Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) bekommt zum 1. Januar 2021 einen neuen Ärztlichen Direktor: Prof. Dr. med. Georg Ertl übergibt sein Amt an seinen Nachfolger Prof. Dr Jens Maschmann. Wissenschaftsminister Bernd Sibler dankte dem scheidenden Ärztlichen Direktor für seinen großen Einsatz und begrüßte zugleich den künftigen.
„Prof. Dr. Georg Ertl ist ein herausragender Wissenschaftler und Klinikdirektor“
Wissenschaftsminister Bernd Sibler würdigte Professor Ertl als „Mediziner aus Leidenschaft“ und als „herausragenden Wissenschaftler und Klinikdirektor, der auch in seiner Funktion als Vorsitzender des Klinikumsvorstands Maßstäbe gesetzt hat.“ Der Minister betonte:„Professor Ertl hat während seiner fünfjährigen Amtszeit die Weiterentwicklung des Universitätsklinikums Würzburg maßgeblich geprägt, er hat in vielerlei Hinsicht für die Würzburger Universitätsmedizin Großes geleistet.“ Die Errichtung des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz bleibe mit seinem Namen ebenso verbunden wie der Aufbruch des Universitätsklinikums Würzburg auf das ‚Erweiterungsgelände Nord‘. Dafür seien in Professor Ertls Amtszeit die entscheidenden Weichen gestellt worden. Minister Sibler habe in ihm stets einen verlässlichen und konstruktiven Partner des Freistaats gefunden. „Im letzten Jahr seiner fünfjährigen Amtszeit hat Professor Ertl als hochprofessioneller Krisenmanager das Universitätsklinikum Würzburg in der Corona-Pandemie geführt. Damit hat er uns zu jedem Zeitpunkt tief beeindruckt. Ich wünsche ihm einen erfüllten Ruhestand und bin sicher, dass er die Fachdisziplinen, in denen er an führender Stelle präsent ist, weiter prägen wird.“
Prof. Dr. Georg Ertl wirkte nach seinem Medizinstudium in Mainz und Graz als Arzt und Professor an den Universitäten Würzburg und Heidelberg. 1999 kehrte der profilierte Kardiologe als Lehrstuhlinhaber und Klinikdirektor nach Würzburg zurück. Am 1. Januar 2016 übernahm er für fünf Jahre das Amt des Ärztlichen Direktors des Universitätsklinikums. Der mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftler ist u.a. Mitglied der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer und der Deutschen Herzstiftung.
„Prof. Dr. Jens Maschmann ist ausgezeichneter Wissenschaftler und erfahrener Klinikmanager“
„Jeder Abschied bedeutet zugleich einen Neuanfang. In diesem Sinne freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit dem künftigen Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Jens Maschmann. Mit ihm konnten wir einen ausgezeichneten Wissenschaftler und zugleich einen erfahrenen Klinikmanager gewinnen. Seine Erfahrungen aus der langjährigen Tätigkeit als Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Jena werden der Würzburger Universitätsmedizin gerade in der aktuellen Situation zugutekommen. Ich wünsche ihm einen guten Start in dieser sehr herausfordernden Pandemiezeit und ein erfolgreiches Wirken als Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg“, heißt Wissenschaftsminister Sibler den Nachfolger an der Spitze des UKW willkommen.
Professor Dr. Maschmann war nach seinem Medizinstudium in Tübingen und Bordeaux zunächst als Kinderarzt an den Universitätskliniken Tübingen und Würzburg tätig. In der Folgezeit arbeitete er an verschiedenen Kliniken innerhalb und außerhalb der Hochschulmedizin und habilitierte sich im Fach Kinderheilkunde. Seit November 2014 war er hauptamtlicher Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Jena.
Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst vom 21.12.2020
Aktuelle Pressemitteilungen
Ab 19. Dezember ist der Besuch von Patienten mit wenigen Ausnahmen untersagt. Das Universitätsklinikum bittet um Verständnis!
Aufgrund der aktuellen besorgniserregenden Entwicklung der COVID-19-Infektionen hat sich der Vorstand des Universitätsklinikums Würzburg entschieden, ein generelles Besuchsverbot auszusprechen, das am Samstag, 19. Dezember 2020 beginnt.
Ausgenommen sind hiervon der Kreißsaal (nicht die Geburtsstationen) und die Kinderklinik für engste Angehörige. Das Besuchsverbot betrifft nicht die Palliativstationen und die Begleitung Sterbender. Zudem ist es den Klinikleitungen vorbehalten, in begründeten Fällen weitere Ausnahmen zuzulassen.
Die Dauer des Besuchsverbots gilt vorerst bis zum 10.01.2021.
Ausgenommen sind Heiligabend und der 1. Weihnachtsfeiertag (24.12./25.12.2020). An diesen beiden Feiertagen gilt die Regel, dass Patienten einen Besucher pro Tag für 1 Stunde empfangen dürfen. Dabei sind die Hygiene- und Schutzmaßnahmen einzuhalten: der am Eingang der Kliniken ausgegebene medizinische Mund-Nasen-Schutz ist während des ganzen Aufenthalts in der Klinik zu tragen, zudem ist auf die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 m zu achten. Es erfolgt weiterhin auch die Registrierung der Besucher mittels Fragebogen, der persönliche Daten erfasst, um im Fall eines Corona-Ausbruchs zu helfen, die Infektionswege nachzuverfolgen und so eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Das Uniklinikum bittet um Verständnis für diese Maßnahmen. Es ist uns bewusst, dass sie insbesondere in dieser Jahreszeit eine große Härte für unsere Patienten und deren Angehörige bedeuten. Aber zum Schutz unserer Patienten und der Beschäftigten, die durch die Pandemie einer besonders hohen Belastung ausgesetzt sind, sind sie leider unvermeidlich!
Um angesichts der steigenden Infektionszahlen weitere Kapazitäten für einen möglichen Massenanfall von COVID-19-Patienten vorzuhalten, ist die nicht notfallmäßige oder anderweitig dringende Patientenbehandlung auch im Uniklinikum Würzburg eingeschränkt.
Planbare Operationen und Eingriffe am Uniklinikum werden dazu von den Ärztinnen und Ärzten der jeweiligen Kliniken differenziert bewertet und gegebenenfalls verschoben oder zunächst abgesagt.
Dringliche Operationen und Eingriffe werden weiterhin am UKW durchgeführt – es erfolgt nicht nur die Versorgung von Notfällen!
Das Uniklinikum weist darauf hin, dass die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen, auch wenn diese nicht mit COVID-19 verbunden sind, weiterhin auf dem üblichen hohen Niveau und ohne ein besonderes Risiko für eine Infektion im Krankenhaus gesichert ist.
Das Betreiben der Ambulanzen wird eingeschränkt, aber bis auf weiteres fortgeführt.
Die seit dem Beginn der Pandemie etablierte Klinikumseinsatzleitung des UKW entscheidet täglich anhand der aktuellen Lage über mögliche Änderungen.
Patientinnen und Patienten, die sich wegen ihrer Erkrankung in dauerhafter Behandlung des UKW befinden, werden gebeten, mit der für sie zuständigen Klinik zur Abstimmung der Behandlung Kontakt zu halten.
Patienten, die akut Symptome aufweisen, die mit einer schwerwiegenden Erkrankung zusammenhängen könnten, werden dringend gebeten, mit ihrem Hausarzt und/oder direkt mit dem Notarzt Kontakt aufzunehmen und sich gegebenenfalls in die Klinik zu begeben.
Statt Weihnachtsgeschenke für ihre Kunden zu kaufen, spendete die Eikona-Gruppe in diesem Jahr an Menschenskinder e.V. – Verein zur Unterstützung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen in Würzburg und Unterfranken. Die Eikona-Gruppe ist als Software-Unternehmen in den Geschäftsfeldern Logistik, Systemhaus, Kino und digitales Marketing aktiv. Bastian Späth, Vorstandsvorsitzender der Eikona AG, überreichte im Dezember einen Spendenscheck über 4.000 Euro an den Vereinsvorsitzenden Prof. Dr. Marcel Romanos. Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uniklinikums Würzburg bedankte sich herzlich und kündigte an, dass das Geld dem Aufbau des im Jahr 2019 gegründeten Deutschen Zentrums für Präventionsforschung und Psychische Gesundheit (DZPP) zugutekommen wird. „Jedes fünfte Kind in Deutschland zeigt Symptome psychischer Störungen“, berichtet Prof. Romanos und fährt fort: „Vor diesem Hintergrund wollen wir mit dem DZPP die Entwicklung, Erprobung und Verbreitung von Präventionsprogrammen systematisch vorantreiben.“ Dazu wird das Zentrum ein neues Institutsgebäude erhalten. Dieses soll auf dem Gelände Hubland-Nord in Würzburg errichtet werden. Menschenskinder e.V. finanziert das Bauwerk und seine Ausstattung über Spenden.
Die populationsbasierte STAAB-Kohortenstudie untersucht seit dem Jahr 2013 Einflussfaktoren auf Vorstadien der Herzinsuffizienz in der Würzburger Bevölkerung. Im Juni 2020 wurde ergänzend das STAAB-COVID-Programm ins Leben gerufen, das an diesen Probanden durch wiederholte Messungen die Entwicklung der Covid-19-Pandemie in Würzburg und Umgebung über etwa zwei Jahre hinweg beobachten will. Hinter dem Vorhaben stehen das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) sowie das Uniklinikum und die Uni Würzburg. Die Leitung des Programms liegt in den Händen von Prof. Dr. Peter Heuschmann vom Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Uni Würzburg und von Prof. Dr. Stefan Störk vom DZHI.
Alle Teilnehmenden der STAAB-Kohortenstudie wurden eingeladen, eine Blutprobe abzugeben und einen Fragebogen auszufüllen. Über den Fragebogen wurden unter anderem die aktuelle psychische Belastung der Probanden und die Auswirkung der Krise auf kardiovaskuläre Risikofaktoren erfasst. „Allen Probanden, die den Termin zur Blutabnahme wahrgenommen hatten, boten wir Anfang November 2020 zusätzlich die Teilnahme an einem eigenständig durchzuführenden Nasenabstrich an“, berichtet Prof. Störk. Die Blutproben wurden auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 untersucht, die Nasenabstriche auf das Vorliegen von SARS-CoV-2-Erbsubstanz. „Jetzt sind wir in der Lage, Zwischenergebnisse der ersten Erhebung des STAAB-COVID-Programms zu präsentieren, wobei die Endauswertungen derzeit noch laufen“, schildert Prof. Heuschmann.
Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2
Zwischen Juni und Mitte Oktober 2020 wurden von 3.001 Probanden Blutproben abgenommen; von über 96 % der Teilnehmenden lagen zudem Fragebogendaten vor. Personen zwischen 50 und 59 Lebensjahren nahmen am häufigsten an der Befragung teil (30 % aller Probanden).
Bei 33 (1,1%) der untersuchten Blutproben ergab der angewandte Suchtest ein positives Ergebnis für das Vorliegen von Antikörpern gegen SARS-CoV-2. Berücksichtigt man die Altersstruktur der Würzburger Bevölkerung im Vergleich zu derjenigen im STAAB-COVID-Programm, wo nur Personen zwischen 32 und 87 Jahren untersucht wurden, hätte man eine Positivrate von circa 1,3 % zum Zeitpunkt der Blutentnahme erwartet. „Unser Ergebnis liegt demnach im unteren Bereich, verglichen mit anderen in Deutschland durchgeführten Seroprävalenzstudien“, erläutert Prof. Störk. Weitergehende Analysen weisen außerdem darauf hin, dass die Dunkelziffer – also die Zahl der unbekannten Infizierten im Verhältnis zur Zahl der bekannten Infizierten – in Würzburg im Vergleich mit anderen Regionen in Deutschland ebenfalls im unteren Bereich liegt.
16 % der Befragten gaben an, dass sie vor dem Zeitpunkt der Befragung bereits auf SARS-CoV-2 getestet worden waren. Von diesen getesteten Probanden hatten rund 4 % (19 Probanden) ein positives Testergebnis mitgeteilt bekommen. Davon hatten circa 60 % (11 Probanden) nach eigenen Angaben Corona-spezifische Symptome.
Nachweis von SARS-CoV-2 Antigen im Nasenabstrich
Anfang November wurden an die Probanden insgesamt 2.953 Pakete für die Entnahme eines eigenständigen Nasenabstrichs verschickt. 83 % der Adressaten führten den Abstrich erfolgreich durch, so dass diese Proben analysiert werden konnten. In den Analysen zum Stichtag, dem 18. November 2020 wurden sechs Proben (0,24 %) als positiv auf eine akute Infektion mit SARS-CoV-2 getestet. Die betroffenen Personen wurden durch das Gesundheitsamt umgehend informiert und angemessene Isolationsmaßnahmen wurden ausgesprochen. „Die akute Infektionsrate deckt sich somit mit dem Infektionsgeschehen in Würzburg zum entsprechenden Zeitpunkt, wenn man berücksichtigt, dass STAAB-COVID nur Personen in der Altersgruppe von 32 bis 87 Jahren untersuchte“, verdeutlicht Prof. Heuschmann. Jüngere Altersgruppen mit möglicherweise höheren Kontaktraten und Fallzahlen waren in dieser Stichprobe nicht enthalten.
Auswertung der Befragung
Bezogen auf kardiovaskuläre Risikofaktoren gaben 28 % der Probanden an, ihr Ernährungsverhalten seit der Krise verändert zu haben; davon berichteten 44 %, sich seit der Krise gesünder zu ernähren. Des Weiteren veränderte sich bei 39 % der Probanden die sportliche Aktivität: Bei 35 % dieser Personen hatte sich die sportliche Aktivität erhöht, bei 65 % vermindert.
„Bei der Interpretation dieser Zahlen ist zu beachten, dass die Daten im Zeitraum von Juni bis Oktober 2020 erhoben wurden, in dem keine flächendeckenden Beschränkungen im Sinne eines Lockdown vorlagen. Die Daten sind daher nur begrenzt auf die Infektionswelle im November 2020 übertragbar“, gibt Prof. Störk zu bedenken. Zudem handele es sich um freiwillige Studienteilnehmer, so dass eine Übertragbarkeit auf die Gesamtbevölkerung möglicherweise eingeschränkt sei. Regelmäßige Wiederholungen der Untersuchungen sind geplant.
„Alle genannten Ergebnisse sind als vorläufig zu betrachten. Weitere vertiefte Analysen der Daten werden derzeit durchgeführt und im Anschluss in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht, voraussichtlich im ersten Halbjahr 2021“, kündigt Prof. Heuschmann an.
Für den Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, Prof. Dr. Georg Ertl, war noch ein Ergebnis von besonderer – auch für die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der SARS-CoV-2-Infektion – Bedeutung. Studienteilnehmer mit Scores für mehr Ängstlichkeit hatten, gemessen durch die Antikörperbildung, weniger SARS-CoV-2-Infektionen durchgemacht. „Also: Vorsicht lohnt sich in der Pandemie“, meint Ertl. Andererseits hatten diese Teilnehmer in der Pandemiezeit auch weniger Arztkontakte, was Ertl nochmal mit dem Aufruf verbindet: „Wer krank ist, soll zumindest Rat bei seinem Arzt suchen!“.
Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler freut sich: „Unsere Universitätsklinika sind sowohl in der Versorgung als auch in der Forschung die Speerspitze im Kampf gegen Corona. Ihre medizinischen Studien sind unverzichtbar, um der Pandemie verantwortungsvoll begegnen zu können. Dass wir bereits wenige Monate nach Start des STAAB-COVID-Programms erste Ergebnisse und damit wichtige Daten haben, bestätigt mich in der Entscheidung, diese Studie von Seiten des Freistaats zu unterstützen. Denn je mehr wir über SARS-CoV-2 wissen, desto besser können wir gezielte Maßnahmen ergreifen. Allen Beteiligten vielen Dank für ihren Beitrag dazu.“ Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert nicht nur das DZHI zu wesentlichen Teilen, sondern fördert auch das STAAB-COVID-Programm, das unter der Schirmherrschaft von Wissenschaftsminister Sibler steht.
Die beiden Leiter des STAAB-COVID-Programms bedanken sich bei den Würzburger Bürgerinnen und Bürgern für die Bereitstellung ihrer Daten für diese Untersuchung sowie bei den staatlichen Stellen für die Unterstützung ihrer Forschungsarbeit.
Die schon lange laufende Basisstudie STAAB wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz gefördert.
Jedes Jahr verleiht die Alexander von Humboldt-Stiftung bis zu 100 Humboldt-Forschungspreise. Der Wissenschaftspreis würdigt international führende Wissenschaftler aller Fachrichtungen aus dem Ausland für deren bisheriges Gesamtschaffen. Über die mit 60.000 Euro dotierte Auszeichnung freut sich aktuell Professor Richard Schulz von der University of Alberta im kanadischen Edmonton, und mit ihm das Uniklinikum Würzburg. Prof. Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I und stellvertretender Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI), hatte Rick Schulz für den Humboldt-Forschungspreis vorgeschlagen. Rick Schulz verfügt über ausgezeichnete Fachkenntnisse in der kardiovaskulären Pharmakologie und Pathophysiologie. Sein Forschungsfokus liegt auf dem Verständnis der Auswirkungen von oxidativem Stress und Matrix Metalloproteinasen (MMPs) auf Herz und Gefäße. Würzburg ist für ihn der ideale Ort, um seine Forschung weiter voranzutreiben.
Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen zu einem Anstieg des oxidativen Stresses für Herz und Blutgefäße. Der Kanadier Richard Schulz erforscht mit seinem Team an der University of Alberta, wie spezifische Moleküle durch oxidativen Stress zu Herz- und Gefäßverletzungen beitragen. Ihn interessieren vor allem die Rollen von Stickoxid, Superoxid und Peroxynitrit bei Herz- und Gefäßverletzungen im Zusammenhang mit der Aktivierung des Immunsystems sowie bei Myokardischämie und Reperfusionsschäden, wenn also die Blutzufuhr gestört oder gestoppt ist und die wiederhergestellte Durchblutung zu weiteren Schäden führt bzw. zum Fortschreiten des durch die vorausgegangene Blutleere verursachten Schadens beiträgt.
Therapie zum Schutz des Herzens nach Herzinfarkt
„Wir haben entdeckt, dass einige dieser reaktiven Sauerstoffspezies ihre schädlichen Wirkungen durch Aktivierung eines Enzyms namens Matrix-Metalloproteinase-2 (MMP-2) innerhalb der Herzmuskelzellen ausüben“, erklärt Rick Schulz. Sein Ziel ist es, eine Herzinsuffizienz zu verhindern, indem er die Schwere des anfänglichen Schadens während eines Herzinfarkts verringert und das intrazelluläre MMP-2 durch Inhibitoren hemmt. Der Chemiker und Pharmakologe ist dabei, dieses Wissen in wirksame neue Medikamente zum Schutz des Herzens umzusetzen, insbesondere um den pathologischen Herzumbau nach einem Herzinfarkt zu reduzieren oder die herzschädigenden Nebenwirkungen einer Chemotherapie gegen Krebs zu verhindern.
Inspiration für junge Wissenschaftler
„Es ist uns eine Ehre so einen ausgezeichneten Wissenschaftler wie Rick Schulz bei uns im DZHI zu haben. Er wird eine Inspiration für uns sein und wir freuen uns darauf, gemeinsam mit ihm präklinische und klinische Forschung zu betreiben“, tut Prof. Stefan Frantz kund. Stefan Frantz selbst erforscht schon seit vielen Jahren die entzündlichen Prozesse nach einem Herzinfarkt. Auch Prof. Christoph Maack, Sprecher des DZHI, freut sich über die Auszeichnung und die Tatsache, dass Schulz mit seinem Wissen Akzente im DZHI insbesondere bei den jungen Wissenschaftlern setzen kann. „Viele hier profitieren von Rick Schulz´ tiefem Wissen über oxidativen Stress, Umbauprozesse des Herzens und Entzündung. Mit seinen Kenntnissen hilft er, thematische und experimentelle Brücken zwischen Projekten aus diesen unterschiedlichen Bereichen zu bauen.“
Humboldts Sicht auf die Natur als Ganzes
Als sich für Rick Schulz abzeichnete, dass er gemeinsam mit seiner Frau, einer gebürtigen Deutschen, ein Sabbatical in Deutschland einlegen wird, musste er nicht lang recherchieren, um auf das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz zu stoßen. „Ein idealer Ort, um meine Forschung weiter voranzutreiben“, findet Rick Schulz. „Die Infrastruktur am DZHI und das internationale Team mit exzellenten Wissenschaftlern aus verschiedensten Fachrichtungen sind absolut bereichernd. Ich freue mich sehr, dass mein Sabbatical nun auch noch von der Humboldt-Stiftung gefördert wird. Das ist eine schöne Anerkennung für meine bisherige Arbeit. Und es ist eine Ehre, den Humboldt-Forschungspreis zu erhalten. Alexander von Humboldts Sicht auf die Natur als Ganzes stimmt mit meiner Weltanschauung und meiner Sicht auf das Herz im Organismus und als Teil dessen überein. Humboldts Reisen und Forschungen in mehreren Ländern erweiterten seine Perspektive, auch indem er neue Sprachen lernte und neuen Kulturen ausgesetzt war. Dies ist die Essenz eines guten Sabba-tical-Forschungsaustauschs, den ich hoffentlich auf jede erdenkliche Weise nachahmen kann.“
Nicht nur die von Humboldt bereisten Orte hat Rick Schulz schon besucht, auch Würzburg ist ihm nicht ganz fremd. Er hat bereits im Jahr1980 über ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Universität Würzburg geforscht.
Pressemitteilung als PDF
In einen fast schon mystischen Ort verwandelt sich derzeit allabendlich der Garten der Würzburger Universitäts-Frauenklink. Täglich ab 16:00 Uhr tauchen Strahler dessen Bäume in farbenprächtiges Licht. „Mit der temporären Installation wollen wir unseren Patientinnen, den Klinikumsbeschäftigten und allen sonstigen Betrachtern einen freundlich-interessanten Blickfang in der dunklen Jahreszeit bieten“, erläutert Prof. Dr. Achim Wöckel. Der Direktor der Frauenklinik dankte den Kollegen vom Technischen Betrieb des Klinikums für die professionelle Umsetzung. Der illuminierte „Zauberwald“ wird voraussichtlich noch bis ins neue Jahr hinein zu erleben sein.