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Uniklinikum Würzburg: Erster italienischer Corona-Patient geheilt entlassen

Am 16. April dieses Jahres konnte der erste am Uniklinikum Würzburg versorgte italienische Corona-Patient kuriert die Heimreise antreten. Im Folgenden ein Überblick über die organisatorischen, ärztlichen und pflegerischen Leistungen, die zu diesem Erfolg führten.

Am 31. März 2020 kam Giacomo C. am Uniklinikum Würzburg (UKW) an – im künstlichen Koma und über einen Schlauch in seiner Luftröhre beatmet. 17 Tage später, am 16. April, verließ er auf eigenen Beinen, bei gutem Allgemeinzustand sowie bester Dinge das Würzburger Großkrankenhaus. Der 61-Jährige aus der Region Bergamo war der erste Corona-Patient aus Italien, der am UKW behandelt wurde. „Ich bin glücklich, dass Herr C. die schwere Covid-19-Infektion so gut überstanden hat und stolz auf die Leistungen unserer Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte“, freute sich Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, bei der Verabschiedung des Patienten. Der Norditaliener selbst dankte allen an seiner Genesung Beteiligten herzlich für die hervorragende Versorgung.

Nach der Entlassung von Giacomo C. sind aktuell noch zwei weitere italienische Corona-Patienten am UKW in Behandlung. Diese Unterstützung des durch die Pandemie stark belasteten Gesundheitssystems Italiens geht zurück auf ein Hilfsangebot der Bayerischen Staatsregierung.

Wie seine beiden Landsleute war Herr C. vor rund drei Wochen zunächst mit dem Flugzeug nach Nürnberg transportiert und von dort aus mit einem Intensivtransport-Krankenwagen – begleitet von Ärzten des Uniklinikums – nach Würzburg gebracht worden. Hier wurde er zunächst auf der Anästhesiologischen Intensivstation aufgenommen. Seit 29. März dieses Jahres sind alle zwölf Betten dieser Station ausschließlich Corona-Patienten vorbehalten.

Belastendes Arbeiten in Schutzausrüstung

„Die Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte der Intensivstation sind natürlich in der Behandlung von Patienten mit Akutem Lungenversagen äußerst erfahren“, berichtet Prof. Dr. Patrick Meybohm, der Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie des UKW. Zusätzlich wurden die Beschäftigten Anfang März dieses Jahres von einer Hygienefachkraft des Klinikums im Einsatz der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) geschult. Diese besteht aus einem flüssigkeitsundurchlässigen Kittel, extra langen Handschuhen, einem durchsichtigen Gesichtsschutz – dem sogenannten „Face Shield“ – sowie Atemmasken in den höchsten Sicherheitsstufen. „Man kann sich leicht vorstellen, dass die mehrstündige Arbeit unter PSA sehr anstrengend ist“, sagt Sonja Nebl, die Stellvertretende Pflegeleiterin der Anästhesie-Intensivstation, und zählt auf: „Man schwitzt stark unter diesen Kitteln, bekommt durch die Masken schlechter Luft und sieht erschwert, da der Augenschutz – und eventuell die optische Brille darunter – oft beschlägt sowie mit der Zeit durch die Desinfektion matt wird.“ Zudem können die Atemschutzmasken und das Face Shield zu Druckstellen sowie die Handschuhe und die vermehrte Händedesinfektion zu Hautreizungen führen.

Neben den körperlichen Belastungen sind für die Pflegekräfte auch die psychischen und mentalen Herausforderungen, die sich aus diesem neuen Krankheitsbild ergeben, groß. Sonja Nebl: „Es ist extrem wichtig, die Zeit am Patientenbett bestmöglich auszuschöpfen, um dann außerhalb des Patientenzimmers durchatmen zu können. Dazu müssen wir mehr denn je vorrausschauend arbeiten – auch um Materialressourcen zu schonen. Dies erfordert eine sehr hohe Konzentration über einen langen Zeitraum.“ Nach Einschätzung der Stellvertretenden Pflegeleiterin hat sich der pflegerische Arbeitsaufwand auf der Intensivstation mit der Fokussierung auf die schwerstkranken Covid-19-Patienten im Vergleich zum „Normalbetrieb“ mindestens verdoppelt.

Sprachbarriere und Orientierung als zusätzliche Herausforderungen

Die Aufwachphase nach dem künstlichen Koma hält für Patienten und Personal weitere Herausforderungen bereit. In dieser Krankheitsphase sind die Kranken häufig noch vorübergehend verwirrt. „Dazu kommt, dass unsere Patienten, die momentan alle keine Besuche bekommen dürfen, ab der Aufwachphase nur vermummtes medizinisches Personal sehen, das durch die Schutzmasken akustisch schwer zu verstehen ist“, beschreibt Sonja Nebl und fährt fort: „Für ‚unsere‘ Italiener ist diese Situation besonders krass: Neben der Sprachbarriere müssen sie ja auch erst mal verstehen, dass sie in Italien in Narkose versetzt wurden und dann hier bei uns in Franken wieder aufgewacht sind.“

Komplexes Krankheitsbild in den Griff bekommen

Das von der Corona-Infektion bei Giacomo C. hervorgerufene Krankheitsbild und die dadurch erforderlichen Therapieschritte waren nach Darstellung von Prof. Dr. Patrick Meybohm sehr schwierig. Der Klinikdirektor erläutert: „Das Lungenversagen haben wir durch eine Fortsetzung der aufwändigen künstlichen Beatmung kompensiert. Hinzu kamen Kreislauf- und Blutdruckprobleme, eine Beinvenenthrombose, ausgelöst durch eine Störung des Gerinnungssystems, sowie eine leicht eingeschränkte Nierenfunktion.“ Durch die Gabe entsprechender Medikamente, verbunden mit einer engen Überwachung, konnte das Team der Intensivstation diese Krankheitssymptome soweit verbessern, dass nach zwei Tagen die künstliche Beatmung beendet und der Patient nach zwei weiteren Tagen auf die Station M43 verlegt werden konnte.

Weitere Versorgung auf Infektionsstation

Bis zur Corona-Pandemie wurden auf dieser Station Patienten mit unterschiedlichen internistischen Erkrankungen betreut. „Aktuell sind die 20 Betten der Infektionsstation fast ausschließlich mit Covid-19-Patienen belegt“, schildert Dr. Susanne Wiebecke, die Stellvertretende Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie der Medizinischen Klinik II. Auch alle Klinikumsbeschäftigten auf der Infektionsstation müssen Persönliche Schutzkleidung tragen. Neben der pflegerischen Grundversorgung erhielt Giacomo C. hier anfänglich noch Unterstützung bei der Mobilisation und dann in erster Linie Physiotherapie als Behandlung. Nachdem der Patient im weiteren Verlauf dann zwei Tage lang symptomfrei war und das Institut für Virologie und Immunologie der Uni Würzburg keine Erreger mehr bei ihm nachweisen konnte, stand einer Entlassung des ersten italienischen Patienten nichts mehr im Wege.

Auch dem zweiten der Corona-Patienten aus Italien geht es schon so gut, dass er kurz vor seiner Entlassung in die Heimat steht. Der dritte Landsmann von Giacomo C. ist noch auf der Intensivstation und muss weiterhin beatmet werden.

 

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Neue Anlaufstelle für dicke Herzen

Es gibt viele Ursachen, die das Herz schwächen. Eine davon ist die Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM), eine meist angeborene Erkrankung, bei der die Muskulatur der linken Herzkammer verdickt ist und das Herz nicht ausreichend Blut aufnehmen und in den Körper pumpen kann. Etwa 150.000 Menschen in Deutschland sind davon betroffen, viele wissen es aber gar nicht. Einer, der seit vielen Jahren die Erkrankung erforscht und behandelt, ist Prof. Dr. Hubert Seggewiß. Mit ihm und seiner Kollegin Dr. Angelika Batzner wurde jetzt das Interdisziplinäre Team für die Diagnostik und Therapie von Patienten mit HCM an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I und am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) in Würzburg deutlich verstärkt. Führt eine medikamentöse Therapie nicht zum Erfolg, steht neben einer Operation auch eine Herzkatheter-geführte Ablation zur Verfügung. Mit dieser Ablation hat sich Seggewiß weltweit einen Namen gemacht.

Angelika Batzner und Hubert Seggewiß verstärken das Team im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz mit dem Schwerpunkt Hypertrophe Kardiomyopathie.

Trägt ein Patient Slipper, dann ist das für Angelika Batzner und Hubert Seggewiß schon das erste Indiz für eine Hypertrophe Kardiomyopathie, kurz HCM. Viele Betroffene haben Luftnot beim Vornüberbeugen, wie etwa beim Binden der Schnürsenkel. „Frühstück ist nicht mein Ding“, oder „Alkohol schmeckt mir nicht“ sind ebenfalls typische Aussagen von Patienten, die an der Unterform HOCM leiden. Das O steht für obstruktiv. Das bedeutet, dass der verdickte Muskel kurz vor der Aortenklappe den Auswurf des Blutes aus dem Herzen behindert. Etwa 70 Prozent der HCM-Betroffenen leiden darunter beziehungsweise arrangieren sich mit der Erkrankung, indem sie unangenehme Situationen unbewusst vermeiden.


Luftnot, Brustschmerzen, Engegefühl, Herzrasen
Nach dem Essen bekommen sie zum Beispiel häufig schlecht Luft, da weniger Blut ins Herz fließt, die Kammern werden enger. Brustschmerzen und Engegefühl sind die Folge. Bei Alkohol weiten sich die Gefäße, der Blutdruck fällt, das Herz rast. Typisch ist auch, dass man an einem Tag fünf Etagen problemlos hochlaufen kann, am nächsten Tag schon nach fünf Stufen schlappmacht. „Nach einer erfolgreichen Behandlung merken die Patienten oft, dass es ihnen bessergeht, ohne dass ihnen zuvor bewusst war, dass es ihnen schlecht ging. Sie haben sich gut angepasst,“ resümiert Angelika Batzner. Das sei jedoch tückisch, denn unbehandelt kann eine HCM zum plötzlichen Herztod führen. Angelika Batzner erwähnt als Beispiele die jungen Sportler, die plötzlich tot umfallen.

Die Kardiologin wollte eigentlich Allgemeinmedizinerin werden. Als sie im Rahmen ihrer Facharztausbildung jedoch ans Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt kam, wo Hubert Seggewiß von 2000 bis 2017 Chefarzt der Medizinischen Klinik I war, und sie auf einmal lauter Patienten mit einer Erkrankung sah, die sie vorher noch nie gehört oder gesehen hatte, war sie „angefixt von diesem superspannenden Krankheitsbild“, erzählt sie. Jetzt wird sie weiter von Seggewiß angelernt, sodass sie eines Tages in seine Fußstapfen treten und neben der Sprechstunde am DZHI auch die Katheterablationen an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I durchführen kann.

Herzmuskel verdünnt sich nach künstlichem Herzinfarkt
Seggewiß gilt als HOCM-Koryphäe. Einen Namen hat er sich vor allem in der Weiterentwicklung der perkutanen Alkoholseptumablation gemacht. Sie wird bei der HOCM eingesetzt. Ihnen kann eine Ablation das Leid oft nehmen und eine Operation am offenen Herzen ersparen. Dabei wird Alkohol in den Ast gespritzt, der die verdickte Muskulatur der Scheidewand versorgt. Dadurch wird ein kleiner künstlicher Herzinfarkt ausgelöst. Der Herzmuskel verdünnt und die Herzfunktion normalisiert sich. Wichtig sei, dass zuvor mittels Ultraschall und Kontrastmittel geprüft und gesteuert wird, wo der Alkohol hinfließt, damit nur das überflüssige Gewebe zerstört und die Bahn freigemacht wird. Seggewiß hat das Verfahren entscheidend weiterentwickelt und führt es seit 25 Jahren durch.  An die 100 Eingriffe hat er pro Jahr in Schweinfurt gemacht. Seit Februar 2016 ist er außerplanmäßiger Professor an der Universität Würzburg.

Synergien nutzen
„Wir freuen uns, der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit HCM gemeinsam mit der im DZHI und am Universitätsklinikum Würzburg gebündelten Kompetenz in Forschung, Diagnostik und Behandlung weiteren Auftrieb geben zu können“, sagt Prof. Dr. Seggewiß. Da die HCM größtenteils genetisch bedingt ist, bestehen wichtige Synergien mit dem Department Kardiovaskuläre Genetik am DZHI. Leiterin ist Prof. Dr. Brenda Gerull, die zugleich Sprecherin des Zentrums für Genetische Herz- und Gefäßerkrankungen am Uniklinikum Würzburg ist. Eine enge Zusammenarbeit soll zukünftig über die genetische Beratung von Betroffenen und deren Familien hinausgehen und auch die Forschung bereichern, wie zum Beispiel die Etablierung von personalisierten Stammzellmodellen für neue Therapien.

Auch das Labor-Team von Prof. Dr. Christoph Maack, Sprecher des DZHI, arbeitet bereits seit längerem an den Krankheitsmechanismen der HCM. „Die Genmutationen bei HCM steigern enorm den Energiebedarf des Herzens. Wir haben herausgefunden, dass hierdurch vermehrt Sauerstoffradikale in den Kraftwerken der Zellen, den Mitochondrien, entstehen. Und diese lösen Arrhythmien aus“, so Maack. In Modellsystemen konnten bereits Therapien, die in Mitochondrien angreifen, Arrhythmien verhindern. Zusammen mit Seggewiß und Batzner, sowie Prof. Stefan Störk, dem Leiter der Klinischen Forschung am DZHI, soll nun auch in klinischen Studien untersucht werden, ob durch Katheterablationen und medikamentöse Therapien der Energiebedarf abnimmt und hierdurch sich Herzfunktion und Beschwerden der Patienten verbessern. Hierbei sollen auch moderne Bildgebungsverfahren der Echokardiographie, Magnetresonanztomographie (MRT) und Nuklearmedizin am DZHI und UKW zum Einsatz kommen.


Sprechstunde für Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) am DZHI
Dienstag und Mittwoch von 8:00 Uhr bis 16:30 Uhr
Anmeldung in der Herzinsuffizienz-Ambulanz im DZHI bei Heike Hergenröder:
Telefon: +49 931 201-46267, E-Mail: DZHI-Ambulanz@ ukw.de


Selbsthilfe
Der Verein HOCM Deutschland e.V., dessen Gründungsmitglied Hubert Seggewiß ist, unterstützt Menschen mit hypertropher Kardiomyopathie und organisiert Selbsthilfegruppen: www.hocm.de


Aktuelle Publikation
Batzner, A., Seggewiß, H. Hypertrophe Kardiomyopathie. Herz (2020). https://doi.org/10.1007/s00059-020-04899-y

 

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Uniklinikum Würzburg: Neuer Kaufmännischer Direktor startet in schwierigen Zeiten

Der neue Kaufmännische Direktor des Uniklinikums Würzburg heißt Philip Rieger. Die Herausforderungen der Corona-Pandemie prägen seine ersten Dienstwochen.

Seit Anfang April dieses Jahres ist Philip Rieger der neue Kaufmännische Direktor des Uniklinikums Würzburg (UKW). Er trat die Nachfolge von Anja Simon an, die nach rund acht Jahren in dieser Position ans Universitätsklinikum Freiburg wechselte.

Von seiner akademischen Ausbildung her ist Philip Rieger Jurist. Im Anschluss an das Studium der Rechtswissenschaften in Konstanz, Lyon/Frankeich und Berlin arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leopold-Wenger-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach dem Referendariat wechselte er im Jahr 2008 als juristischer Beamter ins Bayerische Wissenschaftsministerium. „Im Rahmen einer ministerialen Beamtenlaufbahn ist es üblich, für mehr Praxiserfahrung an nachgeordnete Behörden ‚ausgeliehen‘ zu werden“, berichtet der gebürtige Schwabe. In seinem Fall war dies im Jahr 2012 das Klinikum der Universität München (KUM), das heutige LMU Klinikum. Als Referent des Vorstands hatte er Gelegenheit, aus einer übergeordneten Perspektive die vielfältigen Abläufe eines Universitätsklinikums kennenzulernen. „Die Verwaltung eines solchen Großkrankenhauses steht praktisch täglich vor sehr handfesten Herausforderungen, für die dann auch möglichst schnell praktikable Lösungen gefunden werden. Diese Dynamik hat mich sofort gefesselt“, erinnert sich der Jurist. Deshalb bewarb er sich erfolgreich auf die freiwerdende Stelle als Leiter der Personalabteilung des KUM und trat den Posten Anfang des Jahres 2013 an. Im selben Jahr wurde Philip Rieger zudem Stellvertreter des Kaufmännischen Direktors des KUM und Geschäftsführer der mit Reinigungsservices und Speisenversorgung betrauten Tochtergesellschaften des Klinikums. Diese Positionen füllte er bis zu seinem Wechsel nach Würzburg aus – ergänzt um eine Periode als kommissarischer Kaufmännischer Direktor von Ende 2016 bis Mitte 2017.

Übernahme einer wirtschaftlich gesunden Einrichtung

Sein neuer Arbeitgeber ist für den Kaufmännischen Direktor (KD) aus mehreren Gründen besonders attraktiv. „Zuallererst steht das Uniklinikum Würzburg bislang wirtschaftlich ausgezeichnet da. Es ist eines der wenigen Universitätsklinika in Deutschland, das in den vergangenen Jahren konsequent Überschüsse erzielte“, unterstreicht Rieger.

Ein weiterer Pluspunkt ist für ihn die vergleichsweise weit fortgeschrittene Digitalisierung. Ein Prozess, den auch er in Zukunft mit Nachdruck voranbringen will.

Als gemeinsamen Geniestreich von Politik und Klinikumsvorstand bezeichnet er den im vergangenen Jahr abgeschlossenen Erwerb des Erweiterungsgeländes Nord. „Natürlich sind allein bis zum Baubeginn noch viele Aufgaben zu meistern – aber wenn dann mal auf dem heutigen Ackerland ein topmoderner, wohlstrukturierter Gebäudekomplex zur Verfügung steht, ist damit über bessere Abläufe ein großes wirtschaftliches, aber natürlich auch medizinisches Potenzial verbunden“, ist sich der Kaufmännische Direktor sicher. Die alten Gebäude sind zu Zeiten von Corona besonders schwierig zu bewirtschaften.

Corona-Krise erfordert hohe Aufmerksamkeit

Seinen Empfang am UKW beschreibt Rieger als sehr offen und freundlich, „auch wenn die Corona-Krise persönliche Treffen erschwert und die stattdessen vielfach durchgeführten Videokonferenzen immer etwas Künstliches haben.“ Generell prägte und prägt die Pandemie seine ersten Wochen am UKW – in geschätzt einem Drittel seiner Arbeitszeit widmet er sich Problemen und Lösungen aus diesem Themenfeld. So nimmt der Direktor unter anderem an den täglichen Sitzungen der Klinikumseinsatzleitung teil. „Während dieser ein bis zwei Stunden geht es in einem sehr strukturierten Prozess um Fragen wie: Wie kommen wir an neue Beatmungsgeräte, Masken und Schutzausrüstung – und wie werden diese finanziert? Oder: Wie stellen wir sicher, dass immer ausreichend Personal da ist, um den Betrieb am Laufen zu halten, auch wenn unter den Beschäftigten Corona-Fälle auftreten?“, berichtet Rieger. Als besonders positiv empfindet er es da, dass am UKW Zuständigkeiten klar definiert sind – und auch sehr gut ausgefüllt werden. „Wir verfügen glücklicherweise über hoch motivierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gerade in dieser ungewöhnlichen Zeit kreativ mitdenken, gestalten und danach streben, sich in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich so gut wie nur irgend möglich zu bewähren“, lobt der KD.
In dieser Ausnahmesituation wird nach seiner Einschätzung die Bedeutung der Universitätsklinika deutlich. „Jetzt zeigt die Universitätsmedizin, was sie leisten kann und wie wichtig sie für die Versorgung unseres Landes ist. Dies erhöht zum einen die Wertschätzung in der Bevölkerung weiter. Zum anderen verdeutlicht es unseren Beschäftigten noch einmal, wie wichtig ihre Tätigkeit für unsere Gesellschaft ist. Last but not least denke ich, dass unser Engagement in der Krise auch unsere zukünftige Position bei politischen und weiteren Entscheidungsträgern stärkt“, so Rieger.

Die Wirtschaftlichkeit des Klinikums wird auf die Probe gestellt

Dies sei umso wichtiger, als die Corona-Krise die wirtschaftliche Lage des Klinikums extrem belastet. „Nach behördlicher Maßgabe behandeln wir derzeit nur unaufschiebbare sowie Corona-Fälle. Der restliche Patientenbetrieb, mit dem wir sonst unsere Erlöse generieren, wurde völlig zurückgefahren. Die Frage ist nun, wie wir uns in dieser Zeit finanzieren“, sagt der Kaufmännische Direktor. Zwar gebe es mit dem sogenannten Rettungsschirm ein erstes Programm zur Finanzierung der Krankenhäuser. Für die Universitätsklinika mit ihren hohen Vorhaltekosten und zahlreichen komplexen Behandlungen seien diese Programme jedoch nicht ausreichend. „Auch ohne Corona wächst durch Klinikbereiche, die nicht ausreichend finanziert sind, der wirtschaftliche Druck für die Universitätsklinika Jahr für Jahr“, bedauert Rieger.

Dessen ungeachtet gehört es zu seinen Hauptzielen, mit dem Klinikum weiter positive Jahresergebnisse zu erzielen. „Außerdem müssen wir uns bemühen, auch weiterhin als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Wichtig ist mir dabei, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei allen Entscheidungen mitzunehmen sowie die bislang am UKW gepflegte Kultur der Kommunikation und Wertschätzung fortzusetzen“, betont der Direktor.

 

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Corona: Auf der Suche nach der Schwachstelle

Die Würzburger Strukturbiologin Dr. Andrea Thorn leitet ein internationales Netzwerk zur Erforschung des Coronavirus. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind wesentlich für die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten.

Das Coronavirus – genau gesagt: SARS-CoV-2 – hält die Welt in Atem. Wie schafft es das Virus, an seine Wirtszelle im Körper des Menschen anzudocken? Auf welche Weise gelangt es in das Zellinnere? Wie nutzt es die Zellstrukturen für seine Vermehrung? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Hochdruck. Sie hoffen unter anderem, die entscheidende Stelle zu entdecken, an der sich der Vermehrungszyklus von SARS-CoV-2 mit einem neuen Wirkstoff blockieren lässt. Zwar ist vieles über diesen Prozess schon heute bekannt, doch im Detail mangelt es an vielen Stellen noch an Wissen.

Die fehlenden Details zu liefern: Diese Aufgabe hat sich Dr. Andrea Thorn gestellt. Gemeinsam mit ihrem Team leitet sie die „Coronavirus Structural Task Force“ – ein internationales Netzwerk von Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der Strukturbiologie. Ihr Ziel ist es, das bisher bekannte Wissen über die Molekülstrukturen des Coronavirus zu validieren und die noch offenen Lücken zu schließen oder – wie sie sagt: „Alles rausholen, was geht“.

Frau Dr. Thorn, wie groß sind denn die Lücken im Wissen über das jetzt grassierende Coronavirus? „Da gibt es leider noch viele ungeklärte Details. Auf atomarer Ebene ist längst nicht alles bekannt. Zwar wissen wir beispielsweise, dass das Virus-Erbgut 28 Proteine kodiert, die unterschiedliche Aufgaben beim Befall der Wirtszelle übernehmen. Sie unterdrücken etwa das Immunsystem oder programmieren die Zelle so, dass sie die Viren vermehrt. Von diesen 28 Proteinen kennt man aber nur von ungefähr der Hälfte die Strukturen - dabei sind die molekularen Strukturen potenzielle Angriffspunkte für Medikamente. Darüber hinaus interagiert das Virus mit rund weiteren 150 Proteinen der Wirtszelle. Darüber ist ebenfalls noch sehr wenig bekannt.“

Die Kunst, aus Daten ein exaktes Bild zu erzeugen

Strukturbiologen arbeiten – wie der Name bereits sagt – daran, die exakte Struktur großer biologischer Moleküle, wie beispielsweise von Proteinen, auf atomarer Ebene zu entschlüsseln und darzustellen. Die Synchrotron-Messungen, mit denen sie arbeiten, produzieren keine Bilder im landläufigen Sinne. Sie liefern stattdessen gewaltige Mengen an Daten. Die Kunst der Strukturbiologen besteht darin, aus diesen Daten dreidimensionale Modelle der Moleküle zu gewinnen. Anhand dieser Strukturen können beispielsweise Bioinformatiker gezielt nach Wirkstoffen suchen, die an die jeweiligen Moleküle andocken und diese blockieren. So können sie am Rechner in kurzer Zeit Tausende von Substanzen auf ihre mögliche Eignung untersuchen. Außerdem lassen diese Strukturen genaue Rückschlüsse auf die Funktion der Proteine, zum Beispiel bei der Infektion von Wirtszellen zu.


Forschung an SARS zu früh eingestellt

Parallel mit der Ausbreitung des neuen Coronavirus nimmt die Forschungsaktivität auf diesem Gebiet zu. Wöchentlich erhalten Andrea Thorn und ihr Team Informationen über neue Strukturen, die sie am Computer bearbeiten. Gleichzeitig durchforsten sie bereits vorhandene Daten, kontrollieren deren Validität oder verbessern bestehende Strukturlösungen. Denn Coronaviren – und speziell das SARS-Virus – sind keine neuen Entdeckungen. Bereits 2002/2003 hatte ein SARS-Virus eine Pandemie ausgelöst, an der weltweit fast 800 Menschen gestorben sind. Nachdem die Zahl der Neuinfizierten im Sommer 2003 stark zurückging, erklärte die WHO am 19. Mai 2004 die Pandemie für beendet.

Frau Dr. Thorn, das Coronavirus, mit dem wir es heute zu tun haben, ist nicht gänzlich unbekannt. Hilft Ihnen das bei Ihrer Arbeit? „Tatsächlich sind sich die beiden SARS-Coronaviren in ihrem Erbgut und ihren Molekülstrukturen sehr ähnlich. Dass die Krankheitsverläufe und das Ausbreitungsverhalten so stark voneinander abweichen, ist aber durch die Unterschiede bedingt. Wir arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, diese Unterschiede auch strukturell zu identifizieren. Leider hat man mit dem Ende der Pandemie vor 15 Jahren die Forschung an SARS-Viren wieder zurückgefahren. Hätte man die Forschung kontinuierlich fortgeführt, gäbe es möglicherweise heute ein wirksames Medikament.“

Suche nach einem geeigneten Medikament

An solch einem Medikament will Andrea Thorn in nächster Zeit forschen. Einen entsprechenden Antrag hat sie bereits gemeinsam mit Kollegen aus Lübeck und Berlin beim Bundesministerium für Bildung und Forschung eingereicht. Im Blickpunkt des Teams steht eine spezielle Protease – ein Enzym aus der Wirtszelle des Coronavirus, das dem Virus bei der Vermehrung hilft. Mithilfe eines Arzneimittel-Screenings hoffen die Wissenschaftler einen Stoff zu identifizieren, der diese Protease hemmt. Dann könnte das Virus keine weiteren Kopien seiner selbst mehr herstellen.

Wie lange SARS-CoV-2 noch die Welt in Atem hält, vermag auch Andrea Thorn nicht abzuschätzen. Von der Zukunft nach der Coronakrise hat sich aus Sicht der Wissenschaft allerdings sehr genaue Vorstellungen: „Wir haben bereits in den wenigen Wochen, die die Task Force jetzt existiert, gesehen, dass die verschiedenen Arbeitsgruppen eng zusammengerückt sind. Strukturbiologen und Modellentwickler haben eine neue Wissensbasis geschaffen und ihre Methoden verbessert. Diese Erfahrungen sind auf zukünftige Projekte übertragbar.“

Zur Person

Andrea Thorn hat an der Universität Erlangen Molecular Science studiert und anschließend an der Universität Göttingen promoviert. Weitere Stationen ihrer akademischen Laufbahn waren Cambridge, Oxford und die Universität Hamburg. Seit 2019 ist sie assoziierte Gruppenleiterin am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg als Teil der Forschungsgruppe von Professor Hermann Schindelin. Ihre Gruppe entwickelt Methoden und Software, um Strukturen aus experimentellen Daten zu lösen.

Die Coronavirus Structural Task Force hat Andrea Thorn ins Leben gerufen, kurz nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO die Ausbreitung des neuen Coronavirus zur Pandemie erklärt hatte. Mit dem gebündelten Wissen und den Fähigkeiten der Strukturbiologie will sie dazu beitragen, dem Virus Einhalt zu gebieten.

Kontakt

Dr. Andrea Thorn, T: +49 931 31-83677, andrea.thorn@ virchow.uni-wuerzburg.de 
Andrea Thorns Homepage: https://www.uni-wuerzburg.de/rvz/forschung/assoziierte-forschungsgruppen/ag-thorn/

Die Task Force-Homepage: www.insidecorona.de

 

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Corona stellt Sucht-Selbsthilfe vor große Probleme

Die Corona-Kontaktsperre verhindert die reguläre Gruppenarbeit der Sucht-Selbsthilfe-Partner des Uniklinikums Würzburg. Derzeit arbeiten alle Beteiligten mit Hochdruck daran, alternative Wege bei der Kommunikation und Unterstützung der Suchtkranken zu gehen.

„Die Kontaktbeschränkungen wegen des Coronavirus haben die Arbeit der mit dem Uniklinikum Würzburg kooperierenden Selbsthilfegruppen massiv erschwert, da persönliche Treffen vielfach von zentraler Bedeutung sind“, berichtet Gabriele Nelkenstock. Die externe Selbsthilfebeauftragte des Klinikums fährt fort: „Speziell die Suchthilfe steht aktuell vor besonders großen Herausforderungen“.

Kontaktsperre: Ein ideales Umfeld für Suchtmittelmissbrauch

Eine bundesweit agierende Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Alkohol- und Medikamentenabhängige ist der zum Deutschen Caritas-Verband gehörende Kreuzbund. In der Region Würzburg arbeitet der Kreuzbund eng mit der Würzburger Suchtselbsthilfegemeinschaft Phönix zusammen. Armin Reuther, der Leiter der Kreuzbundgruppe Kitzingen 1, findet deutliche Worte für die derzeitige Situation: „Die Corona-Pandemie schafft ein ideales Umfeld für Suchtmittelmissbrauch: Angst vor dem Unbekannten, fehlende Unterstützung, Isolation, finanzielle Unsicherheit und Langeweile begünstigen den Griff zum Suchtmittel.“ Die zum Infektionsschutz erlassene Kontaktsperre zwinge die Menschen dazu, mehr als sonst zu Hause zu bleiben. Die Gefahr für Suchtkranke, in alte Muster zu verfallen, sei gewaltig.

Auch Manfred Marold, der Leiter der Kreuzbundgruppe Lohr 1, macht sich große Sorgen über die Effekte des mangelnden Kontakts: „Über Jahre mit großem Engagement aufgebaute, gesundheitlich wirksame Strukturen, wie Gruppen-Gesprächsabende, Selbsthilfeinformationsdienste, Fortbildungen und gesellige Veranstaltungen müssen derzeit leider unterbleiben. Dabei sind gerade die Gruppengespräche ein unverzichtbarer Beitrag für das Gelingen unseres Alltags.“ Jeder Gruppenabend bedeute eine Kräftigung und Hilfestellung für die nächsten Tage und trage zur persönlichen Stabilisierung in der Suchterkrankung bei. Einige seiner Gruppenmitglieder haben nach seinen Worten sonst kaum soziale Kontakte. Für sie seien die nun fehlenden Treffen ein echter Verlust mit steigender Rückfallgefahr. Auch langfristige Folgen der Unterbrechung der Gruppenarbeit sind nach seinen Worten denkbar. „So mancher wird nach der längeren Pause, wie sie sich jetzt abzeichnet, vielleicht keine Motivation mehr haben, sich in einer Gruppe Hilfe zu suchen“, befürchtet Marold.

Ziel: Sichere virtuelle Räume schaffen

Welche Auswege aus der Misere gibt es? „Während der Corona-Krise ist die Selbsthilfe aufgefordert, den Kontakt zu den Gruppenmitgliedern in anderen Formen zu leben“, betont Susanne Wundling. Die pädagogische Mitarbeiterin des Aktivbüros der Stadt Würzburg berichtet: „Die Selbsthilfegruppen haben begonnen, Telefonketten zu bilden oder sich in Video- und Telefonkonferenzen zu treffen.“ Allerdings sei es trotz der Krisensituation wichtig, den Datenschutz nicht aus den Augen zu verlieren. „Das Aktivbüro der Stadt Würzburg und andere Selbsthilfekontaktstellen entwickeln deshalb momentan mit Nachdruck sichere virtuelle Räume, in welche die Gruppen ihre Treffen verlagern können“, schildert Wundling. Nach ihren Angaben werden in Kürze die ersten Onlinetreffpunkte zur Verfügung stehen.

Verstärkte Nutzung von Telefon und Sozialen Medien

Unabhängig davon haben sich auch die Suchthilfe-Gruppen der Region zwischenzeitlich schon um Lösungen bemüht. „Zwischen den Gruppenmitgliedern finden verstärkt Kontakte per Telefon und Sozialen Medien statt“, berichtet Armin Reuther. Darüber hinaus verweist er auf den deutschlandweiten Kreuzbund-Chat Sucht-Selbsthilfe unter www.kreuzbund.de. „Diese seit Anfang dieses Jahres existierende Austauschplattform wird von Suchtkranken oder deren Angehörigen moderiert, die über Gruppenerfahrungen in der Sucht-Selbsthilfe des Kreuzbundes verfügen“, schildert der Kitzinger Gruppenleiter. Manfred Marold empfiehlt ferner die „Mutmach-Börse“ der Selbsthilfekoordinationsstelle Bayern. Das Online-Angebot unter www.seko-byern.de will Anlaufstellen und kreative Möglichkeiten aufzeigen, die dabei helfen, Kontakte aufrechtzuerhalten, Netzwerke zu knüpfen und in dieser Zeit nicht die Hoffnung zu verlieren.

„Diese Kommunikationsmöglichkeiten können vielleicht dazu beitragen, die gruppenlose Zeit zu überbrücken und die negativen Folgen abzumildern“, hofft Manfred Marold und fährt fort: „Sollte es zu einem Rückfall kommen, steht uns leider nur die Möglichkeit von Telefonaten mit den Betroffenen selbst und deren Angehörigen zur Verfügung. Da wir eng mit den psychosozialen Beratungsstellen der Caritas und Suchthilfekliniken zusammenarbeiten, können wir weiterhin mithelfen, eine professionelle Hilfe zu organisieren.“

UKW: Erster digitaler Qualitätszirkel der Selbsthilfe

Am Uniklinikum Würzburg (UKW) sieht man die Herausforderungen der Pandemie auch als Chance, die Services der Selbsthilfe weiterzuentwickeln. „Als ‚Selbsthilfefreundliches Krankenhaus‘ versuchen wir – gemeinsam mit unseren Partnern und den Selbsthilfegruppen – jetzt verstärkt digitale Angebote zu erarbeiten“, sagt Gabriele Nelkenstock und ergänzt: „Auch nach der Coronakrise wollen wir diese Projekte weiter ausbauen. Ob zur Vernetzung über große Entfernungen hinweg, zur Kommunikation in Chats und Foren oder zur Verbesserung des eigenen Krankheitsmanagements – es ist richtig und wichtig, dass wir diese Chance auch langfristig nutzen.“ Als erstes Ergebnis dieser Bemühungen findet der nächste Selbsthilfe-Qualitätszirkel des UKW am 25. April 2020 als Videokonferenz statt. „Da die dafür erforderliche Software auf dem Server des Uniklinikums liegt, sind wir auch im Bereich des Datenschutzes auf der sicheren Seite“, unterstreicht die externe Selbsthilfebeauftragte des UKW.

 

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Versorgung von dringlichen Fällen und Notfällen am UKW ist gesichert

Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) werden seit mehreren Wochen Patienten mit COVID-19 Infektionen in größerem Umfang auf der Infektionsstation und den Intensivstationen behandelt.

Um weitere Kapazitäten für einen möglichen Massenanfall von COVID 19-Patienten vorzuhalten, ist die nicht notfallmäßige oder anderweitig dringende Patientenbehandlung deutschlandweit und so auch im UKW eingeschränkt.

Planbare Operationen und Eingriffe am Uniklinikum werden von den Ärztinnen und Ärzten der jeweiligen Kliniken differenziert bewertet und gegebenenfalls abgesagt.

Wichtig ist, dass dringliche Operationen und Eingriffe weiterhin durchgeführt werden – nicht nur die Versorgung von Notfällen!

Das Uniklinikum weist darauf hin, dass die Versorgung von Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen, auch die, die nicht mit COVID-19 verbunden sind, weiterhin auf dem üblichen hohen Niveau und ohne ein besonderes Risiko für eine Infektion im Krankenhaus gesichert ist.

Um die Sicherheit aller Patienten zu gewährleisten, hat das UKW umfassende Vorkehrungen getroffen: Diese gehen von umfassender Mundschutzpflicht, verstärkten Hygienemaßnahmen bis hin zu intensiver Aufklärung und Schulung der Mitarbeiter und schneller Reaktion auf veränderte Bedingungen/Vorgaben durch eine täglich tagende Task Force.

Patienten, die sich wegen ihrer Erkrankung in dauerhafter Behandlung des UKW befinden, werden gebeten, mit der für sie zuständigen Klinik zur Abstimmung der Behandlung Kontakt zu halten. Patienten, die akut Symptome aufweisen, die mit einer schwerwiegenden Erkrankung zusammenhängen könnten, werden dringend gebeten, mit ihrem Hausarzt und/oder direkt mit dem Notarzt Kontakt aufzunehmen und sich gegebenenfalls in die Klinik zu begeben.

Uniklinikum Würzburg: Breite seelsorgerische Betreuung auch während der Corona-Pandemie

Das Ökumenische Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg unterstützt auch unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie die Patienten, deren Angehörige und das Klinikpersonal.

Die Maßnahmen zum Infektionsschutz im Rahmen der Corona-Pandemie haben die Arbeit des Ökumenischen Seelsorgeteams am Uniklinikum Würzburg (UKW) zwar erschwert, aber keineswegs zum Erliegen gebracht. „Trotz des allgemeinen Besuchsverbots können wir auch weiterhin zu den Patienten gehen“, betont Pater Maximilian Bauer, der zusammen mit Pfarrer Jürgen Floß die Seelsorge am Klinikum leitet. Dafür wurde das Team nach seinen Worten von der Stabsstelle Krankenhaushygiene des UKW umfassend in den derzeit geltenden Hygieneregeln geschult. Für den Umgang mit Covid-19-Patienten erlernten die Seelsorgerinnen und Seelsorger ferner das sichere An- und Ablegen von Schutzkleidung. „Dass unsere Krankenbesuche auch in Corona-Zeiten so vergleichsweise reibungslos funktionieren, liegt nicht zuletzt auch an dem über viele Jahre aufgebauten Vertrauensverhältnis zum ärztlichen und pflegerischen Personal“, betont Pastoralreferent Christian Hohm, Mitglied des Ökumenischen Seelsorgeteams, das derzeit aus 14 Frauen und Männern besteht.

Viele Patienten leiden unter der Isolation

Bei den Gesprächen mit den Patienten offenbart sich dem Seelsorgeteam ein ganzes Bündel an Nöten. „Viele fragen sich sorgenvoll, wie die Entwicklung der Corona-Pandemie weitergeht und ob wir auch in Deutschland so schreckliche Zustände wie in Italien bekommen werden“, schildert Gemeindereferent Peter Kees. Viele litten zudem unter der Isolation und der damit einhergehenden Vereinsamung. „Wichtige Hoffnungsträger für die Genesung dürfen nicht kommen, es fehlt die Ansprache – und ein Telefongespräch ersetzt keinen Besuch“, unterstreicht Kees.

Durch eine persönliche Präsenz der Teammitglieder sind nicht nur Besuche im Krankenzimmer weiterhin möglich, sondern auch Segen und Gebet, Krankensalbung, Kommunion und Abendmahl, die Begleitung von Sterbenden sowie der Abschied von Verstorbenen.

Ruhen muss allerdings derzeit der Dienst der Ehrenamtlichen im Besuchsdienst und bei der Kommunionspendung. „Mit dieser Maßnahme reduzieren wir zum Schutz der Patienten die Anzahl ihrer Außenkontakte. Außerdem arbeiten wir damit der Angst vor Ansteckung entgegen“, erläutert Maximilian Bauer.

Wie viele Einrichtungen nutzt auch das Seelsorgeteam seit Beginn der Corona-Krise verstärkt Homeoffice-Möglichkeiten. „Die sich dadurch ergebenden Einschränkungen im direkten Kontakt versuchen wir durch Telefonate zu kompensieren“, sagt Christian Hohm.

Gottesdienste nur noch per TV-Übertragung

Einen deutlichen Einschnitt gibt es bei der Gestaltung der Gottesdienste im Raum der Stille des Zentrums für Operative Medizin (ZOM) und in der Katholischen Klinikkapelle. Diese werden zwar weiterhin, gerade auch über Ostern, gefeiert – nur leider ohne direkte Beteiligung der Gemeinde. Allerdings werden die Predigtgottesdienste und Messfeiern – wie auch schon „vor Corona“ – über die kostenfreien Kanäle 34 und 35 des Klinikfernsehens in die Krankenzimmer übertragen. Die genauen Gottesdiensttermine und weitere Informationen über die Angebote der Seelsorge können über den TV-Kanal 35 eingesehen werden.

Mittler zwischen Kranken und Angehörigen

Besonders im Blick hat das Seelsorgeteam die Unterstützung und Begleitung von Angehörigen, die aktuell nicht zu ihren kranken Verwandten dürfen. „Hier läuft die Kommunikation vielfach per Telefon und E-Mail“, berichtet Jürgen Floß. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger überbringen dann zum Beispiel Grüße der Angehörigen im Sinne von ‚Wir denken an dich und beten für dich‘. Manche Familien schreiben auch Briefe mit der Bitte, diese den Patienten vorzulesen. „Für die Angehörigen ist es manchmal nur schwer auszuhalten, dass sie nicht zu ihren Lieben können“, weiß Pastoralreferentin Andrea Lorey und fährt fort: „Unser Dienst ist ihnen da eine Erleichterung.“

Entlastende Gespräche auch für das Personal

Auch auf Seiten der Pflegekräfte und des ärztlichen Personals besteht nach den Beobachtungen des Seelsorgeteams derzeit ein erhöhter Bedarf an entlastenden und unterstützenden Gesprächen – gerade bei den Bereichen, die in die Versorgung von Corona-Patienten eingebunden sind. „Neben dem Gefühl einer drohenden Arbeitsüberlastung und der Sorge um ausreichenden Nachschub an Schutzausrüstung quält viele Beschäftigte die Angst, das Virus nach Hause in die Familien zu tragen“, berichtet Pater Maximilian, und Jürgen Floß fügt hinzu: „Regelmäßige Präsenz auf den betroffenen Stationen ist uns daher besonders wichtig.“ Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, ist dem Seelsorgeteam zutiefst dankbar für seinen großen Einsatz in diesen für Patienten und Personal so schweren Zeiten.

 

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