Aktuelle Pressemitteilungen

Uniklinik Würzburg versorgt sieben krebskranke Kinder aus der Ukraine

Geflüchtete Familien trafen am vergangenen Wochenende in der UKW-Kinderklinik ein.

Das Schicksal von geflüchteten ukrainischen Kindern und ihren Eltern bewegt aktuell viele Menschen in Deutschland. Besonders hart trifft es diejenigen, die bereits vor Ausbruch des Krieges mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen hatten. Unter den Menschen, die Hals über Kopf ihre Heimat als Flüchtlinge verlassen mussten, sind auch Familien mit einem an Krebs erkrankten Kind. Sieben dieser Kinder werden aktuell in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) behandelt.

„Wir haben bereits seit Längerem eine enge medizinische Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine und haben bereits vor dem Krieg Kinder aus der Ukraine in Würzburg behandelt, wenn die medizinischen Möglichkeiten in der Ukraine ausgeschöpft waren und sie eine spezielle Therapie benötigten“ sagt Prof. Paul-Gerhardt Schlegel, Leiter der Kinderonkologie am Universitätsklinikum Würzburg. 

Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Uniklinik hatten im Fernsehen die Bilder eines krebskranken Jungen in Akuttherapie gesehen, der sich mit seiner Mutter auf den Weg gemacht hatte, ohne zu wissen, wo die lebenswichtige Behandlung weiter durchgeführt werden kann. „Auch unser Team haben die Bilder sehr bewegt. Direkt am nächsten Morgen habe ich deshalb Kontakt mit unserer Ansprechpartnerin in der Ukraine aufgenommen und unsere Hilfe angeboten, falls die Familien nach Deutschland flüchten“ sagt Prof. Schlegel. Zeitgleich hat sich auch eine deutschlandweite Initiative der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) zum Ziel gemacht, ukrainischen Kindern mit einer Krebserkrankung nach ihrer Flucht eine Behandlung in einer der hochspezialisierten Kinderkrebszentren in Deutschland zu ermöglichen. 

Neben der dringend nötigen medizinischen Versorgung werden die geflüchteten Familien nun auch in organisatorischen Dingen unterstützt. Hierfür sorgt das International Office des UKW gemeinsam mit dem psychosozialen Dienst der Kinderkrebsstationen und vielen weiteren Unterstützern. 

In den vergangenen 14 Tagen konnten über das kinderonkologische Netzwerk Bayern KIONET dank der jahrelangen Kooperationen 24 geflüchtete Kinder und Jugendliche mit einer lebensbedrohlichen onkologischen Erkrankung bayernweit versorgt werden. 

Drei ERC Grants für die Universität

Die Infektionsbiologin Cynthia Sharma, der Virologe Lars Dölken und der Chemiker Prince Ravat erhalten hoch dotierte Preise für ihre Forschung – zusammen sind es 5,5 Millionen Euro.

Gleich drei hochrangige Auszeichnungen des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC) gehen an die Universität Würzburg: Professorin Cynthia Sharma (Infektionsbiologie) und Professor Lars Dölken (Virologie) erhalten Consolidator Grants über jeweils zwei Millionen Euro. Der Chemiker Dr. Prince Ravat bekommt einen Starting Grant, der mit 1,5 Millionen Euro dotiert ist.

Der ERC gab die neu vergebenen Consolidator Grants am 17. März 2022 bekannt. Die Preise sind für Forschungstalente bestimmt, deren bisherige Arbeit weitere Spitzenleistungen erwarten lässt. 2.652 Bewerbungen waren in dieser Vergaberunde beim ERC eingelaufen; zwölf Prozent der Anträge wurden bewilligt.

RNA-Bindeproteine bei Bakterien

Cynthia Sharma, Leiterin des Lehrstuhls für Molekulare Infektionsbiologie II und Sprecherin des Zentrums für Infektionsforschung, erforscht, wie bakterielle Krankheitserreger sich an ihre Umwelt oder den Wirt anpassen. Sie hat in ihrem Projekt Exploring the expanding universe of RNA-binding proteins in bacteria Proteine im Blick, die RNA-Moleküle binden und entscheidende Rollen in der Zellphysiologie spielen. Über solche RNA-Bindeproteine ist in Bakterien bislang wenig bekannt. Ihre Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die Genregulationsmechanismen von Bakterien besser zu verstehen. Dies könnte wiederum neue Ansatzpunkte für Antibiotika liefern oder auch zur Entwicklung neuer biotechnologischer Verfahren beitragen. Mehr Informationen

Herpesviren und ihre Wirtszellen

Lars Dölken, Leiter des Lehrstuhls für Virologie, erhält nach 2016 jetzt schon seinen zweiten Consolidator Grant. Mit dem Preisgeld will er im Projekt DecipherHSV weiterhin das Herpes-simplex-Virus-1 erforschen. Dieser Krankheitserreger ist für relativ harmlose Beschwerden wie die juckenden Lippenbläschen verantwortlich. Er kann aber auch gefährliche Lungen- oder Gehirnentzündungen auslösen. Noch immer sind viele Mechanismen, mit denen dieses Virus seinen Wirt manipuliert, nicht gut genug verstanden. Im ERC-Projekt soll ein neuartiger Ansatz der Einzelzell-RNA-Sequenzierung Daten liefern, die mit Verfahren der Künstlichen Intelligenz ausgewertet werden.

Neue Klasse chiraler Halbleiter

Starting Grants sind für herausragende Forschende in einer frühen Phase ihrer Karriere vorgesehen. Der ERC gibt die Preisträgerinnen und Preisträger nicht zu einem festen Zeitpunkt, sondern kontinuierlich bekannt. Die finale Liste mit den aktuellen Statistiken liegt noch nicht vor.

Prince Ravat ist seit 2018 Arbeitsgruppenleiter am Institut für Organische Chemie. Mit dem Starting Grant will er ein Projekt zur Entwicklung einer neuen Klasse chiraler Halbleiter starten. Chiralität beschreibt eine Eigenschaft von Molekülen, die mit deren Symmetrie zusammenhängt. Chirale organische Halbleiter werden als neue Materialien benötigt, um die Entwicklung der nächsten Generation der (Opto)Elektronik voranzutreiben, wie zum Beispiel Spin-LEDs, 3D-Displays und quantenbasierte optische Datenverarbeitung.

Über den ERC

Der European Research Council wurde 2007 von der Europäischen Union gegründet. Er ist die wichtigste europäische Organisation zur Forschungsförderung. Sein Gesamtbudget für die Jahre 2021 bis 2027 beläuft sich auf 16 Milliarden Euro.

 

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 17. März 2022

Uniklinikum Würzburg: Teilnehmende für Hirnforschungsstudie gesucht

Das Uniklinikum Würzburg sucht für eine neurowissenschaftliche Studie gesunde Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, mit modernen Technologien bislang verborgene Zusammenhänge zwischen Verhalten und Gehirnfunktion zu entdecken. Die Erkenntnisse könnten langfristig die Grundlage für bessere Therapien bei ADHS, Suchterkrankungen sowie weiteren psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen bilden.

„Die Rolle des Frontalkortex auf Verhaltensplanung (ROFKO)“ – so heißt eine aktuelle Studie am Zentrum für Psychische Gesundheit des Uniklinikums Würzburg (UKW). Durchgeführt wird sie von der Arbeitsgruppe „Experimentelle Neurowissenschaften in der Entwicklungspsychiatrie“ in Kooperation mit der Neuroradiologie und Neurologie des UKW. Der Arbeitsgruppenleiter, Prof. Dr. Lorenz Deserno, erläutert: „In der Studie untersuchen wir die Bedeutung einer bestimmten Hirnregion – des ventro-medialen präfrontalen Kortex – für die Fähigkeit, aus positiven und negativen Rückmeldungen zu lernen und Entscheidungen zu treffen. Dabei kombinieren wir Methoden der computationalen Neurowissenschaften mit modernen Bildgebungsverfahren, wodurch wir Zusammenhänge in Verhalten und Gehirnfunktion entdecken können, die bislang verborgen blieben.“ Studienarzt Dr. Hans-Christoph Aster ergänzt: „Wir erforschen damit die Grundlagen psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen, wie beispielsweise ADHS oder Suchterkrankungen. Auf lange Sicht könnten aus diesem Wissen bessere Therapiemöglichkeiten entwickelt werden.“

Einsatz von TMS und fMRT

Aktuell sucht das ROFKO-Forschungsteam noch weitere Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer. Sie sollten zwischen 18 und 40 Jahre alt sein sowie Rechtshänderinnen bzw. Rechtshänder. Außerdem müssen sie über gute Deutschkenntnisse verfügen. 

Während der insgesamt 180 bis 210 Minuten dauernden Studiensitzung wird bei ihnen mittels transkranieller Magnetstimulation (TMS) die Aktivität des Frontalkortex für einen kurzen Zeitraum beeinflusst. Anschließend spielen die Teilnehmenden zwei einfache Computerspiele, während gleichzeitig mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) die Aktivierungsmuster des Gehirns erfasst werden. 

Keine Gefährdungen durch die eingesetzten Verfahren 

„Beide Verfahren, TMS und fMRT, werden seit Jahrzehnten klinisch routiniert eingesetzt und gelten auch für die Anwendungen in der Forschung als sicher. Es sind keine langfristigen Gefährdungen oder Risiken bekannt“, betont Dr. Aster. 

Pro Stunde wird eine Vergütung von zehn Euro gezahlt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bei den während der Messung absolvierten digitalen Spielen kleinere Geldbeträge zu gewinnen. Last but not least können die Probandinnen und Probanden die MRT-Bilder ihres Gehirns auf Wunsch mit nach Hause nehmen. 

Wer mehr über die Studie erfahren oder sich anmelden möchte, kontaktiert Dr. Aster unter E-Mail: Aster_H@ ukw.de 

Uniklinikum Würzburg: Kinderklinik und Kinderchirurgie erneut mit Gütesiegel ausgezeichnet

Die Kinderklinik und die Kinderchirurgie des Uniklinikums Würzburg erhielten kürzlich erneut das Gütesiegel „Ausgezeichnet. Für Kinder“. Das in zweijährigem Rhythmus vergebene Zertifikat bescheinigt hohe Qualitätsstandards bei der stationären Versorgung von Kindern und Jugendlichen.

Die in der Kinder- und Jugendmedizin Tätigen wollen die Qualität der stationären Behandlung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland erhalten und möglichst noch weiter verbessern. Vor diesem Hintergrund vergeben die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland e.V., die Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus und die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie in zweijährigem Rhythmus das Gütesiegel „Ausgezeichnet. Für Kinder“. Jetzt stand die Vergabe für die Periode 2022/2023 an. Wie schon in den letzten fünf Gültigkeitsperioden sind die von Prof. Dr. Christoph Härtel geführte Kinderklinik und die von Prof. Dr. Thomas Meyer geleitete Abteilung für Kinderchirurgie der Chirurgischen Universitätsklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) wieder unter den damit zertifizierten Einrichtungen.

Eine Bewertungskommission bestätigte erneut, dass die beiden Einrichtungen ausnahmslos alle Standards für die multiprofessionelle und interdisziplinäre Versorgung erfüllen. Dazu gehören nicht nur eine kontinuierliche fachärztliche Besetzung und ein speziell qualifiziertes Pflegeteam, sondern auch psychologische, sozialmedizinische, pädagogische und medizinisch-therapeutische Angebote. 

Das leisten Kinderklinik und Kinderchirurgie am Uniklinikum Würzburg

Die Würzburger Kinderklinik und Poliklinik ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung mit dem gesamten Leistungsspektrum der Kinderheilkunde. Zu den Schwerpunkten zählen unter anderem die Früh- und Neugeborenenmedizin (Level 1), die Pädiatrische Intensivmedizin, die Onkologie inklusive Stammzelltransplantation, die Hämatologie, die Pneumologie, die Entzündungsmedizin einschließlich Immunologie, Infektiologie und Rheumatologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, Neuro- und Sozialpädiatrie sowie weitere Spezialdisziplinen.

Die Kinderchirurgie am Zentrum für Operative Medizin (ZOM) des UKW bietet das gesamte Spektrum der kinderchirurgischen Versorgung von der ersten Lebensminute bis zum vollendeten 16. Lebensjahr an. Schwerpunkte der Kinderchirurgie sind – neben der allgemeinen kinderchirurgischen Versorgung – die Neugeborenen- und Fehlbildungschirurgie, die Kinderurologie sowie die Kindertraumatologie.

Gütesiegel als Orientierungshilfe für Eltern

Nach Angaben der Fachgesellschaften wünschen sich Eltern und Angehörige die bestmögliche stationäre Versorgung ihres kranken Kindes. Dabei seien das Gütesiegel und die Veröffentlichung unter www.ausgezeichnet-fuer-kinder.de eine hervorragende Orientierungshilfe bei der Suche nach einer Qualitäts-Kinderklinik. 

Neueste Trends in der Humangenetik

Vom 16. bis 18. März 2022 findet in Würzburg die 32. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik statt. Im Mittelpunkt stehen neueste Technologien und die Frage, wie diese sinnvoll eingesetzt werden können.

Nach zwei Jahren „Corona-Zwangspause“ treffen sich zum ersten Mal wieder live Humangenetikerinnen und -genetiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Congress Centrum Würzburg vom 16. bis 18. März 2022. Die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik lädt Naturwissenschaftler und Mediziner zu einem hochkarätigen Programm mit internationalen Koryphäen des Faches zum wissenschaftlichen Austausch ein. Tagungspräsident ist Professor Thomas Haaf vom Institut für Humangenetik der Universität Würzburg.

Fachlicher Austausch über viele Fragen

Das jährliche Treffen bietet Humangenetikern, die in Forschung, Krankenversorgung und Lehre tätig sind, die Möglichkeit, sich fachlich auszutauschen. Im Mittelpunkt stehen neueste Technologien und die Frage, wie diese sinnvoll eingesetzt werden können. Wann sollte man darüber nachdenken, ob eine genetisch bedingte Erkrankung oder Krebsprädisposition vorliegt? Welche Vorhersagen erlaubt die epigenetische Uhr, die in uns allen tickt? Welche Herausforderungen bringen die neuen Technologien für Ärzte und Ratsuchende? Gibt es sinnvolle Anwendungen der Künstlichen Intelligenz für die frühzeitige Erkennung von seltenen Erkrankungen? Welche Mechanismen führen zur Entstehung von seltenen monogenen und häufigen oft multifaktoriell bedingten Krankheiten wie beispielsweise Krebs, Herz-Kreislauf- oder neurodegenerativen Erkrankungen?

Netzwerken ist wichtig bei seltenen Erkrankungen

Netzwerken unter Humangenetikern ist gerade bei seltenen Erkrankungen eine grundlegende Voraussetzung für erfolgreiche Forschung. Deshalb berichten Experten über ihre Erfahrungen mit den neuen europäischen Referenznetzwerken, es wird um Zentren für seltene Erkrankungen gehen, um die zentralen Rahmenbedingungen und die zukünftige Gestaltung der Genetischen Beratung.

In Pro & Contra-Sessions gehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Frage danach, wie die Genetische Sprechstunde in der Zukunft aussehen wird und welche Möglichkeiten es für eine gemeinsame Genomdatennutzung geben kann.

Nachwuchskräfte aus Medizin und Naturwissenschaften sind überdies eingeladen, an der Veranstaltung zur Weiterbildung und an den Aktivitäten der Jungen Akademie teilzunehmen.

Das ausführliche Tagungsprogramm

Kontakt

Prof. Dr. Thomas Haaf, Institut für Humangenetik, Universität WürzburgT: +49 931 31-88738,  thomas.haaf@uni-wuerzburg.de Dr. Christine Scholz, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik

T: +49 89 55027855;  organisation@ gfhev.de 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 15. März 2022

Neue Wirkstoffe gegen Krebs

Wissenschaftler der Universität Würzburg arbeiten an der Entwicklung neuer Medikamente gegen Krebs. Dazu haben sie jetzt eine Starthilfe von 500.000 Euro erhalten, mit der zukünftig ein Unternehmen gegründet werden soll.

In der Theorie klingt der Ansatz ganz einfach: Man suche sich ein Protein, das Krebszellen zum Überleben zwingend benötigen, und entwickle einen Wirkstoff, der die Zerstörung dieses Proteins in die Wege leitet – fertig ist das perfekte Krebsmedikament.

Dass dieser Ansatz im Prinzip funktioniert, hat ein Forschungsteam der Universität Würzburg bereits bewiesen. Weil die Umsetzung in die Praxis jedoch nicht ganz so einfach ist, wie es sich anhört, und weil dies dazu den Rahmen eines typischen Forschungsprojekts in einem Universitätslabor sprengen würde, haben die Beteiligten jetzt eine Unternehmensgründung in Angriff genommen. Im Rahmen der GO-Bio initial-Fördermaßnahme unterstützt sie das Bundesforschungsministeriums auf diesem Weg mit rund 500.000 Euro.

Klinischer Misserfolg nach positiven Ergebnissen im Labor

„Wir konzentrieren uns auf das sogenannte Aurora-A Protein – eine Proteinkinase und ein vielversprechender Angriffspunkte in der zielgerichteten Krebstherapie“, erklärt Elmar Wolf, Professur für Tumorsystembiologie am Lehrstuhl für Biochemie und Molekularbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Frühere Studien haben gezeigt, dass in vielen Tumoren Aurora quasi den Startschuss für eine Krebserkrankung gibt und damit einer der Hauptverantwortlichen für die Entwicklung von Leukämien und vielen Kindertumoren wie beispielsweise Neuroblastomen ist.

Kein Wunder, dass weltweit intensiv nach einem Stoff gesucht wird, der Aurora ausschalten und die Krebszellen an ihrer ungebremsten Vermehrung hindern kann. Der Erfolg dabei hielt sich bislang jedoch in Grenzen: „Fast alle großen Pharmafirmen haben sogenannte Kinase-Inhibitoren für Aurora-A entwickelt. Fast alle klinischen Studien mit diesen Inhibitoren waren nicht erfolgreich“, erklärt Elmar Wolf.

Kleine Moleküle führen den Krebsauslöser zum Schredder

Elmar Wolf ist davon überzeugt, den Grund für dieses Scheitern zu kennen: „Wir und andere konnten zeigen, dass Aurora-A in Krebszellen wichtige Kinase-unabhängige Funktionen hat, die sich durch diese Inhibitoren nicht hemmen lassen“, sagt er. Wer Aurora-A stoppen will, muss also nicht nur dessen Kinase-Funktion blockieren, sondern das Protein komplett zum Verschwinden bringen. Den entsprechenden Wirkstoff soll im Rahmen der Go-Bio initial-Fördermaßnahme und dem zu gründenden Unternehmen entwickelt werden.

Die Wissenschaftler setzen dafür auf sogenannte PROTACs (proteolysis targeting chimeras). Bei ihnen handelt es sich um kleine Moleküle, die an Zielproteine binden und diese der zellulären Abbaumaschinerie – einer Art „Schredder“ im Zellinneren – zuführen. Für Aurora-A haben Wolf und sein Kollaborationspartner, Professor Stefan Knapp von der Goethe-Universität Frankfurt, das entsprechende Molekül vor ein paar Jahren entwickelt. JB170 – so dessen wissenschaftlicher Name – ist eines der ersten Moleküle der PROTAC-Substanzklasse, das in Deutschland hergestellt wurde. Mit zahlreichen weiteren PROTAC-Molekülen in der Entwicklung gehören die Teams aus Würzburg und Frankfurt zu Europas führenden akademischen Arbeitsgruppen auf diesem Feld.

Machbarkeitsstudien stehen am Anfang

„Die bisherigen Ergebnisse mit JB170 als neuer therapeutischer Strategie sind sehr vielversprechend und interessant“, sagt Wolf. Auf dem Weg zur Kommerzialisierung seien jedoch noch entscheidende Experimente zu machen, die eine Machbarkeit eindeutig belegen. Dank der Go-Bio Initial-Förderung sei dies jetzt möglich.

Zwei Jahre wird diese Machbarkeitsphase vermutlich dauern; ein marktreifes Produkt wird dann allerdings noch nicht in den Apothekenregalen liegen. „Nach Ende der Machbarkeitsphase im Jahr 2023 planen wir etwa drei Jahre für weitere Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit und für die Optimierung des Herstellungsprozesses und der Formulierung“, sagt Wolf. 2026 könne dann mit klinischen Studien und dem Zulassungsverfahren begonnen werden. Mit dem Markteintritt sei im Erfolgsfall zwischen 2030 und 2032 zu rechnen.

Falls es tatsächlich gelingt, JB170 zu einem Medikament weiterzuentwickeln, geht Wolf von einer breiten Einsetzbarkeit aus. „Wir haben die Wirkung von JB170 bislang mit großem Erfolg in Leukämie- und Lungenkarzinomzellen nachweisen können. Darüber hinaus legen etliche Studien anderer Arbeitsgruppen nahe, dass Tumoren des Darms, der Brust und der Leber ebenfalls stark von der Funktion des Aurora-A Proteins abhängen“, sagt Wolf.

Unterstützung vom Servicezentrum Forschung und Technologietransfer

Große Unterstützung erfährt das Team auf seinem Weg zur Ausgründung auch vom Servicezentrum Forschung und Technologietransfer (SFT) der Universität Würzburg. „Dort hatten wir mit Frau Dr. Iris Zwirner-Baier eine höchst kompetente Ansprechpartnerin bei allen Fragen rund um die Sicherung der Patentrechte an JB170 und Wege in die Gründung“, sagt Elmar Wolf.  Durch die intensive Unterstützung habe sie maßgeblich zur erfolgreichen Einwerbung der Go-Bio-Förderung beigetragen.

Kontakt

Prof. Dr. Elmar Wolf Elmar, Lehrstuhl für Biochemie und Molekularbiologie, T: +49 931 31-83259, elmar.wolf@ biozentrum.uni-wuerzburg.de 

 

einBlick - Das Online-Magazin der Universität Würzburg vom 15. März 2022

Fast 200 Orchideen am Uniklinikum Würzburg umgesiedelt

Bevor bei einem Bauprojekt auf dem Luitpold-Campus des Uniklinikums Würzburg die Bagger rollen, wurden 191 Pflanzen einer geschützten Orchideenart an einen anderen Standort verpflanzt.

Das Gebäude D20 des Uniklinikums Würzburg – die ehemalige Medizinische Klinik aus dem Jahr 1921 – soll ab dem Herbst 2022 umgebaut werden. Ziel ist es, nach Fertigstellung das Anatomische Institut aus der Würzburger Innenstadt hierher, auf den Luitpold-Campus im Stadtteil Grombühl, zu verlagern. Zu den dafür erforderlichen Maßnahmen gehört der Abbruch des einstigen Zentrallabors der Klinik, das sich im Innenhof des Gebäudes befindet. Der Labortrakt aus den frühen 1980er Jahren liegt größtenteils unter der Erde. Ein Teil des Daches dient als Parkplatz, der Rest ist intensiv begrünt. Eine aufmerksame Ärztin des Klinikums teilte vor etwa zwei Jahren dem für die Baumaßnahme verantwortlichen Staatlichen Bauamt Würzburg mit, dass sich unter den Pflanzen des Gründaches auch geschützte Orchideen befänden. Und tatsächlich: Die daraufhin vom Bauamt eingeschaltete Diplom-Biologin Renate Ullrich vom Würzburger Umweltbüro Fabion bestätigte ein Vorkommen der heimischen Orchideenart Bienenragwurz (lateinisch Ophrys apifera). 

Bienenragwurz stark gefährdet

„Die Bienenragwurz ist nach der Bundesartenschutzverordnung gesetzlich besonders geschützt. Die Rote Liste gefährdeter Gefäßpflanzen führt sie bayernweit als ‚stark gefährdet‘ und regional als ‚gefährdet‘“, schildert Ullrich und fährt fort: „Eine Umsiedlung dieser Pflanzen vor Beginn der Baumaßnahme ist nach Gesetzeslage zwar nicht verpflichtend, aufgrund der starken Gefährdung und der großen Außenwirkung von Orchideen allerdings ratsam.“ 

Das Staatliche Bauamt Würzburg folgte diesem Rat und beauftragte im nächsten Schritt die Biologin mit der Markierung der Orchideen. Ende Februar 2022 stattet sie jede der zu dieser Jahreszeit recht unscheinbaren Blattrosetten mit einem Holzstäbchen aus. Am Ende fanden sich auf dem rund 480 qm großen Areal 191 der schützenswerten Pflanzen. 

An einen „geheimen“ Ersatzstandort gebracht

Mitte März rückten dann Beschäftigte eines Gartenbauunternehmens an, die die Bienenragwurze behutsam ausgruben und an einem vorher für die Knollengeophyten speziell hergerichteten Ersatzstandort wieder einpflanzten. „In den kommenden Monaten werden die Gärtnerinnen und Gärtner zudem das Anwachsen durch eine extensive Pflege weiter unterstützen“, weiß Renate Ullrich. Der neue Standort der Schützlinge wird bewusst nicht veröffentlicht, da es leider immer wieder rücksichtslose Zeitgenossen gibt, die geschützte wilde Orchideen ausgraben, um sie in ihren Garten zu setzen oder zu verkaufen.

Behutsamer Umgang auch mit der historischen Bausubstanz

Nach dem Abbruch des ehemaligen Zentrallabors werden im Innenhof zwei kleinere Gebäude für die Haustechnik des Anatomischen Instituts errichtet. Bei dem ansonsten denkmalgeschützten Gebäude D20 bleibt die historische Bausubstanz soweit wie möglich erhalten. Das betrifft vor allem die im Neobarock gestalteten Fassaden und die durch Jugendstilelemente geprägten Treppenhäuser.