Aktuelle Pressemitteilungen

Aktionstag informiert über Kopfschmerzen und moderne Schmerztherapien

Am 2. Juni gibt es am Uniklinikum Würzburg bei einem Aktionstag Vorträge sowie Info-, Gesprächs- und Mitmachangebote zu chronischen Schmerzen. Im Mittelpunkt stehen Kopfschmerzen und Migräne.

Gebäude Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin
Der Aktionstag findet in den modernen Räumen des Zentrums für interdisziplinäre Schmerzmedizin im Gebäude A9 des Uniklinikums Würzburg statt. © Monika Fischer / UKW

Würzburg. Am Dienstag, 2. Juni 2026, veranstaltet das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) am Uniklinikum Würzburg (UKW) erneut einen Aktionstag gegen den Schmerz. Von 15:00 bis 18:00 Uhr sind Betroffene, Angehörige und Interessierte ins Haus A9, Straubmühlweg 2a, zu Vorträgen, Informationsständen und Gesprächen mit Fachleuten eingeladen. 

In diesem Jahr richtet der Aktionstag den Fokus insbesondere auf Kopfschmerzen und Migräne – Erkrankungen, von denen allein in Deutschland rund 18 Millionen Menschen betroffen sind. Auch Kinder und Jugendliche können darunter leiden. Ziel der Veranstaltung ist es, über Ursachen, Diagnostik und moderne Behandlungsmöglichkeiten zu informieren sowie praktische Hilfen für den Alltag aufzuzeigen. 

Vortragsprogramm ab 15:15 Uhr

Auf dem Programm stehen mehrere Fachvorträge: Um 15:15 Uhr spricht der Physiotherapeut und Sportwissenschaftler Stefan Lindner über Physiotherapie bei Kopfschmerzen. Anschließend – um 15:40 Uhr – greift Privatdozentin Dr. Delia Lorenz, Fachärztin für Neuropädiatrie, das Thema „Kopfschmerzen bei Kindern & Jugendlichen“ auf. Um 16:00 Uhr stellt die Lachyogalehrerin Tessa Maria Lambrich Lachyoga bei chronischen Schmerzen vor. Den Abschluss der Vortragsreihe bildet um 17:00 Uhr Prof. Dr. Nurcan Üçeyler, Leitende Oberärztin der Neurologie, mit einem Überblick zu Verständnis, Diagnose und Behandlung von Kopfschmerzen. 

Ein Marktplatz mit Infoständen

Ergänzend werden auf einem „Marktplatz“ viele Unterstützungs- und Therapieangebote präsentiert – darunter Psychosomatik, Ergotherapie, Aromatherapie, Maltherapie, Palliativmedizin, stationäre Schmerztherapie sowie aktuelle klinische und experimentelle Forschung. Auch Selbsthilfegruppen für Migräne und chronische Schmerzen aus Würzburg sind vertreten. Die Besucherinnen und Besucher können sich zudem über Verfahren wie die transkutane elektrische Nervenstimulation informieren. 

Weitere Infos zum kostenlosen Aktionstag gibt es unter: www.ukw.de/zis

Text: Pressestelle / UKW

Gebäude Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin
Der Aktionstag findet in den modernen Räumen des Zentrums für interdisziplinäre Schmerzmedizin im Gebäude A9 des Uniklinikums Würzburg statt. © Monika Fischer / UKW

Barcelona rollt roten Teppich für 6-Minuten-Gehtest aus

Würzburger Forschende bringen 6-Minuten-Gehtest-App zum Europäischen Herzinsuffizienz Kongress

Die Forschenden stehen neben dem Aufsteller "How fit are you".
Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) führte gemeinsam mit dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) sowie dem Health Study Club (HSC) den 6-Minuten-Gehtest an zwei Tagen auf dem Europäischen Herzinsuffizienz-Kongress in Barcelona durch. Die Forschenden v.l.n.r.: Kirsten Haas, Stefan Störk, Rüdiger Pryss, Caroline Morbach, Marc Holfelder, Rainer Hainzlmaier, Amanda Ölschläger, Floran Sahiti. © Caroline Morbach / UKW
Eine Testperson geht auf dem roten Teppich, eine andere Person steht daneben und misst die Zeit.
Die Heart Failure Association (HFA) der European Society of Cardiology (ESC) bot den Forschenden aus Würzburg die Gelegenheit, ihre 6-Minuten-Gehtest-App auf dem Kongress in Barcelona zu testen. Dafür wurden zwölf rote Teppiche mit der 15 Meter langen Gehstrecke ausgelegt. © Rüdiger Pryss / UKW
rote Teppiche mit weißen Pfeilen für die Laufrichtung, links steht das Banner "How fit are you", rechts eine Gruppe, die sich für die Gehstrecke präpariert.
Teilnehmende vor dem 6-Minuten-Gehtest beim Europäischen Herzinsuffizienz Kongress in Barcelona © Rüdiger Pryss / UKW
Ansicht auf die roten Teppiche und eine Läuferin auf einer Gehstrecke.
Insgesamt wurden auf den 15 Meter langen Gehstrecken 237 Sechs-Minuten-Gehtests erfolgreich durchgeführt. Die Teilnehmenden waren zwischen 9 und 69 Jahre alt und kamen aus 44 Ländern. © Rüdiger Pryss / UKW
Grafik zum 6-Minuten-Gehtest
Auf der Website www.6mwt.org können in den Kalkulator die Strecke, die in 6 Minuten zurückgelegt wurde, das Alter und die Körpergröße eingegeben und unmittelbar die individuelle Leistungsfähigkeit im Verhältnis zur Normalbevölkerung abgelesen werden. © UKW

Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) führte gemeinsam mit dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) sowie dem Health Study Club (HSC) den 6-Minuten-Gehtest an zwei Tagen auf dem Europäischen Herzinsuffizienz-Kongress durch. Dabei wurde die eigens für den Gehtest entwickelte 6MWT-App geprüft. Der Kongress fand vom 9. bis 12. Mai 2026 in Barcelona statt.

Würzburg. „Jetzt verstehe ich noch besser, was dieser Test für meine Patientinnen und Patienten bedeutet.“ Diese Aussage hörte das Team aus Würzburg am häufigsten, nachdem Kardiologinnen und Kardiologen aus aller Welt auf dem diesjährigen Europäischen Herzinsuffizienz-Kongress Kongress in Barcelona den Sechs-Minuten-Gehtest absolviert hatten. 

Referenzwerte und Kalkulator helfen bei der Interpretation des Gehtests

Der 6-Minuten-Gehtest (6MWT, 6 Minute Walk Test) ist eine etablierte Methode, um die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Herzinsuffizienz und Lungenerkrankungen zu testen. Dabei wird die Distanz gemessen, die der Patient oder die Patientin in sechs Minuten zurücklegt. Neu ist der vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) gemeinsam mit dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) entwickelte Kalkulator. Dieser hilft bei der Interpretation der Testergebnisse. Nachdem die zurückgelegte Distanz auf der 15 Meter langen Teststrecke, das Alter und die Größe in den Kalkulator eingegeben wurden, zeigt dieser die individuelle Leistungsfähigkeit im Verhältnis zur Normalbevölkerung an. Die Referenzwerte stammen aus einer großen Stichprobe der Stadt Würzburg, der sogenannten STAAB-Kohorte. 

Zwölf Gehstrecken für den Sechs-Minuten-Gehtest 

Die Heart Failure Association (HFA) der European Society of Cardiology (ESC) bot den Forschenden nun die Gelegenheit, ihre vom IKE-B und Health Study Club (HSC) entwickelte 6MWT-App auf dem Kongress zu testen. Dafür wurde ihnen auf zwölf Gehstrecken der rote Teppich ausgelegt. 

„Die Resonanz war überwältigend“, freut sich Prof. Caroline Morbach. Die Kardiologin aus dem DZHI hatte gemeinsam mit Prof. Stefan Störk die Normwerte erstellt und die Idee, den Test auf dem Kongress anzubieten. Insgesamt wurden 237 Gehtests erfolgreich durchgeführt. Es nahmen Personen im Alter von 9 bis 69 Jahren aus 44 Ländern teil. Die Gesamtdistanz, die zurückgelegt wurde, betrug 135,8 km, und die Anzahl der Schritte belief sich auf 169.633. 

Live-Ranking der fittesten Kongressteilnehmenden

Auf dem vom HSC entwickelten Live Dashboard konnte verfolgt werden, aus welchen Ländern die fittesten Kongressteilnehmenden kommen. Spitzenreiterin bei den Frauen war eine 41-jährige Französin, die in sechs Minuten 884,6 Meter ging und 49 Prozent über dem STAAB-Referenzwert (predicted P50) lag. Bei den Männern erreichte ein 64-jähriger Slowene mit 790,4 Metern und 39 Prozent über P50 den ersten Platz. Damit führten Frankreich und Slowenien auch im Landeswettbewerb, gefolgt von Serbien, Island und Ecuador. Deutschland erreichte den neunten Platz.

Bezogen auf die reine Distanz konnte Deutschland in der Wertung der Männer mit 842,5 zurückgelegten Metern den ersten Platz belegen. Bei der Einzelwertung der Frauen siegte Frankreich mit 884,6 zurückgelegten Metern. In der Landeskategorie konnte jedoch Saudi-Arabien mit 876,9 Metern den ersten Platz ergattern, da hier nur eine einzelne „Geherin“ antrat und der Durchschnitt zählte. Insgesamt wurden in Barcelona im Schnitt in sechs Minuten 608 Meter und 757 Schritte zurückgelegt. 

Daten für die Weiterentwicklung der App gesammelt

„Wir haben uns besonders über das große Interesse gefreut, den Test künftig auch auf weiteren internationalen Konferenzen einzusetzen. Neben der Steigerung der Bekanntheit des 6MWT konnten wir gleichzeitig wertvolle Daten sammeln, um die App weiter zu verbessern und für eine breitere Nutzung zu optimieren“, sagt Prof. Rüdiger Pryss, Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Datenwissenschaften am IKE-B. 

Im Mitmachprogramm bei „Wir bewegen Bayern“ und „Nürnberg Digital Festival“

Der 6-Minuten-Gehtest ist übrigens auch Teil des Mitmachprogramms von „Wir bewegen Bayern“, der größten Präventionsveranstaltung Bayerns gegen Krebs. Das Team steht am 13. Juni von 10:30 Uhr bis 15:30 Uhr auf der Außenfläche des Sportzentrums der Universität Würzburg (Unterer Hublandweg) bereit, um die Fitness der Besucherinnen und Besucher zu testen. 

Und am 30. Juni haben die Teilnehmenden des Nürnberg Digital Festivals im Rahmen der Veranstaltung „Guardians of your Health – digitale Gesundheit zum Ausprobieren” die Möglichkeit, die 6MWT-App und ihre Leistungsfähigkeit auf den Prüfstand zu stellen.

Links: 

Webseite: www.6mwt.org

Live Dashboard: https://dashboard.6mwt.hsc.health/bcn-countries

Apps - Entwicklungen durch Carsten Vogel (IKE-B) und Klaus Kammerer (HSC): 
- iOS: https://apps.apple.com/app/id6480072769
- Android: https://play.google.com/store/apps/details?id=de.ukw.sixmwt

Aktion „Wir bewegen Bayern“: Sportangebote - Comprehensive Cancer Center Mainfranken

Nürnberg DIGITAL FESTIVAL: https://nuernberg.digital/de/events/2026/guardians-of-your-health-digitale-gesundheit-zum-ausprobieren

Link zur Pressemeldung vom 1.2.2024 anlässlich der Publikation zu den neuen Standards des 6-Minuten-Gehtests: https://www.ukw.de/medien-kontakt/presse/pressemitteilungen/detail/news/wie-fit-bin-ich/

Die Forschenden stehen neben dem Aufsteller "How fit are you".
Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) führte gemeinsam mit dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) sowie dem Health Study Club (HSC) den 6-Minuten-Gehtest an zwei Tagen auf dem Europäischen Herzinsuffizienz-Kongress in Barcelona durch. Die Forschenden v.l.n.r.: Kirsten Haas, Stefan Störk, Rüdiger Pryss, Caroline Morbach, Marc Holfelder, Rainer Hainzlmaier, Amanda Ölschläger, Floran Sahiti. © Caroline Morbach / UKW
Eine Testperson geht auf dem roten Teppich, eine andere Person steht daneben und misst die Zeit.
Die Heart Failure Association (HFA) der European Society of Cardiology (ESC) bot den Forschenden aus Würzburg die Gelegenheit, ihre 6-Minuten-Gehtest-App auf dem Kongress in Barcelona zu testen. Dafür wurden zwölf rote Teppiche mit der 15 Meter langen Gehstrecke ausgelegt. © Rüdiger Pryss / UKW
rote Teppiche mit weißen Pfeilen für die Laufrichtung, links steht das Banner "How fit are you", rechts eine Gruppe, die sich für die Gehstrecke präpariert.
Teilnehmende vor dem 6-Minuten-Gehtest beim Europäischen Herzinsuffizienz Kongress in Barcelona © Rüdiger Pryss / UKW
Ansicht auf die roten Teppiche und eine Läuferin auf einer Gehstrecke.
Insgesamt wurden auf den 15 Meter langen Gehstrecken 237 Sechs-Minuten-Gehtests erfolgreich durchgeführt. Die Teilnehmenden waren zwischen 9 und 69 Jahre alt und kamen aus 44 Ländern. © Rüdiger Pryss / UKW
Grafik zum 6-Minuten-Gehtest
Auf der Website www.6mwt.org können in den Kalkulator die Strecke, die in 6 Minuten zurückgelegt wurde, das Alter und die Körpergröße eingegeben und unmittelbar die individuelle Leistungsfähigkeit im Verhältnis zur Normalbevölkerung abgelesen werden. © UKW

Personalia vom 19. Mai 2026 +++ Wir gratulieren herzlich!

Hier lesen Sie Neuigkeiten aus dem Bereich Personal: Neueinstellungen, Dienstjubiläen, Forschungsfreisemester und mehr.

Dr. Caroline Morbach, Privatdozentin für das Fachgebiet Innere Medizin, Oberärztin, Medizinische Klinik I und Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg, wurde mit Wirkung vom 05.05.2026 zur außerplanmäßigen Professorin bestellt.

einBlick - Das Online Magazin der Universität Würzburg vom 19. Mai 2026

Zwei Mal 1.111 Euro für innovatives Behandlungsangebot

Die „Krackenblitze Goßmannsdorf“ spendeten jeweils 1.111 Euro an die Early Clinical Trial Unit und an die Pneumologie des Uniklinikums Würzburg. Der Faschingsverein drückt damit seine Wertschätzung für die Versorgung einer seiner Trainerinnen mit einer neuartigen Therapie aus.

Spendenscheck, Vertreter Faschingsverein und Uniklinik
Bei der Spendenübergabe (von links): Sabine Körner und Manuela Keller (beide Krackenblitze), Dr. Pius Jung (Pneumologie), Dr. Horst-Dieter Hummel, Dr. Maria-Elisabeth Goebeler und Julia Petzoldt-Weigel (alle drei ECTU) sowie Anna Maag und Lukas Lang (beide Krackenblitze). © Margot Rössler / UKW

Würzburg. Am 7. Mai dieses Jahres besuchte eine kleine Delegation des Faschingsvereins „Krackenblitze Goßmannsdorf“ das Uniklinikum Würzburg (UKW). Im Gepäck hatten die Gäste zwei symbolische Riesen-Spendenschecks über jeweils 1.111 Euro. In Empfang nahmen diese jeweils Dr. Maria-Elisabeth Goebeler, die oberärztliche Leiterin der Early Clinical Trial Unit (ECTU) am UKW, und Dr. Pius Jung, Oberarzt in der Pneumologie des Würzburger Großkrankenhauses. Ungeachtet der „närrischen“ Summen und der humorvoll gestalteten Übergabe ist der Anlass der Aktion ernst. „Eine Trainerin aus unserem Verein ist wegen einer speziellen bösartigen Lungenerkrankung seit Februar 2025 am Uniklinikum Würzburg in Behandlung. Mit der Spende wollen wir unsere Wertschätzung für die dort geleistete, hervorragende Arbeit ausdrücken“, erläutert Anna Maag, die zweite Vorsitzende der Krackenblitze. Nach ihren Angaben wurde das Geld während der vier Prunksitzungen des Vereins im Januar dieses Jahres gesammelt und anschließend von diesem auf die Schnapszahl erhöht.

Studie mit innovativer Erhaltungsbehandlung

Die dankbare Empfängerin Dr. Goebeler erläutert die therapeutischen Hintergründe: „Unsere Patientin wurde in eine sogenannte randomisierte Phase-3-Studie eingeschlossen, die ein neues, teilweise experimentelles Erhaltungsbehandlungskonzept überprüft.“ Als Teil des Comprehensive Cancer Centers Mainfranken sei das Interdisziplinäre Studienzentrum mit ECTU auf die Durchführung genau solcher innovativer Behandlungsansätze spezialisiert. 

„Dabei arbeiten wir eng mit anderen Abteilungen des UKW zusammen, wie in diesem Fall zum Beispiel mit der Lungenmedizin“, verdeutlicht Dr. Horst-Dieter  Hummel, Prüfarzt der Studie, und fährt fort: „Durch diese Kooperationen haben Patientinnen und Patienten häufig zusätzlich zum Angebot einer aktuellen, leitliniengerechten Standardtherapie die Möglichkeit, eine Studienberatung zu erhalten, um innovative Therapien gemeinsam mit den Fachdisziplinen zu besprechen. Kommen solche Therapien zur Anwendung, teilen wir uns die Betreuung der Erkrankten, was für diese sehr vorteilhaft ist.“

Für die Teams der ECTU und der Pneumologie war die Spende nicht nur eine freudige Überraschung, sondern auch eine nicht alltägliche Form der Anerkennung für ihren Einsatz.

 

Text: Pressestelle / UKW

Spendenscheck, Vertreter Faschingsverein und Uniklinik
Bei der Spendenübergabe (von links): Sabine Körner und Manuela Keller (beide Krackenblitze), Dr. Pius Jung (Pneumologie), Dr. Horst-Dieter Hummel, Dr. Maria-Elisabeth Goebeler und Julia Petzoldt-Weigel (alle drei ECTU) sowie Anna Maag und Lukas Lang (beide Krackenblitze). © Margot Rössler / UKW

Erstmals in Bayern: „MusiCare“ bündelt Kompetenzen von Musik und Medizin in Würzburg

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht sowohl die gesundheitliche Förderung von Musikerinnen und Musikern als auch die Erforschung der Wirkung von Musik auf den Menschen über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Die Kooperationsvereinbarung „MusiCare“ zwischen der Hochschule für Musik Würzburg (HfM), dem Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg wurde am 13. Mai gemeinsam mit Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (2.v.l.) an der Hochschule für Musik unterzeichnet. Foto: HfM / Katharina Bormann
Die Kooperationsvereinbarung „MusiCare“ zwischen der Hochschule für Musik Würzburg (HfM), dem Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg wurde am 13. Mai gemeinsam mit Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (2.v.l.) an der Hochschule für Musik unterzeichnet. Foto: HfM / Katharina Bormann

Würzburg. Erstmals in Bayern werden die Schnittstellen zwischen Musik, Medizin und Forschung systematisch ausgebaut und nachhaltig verknüpft. Möglich wird dies durch die Kooperation „MusiCare“. Die entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen der Hochschule für Musik Würzburg (HfM), dem Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg wurde heute (13. Mai) gemeinsam mit Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume an der Hochschule für Musik unterzeichnet.

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht sowohl die gesundheitliche Förderung von Musikerinnen und Musikern als auch die Erforschung der Wirkung von Musik auf den Menschen über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Ein langfristiges Ziel von „MusiCare“ ist zudem der Aufbau eines Kompetenzzentrums für Musikergesundheit in Würzburg. 

Wissenschaftsminister Markus Blume betont: „Mit ‚MusiCare‘ schaffen wir in Würzburg ein bayernweit einmaliges Leuchtturmprojekt an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Medizin. Das passt perfekt zu Bayern: Hier verbinden sich musikalische Leidenschaft und medizinische Spitzenforschung zu etwas Neuem – einem Ort, an dem Gesundheit, Kreativität und Innovation zusammenspielen. Fakt ist: Wer täglich auf höchstem Niveau musiziert, verlangt auch dem eigenen Körper und Geist Höchstleistungen ab. Es lohnt sich also, Musik und Medizin, Spitzenleistung und Gesundheit zusammenzudenken. Denn Musik ist weit mehr als Unterhaltung: Sie ist Trostspender, Kraftquelle und manchmal sogar Medizin für die Seele.“

Die drei Einrichtungen wollen mit „MusiCare“ die Position Würzburgs als einen führenden Standort für Forschung und Lehre im Bereich Musik und Gesundheit in Bayern stärken und perspektivisch die klinische Versorgungssituation für Musikschaffende verbessern. Bislang existiert ein derartiges Zentrum im Freistaat nicht.

„Mit MusiCare schaffen wir eine einzigartige gemeinsame Plattform, um Fragestellungen der Musikergesundheit interdisziplinär zu bearbeiten. Durch die Verbindung künstlerischer Ausbildung mit universitärer Expertise entstehen innovative Ansätze in Prävention, Therapie und Forschung“, so Prof. Dr. Christoph Wünsch, Präsident der Hochschule für Musik Würzburg. 

Haltungsschäden, Stimmprobleme, Erfolgsdruck

„Ein Schwerpunkt sind dabei die physiologischen und psychologischen Fragestellungen und Bedürfnisse von professionellen bzw. angehenden Musikerinnen und Musikern. Dabei stehen vor allem Themen wie Haltungsschäden, Lampenfieber und der Umgang mit Erfolgsdruck bei Musikschaffenden im Fokus“, erklärt Prof. Dr. Regina Götz, Leiterin des Bereichs „Musik & Gesundheit“ an der Hochschule für Musik. Ein wichtiges Kernziel sei es daher, hierfür ein stärkeres Bewusstsein in der Medizin als auch in der Musikpädagogik zu schaffen.

„Die Kooperation zeigt einmal mehr ganz konkret die enorme interdisziplinäre Stärke und Strahlkraft des Standortes Würzburg für Forschung und Lehre, hier konkret im Bereich Medizin und Musik in Bayern. Die enge Zusammenarbeit zwischen Universitätsklinikum, Universität und Hochschule für Musik eröffnet neue Dimensionen im Verständnis des Zusammenspiels von Gesundheit und Musik“, betont Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Uniklinik Würzburg. 

„MusiCare zeigt beispielhaft, wie moderne Spitzenforschung entsteht: Sie beginnt im Fach und gewinnt ihre besondere Stärke durch die Zusammenarbeit über Fakultäts- und Institutionsgrenzen hinweg. Gerade in dieser Verbindung von Musik, Medizin, Psychologie und Technologie liegt ein enormes Potenzial für innovative Forschung und für die weitere Profilbildung Würzburgs als Wissenschaftsstandort,“ betont Prof. Dr. Paul Pauli, Präsident der Julius-Maximilians-Universität Würzburg aus Anlass der neuen Kooperationsvereinbarung.

Innovative Präventionsprogramme 

„Durch die Kombination von medizinischer Expertise und musikalischer Ausbildung wird die Grundlage für innovative Präventionsprogramme und wissenschaftliche Forschung gelegt. Durch die frühe Integration präventiver Aspekte in das künstlerische Studium, kann auf der einen Seite den Musik-Studierenden bereits in der Ausbildung ein gesunder Umgang mit den körperlichen und psychischen Anforderungen ihres Berufs vermittelt werden. Auf der anderen Seite können wir angehende Medizinerinnen und Mediziner für die Musikergesundheit sensibilisieren,“ betont Dr. habil. Fabian Kraus, Leiter des interdisziplinären Zentrums für Stimme und Schlucken an der HNO-Klinik des UKW. Er hat gemeinsam mit Prof. Dr. Regina Götz maßgeblich das Konzept für „MusiCare“ entwickelt.

Wie fördert Musik die Gesundheit?

Ein weiterer Schwerpunkt der Kooperation ist der strukturierte Ausbau von Forschungsaktivitäten, mit denen die Auswirkungen von Musik auf das allgemeine Wohlbefinden und die psychische Gesundheit strukturiert erforscht werden, auch speziell mit Blick auf die Entwicklung in Kindheit und Adoleszenz. Musik wird zunehmend als bedeutendes Instrument der Gesundheitsförderung und der psychischen Heilung erkannt, was die Bedeutung einer wechselseitigen Interaktion von Musik und Gesundheit unterstreicht. 

Bereits in der Vergangenheit haben die HfM und das UKW erfolgreich im Bereich „Musik und Gesundheit“ kooperiert, etwa durch gemeinsame Vorlesungen und Veranstaltungen. Diese bestehenden Synergien werden durch „MusiCare“ nun institutionell gebündelt und erweitert. Durch „MusiCare“ wollen die Einrichtungen auch die Position von Kunst und Musik als kulturelles und therapeutisches Gut stärken.

Die Kooperationsvereinbarung „MusiCare“ zwischen der Hochschule für Musik Würzburg (HfM), dem Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg wurde am 13. Mai gemeinsam mit Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (2.v.l.) an der Hochschule für Musik unterzeichnet. Foto: HfM / Katharina Bormann
Die Kooperationsvereinbarung „MusiCare“ zwischen der Hochschule für Musik Würzburg (HfM), dem Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg wurde am 13. Mai gemeinsam mit Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (2.v.l.) an der Hochschule für Musik unterzeichnet. Foto: HfM / Katharina Bormann

Infektionsschutz wird gestärkt: Bayerisches Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) feierlich eröffnet

Ziele sind u.a. Impfstoff-Forschung, Entwicklung eines Frühwarnsystems für Krankheitserreger und der Aufbau eines Long-COVID-Registers für Bayern / Infektionsmedizinische Kompetenzen werden gebündelt

Das Bayerische Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) wurde am 13.05. in Würzburg feierlich eröffnet: Prof. Dr. Klaus Überla (Erlangen), Prof. Dr. Stefanie Kampmeier (Würzburg), Staatsminister Markus Blume, Prof. Dr. Oliver Kurzai (Würzburg) und Prof. Dr. Uta Behrends (München), von links. Foto: UKW / Rudi Merkl
Das Bayerische Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) wurde am 13.05. in Würzburg feierlich eröffnet: Prof. Dr. Klaus Überla (Erlangen), Prof. Dr. Stefanie Kampmeier (Würzburg), Staatsminister Markus Blume, Prof. Dr. Oliver Kurzai (Würzburg) und Prof. Dr. Uta Behrends (München), von links. Foto: UKW / Rudi Merkl

Würzburg/München. Das neue Bayerische Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) wurde heute (13.05.) in Würzburg feierlich eröffnet. Das landesweite und standortübergreifende Zentrum, das von der Universitätsmedizin Bayern e.V. maßgeblich mit vorangetrieben wurde, soll Forschung, Versorgung und Prävention im Bereich der Infektionsmedizin nachhaltig stärken. Das BZI vernetzt alle bayerischen Universitäten mit medizinischer Fakultät, die bayerischen Universitätsklinika sowie den öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat. Es wird durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst mit jährlich rund drei Millionen Euro gefördert. 

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume: „Das BZI ist eine direkte Konsequenz aus den Erfahrungen der Pandemie – aber mit klarem Blick nach vorne: von neuen Erregern über Resistenzen bis hin zu postviralen Langzeitfolgen. Fakt ist: Infektionsrisiken verschwinden nicht. Die öffentlichen Aktionen von Betroffenen machen den Leidensdruck vieler Patientinnen und Patienten sichtbar. Umso wichtiger ist es, dass Bayern bei Prävention, Forschung und Früherkennung jetzt entschlossen handelt. Mit dem Bayerischen Long-COVID-Register wollen wir Forschung, Versorgung und Erkenntnisgewinn in diesem Bereich gezielt verbessern.“

Früh erkennen, gezielt handeln, wirksam vorbeugen

Das BZI ist geprägt durch zwei zentrale Handlungsfelder, die eng ineinandergreifen. Dazu zählen Maßnahmen zur Verhinderung von Infektionen, also die Prävention und die Früherkennung und das Monitoring bei der Verbreitung von hochrelevanten Infektionserregern in der Bevölkerung und in den bayerischen Kliniken. Entscheidend dafür ist die enge Zusammenarbeit verschiedenster Disziplinen, von der Infektiologie über Mikrobiologie und Immunologie bis hin zu Versorgungsforschung und Public Health.

Entsprechend dieser Handlungsfelder sind auch die zentralen Programmbereiche des BZI gestaltet:

  • Bayerisches Surveillancezentrum (BaySurv): Moderne und kontinuierliche Überwachung relevanter Erreger, einschließlich molekularer Analytik und datenbasierter Auswertung.
  • Bayerisches Vakzinezentrum (BayVak): Forschung zu Impfstoffen, Impfstrategien, klinische Studien sowie wissenschaftlich fundierte Kommunikation rund um das Thema Impfen.
  • Querschnittsprojekt: Bayerisches Long-COVID-Register (BAY-LCR): Systematische Erfassung und wissenschaftliche Untersuchung postakuter Infektionssyndrome wie Long COVID.

Zunehmende Resistenzentwicklung als Herausforderung

Prof. Dr. Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie an der Universität Würzburg, ist Präsident des Bayerischen Zentrums für präventive Infektionsmedizin. Er betont die Vorreiterrolle des BZI: „Infektionen zu behandeln, wird aufgrund der zunehmenden Resistenzentwicklung immer schwerer, bei manchen Erregern gibt es gar keine gezielte Therapiemöglichkeit. Daher setzen wir im BZI auf Prävention und Vernetzung! Die gebündelte Expertise der Bayerischen Universitätsmedizin in engem Schulterschluss mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst bildet ein einzigartiges Netzwerk, um neue und gefährliche Erreger früh zu erkennen und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.“

Genau diese Aufgaben prägen die entwickelten Programmbereiche des BZI. Prof. Dr. Klaus Überla, Direktor des Harald-zur-Hausen-Instituts für Virologie des Uniklinikums Erlangen, ist Sektionssprecher des Bayerischen Vakzinezentrums (BayVak) im BZI. „Impfungen werden seit über 100 Jahren genutzt, um uns vor Infektionserkrankungen zu schützen. Mit dem Bayerischen Vakzinezentrum im BZI wollen wir einen Beitrag zur Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit zugelassener Impfstoffe und zur Entwicklung neuer Immunisierungsverfahren leisten. Wir wollen fachlich fundiert über Nutzen und mögliche Risiken von Impfungen informieren“, so der Erlanger Virologe.

Frühwarnsystem bei der Ausbreitung von Krankheitserregern

Ziel des Bayerischen Surveillancezentrums (BaySurv) innerhalb des BZI ist es, ein Frühwarnsystem bei der Ausbreitung von Krankheitserregern zu etablieren. Sektionssprecherin des BZI für diesen Schwerpunkt ist Prof. Dr. Stefanie Kampmeier, Leiterin der Zentralen Einrichtung für Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship am Universitätsklinikum Würzburg. „Früherkennung von sich ausbreitenden Krankheitserregern ist ein zentraler Bestandteil der Infektionsprävention. Mit dem Bayerischen Surveillancezentrum (BaySurv) wird ein Frühwarnsystem zur Echtzeiterkennung von Ausbrüchen und Resistenzübertragungen geschaffen. Dadurch ermöglicht BaySurv eine kontinuierliche, repräsentative und zeitnahe Erfassung hochinfektiöser und multiresistenter Erreger, gezielte Infektionskontrollmaßnahmen und stärkt so die evidenzbasierte Pandemievorsorge in Bayern“, erklärt die Würzburger Expertin für Krankenhaushygiene.

Long COVID-Register als Grundlage für verbesserte Versorgung

Der Aufbau des Bayerischen Long COVID-Registers (BAY-LCR) ist ein Querschnittsprojekt unter dem Dach des BZI. Die Leitung hierzu liegt bei Prof. Dr. Uta Behrends vom TUM Klinikum Rechts der Isar, dem Universitätsklinikum der Technischen Universität München (TUM). „Langzeitfolgen von Infektionen verursachen weltweit eine hohe Krankheitslast. Viele Betroffene habe eine reduzierte soziale Teilhabe und Lebensqualität. Ziel des Bayerischen Long COVID-Registers (BAY-LCR) im BZI ist es, Long COVID und ähnliche postinfektiösen Erkrankungen in Bayern strukturiert zu erfassen, besser zu verstehen und auf diese Weise die Grundlage für eine verbesserte Versorgung zu schaffen“, so die Leiterin des Münchner Chronische Fatigue Centrum für Junge Menschen.

„Eine wichtige Lehre der Corona-Pandemie war, dass die großen Stärken und Kompetenzen der Infektionsmedizin an den Medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika noch stärker vernetzt und gebündelt werden müssen. Mit dem BZI wurde jetzt dafür in Bayern eine Struktur in der Universitätsmedizin geschaffen, die Vorbildcharakter hat. Das BZI wird so dazu beitragen, neueste Erkenntnisse schnell in der Versorgung anzuwenden und damit den Infektionsschutz auszubauen“, betont Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät in Würzburg.

Website informiert über Ziele und Projekte des BZI

Auf der Website www.bzi-bayern.de stellt das BZI seine Programmbereiche, Projekte und aktuellen Entwicklungen gebündelt vor und macht Informationen zu Forschung, Vernetzung und Aktivitäten des Zentrums öffentlich zugänglich. 

Bei der Koordination der standortübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Forschung, klinischer Versorgung und öffentlichem Gesundheitsdienst wird das BZI durch eine Geschäftsstelle unterstützt, die in Würzburg angesiedelt ist, und eine Außenstelle der Geschäftsstelle am Uniklinikum Erlangen, die die Koordination für BayVak abdeckt.

Das Bayerische Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) wurde am 13.05. in Würzburg feierlich eröffnet: Prof. Dr. Klaus Überla (Erlangen), Prof. Dr. Stefanie Kampmeier (Würzburg), Staatsminister Markus Blume, Prof. Dr. Oliver Kurzai (Würzburg) und Prof. Dr. Uta Behrends (München), von links. Foto: UKW / Rudi Merkl
Das Bayerische Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) wurde am 13.05. in Würzburg feierlich eröffnet: Prof. Dr. Klaus Überla (Erlangen), Prof. Dr. Stefanie Kampmeier (Würzburg), Staatsminister Markus Blume, Prof. Dr. Oliver Kurzai (Würzburg) und Prof. Dr. Uta Behrends (München), von links. Foto: UKW / Rudi Merkl

Patienten-Avatar-Modelle als Schlüsseltechnologie für die Bekämpfung des Multiplen Myeloms

Startschuss für das BZKF-Konsortium „BAVARIA 3D“: Neue Wege zur personalisierten Immuntherapie beim Multiplen Myelom

Fluoreszenz-Mikroskopiebild des 3D-KM-MM-Sphäroid
Blick in den Tumor: Diese mikroskopische Aufnahme zeigt ein im Labor gezüchtetes, dreidimensionales Modell eines Multiplen Myeloms. In dem kugelförmigen Gewebemodell (Sphäroid) wachsen die Krebszellen (grün) zusammen mit Gefäßzellen (Endothelzellen in grau) und Bindegewebszellen des Knochenmarks (mesenchymalen Stromazellen in blau). Das klassische Fluoreszenz-Mikroskopiebild zeigt die räumliche Anordnung und das enge Zusammenspiel der verschiedenen Zelltypen im Modell. © Dr. Dalia Sheta, Forschungslabor Prof. Beilhack, UKW
3er Serie mit mikroskopischen Aufnahmen
Reihe mit drei mikroskopischen Aufnahmen: Eine 3D-Computergrafik (Oberflächenrendering) macht die Tiefenstruktur des 3D-Modells sichtbar. In der Aufnahme links sind Krebszellen (grün), Blutgefäßzellen (grau) und unterstützende Stammzellen (blau) im Zusammenspiel dargestellt. Die Aufnahmen zeigen, dass auch wichtige Zellen des Immunsystems, fest in das Tumormodell integriert sind, Mitte sogenannte regulatorische T-Zellen (Tregs in magenta), rechts Fresszellen (Makrophagen in lila). © Dr. Dalia Sheta, Forschungslabor Prof. Beilhack, UKW
Etwa ein Dutzend Teilnehmende vor dem gläsernen Gebäude des ZEMM
Am 12. Mai startete im Zentrum für Experimentelle Molekulare Medizin (ZEMM) in Würzburg der erste „3D KM-MM Workshop“ des BZKF-Konsortiums „BAVARIA 3D“. © Sabine Stöckel-Eckard / UKW
Logo des Konsortiums - Logo ähnelt einem Würfel mit blauen Konturen
Mit BAVARIA 3D entsteht ein zukunftsweisendes Forschungsnetzwerk, das die Stärken Bayerns in der Krebsforschung bündelt. Ziel ist es, die Entwicklung personalisierter Therapien zu beschleunigen und die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom nachhaltig zu verbessern.

Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) ist die vom Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) geförderte neue Forschungsgruppe „BAVARIA 3D“ gestartet. Das Akronym steht für „Bavarian Approach to Validating Responses to Immunotherapy Applications in 3D Models for Multiple Myeloma“ – ein bayerischer Ansatz zur Validierung der Reaktionen auf Immuntherapien in 3D-Modellen für das Multiple Myelom. Das heißt: Das standortübergreifende Konsortium testet in dreidimensionalen Gewebemodellen neue Immuntherapien gegen das Multiple Myelom. Ziel ist es, die Wirksamkeit moderner Therapieverfahren bei dieser Form von Knochenmarkskrebs besser zu verstehen und individuelle Behandlungserfolge künftig präziser vorhersagen zu können. Das Projekt integriert die Expertise mehrerer BZKF-Standorte und Leuchtturmplattformen und steht beispielhaft für die strategische Vernetzung der Krebsforschung in Bayern.

Würzburg. Das Multiple Myelom gilt heute zwar oft als gut behandelbar, aber nicht als dauerhaft heilbar. Die Schwierigkeit liegt vor allem in mehreren biologischen Eigenschaften dieser Form von Knochenmarkskrebs. Die Tumorzellen sind genetisch sehr heterogen und entwickeln sich während der Therapie ständig weiter, wodurch resistente Zellklone entstehen. Zudem schützt das Mikromilieu des Knochenmarks verbliebene Krebszellen, sodass selbst nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung häufig Rückfälle auftreten.

Im neuen Konsortium „BAVARIA 3D“, das vom Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (BZKF) gefördert wird, stehen daher neu entwickelte dreidimensionale, patientenspezifische Knochenmark-Modelle im Zentrum, welche die komplexe Tumorumgebung des Multiplen Myeloms realitätsnah nachbilden. Diese sogenannten „Patienten-Avatar-Modelle“ kombinieren Tumorzellen mit unterstützenden Blut-, Gefäß- und Immunzellen und ermöglichen erstmals eine funktionelle Testung von Therapien unter nahezu physiologischen Bedingungen.

Neue Ansätze zur Überwindung von Therapieresistenzen

BAVARIA 3D adressiert somit zentrale Herausforderungen der Myelomforschung: die Entstehung von Therapieresistenzen, die Rolle des Immunsystems im Tumorumfeld sowie die Identifikation neuer therapeutischer Zielstrukturen. 

Warum sprechen manche Tumoren irgendwann nicht mehr auf Therapien an? Welche Rolle spielt das Immunsystem dabei und wie können neue Angriffspunkte für Medikamente gefunden werden? 

Zu diesem Zweck werden unter anderem innovative TNF-Rezeptor-Agonisten zur Aktivierung von Immunantworten getestet, Mechanismen des Ubiquitin-Proteasom-Systems, also des zellulären Proteinabbaus, untersucht, T-Zell- und CAR-T-Zell-Antworten auf Tumorzellen analysiert und phosphoproteomische Biomarker, also Eiweißmerkmale als mögliche Therapiehinweise, identifiziert. Ergänzt wird dieser experimentelle Ansatz durch moderne computergestützte Bildanalysen und Modellierungen, die Therapieeffekte simulieren und personalisierte Behandlungsstrategien unterstützen sollen.

Brücke zwischen molekularer Analyse und klinischer Anwendung

„Mit diesen 3D-Modellen schaffen wir eine Brücke zwischen molekularer Analyse und klinischer Anwendung. Unser Ziel ist es, das Ansprechen auf Therapien nicht nur zu beschreiben, sondern auch mechanistisch zu verstehen und vorherzusagen“, erklärt Prof. Dr. Dr. Andreas Beilhack, der das Projekt am UKW leitet.

Beilhack koordiniert das Projekt gemeinsam mit Dr. Paula Tabares. Bei der Weiterentwicklung der Modelle spielt die federführende Wissenschaftlerin Dr. Dalia Sheta eine zentrale Rolle. Die Infektionsbiologin etabliert insbesondere innovative dynamische Bildgebungsverfahren zur Analyse von Immuninteraktionen zwischen Tumorzellen, Stromazellen und Immunzellen. Unterstützt wird sie durch ein engagiertes Nachwuchsteam, zu dem die Doktorandin Hannah Manz und der Doktorand Alexis Gonzalez gehören.

Starke Kooperation im BZKF-Netzwerk

Ganz im Sinne des standortübergreifenden Ansatzes des BZKF sind weitere bayerische Universitätsstandorte an dem Projekt beteiligt. BAVARIA 3D vereint führende Expertinnen und Experten aus Würzburg, Augsburg, Erlangen, Regensburg und München (TUM, LMU) und bündelt interdisziplinäre Kompetenzen aus den Bereichen Immunologie und Proteomik – also der Analyse krankheitsrelevanter Proteine – sowie Bildgebung, mathematische Modellierung und translationale Onkologie.

„Das Bayerische Zentrum für Krebsforschung ist ein zentraler Motor für Innovation und Translation. Dank der weitsichtigen Förderung durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst können wir exzellente Forschung standortübergreifend bündeln und schneller zum Nutzen der Patientinnen und Patienten einsetzen“, betont Andreas Beilhack.

BAVARIA 3D kann personalisierte Therapiekonzepte entscheidend voranbringen

Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II sowie Leiter des renommierten Myelonzentrums am UKW, unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „BAVARIA 3D zeigt eindrucksvoll, wie interdisziplinäre Spitzenforschung direkt in klinisch relevante Innovationen übersetzt werden kann. Solche Initiativen stärken nicht nur den Forschungsstandort Würzburg, sondern kommen vor allem unseren Patientinnen und Patienten zugute. Die Möglichkeit, Therapien in patientenspezifischen Modellen funktionell zu testen, stellt einen entscheidenden Fortschritt dar. BAVARIA 3D hat das Potenzial, die Behandlung des Multiplen Myeloms nachhaltig zu verändern und personalisierte Therapiekonzepte entscheidend voranzubringen.“ Wichtige Vorarbeiten für die Entwicklung der 3D-Modelle wurden durch die Würzburger Stiftung „Forschung hilft!“ gefördert, die damit einen entscheidenden Grundstein für die nun gestartete groß angelegte Verbundforschung legte.

Workshop zum Projektauftakt in Würzburg

Zum offiziellen Start organisierte das UKW den ersten „3D KM-MM Workshop“ in Würzburg. Ziel ist es, die neu entwickelten Modelle innerhalb des Konsortiums zugänglich zu machen, methodische Standards zu harmonisieren und die Zusammenarbeit weiter zu intensivieren.