Aktuelle Pressemitteilungen

Kennen Sie Ihr ABCDE-Profil?

Kidney Health for All, lautet das Motto des diesjährigen Weltnierentages am 10. März. Wissenslücken sollen geschlossen werden, um die Nierenversorgung zu verbessern. Das Universitätsklinikum Würzburg schließt sich diesem Motto gern an und stellt eine wichtige Frage, die hilft, Nieren- aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig zu entdecken: Kennen Sie Ihr ABCDE-Profil?

Diese Frage sollten alle Männer ab 40 Jahren und alle Frauen nach der Menopause oder ab 50 Jahren bejahen können. A steht für Albuminurie, B für Blutdruck, C für Cholesterin, D für Diabetes und E für eGFR-Status. Das ABCDE-Profil kann mit F für Fettleibigkeit fortgesetzt werden, auch ein N für Nikotin sollte auftauchen. Das ABCDE-Profil liefert Hinweise auf ein mögliches Risiko für Nieren-, aber auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die genauen Prognosen sollen Patienten und Ärzte dazu anregen, frühzeitig vorbeugende Maßnahmen einzuleiten. Denn sowohl für die Herzinsuffizienz als auch für die Niereninsuffizienz gilt: Je eher die Erkrankungen erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln.

Komplexes Zusammenspiel von Herz und Niere

Neue Entwicklungen gehen übrigens dahin, Herz- und Niereninsuffizienz nicht mehr getrennt voneinander zu betrachten. Jeder zweite Herzinsuffizienz-Patient hat eine chronische Nierenerkrankung. Und viele Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz haben ein schwaches Herz. Je nach Ursprung ist oft von einem kardiorenalen oder renokardialen Syndrom die Rede (lateinisch ren für Niere). Das Zusammenspiel von Herz und Nieren ist wesentlich komplexer, sodass Mediziner inzwischen von der Nephrokardiologie sprechen. Nephrokardiologen stellen nicht mehr das auslösende Organ in den Vordergrund, sondern das dominante Krankheitsbild, welches zuerst behandelt werden muss. 

Geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) ist wichtiger Marker 

Doch inwiefern schwächen sich Herz und Nieren gegenseitig? Ein schwaches Herz pumpt schlecht. Die Nieren werden nicht mit ausreichend Blut versorgt und ihre Glomeruli filtrieren weniger Primärharn aus dem Blut ab, was eine verminderte glomeruläre Filtrationsrate (GFR) zur Folge hat. Die GFR wird durch das E aus dem ABCDE-Profil abgedeckt. Das „e“ steht für „estimated“ - eGFR. Das heißt, die GFR wird anhand des Serumkreatinins, Alters, Geschlechts und der Hautfarbe geschätzt. Der Normalwert liegt bei 90 bis 130 Milliliter pro Minute. Die Nieren reagieren auf diese Unterversorgung mit Blut, in dem sie mehr vom hormonähnlichen Renin freisetzen. Dieses bringt den Kreislauf wieder in Schwung, erhöht den Blutdruck und damit auch den Filtrationsdruck in den Nieren. Gleichzeitig wird das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) aktiviert. Das RAAS verengt die Gefäße, Blutdruck und Blutvolumen steigen immer weiter und damit auch der Druck auf Herz und Nieren.

Nieren leiden leise

Die wenigsten wissen oder spüren, dass ihre Herzen oder Nieren immer schwächer werden. Denn die Symptome sind anfangs nicht spezifisch. Und vor allem die Nieren leiden leise. Eine Nierenerkrankung geht ohne Schmerzen einher. Umso mehr begrüßt die Europäische Nierengesellschaft (ERA), dass die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) inzwischen in ihren neuen Leitlinien empfiehlt, beim Screening auf kardiovaskuläre Risikofaktoren immer auch die Marker für eine Nierenerkrankung zu berücksichtigen. „Damit erkennt sie die chronische Nierenerkrankung als starken und unabhängigen Risikofaktor für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung an“, betont Prof. Dr. Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie am Universitätsklinikum Würzburg und Präsident der ERA. Bislang sei die Unsichtbarkeit der Chronischen Nierenerkrankung als klinische Diagnose ein großes Hindernis für die Umsetzung von Strategien zur Verringerung des Herz-Kreislauf-Risikos. In einer schwedischen Kohorte wurde zum Beispiel bei mehr als 50.000 Personen mit einer Nierenerkrankung nur bei 23 Prozent eine tatsächliche Diagnose vom behandelnden Arzt in den elektronischen Gesundheitsakten registriert. 

Albumin-Bestimmung mit UACR-Test

Ein frühes Erkennen einer beginnenden Nierenschädigung ist neben der eGFR auch durch die Bestimmung des Eiweißes Albumin im Urin möglich und wichtig. Denn Nierenschäden können aufgehalten, aber nicht rückgängig gemacht werden. Ein Urinschnelltest mit einem klassischen Urinstreifen gibt erste Hinweise. „Noch genauer ist ein UACR-Test - Urin Albumin zu Creatinin-Ratio. Mit dem Labortest wird das Verhältnis von Albumin- und Kreatininkonzentration im Urin gemessen“, schildert Christoph Wanner. „Idealerweise bietet jeder Hausarzt, Diabetologe und Kardiologe regelmäßig diesen in der Handhabung sehr einfachen und sauberen Labortest an. Der Patient bringt ein vorher verteiltes Urinröhrchen seines Morgenurins mit zum Arzt.“ 

Ebenso wichtig ist es natürlich auch, bei Nierenpatienten das kardiovaskuläre Risiko genau abzuklären. Herz-Kreislauf-Komplikationen bei Patienten mit einer Niereninsuffizienz machen den Medizinern oft größere Sorgen als Nierenkomplikationen allein. Letztendlich sterben die meisten Nierenpatienten nicht aufgrund ihrer Niereninsuffizienz, sondern an einem Herz-Kreislauf-Ereignis. 

Weitere Informationen zur Nierengesundheit liefert ein kurzer Aufklärungsfilm der Europäischen Nierengesellschaft ERA auf der Präventionswebseite www.strongkidneys.eu. 

Fastenzeit-Aktion am Uniklinikum Würzburg: Gute Nachrichten gesucht

Das ökumenische Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg lädt auch in diesem Jahr wieder zu einer Fastenzeit-Aktion ein: An zwei Holzkreuzen in der Magistrale des Zentrums für Operative Medizin und in der katholischen Klinikkapelle können bis Karfreitag gute Nachrichten festgehalten werden.

Am 5. März startete das ökumenische Seelsorgeteam seine diesjährige Fastenzeit-Aktion am Uniklinikum Würzburg (UKW). In der Magistrale des Zentrums für Operative Medizin (ZOM), nahe des Raums der Stille, und in der katholischen Klinikkapelle steht jetzt bis zum Karfreitag jeweils ein mit einem Regenbogen verziertes Holzkreuz. Dort können Patientinnen und Patienten, Besucherinnen und Besucher sowie Klinikumsbeschäftigte gute Nachrichten hinterlassen. Dazu stehen vor Ort bunte, mit Klebepads versehene Papierkarten bereit. „Wir wollen versuchen, die aktuellen Hiobsbotschaften und Kriegsmeldungen zwar wahrzunehmen und als Wirklichkeit stehen zu lassen, aber daneben unsere Aufmerksamkeit bewusst auf ‚Good News‘ auszurichten – auf freudige Nachrichten um uns herum, die uns aufbauen und Kraft schenken“, erläutert die Klinikumsseelsorgerin Marion Mack. Als Anregung und um das Nachdenken über das viele Positive im Alltag in bestimmte Richtungen zu lenken, steht jede Fastenwoche unter einem eigenen Thema, das an den Kreuzen per Aushang mitgeteilt wird.

Universitätsmedizin unterstützt Flüchtlinge aus der Ukraine

Die Deutsche Hochschulmedizin begrüßt ausdrücklich die Entscheidung der Innenminister der EU-Mitgliedstaaten, den aus der Ukraine Geflüchteten einen vorübergehenden Schutzstatus zu gewähren. Universitätsklinika und Medizinische Fakultäten stehen für die Unterstützung von Patientinnen und Patienten sowie Studierenden bereit.

Prof. Dr. Jens Scholz, 1. Vorsitzender des VUD, betont: „Als öffentliche Krankenhäuser der Maximalversorgung stehen Universitätsklinika in einer besonderen Verantwortung. Wir beteiligen uns an der medizinischen Versorgung von Kriegsversehrten und Geflüchteten. Insbesondere für Schwerkranke, z.B. Kinder mit Krebserkrankungen, deren Therapien in der Ukraine aufgrund des Krieges nicht fortgesetzt werden können, stehen die deutschen Universitätsklinika mit ihrer Expertise bereit. Auch einer Verlegung schwerstkranker Patienten, wie wir sie während der COVID-Pandemie erfolgreich innerhalb und außerhalb Deutschlands durchgeführt haben, stehen wir offen gegenüber.“

Prof. Dr. Matthias Frosch, Präsident des MFT, fügt hinzu: „Die Medizinischen Fakultäten sind mit den Ländern in Gesprächen, inwiefern geflüchtete Studierende ihr Studium der Medizin und Zahnmedizin in Deutschland fortsetzen können oder wie wir sie anderweitig unterstützen können. Zudem gilt unsere Solidarität allen russischen Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die den Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilen und sich klar von dem russischen Aggressor distanzieren.“

Kontakt:

Deutsche Hochschulmedizin e.V.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stephanie Strehl-Dohmen/ Dr. Christiane Weidenfeld
Alt-Moabit 96, 10559 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 3940517-25
E-Mail: strehl-dohmen@ uniklinika.de; weidenfeld@ mft-online.de 
www.deutsche-hochschulmedizin.de

 

Pressemitteilung der Deutschen Hochschulmedizin e.V. vom 4. März 2022

 

 

Krebs: Wenn Viren und Bakterien zusammenarbeiten

Infektionen mit mehreren Erregern gleichzeitig erhöhen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Würzburg an künstlichen 3D-Gewebe-Modellen.

Patientinnen, die an Gebärmutterhalskrebs erkranken, sind häufig nicht nur mit dem humanen Papillomavirus (HPV), sondern gleichzeitig auch mit dem bakteriellen Erreger Chlamydia trachomatis infiziert. Es besteht daher der Verdacht, dass die beiden Erreger in einer Art Team zusammenarbeiten, um die von ihnen infizierten Zellen so „umzuprogrammieren“, dass sie entarten und sich unkontrolliert vermehren.

Dr. Cindrilla Chumduri, Forschungsgruppenleiterin am Lehrstuhl für Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), und ihr Team haben nun erstmals nachgewiesen, dass es sich dabei nicht nur um einen Verdacht, sondern um einen konkret nachweisbaren Effekt handelt.

Sie haben lebensechte Organnachbildungen – so genannte 3D-Organoide – entwickelt, an denen sie die Wechselwirkungen zwischen den Krankheitserregern und den von ihnen befallenen Geweben sowie die Krankheitsprozesse untersuchen. Die Ergebnisse ihrer Forschung hat die Gruppe in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Mehrfachinfektionen verändern Zellen.

„Unsere Studie verwendet Organoid-Modelle, um die Gefahr von Mehrfachinfektionen zu zeigen. Diese schaffen eine einzigartige zelluläre Mikroumgebung, die möglicherweise zur Umprogrammierung von Geweben und damit zur Entstehung von Krebs beiträgt“, fasst Chumduri das zentrale Ergebnis ihrer Untersuchungen zusammen. Dazu hat die Infektionsbiologin mit Zellen von gesunden Spendern ein nahezu physiologisches Organoid-Modell des Gebärmutterhalses geschaffen.

Dabei konzentriert sich ihre Forschung auf zwei Gewebetypen: Zum einen die sogenannte Ektozervix – der Teil der Gebärmutterhalsschleimhaut, der in die Vagina hineinragt. Und zweitens die Endozervix – der Teil der Schleimhaut, der den Gebärmutterhals weiter innen auskleidet und die Verbindung zur Gebärmutter herstellt. Ihre wesentliche Aufgabe ist es, das Eindringen von Krankheitserregern in die Gebärmutter zu verhindern und so dazu beizutragen, den oberen weiblichen Fortpflanzungstrakt steril zu halten.

Warum interessiert sich Chumduri besonders für diese beiden Gewebearten? „Die Bereiche, in denen Ekto- und Endozervix ineinander übergehen, bilden eine Übergangszone und sind besonders anfällig für Infektionen und Neoplasmen“, erklärt sie. Die meisten Gebärmutterhalskrebserkrankungen haben dort ihren Ursprung, fügt sie hinzu.

HPV und Chlamydien: eine bösartige Allianz

Dass sich Chumduri und ihr Team in ihrer Forschung auf die Erreger HPV und C. trachomatis konzentrieren, hat gute Gründe: „Diese gehören zu den am weitesten verbreiteten sexuell übertragbaren Krankheitserregern“, erklärt Dr. Stefanie Koster, eine der Erstautorinnen der Studie, hinzu. Dass HPV Krebs verursachen kann, ist längst erwiesen. Deshalb können sich seit 2007 auch Mädchen in Deutschland dagegen impfen lassen - und jetzt auch Jungen.

Tatsächlich lässt sich die Virus-DNA in mehr als 90 Prozent aller Gebärmutterhalskrebsfälle nachweisen. Sie sind aber nicht der alleinige Verursacher, wie die Tatsache zeigt, dass sich zwar mehr als 80 Prozent der Frauen im Laufe ihres Lebens mit HPV infizieren, aber nicht einmal zwei Prozent an Krebs erkranken. Man geht daher davon aus, dass die Koinfektion mit C. trachomatis ein wichtiger Kofaktor bei der Entstehung von bösartigem Gewebe ist. „Die Dynamik dieser Koinfektion und die zugrundeliegenden Mechanismen waren jedoch bisher weitgehend unbekannt", fügt Dr. Rajendra Kumar Gurumurthy, ein weiterer Erstautor der Studie, hinzu.

Das Problem sei, dass „im Gegensatz zu Tumorviren, deren DNA in Tumoren gefunden werden kann, mit Krebs assoziierte Bakterien selten nachweisbare Elemente in Krebszellen hinterlassen“, erklärt Chumduri. Um jedoch Bakterien mit der Krebsentwicklung in Verbindung zu bringen, sei es notwendig, die zellulären und mutationsbedingten Prozesse zu identifizieren, die dazu beitragen, dass Zellen pathologische Veränderungen erfahren. Chumduri und ihr Team haben nun genau diese Prozesse in den von ihnen entwickelten Organoiden systematisch entschlüsselt.

3D-Organoide eröffnen neue Forschungsmöglichkeiten

Das Ergebnis: „Unsere Analysen zeigen, dass HPV und Chlamydien eine einzigartige zelluläre Umprogrammierung des Wirts verursachen“, erklärt die Wissenschaftlerin. Mehrere Gene werden von den beiden Erregern auf unterschiedliche Weise hoch- oder herunterreguliert, was mit spezifischen Immunantworten verbunden ist. Unter anderem beeinflussen die Erreger eine signifikante Teilmenge aller regulierten Gene, die für die Reparatur von DNA-Schäden verantwortlich sind.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass „die Ko-Persistenz von HPV und Chlamydien in einer Stammzelle die zelluläre und genomische Stabilität beeinträchtigen und das Fortschreiten von Neoplasmen fördern könnte“, so das Fazit der Studie.

Gleichzeitig liefert die Studie den ersten Beweis dafür, dass die von Dr. Chumduris Gruppe entwickelten 3D-Organoide des Gebärmutterhalses für die Untersuchung verschiedener Aspekte der Biologie des Gebärmutterhalses geeignet sind, einschließlich der Prüfung von Medikamenten unter nahezu physiologischen Bedingungen. Die Kultivierbarkeit dieser Organoide und die Möglichkeit, sie genetisch zu manipulieren, eröffnen somit neue Wege zur Untersuchung der Entwicklung, des Verlaufs und der Folgen chronischer Infektionen in einem authentischen präklinischen Umfeld.

Originalpublikation

Modelling Chlamydia and HPV co-infection in patient-derived ectocervix organoids reveals distinct cellular reprogramming. Stefanie Koster, Rajendra Kumar Gurumurthy, Naveen Kumar, Pon Ganish Prakash, Jayabhuvaneshwari Dhanraj, Sofia Bayer, Hilmar Berger, Shilpa Mary Kurian, Marina Drabkina, Hans-Joachim Mollenkopf, Christian Goosmann, Volker Brinkmann, Zachary Nagel , Mandy Mangler, Thomas F. Meyer, Cindrilla Chumduri. Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-022-28569-1

Kontakt

Dr. Cindrilla Chumduri, Lehrstuhl für Mikrobiologie, T: +49 931 31 86531, cindrilla.chumduri@ uni-wuerzburg.de

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 1. März 2022

Studieninfotag der Universität

Von Anglistik bis Zahnmedizin – mit einem Online-Studieninfotag am Dienstag, 8. März, will die Universität alle Studieninteressierten bei der Entscheidung für das richtige Studienfach unterstützen.

Geballte Informationen über die zahlreichen Studiengänge an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg gibt es beim Online-Studieninfotag am Dienstag, 8. März 2022. Studieninteressierte können von 8 bis 15 Uhr viele Eindrücke vom Studium sammeln. Die Teilnahme ist frei, eine Anmeldung nicht nötig.

Vorträge und offene Fragestunden

Die Vorträge des Infotags laufen über die Videoplattform Zoom. Viele Fachbereiche und zentrale Einrichtungen bieten zusätzlich offene Fragestunden an.

Von 15 bis 19 Uhr stellen Studienbotschafterinnen und Studienbotschafter ihre Studienfächer vor. Sie alle sind Studierende der JMU, die im Projekt uni@school über das Studium informieren, zum Beispiel bei Besuchen in Schulen. Das Projekt wird gefördert von der Bundesagentur für Arbeit und der Handwerkskammer Service GmbH. Die Botschafterinnen und Botschafter stehen auch an den zwei Tagen nach dem Studieninfotag online für Fragen bereit, also am Mittwoch und Donnerstag, 9. und 10. März, jeweils von 15 bis 19 Uhr.

Weitere Informationen findet man auf der Webseite des Online-Studieninfotags 2022. 

Hier erhalten Sie auch weitere Informationen zu Medizin und Zahnmedizin. 

Wer schon im Sommersemester 2022 an der JMU studieren will: Die Einschreibung für zulassungsfreie Studiengänge ist ab sofort bis zum Semesterstart am 25. April möglich. Mehr Informationen auf der Webseite der Uni unter wuestart.uni-wuerzburg.de 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 1. März 2022

Würzburger Universitätsmedizin: Neuer Experte stärkt die Psychoonkologie

Als neuem Leiter des Schwerpunkts Psychosomatik, Psychotherapie und Psychoonkologie am Uniklinikum Würzburg ist es Prof. Dr. Imad Maatouk wichtig, dass in der modernen Hochleistungsmedizin auch die psychische Gesundheit der Menschen und ihrer Angehörigen beachtet und gefördert wird.

Abbildung von Prof. Imad Maatouk
Prof. Dr. Imad Maatouk leitet den Schwerpunkt Psychosomatik, Psychotherapie und Psychoonkologie an der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg. Bild: Daniel Peter / Uniklinikum Würzburg

Seit Anfang November vergangenen Jahres hat Dr. Imad Maatouk die Professur für Medizinische Psychosomatik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) inne. In dieser Funktion leitet er auch den Schwerpunkt Psychosomatik, Psychotherapie und Psychoonkologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Würzburger Uniklinikums. Vor seinem Wechsel nach Unterfranken war er als Leiter verschiedener Psychotherapiestationen und der Sektion Psychoonkologie an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik des Universitätsklinikums Heidelberg sowie am dortigen Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen tätig.

Bisherige Karriere in Heidelberg

Geboren in Bad Homburg vor der Höhe und aufgewachsen in Dortmund, studierte Imad Maatouk ab dem Jahr 1999 Humanmedizin an der Georg-August-Universität Göttingen. Als sehr prägend empfand er zudem einen rund einjährigen Studienaufenthalt an der Université Réné Descartes in Paris. Dort beeindruckte ihn vor allem die starke, verantwortungsvolle Einbindung der Medizinstudierenden in die klinische Versorgung. „Schon vor Beginn des Studiums entwickelte ich ein großes Interesse an den Zusammenhängen zwischen psychischen, körperlichen und sozialen Gegebenheiten“, berichtet der Mediziner. Während seiner Hochschulzeit hätte er sich auch vorstellen können, Allgemeinarzt zu werden. Stattdessen schlug er den Ausbildungsweg zum Internisten ein, als er im Jahr 2007 als Assistenzarzt an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik in Heidelberg startete. Rotationen führten ihn dabei auch in die Kardiologie und Gastroenterologie.

Seine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin ergänzte er im Jahr 2019 mit dem Erwerb des Facharztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. „In der Psychosomatik treffen sich meine Interessen“, erläutert Maatouk. Dabei ist ihm seine Stellung als ärztlicher Psychotherapeut wichtig: „Die internistische ärztliche Sozialisation ist im Umgang mit den Patienten und bei der Kommunikation mit den Behandelnden sehr hilfreich, da man das System kennt, dieselbe Sprache spricht und auch die Perspektive der Kollegen erlebt hat“, so der Professor.

Hauptthema: Psychische Belastungen und Erkrankungen bei Krebs

Ein Hauptthema im Schwerpunkt Psychosomatische Medizin an der Medizinischen Klinik II ist die Psychoonkologie. Ein Bereich, auf den er sehr gut vorbereitet ist – nicht zuletzt, weil hier die Heidelberger Klinik als seine vorherige Ausbildungs- und Arbeitsstelle eine bundesweite Vorreiterrolle einnimmt. „In der Psychoonkologie behandeln wir psychische und psychosomatische Erkrankungen einschließlich den Belastungen, die durch eine Krebserkrankung entstanden sind“, beschreibt der Experte und präzisiert: „Schon die Diagnose Krebs ist für alle Patientinnen und Patienten ein Schock. Hinzu kommen häufig auch Ängste.“ Verbreitet seien ferner Schuldgefühle, die sich bei der selbstgestellten Frage nach dem Grund der Erkrankung entwickeln können.

Nach seinen Erfahrungen sind viele Betroffene in der Lage, diese Herausforderungen und Krisen durch eigene Ressourcen und unterstützt von Familie sowie betreuenden Ärztinnen und Ärzten gut durchzustehen. Es gibt aber eine große Gruppe, die stärker belastet ist: Bei etwa einem Drittel der Krebspatientinnen und -patienten entsteht eine manifeste psychische Krankheit – meistens Angsterkrankungen oder Depressionen. „Diese brauchen eine intensivere psychotherapeutische Beratung und Behandlung“, unterstreicht Prof. Maatouk. Hierbei kommen auch Medikamente und Entspannungsverfahren zum Einsatz.

Gute Erfahrungen mit onlinebasierten Therapien

In vielen Fällen sei es wichtig, die psychoonkologischen Unterstützungsangebote zunächst möglichst niederschwellig zu gestalten. Maatouk: „Dazu gehören zum Beispiel die am Uniklinikum Würzburg bereits sehr gut etablierten Yoga- und Achtsamkeitskurse.“ Er selbst hat darüber hinaus gute Erfahrungen mit den von ihm und seiner Heidelberger Arbeitsgruppe in den letzten Jahren entwickelten onlinebasierten Therapien gemacht. Die digitalen Programme enthalten Module, welche die Patientinnen und Patienten für sich selbst bearbeiten können, kombiniert mit einer persönlichen Betreuung per Video oder über einen schriftlichen Austausch. „Für Menschen, die zunächst Hemmungen haben, mit jemanden aus dem ‚Psych-Fach‘ zu reden, kann das Online-Angebot auch ein Türöffner für folgende persönliche Gespräche sein“, weiß Prof. Maatouk. Er plant, ähnliche Programme auch in Würzburg ins Leben zu rufen.

Behandlung im stationären Rahmen, teilstationär und ambulant möglich

Er und das Team des Würzburger Schwerpunkts betreuen zum einen Patientinnen und Patienten während ihres stationären Aufenthalts in der Medizinischen Klinik II. Zum anderen ist auch eine ambulante und teilstationäre Betreuung möglich. Für letztere steht die von Prof. Maatouk geleitete Interdisziplinäre Psychosomatische Tagesklinik zur Verfügung. Diese wird von der Medizinischen Klinik II zusammen mit dem Zentrum für Psychische Gesundheit (ZEP) des Uniklinikums Würzburg (UKW) betrieben. „Wir wollen die jetzt schon intensive Zusammenarbeit mit dem ZEP in Zukunft auch in anderen Bereichen noch weiter ausbauen“, kündigt der Schwerpunktleiter an. Ein weiterer wichtiger Partner ist für ihn das psychoonkologische Team des am UKW angesiedelten Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken. Insgesamt lobt der Neuzugang das aus seiner Sicht einzigartige kooperative Klima vor Ort: „Ich freue mich über die vielfältigen Anknüpfungspunkte und die große Offenheit, die der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie bisher an allen Stellen entgegengebracht wird. Würzburg ist ein idealer Standort, um die Psychosomatik als Teil der Hochleistungsmedizin gemeinsam mit den starken Partnern in die Zukunft zu führen.“

Neben den Krebspatientinnen und -patienten will Prof. Maatouk auch deren Angehörige verstärkt in den Blick nehmen. „Diese sind in ähnlicher Weise von psychischen Belastungen betroffen, nehmen aber zu einem wesentlich geringeren Anteil psychosoziale Unterstützung in Anspruch, weil sie ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen“, berichtet der Schwerpunktleiter. Nach seinen Worten ist hier geplant, ein familientherapeutisches Angebot aufzulegen, das sich speziell auch um die Familien mit minderjährigen Kindern von Krebserkrankten kümmert.

Wichtige Forschungsbausteine

Unter den vielfältigen Forschungsschwerpunkten des Professors hat am UKW zunächst die psychoonkologische Versorgungsforschung oberste Priorität. In diesem Zusammenhang leitet er zum Beispiel die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte LIFT-Studie, welche die Versorgung bei krebsbedingter Fatigue untersucht. Weiterhin ist er Teilprojektleiter in dem vom Bundesforschungsministerium geförderten ADDRESS-Verbund, der die psychosoziale Versorgung bei Krebsprädispositionssyndromen analysieren und verbessern will. „Diese Leuchtturmprojekte sind essentielle Bausteine für unser geplantes Nationales Centrum für Tumorerkrankungen“, unterstreicht Prof. Dr. Hermann Einsele, der Direktor der Medizinischen Klinik II des UKW. Das sogenannte NCT WERA wird derzeit unter Federführung der JMU, des UKW und des CCC Mainfranken eingerichtet – im Verbund mit den Universitäten und Universitätsklinika in Erlangen, Regensburg und Augsburg. Prof. Einsele ist der Würzburger Standortkoordinator des neuen Centrums, das die Erforschung von Krebs vorantreiben und möglichst vielen Patientinnen und Patienten Zugang zu den neuesten Behandlungsmethoden verschaffen will.

Neben der Psychoonkologie ist Prof. Maatouk auch ein ausgewiesener Experte bei der Erforschung der Prävention psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz, speziell im Gesundheitswesen.

Gesundheits-Staatssekretärin Sabine Dittmar besucht Uniklinik Würzburg

Experten stellen Arbeit des Adipositas-Zentrums und spezielles Nachsorgeprogramm „ACHT“ vor

Staatssekretärin Sabine Dittmar (3.v.r.) bei ihrem Besuch an der Uniklinik Würzburg.
Staatssekretärin Sabine Dittmar (3.v.r.) bei ihrem Besuch an der Uniklinik Würzburg. Im Mittelpunkt standen neue Versorgungsformen in der Adipositas-Therapie. Foto: UKW/S. Dreising

Sabine Dittmar, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, besuchte am Freitag (25.02.) das Universitätsklinikum Würzburg. Sie informierte sich über die Arbeit des Adipositas-Zentrums an der unterfränkischen Uniklinik. Dort arbeiten Expertinnen und Experten verschiedener Fachdisziplinen eng zusammen.

Das Adipositas-Zentrum, die Deutsche Stiftung für chronisch Kranke und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns stellten der Staatssekretärin speziell das Projekt „ACHT“ vor. Hier werden Patientinnen und Patienten in einem 18-monatigen Programm mit Unterstützung einer App, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Ernährungsberaterinnen und –beratern und Sportmedizinern engmaschiger und heimatnäher betreut, als es bisher in der Nachsorge möglich ist. „Hier arbeiten die verschiedenen Akteure eng und übergreifend zusammen. Davon profitieren die Patienten enorm“, so Prof. Dr. Martin Fassnacht, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie am UKW.

Für die Patientinnen und Patienten stehen seit Beginn des vom Innovationsfonds geförderten Projektes u.a. Adipositas-Lotsinnen zur Verfügung. Sie sind Hauptansprechpartner und vermitteln zwischen den verschiedenen Akteuren. Die strukturierte Nachbetreuung von Patientinnen und Patienten nach einer Adipositas-Operation wird im Rahmen des Projektes an sechs bayrischen Adipositaszentren auf ihren Nutzen getestet. 

 

Staatssekretärin Sabine Dittmar (3.v.r.) bei ihrem Besuch an der Uniklinik Würzburg.
Staatssekretärin Sabine Dittmar (3.v.r.) bei ihrem Besuch an der Uniklinik Würzburg. Im Mittelpunkt standen neue Versorgungsformen in der Adipositas-Therapie. Foto: UKW/S. Dreising