Aktuelle Pressemitteilungen

Klinikpfarrer Jürgen Floß verabschiedet sich

Jürgen Floß ist seit Dezember 2014 einer der beiden Leiter des ökumenischen Seelsorgeteams am Uniklinikum Würzburg. Zum 1. Mai dieses Jahres geht der evangelische Klinikpfarrer in den Ruhestand.

Würzburg. Der 30. April 2023 ist der letzte Arbeitstag von Jürgen Floß am Uniklinikum Würzburg (UKW). Dann geht der für die evangelischen Mitglieder des ökumenischen Klinikseelsorgeteams zuständige Teamleiter in den verdienten Ruhestand. Der gebürtige Stuttgarter (Jahrgang 1959) kann zurückblicken auf insgesamt fast zwei Jahrzehnte in der Klinikseelsorge – die letzten 8,5 Jahre davon am UKW. Dabei konstatiert Floß: „Es wird ja viel gezweifelt, was Kirche überhaupt noch soll in dieser Zeit. Gerade die Begleitung von Menschen in ihren Lebenssituationen im Krankenhausumfeld hat jedoch nichts von ihrer Bedeutung verloren.“ Diese spirituell-mitmenschliche Begleitung leistete der evangelische Pfarrer in den vergangenen Jahren auf insgesamt zehn Stationen der Zentren für Operative und Innere Medizin sowie am Zentrum für Psychische Gesundheit des UKW. „Wir von der Seelsorge versuchen, möglichst überall am Klinikum präsent zu sein. Allerdings müssen wir mit unserem aktuell nur elfköpfigen Team Prioritäten setzen: Wo ist unsere Tätigkeit besonders dringend gefragt?“, verdeutlicht der scheidende Klinikpfarrer. 

Unterstützung auf den Intensivstationen 

Für ihn selbst gehörten unter anderem die Intensivstationen des UKW zu diesen vorrangigen Orten. „Die Intensivpatientinnen und -patienten befinden sich häufig auf einem schmalen Grad zwischen Leben und Tod. Eine meiner Aufgabe war es hier, den Menschen Lust zu machen, ins Leben zurückzukehren“, schildert Floß. Selbst Sedierte sind nach seinen Erfahrungen nicht einfach abgeschaltet, sondern haben einen veränderten Bewusstseinszustand, der manchmal von Alpträumen und Bedrohungsgefühlen geprägt ist. „Hier hatte ich die Chance und die Zeit, durch beruhigende Worte oder das Halten einer Hand Entlastung zu geben, als Anker zu wirken“, berichtet der Geistliche. 

Brückenbauer in Corona-Zeiten

Deutlich erschwert wurde die Arbeit des ökumenischen Seelsorgeteams durch die Infektionsschutz-Maßnahmen während der Corona-Pandemie. „Trotz des allgemeinen Besuchsverbots war es uns wichtig, weiterhin zu den Patientinnen und Patienten gehen zu können“, erzählt Floß und fährt fort: „Es hat uns sehr gefreut, dass wir mit diesem Wunsch sowohl beim Klinikumsvorstand, als auch bei vielen Stationsleitungen auf positive, unseren Dienst wertschätzende Resonanz stießen.“ In der praktischen Umsetzung bedeutete dies, dass die Seelsorgerinnen und Seelsorger umfassend in den jeweils geltenden Hygieneregeln geschult wurden und zum Beispiel das sichere An- und Ablegen von Schutzkleidung erlernten. „So konnten wir nicht nur den isolierten Kranken selbst beistehen, sondern fungierten in sehr vielen Fällen auch als Brücke zu deren Angehörigen draußen“, erinnert sich Floß. Ein emotionaler Höhepunkt war für ihn in diesem Zusammenhang die Organisation und Durchführung einer Abschiedsfeier für eine sterbende Corona-Patientin aus Vietnam. Mit Unterstützung der Seelsorge gelang es, per Internet Verwandte aus der Heimat der jungen Frau zu der bewegenden Veranstaltung zuzuschalten. „Für die Familie in der Ferne war dies ein großer Trost“, weiß der Pfarrer. 

Hilfreiche Gespräche in den Zwischenräumen

Im Alltag findet Krankenhausseelsorge nach seinen Worten häufig in „Zwischenräumen“ statt. Dazu zählt er beispielsweise spontane Kontakte zu Patientinnen und Patienten, Angehörigen oder UKW-Beschäftigten auf den Fluren. Oder er berichtet von einem mit „Seelsorge“ gekennzeichneten Rollhocker im Anmeldebereich der Radiologie, der für Gespräche mit den dort Wartenden bereitsteht. „In besonders schönen Fällen spiegeln uns die Menschen danach wider, dass sie das Gespräch als entlastend und wertvoll empfunden haben“, so Floß. 

Mitglied des Klinischen Ethikkomitees 

Zu seinen persönlichen Interessensfeldern zählt ferner die Ethik in der Medizin. Deshalb beteiligte er sich am Klinischen Ethikkomitee des UKW. Das unabhängige, multiprofessionelle Gremium unterstützt die Beschäftigten des Klinikums bei moralischen Fragen und Herausforderungen. Außerdem referierte Pfarrer Floß bei Vorträge in Unter- und Mittelfranken wiederholt zu medizinethischen Themen, wie zum Beispiel unter dem Titel „Tun wir zu viel am Lebensende?“ über sinnvolle Behandlungsziele bei sehr weit fortgeschrittenen Krankheitsstadien.

Wertgeschätzte Freiheiten

„Ich habe es immer genossen, am Uniklinikum Würzburg in einem säkularen Haus zu arbeiten“, betont Floß und verdeutlicht: „Natürlich werde ich als Vertreter der Kirche wahrgenommen, habe aber viele Freiheiten. Beispielsweise schreckt es mich nicht ab, wenn jemand der Kirche den Rücken gekehrt hat. Vielmehr bleibt mein Interesse am Menschen – was macht dein Leben aus?“ Aus seiner Sicht ist diese offene, nicht wertende Haltung gegenüber den menschlichen Eigenheiten wichtig, um die Klinikseelsorge als erfüllende Arbeit zu erleben. Hinzukämen eine gewisse psychische Belastbarkeit sowie die Bereitschaft, sich auch auf die häufig auftretenden Überraschungen einzulassen.

Und wie sehen seine Pläne für den Ruhestand aus? „Hier habe ich schon eine lange Liste an Ideen, um die neuen Freiräume zu genießen. So will ich meine sieben Enkelinnen und Enkel klarer in den Blick nehmen, alte Freundschaften pflegen, vertieft Schwedisch lernen sowie möglichst oft Segeln gehen und mit dem Wohnmobil verreisen“, kündigt der baldige Pensionär an. 

ME/CFS: Neue Schulungsreihe für betroffene Kinder und Jugendliche im Rahmen einer Studie

Angebot des Sozialpädiatrischen Zentrums am UKW startet erstmals im April / „Bedarf wird zunehmen“

 

Prof. Dr. Juliane Spiegler leitet das Sozialpädiatrische Zentrum am Universitätsklinikum Würzburg (UKW).
Prof. Dr. Juliane Spiegler leitet das Sozialpädiatrische Zentrum am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: UKW / Daniel Peter

Würzburg/München. Es ist eine der schwersten Folgen von Long-Covid: Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom, abgekürzt: ME/CFS. Am Sozialpädiatrischen Zentrum des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) startet nun im Rahmen einer Studie ein gezieltes Schulungsangebot für betroffene Kinder, Jugendliche und deren Eltern. Die Schulungen erfolgen innerhalb des Forschungsprojekts „Bayerisches Netzwerk zur Erforschung von ME/CFS (BAYNET FOR MECFS)“ und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (StMWK) gefördert. Sie ist ein gemeinsames Projekt der Uniklinik-Standorte München und Würzburg. Die Projektkoordination erfolgt am MRI Chronische Fatigue Centrum für junge Menschen (MCFC) des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München.

„Die Betroffenen sind schwer chronisch krank und leiden unter der geringen Belastbarkeit mit Fatigue enorm. Selbst einfachste Tätigkeiten wie Zähne putzen oder das Kämmen der Haare können eine Verschlechterung der Symptome auslösen. Die Anforderungen im Schulalltag oder im sozialen Umfeld sind in der Regel nicht mehr zu bewältigen – bis hin zur Bettlägerigkeit“ beschreibt Prof. Dr. Juliane Spiegler, Leiterin des Sozialpädiatrischem Zentrums (SPZ) am UKW das Krankheitsbild, das bislang wenig erforscht ist. ME/CFS entsteht in den meisten Fällen in Folge einer akuten Infektionserkrankung, beispielsweise Grippe, Pfeiffersches Drüsenfieber nach Epstein-Barr-Virus oder einer Coronaviruserkrankung. „Daher sind wir froh, gemeinsam mit dem MCFC in München dieses Schulungsmodel jetzt erproben zu können“, so die Würzburger Neuropädiaterin.

Schulungen finden online statt

Ein Ziel der Schulungen, die online stattfinden, ist die Anleitung zum sogenannten „Pacing“, also das Einteilen und Managen der eigenen Kraft-Reserven, die durch die Erkrankung stark reduziert sind. „Gerade das ist aber nicht einfach für Kinder und Jugendliche, die zuvor oft sehr aktiv waren, sei es im Sport oder in der Musik, und auf einmal einfach keine Kraft mehr dafür und für ihren Alltag haben“, beschreibt Prof. Spiegler den Leidensdruck. Auch aus diesem Grund wurde bereits in einem Pilotprojekt vor Schulungsbeginn getestet, wie lange die Dauer der Schulungen überhaupt sein können. Das Ergebnis: Die ursprünglich geplanten 45 Minuten waren für Betroffene zu lang, daher ist für diese nun eine Schulungseinheit von rund 25 Minuten geplant. Die Teilnehmerzahl ist für jede einzelne Schulungsreihe auf sechs bis acht Personen limitiert. Spiegler: „Auch das ist ein wichtiger Faktor: Die Jugendlichen lernen andere Jugendliche und Eltern andere Eltern kennen, denen es genauso geht. Der Austausch kann enorm unterstützend sein.“ Ebenso wichtig sei das Gefühl, ernst genommen zu werden.

Inhalte für Betroffene, Eltern, Geschwister und Lehrkräfte

Innerhalb der Schulungsreihe gibt es spezielle Angebote für Betroffene, Eltern, Geschwister und Lehrkräfte. „Für Eltern und Geschwister ist es natürlich eine starke Belastung und große Sorge. Für die Geschwister kommt dazu, dass ihre eigenen Bedürfnisse eventuell angesichts der schweren Erkrankung in der Familie zu kurz kommen. Bei den Lehrkräften geht es darum, Wissen und Akzeptanz zu vermitteln, da die Erkrankung bislang wenig in der Gesellschaft bekannt ist“, erläutert Prof. Spiegler. Sie weiß auch: „Die Erkrankung geht oft mit einer Vielzahl von Arztbesuchen verschiedener Fachdisziplinen einher – nicht selten verbunden mit der Suche nach dem ´heilenden Medikament´. Nur: Dieses eine Medikament gibt es bislang nicht. Aktuell steht eine sorgfältige symptomorientierte Versorgung im Vordergrund. Dadurch wird die Versorgung aufwändiger. Die Akzeptanz dafür fällt oft auf allen Seiten schwer.“

Zugang für Betroffene und Eltern nur nach Diagnose am MCFC

Voraussetzung für eine Schulung der Betroffenen und ihrer Eltern ist die Teilnahme an dem vom Freistaat Bayern geförderten Forschungsprojekt BAYNET FOR MECFS. Dieses Projekt bindet Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zu einem Alter von 20 Jahren ein, die in Bayern leben. Die Studienteilnahme beginnt mit einem Studieneinschluss am MCFC in München, wenn der dringende Verdacht auf ME/CFS besteht. Am MCFC erfolgt dann zunächst eine sehr genaue interdisziplinäre Diagnostik. Wenn die Verdachtsdiagnose ME/CFS bestätigt wird, wird die Mitversorgung am SPZ in Würzburg inklusive Schulungsprogramm angeboten. Hierfür stehen insgesamt 50 Plätze bereit. 

Zugang für Geschwister und Lehrkräfte 

Für Geschwister und Lehrkräfte gibt es unterschiedliche Schulungsangebote mit und ohne Studienprogramm, die in Würzburg erfragt werden können. Anmeldungen sind für alle Geschwister und Lehrkräfte offen. 

Ziele der Schulungen

Im Rahmen der Forschungsprojekte geht es darum, die Machbarkeit und Akzeptanz der entwickelten Schulungsmodule zu überprüfen, und das Schulungsprogramm für die jungen Betroffenen, deren Familien und Lehrkräfte weiterzuentwickeln. Im Rahmen der Routineschulungen für Geschwister und Lehrkräfte wird Basiswissen zur Erkrankung vermittelt. 

Prof. Spiegler betont: „Unser langfristiges Ziel ist es, die Schulungsreihe dauerhaft anzubieten. Dazu bedarf es in einem nächsten Schritt einer weiteren Finanzierung, damit das Programm nachhaltig etabliert werden kann. Denn der Bedarf wird sicher zunehmen.“ Die erste Schulungsreihe beginnt am 13. April.

Weitere Informationen zum Schulungsangebot ME/CFS:

https://www.ukw.de/spz/mecfs  

Prof. Dr. Juliane Spiegler leitet das Sozialpädiatrische Zentrum am Universitätsklinikum Würzburg (UKW).
Prof. Dr. Juliane Spiegler leitet das Sozialpädiatrische Zentrum am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: UKW / Daniel Peter

Allgemeine Maskenpflicht für Besucher und Patienten des UKW entfällt ab 8. April

Würzburg. Mit dem Auslaufen der Corona-Regelungen des Bundes nach dem Infektionsschutzgesetz entfallen auch am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) ab dem 8. April 2023 die allgemeinen Maskenpflichten für Besucher und Patienten. Natürlich können auf eigenen Wunsch weiterhin Mund-Nasen-Schutz oder FFP2-Maske getragen werden.

Unabhängig von der SARS-CoV-2-Pandemie bestehende Regelungen zur Infektionsprävention in einzelnen Klinikbereichen bestehen weiter fort. 

Zudem kann weiterhin am UKW bereichs- und klinikbezogen für Besucher die Pflicht zum Tragen, z. B. von Mund-Nasen-Schutz für einzelne Bereiche mit besonders gefährdeten Patienten festgelegt werden. 

Dies ist aktuell in der UKW-Kinderklinik der Fall: Dort besteht zunächst bis einschließlich 1. Mai 2023 grundsätzlich weiter die Pflicht zum Tragen  einer FFP2-Maske ab einem Alter von 14 Jahren für Patienten, Besucher und Begleitpersonen angesichts der Anzahl von Patienten, die wegen bzw. mit einer Infektion behandelt werden.

Neue Ausgabe: Gesundheitsmagazin UNI.KLINIK mit Parkinson als Titelthema ist online

Die kürzlich erschienene Ausgabe 1/2023 von UNI.KLINIK, dem Gesundheitsmagazin des Universitätsklinikums Würzburg, berichtet in seinem Titelthema über Behandlungsmöglichkeiten bei Morbus Parkinson.

Würzburg. Die Showlegende Frank Elstner und der Ökowinzer Ewald Ruppert aus Prichsenstadt sind beide von der fortschreitenden neurodegenerative Erkrankung Morbus Parkinson betroffen. Beide werden am Uniklinikum Würzburg (UKW) behandelt: Elstner mit Medikamenten, Ruppert mit einem topmodernen Hirnschrittmacher. Wie die jeweiligen Therapiewege funktionieren und wie es den beiden Patienten damit geht, berichtet die aktuelle Ausgabe von UNI.KLINIK in seiner Titelgeschichte. Das kostenlose Gesundheitsmagazin wird vom UKW zwei Mal jährlich herausgegeben.

Darüber hinaus bringt die 24-seitige Publikation Forschungshintergründe zum Chronischen Fatique-Syndrom und zu Maligner Hyperthermie. Sie erläutert, wie sich eine Trichterbrust per Bügel-Operation korrigieren lässt und wandert durch die 75-jährige Geschichte der Transfusionsmedizin am Würzburger Großkrankenhaus. 

Diese und viele weitere informative Artikel finden sich in der Online-Version unter www.ukw.de/presse/magazine. 

Chronische Rückenschmerzen: Uniklinik Würzburg sucht Teilnehmende für Studie mit VR-Brille

Das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin des Uniklinikums Würzburg sucht für eine Studie Personen, die schon seit einiger Zeit an chronischen Rückenschmerzen leiden. Erprobt wird ein neues physiotherapeutisches Programm, das Technologien der Virtuellen Realität (VR) nutzt.

Bei der neuen Studie werden VR-Technologie und physiotherapeutische Übungen zur Behandlung von Rückenschmerzen kombiniert.
Bei der neuen Studie werden VR-Technologie und physiotherapeutische Übungen zur Behandlung von Rückenschmerzen kombiniert. Bild: Videoreality / Julian Hölgert
Ziel der Studie ist es, mit den Wahrnehmungsmöglichkeiten der Virtuellen Realität neuronale Netzwerke im Gehirn so zu modifizieren, dass chronische Schmerzen möglichst dauerhaft gelindert werden.
Ziel der Studie ist es, mit den Wahrnehmungsmöglichkeiten der Virtuellen Realität neuronale Netzwerke im Gehirn so zu modifizieren, dass chronische Schmerzen möglichst dauerhaft gelindert werden. Bild: UKW / Isabel Neumann

Würzburg. Bei einer Studie des Zentrums für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) des Uniklinikums Würzburg tauchen Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen mit einer speziellen Brille in eine virtuelle Welt ein und führen unter diesem Eindruck physiotherapeutische Übungen durch. So sollen neue Wege eröffnet werden, sich auch im Alltag schmerzarm bewegen zu können.

Gesucht werden dafür Personen im Alter von 18 bis 65 Jahre, die an chronischen Rückenschmerzen leiden – das heißt seit mindestens drei Monaten bis maximal fünf Jahren. Zu den Voraussetzungen zählen gute Deutschkenntnisse. Wichtig ist auch, dass die Studienteilnehmende gut sehen können, am besten ohne Sehhilfe, ansonsten mit Kontaktlinsen oder einer nur kleinformatigen Brille. Ausschlusskriterien sind ferner Schwangerschaft sowie seelische oder neurologische Erkrankungen.

Die Studie läuft über neun Wochen. Ab der dritten Woche finden wöchentlich zwei Therapiesitzungen in der virtuellen Realität statt. Von der sechsten bis zur neunten Woche wird nur noch beobachtet. Bei Studienabschluss erhalten die Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung von 10 Euro pro Therapiesitzung, insgesamt also 60 Euro. Alle Termine finden in Würzburg statt. 

Interessierte melden sich bitte unter E-Mail reliefvr@ uni-wuerzburg.de. 

Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Projekt „Gesellschaft der Ideen“ gefördert. 

Bei der neuen Studie werden VR-Technologie und physiotherapeutische Übungen zur Behandlung von Rückenschmerzen kombiniert.
Bei der neuen Studie werden VR-Technologie und physiotherapeutische Übungen zur Behandlung von Rückenschmerzen kombiniert. Bild: Videoreality / Julian Hölgert
Ziel der Studie ist es, mit den Wahrnehmungsmöglichkeiten der Virtuellen Realität neuronale Netzwerke im Gehirn so zu modifizieren, dass chronische Schmerzen möglichst dauerhaft gelindert werden.
Ziel der Studie ist es, mit den Wahrnehmungsmöglichkeiten der Virtuellen Realität neuronale Netzwerke im Gehirn so zu modifizieren, dass chronische Schmerzen möglichst dauerhaft gelindert werden. Bild: UKW / Isabel Neumann

Großer Infotag zum Thema Prostatakrebs am 22. April

Am Samstag, 22. April 2023, lädt das Prostatakarzinomzentrum des Uniklinikums Würzburg zu seinem 5. Patienteninformationstag ein. Die kostenlosen Vorträge widmen sich zentralen Aspekten der häufigsten Krebserkrankung des Mannes: Von der Prävention über die Diagnostik bis zu neuen Therapieverfahren und den Leistungen der Selbsthilfe.

Würzburg. Das Uniklinikum Würzburg verfügt über ein von der Deutschen Krebshilfe zertifiziertes Prostatakarzinomzentrum. Dieses lädt am Samstag, den 22. April 2023, alle Interessierten zu einem topaktuellen, ganzheitlichen Blick auf die verbreitete Tumorerkrankung ein. Zwischen 10:00 und etwa 14:15 Uhr referieren insgesamt zehn Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen im Hörsaal des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) an der Oberdürrbacher Straße. So werden beispielsweise beim Thema Früherkennung die Vor- und Nachteile des PSA-Tests diskutiert, während bei der Diagnostik die verschiedenen bildgebenden Verfahren sowie die Fusionsbiopsie vorgestellt werden. Außerdem präsentieren die Fachleute die ganze Breite des derzeitigen therapeutischen Spektrums: chirurgische Eingriffe, Strahlentherapie und die Gabe von Medikamenten. Als komplementärmedizinische Gesichtspunkte runden Vorträge zu „Prostatakrebs und Sport“ sowie eine Vorstellung der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Würzburg das Informationsangebot ab. 

Zum Abschluss der Veranstaltung haben die Teilnehmer Gelegenheit, im direkten Gespräch mit den Spezialistinnen und Spezialisten persönliche Fragen zu diskutieren. 

Die Teilnahme am Patienteninfotag ist kostenlos, das detaillierte Programm gibt es unter www.urologie.ukw.de, Rubrik „Veranstaltungen“.

Weniger ist mehr: Antibiotika bei Harnwegsinfekten

Würzburger Institut für Allgemeinmedizin für Forschung um Antibiotikaverbrauch bei Harnwegsinfekten ausgezeichnet

Das Bild zeigt die Preisträger Christian Röver, Yvonne Kaußner und Ildikó Gágyor.
„Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM) verlieh den David-Sackett-Preis 2023 an das Forscherteam der Studie „UTI-IPD - Strategien zur Verringerung des Antibiotikaverbrauchs bei Frauen mit unkomplizierten Harnwegsinfekten in der Primärversorgung - eine individuelle Patientendaten-Metaanalyse (IPD-MA). Stellvertretend für das Team nahmen Dr. Christian Röver von der Universitätsmedizin Göttingen sowie Dr. Yvonne Kaußner und Prof. Dr. Ildikó Gágyor vom Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (v.l.n.r.) den Preis entgegen.

Mehr als jede zweite Frau ist ein- oder mehrmals in ihrem Leben von einer Blasenentzündung betroffen. Da es sich bei der Erkrankung üblicherweise um eine Infektion der Harnwege mit Bakterien handelt, kommen bei der Behandlung häufig Antibiotika zum Einsatz. Doch diese Therapie ist umstritten, da sie viel zu oft und manchmal fehlerhaft eingesetzt wird. So werden Resistenzen von Bakterien gefördert. Ein internationales Team unter Leitung des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg hat herausgefunden, wann Alternativen zu Antibiotika sinnvoll sind und Wege aufgezeigt, die Verordnung von Antibiotika in den hausärztlichen Praxen zu verringern.

Für die Forschungsarbeit zu „Strategien zur Verringerung des Antibiotikaverbrauchs bei Frauen mit unkomplizierten Harnwegsinfekten in der Primärversorgung“ erhielt das Forscherteam am 22. März 2023 in Potsdam den David-Sackett-Preis. Überreicht wurde er Dr. Yvonne Kaußner vom Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), gemeinsam mit der wissenschaftlichen Leiterin und Direktorin des Instituts Prof. Dr. Ildikó Gágyor, sowie Dr. Christian Röver von der Universitätsmedizin Göttingen, Mitautor und Vertreter des zweiten wissenschaftlichen Leiters Prof. Dr. Tim Friede vom dortigen Institut für Medizinische Statistik. Im Namen des Teams sagt Prof. Dr. Ildikó Gágyor: „Wir freuen uns außerordentlich über den Preis und damit über die Anerkennung, dass wir mit unserer Arbeit die Evidenz zur Diagnostik und Behandlung des unkomplizierten Harnwegsinfekts verbessern konnten.“

Das Team hatte die Daten von 3500 Patientinnen aus neun bereits durchgeführten Studien für eine sogenannte individuelle Patientendaten-Metaanalyse herangezogen. Damit gelang es den Forschenden aus Würzburg und Göttingen erstmals im Detail zu untersuchen, welche Faktoren eher für oder gegen eine Antibiotika-Gabe sprechen. Wenn bei einer Frau mit Harnwegsinfekt Blutspuren (Erythrozyten) oder Bakterien im Urin nachweisbar sind, scheitert eine Antibiotika-freie Behandlung deutlich häufiger. Sind aber weder Blut noch Bakterien vorhanden, zeigen Antibiotika keinen erkennbaren Vorteil. Mit diesem Wissen ließe sich der Antibiotika-Einsatz um fast zwei Drittel vermindern.

Der David-Sackett-Preis wird seit 2008 jährlich vom Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM) vergeben. Das Netzwerk verfolgt das Ziel einer patientenorientierten medizinischen Behandlung auf der Grundlage von empirisch nachgewiesenen Wirksamkeiten. Um Forschungen in diesem Gebiet zu fördern, vergibt das Netzwerk den mit 2000 Euro dotierten David-Sackett-Preis für herausragende wissenschaftliche Leistungen in Forschung, Lehre oder bei der Verbreitung der Anliegen der EbM. Der kanadische Mediziner war einer der Wegbereiter der evidenzbasierten Medizin.

Seit 2018 widmet sich das Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg unter der Leitung von Prof. Dr. Ildikó Gágyor und Prof. Dr. Anne Simmenroth der allgemeinmedizinischen Lehre und Forschung, mit dem Schwerpunkt der Versorgungsforschung. Informationen zum Institut für Allgemeinmedizin finden Sie auf der Homepage: www.allgemeinmedizin.uni-wuerzburg.de.

Link zu EbM-Netzwerk

 

Pressemitteilung des Instituts für Allgemeinmedizin. 

Das Bild zeigt die Preisträger Christian Röver, Yvonne Kaußner und Ildikó Gágyor.
„Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM) verlieh den David-Sackett-Preis 2023 an das Forscherteam der Studie „UTI-IPD - Strategien zur Verringerung des Antibiotikaverbrauchs bei Frauen mit unkomplizierten Harnwegsinfekten in der Primärversorgung - eine individuelle Patientendaten-Metaanalyse (IPD-MA). Stellvertretend für das Team nahmen Dr. Christian Röver von der Universitätsmedizin Göttingen sowie Dr. Yvonne Kaußner und Prof. Dr. Ildikó Gágyor vom Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (v.l.n.r.) den Preis entgegen.