Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg: Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver

Bei der Therapie des schon stark vorbehandelten Multiplen Myeloms ist es für die Patient*innen vorteilhaft, die Gabe der Medikamente Pomaidomid und Dexmethason um den monoklonalen Antikörper Daratumumab zu ergänzen. Das ist das Ergebnis einer multizentrischen internationalen Phase III-Studie, an der das Uniklinikum Würzburg sowohl konzeptionell, wie auch durch den Einschluss von Patient*innen beteiligt war.

Myelom-Patient*innen, die auf Medikamente wie Lenalidomid und Bortezomib nicht mehr ansprechen, werden häufig mit einer Kombination aus dem Immunmodulator Pomalidomid und dem Glucocorticoid Dexamethason behandelt. Ein weiteres zur Therapie der bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks zugelassenes Arzneimittel ist Daratumumab. Der humane monoklonale Antikörper bindet an die Myelomzellen und zerstört sie. Außerdem kann er das Immunsystem dazu bringen, die Tumorzellen anzugreifen.

In der sogenannten APOLLO-Studie sollte nun untersucht werden, ob die zusätzliche Gabe von Daratumumab zu Pomalidomid/Dexamethason das progressionsfreie Überleben der Patient*innen weiter verbessern kann. Die offene, randomisierte Phase III-Studie wurde an 48 akademischen Zentren und Krankenhäusern in zwölf europäischen Ländern durchgeführt – auch am Uniklinikum Würzburg (UKW). „Dabei haben wir nicht nur Patientinnen und Patienten in die Studie eingeschleust und betreut, sondern im Vorfeld auch maßgeblich am Konzept des wissenschaftlichen Vorhabens mitgearbeitet“, berichtet Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW und international anerkannter Myelom-Experte.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Juni dieses Jahres in der Fachzeitschrift „The Lancet Oncology“ veröffentlicht. Prof. Einsele, Co-Autor der Publikation, fasst deren Kernbotschaft zusammen: „Wie gehofft, konnte bewiesen werden, dass die zusätzliche Gabe von Daratumumab bei diesem Patientengut das Risiko einer Krankheitsprogression oder des Todes im Vergleich zur alleinigen Anwendung von Pomalidomid und Dexamethason reduziert. Die Kombi-Therapie kann also als neue, optimierte Behandlungsoption betrachtet werden.“

Literatur: 

Dimopoulos MA, Terpos E, Boccadoro M, Delimpasi S, Beksac M, Katodritou E, Moreau P, Baldini L, Symeonidis A, Bila J, Oriol A, Mateos MV, Einsele H, Orfanidis I, Ahmadi T, Ukropec J, Kampfenkel T, Schecter JM, Qiu Y, Amin H, Vermeulen J, Carson R, Sonneveld P; APOLLO Trial Investigators. Daratumumab plus pomalidomide and dexamethasone versus pomalidomide and dexamethasone alone in previously treated multiple myeloma (APOLLO): an open-label, randomised, phase 3 trial. Lancet Oncol. 2021 Jun;22(6):801-812. doi: 10.1016/S1470-2045(21)00128-5. PMID: 34087126.

 

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Uniklinikum Würzburg: Digitaler Infoabend zu Tinnitus

Am Dienstag, den 20. Juli 2021, informieren eine Expertin und ein Experte der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg in Online-Vorträgen über die Diagnostik und Therapie der als Tinnitus bekannten Ohrgeräusche. Die kostenlose Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Mediengruppe Main-Post.

Dr. Kristen Rak und Isabell Lee
Dr. Kristen Rak und Isabell Lee, beide von der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen des Uniklinikums Würzburg, widmen sich am 20. Juli 2021 in einer öffentlichen Veranstaltung dem verbreiteten Gesundheitsproblem Tinnitus. Bild: Uniklinikum Würzburg

Klingeln, Pfeifen, Summen, Rauschen – bei Tinnitus nimmt man Ohrgeräusche wahr, die nicht einer äußeren Schallquelle entspringen. Vermutlich bis zu 15 Prozent der Weltbevölkerung sind davon betroffen. Bei einer Online-Veranstaltung am 20. Juli 2021 widmen sich die Diplom-Psychologin Isabell Lee und Privatdozent Dr. Kristen Rak, beide von der HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg, diesem oft nervenaufreibendem Symptom. Neben den Entstehungs- und den Diagnosemöglichkeiten steht dabei natürlich die Linderung im Vordergrund. „Bei chronischem Tinnitus haben sich beispielsweise psychologische Strategien als wirksam erwiesen, schildert Isabell Lee und fährt fort: „Auch technologische Methoden erscheinen vielversprechend, wobei hier aufgrund der nicht ausreichenden Studienlage noch keine generelle Empfehlung ausgesprochen werden kann.“ Vor diesem Hintergrund wird der HNO-Oberarzt Dr. Rak zum Beispiel darstellen, wie Hörgeräte oder Cochlea-Implantate zur Besserung des Tinnitus eingesetzt werden können. Seit einiger Zeit gibt es auch eine Reihe von Smartphone-Apps, die Tinnitus-Beschwerden lindern sollen. Beim Infoabend wird deutlich werden, was von diesen Programmen erwartet werden kann.
Die vom Uniklinikum Würzburg und der Mediengruppe Main-Post gemeinsam organisierte, kostenlose Veranstaltung beginnt um 18:00 Uhr und nutzt die Plattform „Skype for Business“. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Internetverbindung sowie ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop oder ein PC. Wichtig ist eine Anmeldung ausschließlich bei der Main-Post unter Tel: 0931/6001 6009 oder unter http://akademie.mainpost.de.

 

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Neue Arbeitsgruppe erforscht Wanderung von Immunzellen

Dr. Tamara Girbl leitet seit April eine neue Forschungsgruppe am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg. Sie untersucht die Interaktion von Immunzellen und Blutgefäßen, die bei vielen entzündlichen Krankheiten oder auch Schlaganfällen eine wichtige Rolle spielt.

Frau im Labor vor einem Mikroskop
Dr. Tamara Girbl in ihrem Labor.

Immunzellen „gehen“ durch Wände

Kommt es im Körper zu einer Verletzung oder einer Entzündung, werden über verschiedene Botenstoffe Immunzellen (Leukozyten) aktiviert. Diese gelangen über die Blutgefäße an die entsprechende Stelle im Körper und wandern dort aus dem Blutgefäß in das umliegende, verletzte Gewebe ein, um eventuelle Krankheitserreger abzuwehren. Die Leukozyten müssen dazu die Blutgefäßwand, die aus zwei verschieden Zelltypen besteht, durchdringen. Dieser Vorgang findet in den Venolen, den feinverästelten Gefäßen die das Blut nach dem Stoffaustausch im Gewebe wieder zurück zum Herzen führen, statt. Die innere Schicht der venulären Blutgefäßwand wird von sogenannten Endothelzellen, die äußere Schicht von Perizyten gebildet. Während die Wanderung der Immunzellen durch die Endothelschicht schon relativ gut erforscht ist, ist über die Interaktion mit den Perizyten recht wenig bekannt. Dieser Forschungsfrage widmet sich Dr. Tamara Girbl mit ihrer neuen Arbeitsgruppe.

Überschießende Immunreaktionen schädigen das Gewebe

„Die eigentlich sinnvolle Einwanderung der Immunzellen in das betroffene Gewebe, kann auch aus dem Ruder laufen“, erklärt Girbl. Kommt es zum Beispiel nach einem Schlaganfall zu einer übermäßigen Einwanderung von aktivierten Leukozyten, so können diese mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen und damit zu einer schlechteren Prognose für den Patienten führen. „Genau an diesem Punkt ist es also essentiell wichtig die Mechanismen zu verstehen, wie die Immunzellen die Blutgefäßwand durchdringen können und wie diese Wanderung auf molekularer Ebene reguliert wird“, betont Girbl.

Signalmoleküle weisen den Weg

Girbl konnte in ihrer bisherigen Forschung zeigen, dass die Perizyten durch die Abgabe von kleinen Signalproteinen die Wanderung der Leukozyten in das entzündete Gewebe beeinflussen. Allerdings geben nicht nur die Perizyten, sondern auch die Immunzellen selbst Signalstoffe ab, es kommt also zu einem Austausch zwischen diesen Zelltypen. „Versteht man diese Interaktionen im Detail, könnte man Therapieansätze entwickeln die eine überschießende Einwanderung minimieren und damit auch die schädlichen Nebenwirkungen der Immunreaktion abmildern“, sagt Girbl.

Zur Person

Tamara Girbl promovierte an der Universität in Salzburg in Genetik und Molekularbiologie. Ihre Kenntnisse vertiefte sie bei einem Postdoc-Aufenthalt als British Heart Foundation Stipendiatin an der Queen Mary University in London. Nach einer weiteren Postdoc-Stelle an dem Institut of Science and Technology (IST) in Österreich, nahm sie die Stelle am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimagin der Universität Würzburg an, um ihre eigene Forschungsgruppe aufzubauen.

Weitere Informationen zum Rudolf-Virchow-Zentrum und zur Arbeitsgruppe von Dr. Tamara Girbl finden Sie unter: https://www.uni-wuerzburg.de/rvz/forschung/forschungsgruppen/ag-girbl/

 

Kontakt

Dr. Tamara Girbl (Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg)
Tel.: +49 931 31-87514, tamara.girbl@ uni-wuerzburg.de


Dr. Judith Flurer (Pressestelle, Rudolf-Virchow-Zentrum)
Tel.: +49 931 31 85822, judith.flurer@ virchow.uni-wuerzburg.de

 

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Interdisziplinäres Projekt will Operationen sicherer machen

Bei Operationen treten immer wieder Komplikationen auf, sogar mit Todesfolge. Ein neuesProjekt namens „KIPeriOP“ will das Risiko solcher Komplikationen minimieren. Basis sind digitalisierte Entscheidungsleitlinien und selbstlernende Algorithmen, die anhand individueller Patientendaten eine verlässliche Risikoabschätzung liefern sollen: Mit welcher Wahrscheinlichkeit können bestimmte Komplikationen auftreten, wie ließen sie sich womöglich vermeiden? Koordiniert wird das Projekt durch Prof. Dr. Anja Hennemuth vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS sowie Prof. Dr. Patrick Meybohm vom Universitätsklinikum Würzburg. Beteiligt sind Ärzte der Asklepios Medical School GmbH, des Universitätsklinikum Frankfurt, sowie der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Sie arbeiten mit Spezialisten aus den Bereichen KI, Benutzerführung, Ethik, und Gesundheitsökonomie zusammen.

Jedes Jahr wird in Deutschland mehr als 16 Millionen Mal operiert. Dabei kommt es immer wieder zu Komplikationen, die nicht selten zum Tod führen: In den westlichen Industrienationen versterben 0,4 bis 0,8 Prozent der Operierten bei oder nach einem Eingriff.
Die Kliniken versuchen diese Zahl unter anderem dadurch zu senken, indem sie mögliche Risikofaktoren berücksichtigen: Welche Begleiterkrankungen hat ein Patient, welche Medikamente werden aktuell eingenommen? Welche Komplikationen könnten dadurch auftreten, und wie lassen sich diese minimieren?

Zwar gibt es Leitlinienpapiere, die das medizinische Personal bei dieser Risikoabschätzung unterstützen, sie führen unter anderem Art und Anzahl von sinnvollen Voruntersuchungen auf. Doch in der Praxis sind diese Leitlinien nicht leicht anwendbar. Es sind vielschichtige Dokumente, und ihre Anwendung erfordert die Berücksichtigung einer Fülle von Informationen, deren Beschaffung nicht immer einfach ist.

Algorithmen schätzen Risiken ein

Hier setzt das Forschungsprojekt „KIPeriOP“ an, durchgeführt von einem interdisziplinären Konsortium. Ziel ist die Entwicklung eines klinischen Entscheidungsunterstützungssystems, im Fachjargon CDS-System genannt. Die vom Börm-Bruckmeier Verlag entwickelte Software soll zunächst patientenindividuell und leitlinienkonform mögliche Risikofaktoren sammeln, miteinander in Bezug setzen und als Ergebnis eine Risikoeinschätzung liefern: Wie wahrscheinlich ist es für einen bestimmten Patienten, dass während oder nach einer OP ernsthafte Komplikationen auftreten? „Auf Basis dieser Risikoeinschätzung können Ärzte zum Beispiel entscheiden, ob weitere Untersuchungen notwendig sind und durch welche Maßnahmen der Patient optimal auf die Operation vorbereitet werden kann“ erläutert Meybohm.

Als Eingangsdaten sollen in das CDS-System möglichst viele Informationen über den jeweiligen Patienten einfließen, darunter Laborwerte, Medikationsplan, Vitaldaten sowie Auskünfte über die Lebensgewohnheiten. Zusätzlich zur Berücksichtigung der Leitlinie wird in KIPeriOP auch eine Künstliche Intelligenz (KI) die digital erfassten Daten analysieren: Lernfähige Algorithmen suchen nach Mustern und Korrelationen, die verraten, welche Konstellationen von Risikofaktoren wahrscheinlich zu welchen Komplikationen führen. So könnte mit Hilfe der KI besser erkannt werden, dass ein Patient an einer unerkannten Herzschwäche leidet und damit ein erhöhtes OP- Risiko aufweist.

Im Projekt werden verschiedene KI-Verfahren getestet, um ein optimales Modell zu finden. Damit sie verlässlich funktionieren, müssen die Algorithmen zunächst trainiert, d.h. mit vielen Datensätzen über tatsächliche Voruntersuchungen und OP-Verläufe gefüttert werden. Diese Daten erheben die vier klinischen Projektpartner. „Wir sammeln hier nicht nur Daten, die sowieso schon vorhanden sind, sondern können die Datenerhebung speziell an unsere Bedürfnisse anpassen“, sagt Meybohm. „Dadurch erhoffen wir uns eine größere Relevanz
und Genauigkeit der Algorithmen und Handlungsempfehlungen.“

Vertrauen durch transparente Bedienung

Eine der Herausforderungen bei der Entwicklung des CDS-Systems ist seine Bedienbarkeit.„Wir müssen die KI-basierte Lösung so gestalten, dass sie die Arbeit der Mediziner bereichert und nicht als Belastung empfunden wird“, betont Hennemuth, die auch eine Professur an der Charité – Universitätsmedizin Berlin innehat. „Das notwendige Vertrauen in die neue Technik kann nur entstehen, wenn wir transparent machen, wie und mit welcher Sicherheit die Algorithmen zu ihren Ergebnissen kommen.“

Demnach soll die KI nicht als Blackbox fungieren, sondern auch Unsicherheiten und
mögliche Fehlerquellen transparent machen. Die Entwicklung erfolgt in enger Abstimmung mit den klinischen Partnern, aber auch einem Ethik-Team der RWTH Aachen.

Langfristig könnte das CDS-System sogar noch einen weiteren Nutzen bringen: Womöglich ist es in der Lage, in den Daten bis dato unbekannte Zusammenhänge zwischen Eingangsinformationen und Komplikationshäufigkeiten zu erkennen. Damit ließen sich neueRisikofaktoren entdecken, die man vorher noch nicht kannte. Diese Erkenntnisse könnten inkünftige Leitlinien einfließen und Operationen für Patienten noch sicherer machen. Welchewirtschaftlichen Auswirkungen und Möglichkeiten sich für das Gesundheitssystem ergeben,wird im Projekt ebenfalls untersucht. Hierzu werden Modellrechnungen an der TU München durchgeführt.

KIPeriOP
ist ein vom Bundesministerium für Gesundheit mit 1,5 Mio Euro bis September 2023 gefördertes Forschungsvorhaben. Es hat das Ziel, das perioperative Risikomanagement zu verbessern sowie perioperative Sterblichkeit und dauerhafte Schädigungen zu reduzieren. Das Konsortium setzt sich interdisziplinär zusammen und wird durch das Universitätsklinikum Würzburg und Fraunhofer MEVIS koordiniert. Ärzte des Universitätsklinikum Würzburg (Dr. J. Stumpner, Dr. P. Bendz, Dr. A. Englert), der Asklepios Medical School GmbH (Prof. Dr. A. Ghanem), des Universitätsklinikum Frankfurt (Prof. Dr. Dr. K. Zacharowski, Dr. P. Booms) sowie der Charité-Universitätsmedizin Berlin (Prof. Dr. C. Spies, Prof. Dr. F. Balzer) führen die Patientenbehandlung, Implementierungsforschung, Entwicklung und Weiterentwicklung der maschinenlesbaren Protokolle, und Echtzeitvalidierung durch. Fraunhofer MEVIS (Dr. M. Westphal, M. Hüllebrand, S. Archipovas) ist für die Entwicklung und Evaluation von innovativen und leicht zugänglichen KI-Modulen für die klinische Entscheidungsunterstützung verantwortlich. Der Börm Bruckmeier Verlag (N. Blanck, Dr. P. Börm) verantwortet die Entwicklung und Produktzulassung der CDS-Lösungen. Das Forschungsgebiet Angewandte Ethik der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Prof. Dr. S. Nagel) analysiert und konzipiert die ethischen Anforderungen der digitalen klinischen Entscheidungsunterstützung. Der Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der Technischen Universität München (Prof. Dr. L. Sundmacher, A. Flothow) untersucht ökonomische Implikationen der klinischen Entscheidungsstützung. 

Redaktion & Kontakt

Bianka Hofmann | Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS | +49 421 218 59231Max-von-Laue-Str. 2 | 28359 Bremen | Germany | www.mevis.fraunhofer.de bianka.hofmann@mevis.fraunhofer.de 

Susanne Just | Universitätsklinikum Würzburg | +49 931 201 59447
Josef-Schneider-Straße 2, Haus D3 | 97080 Würzburg
Just_S@ ukw.de 

Informationen zu Fraunhofer MEVIS

Pressemitteilung von Fraunhofer MEVIS und Universitätsklinikum Würzburg 

Betreuung von Schwerkranken und Sterbenden in einer Pandemie: Abwägung zwischen Schutz und Nähe

Die Corona-Pandemie hat in vielen Bereichen zu räumlicher Distanz geführt und menschliche Nähe eingeschränkt. Vor allem in der Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen haben die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen dies als sehr schmerzvoll und häufig traumatisierend erlebt. Das bestätigen umfassende Studien des Forschungsverbundes Palliativversorgung in Pandemiezeiten (PallPan). Als Antwort darauf stellt PallPan jetzt die Nationale Strategie für die Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in Pandemiezeiten vor. Herzstück bilden konkrete Handlungsempfehlungen, wie im Falle künftiger Pandemien insbesondere Nähe am Lebensende ermöglicht werden kann.

Der Forschungsverbund PallPan des Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin zu Covid-19, Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) besteht aus palliativmedizinischen Einrichtungen von 13 Universitätsklinken und widmet sich den Erfahrungen, Belastungen und Herausforderungen in der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen in der aktuellen Pandemie. In 16 Studien wurden innerhalb von 9 Monaten über 1.700 Betroffene, Versorgende und Verantwortliche im Gesundheitssystem und in der Politik nach ihren Erfahrungen gefragt und deren Aussagen systematisch untersucht und ausgewertet. Auf Basis dieser Ergebnisse und mit Hilfe von 120 Expert*innen aus den verschiedenen Bereichen von Gesundheitswesen, Verwaltung und Politik wurde dann die Nationale Strategie für die Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in Pandemiezeiten entwickelt und konsentiert.

33 Handlungsempfehlungen 

Kernstück der Strategie sind 33 konkrete Handlungsempfehlungen, die sich in drei Abschnitte gliedern: Patient*innen & Angehörige unterstützen, Mitarbeitende unterstützen und Strukturen und Angebote der Palliativversorgung unterstützen und aufrechterhalten.

Patient*innen und ihre Angehörigen wünschen sich nach den Befragungsergebnissen vor allem eines für die Zukunft: Nähe am Lebensende auch in einer Pandemie zu ermöglichen. Hierfür braucht es abgewogene Besuchsregelungen für Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, aber auch einen rechtlichen Rahmen, den die Politik schaffen muss. Einzelfallentscheidungen und klar definierte Ausnahmeregelungen haben sich als eine praktikable und hilfreiche Strategie bewährt und sollten überall genutzt werden. 

Mitarbeitende in der Versorgung brauchen vor allem ausreichend Schutz vor Infektionen, aber eben auch grundlegende palliativmedizinische Kenntnisse und psychosoziale Unterstützung in herausfordernden Situationen, z.B. auf der Intensivstation oder Pflegeheimen. „Auch in Pandemiezeiten stehen schwerkranken und sterbenden Menschen eine gute Symptombehandlung und würdevolle Begleitung im Einklang mit dem Patientenwillen zu. Das gilt für Infizierte wie für Nicht-Infizierte. Hier brauchen die Versorgenden in der erhöhten Belastung einer Pandemie mehr Unterstützung,“ betont Prof. Dr. Steffen Simon von der Uniklinik Köln und einer der beiden Koordinatoren des PallPan-Verbundes. 

Von Seiten der Politik sowie der Kliniken und Pflegeeinrichtungen muss darauf geachtet werden, dass die Palliativversorgungsstrukturen auch und gerade in einer Pandemiesituation aufrecht erhalten bleiben. „Palliativstationen dürfen in einer Pandemie nicht geschlossen werden, vielmehr sollten die ambulanten und stationären palliativmedizinischen Dienste für die notwendige Versorgung von schwerkranken und sterbenden Patient*innen arbeitsfähig bleiben und ggf. angepasst oder sogar erweitert werden, z.B. für Infizierte, die nicht mehr geheilt werden können,“ appelliert Prof. Dr. Claudia Bausewein vom LMU Klinikum München, ebenfalls Koordinatorin des PallPan-Verbundes und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP).

Link zur PDF: https://doi.org/10.5281/zenodo.5012504   

Informationsplattform und Trauerangebote

Nach Veröffentlichung der Handlungsempfehlungen Ende Juni plant der PallPan-Verbund schon weitere Vorhaben: den Aufbau einer webbasierten Informationsplattform, die Entwicklung von Unterstützungsmaterialien für trauernde Angehörige sowie Mitarbeitende in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, die Integration von PallPan in eine „Nationale Pandemic Preparedness“ für das deutsche Gesundheitswesen sowie die stetige Weiterentwicklung der Handlungsempfehlungen.

Der Forschungsverbund PallPan wird als Teil des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) vom BMBF gefördert. Dem Forschungsverbund gehören die palliativmedizinischen Einrichtungen der Universitätsklinika an den Standorten Aachen, Bonn, Düsseldorf, Erlangen, Freiburg, Göttingen, Hamburg, Hannover, Jena, Köln, München, Rostock und Würzburg an. Die koordinierende Gesamtleitung haben Prof. Dr. med. Claudia Bausewein vom LMU Klinikum München und Prof. Dr. Steffen Simon von der Uniklinik Köln.

Das PallPan-Konsortium lädt zu einer virtuellen Abschlusskonferenz ein, in der die Nationale Strategie vorgestellt wird. (pall.pandemie@ med.uni-muenchen.de )

Termin: 24.06.2021, 14:00 – 17:30 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Einwahllink (Kenncode: 562238): https://lmu-munich.zoom.us/j/95257337713?pwd=TW5Ib1BnYmNVWFBEMUEvTksrTk95QT09   

Kontakt für Journalisten:

Prof. Dr. Claudia Bausewein, LMU Klinikum München, claudia.bausewein@ med.uni-muenchen.de
Prof. Dr. Steffen Simon, Uniklinik Köln, steffen.simon@ uk-koeln.de  

Nationales Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19

Patienten optimal versorgen, Infektionen verhindern, Gesundheitsversorgung erhalten: Die Covid-19-Pandemie bringt Herausforderungen mit sich, die innerhalb kurzer Zeit neue Handlungsstrategien erfordern. Das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19, kurz Netzwerk Universitätsmedizin (NUM), bündelt und stärkt Forschungsaktivitäten zur Bewältigung der aktuellen Lage. Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, koordiniert durch die Charité – Universitätsmedizin Berlin, arbeitet das Forschungsnetzwerk unter Beteiligung aller deutschen Universitätsklinika und weiterer Netzwerke an Lösungen für eine bestmögliche Patientenversorgung in der Pandemie. 13 umfängliche Verbundprojekte mit Leitungen an den verschiedenen Standorten der Universitätsmedizin sind hierfür konzipiert worden. Das Programm ist auf schnelle, unmittelbare Unterstützungswirkungen ausgerichtet. Ein Akzent liegt auf der kliniknahen Forschung und Versorgungsforschung, deren Ergebnisse gemäß dem translationalen Ansatz direkt in Versorgung und Krisenmanagement einfließen. Dem Forschungsnetzwerk und den beteiligten Einrichtungen stehen zur Umsetzung dieser Aufgabe rund 150 Millionen Euro im ersten Jahr bereit, ab 2021 soll das Netzwerk bis zum Jahr 2024 mit weiteren 80 Millionen Euro jährlich bzw. zusätzlichen 240 Millionen Euro gefördert werden. Die gemeinsamen Entwicklungen in Forschung und Patientenversorgung, evidenzbasiertes Vorgehen sowie gegenseitiges Lernen sollen zu einem gemeinsamen Vorgehen bei der Pandemiebekämpfung und einer „Pandemic Preparedness“ führen. Weitere Informationen: www.netzwerk-universitaetsmedizin.de 

 

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Angst vor Höhen? Hier wird Hilfe angeboten!

Im Rahmen eines Forschungsprojektes sucht das Zentrum für Psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Würzburg (in Zusammenarbeit mit dem Psychologischen Institut) Personen, die übermäßig starke Angst vor Höhen haben und etwas dagegen unternehmen möchten.

Ihnen wird die Möglichkeit geboten, an einer neuartigen Therapie in virtueller Realität teilzunehmen. Dabei wird überprüft, ob die nicht-invasive Stimulation einer spezifischen Gehirnregion, die beim Verlernen der Angst involviert ist, die Höhenangst besser reduziert als die herkömmlichen Therapien.

Der Zeitaufwand beträgt rund 7,5 Stunden, verteilt auf 5 Sitzungen über einen Zeitraum von 4 Wochen und eine weitere Sitzung nach sechs Monaten, um den Langzeiterfolg der Behandlung zu beurteilen. Die Termine werden persönlich mit Ihnen abgesprochen. Alle Sitzungen finden in Würzburg statt, die Teilnahme an der Therapiestudie ist kostenlos. Zusätzlich erhalten die Teilnehmer eine Aufwandsentschädigung von 45 EUR für die diagnostischen Sitzungen.

Interessenten melden sich bitte unverbindlich bei unserem Studienteam „PAN_VR“ (Leitung: Prof. Dr. Martin J. Herrmann) vom Zentrum für Psychische Gesundheit unter Tel: 0931/201-77430 oder per E-Mail an Pan_VR@ukw.de. Sollten wir nicht direkt erreichbar sein, hinterlassen Sie uns bitte eine Nachricht – wir rufen Sie zeitnah zurück.

 

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Phon-O-Ton: Das Stimmlippenkarzinom

Phon-O-Ton: Der phoniatrische Wissenspodcast des IZSS zum Mitnehmen.

Die Juni-Ausgabe beschäftigt sich mit den Folgen eines Stimmlippentumors.

Stimmlippentumore beeinträchtigen die Funktionen des Kehlkopfes. Es können durch den Tumor und durch die notwendige Therapie Stimm- und Schluckstörungen aber auch Atembeschwerden entstehen.

In der 4. Folge des Phon-O-Ton erzählt eine Patientin nach ihrer Operation eines umschriebenen Tumors auf den Stimmlippen im Kehlkopf von ihrem Weg mit der Erkrankung und deren Auswirkungen.

Hier geht es zum Podcast auf dem Youtube-Kanal des Uniklinikums Würzburg.

Alle Folgen des Podcasts finden Sie auch an folgenden Stellen: 
auf unserer Homepage in der Mediathek
auf der Seite des IZSS

 

 

O-Ton: Der phoniatrische Wissenspodcast zum Mitnehmen. Ein Format des IZSS.

Im Mittelpunkt des Podcast stehen Patienten, die über ihre Erfahrungen mit ihrer Erkrankung und deren Behandlung berichten. Hier hören aus einer individuellen Perspektive die Geschichte der Patientinnen und Patienten mit zusätzlichen medizinischen Informationen.

Der Podcast richtet sich an Studierende, Therapeutinnen und Therapeuten, die Pflege, aber auch interne und externe ärztliche Kolleginnen.

 

<link behandlungszentren interdisziplinaeres-zentrum-fuer-stimme-und-schlucken-izss startseite>Das Interdisziplinäre Zentrum für Stimme und Schlucken (IZSS)

Das Interdisziplinäre Zentrum für Stimme und Schlucken (IZSS) beschäftigt sich mit Stimm- und Schluckstörungen. Wir betreuen Patientinnen und Patienten aller Altersstufen vom Säugling bis zum Hochbetagten. Ziel des Zentrums ist die interdisziplinäre und multiprofessionelle Versorgung sowie die langfristige Anbindung der Patientinnen und Patienten.

Stimm- und Schluckstörungen
Erkrankungen von Stimme und Schlucken haben gravierende Folgen. Stimmstörungen beeinträchtigen die Betroffenen erheblich in ihrem privaten und professionellen Leben. Bis zu 90 Prozent aller Berufstätigen sind auf ihre Stimme angewiesen. Schluckstörungen mindern nicht nur die Lebensqualität, sondern können sich auch negativ auf den allgemeinen Gesundheitszustand auswirken.

Expertise am Universitätsklinikum
Die Diagnostik, Therapie und Erforschung von Stimm- und Schluckstörungen sind seit Jahren ein Schwerpunkt der HNO-Klinik mit den Bereichen Phoniatrie und Pädaudiologie sowie <link hno-klinik schwerpunkte stimme-sprache-kindliches-gehoer-schlucken bereich phonochirurgie der>Phonochirurgie. Mit dem IZSS wollen wir diese Expertise bündeln und Netzwerke weiter ausbauen.

Kooperationen
In unserem Zentrum arbeiten Fachärztinnen und Fachärzte für HNO-Heilkunde und Phoniatrie und Pädaudiologie im Team mit Logopäden und Psychologen zusammen. Wenn nötig, können wir schnell und unkompliziert eine Mitbehandlung durch andere Fächer wie zum Beispiel <link medien-kontakt glossar suchwort neurologie der das sich mit erkrankungen des nervensystems>Neurologie, Innere Medizin, Chirurgie oder Kinderheilkunde in die Wege leiten.
Im Bereich der Musiker- und Berufssprecher-Medizin arbeiten wir unter anderem mit der Hochschule für Musik zusammen.
Im Bereich der Forschung und Lehre kooperieren wir mit dem Institut für Sonderpädagogik.

Welche Erkrankungen werden behandelt?
Die Schwerpunkte unseres Zentrums sind Funktionelle und organische Stimmstörungen einschließlich Stimmlippenlähmungen und spasmodischer Dysphonie, Transgender-Stimmerhöhungen, Ersatzstimmen nach Kehlkopfentfernung, Schluckstörungen bei Kindern und Erwachsenen, Beratung von Patientinnen und Patienten mit <link medien-kontakt glossar suchwort tracheostoma luftröhrenschnitt>Tracheostoma, Speichelmanagement bei Schluckstörungen einschließlich Behandlung mit <link medien-kontakt glossar suchwort botulinumtoxin das in spritzenform für medizinische zwecke eingesetzt>Botulinumtoxin, Sänger-, Musiker- und Berufssprecher-Sprechstunde (<link medien-kontakt glossar suchwort prävention>Prävention und Behandlung)