Aktuelle Pressemitteilungen

Erste virtuelle Netzwerkstatt Medizin & Gesundheit

Mainfränkische Kliniken, Forschungseinrichtungen und Unternehmen streben nach stärkerer Kooperation

Vom medizinischen Start-up bis hin zu global tätigen Unternehmen, von Hochschulen bis hin zu außeruniversitären Forschungseinrichtungen – die Gesundheitswirtschaft und medizinischen Versorgungseinrichtungen stehen nicht nur in pandemischen Zeiten im Fokus des gesellschaftlichen Interesses. Auf Initiative der Region Mainfranken GmbH kamen am Mittwoch, 21.04.2021 über 20 Führungskräfte aus der regionalen Gesundheitswirtschaft und Forschung im Bereich Medizin & Gesundheit virtuell zusammen, um Ideen für eine stärkere regionale Vernetzung zu entwickeln. Mit Unterstützung von Gerhard Hube, Professor für Innovationsmanagement an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, wurde ein interaktives Workshop-Format konzipiert, das es den Teilnehmenden ermöglicht, sich in vertraulicher Gesprächsatmosphäre auszutauschen und Ideen für künftige Kooperationen zu sammeln. 

Zu Beginn der Netzwerkstatt zeigten die beiden Sprecher der mainfränkischen Themenplattform Gesundheit, Prof. Dr. med. Jens Maschmann (Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg) und Landrat Thomas Bold (Landrat des Landkreises Bad Kissingen), Perspektiven des Gesundheitsstandorts Mainfranken auf. Maximilian Ertl (Universitätsklinikum Würzburg) und Sebastian Dresbach vom Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen machten anhand des Kooperationsprojektes Digitalisierungszentrum Präzisions- und Telemedizin (DZ.PTM) fest, wie Patienten von der zentralen Bündelung von Daten profitieren und die medizinische Versorgung optimiert werden kann.

Innovationspotenziale und Erfolgsfaktoren

Die Teilnehmenden waren sich einig: Durch eine Intensivierung der Zusammenarbeit untereinander entstehen viele Synergieeffekte und die regionale Innovationskraft wird gefördert. Insbesondere die höhere Sichtbarkeit gegenüber dringend benötigten Fachkräften, sowie das Finden passender Projektpartner, das gemeinsame Entwickeln von Geschäftsmodellen und der regelmäßige Austausch von Know-how wurden als Vorteile genannt. Abschließend sprach sich die Mehrheit der Teilnehmenden für eine Fortsetzung des Formats aus. 

Fachkräftemangel für Firmen und Kliniken spürbar

„Seit vielen Jahren versuchen wir, Fachkräfte zu finden und an den Standort zu binden. Wir müssen junge Leute für die medizinischen Berufe begeistern“, meinte ein Teilnehmer der Veranstaltung. Die Region Mainfranken GmbH startet im Sommer 2021 eine Fachkräfteoffensive Gesundheit und wirbt bereits über das Portal „Mainfranken - Wie für dich gemacht“ für den attraktiven Lebensraum und TOP Arbeitgeber in der Region. Auf der Website www.wiefuerdichgemacht.com präsentiert sich eine Vielzahl an Kliniken, um an begehrte Fachkräfte heranzukommen.

WEITERE INFORMATIONEN

REGION MAINFRANKEN GMBH
Als Trägerplattform der Regiopolregion Mainfranken und Regionalentwicklungsgesellschaft der mainfränkischen Landkreise, der kreisfreien Städte Würzburg und Schweinfurt sowie der Wirtschaftskammern bündelt die Region Mainfranken GmbH die regionalen Kräfte in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zur Positionierung Mainfrankens im nationalen und internationalen Standortwettbewerb. Durch zielorientiertes Standortmarketing wird Mainfranken für potenzielle Fachkräfte, Investoren und Interessenten sichtbar. Die Gesellschafter der Region Mainfranken GmbH sind neben den beiden kreisfreien Städten Würzburg und Schweinfurt die sieben mainfränkischen Landkreise Bad Kissingen, Haßberge, Kitzingen, Main‐Spessart, Rhön‐Grabfeld, Schweinfurt und Würzburg sowie die IHK Würzburg‐Schweinfurt und die Handwerkskammer für Unterfranken.

KONTAKT FÜR RÜCKFRAGEN

Region Mainfranken GmbH - Åsa Petersson
Ludwigstraße 10 a, 97070 Würzburg
Tel.: 0931 - 452 652 11
E-Mail: petersson@ mainfranken.org    

 

Pressemitteilung der Regiopolregion Mainfranken vom 23.04.2021

Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege lädt ein zur Virtuellen Jahrestagung Hospiz- und Palliativversorgung 2021

4. Jahrestagung zur Hospiz- und Palliativversorgung 2021 am 28. April 2021 von 16:00 Uhr bis 20:00 Uhr

Frau Dr. Elisabeth Jentschke, Leitung der Abteilungen für Psychoonkologie und Gerontologie im Comprehensive Cancer Center Mainfranken sowie in der Neurologischen Klinik und Poliklinik in der Abteilung für Neuropsychologie spricht im Rahmen der Tagung über „Würde – Bedeutung in der Sterbebegleitung“.

Das ganze Programm finden Sie unter: www.jahrestagung-hpv.bayern.de

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege lädt Sie herzlich zur Teilnahme an der 4. Jahrestagung zur Hospiz- und Palliativversorgung 2021 am 28. April 2021 von 16:00 Uhr bis 20:00 Uhr ein.

Gemeinsam widmen wir uns dem Thema: „Würde – was bedeutet das für Sie.“ Darüber hinaus stellen wir Ihnen verschiedene Netzwerkstrukturen sowie Möglichkeiten und Chancen der Öffentlichkeitsarbeit vor.

Moderiert wird die Veranstaltung von Frau Sybille Giel.

Der Corona Pandemie geschuldet, bieten wir Ihnen zum fachlichen Austausch in diesem Jahr eine virtuelle Plattform an. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Den Zugang zum Livestream und weitere Informationen zum Programm und zu den Referenten finden Sie auf unserer Veranstaltungswebsite: www.jahrestagung-hpv.bayern.de 

Wir hoffen sehr, Sie als haupt- und ehrenamtliche Akteure der Hospiz- und Palliativversorgung in Bayern für unser Programm begeistern zu können und freuen uns über Ihre Teilnahme.

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

 

 

Uniklinikum Würzburg startet Podcast zu den Themen Stimme, Sprechen und Schlucken

Phon-O-Ton heißt ein neues Wissensangebot des Uniklinikums Würzburg. Dahinter steht ein Podcast des Interdisziplinären Zentrums für Stimme und Schlucken, der laienverständlich über Themen der Phoniatrie informiert.

Am Uniklinikum Würzburg gibt es seit vergangenem Jahr ein Interdisziplinäres Zentrum für Stimme und Schlucken (IZSS). Die an der HNO-Klinik angesiedelte Einrichtung sorgt für eine systematische, multiprofessionelle Diagnostik und Behandlung bei Störungen dieser wichtigen Körperfunktionen. Um die Öffentlichkeit über ausgewählte Themen der Phoniatrie – der dem Zentrum zugrundeliegenden medizinischen Disziplin – zu informieren, startete das IZSS in diesem Frühjahr einen eigenen Podcast. Die Beiträge des Phon-O-Ton getauften Formats richten sich gleichermaßen an Studierende, Therapeut*innen, Pflegekräfte und Mediziner*innen sowie an alle sonstigen Interessierten.

Themen bislang: Larynx-Amyloidose und die professionell genutzte Stimme

Bislang sind zwei der monatlich geplanten Audiodateien erschienen. In Folge 1 spricht Dr. Fabian Kraus, Oberarzt der HNO-Klinik und geschäftsführender Leiter des IZSS, über die Erkrankung Larynx-Amyloidose. Bei dieser sehr seltenen Erkrankung kommt es zu einer Ablagerung von unlöslichen Proteinfasern im Gewebe des Kehlkopfs. Im Podcast berichtet eine Patientin über ihren Weg bis zur Diagnose, den Krankheitsverlauf sowie die notwendige Therapie inklusive Luftröhrenschnitt und dessen späteren Verschluss. 

Die zweite Phon-O-Ton-Folge widmet sich der Stimme und hier insbesondere der Singstimme. Dazu spricht eine professionelle Rock/Pop Sängerin über die täglichen Anforderungen an ihre Stimme. 

Weitere geplante Themen sind „Kehlkopfkrämpfe bei spasmodischer Dysphonie“ und „Laryngektomie – Leben ohne Kehlkopf“.

Der Podcast kann über den YouTube-Kanal des UKW (www.youtube.com/channel/UChmcOXPcDEqUDzBQzYBghkg) gehört und abonniert werden. Außerdem stehen alle Folgen auch auf der Website des IZSS unter www.ukw.de/izss zur Verfügung 

 

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Millionenschwere Förderung für forschende Fachärztinnen und Fachärzte der Würzburger Universitätsmedizin

Das Programm INTERACT der Würzburger Universitätsmedizin will die Forschungsmöglichkeiten für Fachärztinnen und Fachärzte, die gleichzeitig auch Patienten betreuen, verbessern. Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben in den kommenden fünf Jahren mit jährlich 1,5 Millionen Euro.

 

Ärztinnen und Ärzte, die forschen und gleichzeitig patientennah tätig sind, heißen Clinician Scientists. Sie sind wesentliche Leistungsträger, wenn es darum geht, wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Labor ans Krankenbett und zurück zu bringen. Allerdings wird die Tätigkeit von Clinician Scientists oftmals als wenig attraktiv empfunden, da die Gleichzeitigkeit von Forschung und ärztlicher Behandlungstätigkeit zu einer erheblichen Mehrbelastung führt und zudem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschwert. Außerdem gibt es für sie momentan (zu) wenig Karriereperspektiven und Zielpositionen.

Würzburg einer von bundesweit acht geförderten Uni-Standorten

Um die Situation von in ihrer Karriere bereits fortgeschrittenen (engl. advanced) Clinician Scientists zu verbessern, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bundesweit Programme, die wissenschaftlich tätigen Fachärztinnen und Fachärzten an Universitätsklinika bessere Rahmenbedingungen verschaffen. In einem hochkompetitiven Auswahlverfahren unter 29 Bewerbern konnte sich das Advanced-Clinician-Scientist-Programm „INTERACT – Interfaces in translational Research“ der Würzburger Universitätsmedizin als einer von acht deutschen Universitätsstandorten für die Förderung qualifizieren.

Geschützte Zeiten für Forschung, klare Karrierewege

Gestellt worden war der Förderantrag von Prof. Dr. Stefanie Hahner, Prodekanin für Nachwuchs- und Frauenförderung, und Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Würzburg sowie von Prof. Dr. Nicolas Schlegel und Prof. Dr. Matthias Goebeler vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) Würzburg. Prof. Hahner erläutert: „INTERACT bietet Fachärztinnen und -ärzten in einem strukturierten mehrjährigen Programm geschützte Zeiten für Forschung sowie klare Karrierewege, die zu verschiedenen beruflichen Zielpositionen wie zum Beispiel Professuren führen“. Zusätzlich lege das Programm großen Wert auf Gleichstellung, transparente Zugangsvoraussetzungen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie überregionale wissenschaftliche Vernetzung. 

Ein wichtiger Baustein der Nachwuchsförderung

„INTERACT bildet einen wichtigen Baustein für die Nachwuchsförderung in der medizinischen Forschung an der Medizinischen Fakultät und am Universitätsklinikum Würzburg – und fügt sich nahtlos in die Reihe der bereits etablierten Clinician-Scientist-Programme der Medizinischen Fakultät ein“, betont Prof. Frosch. Momentan werden bereits 43 Clinician Scientists sowie vier Advanced Clinicians Scientist am Universitätsklinikum Würzburg in strukturierten Programmen gefördert. Die jetzt der Würzburger Universitätsmedizin zugesagte BMBF-Förderung hat einem Umfang von jährlich 1,5 Millionen Euro – und das für die kommenden fünf Jahre. Damit können Advanced Clinician Scientists bei Personal-, Sach- und Reisekosten sowie durch gezielte Karrierefördermaßnahmen unterstützt werden.

Kontakt:
Universitätsklinikum Würzburg
IZKF-Geschäftsstelle
Tel: 0931/201-56431
E-Mail: izkf@ukw.de
www.med.uni-wuerzburg.de/izkf


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Infoabend für Schwangere

Onlineveranstaltung der Universitäts-Frauenklinik, Klinik für Anästhesiologie und Universitäts-Kinderklinik

Für noch mehr Nähe von Mutter und Kind: „Pforzheimer Bettchen“ in der Würzburger Universitäts-Frauenklinik

Die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg bietet den Wöchnerinnen und ihren Neugeborenen jetzt Babybettchen an, die direkt ans Bett der Mutter angehängt werden. Diese „Nischenlösung“ ermöglicht maximale Nähe und Sicherheit.

„Die erste Zeit, die Mütter mit ihrem Neugeborenen verbringen, ist sehr wichtig für die Bindung“, betont Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Würzburger Universitäts-Frauenklinik, und fährt fort: „Deshalb tun wir alles dafür, dass die Wöchnerinnen ihr Kind möglichst rund um die Uhr nahe bei sich haben können.“ Als jüngste Maßnahme dazu hat die Klinik kürzlich sogenannte Pforzheimer Bettchen angeschafft. Dabei handelt es sich um eine Baby-Schlafstätte, die seitlich in das Bett der Mutter eingehängt wird. Auf der Außenseite der abgerundeten Nische verhindert eine Wandung das Herausfallen des Kindes. 

Viele positive Effekte

„Dieses andernorts schon vielfach erprobte System hat zahlreiche positive Effekte“, weiß Veronika Pietzko, die pflegerische Leiterin der Geburtshilfe am Uniklinikum Würzburg. So könne die Mutter damit ihrem Neugeborenen leichter Wärme und ein Gefühl von Sicherheit geben. Außerdem werde das Stillverhalten positiv beeinflusst. „Im Unterschied zu den bislang bei uns eingesetzten fahrbaren Bettchen müssen die Mütter zudem nicht aufstehen, wenn das Kind weint. Gerade von der Geburt stark erschöpfte oder durch einen Kaiserschnitt beeinträchtigte Frauen wissen das zu schätzen“, sagt Pietzko.
Mit der „Nischenlösung“ ist das Beieinanderliegen zudem völlig gefahrlos: Das Baby kann nicht aus dem Bett fallen oder von der Mutter im Schlaf versehentlich erdrückt werden.
„Die Pforzheimer Bettchen runden unser Angebot des 24-Stunden-Rooming-in ab“, sagt Prof. Wöckel und ergänzt „Sollte eine Mutter jedoch einmal eine Auszeit brauchen, stehen selbstverständlich nach wie vor die erfahrenen Pflegekräfte unseres Kinderzimmers bereit, um den Neuankömmling liebevoll und kompetent zu betreuen.“

 

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Was Helfer zu Helfern macht

Mitleid, Egoismus, Pflichtbewusstsein: Es gibt viele Gründe, warum Menschen anderen Menschen helfen. Die Neurowissenschaftlerin Grit Hein erforscht ihre Motive und wirft dabei einen Blick ins Gehirn.

 

Die Corona-Pandemie macht es mal wieder deutlich: Menschen sind nicht nur auf ihren Vorteil aus. So haben sich beispielsweise im ersten Lockdown schnell Nachbarschaftsinitiativen gegründet, deren Mitglieder Einkäufe für ältere Menschen erledigten. Wer in Quarantäne geschickt wurde und seine Wohnung nicht mehr verlassen durfte, konnte sich darauf verlassen, dass ihm Freunde und Bekannte regelmäßig Taschen mit Lebensmitteln vor die Türe stellten. Auch die Bereitschaft, im öffentlichen Raum Mund-Nasen-Masken zu tragen, ist im Prinzip ein Ausdruck der Rücksichtnahme gegenüber Dritten.

Prosoziales Verhalten: So bezeichnet die Wissenschaft menschliche Verhaltensweisen, die darauf abzielen, anderen Personen zu nützen – Verhaltensweisen wie beispielsweise Helfen, Teilen, Trösten und Kooperieren. Eine Expertin auf diesem Gebiet ist Grit Hein, Professorin für Translationale Soziale Neurowissenschaften an der Universität Würzburg. Hein forscht an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Würzburger Universitätsklinikums. Sie interessiert sich dafür, auf welche Weise unterschiedliche Motive prosoziales Verhalten beeinflussen und welche Strukturen im Gehirn damit in Verbindung stehen.

Fünf Motive für prosoziales Verhalten

„In der Psychologie kennen wir eine Reihe von Motiven, die dazu beitragen, dass Menschen sich prosozial verhalten“, sagt Grit Hein. Altruismus und Egoismus dürften auch Laien bekannt sein; Prinzipalismus, Kollektivismus und Reziprozität eher nicht. Während Prinzipalismus das Ziel hat, ein moralisches Prinzip oder eine soziale Norm – „Das tut man nicht“ – aufrechtzuerhalten, geht es beim Kollektivismus darum, das Wohlergehen einer Gruppe zu steigern, mit der man sich selbst identifiziert. Ein Fußball-Fan ist demnach eher dazu bereit, einem Anhänger „seiner“ Mannschaft ein Bier auszugeben, als einem Fan aus dem gegnerischen Lager.

Reziprozität hingegen ist eines der wichtigsten Prinzipien in westlichen Gesellschaften und wird definiert als „die individuelle Tendenz, das Verhalten anderer zu erwidern“. Oder anders formuliert: Wer mir schon mal geholfen hat, ein schweres Möbelstück die Treppe hoch zu tragen, dem gebe ich gerne einen Liter Milch, wenn seine am Sonntag sauer geworden ist.

220.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft

„Natürlich wirken diese verschiedenen Motive fast nie isoliert. In den meisten Fällen werden mehrere von ihnen gleichzeitig aktiviert“, sagt Grit Hein. Um menschliches Verhalten zu verstehen und vorherzusagen, sei es daher wichtig zu verstehen, wie diese Motive zusammenwirken und wie die damit einhergehenden Wechselwirkungen die tatsächlichen sozialen Entscheidungen beeinflussen.

In ihrer aktuellen Studie untersucht Hein deshalb das neuronale Zusammenspiel zwischen dem egoistischen Motiv und einer Reihe anderer prosozialer Motive. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt sie dabei mit rund 220.000 Euro. Hein möchte vor allem die Bedingungen bestimmen, unter denen Egoismus andere Motive und die damit verbundenen prosozialen Entscheidungen untergräbt beziehungsweise verstärkt.

Zwar unterscheiden sich Empathie und Egoismus deutlich. Dennoch können beide bewirken, dass Menschen Dritte unterstützen. Wer sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen vermag, also empathisch ist, will ihm aus seiner schlechten Lage heraushelfen. Wer Hilfe aus einem egoistischen Motiv heraus leistet, hat in erster Linie den Wunsch, sich hinterher gut zu fühlen. Kompliziert wird es, wenn beide Motive gemeinsam auftreten.

Öffentliche Belohnung bremst die Hilfe

„Frühere Studien von uns haben gezeigt, dass das egoistische Motiv das Empathie-Motiv verstärkt. Das allerdings steht im Gegensatz zu Befunden, die einen Rückgang prosozialen Verhaltens zeigen, wenn Menschen dafür eine Belohnung erhalten“, sagt Grit Hein. Beispielsweise spenden Menschen seltener Blut, wenn sie dafür bezahlt werden. Die Erklärung für diesen Widerspruch ist möglicherweise ganz einfach: „Wir vermuten, dass Anreize prosoziales Verhalten nur dann untergraben, wenn sie öffentlich angeboten werden“, sagt Hein. Wenn also andere wissen, dass ich für meine Blutspende Geld erhalte, gehe ich seltener in die Blutbank. Bleibt die Bezahlung hingegen geheim, steigt meine Bereitschaft zum Spenden.

In ihrer aktuellen Studie setzt Hein auf eine Reihe klassischer Experimente, die darauf ausgelegt sind, prosoziales Verhalten unter dem Einfluss verschiedener Motive zu messen. Die Teilnehmer müssen wiederholt entscheiden, ob sie einen geringen Geldbetrag entweder für sich behalten oder mit einer zweiten Person teilen. Sie können also den Gewinn des zweiten Mitspielers erhöhen und dadurch ihren eigenen verringern – dies entspricht einer prosozialen Entscheidung. Oder sie verhalten sich egoistisch und maximieren ihren eigenen Gewinn. Dabei dürfen sie mal davon ausgehen, dass ihre Entscheidung allen anderen Beteiligten verborgen bleibt. Mal wird ihnen gesagt, dass alle erfahren, ob sie das Geld teilen oder sich selbst zuschanzen.

Experimente im Magnetresonanz-Scanner

Dieses experimentelle Grundgerüst wird anschließend variiert – abhängig davon, welches Motiv betrachtet werden soll. Um das egoistische Motiv zu untersuchen, wird den Teilnehmern mitgeteilt, dass sie einen finanziellen Bonus erhalten, wenn sie sich in der Mehrzahl der Versuche prosozial gegenüber der anderen Person verhalten. Um Empathie zu erzeugen, müssen die Teilnehmer mitansehen, wie ihre jeweiligen Partner eine unangenehme Stimulation an der Hand erhalten. Wenn es darum geht, das Reziprozitätsmotiv zu erforschen, müssen die Teilnehmer selbst mit dieser Stimulation an der Hand rechnen. Allerdings bietet ihnen ihr Mitspieler an, freiwillig auf Geld zu verzichten, um so sie so vor diesem unangenehmen Erlebnis zu bewahren. Dieses Szenario induziert in der Regel Dankbarkeit, von der bekannt ist, dass sie reziprozitätsbasiertes Verhalten auslöst.

Es sind vor allem die neuronalen Grundlagen, für die sich Grit Hein interessiert, wenn sie Motive bestimmter Verhaltensweisen erforscht. Mit den klassischen Methoden der Verhaltensbeobachtung allein kommt sie dabei nicht weit. Sie kombiniert deshalb diese mit der funktionellen Magnetresonanztomographie und einer computergestützten Modellierung, um so mit dem direkten Blick auf die Vorgänge im Gehirn verschiedene Motive unterscheiden zu können, die zum gleichen Verhalten führen. Die Teilnehmer an diesen Experimenten sitzen deshalb in einem Magnetresonanz-Scanner und interagieren mit Personen, die neben dem Scanner sitzen.

„Das neuronale Zusammenspiel zwischen dem egoistischen Motiv und bestimmten anderen prosozialen Motiven aufdecken und die Bedingungen spezifizieren, unter denen das egoistische Motiv andere Motive und die damit verbundenen prosozialen Entscheidungen untergräbt oder verstärkt“: So fasst Hein die Ziele ihres Forschungsprojekts zusammen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse können ihrer Meinung nach dazu beitragen Anreizstrukturen zu entwickeln, die, wie sie sagt, „das Verhalten von Individuen steuern, ohne wichtige prosoziale Motive zu untergraben“.

Kontakt

Prof. Grit Hein, PhD, Professur für Translationale Soziale Neurowissenschaften, Universität und Universitätsklinikum Würzburg, T: +49 931 201-77411, hein_g@ ukw.de, grit-hein.de

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 13.04.2021