis auslösen können. Diese Krankheitserreger besitzen ein sehr kleines Protein, das einen sehr großen Einfluss hat: Es heißt ProQ und wirkt bei der Aktivierung von mehr als 250 bakteriellen Genen mit.

ProQ sorgt dafür, dass die Meningokokken Schäden an ihrer DNA besser reparieren können. Und es macht sie widerstandsfähig gegen oxidativen Stress. Beides trägt wesentlich zu den krankmachenden Eigenschaften der Bakterien bei.

Das berichten Forschungsgruppen um die Würzburger Wissenschaftler Christoph Schoen und Jörg Vogel im Journal Nature Communications.

„Wir waren überrascht davon, dass ein vergleichsweise kleines Protein solch einen großen Einfluss auf die bakterielle Genregulation haben kann“, sagt Christoph Schoen, Professor am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg. ProQ besteht aus nur rund 120 Aminosäuren. Zum Vergleich: Mittelgroße Proteine sind in der Regel aus mehreren hundert Aminosäuren aufgebaut.

ProQ tritt in Wechselwirkung mit 200 RNAs

Das Mini-Protein gehört zur Gruppe der RNA-Bindeproteine. RNA-Moleküle spielen als Regulatoren in vielen biologischen Prozessen eine wichtige Rolle. Dabei üben sie ihre Funktionen oft im Verbund mit den Bindeproteinen aus.

ProQ ist auch in dieser Hinsicht ein großer Player: „In Meningokokken geht es mit fast 200 verschiedenen RNA-Molekülen Wechselwirkungen ein“, so Jörg Vogel. „Es bindet dabei an stark strukturierte Regionen der RNA und stabilisiert so seine Bindepartner.“

Das fanden die Forscher mit modernen Hochdurchsatzverfahren heraus. Entwickelt wurden diese Methoden unter anderem in Vogels Arbeitsgruppe am Würzburger Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI). Vogel ist Direktor des HIRI und Leiter des JMU-Instituts für Molekulare Infektionsbiologie.

Für die Vorgänge in Bakterien interessieren sich die Würzburger Forscher, weil sie neue Angriffspunkte für antibakterielle Wirkstoffe finden möchten. Gerade die von RNA und ihren Bindeproteinen regulierten Prozesse bieten ein aussichtsreiches Betätigungsfeld. „Wir hoffen, die Bindeproteine mit relativ einfach gebauten Wirkstoffen in ihrer Funktion stören zu können und damit die Krankheitserreger zu schwächen“, erklärt Vogel.

Ziel: Alle RNA-Bindeproteine identifizieren

Für zwei Drittel aller RNA-Klassen in Meningokokken sind die zugehörigen Bindeproteine noch nicht identifiziert. Das wirft Fragen auf: Brauchen vielleicht die meisten RNAs zur Ausübung ihrer regulatorischen Funktion in Bakterienzellen gar keine Proteine? Und welche Prozesse werden durch die RNA-Bindeproteine überhaupt reguliert?

„Das möchten wir herausfinden, und dafür eignen sich Meningokokken wegen ihres relativ überschaubaren Erbguts besonders gut“, sagt Schoen. „Unser Ziel ist es, den gesamten Bestand an RNA-Bindeproteinen in Meningokokken mit etablierten Hochdurchsatzverfahren systematisch zu identifizieren.“

The minimal meningococcal ProQ protein has an intrinsic capacity for structure-based global RNA recognition. Nature Communications, 4. Juni 2020, DOI: 10.1038/s41467-020-16650-6

Kontakt

Prof. Dr. Dr. Christoph Schoen, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg, T +49 931 31-46162, cschoen@ hygiene.uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Jörg Vogel, Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung Würzburg, T +49 931 31-82575, joerg.vogel@ helmholtz-hiri.de

Förderer

Finanziell gefördert wurde diese Forschungsarbeit vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sowie vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) Würzburg.

Fakten zum HIRI

Das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) wurde im Mai 2017 als gemeinsame Einrichtung des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) gegründet. Mit Sitz auf dem Campus des Würzburger Uniklinikums widmet sich das HIRI als weltweit erstes Institut seiner Art der Rolle von Ribonukleinsäuren (RNAs) in Infektionsprozessen. Auf Basis dieser Erkenntnisse werden in einem integrativen Forschungsansatz neue Therapieansätze entwickelt und durch Entwicklung pharmazeutischer Anwendungsformen klinisch anwendbar gemacht. www.helmholtz-hiri.de

 

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Uniklinikum Würzburg: Myelom-Forum jetzt erstmals digital

Am Samstag, den 4. Juli 2020, setzt das Uniklinikum Würzburg sein beliebtes Myelom-Forum fort. Neu ist, dass sich die Experten, Patienten, Angehörigen und sonstigen Interessierten in diesem Jahr nicht im Hörsaal, sondern online auf einer Videokonferenz-Plattform treffen. Im Mittelpunkt stehen aber weiterhin aktuelle Informationen über Erkenntnisse aus der Erforschung und der Therapie der bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks.

In den vergangenen Jahren bislang neun Mal kamen Interessierte aus dem gesamten Bundesgebiet ans Uniklinikum Würzburg (UKW), um sich beim Myelom-Forum einen Tag lang von den dortigen Experten laienverständlich über neue Erkenntnisse zum Multiplen Myelom informieren zu lassen. Doch im Corona-Jahr 2020 ist alles etwas anders: Aufgrund der Kontaktbeschränkungen zum Infektionsschutz findet die kostenlose Veranstaltung erstmals online statt. „Wir werden am Samstag, den 4. Juli, um 9:00 Uhr eine etwa dreistündige Videokonferenz auf der Softwareplattform Skype for Business starten“, berichtet Prof. Dr. Hermann Einsele. Der Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW und international anerkannte Myelom-Experte fährt fort: „Sechs Spezialisten des Klinikums werden in dieser Zeit Neuigkeiten aus der Diagnostik und der Therapie der Erkrankung vorstellen sowie ein Update zu den Forschungsfortschritten präsentieren.“ Nach seinen Angaben haben die Teilnehmer/innen nach jedem Vortrag Gelegenheit, sich per Chat zu Wort zu melden und individuelle Fragen zu stellen. Das genaue Programm gibt es im Veranstaltungskalender unter www.ukw.de/medizinische-klinik-ii.

Vorteile eines digitalen Forums

Mit der aus der Not geborenen digitalen Version des Forums sind laut Prof. Einsele eine ganze Reihe von Vorteilen verbunden. Er erläutert: „Ich gehe davon aus, dass das neue Modell gerade in Phasen von auch anderen, häufigen Infektionen attraktiv ist – zum Beispiel im Herbst, wo wir es ja oft mit Grippe-, RSV- und weiteren Viren zu tun haben. Per Videokonferenz haben speziell auch immungeschwächte Patienten die Chance, gefahrlos Fortbildungsveranstaltungen wahrzunehmen.“ Zudem bestünde die Möglichkeit, die ganze Familie vor dem Bildschirm zu versammeln und diese ebenfalls zu informieren.

Ein weiteres Argument: Auch Menschen aus größerer Entfernung können online leichter am Myelom-Forum teilnehmen. „Wir haben für die erste digitale Veranstaltung beispielsweise schon die Anmeldung eines deutschen Patienten, der aktuell in Shanghai in China lebt“, sagt Prof. Einsele.

Das bisherige Hörsaal-Konzept wird parallel weiterverfolgt

Der Experte ist sich aber auch bewusst, dass für viele Patienten und Angehörige weiterhin der persönliche Austausch und die Beratung im zwischenmenschlichen Kontakt wichtig sind. „Deshalb werden wir natürlich auch in der Zukunft anstreben, wieder Treffen im Hörsaal zu haben. Das genaue Zusammenspiel von digitalen und ‚analogen‘ Informationswegen wird sich noch herausschälen“, kündigt Prof. Einsele an.

Anmeldung erforderlich

Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung bis 19. Juni 2020 bei der Organisatorin Gabriele Nelkenstock unter E-Mail: info@ kampfgegenkrebs.de oder Tel: 0931/29985095 erforderlich. Nach der Anmeldung erhalten die Teilnehmer/innen per E-Mail die Zugangsdaten sowie eine detaillierte technische Anleitung.

Kastentexte:

Über das Multiple Myelom

Beim Multiplen Myelom entarten im Knochenmark bestimmte Immunzellen. Sie überfluten den Körper mit fehlerhaft produzierten Antikörpern, unterdrücken durch ihr aggressives Wachstum die Blutbildung und schädigen durch verstärkten Knochenabbau das Skelett. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 3.500 Menschen an dieser Untergruppe des Lymphknotenkrebses.


Über die Expertise des Uniklinikums Würzburg

Das Uniklinikum Würzburg ist eines der europaweit führenden Zentren bei der Behandlung von Multiplem Myelom. Außerdem gehört diese bösartige Krebserkrankung des Knochenmarks zu den Forschungsschwerpunkten der Medizinischen Klinik und Poliklinik II und des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken.

 

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Aktionstag gegen den Schmerz: Uniklinikum Würzburg beteiligt sich an Patienten-Telefonhotline

Anlässlich des bundesweiten „Aktionstags gegen den Schmerz“ gibt es am 2. Juni 2020 eine kostenlose Patienten-Hotline. An diesem Tag stehen Experten aus der von Prof. Dr. Heike Rittner geleiteten Schmerztagesklinik des Zentrums für Interdisziplinäre Schmerzmedizin des Uniklinikums Würzburg zwischen 9:00 und 18:00 Uhr für Fragen rund um das Thema Schmerz zur Verfügung.

Ziel des in diesem Jahr zum neunten Mal von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und ihren Partnerorganisationen veranstalteten, bundesweiten „Aktionstags gegen den Schmerz“ ist es, über Information, Beratung und Aufklärung einen „Schutzschirm für Schmerzpatienten“ anzubieten. Im „Corona-Jahr“ gehört zu den am 2. Juni 2020 organisierten Veranstaltungen auch eine kostenlose Telefon-Hotline. Dort beantworten zwischen 9:00 und 18:00 Uhr mehrere Dutzend Experten Patientenfragen rund um das Thema Schmerz. Unter diesen findet sich auch Konrad Rammelt vom Uniklinikum Würzburg. Der Schmerzexperte aus dem Zentrum für Interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZIS) erläutert: „Die Zeiten, in denen Schmerzen ausschließlich mit Pillen behandelt wurden, sind lange vorbei. Wirksam ist ein Therapiekonzept, das zusammen mit dem Patienten alle Möglichkeiten der Behandlung auslotet. Wir wollen Interessierte darüber informieren, was heutzutage therapeutisch möglich ist.“ Die denkbaren Anfragethemen sind nach seinen Angaben weitgespannt, wie zum Beispiel langanhaltender Rückenschmerz, Kopfschmerzen, Migräne, Gelenkschmerz bei Arthrose oder Rheuma, chronischer postoperativer Schmerz, neuropathischer Schmerz wie schmerzhafte Polyneuropathie beim Diabetiker und vieles mehr.

Zu erreichen ist die Hotline am Aktionstag unter der kostenlosen Tel: 0800 18 18 120.


Kastentext:

Schmerzen in Zahlen

Etwa 23 Millionen Deutsche (28 Prozent) berichten über chronische Schmerzen. Bei sechs Millionen von ihnen sind die chronischen Schmerzen so deutlich ausgeprägt, dass sie sich im Alltag und im Berufsleben beeinträchtigt fühlen. Die Zahl derer, die unter chronischen Schmerzen und unter damit assoziierten psychischen Beeinträchtigungen leiden, liegt in Deutschland bei 2,2 Millionen.

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