Aktuelle Pressemitteilungen

Tranexamsäure verhindert Blutungen – und zwar ohne erhöhtes Thromboserisiko

Eine aktuelle Studie der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Patrick Meybohm vom Uniklinikum Würzburg belegt, dass die prophylaktische Gabe von Tranexamsäure das Risiko einer Thrombose oder einer Embolie nicht erhöht. Eine gute Nachricht unter anderem für alle, die unnötige Bluttransfusionen vermeiden wollen.

Tranexamsäure (TXA) ist ein hochpotentes Antifibrinolytikum, also ein Medikament, das die Auflösung von Blutgerinnseln (Thromben) verhindert. Diese Wirkweise macht sich die Medizin seit vielen Jahrzehnten zunutze – vor allem dann, wenn die Gerinnung dabei helfen soll, schwere Blutungen zu stoppen. 

Neuerdings tritt TXA durch das „Patient Blood Management“ verstärkt in den Fokus der Mediziner*innen. „Dieses Konzept zielt unter anderem darauf ab, bei Operationen die Blutverluste und den Einsatz von Blutkonserven möglichst zu reduzieren“, schildert Prof. Dr. Patrick Meybohm. Der Leiter der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Uniklinikum Würzburg (UKW) fährt fort: „Ein Ansatz dabei ist, bei Standardeingriffen, wie Knie- oder Wirbelsäulenoperationen, vorbeugend TXA intravenös zu verabreichen und damit die Blutverluste deutlich zu minimieren.“

Basis: Über 200 Studien mit Daten von 125.000 Patienten

Die Erweiterung der Indikationen ruft jedoch auch Besorgnis hervor: Kann die prophylaktische Anwendung nicht auch zu einem vermehrten Auftreten von Thrombosen oder Embolien führen? Um hier Klarheit zu schaffen, wertete Isabel Taeuber, Doktorandin aus der Arbeitsgruppe von Prof. Meybohm, mehr als 200 randomisierte kontrollierte Studien aus. Sie berücksichtigte dabei wissenschaftliche Arbeiten, die intravenös verabreichte Tranexamsäure mit einem Placebo oder einer Kontrolle verglichen. Dahinter stehen in Summe die Daten von über 125.000 Patienten aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen. 

Ergebnis: Vorteile überwiegen das Risiko deutlich

Die im April dieses Jahres in der Fachzeitschrift JAMA Surgery veröffentlichte Übersichtsarbeit zeigt, dass unter prophylaktischer TXA-Gabe weder Thrombosen noch Embolien häufiger auftreten. Gleichzeitig konnte aber ermittelt werden, dass die allgemeine Sterblichkeitsrate – insbesondere die Sterblichkeitsrate aufgrund von Blutungen – durch Tranexamsäure signifikant gesenkt wird. „Es lässt sich festhalten, dass die Vorteile der vorbeugenden Therapie das potenzielle Thromboembolie-Risiko deutlich überwiegen. Damit bildet TXA einen wichtigen Baustein im Blutmanagement des Patienten. Der Wirkstoff hilft, eine Gerinnungsstörung zu verhindern, das Blutungsrisiko zu reduzieren und die wertvolle Ressource Blut zu schonen“, fasst Prof. Meybohm, der Letztautor der Studie, zusammen.

Literatur: 

Taeuber I, Weibel S, Herrmann E, et al. Association of Intravenous Tranexamic Acid With Thromboembolic Events and Mortality: A Systematic Review, Meta-analysis, and Meta-regression. JAMA Surg. Published online April 14, 2021. doi:10.1001/jamasurg.2021.0884

 

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Uniklinikum Würzburg: Weltweit erster Einsatz von neuem System zur Tiefen Hirnstimulation

An der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums Würzburg wurden im März dieses Jahres die weltweit ersten beiden Parkinson-Patienten mit einem neuen Neurostimulatorsystem versorgt. Als Besonderheit können dessen Elektroden nicht nur gezielt die fraglichen Gehirnbereiche stimulieren, sondern auch kontinuierlich Gehirnströme erfassen.

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein seit Jahrzehnten etabliertes Verfahren zur Behandlung von neurologischen Bewegungsstörungen, wie sie beispielsweise bei Morbus Parkinson auftreten können. Am Uniklinikum Würzburg (UKW) werden in einer Kooperation zwischen den Kliniken für Neurochirurgie und Neurologie aktuell jährlich rund 60 dieser „Hirnschrittmacher“ implantiert. Am 17. und 18. März dieses Jahres versorgte Prof. Dr. Cordula Matthies, die stellvertretende Direktorin der Klinik für Neurochirurgie des UKW, und ihr Team als Weltpremiere zwei Patienten mit einer neuen Generation von THS-Systemen. „Mit der sogenannte BrainSense-Technologie geben die Neuromodulatoren nicht nur kontinuierlich Impulse an eng umgrenzte Hirnareale ab, sie können auch erstmals rund um die Uhr Gehirnsignale erfassen. Damit werden Daten gesammelt, die zukünftig der Optimierung der Therapie dienen können“, beschreibt Prof. Matthies.

Stimulation beseitigt krankhafte Hirnsignale
Wie bei der herkömmlichen THS auch, besteht das neue System aus einem kleinen Gerät, das ähnlich einem Herzschrittmacher an der Brust unter der Haut implantiert wird. Von dort werden durch ebenfalls unter der Haut geführte, feine Drähte elektrische Signale zu hochpräzise im Gehirn platzierten, jeweils etwa 1,2 Millimeter starken und 1,5 Millimeter langen Elektroden gesendet. Die elektrische Stimulation der meist nur wenige Kubikmillimeter großen Hirnareale beseitigt die krankhaften Signalveränderungen, die eine normale Hirnfunktion stören. 

Präzise Steuerung des Stimulationsfeldes
Bei vielen herkömmlichen Elektroden sind die Kontakte ringförmig. Sie stimulieren gleichförmig in alle Raumrichtungen. „Im Gegensatz dazu sind die Elektroden des neuen Systems segmentiert, wodurch das Stimulationsfeld noch präziser in therapeutisch relevante Richtungen gesteuert werden kann“, schildert Prof. Dr. Jens Volkmann, der Direktor der Klinik für Neurologie des UKW. So lassen sich nach seinen Worten Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Sprechstörungen, die sich aus der ungewollten Stimulation benachbarter Areale ergeben können, besser vermeiden.

Gehirnströme werden kontinuierlich aufgezeichnet
Darüber hinaus sind die sogenannten Sensight-Elektroden als weltweit einzige so ausgestattet, dass sie Gehirnströme kontinuierlich aufzeichnen und zur Speicherung im Steuergerät weiterleiten. In der Neurologischen Klinik können diese Daten dann mit einem gegen Datenmissbrauch besonders abgesicherten Bluetooth-System ausgelesen werden. „In Verbindung mit vom Patienten selbst aufgezeichneten Ereignissen, Symptomen oder Nebenwirkungen von Medikamenten erhalten wir so einen wertvollen Datenschatz, aus dem wir in der Zukunft eine personalisierte, noch viel gezieltere und variablere THS-Therapie entwickeln können“, freut sich Prof. Volkmann.

Datenschatz für die Entwicklung zukünftiger Kontrollalgorithmen
Der Weg dahin gehört zu den Forschungsschwerpunkten seiner Klinik. Er erläutert: „Wenn wir in Zukunft von möglichst vielen Patienten die entsprechenden Messdaten gewinnen, ist es möglich, mittels Big-Data-Analysen Muster zu erkennen, aus denen sich dann Algorithmen für eine bedarfsgerechte statt der bisherig kontinuierlichen Stimulation entwickeln lassen.“ Die beiden ersten am UKW mit dem System ausgestatteten Parkinson-Patienten seien demnach wissenschaftliche Pioniere, die zwar von den generellen Vorteilen einer THS profitieren, aber aus der Datenmessung noch keinen unmittelbaren persönlichen Gewinn ziehen würden. „Allerdings hält die Batterie des Schrittmachers drei bis vier Jahre und es ist durchaus wahrscheinlich, dass in dieser Zeit die ersten Kontrollalgorithmen entwickelt werden, mit denen ihr implantiertes System dann individuell nachprogrammiert werden kann“, kündigt Prof. Volkmann an.

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Das Uniklinikum Würzburg prüft CCR1-Antagonist als potenzielles Covid-19-Medikament

Eine für andere Indikationen gescheiterte Prüfsubstanz der Firma Bayer könnte möglicherweise als Covid-19-Medikament funktionieren. Das Uniklinikum Würzburg ist als Konsortialpartner und Prüfzentrum an der dafür erforderlichen Phase II-Studie beteiligt.

Eine Covid-19-Infektion verläuft häufig dann besonders schwer, wenn das Immunsystem mit einer überschießenden Immunantwort reagiert. Das fanden kürzlich Forscher*innen des Berlin Institute of Health (BÌH) gemeinsam mit Kolleg*innen aus der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Universitätsklinikum Leipzig heraus. Sie entdeckten, dass die vom Virus befallenen Epithelzellen das Immunsystem quasi zu Hilfe rufen. Beim Einwandern von Immunzellen in die Atemwege sind Chemokine – Botenstoffe des Immunsystems – beteiligt. Epithelzellen und aktivierte Immunzellen schütten diese aus und locken damit weitere Immunzellen an.

Idee: Den Empfang von Botenstoffen stören
Die Immunzellen besitzen Chemokin-Rezeptoren auf ihrer Zelloberfläche, mit denen sie die Hilferufe „empfangen“ können. Laut Prof. Dr. Irina Lehmann vom BIH spielt hierbei vor allem der Chemokin-Rezeptor 1 (CCR1) eine besondere Rolle. So kamen die Wissenschaftler*innen auf die Idee, diesen Rezeptor zu blockieren, um die überschießende Immunantwort zu dämpfen. Sie gingen auf die Suche nach bereits bekannten Blockern dieses Rezeptors – und wurden mit der ehemaligen Prüfsubstanz BX471 des Pharmakonzerns Bayer fündig. Dieser Wirkstoff sollte ursprünglich bei chronischen Entzündungen helfen. Auch dort spielt der Rezeptor CCR1 eine Rolle. Die Substanz erwies sich als gut verträglich, zeigte aber bei den anvisierten Indikationen nicht die gewünschte Wirkung. 

UKW ist Teil einer multi-zentrischen Studie
Jetzt erhält BX471 in einer multi-zentrischen Studie als potenzielles Covid-19-Medikament eine zweite Chance. Bei dem geplanten Vorhaben namens CATCOVID kooperieren das BIH, die Bayer AG, das Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin und die Universitätsklinika Leipzig und Würzburg. Am Uniklinikum Würzburg (UKW) wird das Vorhaben geleitet von Prof. Dr. Peter Kranke. Der Ärztliche Leiter der Klinischen Studien an der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie kommentiert: „Wir sind schon sehr gespannt, ob und wie sich die Vermutungen zur Wirkung in der Corona-Therapie erfüllen. Ein Vorteil ist, dass wir aufgrund der bei Bayer aus der Geschichte der Substanz schon vorliegenden Studiendaten direkt mit der klinischen Erprobung beginnen können.“ Und Prof. Dr. Patrick Meybohm, der Direktor der Klinik für Anästhesiologie, ergänzt: „Bislang zeichnet sich bei schweren Erkrankungsverläufen, wie wir sie auf der Intensivstation bei Covid-Patienten sehen, neben Dexamethason noch keine wirksame pharmakologische Intervention ab. Insofern ist jede Substanz, die in klinischen Studien solide untersucht wird, ein Hoffnungsschimmer für uns.“

Start in einigen Monaten
Bis die ersten Patient*innen in die Studie aufgenommen werden können, werden nach seinen Worten allerdings noch einige Monate vergehen, denn zunächst muss die Bayer AG den Wirkstoff in adäquaten Mengen herstellen und auch bei den Prüfzentren müssen aktuell noch einige formale Voraussetzungen für die Durchführung abgearbeitet werden.
Das Bundesforschungsministerium fördert CATCOVID mit rund 3,5 Millionen Euro.


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Studie: Was brauchen Pflegebedürftige und Pflegende unter Pandemiebedingungen?

Um die Lebenssituation pflegebedürftiger Menschen in der Corona-Pandemie – und bei zukünftigen Infektionsgeschehen – zu verbessern, hat das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege das Verbundprojekt BACOM initiiert. Das Institut für Allgemeinmedizin des Uniklinikums Würzburg ist an der Datenerhebung beteiligt.

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat kürzlich unter Federführung des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München den „Bayerischen ambulanten Covid-19 Monitor“ (BACOM) ins Leben gerufen. Die interdisziplinäre Studie soll die klinischen, psychischen, sozialen und physiologischen Auswirkungen von Covid-19-Erkrankungen bei Pflegebedürftigen in der ambulanten und stationären Langzeitpflege untersuchen. Ziel ist es, auch für zukünftige Pandemien gut vorbereitet zu sein. Dazu sollen bayernweit entsprechende Daten generiert sowie Ergebnisse in halbjährlichen Sachstandsberichten vorgestellt und auf Fachsymposien mit Experten diskutiert werden.

Besonderes Augenmerk auf Demenzpatienten
„Unser besonderes Augenmerk richten wir dabei auf Menschen mit Demenz. Wir versprechen uns davon unter anderem Erkenntnisse, wie wir die demenzsensible Betreuung und Versorgung in einer Pandemiesituation noch weiter verbessern können“, schildert Bayerns Gesundheits- und Pflegeminister Klaus Holetschek.
Neben dem Klinikum der LMU sind die Katholische Stiftungshochschule München, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und das Uniklinikum Würzburg (UKW) an dem Verbundprojekt beteiligt. Das Bayerische Forschungsnetz in der Allgemeinmedizin (BayFoNet) unterstützt das Vorhaben.
Konkret werden in Bayern 1.500 pflegebedürftige Bürger*innen, mit dem Pflegegrad 1 bis 5, die in den letzten sechs Monaten oder derzeit an Covid-19 erkrankt sind, zur Teilnahme am BACOM eingeladen. Zum Vergleich werden weitere 500 pflegebedürftige Bürger*innen einbezogen, die negativ auf das Virus getestet wurden. Darüber hinaus werden die Pflegenden, Angehörigen und Hausärzt*innen, die für die Betroffenen sorgen, zu ihren physischen und seelischen Bedürfnissen in der Pandemie befragt. Ferner kommen die strukturellen Voraussetzungen in den Pflegeeinrichtungen und Haushalten, in denen die Pflegebedürftigen versorgt werden, auf den Prüfstand.

Das Institut für Allgemeinmedizin nutzt seine Kontakte
Von Seiten des UKW kümmert sich das Institut für Allgemeinmedizin um die Datenerhebung im Bezirk Unterfranken und in Teilen Oberfrankens. „Unsere wichtigsten Kontaktpersonen sind die Hausärztinnen und Hausärzte. Über sie möchten wir die Menschen mit Pflegebehinderung erreichen und in die Studie einschließen“, kündigt Prof. Dr. Ildikó Gágyor, eine der beiden Lehrstuhlinhaberinnen des Instituts, an. Nach ihren Worten werden zudem die Pflege- und Seniorenheime in der Region direkt angeschrieben.
Die Untersuchung ist auf einen Zeitraum von drei Jahren mit halbjährlichen Nacherhebungen angelegt, um auch die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie für alle Akteure gut abbilden zu können.


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CRISPR-Entdeckung aus Würzburg bereitet Weg für neuartiges Corona-Testverfahren

Würzburg, 27. April 2021 – Bin ich mit SARS-CoV-2 infiziert? Handelt es sich um das Ursprungsvirus oder eine gefährlichere Mutante? Diese und mehr Fragen mit einem einzigen effizienten Testverfahren beantworten zu können, kann für den weiteren Krankheitsverlauf und die Therapie entscheidend sein. Würzburger Forscher:innen des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) und der Julius-Maximilians-Universität (JMU) haben in einer heute im Magazin „Science“ erschienenen Studie ihre neuen CRISPR-Erkenntnisse und die darauf basierende Diagnostiktechnologie LEOPARD vorgestellt.

Die meisten herkömmlichen molekularbiologischen Diagnostikverfahren – insbesondere die derzeit in der Pandemiebekämpfung zum Einsatz kommenden PCR-Tests – weisen in der Regel nur einen einzelnen krankheitsbezogenen Biomarker nach, beispielsweise eine bestimmte Sequenz von SARS-CoV-2. Solche sogenannten Singleplex-Verfahren liefern sehr zuverlässige Ergebnisse, da sie auf ein einziges Testmerkmal „geeicht“ sind. Um jedoch zu erkennen, ob ein Patient womöglich mit einer neuen Variante des Coronavirus oder eventuell mit einem ganz anderen Erreger infiziert ist, müssen viele verschiedene Faktoren überprüft werden. 

Wissenschaftlerinnen vom Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) und der Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg haben jetzt mit LEOPARD den Weg für eine gänzlich neue Diagnostikplattform bereitet. Es handelt sich dabei um ein CRISPR-basiertes Verfahren, das multiplexfähig ist: Es kann potenziell eine Vielzahl an krankheitsbezogenen Biomarkern in nur einem Test nachweisen.

So funktioniert LEOPARD

LEOPARD (Leveraging Engineered tracrRNAs and On-target DNAs for PArallel RNA Detection) beruht auf der in der Studie gewonnenen Erkenntnis, dass bestimmte Ribonukleinsäuren (RNAs, von Engl. ribonucleic acids) so programmierbar sind, dass die CRISPR-Technologie zum gezielten Nachweis von zellulären RNAs eingesetzt werden kann. Dadurch können beispielsweise RNAs von Viren oder anderen Krankheitserregern in einer Patientenprobe nachgewiesen werden.

Chase Beisel, Professor an der JMU und Forschungsgruppenleiter am HIRI, der die heute im Magazin „Science“ veröffentlichte Studie gemeinsam mit Professorin Cynthia Sharma vom Institut für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB) der JMU initiiert hat, zeigt sich erfreut: „Mit LEOPARD ist es uns gelungen, RNA-Fragmente von neun verschiedenen Viren nachzuweisen. Wir konnten außerdem SARS-CoV-2 und eine Variante in einer Patientenprobe differenzieren und zugleich bestätigen, dass die Probe korrekt erfasst wurde.“

Hintergrund

CRISPR-Technologien sind molekularbiologische Werkzeuge, die unter anderem der Genombearbeitung dienen. Häufig als Genschere bezeichnet, besteht CRISPR-Cas9 aus einer Protein- und einer RNA-Komponente, die es ermöglichen, bestimmte Genomabschnitte von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen gezielt zu verändern. In der Natur kommt die Genschere Cas9 in Bakterien wie dem Lebensmittelkeim Campylobacter vor und schützt diese beispielsweise vor eindringenden Viren. Für diesen Prozess der Immunabwehr wird eine CRISPR-RNA (crRNA), also gewissermaßen eine „Leit-RNA“, benötigt. Sie hilft dabei, ausgewählte Regionen des fremden Genoms exakt anzusteuern und unschädlich zu machen: Die von einer crRNA geleitete Nuklease Cas9 kann ihr Ziel dann wie eine Schere zerschneiden. 

Unerwartete Entdeckung

LEOPARD basiert auf einer Entdeckung in der Grundlagenforschung zur RNA-Biologie von Mikroorganismen. Bei ihren Experimenten bemerkten die Würzburger Wissenschaftlerinnen, dass die für die Funktionalität der Genschere erforderliche crRNA nicht nur mit der Immunabwehr zusammenhängt. Cynthia Sharma, Leiterin des Lehrstuhls für Molekulare Infektionsbiologie II am IMIB und Sprecherin des Zentrums für Infektionsforschung (ZINF) der JMU: „Als wir im Labor in unserem Modellorganismus Campylobacter nach RNA-Molekülen gesucht haben, die von Cas9 gebunden werden, waren wir sehr überrascht, dass wir nicht nur die crRNAs des bakteriellen Immunsystems detektieren konnten, sondern auch andere zelluläre RNA-Fragmente, die wie crRNAs aussahen. Diese neuartigen crRNAs waren offenbar von anderen Transkripten in der Zelle wie beispielsweise Boten-RNAs abgeleitet.“ 

Die Diagnostikplattform LEOPARD baut auf dieser Entdeckung auf. Relevant für LEOPARD sind sogenannte tracrRNAs. Diese werden für die Generierung der „Leit-RNAs“ sowie die Funktion der Genschere Cas9 benötigt. Chase Beisel: „Wir haben herausgefunden, wie wir die tracrRNAs so umprogrammieren können, dass wir dadurch entscheiden, welche RNA eine Leit-RNA wird, um damit die Cas9-Nuklease zu steuern. Anschließend konnten wir überprüfen, welche Genomsequenzen damit geschnitten werden und auf welches Pathogen, also auf welchen Krankheitserreger, dies zurückzuführen ist. Da diverse Möglichkeiten parallel in nur einem Test durchgespielt werden können, ist diese Technologie sehr schnell und effizient.“

Die Leistungsfähigkeit von LEOPARD könnte künftig selbst multiplexfähige PCR-Tests und andere Methoden in den Schatten stellen. „Die Technologie hat das Potenzial, die medizinische Diagnostik nicht nur von Infektionskrankheiten und Resistenzen, sondern auch von Krebs und seltenen genetischen Erkrankungen zu revolutionieren“, sagt Professor Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie der JMU, das Patientenproben für die Studie bereitgestellt hat.

Bund und Freistaat fördern LEOPARD


„Die fachübergreifende Zusammenarbeit ist ein Erfolgsbeispiel für den hiesigen Wissenschaftsstandort“, sagt Professor Jörg Vogel, Direktor des IMIB und des HIRI, einer gemeinsamen Einrichtung der JMU mit dem Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. „LEOPARD demonstriert eindrucksvoll, dass wir in Würzburg von den Grundlagen der RNA-Forschung über den Kliniksektor bis zur medizinischen Anwendung das volle Spektrum komplementärer Spitzenforschung abbilden können“, so Vogel.

Die aktuelle Studie wurde unter anderem aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG SPP 2141) gefördert. Für eine spätere Markteinführung von LEOPARD konnten außerdem Fördergelder („GO-BIO initial“) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Medical Valley Award des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie eingeworben werden. 

Originalartikel:
Non-canonical crRNAs derived from host transcripts enable multiplexable RNA detection by Cas9. Chunlei Jiao, Sahil Sharma†, Gaurav Dugar†, Natalia L. Peeck, Thorsten Bischler, Franziska Wimmer, Yanying Yu, Lars Barquist, Christoph Schoen, Oliver Kurzai, Cynthia M. Sharma*, Chase L. Beisel*. 27.04.2021
https://science.sciencemag.org/lookup/doi/10.1126/science.abe7106   

Kontakt
Prof. Dr. Chase Beisel, Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI). E-Mail: chase.beisel@helmholtz-hiri.de, Webseite: www.helmholtz-hiri.de

Prof. Dr. Cynthia Sharma, Lehrstuhl für Molekulare Infektionsbiologie II, Institut für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB), JMU Würzburg. E-Mail: cynthia.sharma@uni-wuerzburg.de, Webseite: www.imib-wuerzburg.de

Link
Ein kurzes Video zu der Methode gibt es hier zu sehen.

Von Dr. Britta Grigull (HIRI)

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 27.04.2021

Mehr Sicherheit durch den Fahrradhelm

Start der Kampagne #KopfEntscheidung des Polizeipräsidenten Unterfranken

Eine neue Kampagne des Polizeipräsidiums Unterfranken macht auf das Tragen von Fahrradhelmen aufmerksam. Videos, Plakate, Infoveranstaltungen und Kontrollaktionen sollen die drohenden Gefahren für schwere Kopf- und Gehirnverletzungen bewusstmachen, die bei Rad-Unfällen ohne Fahrradhelm entstehen können.

Zahlreiche Prominente unterstützen die neue Kampagne #KopfEntscheidung, einer der Protagonisten ist der Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am Uniklinikum, Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus. Er berichtet von Patienten mit schwersten Kopfverletzungen, die nach Fahrradunfällen in der Klinik behandelt werden müssen. Prof. Ernestus ist daher der Schutz der Radler ein ganz besonders wichtiges Anliegen – gerade in Zeiten, in denen das Radfahren einen großen Boom erlebt. 


Hier das Video zur Kampagne
Weitere Informationen zur Kampagne finden Sie auf der Webseite des Polizeipräsidiums Unterfranken

 

Audiodatei und Videodatei des BR-Beitrags

Link zum Mainpost Artikel – Mehr Sicherheit, weniger Unfälle

Philosophicum Herbipolense

Sommersemester 2021

„Gender (in) Medicine - Geschlechterrollen in der Medizin“

Einladung und Semesterprogramm

Hiermit möchten wir Sie sehr herzlich zu unserem Philosophicum im Sommersemester einladen. Unser Semesterthema beleuchtet fundiert die Grundlagen der Geschlechterrollen in der Medizin und forscht nach dem Thema aus Sicht der Medizin im Kontext anderer Wissenschaften wie Ethik, Wissenschaftstheorie, Soziologie, Biologie und Philosophie. Unser Semesterprogramm finden Sie in Anlage. Wir haben renommierte Referentinnen und Referenten, Prof. MIchael Schmidt, Mitbegründer des Philosophicums, Frau Prof. Dr. Marie-Christine Dabauvalle  von der Universität Würzburg, Prof. Dr. med. Martin Fassnacht von der Universität Würzburg, Frau Dr. Seeland von der Charité in Berlin, den Philosophen Prof. Dr. phil Christoph Türcke aus Leipzig und Studierende der Soziologie, Vera Lang und Henrik Beer (Universitäten Kassel und Göttingen) für unser Semesterprogramm gewinnen können. Nähere Informationen zum Philosophicum, unser Konzept und die ausgezeichneten Vorträge von Prof. Dr. phil. Johannes, Mitbegründer des Philosophicums, finden Sie unter www.ukw.de/philosophicum
  
Aufgrund der Coronasituation wird das Philosophicum im Sommersemester weiter nur digital abgehalten. Wir werden in diesem Semester allerdings nur noch einen Zoom Link verwenden, es wird also zukünftig keine separaten Links mehr pro Veranstaltung geben, sondern nur noch diesen einen, über den man sich quasi virtuell in unseren Seminarraum "setzen" kann. Die Vorträge werden am jeweiligen Termin live auf ZOOM und zusätzlich ggf. über den e-mail Newsletter des Philosophicums als Arbeitstexte veröffentlicht. Außerdem finden Sie die Vorträge auf dem Youtubekanal  des Würzburger Philosophicum unter der Voraussetzung dass unsere Referentinnen und Referenten jeweils damit einverstanden sind.

Beginn: Do., 29.04.2021   18.00 c.t. - 19.45 Uhr

Thema: Gute Miene zum Sexismus? – Alltagsdiskriminierung an Universitäten und medizinischen Einrichtungen

Referentin: Frau Dr. med. Leyla Güzelsoy (Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Nürnberg)

Studierende, Philosophen, Mediziner, Ärzte und Interessierte reflektieren und diskutieren das interessante Schwerpunktthema der Gender Medicine transdisziplinär mit Bezug zu Praxis, Klinik, Forschung und verwandten Fächern. Die Veranstaltungen sind bewußt interaktiv gehalten und schließen neben dem Vortrag eine offene Diskussion ein. Besonders begrüßen wir dazu Studierende anderer Hochschulen z.B. wie der in Coburg, aber auch Universitäten Erlangen, Jena, Charité Berlin, Mainz und LMU München.

Zusätzlich ist unser Auftritt auf Meetup eingerichtet und steht auf Wunsch zur Verfügung unter https://www.meetup.com/de-DE/wuerzburger-philosophicum Dort können sich Interessentinnen*en des Würzburger Philosophicums austauschen und über die Veranstaltungen diskutieren. Sie finden hier außerdem unter anderem alle Veranstaltungen, die in diesem Semester noch stattfinden, und werden, wenn Sie unserer Gruppe beitreten, über den Newsletter hinaus über weitere Veranstaltungen informiert. Geplant ist beispielsweise eine zusätzliche Veranstaltung des Philosophicums am Internationalen Tag der Philosophie, 18. November 2021, an der Universitätsklinik Würzburg. 

Über Ihre Teilnahme und Mitwirkung an der Diskussion freut sich sehr

Ihr Philosophicumsteam -

Carla Winter, Judith Kleiss, Hannah Gauger, Charlotte Göttmann, Gloria Griebel, Harriet Hahn, Antonia Mortsch, Michael Gabler, Till Gallasch, Valentin Metzner, Hans Aster, Jonas Daub, Michael Schmidt, Johannes Königshausen und Thomas Bohrer 

Link zu weiteren Veranstaltungen der Philosophicum Herbipolense