Aktuelle Pressemitteilungen

Nach Mitarbeiteraktion: Kneipp spendet 2.900 Euro für die Palliativmedizin am UKW

Spende hilft, zusätzliche unterstützende Angebote für unsere Patientinnen und Patienten anzubieten

Spendenübergabe am UKW, von links: Gabriele Spanheimer (Kneipp), Prof. Dr. Carmen Roch (UKW), Bernd Flammersberger (Kneipp) und Beate Dimmerling (UKW). Fotonachweis: Pia Werner
Spendenübergabe am UKW, von links: Gabriele Spanheimer (Kneipp), Prof. Dr. Carmen Roch (UKW), Bernd Flammersberger (Kneipp) und Beate Dimmerling (UKW). Fotonachweis: Pia Werner

Würzburg. Das Interdisziplinäre Zentrum für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) freut sich über eine Spende der Firma Kneipp in Höhe von 2.900 Euro. Gespendet wurde die Summe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Unternehmens für Gesundheits- und Kosmetikprodukte. „Diese Spende hilft uns sehr, zusätzliche unterstützende Angebote für unsere Patientinnen und Patienten anzubieten“, freut sich Prof. Dr. Carmen Roch, Leiterin des Schwerpunktes für Palliativmedizin am UKW. Zu diesen Angeboten zählen etwa Kunst- und Musiktherapie, jahreszeitliche Dekorationen auf Station sowie kleinere kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte, die direkt in der Klinik stattfinden. 

Auf der Palliativstation werden aktuell etwa 220 Patientinnen und Patienten pro Jahr aufgenommen. In der Palliativambulanz des Zentrums werden zudem ambulante Patientinnen und Patienten beraten und behandelt, die keiner stationären Aufnahme bedürfen.

Kneipp Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben zuletzt in einer vom Betriebsrat organisierten Aktion insgesamt 5.800 Euro Spendengelder gesammelt. Mit der jährlichen Aktion werden soziale Projekte in der Region unterstützt.

Spendenübergabe am UKW, von links: Gabriele Spanheimer (Kneipp), Prof. Dr. Carmen Roch (UKW), Bernd Flammersberger (Kneipp) und Beate Dimmerling (UKW). Fotonachweis: Pia Werner
Spendenübergabe am UKW, von links: Gabriele Spanheimer (Kneipp), Prof. Dr. Carmen Roch (UKW), Bernd Flammersberger (Kneipp) und Beate Dimmerling (UKW). Fotonachweis: Pia Werner

„Der nächste Teddy, bitte!“

Die Teddyklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) öffnet vom 19. bis 21. Mai 2026. Hier können Kinder ihre kranken Kuscheltiere und Puppen untersuchen und behandeln lassen.

In der Teddyklinik am Universitätsklinikum Würzburg können Kinder ihre kranken Kuscheltiere und Puppen untersuchen und behandeln lassen. © Daniel Peter / UKW
In der Teddyklinik am Universitätsklinikum Würzburg können Kinder ihre kranken Kuscheltiere und Puppen untersuchen und behandeln lassen. © Kim Sammet / UKW

Würzburg. Fremde Menschen, unbekannte Geräte, ungewohnte Gerüche – und manchmal tut es sogar weh: Ein Arztbesuch kann für Kinder beängstigend sein. Deshalb organisieren Studierende der Humanmedizin, Zahnmedizin, Biomedizin, Pharmazie und Hebammenwissenschaft der Universität Würzburg auch in diesem Jahr die Teddyklinik am UKW. 

Das ehrenamtliche Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Christoph Härtel, dem Direktor der Kinderklinik des UKW. Es verfolgt das Ziel, Kindern auf spielerische Weise die Angst vor Arzt- und Zahnarztbesuchen, Krankenhausaufenthalten und medizinischen Untersuchungen zu nehmen.

Vom 19. bis 21. Mai sind Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren und ihre Eltern eingeladen, die Teddyklinik zu besuchen. Jeweils von 13:00 bis 16:30 Uhr können sie ihre eigenen Spielgefährten untersuchen, röntgen, abhören und wenn nötig einen Verband anlegen oder sogar operieren lassen. Im Anschluss erhalten die Teddyeltern in der angegliederten „Apotheke“ alles, was sie für die weitere Pflege zu Hause benötigen. Teddy-Reparaturen werden nicht durchgeführt.

Die Teddyklinik befindet sich im Kreuzgarten hinter der Kapelle (Josef-Schneider-Straße 2, Haus D23) gegenüber der Kinderklinik des UKW. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Realitätsnaher Aufbau der Teddyklinik

Jedes Kind ist eingeladen, sich für sein Kuscheltier im Vorfeld eine Krankheit auszudenken. Vor Ort kann es den Ablauf der Untersuchung mitverfolgen und selbst mithelfen.

Die Teddyklinik besteht aus mehreren Zelten, in denen sich verschiedene Abteilungen wie ein Wartezimmer, Untersuchungsräume, ein Operationssaal, ein Röntgen sowie ein Krankenwagen und eine Apotheke befinden.

Für den Klinikbetrieb werden Geld- und Sachspenden benötigt

Für die Durchführung der Veranstaltung sind die Studierenden auf Geld- und Sachspenden angewiesen. „Wir benötigen zum Beispiel Verbandsmaterial, Pflaster, Ausstattung für die Apotheke, Spielzeug für das Wartezimmer, Obst oder gesunde Süßigkeiten als Tapferkeits-Belohnung sowie kleine Geschenke, die wir den Kindern zum Abschied geben können“, sagt Paula Schuck, Medizinstudentin und Mitorganisatorin der diesjährigen Teddyklinik. 

Weitere Informationen zur Veranstaltung sind auf der Webseite der Teddyklinik zu finden.

 

Text: Annika Wolf / UKW

In der Teddyklinik am Universitätsklinikum Würzburg können Kinder ihre kranken Kuscheltiere und Puppen untersuchen und behandeln lassen. © Daniel Peter / UKW
In der Teddyklinik am Universitätsklinikum Würzburg können Kinder ihre kranken Kuscheltiere und Puppen untersuchen und behandeln lassen. © Kim Sammet / UKW

Kinderklinik macht unsichtbare Krankheit ME/CFS sichtbar

Die Kinderklinik des Universitätsklinikums Würzburg wird in der Nacht zum 12. Mai 2026 in Blau erstrahlen. Damit ist sie Teil der Initiative #LightUpTheNight4ME (Lass die Nacht blau leuchten für ME/CFS). In ganz Deutschland werden Gebäude in der Nacht zum internationalen ME/CFS-Tag blau beleuchtet.

Kinderklinik-Gebäude
Die Universitäts-Kinderklinik in der Josef-Schneider-Straße wird anlässlich des internationalen ME/CFS-Tags blau beleuchtet. © Robert Wenzl / UKW

Würzburg. ME/CFS ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung. Die Menschen können an Schmerzen, neurologischen Ausfällen, Kreislaufproblemen, Reizüberempfindlichkeit und vor allem an der Post-Exertionellen Malaise (PEM), einer teils tage- oder wochenlangen Zustandsverschlechterung nach geringster Belastung, leiden. Jede Überlastung oder Infektion kann ME/CFS dauerhaft verschlimmern. 

Die Krankheit entsteht meist in Folge viraler Infektionen und betrifft mehrheitlich Frauen und Jugendliche. Gerade bei jungen Menschen in der Phase der Ablösung vom Elternhaus kann die Erkrankung das Leben wesentlich und teilweise andauernd beeinträchtigen. 
„Deshalb ist es uns als Kinderklinik ein großes Anliegen, auf ME/CFS aufmerksam zu machen. Viel zu oft wird die Krankheit noch übersehen“, so Prof. Dr. Christoph Härtel, Direktor der Kinderklinik. 

Text: Pressestelle / UKW

Kinderklinik-Gebäude
Die Universitäts-Kinderklinik in der Josef-Schneider-Straße wird anlässlich des internationalen ME/CFS-Tags blau beleuchtet. © Robert Wenzl / UKW

#MEDtoo – 3 von 4 Studentinnen im Praktischen Jahr wurden sexuell belästigt

Die größte nationale Studie zum Ausmaß, den Umständen und Folgen sexueller Belästigung im Medizinstudium in Deutschland – Ein Interview mit der Autorin Dr. med. Sabine Drossard, Master of Medical Education.

Porträtbild von Sabine Drossard - sie trägt Haare zurück, dunkle Brille und weißen Kittel
Dr. Sabine Drossard, Oberärztin in der Kinderchirurgie am UKW, untersuchte gemeinsam mit den Studierenden Michelle Förstel und Maximilian Vogt von den Universitäten Heidelberg und Dresden sowie in Kooperation mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) das Ausmaß und die Formen sexueller Belästigung unter Medizinstudierenden in ganz Deutschland in einer Querschnittstudie. © Daniela Zeisel / UKW

Würzburg. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ein bekanntes Problem, das auch in der medizinischen Ausbildung vorkommt. Sabine Drossard, Oberärztin in der Kinderchirurgie am Uniklinikum Würzburg (UKW), hat gemeinsam mit den Studierenden Michelle Förstel und Maximilian Vogt von den Universitäten Heidelberg und Dresden sowie in Kooperation mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) das Ausmaß und die Formen sexueller Belästigung unter Medizinstudierenden in ganz Deutschland in einer Querschnittstudie untersucht.

An der anonymen Online-Umfrage nahmen 5.681 Studierende von 44 Medizinischen Fakultäten teil. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal BMC Medical Education publiziert und die Ergebnisse auf der Website https://medtoo.de anschaulich zusammengefasst: 49 Prozent haben sexuelle Belästigung bei anderen beobachtet. 42 Prozent gaben an, im Laufe des Studiums mindestens einmal sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Jede zweite betroffene Person erlebt Belästigung sogar mehr als dreimal im Jahr. Mit zunehmender Ausbildungsdauer zeigte sich ein deutlicher Anstieg: Während der Anteil in den frühen Studienphasen niedriger lag, gaben im Praktischen Jahr (PJ) bereits 66 Prozent der Studierenden entsprechende Erfahrungen an. Besonders betroffen waren weibliche Studierende. Drei von vier Studentinnen im PJ berichteten von sexueller Belästigung.  Das Verhalten ging unter anderem von ärztlichem Personal, Lehrenden sowie Mitstudierenden, vor allem aber von Patientinnen und Patienten aus. Die Mehrheit der Vorfälle wurde nicht gemeldet – unter anderem aus Angst vor negativen Konsequenzen, aufgrund von Abhängigkeiten von Vorgesetzten und Unsicherheit bei der Einschätzung des Erlebten. 

Frau Drossard, abgesehen davon, dass es sich bei der Querschnittstudie um den bislang größten Datensatz zu diesem Thema in Deutschland handelt, was ist das Besondere an der Studie?

Aufgrund der großen Stichprobe waren erstmals auch Subgruppenanalysen möglich, beispielsweise von Studierenden im PJ und von männlichen Studierenden, die von sexueller Belästigung betroffen waren. Letztere machten immerhin 29,3 Prozent der Studierenden im PJ aus. Bei den Frauen waren es 73,5 Prozent. Am wichtigsten ist jedoch, dass wir mit unseren Daten zeigen konnten: Sexuelle Belästigung ist kein regionales Problem. Sie betrifft alle Standorte in ganz Deutschland! Wir wollen jedoch niemanden an den Pranger stellen oder unter Generalverdacht setzen. Es ist aber wichtig, dass wir darüber sprechen und hinschauen.

Vielen Täterinnen und Tätern ist möglicherweise gar nicht bewusst, dass sie gerade jemanden sexuell belästigt haben. Was genau fällt eigentlich unter sexuelle Belästigung?

Aus strafrechtlicher Perspektive können viele Vorgänge nicht verfolgt werden. Im Arbeitskontext gilt jedoch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist am 18. August 2006 in Kraft getreten. Ziel des Gesetzes ist es, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

Jedes Verhalten, das bezweckt oder bewirkt, dass ich mich in meiner Würde herabgesetzt fühle, ist eine Grenzüberschreitung. Das gilt auch, wenn das Verhalten nicht den Zweck hatte, das Gegenüber zu belästigen. Es geht also um die Wahrnehmung der betroffenen Person. Hat das Verhalten eine Belästigung bewirkt? Wenn du das Gefühl hast, dass das nicht in Ordnung war, dann vertraue auf deine Wahrnehmung. Selbst wenn das Gegenüber sagt, dass es nicht so gemeint war, kann es sich für dich falsch anfühlen. 

Welche typischen Beispiele gibt es denn für Verhalten, „das nicht so gemeint war“? 

Ein klassisches Beispiel sind Komplimente. Sie sind vielleicht sogar nett und freundlich gemeint. Im professionellen Kontext sind sie jedoch nicht angebracht. Wenn beispielsweise jemand sagt: „Oh, heute habe ich hier aber zwei besonders hübsche Studentinnen, die mir im OP zur Seite stehen“, dann ist das nicht angemessen. Dann werden die Studentinnen nicht in ihrer professionellen Rolle als angehende Ärztinnen wahrgenommen, sondern auf ihr Aussehen reduziert und damit zu Objekten gemacht.

Welche Komplimente sind im beruflichen Kontext denn angebracht? 

Aussagen zu fachlichen Aspekten. Ein Beispiel wäre: „Ich freue mich, zwei so kompetente Studentinnen im OP zu haben.“

Viele fragen sich jetzt wahrscheinlich, ob sie überhaupt noch etwas zu Studierenden sagen dürfen, ohne sofort zur Täterin oder zum Täter zu werden.

Wichtig ist hier vor allem die Bereitschaft zur Reflexion. Es geht nicht darum, pauschal zu sagen: „Ich bin nicht so“, sondern sich ehrlich zu fragen: „Wie wirken meine Aussagen oder mein Verhalten auf andere? Könnten sie vielleicht anders verstanden werden, als ich sie meine?“ Hilfreich ist dabei, sich bewusst in die Perspektive des Gegenübers hineinzuversetzen.

Welche Empfehlungen geben Sie Studierenden bei Grenzüberschreitungen? Reicht bereits eine Äußerung zum Aussehen aus, um sich an das Beschwerdemanagement oder die Beratungsstelle zu wenden?

Wenn eine Äußerung dazu führt, dass ich mich unwohl fühle, darf ich mich in jedem Fall beraten lassen. Oft hilft aber auch schon, ungewolltes Verhalten anzusprechen und Grenzen zu setzen. In meinen Workshops mit Studierenden üben wir unter anderem den Umgang mit solchen Situationen. Vielleicht schafft die betroffene Person es in diesem Moment, den Mut aufzubringen und zu sagen: „Ja, und kompetent bin ich auch.“ Oder: „Ich finde es nicht gut, dass Sie mein Aussehen kommentieren, denn ich bin hier in einer professionellen Rolle.“ Wer das in der Situation nicht spontan schafft, kann auch später einen Termin ausmachen und das Thema freundlich und professionell ansprechen, zum Beispiel so: „Sie haben gestern dies und jenes gesagt. Wahrscheinlich haben Sie das nett gemeint. Dennoch hat es dazu geführt, dass ich mich nicht ernst genommen gefühlt habe. Ich möchte bitte keine Kommentare über mein Aussehen hören.“ Um sich die passenden Worte zurechtzulegen, kann auch ein Gespräch mit einer dritten Person oder der Beratungsstelle helfen.

Welche Belästigungen sind definitiv ein Fall für die Beratungs- bzw. Beschwerdestelle? 

Wenn man sich von einer Situation beeinträchtigt fühlt, sie einen traurig oder wütend macht und man nicht aufhören kann, darüber nachzudenken, sollte man das nicht mit sich alleine ausmachen. Manchmal hilft es, sich mit einer Kollegin oder einem Kollegen auszutauschen und zu erfahren, wie sie oder er die Situation wahrgenommen hat. Viele suchen das Gespräch mit einer Freundin oder einem Freund. Die Beratungsstelle ist in jedem Fall auch eine kompetente Anlaufstelle. 

Frühere Studien zeigen, dass sexuelle Belästigungen erhebliche Auswirkungen auf die Betroffenen haben können. Sie gehen mit einer erhöhten psychischen Belastung einher, verstärken Stress und Angst und können das Lernen sowie die berufliche Entwicklung beeinträchtigen. Zudem können sie Burnout begünstigen. 

Ja, unsere Erhebung bestätigt internationale Studien. Unsere Auswertung ergab, dass jede zweite betroffene Person psychisch belastet ist. 68 Prozent gaben an, Personen oder Situationen aufgrund ihrer Erfahrungen zu meiden. 46 Prozent berichteten, dass die Erfahrungen ihre Wahl der Facharztrichtung beeinflusst hätten. 

In der Befragung weisen chirurgische Fächer mit 1.300 Nennungen die höchste Belastungsrate auf, gefolgt von der Inneren Medizin mit 946 und der Allgemeinmedizin mit 507 Nennungen. Was sagen Sie als Kinderchirurgin dazu? 

Diese Zahlen müssen mit etwas Vorsicht interpretiert werden: Chirurgie und Innere Medizin sind große Fächer mit einem hohen Anteil an der klinischen Ausbildung. Allein durch die Pflichttertiale im Praktischen Jahr, die Blockpraktika und die Einsätze im klinischen Alltag besteht hier eine deutlich höhere Exposition, sodass auch mehr Studierende potenziell belastende Erfahrungen machen können. Dennoch fällt auf, dass chirurgische Fächer im Vergleich zur Inneren Medizin nochmals deutlich häufiger genannt wurden.

Wie sind Sie zur Chirurgie gekommen? 

Ich wollte zu Beginn meines Studiums eigentlich unbedingt Chirurgin werden, obwohl dieser Beruf sehr stark mit Gender-Stereotypen konnotiert ist und als Männerdomäne galt. Zwischenzeitlich haben mich die Kultur und die teilweise sehr hierarchischen Strukturen dann aber abgeschreckt. Mir wurde auch mehrfach davon abgeraten, als Frau eine chirurgische Karriere einzuschlagen.

Im Praktischen Jahr hatte ich dann aber das Glück, auf einer sehr guten Station zu arbeiten. Auch durch einen Mentor, der mich ermutigt und gefördert hat, habe ich die Chirurgie wieder für mich entdeckt. Die zweite Hälfte meines chirurgischen Tertials habe ich schließlich in der Kinderchirurgie verbracht – und dort habe ich mich sofort wohlgefühlt. Die Kultur erlebe ich in der Kinderchirurgie insgesamt als etwas weniger hierarchisch.

Apropos Hierarchie: In der Medizin sind starke hierarchische Strukturen weit verbreitet. Diese erhöhen das Risiko sexueller Belästigungen, erschweren aber auch den Umgang mit Grenzüberschreitungen. Nur 12,7 Prozent der Betroffenen meldeten einen entsprechenden Vorfall.

Sexuelle Belästigung im Medizinstudium ist definitiv mehr als eine individuelle Erfahrung: Sie ist Ausdruck institutionalisierter Machtdynamiken. Aufgrund bestehender Abhängigkeitsverhältnisse und möglicher negativer Konsequenzen adressieren oder melden viele Betroffene den Vorfall jedoch nicht. In unserer Befragung hatten 38 Prozent der Betroffenen Angst vor negativen persönlichen Folgen. Fast jede zweite betroffene Person kannte die Meldewege zudem nicht oder fand sie unklar. Auch gab jede zweite betroffene Person an, kein konsequentes Handeln bei sexueller Belästigung wahrgenommen zu haben.

Als Gründe gegen eine Meldung wurden Scham- und Schuldgefühle (32,1 %) sowie Unsicherheit bei der Einordnung des Vorfalls (71,7 %) angegeben.

Die Unsicherheit bei der Einordnung ist ein sehr wichtiger Punkt – generell, was das Thema sexuelle Belästigung angeht, aber besonders in der Medizin, wo Körperlichkeit eine größere Rolle spielt und die Gesprächskultur möglicherweise anders ist. Bei der ersten Frage sollten die Studierenden beispielsweise ankreuzen, ob sie selbst betroffen sind. Es gab die Antwortmöglichkeiten „Ja”, „Nein”, „Ich bin mir nicht sicher” und „Keine Angabe”. 15 Prozent gaben an, sich nicht sicher zu sein. Das fand ich interessant, denn das bedeutet wahrscheinlich „Ja”.

Sie sprechen aus Erfahrung. Im Rahmen einer qualitativen Vorarbeit haben Sie in Augsburg Interviews mit Studierenden im PJ geführt. Dabei haben Sie differenzierte Einblicke in deren Erleben und die Schwierigkeiten bei der Einordnung von Belästigung erhalten. Die Studie ist ebenfalls im „BMC Medical Education” erschienen.

Tatsächlich wurde von vielen Studierenden berichtet: „Naja, mich betrifft es ja eigentlich nicht. Ich wurde schließlich nie angefasst.“ Oftmals werden nur körperliche Übergriffe als Belästigung gewertet. Im Laufe des Interviews stellte sich jedoch heraus, dass vieles verdrängt wurde. Die Betroffenen haben vielleicht ein ungutes Gefühl wahrgenommen, das dann im Klinikalltag unterging. Deshalb beschäftige ich mich in meinen Seminaren zunächst einmal mit der Definition. Was ist eine Grenzüberschreitung überhaupt? Wie erkenne ich sie?

Haben Sie selbst im Medizinstudium sexuelle Belästigung erfahren? 

Durchaus. Das reichte von Kommentaren über das Aussehen bis hin zu scheinbar zufälligen Berührungen im OP. Es gab zahlreiche Situationen, die ich damals noch nicht richtig einordnen konnte. Heute weiß ich, dass sie nicht in Ordnung waren und Grenzen überschritten wurden. Auch diskriminierende Aussagen oder das Gefühl, als Frau nicht selbstverständlich dazuzugehören, haben dabei eine Rolle gespielt.

Basierend auf den Ergebnissen haben Sie in Würzburg ein Lehrprojekt entwickelt, das gezielt auf die Bedürfnisse der Studierenden zugeschnitten ist und Medizinstudierende im Umgang mit Grenzüberschreitungen im Klinikalltag stärken soll. Das Projekt wurde im Sommersemester 2025 erstmals am UKW durchgeführt und ist nun als Wahlangebot verstetigt. Sollte das nicht zum Pflichtfach für alle Studierenden werden?

Eigentlich müsste das sogar schon viel früher gelehrt werden – nämlich in der Schule. Es geht dabei nicht nur um Belästigung, sondern auch um rassistische und stereotype Kommentare übereinander und voneinander. Man kann nicht früh genug ein Gespür dafür entwickeln, wie man respektvoll miteinander umgeht. Am Ende geht es für mich immer um Respekt. Respekt vor anderen Personen, aber auch Respekt vor mir selbst.

Kommen wir zu den Täterinnen und Tätern. Im universitären Betrieb wurden Mitstudierende mit 70 Prozent am häufigsten von den Betroffenen genannt, gefolgt von Professorinnen und Professoren mit 54 Prozent. In der Klinik bilden die Patientinnen und Patienten mit 94 Prozent die mit Abstand größte Gruppe, gefolgt vom ärztlichen Personal. Welche Risikobereiche gibt es in der Klinik? 

Zu den Risikobereichen zählen neben praktischem Unterricht mit Patientinnen und Patienten das Pflegepraktikum, Famulaturen, das PJ sowie Einsätze im OP. 

Welche Art von Belästigung geht von Patientinnen und Patienten aus?

Patientinnen und Patienten äußern sich häufig zum Aussehen. Darüber hinaus erleben Studierende und Ärztinnen oft geschlechtsbasierte Zuschreibungen oder Diskriminierung. Das bedeutet, dass sie in ihrer professionellen Rolle nicht immer selbstverständlich ernst genommen werden. Dahinter stehen häufig tief verwurzelte gesellschaftliche Rollenbilder. Auch wenn solche Aussagen im Einzelfall vielleicht nicht bewusst verletzend gemeint sind, beschäftigen sie die Betroffenen oft sehr.

Es kommt beispielsweise immer noch vor, dass ich gefragt werde, ob denn heute noch ein Arzt kommt. Wenn Sie weibliche Kolleginnen in der Medizin fragen, werden viele ähnliche Erfahrungen schildern. Frauen werden leider häufig unterschwellig als weniger kompetent wahrgenommen. Gleichzeitig betrifft das Thema auch jüngere Männer – auch sie werden oft zunächst als weniger erfahren oder weniger kompetent eingeschätzt als ältere Kolleginnen und Kollegen.

Auch wenn Stereotype in der Gesellschaft keine Form von Belästigung oder vorsätzlicher Diskriminierung darstellen, sind sie dennoch ein Wahrnehmungsproblem und scheinbar ein hartnäckiges. Wie ließe es sich aufweichen?

Frauen müssen sichtbarer werden. Neben der Repräsentation von weiblichen Rollen und Vorbildern – zum Beispiel in den Medien – sollten wir auch die Sprache verändern. Gendersensible Sprache ist keine Luxusoption, sondern wichtig. Das fängt im Klinikalltag an. Ein Patient im Krankenzimmer klingelt, die Pflegekraft kommt herein und sagt: „Der Arzt kommt gleich.“ Tritt kurze Zeit später eine Ärztin ein, fällt es dem Patienten schwerer, sie als Ärztin einzuordnen. Es ist banal, aber unser Gehirn hat Schwierigkeiten, sich etwas vorzustellen, das nicht benannt wird. 

Den Eltern meiner kleinen Patientinnen und Patienten sage ich deshalb immer, dass sie die Fäden gern bei der Kinderärztin ziehen lassen können. Immerhin sind 70 Prozent der Kinderärzt*innen weiblich. Manche sind dann irritiert und sagen: „Wir haben doch einen Kinderarzt.“ Umgekehrt hört man selten, dass sie eine Kinderärztin haben, wenn man vom Kinderarzt spricht.

Nehmen ihre männlichen Kollegen die Diskriminierung wahr? 

Scheinbar nicht. Als ich vor einigen Jahren einem männlichen Kollegen davon berichtete, fiel er aus allen Wolken. Ich habe ihn gefragt, wie oft ihm auf dem Stationsflur ein Urinbecher in die Hand gedrückt wird. Noch nie. Mir und meinen weiblichen Kollegen passiert das hingegen jeden zweiten Tag – nach dem Motto: „Hier, können Sie das mal mitnehmen.“

Wie reagieren Sie, wenn jemand Ihre Kompetenz herabsetzt?

Früher habe ich mich darüber sehr geärgert. Je höher ich in der Position komme, desto leichter fällt es mir, lässig darüber zu stehen. Inzwischen stelle ich mich auch immer mit meiner Position vor, damit die Patientinnen und Patienten wissen, mit wem sie es zu tun haben und an wen sie sich mit ihren Fragen wenden können. Wichtig ist auch, explizit zu sagen, wenn Studierende Teil des Behandlungsteams sind. Ich stelle alle Studierenden, die mit den Patientinnen und Patienten in Kontakt stehen, zum Beispiel als meine jungen Kolleginnen und Kollegen vor. Sie sind kein Bonus, optional, Luxus oder Beiwerk. Für die Studierenden ist es sehr wichtig, dass sie in dieser Rolle wahrgenommen werden und sich auch gesehen und wichtig genommen fühlen.

Den Lehrenden kommt also ebenfalls eine besondere Verantwortung zu.

Sie sollten für die spezifischen Risiken, denen Studierende ausgesetzt sind, sensibilisiert sein. Sie sollten proaktiv über mögliche Grenzüberschreitungen aufklären und ihre Position nutzen, um ein konsequentes Vorgehen gegenüber entsprechendem Verhalten zu etablieren. 

Man darf und sollte auch Patientinnen und Patienten in die Schranken weisen, wenn sie Grenzen überschreiten. Das signalisiert den Studierenden, dass der Vorfall wahrgenommen wurde und missbilligt wird. Zudem sollten wir Studierende in solchen Situationen aktiv unterstützen, ihre Handlungssicherheit stärken und sie bei Bedarf an geeignete Stellen und Angebote verweisen.

Aus ihren Studien haben sie Handlungsempfehlungen für medizinische Fakultäten und Kliniken abgeleitet.

Es besteht dringender Handlungsbedarf, was strukturelle Reformen betrifft. Insbesondere sind wirksame Präventionsprogramme, klar definierte und niedrigschwellige Meldewege sowie verlässliche Schutzstrukturen für Studierende erforderlich. Am UKW bestehen hierfür bereits etablierte Angebote, etwa durch eine Beratungsstelle für Beschäftigte mit der Möglichkeit zur anonymen Meldung. Im deutschlandweiten Vergleich ist das UKW damit strukturell gut aufgestellt.

Letztlich bedarf es jedoch eines nachhaltigen kulturellen Wandels im medizinischen System, um Grenzüberschreitungen konsequent entgegenzuwirken.

Über Dr. med. Sabine Drossard, MME

Sabine Drossard wurde 1986 in Regensburg geboren und wuchs im Rheinland auf. Sie studierte an der TU München Humanmedizin und absolvierte in Augsburg und München ihre Weiterbildung in der Kinderchirurgie, mit Rotation in der Pädiatrie und pädiatrischer Intensivmedizin. Ihre Promotion schloss sie am Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin der LMU München ab. Neben der Weiterbildung machte die Kinderchirurgin einen berufsbegleitenden Master of Medical Education (MME). Seit November 2023 ist Sabine Drossard Oberärztin in der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie am UKW.

Publikationen:

Michelle Förstel, Maximilian Vogt und Sabine Drossard. Sexual harassment at German medical schools – a national cross-sectional study. BMC Med Educ 26, 558 (2026). https://doi.org/10.1186/s12909-026-08890-9

Sabine Drossard, Iris Warnken, Marco Kuchenbaur, Anja Härtl & Inga Hege. #MEDToo – sexual harassment in medical education: perceptions and coping strategies of medical students in Germany, a qualitative study. BMC Med Educ 26, 584 (2026). https://doi.org/10.1186/s12909-026-09090-1

Links:

Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Webseite www.medtoo.de übersichtlich und laienverständlich aufbereitet. 

Sabine Drossard in der UKW-Serie „WomenInScience“ zu ihrer Forschung: Universitätsklinikum Würzburg: WomenInScience: Sabine Drossard

Sabine Drossard im Podcast der Apotheken Umschau “Frau Doktor, übernehmen Sie!” - Folge 88 - Sexuelle Belästigung im Medizinstudium. https://www.apotheken-umschau.de/podcast/episode/frau-doktor-uebernehmen-sie-ueber-frauenkarrieren-in-der-medizin/sexuelle-belaestigung-im-medizinstudium-drei-von-vier-frauen-im-pj-betroffen-1513585.html

Anonyme Meldestelle der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd): https://www.bvmd.de/gleichstellung/

Beratungsstelle für Beschäftigte des UKW: https://www.ukw.de/zentrale-einrichtungen-und-service-einrichtungen/beratungsstelle-fuer-beschaeftigte-des-ukw/schaedigendes-verhalten/

Webseite der Universität Würzburg um Sexismus in der Medizinischen Lehre: https://www.med.uni-wuerzburg.de/fachschaft/infos-und-angebote/sexismus-in-der-medizinischen-lehre/
 

Das Interview führte Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation am UKW 

Porträtbild von Sabine Drossard - sie trägt Haare zurück, dunkle Brille und weißen Kittel
Dr. Sabine Drossard, Oberärztin in der Kinderchirurgie am UKW, untersuchte gemeinsam mit den Studierenden Michelle Förstel und Maximilian Vogt von den Universitäten Heidelberg und Dresden sowie in Kooperation mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) das Ausmaß und die Formen sexueller Belästigung unter Medizinstudierenden in ganz Deutschland in einer Querschnittstudie. © Daniela Zeisel / UKW

Medizinische Angaben gegenüber KI oft lückenhaft

Eine neue Studie zeigt: Schildern Menschen ihre Krankheitssymptome einer KI statt ärztlichem Fachpersonal, sinkt die Qualität ihrer Angaben. Dies gefährdet die Genauigkeit digitaler Diagnosen und die Patientensicherheit.

 

Symbolbild zur künstlichen Intelligenz: Arzt am Bildschirm
Auch in der Medizin spielt Künstliche Intelligenz eine immer stärkere Rolle. Patientinnen und Patienten stellt dies vor besondere Herausforderungen. (Bild: elenabsl / Adobe Stock)

Gut möglich, dass in naher Zukunft Menschen einer KI ihre Symptome schildern müssen, bevor sie einen Arzttermin erhalten. Die KI entscheidet dann, ob es sich um einen Notfall handelt oder ob die Behandlung noch warten kann, und vergibt dementsprechend Termine.

So weit ist es glücklicherweise noch nicht, doch auch im Gesundheitswesen schreitet die Digitalisierung rasant voran. KI-Chatbots und digitale Symptom-Checker übernehmen eine immer wichtigere Rolle und dienen zunehmend als erste Anlaufstelle für die sogenannte „Self-Triage“ – also die erste Einschätzung der Dringlichkeit einer Behandlung durch die Betroffenen selbst.

Doch während die technische Leistungsfähigkeit dieser Systeme stetig wächst, rückt ein anderer Faktor in den Fokus der Forschung: das menschliche Kommunikationsverhalten im Dialog mit der Maschine. Denn selbst die beste Technik, insbesondere in der medizinischen Diagnostik, ist auf präzise Informationen angewiesen, die Nutzende jedoch nicht immer im vollen Umfang bereitstellen.

Menschliche Zurückhaltung bremst das Potenzial der KI aus

Das ist das zentrale Ergebnis einer jetzt in der Fachzeitschrift Nature Health veröffentlichten Studie. Verantwortlich dafür sind Professor Wilfried Kunde, Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie III der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), und Moritz Reis, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an diesem Lehrstuhl. Daran beteiligt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der University of Cambridge sowie des Helios Klinikums Emil von Behring und vom Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin.

„Die 500 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer hatten die Aufgabe, simulierte Symptomberichte für zwei weit verbreitete Krankheitsbilder – ungewöhnliche Kopfschmerzen und Grippe – zu verfassen“, beschreibt Erstautor Moritz Reis das Studien-Design. Dabei wurden sie in dem Glauben gelassen, dass ihre Berichte entweder von einem KI-Chatbot oder einem menschlichen Arzt gelesen würden. Ziel war es, die Qualität dieser Berichte im Hinblick auf ihre Eignung für eine medizinische Dringlichkeitseinschätzung zu untersuchen.

Qualitätsverlust zeigt sich in geringerer Detailtiefe

Die zentrale Erkenntnis: Glaubten die Teilnehmenden, mit einer Künstlichen Intelligenz zu kommunizieren, verschlechterte sich die Eignung ihrer Schilderungen für eine medizinische Ersteinschätzung messbar im Vergleich zur Interaktion mit vermeintlichem ärztlichem Fachpersonal. Dieser Effekt war sogar bei jenen Teilnehmenden zu sehen, die zum Zeitpunkt der Befragung tatsächlich unter den entsprechenden Symptomen litten.

Dieser Qualitätsverlust zeigt sich direkt in der Detailtiefe der Berichte. Während die Beschreibungen gegenüber Fachkräften im Durchschnitt 255,6 Zeichen umfassten, waren es bei Chatbots lediglich 228,7 Zeichen.

Auch wenn ein Unterschied von 28 Zeichen nach wenig klingt, ist er nach Aussagen des Forschungsteams von Bedeutung und kann zur Folge haben, dass selbst hochleistungsfähige KI-Modelle am Ende falsche medizinische Ratschläge geben. Schließlich scheitern auch diese an der medizinischen Einordnung, wenn Patientinnen und Patienten nicht alle wesentlichen Informationen mitteilen. Der Erfolg digitaler Erstberatung hängt nämlich weniger von der Rechenleistung ab als von der menschlichen Bereitschaft zur detaillierten Schilderung.

Psychologische Barrieren: Die Sorge vor der „Einheitsdiagnose“

Doch warum verhalten sich Menschen gegenüber Maschinen so zurückhaltend? Ein wesentlicher Grund ist vermutlich die sogenannte „Vernachlässigung der Einzigartigkeit“ (Uniqueness Neglect). „Viele Menschen nehmen an, dass eine KI die individuellen Besonderheiten ihrer persönlichen Situation nicht erfassen kann und stattdessen lediglich standardisierte Muster abgleicht“, erklärt Wilfried Kunde.

Zusätzlich führen Skepsis gegenüber der Diagnosefähigkeit von Algorithmen sowie Datenschutzbedenken dazu, dass Angaben oft abgekürzt oder vage gehalten werden. Moritz Reis bringt die menschliche Komponente so auf den Punkt: „Wenn wir einer Maschine nicht zutrauen, unsere Einzigartigkeit zu verstehen, enthalten wir ihr unbewusst die Informationen vor, die sie für eine präzise Hilfe bräuchte.“ Dieser psychologische Filter sorge dafür, dass medizinisch relevante Details gar nicht erst im System ankommen und die Diagnosequalität sinkt.

Den Dialog mit der Maschine verbessern

Die Forschungsergebnisse zeigen nach Ansicht des Forschungsteams deutlich, dass die technische Weiterentwicklung der KI allein nicht ausreicht. Eine mögliche Lösung sehen sie deshalb in einer klugen Gestaltung der Benutzeroberflächen.

Um die Qualität der Symptomberichte zu steigern, sollten Entwicklerinnen und Entwickler konkrete Beispiele für hochwertige Beschreibungen bereitstellen und die KI so programmieren, dass sie fehlende Details aktiv und gezielt nachfragt. Nur wenn Nutzende dazu ermutigt werden, reichhaltige Informationen zu liefern, können Fehlbehandlungen vermieden und das Gesundheitssystem effektiv entlastet werden.

Originalpublikation

Reduced Symptom Reporting Quality During Human-Chatbot Versus Human-Physician Interactions, Moritz Reis, Florian Reis, Yeun Joon Kim, Aylin Demir, Jess Lim, Matthias I. Gröschel, Sebastian D. Boie, Wilfried Kunde. Nature Health, DOI: 10.1038/s44360-026-00116-y 

Kontakt

Moritz Reis, Lehrstuhl für Psychologie III, T: +49 931 31-81904,  moritz.reis@ uni-wuerzburg.de 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 05.05.2026

Symbolbild zur künstlichen Intelligenz: Arzt am Bildschirm
Auch in der Medizin spielt Künstliche Intelligenz eine immer stärkere Rolle. Patientinnen und Patienten stellt dies vor besondere Herausforderungen. (Bild: elenabsl / Adobe Stock)

Die Myelom-Weltelite traf sich in Würzburg

Beim „7th Würzburg Myeloma Workshop“ des Uniklinikums Würzburg tauschten sich international führende Forscherinnen und Forscher über aktuelle Erkenntnisse zum Multiplen Myelom aus.

 

Gruppenfoto von Referentinnen und Referenten sowie Sitzungsleiterinnen und -leiter des 7. Würzburger Myelom-Workshops vor einem Gebäude..
Die Referentinnen und Referenten sowie Sitzungsleiterinnen und -leiter des 7. Würzburger Myelom-Workshops. © Benedikt Knüttel / UKW

Würzburg. Vom 23. bis 25. April dieses Jahres veranstaltete die Medizinische Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) den 7. Würzburger Myelom-Workshop. Rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt nutzten die renommierte Fachkonferenz, um sich über neue wissenschaftliche und therapeutische Erkenntnisse zum Multiplen Myelom zu informieren.

Myelom-Zellen manipulieren ihre Mikroumgebung

Dabei lieferten die Referierenden unter anderem Neuigkeiten zur Tumorbiologie der bösartigen Erkrankung des Knochenmarks und verdeutlichten die Interaktion der Myelom-Zellen mit ihrer Mikroumgebung. „Wichtig ist hier vor allem die Entdeckung, dass die Tumorzellen mit dem Knochenmark, in dem sie sich ansiedeln, intensive Austauschprozesse pflegen. Diese verändern das lokale Mikromilieu so, dass das Knochenmark das Tumorwachstum unterstützt“, schildert Prof. Dr. Hermann Einsele. Als Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW und international anerkannter Myelom-Experte fungierte er erneut als Hauptorganisator und zentraler Motor des Workshops. Als Co-Organisatoren unterstützten ihn dabei die Oberärzte Prof. Dr. Martin Kortüm und Prof. Dr. Leo Rasche.

Multiples Myelom ist nicht mehr als „unheilbar“ einzustufen

Nach Einseles Worten gab es auch zu den Behandlungsmöglichkeiten spannende Nachrichten. So ermöglicht die Quadrupeltherapie, die jetzt zusammen mit der Transplantation den neuen Therapiestandard darstellt, ein krankheitsfreies Überleben von durchschnittlich etwa 17 Jahren. Ferner können neue Therapien – wie bispezifische Antikörper und CAR-T-Zellen – selbst in der Rückfallsituation noch einmal langfristige Remissionen erreichen. „Aus unserem Workshop lässt sich meiner Meinung nach die Botschaft ableiten, dass das Myelom nicht mehr als unheilbare Erkrankung anzusehen ist, sondern dass wir mit den modernen Therapien eine lange Remissionsdauer, ja Heilung erreichen können“, unterstreicht der Klinikdirektor. 

In diesem Zusammenhang wurden bei der zweitägigen Veranstaltung im Rudolf-Virchow-Zentrum auf dem UKW-Campus auch Fragen diskutiert, wie: Wie lässt sich Heilung definieren? Mit welchen Biomarkern kann eine Heilung vorhergesagt werden? Und wie lassen sich die Nebenwirkungen der aktuell eingesetzten Therapien beherrschen und vermindern?

Zum Abschluss richteten vor allem Würzburger Fachleute in ihren Beiträgen den Blick auf die Immuntherapie der Zukunft, die verspricht, noch wirksamer und nachhaltiger zu sein.

„Es freut uns sehr, dass wir am Ende von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein durchgehend positives Feedback erhalten haben – zu den ausgewählten Themen, zu den Sprecherinnen und Sprechern, zu den Diskussionen sowie zum Rahmenprogramm“, zeigt sich Einsele rundum zufrieden. In diesem Zusammenhang lobte der Professor auch die perfekte Veranstaltungsorganisation und die hochengagierte Betreuung der internationalen Gäste durch Gabriele Nelkenstock und ihr Team von G&N Eventmanagement.

Text: Pressestelle / UKW

Impressionen vom 7th Würzburg Myeloma Workshop: Zur Bildergalerie

Gruppenfoto von Referentinnen und Referenten sowie Sitzungsleiterinnen und -leiter des 7. Würzburger Myelom-Workshops vor einem Gebäude..
Die Referentinnen und Referenten sowie Sitzungsleiterinnen und -leiter des 7. Würzburger Myelom-Workshops. © Benedikt Knüttel / UKW

Welche Hygienemaßnahmen schützen am besten vor Krankenhauskeimen?

NUM-Projekt PREVENT untersucht wie sich Blutstrominfektionen verursacht durch Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) verhindern lassen

Porträt von Stefanie Kampmeier, die Professorin trägt die dunklen Haare im Pferdeschwanz, einen blauen Blazer und weißes T-Shirt
Prof. Dr. Stefanie Kampmeier, Leiterin der zentralen Einrichtung Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship am Uniklinikum Würzburg (UKW), initiierte im NUM-Fachnetzwerk Infektionen (SNID), dessen Co-Sprecherin sie ist, die Studie PREVENT (Prevention of bloodstream infections with vancomycin resistant enterococci). © Franziska Kammer / UKW
Links eine Frau in gelbem Schutzkittel mit Maske, Haube und Handschuhen, rechtes ein Spender mit Händedesinfektionsmittel und Arme, die das Gerät bedienen.
In der Beobachtungsstudie PREVENT wird der Einfluss der verschiedenen Hygienemaßnahmen auf VRE-Blutstrominfektionen geprüft. Dabei wendet jede der 22 teilnehmenden Universitätskliniken konsequent die Maßnahme an, die bei ihr derzeit Standard ist. Einige Kliniken setzen die sogenannte Handschuh-Kittel-Pflege um, andere isolieren die Patienten konsequent auf allen Stationen und wieder andere nur in Hochrisikobereichen. Einige Kliniken setzen keine dieser Maßnahmen um, achten lediglich auf eine gründliche Händedesinfektion. © Collage Salih Usta / UKW / Canva

Obwohl Enterokokken natürliche Darmbewohner sind, gelten Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) als typische multiresistente Krankenhauskeime. Sie treten vor allem in Kliniken und Pflegeeinrichtungen auf, wo sie durch Faktoren wie immungeschwächte Patientinnen und Patienten, den häufigen Einsatz von Antibiotika und invasive Eingriffe begünstigt werden. Die neue Studie PREVENT im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) untersucht, wie häufig Blutstrominfektionen durch VRE auftreten und welche Faktoren – etwa der Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten, die Behandlung oder die eingesetzten Hygienemaßnahmen im Krankenhaus – dabei eine Rolle spielen. Ziel ist es, herauszufinden, welche Maßnahmen wirklich wirksam sind, um Infektionen besser zu verhindern. Initiiert wurde die Studie, an der 22 Universitätskliniken teilnehmen, von Prof. Dr. Stefanie Kampmeier, Leiterin der Zentralen Einrichtung für Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship am Uniklinikum Würzburg (UKW).

Würzburg. Enterokokken gehören zur natürlichen Darmflora und sind für die meisten Menschen harmlos. Problematisch können die widerstandsfähigen Bakterien jedoch werden, wenn sie in das Blut, die Harnwege oder Wunden gelangen und dort Infektionen verursachen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn körpereigenen Abwehrkräfte geschwächt sind. Verkompliziert wird die Situation, wenn Enterokokken gegen Antibiotika resistent sind, beispielsweise gegen Vancomycin. Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) bergen eine große Gefahr in Krankenhäusern. Denn hier treffen viele Risikofaktoren zusammen: immunsupprimierende Therapien, häufige Antibiotikagaben, die Resistenzen fördern, sowie medizinische Eingriffe, die zusätzliche Eintrittspforten für die Erreger schaffen. Gelangen VRE in den Blutkreislauf, können sie eine Blutstrominfektion auslösen, die zu einer Sepsis führen kann. Dabei handelt es sich um eine überbordende Entzündungsreaktion, die im schlimmsten Fall zu einem Multiorganversagen führt. 

Studie PREVENT wird im Rahmen des NUM-Fachnetzwerks Infektionen (SNID) gefördert

Das A und O ist also die Verhinderung dieser lebensgefährlichen VRE-Blutstrominfektionen. „PREVENT - Prevention of bloodstream infections with vancomycin resistant enterococci“ - heißt daher auch das neue Projekt im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM). Initiiert wurde die multizentrische Studie von Prof. Dr. Stefanie Kampmeier, Leiterin der zentralen Einrichtung Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship am Uniklinikum Würzburg (UKW). Die Professorin für Krankenhaushygiene ist Fachärztin sowohl für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie als auch für Hygiene und Umweltmedizin. Vor kurzem wurde sie zur Sektionssprecherin des Bayerischen Surveillancezentrums (BaySurv) gewählt, das sich im Rahmen des Bayerischen Zentrums für präventive Infektionsmedizin (BZI) mit der kontinuierlichen Überwachung relevanter Erreger unter Einsatz moderner molekularer und datenbasierter Methoden befasst. Last but not least ist Stefanie Kampmeier Co-Sprecherin des NUM-Fachnetzwerkes Infektionen (SNID - Specialty Network Infectious Diseases).

„Wer bedankt sich schon dafür, dass er sich im Krankenhaus nicht mit einem multiresistenten Erreger angesteckt hat?“

Dass ihr PREVENT-Projekt nun zu den sechs Studien gehört, die im SNID vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert werden, freut Stefanie Kampmeier ganz besonders. Dies ist ein großer Erfolg. Hygiene führe oft ein Schattendasein, da sie von vielen als selbstverständlich hingenommen wird. „Wer bedankt sich schon dafür, dass er sich im Krankenhaus nicht mit einem multiresistenten Erreger angesteckt hat?“, fragt Stefanie Kampmeier. Dabei ist es eben nicht selbstverständlich. Zudem sind viele Faktoren zur Ursache, Entstehung, Verbreitung und Vermeidung noch nicht geklärt.

Mehr Evidenz für die Ausarbeitung nationaler Handlungsempfehlungen zum hygienischen Umgang mit VRE

Die Projektleiterin zählt die Ziele von PREVENT auf: „Zunächst schauen wir uns an, wie häufig Patientinnen und Patienten in deutschen Universitätskliniken Blutstrominfektionen durch VRE bekommen. Anschließend untersuchen wir, welche Faktoren – von den Patientinnen und Patienten über die Erregerstämme bis hin zur Krankenhausorganisation – das Risiko beeinflussen. Hierbei interessiert uns insbesondere, welchen Einfluss Hygienemaßnahmen und der kontrollierte Einsatz von Antibiotika auf eine VRE-Blutstrominfektion haben. Außerdem analysieren wir, welche prognostischen Faktoren den Krankheitsverlauf bei den Betroffenen bestimmen.“

Am Ende erhofft sich das Studienteam mehr Evidenz für die Ausarbeitung nationaler Handlungsempfehlungen zum hygienischen Umgang mit VRE in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen. 

Unterschiedliche Hygienemaßnahmen, Auffassungen und Umsetzungen 

Die Handlungsempfehlungen des Robert Koch-Instituts, die von der Kommission für Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen sowie in Einrichtungen und Unternehmen der Pflege und Eingliederungshilfe (KRINKO) herausgegeben werden sind Kampmeier zufolge im Augenblick noch sehr generisch formuliert. Entsprechend unterschiedlich werden die Hygienemaßnahmen in Kliniken und Krankenhäusern sowie auf den einzelnen Stationen umgesetzt.

„Wenn wir von Hygiene sprechen, dann meinen wir damit eher Bündelmaßnahmen zur Infektionsprävention“, sagt Stefanie Kampmeier. Dazu gehört zum Beispiel die Isolierung von Patientinnen und Patienten bei einem Nachweis von multi-resistenten oder hoch-infektiösen Krankheitserregern. Hinzu kommen Flächendesinfektionsmaßnahmen, die Einbindung von Patientinnen und Patienten, beispielsweise in die Händedesinfektion, sowie das Tragen von Schutzkleidung wie Kittel und Handschuhe. Jeder handele anders. Und selbst wenn alle von Schutzkleidung reden, ist nicht zwingend klar, ob dasselbe gemeint ist.

Das UKW setzt aktuell auf weniger Isolation und mehr Händedesinfektion und Monitoring – mit Erfolg

Als Stefanie Kampmeier im Juli 2023 ans UKW kam, wurden Patientinnen und Patienten nach Stammzelltransplantationen sowie schwerkranke Personen mit VRE-Nachweis isoliert. In Absprache mit den einzelnen Kliniken setzte Kampmeier durch, dass niemand mehr isoliert wird, dafür aber die basishygienischen Maßnahmen und das Monitoring intensiviert werden. „Tatsächlich sind bei uns die Blutstrominfektionen gesunken“, freut sich Kampmeier. Ihre Begründung: „Wenn ich Patienten mit multiresistenten Keimen isolieren muss und mir bei jedem Kontakt die komplette Schutzausrüstung anziehen muss, verliere ich sehr viel Zeit, die ich besser am und mit dem Patienten verbringen könnte. Je häufiger ich den Patienten sehe, desto schneller kann ich auf Verschlechterungen reagieren." Auch der psychologische Nutzen für die Patienten sei nicht zu unterschätzen. „Im Moment gibt uns der Erfolg Recht“, sagt Kampmeier. „Doch auf die bundesweite stationäre Versorgung bezogen, fehlt noch der wissenschaftliche Beleg, welche Maßnahmen wirklich nützen, um VRE-Infektionen zu verhindern.”

Ganzgenomsequenzierung der Erreger

Auch die Erreger selbst sollen untersucht werden. Mithilfe von Ganzgenomsequenzierungen sollen genetische Fingerabdrücke der Erreger erstellt und Risikoprofile identifiziert werden, um aus diesen gezielte Präventionsmaßnahmen abzuleiten. 

„Es gibt so viele spannende Aspekte, die zur interdisziplinären Infektionsprävention beitragen und ganzheitlich Mensch und Erreger mit einbeziehen sollten. Genau das macht meine und unsere gemeinsame Arbeit so reizvoll“, sagt Stefanie Kampmeier. 

Deutsche Universitätskliniken bündeln ihre Forschungsaktivitäten für besseres Krisenmanagement und schnelle praxisrelevante Erkenntnisse 

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit der Universitätsmedizin für eine schnelle und koordinierte klinische Forschung zur Pandemie Preparedness ist. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2020 das NUM gegründet. In diesem Netzwerk bündeln die deutschen Universitätskliniken ihre Forschungsaktivitäten und bauen gemeinsame Infrastrukturen für multizentrische Studien auf. Das NUM-Studiennetzwerk bildet das Herzstück dieser Zusammenarbeit und stellt organisatorische und methodische Strukturen für klinische Studien bereit. Ergänzt wird es durch drei thematische Fachnetzwerke (Infektionen, Intensivmedizin und Schlaganfall), in denen Expertinnen und Experten verschiedener Standorte ihre wissenschaftliche und klinische Expertise zu spezifischen Krankheitsfeldern zusammenführen. 

Über das NUM Studiennetzwerk (NUM SN) und seine Fachnetzwerke im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)

Das NUM Studiennetzwerk ist eine zentrale Initiative, entstanden als spezialisierte Forschungsinfrastruktur innerhalb des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM). Im NUM führen erstmalig alle 37 deutschen Standorte der Universitätsmedizin gemeinsam große interdisziplinäre klinische Forschungsprojekte durch. Ziel des NUM Studiennetzwerks ist die Optimierung von Prozessen, die Vernetzung von Akteur*innen und die Beschleunigung der klinischen und klinisch-epidemiologischen Forschung in Deutschland. Die drei Fachnetzwerke im NUM Studiennetzwerk erheben standardisiert klinische Forschungsdaten und sammeln Bioproben, um einen standortübergreifenden Datenpool im jeweiligen Fachbereich aufzubauen.

Text: Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation

Porträt von Stefanie Kampmeier, die Professorin trägt die dunklen Haare im Pferdeschwanz, einen blauen Blazer und weißes T-Shirt
Prof. Dr. Stefanie Kampmeier, Leiterin der zentralen Einrichtung Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship am Uniklinikum Würzburg (UKW), initiierte im NUM-Fachnetzwerk Infektionen (SNID), dessen Co-Sprecherin sie ist, die Studie PREVENT (Prevention of bloodstream infections with vancomycin resistant enterococci). © Franziska Kammer / UKW
Links eine Frau in gelbem Schutzkittel mit Maske, Haube und Handschuhen, rechtes ein Spender mit Händedesinfektionsmittel und Arme, die das Gerät bedienen.
In der Beobachtungsstudie PREVENT wird der Einfluss der verschiedenen Hygienemaßnahmen auf VRE-Blutstrominfektionen geprüft. Dabei wendet jede der 22 teilnehmenden Universitätskliniken konsequent die Maßnahme an, die bei ihr derzeit Standard ist. Einige Kliniken setzen die sogenannte Handschuh-Kittel-Pflege um, andere isolieren die Patienten konsequent auf allen Stationen und wieder andere nur in Hochrisikobereichen. Einige Kliniken setzen keine dieser Maßnahmen um, achten lediglich auf eine gründliche Händedesinfektion. © Collage Salih Usta / UKW / Canva