Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg: Bundestagsabgeordnete informierten sich zu Forschungsthemen

Drei SPD-Politiker nutzten die Sommerpause des Deutschen Bundestages, um sich am Uniklinikum über Aspekte aus der medizinischen Forschungslandschaft Würzburgs zu informieren.

 

Am 8. Juli dieses Jahres statteten drei SPD-Politiker dem Uniklinikum Würzburg (UKW) sowie dem Rudolf-Virchow-Zentrum in Würzburg einen Besuch ab. Das Gästetrio bestand aus Oliver Kaczmarek, Sprecher für Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion, René Röspel, stellvertretender Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion für Forschung, sowie Bernd Rützel, Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Main-Spessart und Miltenberg. Die Politiker nutzen derzeit die Sommerpause des Bundestags, um vor Ort mehr über ausgewählte Forschungseinrichtungen in Deutschland zu erfahren. 

Als Einstieg präsentierte Prof. Dr. Stefan Frantz, der stellvertretende Ärztliche Direktor des UKW, das Klinikum als mit über 7.300 Beschäftigten größten Arbeitgeber Würzburgs. „Abhängig von der jeweiligen Fachrichtung ist es das Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe für ein bis zwei Millionen Menschen in einer weitgehend ländlich geprägten Region“, erläuterte der Kardiologe. Nach seinen Worten sorgen ferner zahlreiche Kooperationspartnerschaften mit externen Kliniken und Einrichtungen für eine flächendeckend sehr gute Krankenversorgung in Mainfranken und den angrenzenden Gebieten.

Diverse Fördermaßnahmen für forschende Ärzt*innen 

Anschließend leitete Prof. Dr. Matthias Goebeler in seiner Funktion als Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF) zur medizinischen Forschung als Hauptthema des Treffens über. Der Dermatologe schilderte den Mangel an qualifiziertem wissenschaftlichem ärztlichem Nachwuchs als eine der großen Herausforderungen der Universitätsmedizin. Eine Herausforderung, auf die in Würzburg schon seit etlichen Jahren mit gezielten Fördermaßnahmen, wie zum Beispiel Clinician Scientist-Programmen und dem Integrative Clinician Scientist College oder zuletzt dem Advanced Clinician Scientist Programm, reagiert wird. Und das mit einigem Erfolg. „Die Programme bewirken, dass unsere forschenden Ärztinnen und Ärzte nicht in der klinischen Arbeit untergehen und wissenschaftliche Arbeit für sie kein ‚Freizeitvergnügen‘ sein muss“, fasste Prof. Goebeler zusammen. 

NCT: Für eine noch bessere Translation

Damit die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Krebsforschung möglichst schnell zu einer signifikanten Verbesserung der Patientenversorgung und Lebensqualität führen können, wurde im vergangenen Jahr das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg – kurz NCT WERA – gestartet. Nach einer Konzeptionsphase von einem Jahr, in dem das NCT-Netzwerk zusammenwachsen soll und sich einer neuen Begutachtung unterziehen wird, wird es seinen Betrieb aufnehmen. Dazu wird ein neues Gebäude in Würzburg entstehen, in dem neue Professuren und Nachwuchsgruppen sowie patientenrelevante Bereiche – wie interdisziplinäre Sprechstunden und Therapieambulanzen, eine Patientenakademie und ein Patientenbüro – untergebracht werden. „Der Fokus des NCT liegt auf der Klinischen Translation und Innovation, die in Deutschland nach wie vor den Flaschenhals in der Translationskette bilden“, unterrichtete Prof. Dr. Hermann Einsele, der Würzburger Standort-Koordinator des neuen Zentrums, die Politiker. Nach den Ausführungen des Krebsexperten bringt die Würzburger Universitätsmedizin als besondere Stärken die T-Zell-basierte Immuntherapie, Ubiquitin-basierte Therapeutika sowie Modelle für Leistungen in der onkologischen Versorgung des ländlichen Raumes mit modernster Diagnostik und innovativer Therapie sowie Studienkonzepten in das NCT WERA ein. 

RVZ: Forschung an Schlüsselproteinen auf höchstem Niveau

Im Anschluss stellte Prof. Dr. Caroline Kisker die vielfältigen Forschungsbereiche des von ihr geleiteten Rudolf-Virchow-Zentrums – Center for Integrative and Translational Bioimaging (RVZ) vor. Bei einem kleinen Rundgang gewannen die Abgeordneten ein direktes Bild von der zur Uni Würzburg gehörenden Einrichtung. So konnten sie sich bei Prof. Dr. Hermann Schindelin über die Strukturbiologie und Wirkstoffentwicklung informieren und selbst eine Wirkstoffstruktur in das 3D-Modell eines Proteins einfügen, das zuvor am Computer modelliert worden war. Bei der Besichtigung des Labors von Prof. Dr. Katrin Heinze zeigten sie sich beeindruckt von den Möglichkeiten der hochauflösenden Mikroskopie. Auch für einen kurzen Blick ins Schülerlabor des RVZ blieb noch Zeit und alle waren sich einig, wie wichtig es ist, schon früh die Begeisterung für die Wissenschaft zu wecken.

Das HIRI: Modernste Technologien für die RNA- und Infektionsforschung

Oliver Kaczmarek und René Röspel besichtigten zudem noch das dem RVZ benachbarte Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI). Dort präsentierten ihnen Prof. Dr. Chase Beisel, Forschungsgruppenleiter, und Verwaltungsleiterin Alice Hohn die Arbeitsschwerpunkte ihres Instituts und stellten den geplanten HIRI-Neubau vor. Bei einem Gang durch die Labore erfuhren die Gäste mehr über modernste Verfahren im Bereich Einzelzell-Sequenzierung und erhielten Informationen aus erster Hand zu aktuellen Erkenntnissen über SARS-CoV-2. Die Abgeordneten waren begeistert von den Forschungserfolgen des HIRI, darunter LEOPARD – eine neue Technologie, die das Potenzial hat, die medizinische Diagnostik nicht nur von Covid-19, sondern auch von Tuberkulose, Sepsis oder seltenen genetischen Erkrankungen zu revolutionieren. 

Am Ende des Informationsnachmittags lobten die Politiker die vorgestellten Strukturen und Leistungen. So kommentierte Oliver Kaczmarek: „Unser Besuch in Würzburg hat ein weiteres Mal gezeigt, dass in Deutschland an ganz vielen Stellen exzellente Forschung getrieben wird – eben nicht nur in den großen Zentren.“

 

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Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis für Würzburger Zahnmedizinstudierende vergeben

36 Zahnmedizinstudierende des Uniklinikums Würzburg haben die Examensprüfung 2021/I bestanden. Bei einer Abschlussfeier wurden die zwei besten mit dem Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis ausgezeichnet.

 

Bei einer Feier am 25. Juni dieses Jahres bekamen die 25 Absolventinnen und 11 Absolventen des Examens der Würzburger Zahnmedizin ihre Zeugnisse überreicht. Besonders freuen konnten sich die zwei Prüfungsbesten: Sie wurden mit dem Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis ausgezeichnet. Der mit 1.333 Euro dotierte erste Preis ging an Charlotte Witteler, der mit 666 Euro dotierte zweite Preis an Daniela Horn.

Der Adolf-und-Inka-Lübeck-Preis wurde im Jahr 1977 gestiftet: Inka Lübeck wollte damit an ihren vier Jahre zuvor gestorbenen Mann erinnern, den Würzburger Zahnmediziner Adolf Lübeck. Seit dem Tod von Inka Lübeck im Jahr 1990 wird die Prämie unter dem jetzigen Namen verliehen.

 

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Abgesagt: Einladung zum digitalen Würzburger Philosophicum am Do. 8. Juli 18.15 - 19.45 Uhr; Vortrag von Frau Prof. Dr. Dabauvalle "Warum Gendermedizin?"

Hiermit möchten wir Sie sehr herzlich zu unserem Philosophicum im Sommersemester einladen. Unser Semesterthema beleuchtet fundiert die Grundlagen der Geschlechterrollen in der Medizin und forscht nach dem Thema aus Sicht der Medizin im Kontext anderer Wissenschaften wie Ethik, Wissenschaftstheorie, Soziologie, Biologie und Philosophie.

Unser Semesterprogramm finden Sie in der Anlage. Wir haben renommierte Referentinnen und Referenten, Prof. MIchael Schmidt, Mitbegründer des Philosophicums, Frau Prof. Dr. Marie-Christine Dabauvalle  von der Universität Würzburg, Prof. Dr. med. Martin Fassnacht von der Universität Würzburg, den Philosophen Prof. Dr. phil Christoph Türcke aus Leipzig und Studierende der Soziologie, Vera Lang und Henrik Beer (Universitäten Kassel und Göttingen) für unser Semesterprogramm gewinnen können. Nähere Informationen zum Philosophicum, unser Konzept und die ausgezeichneten Vorträge von Prof. Dr. phil. Johannes Königshausen, Mitbegründer des Philosophicums, finden Sie unter <link forschung-lehre wuerzburger-philosophicum startseite>www.ukw.de/forschung-lehre/wuerzburger-philosophicum/startseite/

Aufgrund der Coronasituation wird das Philosophicum in diesem Sommersemester weiter nur digital abgehalten (im Wintersemester hoffen wir wieder auch Präsenzveranstaltungen neben dem digitalen Format, das wir beibehalten werden, durchführen zu können). Wir werden in diesem Semester allerdings nur noch einen Zoom Link verwenden, es wird also zukünftig keine separaten Links mehr pro Veranstaltung geben, sondern nur noch diesen einen, über den man sich quasi virtuell in unseren Seminarraum "setzen" kann. Die Vorträge werden am jeweiligen Termin live auf ZOOM und zusätzlich ggf. über den e-mail Newsletter des Philosophicums als Arbeitstexte veröffentlicht. Außerdem finden Sie die Vorträge auf dem Youtubekanal  des Würzburger Philosophicum unter der Voraussetzung dass unsere Referentinnen und Referenten jeweils damit einverstanden sind.

Hiermit laden wir Sie zu unserer für dieses Sommersemester letzten digitalen Veranstaltung ein:

  • Donnerstag, 08.07.2021 18.15 - 19.45 Uhr
  • Referentin: Frau Prof. Dr. Marie-Christine Dabauvalle (Biozentrum der Universität Würzburg; Zentrale Abteilung für Mikroskopie)
  • Titel des Vortrags: "Warum Gendermedizin?"

Frau Prof. Dr. Dabauvalle ist seit 1987 als Dozentin an der Universität Würzburg tätig und seit 1998 Professorin im Biozentrum der Universität Würzburg. Sie zeichnet sich seit vielen Jahren durch ihr hohes Engagement als Universitätsfrauenbeauftragte aus und hat die Gleichstellung von Frauen in der Wissenschaft maßgeblich mitgeprägt. Diese Gleichstellung ist nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern erforderte ihren besonderen Einsatz. Außerdem ist Frau Prof. Dr. Marie-Christine Dabauvalle Mitglied des Steuerungskreises Gesundheitsmanagement der Universität Würzburg und an dem PROMPTNET-Gender-Medizin Projekt der Universität wesentlich beteiligt, hierzu passt das Thema ihres Vortrags "Warum Gendermedizin?" perfekt. Sie sind sehr herzlich dazu eingeladen. 

Allgemeine Informationen zum Philosophicum: Studierende, Philosophen, Mediziner, Ärzte und Interessierte reflektieren und diskutieren das interessante Schwerpunktthema der Gender Medicine transdisziplinär mit Bezug zu Praxis, Klinik, Forschung und verwandten Fächern. Die Veranstaltungen sind bewusst interaktiv gehalten und schließen neben dem Vortrag eine offene Diskussion ein. Besonders begrüßen wir dazu Studierende anderer Hochschulen z.B. wie der in Coburg und Fulda, aber auch Universitäten Erlangen, Jena, Charité Berlin, Mainz und LMU München. Zusätzlich ist unser Auftritt auf Meetup eingerichtet und steht auf Wunsch zur Verfügung unter https://www.meetup.com/de-DE/wuerzburger-philosophicum. Dort können sich Interessentinnen*en des Würzburger Philosophicums (gerne auch anderer Hochschulen!) austauschen und über die Veranstaltungen diskutieren. Sie finden hier außerdem unter anderem alle Veranstaltungen, die in diesem Semester noch stattfinden, und werden, wenn Sie unserer Gruppe beitreten, über den Newsletter hinaus über weitere Veranstaltungen informiert. Geplant ist beispielsweise eine zusätzliche Veranstaltung des Philosophicums am Internationalen Tag der Philosophie, 18. November 2021, an der Universitätsklinik Würzburg.
 
Über Ihre Teilnahme und Mitwirkung an der Diskussion freut sich sehr

Ihr Philosophicumsteam -

Carla Winter, Judith Kleiss, Hannah Gauger, Charlotte Göttmann, Gloria Griebel, Harriet Hahn, Antonia Mortsch, Michael Gabler, Till Gallasch, Valentin Metzner, Hans Aster, Jonas Daub, Michael Schmidt, Johannes Königshausen und Thomas Bohrer

One Health & Planetary Health - Perspectives from Eastern Africa

Die Lehrklinik der medizinischen Fakultät Würzburg lädt herzlich zum zweiten Termin ihrer Seminarreihe Klima.Umwelt.Gesundheit. am 08.07.2021, 17 Uhr ein.

Melvine Otieno und Nightingale Wakigera berichten hierbei über Chancen und Herausforderungen zum Thema Planetarer Gesundheit im östlichen Afrika. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt. Den Anmeldelink zum Zoom Meeting sowie weitere Informationen zum Programm und den Referentinnen finden sie hier: https://www.med.uni-wuerzburg.de/lehrklinik/globale-und-planetare-gesundheit/seminarreihe-planetare-gesundheit-klimaumweltgesundheit/ 

 

 

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Anti-Tumormittel aus dem Darm

Bestimmte Stoffwechselprodukte von Bakterien aus dem Darm machen Immunzellen aggressiver. Das zeigt eine neue Studie der Universitäten Würzburg und Marburg. Die Erkenntnisse könnten helfen, Krebstherapien zu verbessern.

Es soll an der Entstehung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen beteiligt sein, Diabetes auslösen, für Übergewicht sorgen, sogar neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Parkinson könnten hier ihre Ursachen haben – ganz zu schweigen von Depressionen und autistischen Störungen. Die Rede ist vom Mikrobiom – der gewaltigen Ansammlung von Bakterien im menschlichen Darm. Jeder Mensch trägt geschätzt rund 100 Billionen Bakterienzellen in seinem Verdauungstrakt, die mehreren tausend Arten angehören.

Im Mittelpunkt der Forschung steht das Mikrobiom seit gut 20 Jahren – seit eine neue Technik eine schnelle und präzise Analyse dieser Bakterien möglich gemacht hat: die Hochdurchsatzsequenzierung. Seitdem häufen sich die Befunde, dass das Mikrobiom, das bisweilen auch als zweites menschliches Genom bezeichnet wird, nicht nur für die Verdauung von zentraler Bedeutung ist, sondern auch eine Vielzahl von Körperfunktionen, wenn nicht steuert, so doch zumindest beeinflusst. Besonders häufig genannt wird dabei das Immunsystem.

Das Mikrobiom beeinflusst das Immunsystem

Jetzt ist Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Würzburg und Marburg erstmals der experimentelle Nachweis gelungen, dass bakterielle Stoffwechselprodukte in der Lage sind, die zytotoxische Aktivität bestimmter Immunzellen zu steigern und damit die Effizienz von Tumortherapien positiv zu beeinflussen. Über die Zusammensetzung der Bakterienarten im Mikrobiom könnte somit im Idealfall dessen Einfluss auf den Therapieerfolg gesteuert werden.

Die Ergebnisse seiner Studie hat das Forschungsteam in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht. Verantwortlich dafür war Dr. Maik Luu, Postdoc im Labor von Professor Michael Hudecek in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Würzburger Universitätsklinikums. Weiterer Beteiligter war Professor Alexander Visekruna vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Philipps-Universität Marburg, wo Luu vor seinem Wechsel nach Würzburg geforscht hat.

Fettsäuren steigern die Aktivität der Killerzellen

„Wir konnten zeigen, dass die kurzkettigen Fettsäuren Butyrat und insbesondere Pentanoat in der Lage sind, die zytotoxische Aktivität von CD8-T-Zellen zu steigern“, beschreibt Maik Luu das zentrale Ergebnis der jetzt veröffentlichten Studie. CD8-T-Zellen werden bisweilen auch Killerzellen genannt. Als Teil des Immunsystems ist es ihre Aufgabe, für den Organismus schädlich Zellen gezielt zu töten. 

Kurzkettige Fettsäuren wiederum gehören zur dominantesten Klasse von Stoffwechselprodukten des Darmmikrobioms. Sie können auf der einen Seite den Stoffwechsel von T-Zellen ankurbeln, indem sie zentrale Regulatoren des Energiestoffwechsels induzieren. Auf der anderen Seite können sie spezielle Enzyme hemmen, welche in den T-Zellen die Zugänglichkeit zum Erbgut und somit die Gen-Expression regulieren. Dabei rufen sie epigenetische Veränderungen hervor.

Solide Tumormodelle werden effektiver bekämpft

„Wenn kurzkettige Fettsäuren CD8-T-Zellen umprogrammieren, führt dies unter anderem zu einer gesteigerten Produktion entzündungsfördernder und zytotoxischer Moleküle“, erklärt Luu. Im Experiment steigerte eine Behandlung mit der Fettsäure Pentanoat die Fähigkeit von Tumor-spezifischen T-Zellen, solide Tumormodelle zu bekämpfen. „Denselben Effekt konnten wir bei der Bekämpfung von Tumorzellen mit sogenannten CAR-T-Zellen beobachten“, sagt der Wissenschaftler. 

CAR-T-Zellen sind ausgeschrieben „Chimäre Antigen-Rezeptor-T-Zellen“. Während normale T-Zellen gegenüber Tumorzellen weitgehend „blind“ sind, sind CAR-T-Zellen dank einer gentechnologischen Veränderung in der Lage, spezifische Ziel-Antigene auf der Tumoroberfläche zu erkennen und die Krebszellen zu vernichten. Michael Hudecek ist einer der führenden Experten auf dem Gebiet der CAR-T-Zell-Forschung.

Gezielte Steuerung über die Zusammensetzung des Mikrobioms

„Die Ergebnisse sind somit ein Beispiel dafür, wie Stoffwechselprodukte der Darmbakterien den Stoffwechsel und die Gen-Regulation unserer Zellen verändern und damit die Effizienz von Tumortherapien positiv beeinflussen können“, sagt Maik Luu. Davon profitieren könnte insbesondere der Einsatz von CAR-T-Zellen gegen solide Tumore. 

In diesen Fällen ist eine Therapie mit den genetisch veränderten Zellen bislang nämlich deutlich weniger effektiv als die Behandlung hämatologischer Tumorerkrankungen wie etwa einer Leukämie. Ändern könnte sich dies, wenn die CAR-T-Zellen vor ihrem Einsatz beim Patienten mit Pentanoat oder anderen kurzkettigen Fettsäuren behandelt wurden, so die Hoffnung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Über die Zusammensetzung der bakteriellen Darmbesiedlung ließe sich dieser Effekt möglicherweise gezielt nutzen – zumal Luu und die weiteren an der Studie Beteiligten auch den wesentlichen Pentanoat-Produzenten der Darmflora identifizieren konnten: das Bakterium Megasphaera massiliensis.

Weiter Weg bis zum Einsatz in der Klinik

Bis die neuen Erkenntnisse zu neuen Therapien für Krebspatienten führen, ist es allerdings noch ein weiter Weg. In einem nächsten Schritt will das Forschungsteam zunächst das Spektrum der untersuchten Tumorerkrankungen erweitern und neben weiteren soliden Tumoren auch hämatologische Tumorerkrankungen wie das Multiple Myelom betrachten. Darüber hinaus will es die Arbeitsweise kurzkettiger Fettsäuren intensiver untersuchen, um so Ansatzpunkte für gezielte genetische Veränderungen zu identifizieren.

Finanziell unterstützt wurde die Studie von der P. E. Kempkes-Stiftung, der Von Behring-Röntgen-Stiftung, der Deutschen Krebshilfe, der Fazit-Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Originalpublikation

Microbial short-chain fatty acids modulate CD8+ T cell responses and improve adoptive immunotherapy for cancer. Maik Luu, Zeno Riester, Adrian Baldrich, Nicole Reichardt, Samantha Yuille, Alessandro Busetti, Matthias Klein, Anne Wempe, Hanna Leister, Hartmann Raifer, Felix Picard, Khalid Muhammad, Kim Ohl, Rossana Romero, Florence Fischer, Christian A. Bauer, Magdalena Huber, Thomas M. Gress, Matthias Lauth, Sophia Danhof, Tobias Bopp, Thomas Nerreter, Imke E. Mulder, Ulrich Steinhoff, Michael Hudecek & Alexander Visekruna. Nature Communications, https://doi.org/10.1038/s41467-021-24331-1

Kontakt

Dr. Maik Luu, Medizinische Klinik und Poliklinik II, T: +49 931 201-71094, Luu_m@ ukw.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 6. Juli 2021 "Anti-Tumormittel aus dem Darm" herunterladen

Mehr Mut zum Training!

„Sport mit schwachem Herzen? Unmöglich!“ Das denken viele Betroffene, aber auch Trainer. Die Angst vor einem kardiovaskulären Ereignis während des Trainings ist auf allen Seiten zu groß. Doch eine Pilotstudie des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) hat gezeigt, dass ein ärztlich überwachtes körperliches Training für Patienten mit Herzinsuffizienz durchaus machbar und sicher ist. Es kann sowohl die Lebensqualität als auch den Schweregrad der Herzschwäche verbessern. Die Pilotstudie wurde jetzt in der Fachzeitschrift Clinical Research in Cardiology veröffentlicht.

Bayerns erste Herzinsuffizienzsportgruppe. Mit dem gezielten, kontrollierten und ärztlich überwachten Training hat das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) eine Lobby für ein betreutes Herzschwächetraining geschaffen. © Klaus Ebert

nyha„Wir hoffen, dass wir mit unserem erfolgreichen Übungsexperiment die Entwicklung weiterer risikoadaptierter Trainingsprogramme für Patienten mit Herzinsuffizienz erleichtern“, kommentiert Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der Klinischen Forschung und Epidemiologie am DZHI. Schließlich hat bereits im Herbst 2019 die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e. V. (DGPR) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ein Positionspapier zu Herzinsuffizienzsportgruppen herausgebracht. Seit 2020 können diese durch die Einführung einer neuen Positionsnummer mit einem höheren Vergütungssatz abgerechnet werden.

Studie ist ein Weckruf

„Doch dann kam Corona!“, fügt die Erstautorin der Studie, Prof. Dr. Gülmisal Güder, hinzu. „Leider sind viele Herzkranke und Herzinsuffizienzpatienten während der Pandemie zuhause geblieben und haben sichtlich abgebaut“, berichtet die Kardiologin aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Uniklinikum Würzburg. Daher sieht sie diese Studie als eine Art Weckruf. „Werdet wieder aktiv! Trainiert Eure Kraft und Kondition! Und seid ruhig etwas mutiger!“

Lobby für betreutes Herzinsuffizienztraining

Die Pilotstudie hat gezeigt, dass die Studienteilnehmer, zwölf Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Pumpleistung des Herzens (Ejektionsfraktion <45%, NYHA Klasse II/III), das wöchentliche Training in der Sporthalle der DJK Würzburg sehr gut absolvieren konnten und es während der Trainingseinheiten keine Herz-Kreislauf-Zwischenfälle gab. „Wir waren sehr vorsichtig. Das Training hätte sogar noch etwas intensiver ausfallen können“, bemerkt Gülmisal Güder rückblickend.

Ein Jahr lang haben die Männer und Frauen zwischen 42 und 77 Jahren (Mittel 64 Jahre) unter ärztlicher Aufsicht und nach Anleitung von speziell ausgebildeten Übungsleitern ihre Ausdauer, Kraft und Koordination trainiert. Vor jedem Training wurden die Basiswerte wie Bluthochdruck und Puls gemessen und somit die Trainingstauglichkeit geprüft. „Ein dekompensierter Patient ist natürlich nicht belastbar und sollte nicht am Training teilnehmen“, legt der niedergelassene Kardiologe Dr. Christian Rost dar. Der Vizepräsident des Bayerischen Sportärzteverbandes hat die Herzinsuffizienzsportgruppe mitgegründet und betreut. Es ist ihm eine Herzensangelegenheit, seine Patienten zum Training zu motivieren, sie zu unterstützen und entsprechende Ressourcen zu schaffen, damit die Sporttherapie in ganz Deutschland auch für Herzinsuffizienzpatienten zugänglich ist.“

Es gibt bereits rund 6.000 Herzsportgruppen in Deutschland, in denen 120.000 Herzkranke Rehabilitationssport betreiben. Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz wurden von diesem Training jedoch mitunter ausgeschlossen. Die Patienten seien zu wenig belastbar, ihre Betreuung sei zu intensiv.

Leistungsfähigkeit und Lebensqualität maßgeblich verbessert

Mit der klinischen Studie „HIP-in Würzburg“ hat das DZHI das Gegenteil bewiesen. Eine Sportgruppe für herzinsuffiziente Patienten ist durchaus machbar und sicher. Bei jedem Training war ein Arzt zugegen, so wie es auch bei jeder anderen Herzsportgruppe vorgeschrieben ist. Während des Trainings trug jeder Teilnehmer einen Aktivitäts-Tracker mit integrierter Pulsuhr. Vor Studienbeginn sowie nach vier, acht und zwölf Monaten wurden die Teilnehmer im DZHI umfassend untersucht. Neben einem Herzultraschall, Herz-Lungen-Belastungstest und 6-Minuten-Gehttest gab es einen Fragebogen zur Lebensqualität. Die Ergebnisse wurden in Kooperation mit den Instituten für Informatik und für Sportwissenschaft der Universität Würzburg ausgewertet. Sie unterstreichen einmal mal mehr den Erfolg der Sporttherapie: Nach einem Jahr halbierte sich der Biomarker für Herzinsuffizienz, der so genannte NT-proBNP-Wert. Die Auswurffraktion erhöhte sich von durchschnittlich 36 Prozent auf 41 Prozent. Die Leistungsfähigkeit und Aktivität im Alltag wurden maßgeblich verbessert und somit auch die Lebensqualität.

„Wir sind so begeistert von unseren Ergebnissen, dass wir in einer Folgestudie Patienten aktivieren möchten, die derzeit noch weniger belastbar sind und sich ausschließlich in der NYAH-Klasse III befinden“, berichtet Gülmisal Güder. Interessenten können sich schon jetzt gern in unserer Herzinsuffizienz-Ambulanz anmelden (dzhi-ambulanz@ ukw.de, 0931 201 46300).

Publikation: Gülmisal Güder, Joana Wilkesmann, Nina Scholz, Robert Leppich, Peter Düking, Billy Sperlich, Christian Rost, Stefan Frantz, Caroline Morbach, Floran Sahiti, Ulrich Stefenelli, Margret Breunig and Stefan Störk. Establishing a cardiac training group for patients with heart failure: the “HIP-in-Würzburg” study. Clin Res Cardiol (2021). https://doi.org/10.1007/s00392-021-01892-1

Pressemitteilung als PDF.

SARS-CoV-2: Schnelltests nur bedingt zuverlässig

Gängige Schnelltests auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus erkennen Infizierte deutlich seltener als ein PCR-Test. Das zeigt eine neue Studie eines Forschungsteams der Würzburger Universitätsmedizin.

Im Bemühen, die Corona-Pandemie einzudämmen, sind Antigen-Schnelltests derzeit ein weit verbreitetes Instrument. In der Schule, vor dem Besuch von Kulturveranstaltungen, auf der Fahrt in den Urlaub: Überall ist ein negatives Testergebnis der Schlüssel zum Einlass. Kein Wunder: Schließlich sind die Schnelltests eine einfache, kostengünstige und direkt vor Ort auswertbare Möglichkeit der Testung auf eine Infektion mit SARS-CoV-2. 

Labordaten der Hersteller, auf denen die Zulassung basiert, bescheinigen den Tests eine hohe Zuverlässigkeit. Verglichen mit der Referenzmethode der COVID-19-Diagnostik, dem Nachweis der Erbsubstanz des Virus durch sogenannte PCR-Tests, soll ihre Sensitivität Werte von über 90 Prozent erreichen. „Sensitivität“ gibt in diesem Fall an, bei welchem Prozentsatz erkrankter Patienten die Infektion durch die Anwendung des Tests tatsächlich erkannt wird, das heißt, ein positives Testresultat auftritt.

Sensitivität liegt deutlich unter Herstellerangaben

Forscherinnen und Forscher aus den Instituten für Hygiene und Mikrobiologie sowie Virologie und Immunbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) sowie mehrerer Kliniken des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) sind jetzt zu einem anderen Ergebnis gekommen. Demnach liegt die Sensitivität der Antigen-Schnelltests im klinischen Praxiseinsatz mit 42,6 Prozent signifikant unter den Herstellerangaben. Die Ergebnisse dieser Studie hat das Team in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift EBioMedicine veröffentlicht.

Aus insgesamt 5.068 Untersuchungen stammen die Daten der Studie – bei den Teilnehmenden wurden jeweils sowohl ein Antigen-Schnelltest als auch ein PCR-Test durchgeführt. Anschließend wurden die Ergebnisse miteinander verglichen. Während die Sensitivität der Schnelltests dabei deutlich schlechter als erwartet ausfiel, erreicht ein anderes Kriterium gute Werte: die Spezifität. Sie liegt mit 99,68 Prozent im Bereich der Herstellerangaben. Die Spezifität beziffert den Anteil der korrekt negativ getesteten Personen.

Potenzielle Superspreader werden gut erkannt

„Unsere Auswertung zeigt, dass SARS-CoV-2-Infizierte mit sehr hoher Viruslast – potenzielle ‚Superspreader‘ – sehr zuverlässig mittels Antigen-Schnelltests als positiv erkannt werden. In SARS-CoV-2-Proben mit niedrigen Viruslasten hingegen werden Infektionen so gut wie nicht erkannt“, fasst Studienleiter Dr. Manuel Krone die zentralen Ergebnisse der Studie zusammen. Krone ist Arbeitsgruppenleiter am Institut für Hygiene und Mikrobiologie und seit 1. Juni 2021 stellvertretender Leiter der Stabsstelle Krankenhaushygiene des UKW.

Problematisch ist dies aus Sicht der Mediziner vor allem zu Beginn einer Infektion. „Dann liefern Antigen-Schnelltests möglicherweise erst später als ein PCR-Test die richtige Diagnose und können so den Betroffenen eine falsche Sicherheit geben“, sagt Krone. Den Testanwendern sollte dies bewusst sein, so der Mediziner. Schließlich sei die Gefahr groß, dass sich Infizierte aufgrund eines negativen Testergebnisses nicht mehr an die Abstands- und Hygieneregeln halten und somit das Virus in ihrem Umfeld verbreiten. Weniger problematisch sei das „falsch-negative“ Testergebnis am Ende einer Infektion, weil dann von den Infizierten kein hohes Ansteckungsrisiko mehr ausgeht. 

Wichtige Erkenntnisse für Teststrategien

Die Ergebnisse der Studie sind für COVID-19-Teststrategien von großer Bedeutung: „Antigen-Schnelltests sollten nicht als Ersatz für PCR-Untersuchungen bei symptomatischen Personen eingesetzt werden, wenn PCR-Kapazitäten zur Verfügung stehen“, sagt Krone. Von ihrem Einsatz prinzipiell abraten will der Mediziner jedoch nicht: „Großflächig und regelmäßig eingesetzt ermöglichen sie eine zusätzliche Erkennung von in vielen Fällen auch asymptomatischen SARS-CoV-2-Infizierten und damit eine Unterbrechung von Infektionsketten.“

Isabell Wagenhäuser, Doktorandin am Institut für Hygiene und Mikrobiologie und Erstautorin der Studie, ergänzt: „In Situationen, in denen eine momentan hohe Infektiosität ausgeschlossen werden soll, weil viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, können Antigen-Schnelltests eine sinnvolle Ergänzung weiterer Hygienemaßnahmen darstellen. Auch die infektionsepidemiologische Lage spielt eine wichtige Rolle bei der Beurteilung, ob ein Einsatz von Antigen-Schnelltests sinnvoll ist.“

Inzidenz muss berücksichtigt werden

Das sieht auch Professor Ulrich Vogel, Leiter der Stabsstelle Krankenhaushygiene des UKW, so. Er weist darauf hin: „Bei der Entscheidung zum Einsatz von Antigen-Schnelltests muss immer auch die aktuelle Inzidenz bedacht werden, da der positive Vorhersagewert der Tests bei niedrigen Inzidenzen abfällt.“

Publikation

Clinical performance evaluation of SARS-CoV-2 rapid antigen testing in point of care usage in comparison to RT-qPCR. Isabell Wagenhäuser, Kerstin Knies, Vera Rauschenberger, Michael Eisenmann, Miriam McDonogh, Nils Petri, Oliver Andres, Sven Flemming, Micha Gawlik, Michael Papsdorf, Regina Taurines, Hartmut Böhm, Johannes Forster, Dirk Weismann, Benedikt Weißbrich, Lars Dölken, Johannes Liese, Oliver Kurzai, Ulrich Vogel, Manuel Krone, EBioMedicine (2021); 69:103455, www.thelancet.com/journals/ebiom/article/PIIS2352-3964(21)00248-6/fulltext

Kontakt

Dr. Manuel Krone, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, T: +49 931 31-88040, krone_m@ ukw.de 

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg "SARS-CoV-2: Schnelltests nur bedingt zuverlässig"