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Prof. Dr. Norbert Roewer: Innovationsstarker Klinikdirektor im Ruhestand

Fast 25 Jahre lang leitete und formte Prof. Dr. Dr. h.c. Norbert Roewer den Fachbereich Anästhesiologie am Uniklinikum Würzburg. Mit Beginn dieses Jahres trat er in den Ruhestand.

1995 kam Prof. Dr. Norbert Roewer (Jahrgang 1951) vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf nach Würzburg. Zunächst war er hier kurz als kommissarischer Vorstand des Instituts für Anästhesiologie tätig, bevor er 1996 die Nachfolge von Prof. Dr. Karl-Heinz Weis als Lehrstuhlinhaber und Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie antrat. Fast 25 Jahre später, mit dem Wechsel in den Ruhestand Anfang dieses Jahres, endete für den zielstrebigen Mediziner eine intensive Schaffensphase, in der er Klinik, Forschung und Lehre in seinem Fachbereich sowie auch die Gesamtentwicklung des Uniklinikums Würzburg (UKW) maßgeblich prägte.

Tiefgreifende Modernisierungen bringen Vorreiterposition

„Mein Anliegen war es immer, in der Patientenversorgung wie auch in den anderen Aspekten der Universitätsmedizin nicht den Entwicklungen hinterherzulaufen, sondern selbst Standards zu setzen“, schildert der nun ehemalige Klinikdirektor eines seiner Führungsmotive. Beispielsweise initiierte er im Jahr 1998 eine Modernisierung der Anästhesiologischen Intensivstation des UKW, an deren Ende – neben vielen weiteren technischen Neuerungen – seine Klinik die erste „papierlose Intensivstation“ in Bayern vorweisen konnte.

Im selben Jahr wurden auf sein Betreiben hin klinikumsweit alle Narkosearbeitsplätze erneuert. Sie erhielten unter anderem einheitliche Messapparaturen und Monitore zur Überwachung der Narkosetiefe und der Muskelrelaxation. „Heute ist das allgemeiner Standard – damals waren wir damit bundesweiter Vorreiter“, betont Prof. Roewer. Von diesem Zeitpunkt an fand jeder Anästhesist an jedem der insgesamt 110 Anästhesie-Arbeitsplätze im UKW und im mitzuversorgenden König-Ludwig-Haus die gleichen technischen und ergonomischen Bedingungen vor. „Dies trug nicht nur zu einem noch effizienteren Arbeiten bei, sondern erhöhte auch die Patientensicherheit“, verdeutlicht der Technologie-Pionier. Pionierarbeit leistete er übrigens auch mit dem frühen, heute unverzichtbaren Einsatz von diagnostischen Ultraschallverfahren in der Anästhesiologie.

ECMO-Zentrum, Notfall- und Katastrophenmedizin, Schmerztherapie

Ein weiterer Beleg seines Innovationswillens: Im Jahr 2010 führten er und sein Team die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) auf der Anästhesiologischen Intensivstation ein. „Die ECMO ist ein für Patienten mit akutem Lungenversagen überlebenswichtiges Hochtechnologieverfahren“, beschreibt der Klinikdirektor a. D. und fährt fort: „Seit dem Jahr 2012 betreiben wir eines der größten überregionalen ECMO-Zentren in Deutschland.“
Unter der weitsichtigen Ägide von Prof. Roewer entwickelte sich am UKW ferner die erste und deutschlandweit einzige Professur für Notfall- und Katastrophenmedizin. Über die Vorbereitung auf große Schadenslagen und die notärztliche Versorgung in Würzburg sowie in den angrenzenden ländlichen Regionen, verbunden mit Forschung und Lehre, entstand damit nach seinen Worten eine Sektion mit regionaler und überregionaler Bedeutung.
„Auch die Schmerztherapie war und ist für mich ein besonders wichtiges Leistungsangebot“, unterstreicht Prof. Roewer. So wurde unter seiner Leitung die seit 1985 bestehende Schmerzambulanz des UKW sukzessive zum heutigen „Interdisziplinären Zentrum für Schmerzmedizin“ ausgebaut. Zu dessen Angeboten zählt unter anderem die zweitgrößte universitäre Schmerztagesklinik Deutschlands.

Simulationszentrum mit internationalem Vorbildcharakter

Hohe Qualitätsansprüche hatte der Professor auch bei der studentischen Lehre sowie der ärztlichen Aus- und Weiterbildung. So war seine Klinik eine der ersten in Deutschland, die über ein hochtechnologisches Simulationszentrum verfügten. „Mit den an der Würzburger Anlage gewonnenen Erfahrungen waren mein Team und ich auch beim Aufbau von ähnlichen Zentren im Ausland gefragte Experten“, berichtet Prof. Roewer. Unter anderem an Würzburgs Partneruniversität im slowenischen Maribor, die ihm seine diesbezügliche Unterstützung mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde im Jahr 2011 dankte.

Gute Anästhesisten-Ausbildung bedeutete für den Menschenfreund Roewer jedoch nicht nur die Schulung des klinischen Könnens. Er erläutert: „Während des Narkosegespräches haben wir meist nur sehr wenig Zeit, das für einen runden Behandlungsablauf so wichtige Vertrauen der Patienten zu gewinnen. Ich habe mich immer bemüht, meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die dafür erforderlichen ‚Soft Skills‘ zu vermitteln.“

Forschung für den Patienten

Ein Nachweis für die hohe wissenschaftliche Aktivität der Würzburger Universitäts-Anästhesiologie sind u. a. die Habilitationen von 28 Mitarbeiter/innen, die von Prof. Roewer in verschiedenen Forschungsbereichen gefördert wurden. Er selbst widmete sich v. a. der Wirkstoffoptimierung, der Organprotektion und der Maligen Hyperthermie. Letztere ist eine sehr seltene, aber lebensbedrohliche Narkose-Komplikation.

„Zu meinen Herzensangelegenheiten zählte immer auch die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, sagt Prof. Roewer. So unterstützte er z. B. die Entwicklung eines Mentoring-Programms der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie & Intensivmedizin (DGAI) und betreute selbst als Mentor mehrfach aufstrebende Nachwuchsforscher/innen. Für diesen Einsatz ehrte ihn die DGAI im Jahr 2018 mit der Manfred-Specker-Medaille. Darüber hinaus richtete Prof. Roewer seit seinem Amtsantritt die jährlichen „Wissenschaftlichen Arbeitstage“ der DGAI in Würzburg aus und leitete diese Veranstaltung zuletzt im Februar 2020. „Bei dieser Tagung steht der wissenschaftliche Nachwuchs im Mittelpunkt, der unserem Fach den akademischen Anspruch sichert“, erklärt Roewer.

Dankbare Empfänger/innen für sein Wissen gab es im Lauf der weit über zwei Jahrzehnte am UKW genug: Hatte seine Klinik bei der Übernahme im Jahr 1996 gerade mal 76 ärztliche Planstellen, so stiegen diese mit zunehmenden Patientenzahlen und Versorgungsaufgaben bis heute auf rund 150 ärztliche Voll- und Teilzeitstellen an.

Neben den vielfältigen Tätigkeiten in seinem Fachbereich war Prof. Roewer von 2009 bis Ende 2019 Stellvertretender Ärztlicher Direktor des UKW und brachte seine Kenntnisse im Vorstand sowie in verschiedenen Gremien – insbesondere in der Strategiekommission, bei Bauprojekten und im OP-Management – ein.

Weiter als Seniorprofessor aktiv

Und jetzt der Ruhestand? „Ich bin noch voller Schaffenskraft und tatendurstig. Außerdem gestalte ich immer noch gerne“, verkündet der humorvolle Mediziner. Die Medizinische Fakultät der Uni Würzburg weiß sich diese nach wie vor überschäumende Energie zunutze zu machen: Sie ernannte Norbert Roewer zum Seniorprofessor und betraute ihn mit dem Aufbau des Stiftungswesens für die Würzburger Universitätsmedizin. Ein weiteres großes Projekt für den Seniorprofessor: Der Aufbau eines bayerischen Netzwerks für Tele-Intensivmedizin.

Roewers Nachfolge als Klinikdirektor hat zum Jahresbeginn 2020 Prof. Dr. Patrick Meybohm angetreten, bis dahin Stellvertretender Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Frankfurt. Roewer: „Meinem Nachfolger wünsche ich alles Gute, ich bin mir sicher, dass die Erfolgsgeschichte der Klinik in seinen Händen fortgeschrieben wird.“

 

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Ein Kreuz und viele Steine: Fastenzeit-Aktion am Uniklinikum Würzburg gestartet

Das ökumenische Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg lädt auch in diesem Jahr wieder zu einer Fastenzeit-Aktion ein: An einem Holzkreuz in der Magistrale des Zentrums für Operative Medizin und am Altar der katholischen Klinikkapelle können bis Karfreitag beschriftete Steine niedergelegt werden.

Gerade nach dem sehr hohen Zuspruch im vergangenen Jahr liegt es für das ökumenische Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg (UKW) nahe, seine Fastenzeit-Aktion auch in 2020 zu wiederholen. Seit dem Aschermittwoch steht wieder ein Fastenkreuz in der Magistrale des Zentrums für Operative Medizin (ZOM), nahe des Raums der Stille. Am Fuß des etwa mannshohen Holzkreuzes können in den kommenden Wochen bis Ostern beschriftete Steine abgelegt werden. „Alle – Patientinnen und Patienten, deren Besucherinnen und Besucher sowie natürlich auch die Beschäftigten des Klinikums – sind herzlich eingeladen, ihre persönlichen Gedanken mit den bereitliegenden Stiften auf die ebenfalls zur Verfügung gestellten Kieselsteine zu schreiben“, sagt der Klinikseelsorger Dariusz Cwik. Sinnsprüche und Bibelzitate, Dankes- und Trostworte, Fürbitten und Fragen, Klagen und Hoffnungen – vieles ist hier denkbar.

Parallel dazu läuft die Aktion auch in der katholischen Klinikkapelle im Altgelände des UKW an der Josef-Schneider-Straße. Hier können die Steine am Altar niedergelegt werden. Am Karfreitag sind das Fastenkreuz und die Anliegen-Steine dann Teil des dortigen Gottesdienstes.

 

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In Deutschland leiden schätzungsweise bis zu fünf Millionen Menschen an verengten Bein- und Beckengefäßen. Man spricht auch von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit – abgekürzt PAVK. Grund der Durchflussstörung ist die Ablagerung von Blutfetten, Thromben und Bindegewebe in den Gefäßwänden. Durch die zusätzliche Einlagerung von Kalziumsalzen kann eine regelrecht harte Verkalkung eintreten. „Die herkömmlichen gefäßerweiterten Maßnahmen sind bei diesen ‚Kalkpanzern‘ oft problematisch“, berichtet Ralph Kickuth, Professor für Interventionelle Radiologie am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Als neue Behandlungsoption entwickelte der Medizintechnik-Markt die intravaskuläre Lithotripsie. Seit August 2019 gehört das Verfahren auch zum Portfolio des UKW. „Das Prinzip dieser Stoßwellentherapie ist bekannt aus der Zertrümmerung von Nieren- oder Gallensteinen – nun ist sie auch als Katheteranwendung verfügbar“, umreißt Prof. Kickuth.

Ultraschalldruckwellen zerbrechen den Kalkpanzer

Bei der intravaskulären Lithotripsie wird unter Durchleuchtung ein spezieller Ballonkatheter zur verkalkten Engstelle navigiert und dort soweit aufgepumpt, dass er allseits gut an der Gefäßwandung anliegt. Im Katheder befinden sich vier oder fünf winzige Emitter. Ein außerhalb des Körpers an den Katheter angeschlossener Generator erzeugt eine Spannung, die an den Emittern zu einer elektrischen Entladung führt. Diese vaporisiert das im Ballonkatheter befindliche Kochsalz-Kontrastmittel-Gemisch. Dadurch wird ein sich rasch ausdehnendes und kollabierendes Gasbläschen erzeugt, was wiederum Ultraschalldruckwellen hervorruft. Diese Stoßwellen werden auf die Gefäßwand übertragen und sorgen hier für Mikrorisse in der verkalkten Ablagerung. Die nicht betroffenen Gefäßabschnitte und das angrenzende weiche Gewebe bleiben unbeeinträchtigt. „Durch diesen Vorgang wird das Gefäß im betroffenen Segment verformbar und lässt sich in einem Arbeitsschritt mit dem einliegenden Lithotripsieballonkatheter besser aufweiten“, schildert Prof. Kickuth. Die nach seinen Worten schmerzfreie minimal-invasive Behandlung erfolgt im Katheterlabor des UKW, eine Narkose des Patienten ist nicht notwendig.

Hervorragende Behandlungsergebnisse

Zwischen August 2019 und Januar 2020 wurden am Würzburger Uniklinikum vier Patienten mit dem neuen Verfahren therapiert – laut Prof. Kickuth alle mit vollem Erfolg. „Die Ergebnisse für die Betroffenen waren hervorragend – und die Anwendung ist für den durchführenden Arzt sehr unkompliziert“, fasst der Experte zusammen. Dies passt zu den Aussagen der bisher zur intravaskulären Lithotripsie durchgeführten, noch vergleichsweise wenigen Pilot- oder Machbarkeitsstudien. „Ungeachtet einer noch weiteren wissenschaftlichen Überprüfung bin ich sehr optimistisch, dass das Verfahren das Potenzial hat, zum Standard bei der Wiedereröffnung extrem verkalkter peripherer Arterien zu werden“, sagt Prof. Kickuth.

 

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Uniklinikum Würzburg: Benefiz-Adventsbasar erbrachte 2.620 Euro

Durch einen Benefiz-Adventsbasar von Hobbyhandwerkerinnen am Uniklinikum Würzburg wurden über 2.600 Euro eingenommen. Das Geld soll helfen, die Einrichtung einer klinikumsnahen Wohnung für Eltern krebskranker Kinder zu finanzieren.

In der Adventszeit „betrieben“ Hobbyhandwerkerinnen aus dem Raum Hammelburg/Weyersfeld im Zentrum für Operative Medizin (ZOM) des Uniklinikums Würzburg einen Adventsbasar für den guten Zweck. Durch den Verkauf von gestrickten Socken, Mützen und Stulpen, Holzarbeiten, Weihnachtsgestecken, Adventskränzen, Kissen, Plätzchen, Quarkstollen und vielem mehr kamen insgesamt 2.620 Euro zusammen. Diese Summe überreichten die fleißigen Damen nun der Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder e.V., die damit die Familien unterstützen, deren Kinder auf den onkologischen Stationen Regenbogen, Schatzinsel und Leuchtturm der Würzburger Universitäts-Kinderklinik behandelt werden.

„Wir sind sehr dankbar für das Engagement der Damen, die bereits das dritte Jahr den Erlös ihrer fleißigen Arbeit gespendet haben“, sagt Denise Lampert von der Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder e.V. und fährt fort: „Nicht nur die Zeit der Vorbereitung, sondern auch die jeweils zehn Tage, die die Frauen vor Ort ehrenamtlich verbringen, sind unbezahlbar.“

Die 2.620 Euro werden für die Einrichtung einer neuen Elternwohnung verwendet, die die Elterninitiative anmietet, damit die Eltern der krebskranken Kinder kostenfrei in der Nähe der Universitäts-Kinderklinik übernachten können.

 

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Bequeme Behandlungssessel, an den Wänden dekorative Gemälde und ein riesiger Flachbildschirmfernseher – der Behandlungsraum der neugeschaffenen Infusionsambulanz der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) bietet einigen Komfort. Und das zu Recht, denn für viele der Patienten, die hier behandelt werden, dauern die Therapiesitzungen mehrere Stunden. „In den meisten Fällen basiert das Wirkprinzip der hier verabreichten Medikamente auf monoklonalen Antikörpern“, berichtet Klinikdirektor Prof. Dr. Jens Volkmann und fährt fort: „Die damit verbundenen Eingriffe in das Immunsystem sind sehr effektiv und meist vergleichsweise gut verträglich, setzen aber regelmäßige Infusionen voraus.“ Der Rhythmus der Therapiesitzungen für die in aller Regel chronischen Patienten variiert je nach Erkrankung zwischen dreiwöchentlich und halbjährlich.

Ein Angebot gemäß dem Maximalversorgungsauftrag

Bislang fanden die Infusionstherapien an der Neurologischen Klinik des UKW stationär statt. „Die Einrichtung dieser Ambulanz bedeutet für die Patienten, die nun nicht mehr über Nacht bei uns bleiben müssen, einen Gewinn an Lebensqualität“, erläutert Prof. Volkmann. Verständlicherweise hätten wegen des Risikos der Behandlung viele Niedergelassene Scheu vor dem Einsatz der Infusionstherapien, die in besonderem Maße überwachungspflichtig seien. Dies führte nach Prof. Volkmann zuletzt schon zu einem zurückhaltenden Angebot und zu Versorgungsengpässen bei diesen wirksamen Behandlungen. „Mit der baulichen und organisatorischen Installation der Neurologischen Infusionsambulanz können wir unseren Patienten eine moderne, zukunftsweisende Versorgung bieten, mit allen möglichen Übergängen von der stationären in die ambulante Versorgung und vice versa“, freut sich Prof. Dr. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, und fährt fort: „Wir kommen hier als Universitätsklinikum ein weiteres Mal beispielhaft unserem Maximalversorgungsauftrag nach und können den Patienten wie auch den niedergelassenen Kollegen der Region und weit darüber hinaus ein spitzenmedizinisches Angebot machen.“

Personelle Kontinuität schafft Vertrauen

Geleitet wird die Infusionsambulanz von Privatdozent Dr. Chi Wang Ip. Für die pflegerische Betreuung der Patienten während der Infusionssitzungen – zu der auch eine kontinuierliche Sichtkontrolle gehört – stehen ihm zwei erfahrene Krankenschwestern zur Verfügung. Zusätzlich verstärkt eine Arzthelferin das Team. „Unsere Patienten schätzen es sehr, dass sie bei ihren regelmäßigen Therapiesitzungen hier immer dieselben Ansprechpartner vorfinden und sich so ein besonderes Vertrauensverhältnis entwickeln kann“, schildert Dr. Ip. Was die Sicherheit – zum Beispiel bei den sehr seltenen allergischen Reaktionen auf die Medikamente – angeht, ist es zudem vorteilhaft, dass die Infusionsambulanz mitten im Poliklinikbereich der Neurologischen Klinik angesiedelt ist, wo in unmittelbarer Nähe besonders viele Ärztinnen und Ärzten ihren Dienst verrichten.

Der Bedarf wird steigen

„Aktuell behandeln wir pro Woche bis zu 20 Patienten. Von der Kapazität her ist hier noch Luft nach oben – mit der entsprechenden organisatorischen Optimierung sind bei der jetzigen Ausstattung wöchentlich sicher 30 Patienten realistisch“, sagt Dr. Ip. Und das ist auch gut so, denn der Bedarf wird weiter steigen. Zum einen, weil Infusionstherapien bei neuroimmunologischen Erkrankungen, wie vor allem Multipler Sklerose, mehr und mehr zum Standard werden. „Zum anderen sind aber auch für neurodegenerative Krankheiten, wie Parkinson oder die Alzheimer Erkrankung, Medikamente in der Entwicklung, die ebenfalls auf Antikörpern basieren und wohl auch Infusionstherapien benötigen werden“, kündigt Dr. Ip an. Hier könne die Ambulanz in Zukunft auch für klinische Prüfungen neuer Wirkstoffe genutzt werden.

 

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1.000 Patienten sei Dank!

Ziel erreicht! 1.000 Patienten wurden seit August 2014 ins AHF Register (Acute Heart Failure) aufgenommen. Sie wurden allesamt mit einer Akuten Herzinsuffizienz ins Universitätsklinikum Würzburg eingeliefert und haben zugestimmt, dass ihr Krankheitsverlauf genau dokumentiert wird – sowohl auf der Station als auch nach der Entlassung. Das bedeutet: ein halbes Jahr nach dem Krankenhausaufenthalt sowie in den folgenden fünf Jahren einmal pro Jahr werden die Patienten zu umfangreichen Kontrolluntersuchungen in das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) eingeladen. Patienten, die nicht ins DZHI kommen können, werden von einer speziell geschulten Studienschwester telefonisch nach dem körperlichen und seelischen Wohlbefinden befragt. Diese Fachkraft holt auch Informationen bei den behandelnden Hausärzten ein. Von der umfangreichen Dokumentation der Daten erhoffen sich die Wissenschaftler, das Krankheitsbild und den Verlauf der Herzinsuffizienz besser zu verstehen, die Versorgungsbedürfnisse jedes einzelnen Patienten besser kennen zu lernen, und Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

Die 1.000 Patientin im AHF Register, Manuela Henn, mit Ehemann Klaus, den Studienschwestern und der Studienärztin. © Floran Sahiti
Das AHF-Team v.l.n.r.: Nina Scholz, Daniela Vilsmeier, Anett Heyne, Gabriele Hartner, Caroline Morbach und Stefan Störk. © Floran Sahiti

Manuela Henn ist 51 Jahre alt und kam in der vergangenen Woche ins Uniklinikum Würzburg, da ihr Körper zu viel Wasser eingelagert hatte – ein typisches Symptom einer Herzinsuffizienz.  „Ich konnte mich schon so lange nicht mehr konzentrieren, war müde und wusste nicht warum“, sagt die Mitarbeiterin im Amt für Familienangelegenheiten. „Dank der ausführlichen Beratung im Rahmen der AHF Register-Studie wissen mein Mann und ich jetzt, wie wir mit der Krankheit umzugehen haben und was wir im Alltag beachten müssen.“ Sie ist die 1.000 Patientin im AHF Register, genauer gesagt die 399ste Patientin, denn 601 Studienteilnehmer sind männlich. Im Schnitt sind die Probanden auch 26 Jahre älter als Manuela Henn, nämlich 77 Jahre alt.

„Erstmals entsteht ein komplettes Bild aller Patienten mit Akuter Herzinsuffizienz“

Von 1.000 weiteren Herzinsuffizienz-Patienten, die nicht an der Beobachtungsstudie teilnehmen können, dürfen zusätzlich die klinischen Informationen über ihren stationären Aufenthalt anonymisiert wissenschaftlich ausgewertet werden. Dies sind vorwiegend Patienten, die ein besonderes Krankheitsprofil und eine höhere Sterblichkeit aufweisen. „So entsteht erstmals ein komplettes Bild aller Patienten mit einer akuten Herzinsuffizienz, auch der Schwerstkranken“, resümiert Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der Klinischen Forschung am DZHI und Leiter der Studie.

Die klinische Studiendatenbank des AHF Register erlaubt die Analyse zahlreicher wissenschaftlicher Fragestellungen. So haben sich bereits bei der Erhebung der Daten zwölf Doktoranden mit der Qualität und der Bedeutung für die Kurzzeitprognose der Patienten beschäftigt und wertvolle Erkenntnisse daraus gewonnen. Sie haben unter anderem die Bedeutung der Informationen untersucht, die aus EKG, Röntgenbildern, verschiedensten Laboruntersuchungen und Echokardiografien ableitbar sind. „Die Anwendung innovativer Echokardiografie-Methoden wie zum Beispiel die Untersuchung der Herzarbeit (Myocardial Work), könnte dazu beitragen, das Krankheitsbild besser zu verstehen und die Therapie gezielter anzuwenden“, berichtet Dr. Caroline Morbach, Leiterin des Echo-Labors im DZHI.

Prognose hängt von Art und Zeitpunkt der Diagnose ab

Akute Herzschwäche ist nach wie vor mit einer schlechten Prognose verbunden. Leider leben inzwischen nur noch etwa 60 Prozent der 1.000 Patienten aus dem Register. Gut ein Drittel ist an den Folgen der Herzinsuffizienz bereits verstorben. Diese Zahl stimmt überein mit anderen Studienergebnissen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, die nächsten fünf Jahre nach der Diagnosestellung zu überleben, liegt bei etwa 50 Prozent. Jede Krankenhauseinweisung wegen einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz mindert die Prognose.

„Das klingt zunächst erschreckend. Ist es auch“, sagt Prof. Störk. „Doch für etwa die Hälfte der Patienten – diejenigen, die an einer systolischen Herzinsuffizienz leiden – stehen immer bessere Therapien zur Verfügung. Mit der richtigen Behandlung und der Bereitschaft des Patienten, sich und seine Werte kontinuierlich im Auge zu behalten und die Medikamente regelmäßig einzunehmen, sind die Chancen auf ein längeres Leben und mehr Lebensqualität stark verbessert. Für die sogenannte diastolische Herzinsuffizienz, an der die andere Hälfte der Patienten leidet, sind die Behandlungsstrategien noch nicht so gut entwickelt. Doch die Wissenschaftler arbeiten mit Hochtouren daran, auch hier am DZHI.“

Von entscheidender Bedeutung für beide Patientengruppen sei jedoch laut Störk die gut strukturierte Versorgung im Netzwerk. „Dies bedeutet, dass alle Versorger, vom Hausarzt über den Kardiologen bis hin zur Klinik, kontinuierlich und gut informiert sind über den Gesundheitszustand ihres Patienten. Am DZHI wurden hierzu Netzwerkstrukturen entwickelt und wird gezielt Personal für diese Netzwerke ausgebildet.“

Am besten ist die Prognose natürlich, wenn es erst gar nicht zur Krankenhauseinweisung kommt. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser kann die Herzinsuffizienz oftmals behandelt werden.

Hier finden Sie die Pressemitteilung als PDF.

 

Selten sind viele: Infostand zum Tag der Seltenen Erkrankungen am 29.02.2020

Auch in diesem Jahr organisiert der „Würzburger Arbeitskreis Seltene Erkrankungen“ (WAKSE) in Zusammenarbeit mit dem Aktivbüro der Stadt Würzburg wieder eine Aktion zum internationalen Tag der Seltenen Erkrankungen.

Am Samstag, 29.02.2020 von 11.00 – 13.00 Uhr soll mit einem Infostand auf dem Unteren Markt auf die Situation von Menschen mit einer seltenen Erkrankung aufmerksam gemacht werden. Denn Seltene Erkrankungen gelten zu Recht immer noch als Waisen der Medizin. Die meisten von ihnen sind kaum erforscht, es gibt fast keine ursächlichen Therapien und selbst vielen Ärzten sind diese Krankheiten unbekannt.

Rund 300 Millionen Menschen weltweit leben mit einer Seltenen Erkrankung. Selten ist also gar nicht so selten.

Der Würzburger Arbeitskreis für Seltene Erkrankungen gründete sich 2007, um Aufklärung, Unterstützung und Vernetzung zu Seltenen Erkrankungen zu ermöglichen. Zu den Mitgliedern zählen Vertreter*innen von regionalen Selbsthilfegruppen, Mitglieder von Bundesvorständen und europäischen Patientenorganisationen. Darüber hinaus arbeitet der WAKSE mit dem Zentrum für Seltene Erkrankungen Nordbayern (ZESE) der Uniklinik Würzburg zusammen.

Weitere Informationen:
Aktivbüro der Stadt Würzburg, Telefon: 0931 373468