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Wie lassen sich Risiken nach Herz-OPs minimieren?

In einer groß angelegten Studie hat ein deutsch-kanadisches Netzwerk unter der Leitung von Christian Stoppe vom Uniklinikum Würzburg überprüft, ob die hochdosierte Gabe des Spurenelements Selen die Sterblichkeit und Krankenhausaufenthalte nach komplexen herzchirurgischen Eingriffen verringern kann.

OP-Team bei einem chirurgischen Eingriff
Die Zahl der herzchirurgischen Eingriffe steigt weltweit stetig an. Aufgrund des demografischen Wandels und der zunehmenden Begleiterkrankungen, werden die Herzoperationen jedoch oft komplexer – bei jedem fünften Eingriff kommt es zu Komplikationen. Christian Stoppe vom Uniklinikum Würzburg hat mit einem internationalen Team geprüft, ob Selen die Risiken reduzieren kann. © Daniel Peter / UKW

Wie lassen sich Komplikationen wie zum Beispiel Multiorganversagen nach komplexen Herzoperationen reduzieren? Eine Hoffnung lag bislang im Spurenelement Selen, da es als essentieller Kofaktor vieler anti-entzündlich wirksamer Enzyme die körpereigenen Abwehrmechanismen stärken kann. Mehrere kleinere Studien hatten in den vergangenen Jahren auf signifikante klinische Vorteile einer Selen-Supplementierung bei Patientinnen und -Patienten mit komplexen herzchirurgischen Eingriffen hingewiesen. Doch die multizentrische, randomisierte, doppelt verblindete und placebo-kontrollierte sustainCSX-Studie hat nun gezeigt, dass die intravenöse Gabe hochdosierten Selens vor, während und nach der Operation nicht zu einer signifikanten Verringerung der Mortalität und Morbidität führt. Die Studie wurde jetzt im Journal der American Medical Association JAMA Surgery veröffentlicht.

Bei jedem fünften Eingriff kommt es zu Komplikationen

Initiator und Erstautor der Studie, Prof. Dr. Christian Stoppe von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Uniklinikum Würzburg erläutert die Hintergründe des Forschungsprojekts: „Die Zahl an Herzoperationen steigt jedes Jahr weltweit weiter an, trotz Zunahme von minimal-invasiven Verfahren in der Kardiologie. Das hat nicht nur demografische Gründe, sondern liegt auch an den verbesserten Operationsmethoden, schonenderen Narkosen und einer verbesserten sich anschließenden intensivmedizinischen Behandlung. Aufgrund des allgemein steigenden Durchschnittsalters der Patientinnen und Patienten und der zunehmenden Begleiterkrankungen, werden die herzchirurgischen Eingriffe jedoch oft komplexer und länger, wodurch die Gefahr für lebensbedrohliche Komplikationen steigt. So entwickeln sich oft postoperative Organdysfunktionen, die umfassende intensivmedizinische Maßnahmen erfordern.“

Antioxidativen Stress mit Gabe vom hochdosiertem Selen reduzieren

In einer vorhergehenden Studie hatten Christian Stoppe und seine internationalen Kollegen bereits herausgefunden, dass Herzoperationen unter Verwendung einer sogenannten Herz-Lungen-Maschine, wenn also bei einer Operation am offenen Herzen das Blut über ein Kanülen- und Schlauchsystem den Körper verlässt, mit Sauerstoff angereichert und wieder zurückgepumpt wird, zu einem Rückgang von antioxidativen Spurenelementen führen. Es entsteht oxidativer Stress, der eine Entzündungsreaktion auslöst, die sich wiederum negativ auf die Funktion der Blutgefäße und Organsysteme auswirkt. „In der Beobachtungsstudie konnten wir niedrige Selenspiegel mit postoperativen Multiorganversagen in Verbindung bringen“, berichtet Christian Stoppe. „In einer nachfolgenden Anwendungsbeobachtung zeigten sich klinische Vorteile einer Selen-Supplementierung bei herzchirurgischen Patienten.“ Das Spurenelement trägt zu entzündungshemmenden und immunstimmulierenden Prozessen im Körper bei.

Um die Selen-Therapie in die Leitlinien aufnehmen zu lassen, fehlte jedoch ein höheres Maß an Evidenz. Daher hat Christian Stoppe gemeinsam mit Prof. Dr. Daren K. Heyland von der Clinical Evaluation Research Unit am kanadischen Kingston General Hospital die qualitativ hochwertige sustainCSX-Studie ins Leben gerufen. An 23 Standorten in Deutschland und Kanada wurden insgesamt 1.394 Herz-Patientinnen und -Patienten, die nach dem EuroSCORE II ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko aufzeigten (> 5 Prozent) oder bei denen mehrere chirurgische Eingriffe geplant waren untersucht. Nach dem Zufallsprinzip erhielt die Hälfte von ihnen 2.000 Mikrogramm Natriumselenit vor der Herz-Operation, gefolgt von 2.000 danach und weitere 1.000 Mikrogramm Natriumselenit täglich auf der Intensivstation für maximal 10 Tage. Die Vergleichsgruppe erhielt ein Placebo.

sustainCSX: Selen-Supplementierung hat keinen Einfluss auf die Sterblichkeit

Ergebnis: Die hochdosierte Selen-Supplementierung konnte die Entwicklung von Organfunktionsstörungen nicht signifikant reduzieren. 4,2 Prozent der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer verstarben innerhalb von 30 Tagen nach der Operation in der Selengruppe, 5 Prozent in der Placebogruppe. „Eine Selen-Supplementierung kann aber möglicherweise die Notwendigkeit zur Wiederaufnahme auf eine Intensivstation verringern“, gibt Christian Stoppe zu Bedenken. „Ebenso bleibt aufgrund des technischen Fortschritts und der stetigen Verbesserungen im Bereich der Herzchirurgie offen, ob sich zukünftige Interventionen nur auf Patienten mit erhöhtem Risikoprofil fokussieren sollen. In der klinischen Praxis wird es immer wichtiger, Strategie zu entwickeln, um Patienten mit erhöhter Komplikationsgefahr frühzeitig zu identifizieren und nur ihnen etwaige Nährstoffe zu verabreichen.“

modifyCSX: Mit früher Gabe von Fischöl Immunsystem stärken

Der Fokus des aktuellen Forschungsvorhabens liegt nun auf einer frühzeitigeren Stärkung des Immunsystems. Ziel ist es so wie früh wie möglich mit einer optimierten Therapie zu beginnen. „Da viele Patienten erst einen Tag vor der Operation stationär aufgenommen werden, müssen wir dieses Fenster maximal nutzen“, erklärt Christian Stoppe. In der neuen modifyCSX Studie will das internationale Team die intravenöse Gabe von Fischöl 12 bis 24 Stunden vor der Operation testen. Ziel dabei ist es, neben der Stärkung des Immunsystems die Entstehung von postoperativen Herzrhythmusstörungen zu reduzieren, welches die postoperative Erholung entsprechender Patientinnen und Patienten signifikant verbessert.

Partner und Förderer

In Deutschland waren neben dem Universitätsklinikum Würzburg die Universitätskliniken Aachen, Berlin, Bonn, Frankfurt, Freiburg, Giessen, Köln, Mainz, München, Münster, Oldenburg und Schleswig-Holstein beteiligt. Finanziell unterstützt wurde die Studie vom Canadian Institute of Health Research und der Lotte & John Hecht Memorial Foundation.

Studie: Christian Stoppe; Bernard McDonald: Patrick Meybohm; Kenneth B. Christopher; Stephen Fremes; Richard Whitlock; Siamak Mohammadi; Dimitri Kalavrouziotis; Gunnar Elke; Rolf Rossaint; Philipp Helmer; Kai Zacharowski; Ulf Günther; Matteo Parotto; Bernd Niemann; Andreas Böning; C. David Mazer; Philip M. Jones; Marion Ferner; Yoan Lamarche; Francois Lamontagne; Oliver J. Liakopoulos; Matthew Cameron; Matthias Müller; Alexander Zarbock; Maria Wittmann; Andreas Goetzenich; Erich Kilger; Lutz Schomburg; Andrew G. Day; Daren K. Heyland; for the SUSTAIN CSX Study Collaborators. Effect of High-Dose Selenium on Postoperative Organ Dysfunction and Mortality in Cardiac Surgery PatientsThe SUSTAIN CSX Randomized Clinical Trial. JAMA Surgery Published online January 11, 2023. doi:10.1001/jamasurg.2022.6855

Vorhergehende Studien:

Stoppe C, Spillner J, Rossaint R, Coburn M, Schälte G, Wildenhues A, Marx G, Rex S. Selenium blood concentrations in patients undergoing elective cardiac surgery and receiving perioperative sodium selenite. Nutrition. 2013 Jan;29(1):158-65. doi: 10.1016/j.nut.2012.05.013. Epub 2012 Sep 23. PMID: 23010420.

Stoppe C, Schälte G, Rossaint R, Coburn M, Graf B, Spillner J, Marx G, Rex S. The intraoperative decrease of selenium is associated with the postoperative development of multiorgan dysfunction in cardiac surgical patients. Crit Care Med. 2011 Aug;39(8):1879-85. doi: 10.1097/CCM.0b013e3182190d48. PMID: 21460705.

OP-Team bei einem chirurgischen Eingriff
Die Zahl der herzchirurgischen Eingriffe steigt weltweit stetig an. Aufgrund des demografischen Wandels und der zunehmenden Begleiterkrankungen, werden die Herzoperationen jedoch oft komplexer – bei jedem fünften Eingriff kommt es zu Komplikationen. Christian Stoppe vom Uniklinikum Würzburg hat mit einem internationalen Team geprüft, ob Selen die Risiken reduzieren kann. © Daniel Peter / UKW

Post-ASH-Webinar: Neues aus der Therapie hämatologischer Systemerkrankungen

Würzburg. Das jährlich im Dezember veranstaltete Meeting der American Society of Hematology (ASH) ist der weltweit wichtigste und umfassendste Kongress in der hämatologischen Onkologie. Seine 64. Neuauflage fand vom 10. bis 13. Dezember 2022 in New Orleans/USA statt. „Wie aus den letzten Jahren schon gewohnt, wollen wir die dort präsentierten Erkenntnisse, Forschungsansätze und Fortschritte möglichst vielen interessierten Medizinerinnen und Medizinern nahebringen“, erläutert Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW). Deshalb veranstaltet das UKW am Mittwoch, den 8. Februar 2023, erneut ein Post-ASH-Webinar über die Internet-Plattform Zoom.

Praxisrelevante Neuerungen im Fokus

Wie schon im vergangenen Jahr fungiert Prof. Dr. Stefan Knop, der Ärztliche Leiter der Klinik für Innere Medizin 5 am Klinikum Nürnberg, als Organisationspartner. Er kündigt an: „Bei der Auswahl der inhaltlichen Schwerpunkte haben wir auf praxisrelevante klinische Neuerungen besonderen Wert gelegt.“

Moderiert von der Doppelspitze Einsele-Knop werden Kolleginnen und Kollegen aus Göppingen, Göttingen, Köln, Mannheim und Würzburg über die aktuelle Behandlung von Krankheiten wie Multiples Myelom, hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome, chronische lymphatische Leukämie, Morbus Hodgkin sowie Myelodysplastische Syndrome referieren. Außerdem gibt es Wissenswertes aus dem Bereich der nicht malignen Hämatologie und zur allogenen Stammzelltransplantation.

Teilnahme kostenlos

Die kostenlose Veranstaltung beginnt um 16:00 Uhr. Wichtig ist eine Anmeldung bei Gabriele Nelkenstock, der Externen Selbsthilfebeauftragten des UKW, unter E-Mail: selbsthilfe@ ukw.de. Nach der Anmeldung erhalten die Teilnehmenden per E-Mail die Zugangsdaten und eine technische Anleitung. Das detaillierte Programm des Webinars findet sich unter www.ukw.de/medizinische-klinik-ii/veranstaltungen.

Uniklinika: Bund-Länder-Verabredungen wichtiger weiterer Schritt für eine große Krankenhausreform

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben heute über die Umsetzung der Empfehlungen der Regierungskommission zu einer Reform der Krankenhausvergütung beraten.

„Angesichts der Situation, die wir diesen Winter in den Krankenhäusern sehen, ist es ein gutes Zeichen, dass Bund und Länder heute in positiver und konstruktiver Atmosphäre beraten haben und nun zügig und umfassend gemeinsam für eine große Krankenhausreform zusammen arbeiten. Die Vorschläge der Regierungskommission bilden für die weiteren Beratungen eine sehr gute Grundlage. Die gemeinsame Erarbeitung eines Gesetzentwurfes durch Bund und Länder ist ein bemerkenswertes Ziel, dessen Bedeutung gar nicht hoch genug gewürdigt werden kann“, kommentiert Professor Jens Scholz, 1. Vorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) die Beratungen zwischen Bund und Ländern. 

Die Empfehlung der Regierungskommission zur grundlegenden Reform der Krankenhausvergütung hatten die Problemlage in der Krankenhausversorgung sehr zutreffend analysiert und substantielle Vorschläge für eine positive Weiterentwicklung der Krankenhausstruktur und deren Finanzierung gemacht. „Diese von der Regierungskommission herausgearbeiteten wichtigen Aspekte der Versorgungsstufen und Leistungsgruppen sowie damit verknüpfte Vorhaltefinanzierungen müssen im Mittelpunkt stehen, wenn es um die Umsetzung der Krankenhausreform geht. Die Kommission hat dabei klargestellt, dass der Versorgungsauftrag von Krankenhäusern deutlich geschärft und abgegrenzt werden muss. Ein eigenes Level für die Universitätsklinika ist wichtig, damit diese weiterhin übergeordnete Koordinierungsaufgaben wie während der Corona-Pandemie rechtssicher und finanziell abgesichert übernehmen können“, sagt Jens Bussmann, Generalsekretär des VUD. 

Mit der Festlegung der Versorgungsstufen (Level) ordnet die Kommission den jeweiligen Stufen unterschiedliche Mindeststrukturvoraussetzungen zu. Für die Universitätsmedizin hält sie fest, dass diese neben ihrem vollumfänglichen Versorgungsangebot die dringend erforderliche übergeordnete Steuerung und Koordination in der regionalen Versorgung und auch weitergehende System- und Zukunftsaufgaben übernehmen muss. Damit erkennt sie zutreffend die herausragende Rolle der Universitätsklinika für das Gesundheitssystem an. 

Kontakt:

Stephanie Strehl-Dohmen
Verband der Universitätsklinika Deutschlands e.V.
Tel.: +49 (0) 30 3940517-25
Email: strehl-dohmen@ uniklinika.de
www.uniklinika.de 

 

Pressemitteilung der Deutschen Universitätsklinika vom 05.01.2023

Katastrophen- und Bevölkerungsschutz: Experten diskutieren am 14. Januar in Würzburg

Krieg, Großbrände, Klimawandel: „Die Lage läuft jetzt“: Drei Fragen an einen der verantwortlichen Organisatoren, Professor Thomas Wurmb vom Universitätsklinikum Würzburg

 Regelmäßige Übungen sind wichtig für einen guten Bevölkerungsschutz, hier ein Bild einer vergangenen gemeinsamen Übung von BRK und UKW. Foto: BRK / Schwarz.
Regelmäßige Übungen sind wichtig für einen guten Bevölkerungsschutz, hier ein Bild einer vergangenen gemeinsamen Übung von BRK und UKW. Foto: BRK / Schwarz.

Krieg, Großbrände, Klimawandel - darum geht es u.a. beim „Würzburger Forum Bevölkerungsschutz“ am 14. Januar. Bereits zum vierten Mal veranstaltet die Sektion für Notfall- und Katastrophenmedizin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) zusammen mit dem Bayerischen Roten Kreuz, Bezirksverband Unterfranken, das Würzburger Forum Bevölkerungsschutz.

Professor Wurmb, es ist nun das vierte Forum Bevölkerungsschutz, das Sie gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz veranstalten. Hätten Sie bei der Premiere gedacht, dass die Themen einmal so stark in die Mitte der Gesellschaft rücken und viele Menschen so unmittelbar betreffen?

Prof. Wurmb: „Die letzten Monate und Jahre haben in der Tat gezeigt, wie wichtig ein funktionierender Bevölkerungsschutz ist – und welch große Arbeit dahinterstecken muss, wenn er erfolgreich sein soll. Durch die SARS-CoV-2 Pandemie, die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal und den Krieg in der Ukraine sind die Krisen nun wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Als wir 2019 das erste Forum veranstaltet haben, war uns die Bedeutung des Bevölkerungsschutzes sehr wohl bewusst. Unser Ziel war es damals, die vielen Einsatzkräfte des Bevölkerungsschutzes in einem Forum zusammenzubringen. Die   Entwicklung der Lage hat uns leider bestätigt. Daher heißt der Titel in diesem Jahr auch: „Die Lage läuft jetzt“. Zum Abwarten bleibt uns keine Zeit, darüber wollen wir uns mit allen Expertinnen und Experten austauschen.“

Was ist wichtig für einen funktionierenden Bevölkerungsschutz?

Prof. Wurmb: „Realistische Planungen, gute Kommunikation, eine solide Finanzierung und regelmäßige Übungen. Wir müssen es schaffen, gute Strategien auf die praktische Seite zu bekommen. Das Miteinander aller Akteure im Bevölkerungsschutz ist ein Schlüssel zum Erfolg. Mit dem Würzburger Forum möchten wir hierzu einen Beitrag leisten.“

Auf welchen Themen sind Sie besonders gespannt beim 4. Forum Bevölkerungsschutz?

Prof. Wurmb: „Das ist schwer zu sagen, alle Referenten sind Experten auf Ihrem Gebiet und die Themen sind vielfältig gewählt, dass sich mich auch alle Beiträge gleichermaßen freue. Wir wollen voneinander lernen, sind alles erfahrene Einsatzkräfte aber keine Roboter. Der Umgang mit der Vielzahl von Krisen ist für alle eine besondere Herausforderung, umso wichtiger ist der weit gestreute Austausch von Erfahrung. Ich denke, das Programm bietet eine gute Auswahl für die Menschen, die sich beruflich mit dem Thema Bevölkerungsschutz beschäftigen. Zudem ist es eine Online-Veranstaltung, die Teilnahme also auch aus der Ferne möglich.“

Zur Person

Prof. Dr. Thomas Wurmb ist Leiter der Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin am Universitätsklinikum Würzburg.

Veranstaltung:

Würzburger Forum Bevölkerungsschutz 2023: „Die Lage läuft jetzt“

Online-Veranstaltung durch das Vogel Convention Center, Samstag 14. Januar, 8.45 Uhr bis 15 Uhr, der Link wird nach der Anmeldung verschickt.

Anmeldung und Teilnahmebedingungen:

 Eine verbindliche Anmeldung ist erforderlich. Die Anmeldung erfolgt über den BRK-Bezirksverband Unterfranken:

https://bvunterfranken.brk.de/wuefobest

 Regelmäßige Übungen sind wichtig für einen guten Bevölkerungsschutz, hier ein Bild einer vergangenen gemeinsamen Übung von BRK und UKW. Foto: BRK / Schwarz.
Regelmäßige Übungen sind wichtig für einen guten Bevölkerungsschutz, hier ein Bild einer vergangenen gemeinsamen Übung von BRK und UKW. Foto: BRK / Schwarz.

2.123 Entbindungen an der Frauenklinik im Jahr 2022
Eine kleine Auswahl der im Jahr 2022 an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik geborenen Kinder.  Bilder (4): Baby Smile Fotografie GmbH & Co. KG
Eine kleine Auswahl der im Jahr 2022 an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik geborenen Kinder. Bilder (4): Baby Smile Fotografie GmbH & Co. KG

Im Jahr 2022 fanden an der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) 2.123 Entbindungen statt. Da hierunter 69 Zwillings- und zwei Drillingsgeburten waren, erblickten insgesamt 2.196 Kinder das Licht der Welt.

Herausfordernde Pandemiebedingungen gemeistert

Prof. Dr. Achim Wöckel, der Direktor der UKW-Frauenklinik, nutzt die Wegmarke des Jahreswechsels, um seinem Team ein weiteres Mal herzlich zu danken: „Nur durch die hervorragenden Zusammenarbeit und den außerordentlichen Einsatz der Ärztinnen und Ärzte, der Hebammen und Pflegekräfte sowie der Medizinischen Fachangestellten und Stillberaterinnen war es möglich, dass wir auch unter den anhaltenden Herausforderungen der Corona-Pandemie eine optimale Versorgung sicherstellen konnten.“

Die beliebtesten Kindernamen 2022

Zu den beliebtesten Namen bei den letztjährig am Uniklinikum Würzburg geborenen Mädchen zählen Emilia, Marie, Lina, Ella, Emma, Lena, Alina, Emily, Mila und Amelie. Bei den Buben gehören Leo, Ben, Elias, Felix, Paul, Jonathan, Theo, Noah, Anton und David zu den Favoriten.

Das erste Kind des Jahres

Als erstes Kind des Jahres 2023 in der Frauenklinik des UKW kam am Neujahrsmorgen um 00:33 Uhr Hannes mit 3820 g zur Welt.

 

Eine kleine Auswahl der im Jahr 2022 an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik geborenen Kinder.  Bilder (4): Baby Smile Fotografie GmbH & Co. KG
Eine kleine Auswahl der im Jahr 2022 an der Würzburger Universitäts-Frauenklinik geborenen Kinder. Bilder (4): Baby Smile Fotografie GmbH & Co. KG

Würzburg. Lisanne Carnier, Ariane Hillenbrand und Leonie Staimer sind Würzburger Zahnmedizin-Studentinnen, denen im Rahmen ihrer Ausbildung im Wintersemester 2021/2022 im deutschlandweiten Vergleich exzellente Wurzelkanalbehandlungen gelangen. Dieser Auffassung ist die Redaktion der Fachzeitschrift Quintessenz Endodontie und ehrte das Trio jeweils mit der Goldenen Hedström-Feile. Die von einem Buchpreis begleitete Auszeichnung soll Nachwuchszahnmedizinerinnen und -zahnmediziner schon während ihres Studiums zu hervorragenden endodontischen Behandlungen motivieren. Insgesamt erhielten 20 Studierende aus Deutschland und der Schweiz den Award, der nach einem zahnärztlichen Instrument benannt ist, mit dem Wurzelkanäle gesäubert und erweitert werden können.

„Die Preise sind nicht zuletzt ein Beleg dafür, auf welch hohem Niveau Patientinnen und Patienten behandelt werden, die das Angebot unseres Studentenkurses der Zahnerhaltung und Parodontologie nutzen“, freut sich Prof. Dr. Gabriel Krastl, der Geschäftsführende Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit am Uniklinikum Würzburg.

Personalisierte Medizin im Fokus

Mit dem vom G-BA mit 21 Millionen Euro geförderten Projekt Deutsches Netzwerk für Personalisierte Medizin (DNPM) sollen bundesweit individualisierte Behandlungsansätze gegen Krebs in hoher Qualität etabliert werden. Das Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF) am Uniklinikum Würzburg steht für die Zertifizierung seines Zentrums für Personalisierte Medizin (ZPM) in den Startlöchern.

Würzburg. Jeden Montag um 16:30 Uhr tagt im Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF) am Uniklinikum Würzburg das Molekulare Tumorboard. Neben Fachleuten aus der Medizinischen Onkologie, Pathologie, Humangenetik, Bioinformatik und Molekularbiologie sowie Expertinnen und Experten der klinischen Studieneinheiten nehmen auch Medizinerinnen und Mediziner aus verschiedenen Disziplinen teil, die ihre „Fälle“ vorstellen. Das sind Patientinnen und Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung, die für die so genannte Personalisierte Medizin in Frage kommen. „Diese Patientinnen und Patienten haben eine seltene Tumorerkrankung oder in absehbarer Zeit alle Therapien nach der aktuellen Leitlinie durchlaufen. Für sie bietet das Molekulare Tumorboard mit modernster molekularer Diagnostik und der daraus möglicherweise resultierenden gezielten Behandlung eine weitere Therapieoption“, erklärt Dr. Michaela Metz vom CCC MF. „Wir prüfen zunächst in der Indikationsbesprechung, ob und welches Material sequenziert wird und diskutieren in einer weiteren Sitzung den Befund und die Behandlungsmöglichkeiten. Kann der oder die Betroffene zum Beispiel an einer klinischen Studie teilnehmen oder, falls dieses nicht möglich ist, eine Off-Label-Therapie erhalten, also ein Arzneimittel, das für diese Tumorerkrankung noch nicht zugelassen ist?“ 

Um allen Patienten, also auch denjenigen, die nicht bereits an ein Krebsspitzenzentrum angebunden sind, deutschlandweit den gleichen niederschwelligen Zugang zur Personalisierten Medizin ermöglichen zu können, arbeitet das Molekulare Tumorboard des CCC Mainfranken eng mit externen Kliniken, Praxen und Medizinischen Versorgungszentren der Region zusammen. „Durch die gute Koordination und Vernetzung konnte der Anteil an externen Patienten auf mittlerweile über 30 Prozent gesteigert werden“, berichtet Nina Roth, die gemeinsam mit Dr. Diana Haake im CCC MF das DNPM-Projekt koordiniert.

Abläufe deutschlandweit harmonisieren und standardisieren 

Das Molekulare Tumorboard wurde von der interdisziplinären Arbeitsgruppe Präzisionsonkologie, einer gemeinsamen Initiative des UKW und des CCC MF, bereits vor fünf Jahren in Würzburg etabliert und existiert auch in vielen anderen universitären Krebszentren und Kliniken in Deutschland. Es gibt jedoch regionale Unterschiede bei den Einschlusskriterien, in der Diagnostik, Interpretation und Therapieempfehlung. Damit deutschlandweit jede Patientin und jeder Patient die gleiche qualitätsgesicherte Behandlung erhält, sollen jetzt an den 21 onkologischen Spitzenzentren nach Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) so genannte Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) eingerichtet werden. Vorbild ist Baden-Württemberg, wo sich bereits Tübingen, Heidelberg, Freiburg und Ulm als ZPM-Verbund zusammengeschlossen haben. Unter Federführung des Universitätsklinikums Tübingen soll diese Initiative nun im Projekt „Deutsches Netzwerk für Personalisierte Medizin“ (DNPM) deutschlandweit als neue Versorgungsform ausgerollt werden.  Das Projekt wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für 41 Monate mit insgesamt 21 Millionen Euro gefördert. 

Datenbank fördert wissenschaftliche Zusammenarbeit

In einer Begleitstudie mit insgesamt 6.000 Patientinnen und Patienten wird im Rahmen des Projekts evaluiert, ob und in wie fern diese von den neuen Standards und Strukturen der ZPM profitieren. Diejenigen, die vor dem Erfüllen der DKG-Zertifizierungskriterien an der Studie teilnehmen, gehören zur Kontrollgruppe, diejenigen, die nach dem Erfüllen der DGK-Zertifizierungskriterien behandelt werden, zur Interventionsgruppe. Darüber hinaus sollen in verschiedenen Arbeitsgruppen wie etwa in einer Medizininformatik-AG, Diagnostik-AG oder Bioinformatik-AG weitere Verbesserungen der Abläufe erarbeitet werden. Und schließlich ist eine gemeinsame Datenbank geplant, die der Qualitätssicherung dienen und neue Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Personalisierten Medizin liefern soll. „Bei der Vernetzung geht es vor allem um die wissenschaftliche Zusammenarbeit. Bestimmte Mutationen sind seltene Ereignisse, sodass wir uns für Studien vernetzen müssen, um eine neue Therapie von Patienten mit gleicher Mutation zu prüfen“, schildert Dr. Michaela Metz. 

Über das Projekt wird das Personal für Koordination, Dokumentation, IT, Diagnostik sowie die ärztliche Betreuung finanziert. Perspektivisch soll das Konzept bundesweit auf weitere Erkrankungen wie chronisch entzündliche oder neurologische sowie Infektionskrankheiten ausgeweitet werden. 

Zitate: 

Prof. Dr. Andreas Rosenwald, Direktor des Instituts für Pathologie der Universität Würzburg: „Die zunehmende Komplexität der molekularen Diagnostik mit Hochdurchsatzverfahren bis hin zur Genomsequenzierung stellt auch unsere Disziplin, die Pathologie, aus der diese Untersuchungen ja kommen, vor große Herausforderungen. Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir mit Hilfe dieser Netzwerkförderung auch in der personalisierten Krebsmedizin unsere ‚Lotsenfunktion‘ für Therapieentscheidungen stärken und ausbauen können.“

Prof. Dr. Ralf Bargou, Direktor des Comprehensive Cancer Center Mainfranken: „Die Teilnahme am Deutschen Netzwerk für Personalisierte Medizin (DNPM) sowie die Zertifizierung als Zentrum für Personalisierte Medizin am CCC Mainfranken stellt einen Meilenstein in der Etablierung einer zukunftsfähigen und innovativen Versorgungs- und klinischen Forschungs-Infrastruktur für Krebspatienten am Uniklinikum Würzburg und in unserer Region dar.“ 

Dr. Silke Appenzeller Leitung der Bioinformatik am Comprehensive Cancer Center Mainfranken: „Aufgrund der immensen genomischen Datenmengen, die gegenwärtig bei der Durchführung von Hochdurchsatzsequenzierungen von Patientenmaterial generiert werden, ist die Bioinformatik für eine sorgfältige Datenverarbeitung unerlässlich. Erst die valide bioinformatische Aufarbeitung, unter Berücksichtigung neuster Software und Qualitätsstandards, gewährleistet eine korrekte Interpretation und Diskussion der detektierten Biomarker im interdisziplinären Team des Molekularen Tumorboards. Die Bioinformatik ist demnach grundlegend für die Erarbeitung individueller Behandlungskonzepte nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.“

Prof. Dr. Volker Kunzmann, Leiter der Medizinischen Onkologie am Comprehensive Cancer Center Mainfranken: „Die Präzisionsonkologie auf der Basis hochkomplexer molekularer Diagnostik eröffnet vielen Krebspatienten aus der gesamten Region völlig neue Behandlungsperspektiven. Die Teilnahme am  Deutschen Netzwerk für Personalisierte Medizin (DNPM) sowie die Zertifizierung als Zentrum für Personalisierte Medizin stellen hierfür die optimalen Rahmenbedingungen dar und sichern einheitliche Qualitätsstandards.“ 

Links: 

Förderprojekt des Gemeinsamen Bundesausschusses: DNPM – Deutsches Netzwerk für Personalisierte Medizin - G-BA Innovationsfonds

Personalisierte Medizin am Comprehensive Cancer Center Mainfranken: https://www.med.uni-wuerzburg.de/ccc/krebsbehandlung/personalisierte-medizin/