Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinikum Würzburg: Patientenfürsprecherin Sylvia Opel mit großem Dank verabschiedet

Für Sylvia Opel endete am 29. Juni dieses Jahres ihre zwölfjährige Tätigkeit als Patientenfürsprecherin des Uniklinikums Würzburg. Der Klinikumsvorstand dankt ihr herzlich für ihre wichtige Vermittlerrolle zwischen Patient und Krankenhaus.

 

Sylvia Opel arbeitete in den letzten zwölf Jahren als Patientenfürsprecherin am Uniklinikum Würzburg (UKW). Am 29. Juni 2020 endete für sie diese ehrenamtliche Tätigkeit. Patientenfürsprecherinnen und -fürsprecher fungieren als weisungsfreie Anlaufstelle bei Fragen, Wünschen und Beschwerden von Krankenhauspatienten und deren Angehörigen. Bei der Verabschiedung lobte und dankte Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW: „Sylvia Opel genoss durch ihre Unabhängigkeit und ihre zugewandte Art bei unseren Patienten und Beschäftigten gleichermaßen größtes Vertrauen. Ein Wert, den man gar nicht hoch genug schätzen kann, denn gegenseitiges Vertrauen und eine offene Kommunikation gehören zu den Grundlagen einer erfolgreichen Behandlung.“

Sylvia Opel war von 1958 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2004 im Patientenmanagement des UKW tätig. Im Juli 2008 startete sie als Patientenfürsprecherin. Im Jahr 2013 ehrte sie der damalige bayerische Gesundheitsminister Marcel Huber mit dem „Weißen Engel“, einer Auszeichnung, die besondere ehrenamtliche Verdienste im Gesundheitsbereich würdigt.
Die Nachfolge von Sylvia Opel treten Brigitte Paul und Albert Fischer an. Zu erreichen sind sie unter Tel: 0931/201-55078 oder E-Mail: patientenfuersprecher@ ukw.de

 

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Das Projekt „ACHT – Adipositas Care & Health Therapy“ zur Nachsorge nach einer chirurgischen Adipositasbehandlung ist mit den ersten eingeschlossenen Patienten erfolgreich in die Umsetzungsphase eingetreten. Die medizinische Leitung des Vorhabens liegt beim Interdisziplinären Adipositaszentrum des Uniklinikums Würzburg.

„Wir erleben leider immer wieder Patienten, die nach einer gut verlaufenen Adipositas-Operation auf Dauer große Probleme bekommen, zum Beispiel mit einer Mangelversorgung“, berichtet Prof. Dr. Martin Fassnacht. Der Leiter der Endokrinologie am Uniklinikum Würzburg (UKW) und Mitarbeiter des dortigen Interdisziplinären Adipositaszentrums fährt fort: „Um hier effektiv vorzubeugen und auf Dauer den Erfolg des chirurgischen Eingriffs zu sichern, brauchen wir ein strukturiertes Nachsorgekonzept.“ Der Entwicklung eines solchen Konzepts widmet sich das im Juli vergangenen Jahres gestartete Projekt „ACHT – Adipositas Care & Health Therapy“. Nachdem es durch die Corona-Pandemie Verzögerungen bei der weiteren Umsetzung gab, konnte das Programm kürzlich mit den ersten Patientinnen und Patienten in Würzburg starten.

Ein breit aufgestelltes Vorhaben

Hinter ACHT steht ein von der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke (DScK) geleitetes Konsortium. Darin kooperieren das Helmholtz Zentrum München, die AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, die symeda GmbH sowie die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Die Kernstruktur bilden sieben bayerische Adipositaszentren, darunter das Interdisziplinäre Adipositaszentrum des UKW. Medizinischer Leiter des Projekts ist Prof. Fassnacht. Ein Expertenbeirat aus themennahen Verbänden und Vereinen sowie der Medizintechnik unterstützt das Vorhaben.

Hilfreiche Lotsen und unterstützende App

Die Adipositaszentren wollen gemeinsam mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten bayernweit eine strukturierte, disziplinen- und sektorenübergreifende Nachsorge nach bariatrisch-metabolischen Operationen (siehe Kasten) etablieren. „Herzstück dabei sind die sogenannten Adipositas-Lotsen“, schildert Dr. Bettina Zippel-Schultz von der DScK und verdeutlicht: „Diese verknüpfen mit Hilfe einer digitalen Fallakte alle Beteiligten miteinander, motivieren die Patienten und stehen ihnen mit gutem Rat zur Seite.“ Außerdem wird den Teilnehmer/innen eine Adipositas-App zur Verfügung gestellt.

Viele positive Patienten-Feedbacks

Die bisherigen Reaktionen der ersten, allesamt bei der AOK Bayern versicherten Patienten sind durchweg positiv. So kommentierte beispielsweise der Projektteilnehmer Markus Stephan: „Es ist sehr beruhigend, dass es bei Fragen oder Komplikationen einen direkten Ansprechpartner gibt. Die kontinuierliche und individuelle Lotsen-Betreuung und die ACHT-App unterstützen mich beim Einhalten der Empfehlungen in den Bereichen Ernährung, Sport und Bewegung sowie bei der Einnahme der Supplemente – das hat mich überzeugt.“
Das auf dreieinhalb Jahre angelegte Vorhaben wird im Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) mit rund 4,6 Millionen Euro gefördert.
Weitere Details zu „ACHT – Adipositas Care & Health Therapy“ gibt es unter www.acht-nachsorge.de.



Kastentext:

Status quo nach bariatrisch-metabolischen Operationen

Bariatrisch-metabolische Operationen, wie der Magenbypass oder der Schlauchmagen, sind die aktuell wirksamste Behandlungsoption bei krankhaftem Übergewicht (Adipositas). Für einen nachhaltigen Therapieerfolg ist nach einem solchen Eingriff eine langfristige Nachsorge und lebenslange Betreuung wichtig. Auch mögliche postoperative Komplikationen, Ernährungsprobleme oder Mangelzustände müssen rechtzeitig identifiziert und behandelt werden. Da es hierfür noch keine strukturierten Nachsorgeprogramme im ambulanten Bereich gibt, versorgen meist die jeweiligen Adipositaszentren die Patienten weiter.

 

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Uniklinikum Würzburg: 170 Herzen gegen Schmerzen

Ein weiteres Mal war die Ochsenfurter Handarbeitsgruppe St. Thekla für die Brustkrebspatientinnen des Uniklinikums Würzburg fleißig: Kürzlich wurden an der Frauenklinik erneut 170 selbstgefertigte Herzkissen angeliefert, die nun an brustoperierte Frauen verschenkt werden.

Die Näherinnen des St. Thekla Handarbeitstreffs aus Ochsenfurt sind „Wiederholungstäterinnen“ – seit dem Jahr 2012 beliefern sie die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) im Rahmen ihrer Aktion „Herzen gegen Schmerzen“ immer wieder mit Herzkissen. Auch während der Corona-Pandemie waren die Damen wieder aktiv, so dass vor wenigen Tagen erneut 170 der kunterbunten Stoffkissen die Klinik erreichten.
„Wir verschenken die Herzen auf Wunsch in erster Linie an operierte Brustkrebspatientinnen“, berichtet Prof. Dr. Achim Wöckel, der Direktor der Frauenklinik. Diese tragen die Kissen zumeist unter dem Arm. „Diese spezielle Lagerung wird von vielen Frauen als sehr angenehm empfunden – zum Beispiel bei bewegungsabhängigen Schmerzen, unter denen manche Brustkrebspatientinnen nach einem chirurgischen Eingriff in der Achselhöhle leiden“, weiß Prof. Wöckel. Hinzu kommt ein emotionaler Aspekt: Für viele der Empfängerinnen ist das mit erkennbar viel Liebe gefertigte Geschenk auch ein Ausdruck der zwischenmenschlichen Solidarität.

Mittlerweile knapp 2.700 Kissen ans UKW geliefert

Die nützlichen und formschönen Helfer werden von den Näherinnen genau nach Vorschrift gefertigt, damit beispielsweise der richtige Härtegrad des Herzens präzise eingehalten wird. „In jedem Kissen steckt etwa eine halbe Stunde an Arbeitszeit“, schildert Claudia Zeller vom St. Thekla Handarbeitstreff. Auch nach den in den letzten acht Jahren produzierten, insgesamt fast 2.700 Herzkissen sind sie und ihre Mitstreiterinnen voll motiviert. „Bei der tollen Resonanz, die uns von den Patientinnen erreicht und der Wertschätzung, die uns von Prof. Wöckel und seinem Team entgegengebracht wird, kann das von unserer Seite her gerne noch lange so weitergehen.“ Auch Prof. Wöckel ist von der Kooperation begeistert: „Die Herzkissen sind für mich ein mustergültiges Beispiel für ein höchst sinn- und wertvolles ehrenamtliches Engagement, für das ich mich bei den Ochsenfurter Handarbeiterinnen im Namen unserer Patientinnen ein weiteres Mal aufs Herzlichste bedanke.“

Manche der neuen Herzkissen-Besitzerinnen möchten sich mit einer kleinen Spende für das Geschenk erkenntlich zeigen. Diese geht nach dem Willen der Näherinnen an den Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“.

 

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Würzburger Nephrologe Christoph Wanner ist Präsident des Europäischen Nierenverbandes

Mit dem virtuellen Kongress der „Europäischen Gesellschaft für Nephrologie“ (ERA-EDTA - European Renal Association – European Dialysis and Transplant Association) hat die Amtszeit von Prof. Dr. Christoph Wanner als Präsident begonnen. Das Universitätsklinikum Würzburg gratuliert dem Leiter der Nephrologie in der Medizinischen Klinik und Poliklinik I ganz herzlich zu dieser neuen Position.

Der Leiter der Nephrologie am Universitätsklinikum Würzburg, Prof. Dr. Chris-toph Wanner, ist seit Juni 2020 Präsident der europäischen nephrologischen Fachgesellschaft ERA-EDTA. © ERA-EDTA

Die Ziele der Europäischen Gesellschaft für Nephrologie, die ihren Sitz in London hat, sind die Weiterentwicklung der medizinischen Wissenschaft durch Förderung grundlegender und klinischer Fortschritte auf dem Gebiet der Nephrologie, Dialyse, Nierentransplantation, Hypertonie und verwandten Themen. Dazu sollen die Ausbildung und berufliche Weiterentwicklung gefördert werden, ebenso wie ambitionierte Kooperationen zwischen europäischen Forschern.

„Das interessante an der Aufgabe ist, den Weg des Europäischen Nierenverbandes für die nächsten drei Jahre zu gestalten und auszurichten“, sagt Christoph Wanner. „Wer ist schon ein vollkommener Visionär“, fährt Wanner fort, „aber im Moment sehe ich die Forderung, zukünftig die Weiterbildung der 9.000 Mitglieder auch virtuell attraktiv zur Verfügung zu stellen.“ Wanner bringt hier einige Voraussetzungen mit, kennt er doch die Gesellschaft und deren Geschäftsstelle als langjähriges Vorstandsmitglied, Mitglied der Leitlinienkommission und ehemaliger Leiter des Europäischen Dialyseregisters.

Auf der Agenda stehen außerdem die Zusammenarbeit mit EU-Kommission und EU-Parlament sowie die generelle Öffentlichkeitsarbeit, um die Bevölkerung auf chronische Nierenerkrankungen, deren Prävention, Diagnose und Behandlung zu erhöhen.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) begrüßt eine enge Zusammenarbeit. „Wir freuen uns, mit Prof. Wanner einen Ansprechpartner aus den eigenen Reihen an der Spitze der europäischen Nephrologie zu haben“, erklärt DGfN-Präsident Professor Jan Galle anlässlich der Nominierung. „Es ist wichtig, dass sich die Nephrologie international vernetzt, um eine höhere öffentliche Aufmerksamkeit und mehr gesundheitspolitisches Gewicht für Nierenerkrankungen zu erhalten.“

 

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Uniklinikum Würzburg: Intensivstationen zum Kaffee eingeladen

Als Anerkennung für ihre Leistungen in der Corona-Pandemie spendierte die Kaffeerösterei Röstfreunde den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Intensivstationen des Uniklinikums Würzburg kiloweise frischen Filterkaffee.

Während den Hochzeiten der Corona-Pandemie erreichten über einige Wochen hinweg rund zehn Kilo röstfrischer Gratis-Filterkaffee die chirurgische und die anästhesiologische Intensivstation des Uniklinikums Würzburg (UKW). Gespendet wurde der aromatische Wachmacher von der Kaffeerösterei Röstfreunde aus Randersacker. Deren Inhaber Falco Winschel erklärt: „Bei der Aktion ging es uns einfach darum, den dort vielfach unter hohem Stress arbeitenden Menschen mal eine kleine Freude zu machen.“ Eine Idee, die bei den Empfängerinnen und Empfängern sehr gut ankam. „Kaffee ist für viele Kolleginnen und Kollegen fast schon ein Lebenselixier“, schmunzelt Dr. Mark Engel. Der Leiter der chirurgischen Intensivstation fährt fort: „Neben dem Trinkgenuss freuen wir uns besonders über dieses Zeichen der Anerkennung für unseren Beitrag zur Covid-19-Bekämpfung.“

 

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Pressemitteilung der Universität Würzburg: Antidepressivum hemmt Coronavirus

Ein gängiges Medikament gegen Depressionen bietet sich möglicherweise auch als Mittel zur Behandlung von Covid-19 an. Das zeigt eine neue Studie Würzburger Wissenschaftler, die jetzt auf einem Preprint-Server veröffentlicht wurde.

Seit mehr als vier Jahrzehnten wird der Wirkstoff Fluoxetin beim Menschen zur Behandlung von Depressionen und weiteren psychischen Erkrankungen eingesetzt. Jetzt könnte das Medikament auch im Kampf gegen Covid-19 zum Einsatz kommen. Wie eine Studie von Virologen und Chemikern der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) zeigt, hemmt Fluoxetin die Vermehrung der Viren vom Typ SARS-CoV-2 deutlich. Nach Ansicht der Wissenschaftler bietet es sich deshalb vor allem zur frühen Behandlung von infizierten Patienten an, die einer der bekannten Risikogruppen angehören.

Verantwortlich für diese Studie sind Professor Jochen Bodem und sein Team vom Institut für Virologie und Immunbiologie der JMU; unterstützt wurden sie von Professor Jürgen Seibel vom Institut für Organische Chemie. Die Ergebnisse ihrer Arbeit haben die Wissenschaftler jetzt auf dem Preprint-Server bioRxiv veröffentlicht.

Wirkstoffsuche unter Zeitdruck

Seit Dezember 2019 breitet sich SARS-CoV-2 rund um den Erdball aus. Weltweit wurden bislang mehr als sieben Millionen Infizierte registriert und mehr als 400.000 Todesfälle. Bei der Behandlung schwer erkrankter Patienten ist Remdesivir immer noch das einzige Medikament, das gezeigt hat, dass es den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Weitere, im Idealfall besser wirksame Substanzen sind deshalb dringend gesucht, und weltweit arbeiten Forscher mit Hochdruck an dieser Aufgabe.

Das Problem dabei: Bevor neue Wirkstoffe beim Patienten zum Einsatz kommen, müssen sie diverse Stufen klinischer Studien durchlaufen, die sehr zeitaufwändig sind. Weil diese Zeit fehlt, haben die Würzburger Wissenschaftler einen anderen Weg gewählt: „Wir haben uns in unseren Untersuchungen auf bereits zugelassene Medikamente konzentriert und erforscht, ob diese sich als wirksame Inhibitoren von SARS-CoV-2 eignen“, erklärt Jochen Bodem.

Ein Medikament zeigt Wirkung

So genannte „Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer“ (SSRI) standen im Mittelpunkt einer ihrer Studien. SSRI bilden eine der bedeutendsten Wirkstoffgruppen gegen Depressionen und weitere psychische Erkrankungen. Fluoxetin beispielsweise wurde in den 1970-Jahren in Kliniken eingeführt und ist ein sehr gut erforschtes Medikament.
Im Labor haben die Wissenschaftler nun menschliche Zellen mit dem Wirkstoff in Kontakt gebracht in Konzentrationen, die üblicherweise bei der Therapie von Depressionen erreicht werden. Anschließend wurden die Zellen mit SARS-CoV-2 infiziert. Nach einigen Tagen wurde die Auswirkung auf das Virus kontrolliert. Die Ergebnisse sind vielversprechend: „Fluoxetin hemmt SARS-CoV-2 bereits in einer sehr geringen Konzentration“, sagt Bodem.


Eingriff in die Proteinexpression

Verantwortlich dafür scheint allerdings nicht die eigentliche Aufgabe von Fluoxetin zu sein – der Eingriff in den Serotin-Wiederaufnahme-Prozess. Dafür spricht unter anderem die Tatsache, dass in der Studie andere Medikamente aus der Gruppe der SSRI wie Paroxetin und Escitalopram die Vermehrung von SARS-CoV-2 nicht behinderten. Die antivirale Wirkung hängt also nicht mit dem Serotonin-Wiederaufnahme-Rezeptor zusammenhängt. Stattdessen hemmt Fluoxetin die Proteinexpression in dem Virus, wie Untersuchungen mit Immunfluoreszenz an einem vom Patienten gewonnenen Antiserum zeigten. Es hindert damit das Virus daran, die Bausteine zu bilden, die es für seine Vermehrung in der menschlichen Zelle benötigt.

Was die Studie ebenfalls zeigt: Fluoxetin wirkt sehr speziell auf Viren vom Typ SARS-CoV-2. Bei anderen Viren, wie etwa dem Tollwutvirus, dem Humanen Respiratorischen Synzytial-Virus, dem humanen Herpesvirus 8 oder dem Herpes-simplex-Virus Typ 1, konnten die Wissenschaftler keine Effekte beobachten. „Es spricht also alles dafür, dass Fluoxetin virusspezifisch wirkt, dennoch muss die Wirkung im Erkrankten bestätigt werden“, so der Virologe.

Seit mehr als 40 Jahren im klinischen Einsatz, gut erforscht, das Patent längst abgelaufen, von verschiedenen Firmen erhältlich und relativ günstig. Aus Sicht der Wissenschaftler spricht danach vieles dafür, Fluoxetin bei der frühen Behandlung von SARS-CoV-2-infizierten Patienten in Heilversuchen und Studien einzusetzen, zumal bekannt ist, dass Fluoxetin die Zytokin-Ausschüttung stark vermindert und somit einen zusätzlichen Nutzen für Erkrankte hätte.

Originalpublikation

The serotonin reuptake inhibitor Fluoxetine inhibits SARS-CoV-2. Melissa Zimniak, Luisa Kirschner, Helen Hilpert, Juergen Seibel, Jochen Bodem. doi: 10.1101/2020.06.14.150490. Posted June 14, 2020. https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.06.14.150490v1

Hinweis: Im Moment befindet sich die Studie im Peer-Review-Prozess und wird von externen Experten bewertet.

Kontakt

Prof. Dr. Jochen Bodem, Institut für Virologie und Immunbiologie, T: +49 931 31-81509, jochen.bodem@ vim.uni-wuerzburg.de

 

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Pressemitteilung des Rudolf-Virchow-Zentrums: Kryptischen Peptiden auf der Spur

Mit einer neu entwickelten Methode konnten Forscher der Universität Würzburg in Kooperation mit dem Uniklinikum Würzburg erstmals tausende spezieller Peptide auf der Oberfläche von Zellen identifizieren. Sie konnten zeigen, dass diese sogenannten kryptischen Peptide zu einem bedeutenden Anteil Tumorzellen markieren. Diese Erkenntnisse könnten einen neuen Ansatzpunkt für Krebs-Immuntherapien liefern und wurden in der renommierten Fachzeitschrift Cancer Immunology Research veröffentlicht.

Fast alle Zellen des menschlichen Körpers präsentieren auf ihrer Oberfläche Bruchstücke zellulärer Proteine, sogenannte humane Leukozyten-Antigene oder HLA-Peptide, die bei der Immunantwort eine wichtige Rolle spielen. Entdeckt das Immunsystem ihm fremde HLA-Peptide, wie etwa virale Peptide auf einer Virus-infizierten Zelle oder mutierte Peptide auf einer Tumorzelle, eliminieren T-Zellen die entsprechende Zelle. Die Gesamtheit der auf einer Zelle präsentierten HLA-Peptide bezeichnet man als das Immunpeptidom der Zelle.

Neuer Ansatz ermöglicht erstmals umfassende Analyse

Neben den gewöhnlichen HLA-Peptiden gibt es auch kryptische HLA-Peptide. Diese stammen von bestimmten RNA-Sequenzen ab, die nicht wie sonst üblich Informationen für ein bestimmtes Protein enthalten. In den letzten Jahrzehnten wurden lediglich vereinzelt kryptische HLA-Peptide ermittelt, da diese zum einen sehr klein sind und in den Zellen schnell abgebaut werden. Zum anderen fehlten effiziente Computerprogramme für die Analyse.

In einem völlig neuen Ansatz kombinierten die Würzburger Wissenschaftler nun mehrere Analysemethoden, die speziell für kleine Peptide gut geeignet sind. „Mit Hilfe einer von uns entwickelten, neuartigen bioinformatischen Methode konnten wir erstmalig tausende kryptische HLA-Peptide in den Immunpeptidomen unterschiedlichster Tumore wie Melanom und Brustkrebs identifizieren“, erklärt Dr. Andreas Schlosser, Forschungsgruppenleiter am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg.

Der neue bioinformatische Ansatz basiert ausschließlich auf Daten der Massenspektrometrie, einer Methode zur Massebestimmung von Molekülen, wie z.B. Peptiden. Dadurch ist es jetzt möglich die kryptischen HLA-Peptide systematisch und umfassend zu ermitteln. Zudem ließ sich klären, auf welchen Zellen und in welchem Ausmaß kryptische Peptide vorkommen: „Wir konnten zeigen, dass kryptische HLA-Peptide einen signifikanten Teil der Immunpeptidome von Tumoren ausmachen“, erläutert Prof. Dr. Florian Erhard, Arbeitsgruppenleiter am Institut für Virologie der Universität Würzburg.

Wirkungsvolle Angriffspunkte für das Immunsystem

Aus einzelnen Studien war bereits bekannt, dass kryptische Peptide sowohl Autoimmunreaktionen wie Diabetes Typ-1 als auch Immunantworten gegen Tumorzellen auslösen können. Die neuen Analysen liefern Hinweise darauf, dass bestimmte kryptische HLA-Peptide ausschließlich auf Tumorzellen zu finden sind. Solche tumorspezifische kryptische HLA-Peptide könnten sich somit als lohnende Zielstrukturen für Krebs-Immuntherapien erweisen. Die Wissenschaftler der Universität Würzburg und des Universitätsklinikums Würzburg untersuchen bereits eine Auswahl der identifizierten Peptide daraufhin, ob sie sich als Angriffspunkte für die Krebs-Immuntherapie eignen.
Auch Virus-infizierte Zellen präsentieren kryptische HLA-Peptide, die als Zielstruktur bei Impfungen eingesetzt werden könnten. Mit ihrer neuen Methode halten die Forscher somit ein wirkungsvolles Werkzeug in der Hand, um mehr über die generelle Funktion und die Entstehung kryptischer Peptide zu erfahren. „Wir hoffen, mit unserem bioinformatischen Ansatz ein besseres Verständnis von Autoimmunreaktionen sowie Immunreaktionen gegen Tumorzellen und Virus-infizierte Zellen zu erhalten“, sagt Schlosser.

Publikation

Florian Erhard, Lars Dölken, Bastian Schilling, Andreas Schlosser: Identification of the cryptic HLA-I immunopeptidome Cancer Immunology Research (Juni 2020) doi: 10.1158/2326-6066.CIR-19-0886.

Personen

Prof. Dr. Florian Erhard ist Leiter einer Forschungsgruppe am Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg.

Dr. Andreas Schlosser ist Leiter einer Forschungsgruppe am Rudolf-Virchow-Zentrum Center for Integrative and Translational Bioimaging der Universität Würzburg.

Kontakt

Dr. Andreas Schlosser (AG Schlosser, Rudolf-Virchow-Zentrum)
Tel: +49 931 31-86888, andreas.schlosser@ virchow.uni-wuerzburg.de

Dr. Judith Flurer (Pressestelle, Rudolf-Virchow-Zentrum)
Tel.: +49 931 31-85822, judith.flurer@ uni-wuerzburg.de

 

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