Aktuelle Pressemitteilungen

Alarmzeichen Fettleber

Würzburger Hepatologen fordern, die Fettleber endlich ernst zu nehmen. Bei jedem fünften Betroffenen kommt es zu Entzündungen mit schwerwiegenden Folgen. Doch Diagnostik und Behandlung hinken hinterher. In der Würzburger Fettleberkohorte werden inzwischen Daten von tausend PatientInnen gesammelt, um die Risikoeinschätzung und Therapie zu verbessern.

Monika Rau und Andreas Geier vom Universitätsklinikum Würzburg begrüßen die 1.000 Patientin in der Fettleberkohorte.

Laura Caracci* ist die tausendste Patientin in der Würzburger Fettleberkohorte. Sie war in letzter Zeit oft müde und hatte ein merkwürdiges Druckgefühl im Bauch. Glücklicherweise hat sie einen aufmerksamen Hausarzt, der sie gründlich untersucht und beim Abtasten des Bauches eine vergrößerte Leber entdeckt hat. Eine Ultraschalluntersuchung bestätigte den Verdacht. Laura Caracci hat eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung, kurz NAFLD genannt. Sie steht für jeden vierten Menschen auf dieser Welt. Wenn gut ein Viertel der Allgemeinbevölkerung betroffen ist, scheint die Fettleber ja nicht so schlimm zu sein, denken viele. „Doch diese Bagatellisierung ist fatal“, mahnt Professor Dr. Andreas Geier, Leiter der Hepatologie am Universitätsklinikum Würzburg. Denn bei jedem fünften Betroffenen entzündet sich die Leber. Aus der nicht-alkoholischen Fettleber wird eine nicht-alkoholische Fettleber-Entzündung (NASH). Und die Entzündung, auch bekannt als Hepatitis, kann schwerwiegende Folgen haben. Das Lebergewebe wird durch hartes narbiges Bindegewebe ersetzt und vernarbt. Aufgrund der so genannten Fibrose können die Leberzellen ihre zahlreichen Stoffwechsel- und Entgiftungsfunktionen nur noch eingeschränkt wahrnehmen. Die Leber kann sich schließlich bis zu einer Zirrhose verhärten und Krebs entwickeln.

Mehr Bedarf an Transplantationen, weniger Spenderorgane

Eine US-amerikanische Studie, die PatientInnen mit nicht-alkoholischer Fettlebererkrankung am häufigsten auf der Warteliste von Lebertransplantation sieht, sollte uns Geier zufolge alarmieren. Zum Glück hinke Europa eine Dekade hinterher. „Doch die Welle rollt auch auf uns zu“, gibt Andreas Geier zu Bedenken. Nach Modellierungen, die das Würzburger Leberzentrum mit internationalen Kooperationspartnern für Deutschland aufgestellt haben, wird sich die Zahl der Zirrhose-PatientInnen in den nächsten zehn Jahren mehr als verdoppeln. Übersetzt heißt das, dass sich auch die Zahl der TransplantationskandidatInnen duplizieren wird. Demgegenüber stünde die sinkende Zahl an Spenderorganen. Die Zahl der Lebertransplantationen ist bundesweit eingebrochen. „Diese gegenläufigen Entwicklungen machen uns große Sorgen“, klagt Geier. Wer auf der Liste steht hat ohne Transplantation eine Lebenserwartung von unter zwei Jahren. Ein Funktionsersatz wie ein künstliches Herz oder eine Dialyse gibt es für die Leber nicht.

Mit Zahl der Übergewichtigen steigt die Zahl der Fettleber-PatientInnen

Wie kommt es zu diesem rapiden Anstieg an Fettleberpatienten? „Weil immer mehr Menschen unter Übergewicht und Fettleibigkeit leiden“, lautet die simple Antwort des Leberspezialisten. In Deutschland sind rund zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig, ein Viertel der Erwachsenen sind stark übergewichtig. Die Folgen sind zu viel Bauchfett, Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. In der Fachsprache wird diese Kombination metabolisches Syndrom bezeichnet, im Volksmund aufgrund des erhöhten Risikos für Gefäßerkrankungen auch tödliches Quartett. In seltenen Fällen ist eine Fettleber genetisch bedingt.

Vorbeugen ließe sich also durch eine Umstellung der Ernährung und Bewegung. Doch diese Lebensstiländerung ist leichter gesagt als getan. „Selbst Betroffene, die wissen, dass ihre Leber in Gefahr ist, schaffen es selten, abzunehmen und ihr Normalgewicht langfristig zu halten“, weiß die Privatdozentin Dr. Monika Rau aus Erfahrung. Die Oberärztin hat den Forschungsschwerpunkt Fettleber am UKW von Beginn an mitgeprägt und vor zehn Jahren gemeinsam mit Andreas Geier die Würzburger Fettleberkohorte aufgebaut, die inzwischen eine der größten NAFLD-Kohorte in Deutschland und Europa ist.

Studien haben gezeigt: Wenn PatientInnen zehn Prozent an Gewicht verlieren, können die Vernarbungen und die damit einhergehenden histologischen Veränderungen der NAFLD zurückgehen. „Eine Gewichtsabnahme ist sicherlich die archaistische und intuitivste Form der Therapie, Stand heute aber auch die einzige Therapie der NAFLD“, bemerkt Andreas Geier. „Zur Behandlung der Fettleber gibt es bislang noch keine zugelassenen Medikamente. Dieses fulminante Problem wurde lange nicht erkannt.“

Unterschiedliche Medikamentenklassen befinden sich in klinischer Prüfung


Inzwischen hat auch die Pharmaindustrie den Ernst der Lage erkannt und arbeitet mit Hochdruck an verschiedenen Wirkstoffklassen zur medikamentösen Therapie der NASH. Einige Arzneimittel sind in der Phase III der Entwicklung (1). Das heißt, sie werden in klinischen Studien an einer größeren Patientengruppe auf Wirksamkeit und Verträglichkeit getestet. Die NASH-PatientInnen aus der Würzburger Fettleberkohorte haben die Möglichkeit an nahezu allen relevanten Phase 2 und 3 Studien teilzunehmen, sofern das Profil passt. „Wir haben ein gutes Portfolio aus unterschiedlichen Medikamentenklassen. Einige gehen in den Stoffwechsel, andere in die Entzündung“, sagt Andreas Geier, der mit seinem Team bei vielen Studien die deutschlandweite Leitung innehat. Äußerst attraktiv seien bei diesem komplexen pathophysiologischen Krankheitsbild Kombinationen aus verschiedenen Wirkstoffen. Geier hofft, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren Optionen auf den Markt kommen.

Forschung nach Biomarker für bessere Diagnostik

Ebenfalls mit Hochdruck wird an der Verbesserung der Diagnostik gearbeitet. Erstens wissen viele Betroffene gar nicht, dass sie eine Fettleber haben. Man spürt sie nicht. Der Schmerz der vernarbten Leber ist die Müdigkeit. Dieser unspezifische Leistungsknick kann jedoch viele Ursachen haben. Zweitens muss ein besserer Biomarker her. „Auf die bisherigen Leberwerte aus dem Labor können sie sich überhaupt nicht verlassen“, betont Geier. „Das sage ich auch immer meinen Studierenden.“ Die Routine-Leberwerte GOT und GPT sagen oft nichts über den Zustand der Leber aus. Die können sogar bei einer völlig zerstörten Leber normal sein. Vor diesem Hintergrund fördert die EU das Biomarker-Konsortium LITMUS NAFLD mit mehr als 40 Millionen Euro. In dem Konsortium, an dem auch das Würzburger Zentrum maßgeblich beteiligt ist, laufen mittlerweile europaweit große wissenschaftliche Projekte, um neue einfache und breit verfügbare Biomarker zu entwickeln, die sowohl eine Fettleber als auch eine drohende Entgleisung der Erkrankung anzeigen. Bis dahin bleiben Behelfslösungen mit kombinierter Laboruntersuchung und Ultraschall. Und wenn diese in der Praxis regelmäßig angewendet werden, dann seit laut Monika Rau schon viel erreicht.

Risikostratifizierung durch Hausärztin oder Hausarzt

Monika Rau rät allen Allgemeinmedizinern, insbesondere RisikopatientInnen wie Übergewichtige und Diabetiker regelmäßig auf die Entwicklung einer NAFLD zu screenen. Dazu gehört erstens das Abtasten, denn Fett vergrößert die Leber, und zweitens ein Ultraschall der Leber. „Ist im Ultraschall eine Leberverfettung zu sehen, sollte unbedingt eine Risikostratifizierung vorgenommen werden. Eine reine Verfettung ist nicht mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Relevant sind die Entzündung und damit verbunden die Vernarbung. Die Frage ist: Gehört der Patient oder die Patientin zu den 20 Prozent, die ein erhöhtes Risiko für eine Fibrose, Zirrhose oder Krebs entwickeln? Konkret: Hat er oder sie viel Bauchfett oder Diabetes? Wenn ja, sollte er oder sie zum Spezialisten, um den Zustand der Leber mittels Fibroscan oder Biopsie beurteilen zu lassen. Wenn nein, sollte er oder sie unbedingt in der Primärversorgung bleiben und die Leberfunktion alle zwei bis drei Jahre kontrollieren lassen.“

Fibroscan-Sprechstunde am UKW

Das Uniklinikum Würzburg bietet seit zwei Jahren im Rahmen eines Modelprojekts eine Fibroscan-Sprechstunde an. Bei diesem Spezial-Schall, der in Deutschland derzeit noch viel zu selten zum Einsatz kommt und nicht von der Krankenkasse vergütet wird, werden die Steifigkeit der Leber und der Verfettungsgrad gemessen. Anhand der Vernarbung können Rückschlüsse auf eine Entzündung gezogen werden, die bei konkretem Verdacht mittels einer Gewebeprobe, Biopsie, bestätigt werden kann. Denn eine Entzündung an sich kann mittels Fibroscan nicht festgestellt werden. „Ohne Gewebeprobe messen wir die Entzündung an den Spätfolgen, der Vernarbung. Das ist wiederum fatal. Denn mit einer bloßen Entzündung und wenig Vernarbung kann bereits der ganze Körper Schaden nehmen. Viele kardiovaskuläre Risiken sind durch Leberentzündungen erhöht“, schildert Geier.

PatientInnen und Wissenschaft profitieren von Fettleberkohorte

Personen mit einer entzündeten Fettleber (NASH) sind also Risikopatientinnen, auch für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Diese haben auch und vor allem die Möglichkeit, sich im Rahmen der Würzburger Fettleberkohorte eingehend betreuen zu lassen. Während die NAFLD-Patienten mit reiner Verfettung nur alle zwei bis drei Jahre zur Untersuchung kommen, werden die NASH-Patienten in der Regel alle sechs Monate einbestellt. In der Beobachtungsstudie werden sämtliche Veränderungen erfasst, Medikationen erhoben sowie Daten und Biomaterialen gesammelt und ausgewertet. „Die Kohorte hilft uns dabei, die Entstehung und Entwicklungen der Fettleberbedingten Krankheiten noch besser verstehen und Ansätze für Diagnostik und Behandlung finden“, erklärt Monika Rau. „Wir haben zum Beispiel gelernt, ab welchem Steifigkeitsgrad man PatientInnen zur Biopsie schicken sollte. Und wir haben Immunzellen im Blut gefunden, die auf eine Leberentzündung hindeuten (4). Auch die Darmbakterien wurden unter die Lupe genommen (5). Sie sind dafür verantwortlich, wie viel Energie wir durch die Nahrungsbestandteile, die im Darm ankommen, aufnehmen.  Schlanke Menschen haben andere Darmkeimzusammensetzungen als Übergewichtige.“ Und da wie bei allen metabolischen Erkrankungen die Ernährung ein großer Faktor ist, erhalten nun auch alle StudienteilnehmerInnen einen sehr ausführlichen Ernährungsfragebogen. Das Studienteam gibt jedem eine individuelle Rückmeldung zur Ernährung. Darüber hinaus verwerten sie die Daten für wissenschaftliche Fragestellungen. Eine Ernährungsinterventionsstudie ist in Planung.

Es kommen immer neue wissenschaftliche Fragstellungen, die im Rahmen der Kohorte und dank der inzwischen tausend StudienteilnehmerInnen beantworten werden könnten. Monika Rau hat gerade das achte Amendment bei der Ethikkommission eingereicht. „Das ist ein kontinuierlicher Lernprozess für uns ÄrztInnen und WissenschaftlerInnen“, sagt sie. „Eine Win-win-Situation. Die Wissenschaft profitiert von den neuen Erkenntnissen, die PatientInnen profitieren davon, dass die neuen Entwicklungen rasch im Alltag ankommen, und die StudienteilnehmerInnen profitieren von den vorzeitigen Therapieoptionen und der intensiven Betreuung.“ Wie Laura Caracci. Bei ihr hat der Fibroscan bereits erste Vernarbungen gezeigt.

*Name der Patientin wurde geändert.

Kontaktdaten zur Anmeldung für die Fibroscan-Sprechstunde:

Claudia Hart
Schwerpunkt Hepatologie, Fibroscan Ambulanz
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Universitätsklinikum Würzburg
Oberdürrbacher Str. 6, 97080 Würzburg


Tel. 0931-201-40815
Fax: 0931-201-640815

Telefonische Erreichbarkeit: Mo. 9:00 -14:30 Uhr, Di u. Mi. 9:00 -12:00 Uhr sowie Freitag 9:00 Uhr -13:00 Uhr.

(1) An update on drug development for the treatment of nonalcoholic fatty liver disease - from ongoing clinical trials to future therapy. Rau M, Geier A. Expert Rev Clin Pharmacol. 2021 Mar;14(3):333-340. doi: 10.1080/17512433.2021.1884068. Epub 2021 Feb 13. PMID: 33535836

(2) The European NAFLD Registry: A real-world longitudinal cohort study of nonalcoholic fatty liver disease. Hardy T, Wonders K, Younes R, Aithal GP, Aller R, Allison M, Bedossa P, Betsou F, Boursier J, Brosnan MJ, Burt A, Cobbold J, Cortez-Pinto H, Day CP, Dufour JF, Ekstedt M, Francque S, Harrison S, Miele L, Nasr P, Papatheodoridis G, Petta S, Tiniakos D, Torstenson R, Valenti L, Holleboom AG, Yki-Jarvinen H, Geier A, Romero-Gomez M, Ratziu V, Bugianesi E, Schattenberg JM, Anstee QM; LITMUS Consortium. Contemp Clin Trials. 2020 Nov;98:106175. doi: 10.1016/j.cct.2020.106175. Epub 2020 Oct 9.PMID: 33045403

(3) A 2-step fast-track elastometry service for advanced workup of nonalcoholic fatty liver disease (NAFLD) patients - single-center real-world experience of outpatient clinical practice.Alsenbesy M, Rau M, Weiss J, Götze O, Geier A. Z Gastroenterol. 2019 Oct;57(10):1209-1217. doi: 10.1055/a-0981-6484. Epub 2019 Oct 14. PMID: 31610584

(4) Progression from Nonalcoholic Fatty Liver to Nonalcoholic Steatohepatitis Is Marked by a Higher Frequency of Th17 Cells in the Liver and an Increased Th17/Resting Regulatory T Cell Ratio in Peripheral Blood and in the Liver. Rau M, Schilling AK, Meertens J, Hering I, Weiss J, Jurowich C, Kudlich T, Hermanns HM, Bantel H, Beyersdorf N, Geier A. J Immunol. 2016 Jan 1;196(1):97-105. doi: 10.4049/jimmunol.1501175.

(5) Fecal SCFAs and SCFA-producing bacteria in gut microbiome of human NAFLD as a putative link to systemic T-cell activation and advanced disease. Rau M, Rehman A, Dittrich M, Groen AK, Hermanns HM, Seyfried F, Beyersdorf N, Dandekar T, Rosenstiel P, Geier A. United European Gastroenterol J. 2018 Dec;6(10):1496-1507. doi: 10.1177/2050640618804444. Epub 2018 Sep 30. PMID: 30574320

Immuntherapie: Warum Wächterzellen wichtig sind

Wächterzellen des Immunsystems sind essentiell, um die Immunbalance im Körper zu steuern. Nun steht fest, dass sie auch eine wichtige Rolle bei Immuntherapien gegen Krebs und chronische Virusinfektionen spielen.

Chronische Virusinfektionen und Krebs können das Immunsystem dauerhaft beeinträchtigen: Beide Erkrankungen setzen die Fähigkeit der Killer-T-Zellen herab, Tumorzellen oder von Viren infizierte Zellen zu eliminieren. In der Medizin wird diese Beeinträchtigung als „Immunerschöpfung“ bezeichnet.

Die Immunerschöpfung lässt sich mit Medikamenten hemmen, mit sogenannten Checkpoint-Inhibitoren. Das hat sich bei einigen Krebsarten als sehr wirksam erwiesen. Doch diese Form der Immuntherapie funktioniert nicht immer. Außerdem kann sie schwere Nebenwirkungen verursachen.

Deutsch-australische Studie in Immunity

Bei den Prozessen, die zur Immunerschöpfung führen, treten die Wächterzellen des Immunsystems – die dendritischen Zellen – in eine enge Wechselwirkung mit Killer-T-Zellen. Diese Wechselwirkung wurde von einer deutsch-australischen Forschungsgruppe entdeckt und charakterisiert. Dadurch ist jetzt auch viel klarer, wie Checkpoint-Inhibitoren zur Wiederherstellung der Immunfunktion beitragen.

Die neuen Erkenntnisse stammen aus einer von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) geleiteten Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Peter Doherty Institute for Infection and Immunity (Doherty Institute) in Melbourne, Australien, durchgeführt wurde. Die Ergebnisse sind im Journal Immunity publiziert.

Anspruchsvolle mikroskopische Verfahren eingesetzt

Professor Wolfgang Kastenmüller ist Seniorautor der Publikation, Direktor des JMU-Instituts für Systemimmunologie und Leiter der gleichnamigen Max-Planck-Forschungsgruppe: „Die meisten bisherigen Arbeiten über die Immunerschöpfung hatten sich auf die Killer-T-Zellen fokussiert, aber kaum auf deren Interaktionspartner. Unsere Resultate zeigen, dass die Checkpoint-Immuntherapie auf der Interaktionsebene zwischen den Killer-T-Zellen und dendritischen Zellen wirkt. Das haben wir mit anspruchsvollen mikroskopische Verfahren herausgefunden.“

Das Forschungsteam konnte zeigen, dass die dendritischen Zellen die Killer-T-Zellen genau in dem Maß aktivieren, dass es nicht zu einer überschießenden Immunreaktion kommt.

Diese Fähigkeit der dendritischen Zellen steht im Zusammenhang mit ihrem Aufenthalt in spezifischen anatomischen Nischen in lymphatischen Organen. Dort werden die Killer-T-Zellen in einem voraktivierten Zustand gehalten, der es ihnen ermöglicht, die Infektion im richtigen Moment und im richtigen Maß zu bekämpfen.

Folgen für die Erforschung von Virusinfektionen und Krebs

Wie Professor Sammy Bedoui aus Melbourne, Co-Seniorautor der Studie und Leiter der Immunologie am Doherty Institute, sagt, hat diese Entdeckung weitreichende Folgen für zukünftige Forschungen zur effektiven Bekämpfung von Virusinfektionen wie HIV, Hepatitis und möglicherweise auch COVID-19. Folgen habe das auch bei bestimmten Krebsarten der Haut, der Lunge und der Nieren.

„In Abwesenheit der dendritischen Zellen funktionieren die Checkpoint-Inhibitoren nicht mehr. Stattdessen kommt es zu einer unkontrollierten Aktivierung der Killer-T-Zellen, was zu einer überschießenden Entzündung und einer weiteren Beeinträchtigung des Immunsystem führt, die Infektion zu kontrollieren“, fasst Professor Bedoui die Studie zusammen.

Partner und Förderer

Die Studie wurde im gemeinsamen PhD-Programm der Universitäten Melbourne und Bonn initiiert. Abgeschlossen wurde das Projekt in einer Kooperation zwischen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und dem Doherty Institute der Universität Melbourne. Gefördert wurden die Arbeiten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Europäischen Forschungsrat und der Max-Planck-Gesellschaft.

Publikation

Dähling et al., Immunity 55, 1-15, April 12, 2022, doi: 10.1016/j.immuni.2022.03.006

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 05.04.2022

„Wichtige Etappe für die Zukunft der Würzburger Universitätsmedizin“

Der Würzburger Stadtrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag, 31. März, für die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das „Erweiterungsgelände Nord“ votiert. In den kommenden Monaten wird u.a. auch ein Mobilitätskonzept erstellt.

Würzburg. „Das Votum des Würzburger Stadtrates ist eine weitere wichtige Etappe für die bauliche Entwicklung der Würzburger Universitätsmedizin. Wir sind froh über diese Entscheidung und danken all jenen, die daran mitgewirkt haben. Dazu zählt natürlich in erster Linie das Staatliche Bauamt Würzburg. Jetzt können die Planungen weiter vorangehen“, erklärt Prof. Dr. Jens Maschmann, Ärztlicher Direktor der unterfränkischen Uniklinik. Der Würzburger Stadtrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag, 31. März, für die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das „Erweiterungsgelände Nord“ votiert.

Auf dem rund zehn Hektar großen Areal nordwestlich der bestehenden Zentren für Operative Medizin (ZOM) und für Innere Medizin (ZIM) sollen Neubauten für die jetzigen Kopfkliniken und für das neue „Zentrum Frauen-Mutter-Kind“ entstehen. Die Anzahl der Betten am UKW bleibt dabei gleich: So werden die derzeit rund 600 Betten für diese beiden Klinikbereiche von den Altgebäuden zukünftig in den Neubau verlagert. Gleiches gilt auch für die Parkplätze, die verlagert werden: Hier sollen bis zu maximal 2500 Parkplätze innerhalb des neuen Klinikkomplexes entstehen. Schon jetzt gibt es alleine im nördlichen Klinikbereich des UKW etwa 1900 PKW-Stellplätze, hinzu kommen aktuell mehrere hundert Stellplätze im Bereich der Altkliniken rund um den Luitpold-Campus.

In den kommenden Monaten wird zudem ein Mobilitätskonzept erstellt. Hierzu werden sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des UKW, der Universität, Studierende wie auch Patienten und Besucher befragt.

Bauherr ist der Freistaat Bayern vertreten durch das Staatliche Bauamt Würzburg. 

Sarkomzentrum Würzburg: Ein zertifiziertes Netzwerk für eine bösartige Vielfalt

Das Sarkomzentrum Würzburg unter dem Dach des Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken wurde durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) für die qualifizierte Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Knochen- oder Weichgewebetumoren ausgezeichnet.

Das Bild zeigt Ärzte und Ärztinnen sowie Koordinatorinnen und Koordinatoren des Würzburger Sarkomzentrums am Specialty Day im König-Ludwig-Haus Würzburg
Das Team des gerade von der DKG zertifizierten Würzburger Sarkomzentrums stellte am 23. März in der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus Würzburg potentiellen Zuweiserinnen und Zuweisern das Krankheitsbild und die Behandlungsmöglichkeiten der Knochen- und Weichgewebetumore vor. © Melanie Keck / Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus Würzburg

Die Koordinatorin des Onkologischen Zentrums Edith Förster hat schon einige Zentren am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) bei der Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) begleitet. „Die Zertifizierung des Sarkomzentrums war jedoch eine besondere Herausforderung“, gesteht die Biologin, die unter anderem für das Qualitätsmanagement zuständig ist. „Das liegt am Krankheitsbild dieser Knochen- und Weichteilsarkome, von denen es bis zu 100 verschiedene Subtypen gibt und die im ganzen Körper und in jedem Alter auftreten können. Die Patientinnen und Patienten suchen unterschiedliche Einrichtungen auf, und häufig wird der Befund zufällig gestellt. Das bedeutet, dass hier am Sarkomzentrum noch mehr Fachdisziplinen als bei anderen Krebszentren in engem Austausch stehen und an einen Tisch gebracht werden müssen.“

Für jedes Krankheitsbild eine stadiengerechte Therapie

Jede Woche nehmen benannte Fachärztinnen und -ärzte aus der Orthopädie, Internistischen Onkologie, Viszeralchirurgie, Thoraxchirurgie, plastischen Chirurgie, Pathologie, Radiologie und Strahlentherapie am Sarkom-Tumorboard teil, um gemeinsam ein Behandlungskonzept für die Betroffenen zu erstellen oder auch Zweitmeinungsanfragen zu klären.

„Sarkome kommen im Vergleich zu Karzinomen sehr selten vor“, erklärt Dr. Christoph K. W. Deinzer von der Internistischen Onkologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW und Koordinator des neu von der DKG zertifizierten Sarkomzentrums Würzburg. „Die Weichgewebs- und Knochentumore machen bei Erwachsenen nur etwa ein Prozent aus. Doch sie sind abhängig von der jeweiligen Sarkom-Subgruppe teilweise im Wachstum sehr aggressiv und tückisch, da sie im Frühstadium häufig nur unspezifische Beschwerden verursachen wie Gelenk-, Muskel- oder Bauchschmerzen.“

Sarkome in Expertenhände geben

Die meisten Patientinnen und Patienten hätten eine lange Odyssee hinter sich bis zur korrekten Diagnose dieser seltenen Erkrankung. Viele Ärztinnen und Ärzte sähen ein Sarkom nur ein oder zweimal in ihrem Berufsleben. Dennoch müsse man die Erkrankung im Hinterkopf haben, mahnt Prof. Maximilian Rudert, Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus Würzburg und Leiter des Sarkomzentrums Würzburg. Leider gebe es immer noch zu viele unpassende Behandlungen mit unnötigen oder unvollständigen Operationen und der Gabe von unwirksamen Medikamenten sowie fehlende Nachsorgeuntersuchungen. Rudert empfiehlt dringend, alle Patientinnen und Patienten mit der Diagnose eines Sarkoms oder Verdacht auf ein Sarkom in eines der inzwischen 16 spezialisierten Sarkomzentren in Deutschland zu überweisen: „Die Sarkomzentren haben die entsprechenden Erfahrungen in der Diagnose, Operation und Behandlung und müssen die geforderte Fachexpertise regelmäßig nachweisen. Mit modernen, multimodalen Therapiekonzepten können heute bis zu 70 Prozent der Sarkompatienten geheilt werden.“

Maximilian Rudert freut es sehr, dass die Deutsche Krebsgesellschaft nun auch das Würzburger Sarkomzentrum sowohl für Knochen- als auch für Weichteilsarkome zertifiziert hat. „Wir verfügen über eine langjährige Expertise und eine hervorragende Infrastruktur für die Behandlung von Knochen- und Weichteilsarkomen, die eine intensive, fächerübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht“, so Rudert. „Wir bieten nicht nur eine entsprechend hohe Qualität in Diagnostik und Behandlung der Sarkome, sondern ermöglichen unseren Patientinnen und Patienten die beste Versorgung auch im Rahmen klinischer Studien.“

Fortbildung: Tumordiagnostik, Chirurgie und Behandlungsstrategien

Um das Bewusstsein für Knochen- und Weichteilsarkome zu erhöhen, luden Prof. Rudert und Tumororthopäde Prof. Peter Raab am 23. März 2022 ins König-Ludwig-Haus ein. Den potentiellen Zuweiserinnen und Zuweisern – 55 nahmen vor Ort teil, 45 online – wurden im Rahmen der Fortbildungsreihe „Specialty Day“ von Dr. Deinzer zunächst die Strukturen des neu zertifizierten Sarkomzentrums vorgestellt. Das Sarkomzentrum Würzburg ist angesiedelt unter dem Dach des Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken, das von der DKG als Onkologisches Spitzenzentrum gefördert wird und dessen Leitung Prof. Dr. Ralf Bargou innehat. Eine zunehmende Vernetzung, unter anderem im Rahmen des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) sowie der CCC und NCT Allianz WERA, neben Würzburg sind die Universitätskliniken Erlangen, Regensburg und Augsburg beteiligt, belebt den fachlichen Austausch.

Die Experten des Sarkomzentrums Würzburg informierten am „Specialty Day“ über die aktuellen Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten aus ihrem jeweiligen Fachbereich. Dr. Christoph K. W. Deinzer zeigte aktuelle Systemtherapien und Studienoptionen bei Knochen- und Weichteilsarkomen auf, Dr. Anke Heidemeier vom Institut für Diagnostische und interventionelle Radiologie am UKW veranschaulichte die spezielle bildgebende Tumordiagnostik bei Sarkomerkrankungen, und Dr. Marcus Zimmermann hob den Stellenwert der neoadjuvanten und adjuvanten Strahlentherapie hervor. Prof. Armin Wiegering von der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie des UKW gab einen anschaulichen Einblick in die Chirurgie der Sarkome des Bauchraums, und Dr. Martin Lüdemann erläuterte abschießend die orthopädischen Behandlungsverfahren bei Weichteil- und Knochensarkomen und betonte nochmals die Bedeutung für Patientinnen und Patienten, sich frühzeitig für die Diagnostik und Therapie in zertifizierten Sarkomzentren vorzustellen.

Für Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige und Interessierte soll es am 8. Juli 2022 eine Veranstaltung geben, weitere Informationen und Registrierung ist unter anmeldung_ccc@ukw.de möglich.

Information zu zertifizierten Zentren der Deutschen Krebsgesellschaft DKG:

Zertifizierte Zentren sind zertifizierte Netzwerke aus stationären und ambulanten Einrichtungen, in denen alle an der Behandlung eines Krebspatienten beteiligten Fachrichtungen eng zusammenarbeiten. Neben Chirurgen, Radioonkologen, Pathologen, Experten für die medikamentöse Tumortherapie und weiteren Fachdisziplinen gehören dazu unter anderem auch onkologische Pflegekräfte, Psychoonkologen und Sozialarbeiter. Durch ihr Zertifizierungssystem möchte die Deutsche Krebsgesellschaft die Betreuung onkologischer Patientinnen und Patienten verbessern und eine Therapie ermöglichen, die sich in jeder Phase der Erkrankung an hohen Qualitätsmaßstäben orientiert. Die zertifizierten Zentren müssen jährlich nachweisen, dass sie die fachlichen Anforderungen für die Behandlung einer Tumorerkrankung erfüllen und zudem über ein etabliertes Qualitätsmanagementsystem verfügen. 

 

Seltene Erkrankungen: „ZESE“ Nordbayern bundesweit als erstes Referenzzentrum für Seltene Erkrankungen zertifiziert

Einrichtung an der Würzburger Uniklinik wurde erfolgreich geprüft / Bundesweite Premiere

 

Das am Uniklinikum Würzburg angesiedelte Zentrum für Seltene Erkrankungen – Referenzzentrum Nordbayern erhielt als bundesweit erste Einrichtung eine Zertifizierung auf Grundlage der Anforderungen des Nationalen Aktionsbündnisses für Menschen mit Seltenen Erkrankungen und des Gemeinsamen Bundesausschusses.

Das Zentrum für Seltene Erkrankungen – Referenzzentrum Nordbayern (ZESE Nordbayern) am Uniklinikum Würzburg (UKW) erfüllt nachweislich alle Punkte des Anforderungskatalogs des Nationalen Aktionsbündnisses für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE). Gleiches gilt für einen parallel bestehenden Vorgabenkatalog des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Das bescheinigt ein Ende Februar dieses Jahres von der unabhängigen Zertifizierungsgesellschaft ClarCert ausgestelltes Zertifikat. 

Umfangreiche Dokumentation und Auditoren-Visitation

Dem positiven Votum vorausgegangen war ein mehrmonatiger Prozess, in dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZESE Nordbayern zunächst umfangreiche schriftliche Unterlagen vorlegen mussten, bevor am 1. Februar 2022 ein dreiköpfiges Auditorenteam das UKW besuchte. Vor Ort machten sich die Expertin und die zwei Experten ein Bild von den Abläufen des Zentrums und besuchten verschiedene Bereiche, wie die Räume des Zentrums selbst, die Kinderpoliklinik, die Endokrinologie, die Pneumologie und das Labor. 

Eine Maßnahme zur Qualitätssicherung und -verbesserung

Das ZESE Nordbayern ist damit das erste von bundesweit über 30 Zentren für Seltene Erkrankungen, das sich mit dem neuen, auf freiwilliger Basis vergebenen Zertifikat schmücken darf. Prof. Dr. Helge Hebestreit, der Direktor des Zentrums, führt diese Vorreiterposition und den insgesamt sehr schnellen Ablauf der Zertifizierung auf die gute Vorbereitung und die hohe Motivation des Würzburger Teams zurück. „Einer der Faktoren dabei war unser Wille zu Qualitätssicherung und -verbesserung“, erläutert der Spezialist für die Seltene Erkrankung Mukoviszidose und fährt fort: „Der Blick von außen bestätigte uns nicht nur in unserem Tun, er zeigte uns über die Hinweise des Auditorenteams auch noch bestehende Optimierungsmöglichkeiten auf, zum Beispiel bei den Themen Patientenbefragung oder Informationsfluss innerhalb des Klinikums.“ Mit dem Zertifikat ist das ZESE Nordbayern in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess eingetreten. So ist das Dokument zwar drei Jahre lang gültig, aber bis zur erneuten Auditierung in 2025 sind für die Rezertifizierung vorher schon jährliche Lieferungen von schriftlichen Unterlagen erforderlich. 

Weitere Vorteile durch das Zerifikat

Neben der Qualitätssicherung und -verbesserung erwartet sich Prof. Hebestreit von der erfolgreichen Zertifizierung indirekte Vorteile bei der Implementierung von anstehenden Projekten, beispielsweise im Bereich der Genomforschung. Und auch bei den Verhandlungen mit den Krankenkassen und dem Freistaat Bayern kann sich das Dokument zukünftig positiv auswirken. 

„Für die Patientinnen und Patienten bedeutet das Zertifikat, dass sie sich sicher sein können, dass die Abläufe in unserem Zentrum genau dem entsprechen, was das mit Expertinnen und Experten aus vielen Bereichen besetzte NAMSE-Bündnis für sinnvoll erachtet“, beschreibt Hebestreit. 

Das NAMSE wurde im Jahr 2010 vom Bundesgesundheitsministerium, dem Bundesforschungsministerium und der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen gegründet. Ziel des Aktionsbündnisses ist es, durch gemeinsames Handeln dazu beizutragen, die Lebenssituation jedes einzelnen Menschen mit einer Seltenen Erkrankung zu verbessern. Ein Baustein dabei ist die Beauftragung von ClarCert als unabhängige Zertifizierungsgesellschaft durch den Verein NAMSE-Netz e.V. 

 

Uniklinikum Würzburg: Neue Webinar-Reihe zur Therapieunterstützung bei Krebs

Das am Uniklinikum Würzburg angesiedelte Comprehensive Cancer Center Mainfranken startet unter dem Namen ONKOnline eine Webinar-Reihe, die Fragen rund um die komplementäre Onkologie – also zu therapiebegleitenden Ernährungs-, Bewegungs- und Entspannungsmaßnahmen –beantwortet.

Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit von Lebensstilmodifikationen und unterstützenden Verfahren vor, während und nach einer Krebstherapie. Gerade in Bezug auf Ernährung, Bewegung und Entspannung liefern Ratgeber und Internetforen viele verschiedene Informationen. „Die jeweilige wissenschaftliche Qualität dieser Informationen ist allerdings nicht immer leicht ersichtlich“, weiß Dr. Claudia Löffler. Die Fachärztin, die am Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF) den Bereich „Komplementäre Onkologie Integrativ“ (KOI) leitet, fährt fort: „Für alle Krebspatientinnen und -patienten, die sich fundiert darüber informieren wollen, was sie persönlich zur Unterstützung ihrer Gesundheit tun können, starten wir jetzt eine mehrteilige Online-Fragestunde.“ 

45 Minuten mit Überblick und Fragerunde

Bei den kostenlosen Webinaren der neuen Reihe „ONKOnline“ geben die Expertinnen des KOI zunächst einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft in den Bereichen Ernährung und Bewegung, integrative Onkologie, Entspannung und Stressreduktion. Anschließend stehen sie für individuelle Fragen zur Verfügung. 

Los geht es am Dienstag, den 5. April 2022 von 17:00 bis 17:45 Uhr mit einem generellen Porträt des neuen Formats und einer ersten Gesprächsrunde. Die nächste Veranstaltung am 3. Mai konzentriert sich auf den Wert von Vitamin D, Selen und Vitamin C als Ernährungsergänzung. Die Themen der weiteren Termine finden sich unter https://go.uniwue.de/onkonline.  

Unverbindlich anmelden kann man sich unter E-Mail: supportivangebote_ccc@ ukw.de oder Tel: 0931 201- 35350. Nach der Anmeldung sendet das KOI Team per E-Mail die Zugangsdaten zum Webinar und eine detaillierte Anleitung zur Teilnahme zu.

Über das CCC MF

Das Comprehensive Cancer Center Mainfranken ist eine gemeinsame Einrichtung des Uniklinikums und der Universität Würzburg. Das interdisziplinäre Krebsbehandlungs- und Krebsforschungs-Zentrum wird von der Deutschen Krebshilfe als Onkologisches Spitzenzentrum gefördert. Außerdem ist das CCC MF am Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) beteiligt.

Vierter ERC Grant für das HIRI - 1,5 Millionen Euro für die Erforschung menschlicher Darmbakterien

Würzburg, 29. März 2022 – Den menschlichen Darm besiedeln unzählige Mikroorganismen. Diese Darmmikrobiota ist von großer Bedeutung für die menschliche Gesundheit. Doch wie interagieren Wirtszellen, Darmbakterien und Krankheitserreger? Könnten die Darmbakterien so gesteuert werden, dass sie Menschen vor Infektionen schützen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Alexander Westermann vom Würzburger Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in seinem Forschungsprojekt „GUT-CHECK“. Mit einer Förderung von 1,5 Millionen Euro zeichnet der Europäische Forschungsrat (ERC) ihn nun über einen Zeitraum von fünf Jahren aus. Er ist damit der vierte Arbeitsgruppenleiter am HIRI, der einen ERC Grant erhält.

Durch Klimawandel und Globalisierung neu auftretende Infektionskrankheiten sowie Antibiotikaresistenzen stellen eine Bedrohung für die weltweite Gesundheit dar. Einen Schutz vor Infektionen könnten kommensale Mikroorganismen bieten, die den gesunden menschlichen Darm besiedeln. Wie diese Darmmikrobiota dazu genutzt werden könnte, um Krankheiten abzuwehren, will Alexander Westermann in seinem Projekt „GUT-CHECK“ herausfinden. Der Gruppenleiter am HIRI, einem Joint Venture des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg, erhält dafür einen Starting Grant in Höhe von 1,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC).

Große Freude in Würzburg und Braunschweig

„Bereits zum zweiten Mal in diesem noch jungen Jahr wird einem unserer Wissenschaftler diese fantastische Förderung zuteil“, sagt Jörg Vogel, Geschäftsführender Direktor des HIRI. „Das spricht für die hohe Qualität unserer Forschung und für deren gesellschaftliche Bedeutung. Ich freue mich sehr darüber, dass Alexander Westermann einen ERC Starting Grant erhält.“

„Die ERC Grants gehören zu den bedeutendsten und angesehensten Auszeichnungen in der Wissenschaft“, ergänzt Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer am HZI. „Wir gratulieren Alexander Westermann ganz herzlich zu diesem großen Erfolg.“

Darmmikrobiota versus Infektionen

Der menschliche Darmtrakt bietet eine attraktive Umgebung für nützliche, aber auch für krankheitserregende Bakterien. Die nützlichen Bakterien helfen dabei, Nahrung zu verdauen, und bieten darüber hinaus zahlreiche gesundheitliche Vorteile. Krankheitserreger hingegen nutzen den Darm als Angriffspunkt für eine Infektion. Beide beeinflussen sowohl sich gegenseitig, als auch ihren Wirt, den Menschen. Mit seinem vom ERC geförderten Projekt „GUT-CHECK“ will Westermann, Leiter der HIRI-Forschungsgruppe „Wirt-Pathogen-Mikrobiota-Interaktionen“ und JMU-Juniorprofessor, nun dazu beitragen, diese Dreiecksbeziehung besser zu verstehen. 

Er konzentriert sich dabei auf Bakterien der Gattung Bacteroides. „Gemeinsam mit meinem Team will ich RNA-basierte Regulationen des Stoffwechsels von Bacteroides thetaiotaomicron, eines zentralen Vertreters der Darmmikrobiota, erforschen. Dieses Bakterium schützt seinen Wirt zwar gegen Darminfektionen, gleichzeitig generiert es jedoch durch seinen Stoffwechsel Zwischenprodukte, die sich pathogene Bakterien zunutze machen können“, so Westermann. „Das Forschungsprojekt soll zu einem besseren Verständnis der Wechselwirkung zwischen Wirt, Mikrobiota und Erreger beitragen. Auf Grundlage dessen könnten neuartige RNA-basierte Behandlungen von gastrointestinalen Infektionen entwickelt werden“, stellt der HIRI-Forscher in Aussicht.

Alexander Westermann ist bereits der vierte Arbeitsgruppenleiter am HIRI, den der Europäische Forschungsrat mit einem ERC Grant ausstattet. Im Jahr 2020 startete Chase Beisel sein durch einen ERC Consolidator Grant finanziertes Projekt „CRISPR Combo“. Neva Caliskan begann 2021 mit der Arbeit am Forschungsvorhaben „T-FRAME“, das mit einem ERC Starting Grant gefördert wird. Anfang 2022 erhielt Mathias Munschauer einen ERC Starting Grant für sein Projekt „COVIDecode“.

Über Alexander Westermann

Alexander Westermann hat Molekulare Biowissenschaften an der Universität Heidelberg studiert. Seine Promotion absolvierte er im Labor von Jörg Vogel am Institut für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB) in Würzburg. Forschungsaufenthalte in den Laboren von Andreas Bäumler (Universität von Kalifornien, Davis, USA) und David Holden (Imperial College London, Großbritannien) folgten in den Jahren 2017 und 2018. Seit März 2018 ist Alexander Westermann Juniorprofessor am IMIB und leitet die Gruppe „Wirt-Pathogen-Mikrobiota-Interaktionen“ am HIRI.

Über das HIRI

Das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) ist die erste Einrichtung weltweit, die die Forschung an Ribonukleinsäuren (RNA) mit der Infektionsbiologie vereint. Auf Basis neuer Erkenntnisse aus seinem starken Grundlagenforschungsprogramm will das Institut innovative therapeutische Ansätze entwickeln, um menschliche Infektionen besser diagnostizieren und behandeln zu können.

Das HIRI ist ein Joint Venture des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und befindet sich auf dem Würzburger Medizin-Campus.

Die ERC Starting Grants

ERC Starting Grants sind Förderinstrumente des Europäischen Forschungsrats (European Research Council), die junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen dabei unterstützen, den Karrieresprung zu unabhängigen und selbständigen Spitzenforschern zu machen. Bei Antragsstellung dürfen höchstens sieben Jahre seit dem Erlangen des Doktorgrades vergangen sein, ausdrücklich einziges Bewertungskriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz der Forschenden und des vorgeschlagenen Projektes. Die erfolgreichen Projekte werden bis zu fünf Jahre mit einer Gesamtsumme von bis zu 1,5 Millionen Euro gefördert.

Der Europäische Forschungsrat

Der Europäische Forschungsrat, der 2007 von der Europäischen Union eingerichtet wurde, ist die erste europäische Förderorganisation für exzellente Pionierforschung. Jedes Jahr wählt und finanziert er die besten und kreativsten Forschenden jeder Nationalität und jeden Alters aus, um Projekte mit Sitz in Europa durchzuführen. Der ERC bietet vier Kernförderprogramme an: Starting, Consolidator, Advanced und Synergy Grants. Mit seinem zusätzlichen Proof-of-Concept-Grant-Programm hilft der ERC den Grant-Stipendiaten, die Lücke zwischen ihrer Pionierforschung und den frühen Phasen ihrer Vermarktung zu schließen. 

Pressefoto 

Die komplette Medieninformation inkl. Pressefoto zum Download können Sie hier einsehen (Link zur HIRI-Webseite).

© für das Foto: HIRI / Luisa Macharowsky
BU: HIRI-Wissenschaftler Alexander Westermann erhält einen ERC Starting Grant.

 

HIRI-Medieninformation vom 29. März 2022