Aktuelle Pressemitteilungen

Fast 200 Orchideen am Uniklinikum Würzburg umgesiedelt

Bevor bei einem Bauprojekt auf dem Luitpold-Campus des Uniklinikums Würzburg die Bagger rollen, wurden 191 Pflanzen einer geschützten Orchideenart an einen anderen Standort verpflanzt.

Das Gebäude D20 des Uniklinikums Würzburg – die ehemalige Medizinische Klinik aus dem Jahr 1921 – soll ab dem Herbst 2022 umgebaut werden. Ziel ist es, nach Fertigstellung das Anatomische Institut aus der Würzburger Innenstadt hierher, auf den Luitpold-Campus im Stadtteil Grombühl, zu verlagern. Zu den dafür erforderlichen Maßnahmen gehört der Abbruch des einstigen Zentrallabors der Klinik, das sich im Innenhof des Gebäudes befindet. Der Labortrakt aus den frühen 1980er Jahren liegt größtenteils unter der Erde. Ein Teil des Daches dient als Parkplatz, der Rest ist intensiv begrünt. Eine aufmerksame Ärztin des Klinikums teilte vor etwa zwei Jahren dem für die Baumaßnahme verantwortlichen Staatlichen Bauamt Würzburg mit, dass sich unter den Pflanzen des Gründaches auch geschützte Orchideen befänden. Und tatsächlich: Die daraufhin vom Bauamt eingeschaltete Diplom-Biologin Renate Ullrich vom Würzburger Umweltbüro Fabion bestätigte ein Vorkommen der heimischen Orchideenart Bienenragwurz (lateinisch Ophrys apifera). 

Bienenragwurz stark gefährdet

„Die Bienenragwurz ist nach der Bundesartenschutzverordnung gesetzlich besonders geschützt. Die Rote Liste gefährdeter Gefäßpflanzen führt sie bayernweit als ‚stark gefährdet‘ und regional als ‚gefährdet‘“, schildert Ullrich und fährt fort: „Eine Umsiedlung dieser Pflanzen vor Beginn der Baumaßnahme ist nach Gesetzeslage zwar nicht verpflichtend, aufgrund der starken Gefährdung und der großen Außenwirkung von Orchideen allerdings ratsam.“ 

Das Staatliche Bauamt Würzburg folgte diesem Rat und beauftragte im nächsten Schritt die Biologin mit der Markierung der Orchideen. Ende Februar 2022 stattet sie jede der zu dieser Jahreszeit recht unscheinbaren Blattrosetten mit einem Holzstäbchen aus. Am Ende fanden sich auf dem rund 480 qm großen Areal 191 der schützenswerten Pflanzen. 

An einen „geheimen“ Ersatzstandort gebracht

Mitte März rückten dann Beschäftigte eines Gartenbauunternehmens an, die die Bienenragwurze behutsam ausgruben und an einem vorher für die Knollengeophyten speziell hergerichteten Ersatzstandort wieder einpflanzten. „In den kommenden Monaten werden die Gärtnerinnen und Gärtner zudem das Anwachsen durch eine extensive Pflege weiter unterstützen“, weiß Renate Ullrich. Der neue Standort der Schützlinge wird bewusst nicht veröffentlicht, da es leider immer wieder rücksichtslose Zeitgenossen gibt, die geschützte wilde Orchideen ausgraben, um sie in ihren Garten zu setzen oder zu verkaufen.

Behutsamer Umgang auch mit der historischen Bausubstanz

Nach dem Abbruch des ehemaligen Zentrallabors werden im Innenhof zwei kleinere Gebäude für die Haustechnik des Anatomischen Instituts errichtet. Bei dem ansonsten denkmalgeschützten Gebäude D20 bleibt die historische Bausubstanz soweit wie möglich erhalten. Das betrifft vor allem die im Neobarock gestalteten Fassaden und die durch Jugendstilelemente geprägten Treppenhäuser.

Uniklinikum Würzburg: Studie evaluiert Anästhesie-Monitoring per Datenbrille

Wie praktikabel ist es für Anästhesie-Supervisorinnen und-Supervisoren, die Vitalparameter von mehreren Patientinnen und Patienten über eine Datenbrille gleichzeitig im Blick zu haben? Das soll derzeit in einer gemeinsamen Studie des Uniklinikums und der Uni Würzburg ermittelt werden.

Bei Eingriffen in den sechs von der Urologie und der Unfallchirurgie genutzten Operationssälen des Uniklinikums Würzburg (UKW) ist für die anästhesiologische Behandlung einer jeden Patientin oder eines jeden Patienten jeweils mindestens eine Anästhesistin oder ein Anästhesist im OP-Saal zuständig. Die hierbei eingesetzten Assistenzärztinnen und -ärzte werden von einer Fachärztin oder einem Facharzt der Klinik für Anästhesiologie unterstützt. Da diese Supervisorinnen und Supervisoren nicht in allen OP-Sälen gleichzeitig sein können, werden die Vitalparameter der Patientinnen und Patienten zu einer stationären Zentrale übertragen. „Dort haben unsere erfahrenen Kolleginnen und Kollegen also einen visuellen Gesamtüberblick“, berichtet Dr. Oliver Happel. Der Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie fährt fort: „Sobald sich eine Supervisorin oder ein Supervisor jedoch in einen OP-Saal begibt, ist sie oder er nur noch per Telefon mit den anderen Sälen verbunden – die dortigen Vitalparameter hat sie oder er dann nicht mehr vor Augen, sondern ist auf mündliche Informationen angewiesen. Der hierbei mögliche Informationsverlust kann verschiedene Restrisiken mit sich bringen.“

Daten und Alarme in Augmented Reality

Um hier eine Alternative zu schaffen, arbeitet die Klinik für Anästhesiologie schon seit längerem mit dem Lehrstuhl für Psychologische Ergonomie am Institut für Mensch-Computer-Medien der Uni Würzburg zusammen. Gemeinsam entwickelten sie eine Applikation, die es ermöglicht, den Supervisorinnen und Supervisoren die Informationen aus mehreren Sälen per Head-Mounted-Display (HMD) auch mobil zu zeigen. Das HMD ist in diesem Fall eine Augmented-Reality-Brille, welche die Daten und gegebenenfalls Alarme virtuell vor die Augen ihrer Trägerin oder ihres Trägers projiziert, ohne sie oder ihn visuell von der Außenwelt abzuschirmen. Während die Technologie des kommerziell verfügbaren HMD und die Applikation an sich bereits erprobt sind, liegen noch keine Nutzererfahrungen über einen längeren Einsatzzeitraum im Krankenhausalltag vor. Diese sollen jetzt in einer seit Dezember 2021 am UKW laufenden Studie ermittelt werden. 

Jeweils zehntägiger Erprobungszeitraum

Dr. Happel erläutert: „Wir statten immer eine Supervisorin oder einen Supervisor für rund zehn Tage mit einer Augmented-Reality-Brille aus. An einzelnen Tagen begleitet eine Doktorandin die Anwenderin oder den Anwender und beobachtet das Trage- und Nutzerverhalten. Am Ende der zehn Tage findet zusätzlich ein umfangreiches Interview statt.“ Dabei geht es um qualitative Fragen zu den individuellen Erfahrungen: Wie war der Tragekomfort der Brille? Wie verträglich war die Augmented Reality? Wo hat das neue System geholfen, wo eher gestört? 

Neben den teilnehmenden acht Supervisorinnen und Supervisoren werden auch die betreuten Junior-Anästhesistinnen und -Anästhesisten über ihre Erfahrungen befragt. 

Die neben Dr. Happel auch von Dr. Tobias Grundgeiger vom Lehrstuhl für Psychologische Ergonomie geleitete Studie läuft noch bis April dieses Jahres, dann beginnt die Auswertung. 

Wie Darmbakterien zum Kampf gegen Krebs beitragen

Maik Luu erhält für seine Forschung zu Stoffwechselprodukten von Darmbakterien, die Immunzellen effizienter für die Vernichtung von Krebszellen machen, ein Stipendium der Universität Würzburg und der Novartis Stiftung für therapeutische Forschung

Das Bild zeigt Postdoc Maik Luu und Dekan Matthias Frosch
Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg überreicht Dr. Maik Luu das Graduiertenstipendium der Stiftung für therapeutische Forschung. © Margot Rössler/UKW

Drei Jahre lang durfte die Medizinische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg jährlich eine junge Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler für das Graduiertenstipendium der Novartis Stiftung für therapeutische Forschung nominieren. Nach Dr. Lisa Rauschenberger, die neurologische Bewegungsstörungen erforscht, und Dr. Florian Kleefeldt, der die Altersbedingte Gefäßverkalkung untersucht, darf sich nun Dr. Maik Luu über die mit 8.000 Euro dotierte Auszeichnung freuen. Der Postdoc im Labor von Professor Michael Hudecek in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Würzburger Universitätsklinikums hat im vergangenen Jahr mit einer herausragenden Publikation in der Fachzeitschrift Nature Communications auf seine Arbeit aufmerksam gemacht. Mit einem Forschungsteam aus Würzburg und Marburg, wo der Humanbiologe studiert und gearbeitet hat, ist ihm erstmals der experimentelle Nachweis gelungen, dass bestimmte Stoffwechselprodukte von Darmbakterien die Aktivität der Immunzellen steigern und somit die Effizienz von Krebstherapien positiv beeinflussen. 

Fettsäuren steigern Aktivität der Immunzellen


Seit der Jahrtausendwende rücken die Billionen von Bakterien, die jeder Mensch im Darm hat, immer stärker in den Fokus der Medizinforschung. Denn sie beeinflussen nicht nur die Verdauung, das Darmmikrobiom kann auch Krankheiten verhindern. So produziert zum Beispiel das Bakterium Megasphaera massiliensis im menschlichen Verdauungstrakt die kurzkettige Fettsäure Pentanoat, wie Maik Luu herausgefunden hat. Und die ist in der Lage, die zytotoxische Aktivität von CD8-T-Zellen zu steigern. CD8-T-Zellen haben ähnlich wie CAR-T-Zellen als Teil des Immunsystems die Aufgabe, schädliche Zellen auszuschalten. Luu konnte im Experiment zeigen, dass eine Behandlung mit der Fettsäure Pentanoat die Fähigkeit von Tumor-spezifischen T-Zellen verbessert hat, solide Tumormodelle zu bekämpfen. 

„Diese Erkenntnis kann helfen, verschiedene Krebstherapien noch wirksamer zu machen“, kommentiert Prof. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, Luus Nominierung. „Ich freue mich sehr, dass wir in Würzburg so überragend begabte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler wie Maik Luu haben, die dazu beitragen, mit der permanenten Weiterentwicklung von Immuntherapien den Kampf gegen Krebs zu verbessern. Vor allem in der Erforschung, Anwendung und Ausweitung der CAR-T-Zell-Therapie arbeitet der Würzburger Wissenschaftsstandort seit vielen Jahren in der Weltelite mit.“

Würzburger Universitäts-Frauenklinik: 170 Gratis-Mützen für Krebspatientinnen

An der Würzburger Universitäts-Frauenklinik trafen kürzlich wieder viele ehrenamtlich genähte, farbenfrohe Mützen ein, die jetzt an interessierte Krebspatientinnen verschenkt werden. Die „Onkomütze“ ist nicht nur ein praktisches Accessoire, sondern auch ein Zeichen mitmenschlicher Solidarität.

Die Würzburgerinnen Carolin Döhler, Petra Kleider und Jessica Stiegler engagieren sich seit rund zwei Jahren in der Interessengemeinschaft Onkomütze. Unter diesem Dach kommen Handarbeitsbegeistere aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und den Niederlanden zusammen, um ehrenamtlich Mützen für Krebspatientinnen und -patienten zu nähen, zu stricken oder zu häkeln. Wie schon mehrfach in den vergangenen Monaten brachte Petra Kleider Anfang März 2022 wieder eine große Lieferung der schmucken Kopfbedeckungen an die Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW): 170 individuell genähte Stück können seither von den Pflegekräften der dortigen Chemotherapie-Ambulanz an interessierte Krebspatientinnen verschenkt werden.

„Etwa die Hälfte dieser Mützen haben wir drei produziert, den Rest bekamen wir von anderen Mitgliedern der Interessengemeinschaft aus dem bayerischen Raum zugeschickt“, schildert Kleider. 

Für Stoffauswahl, Zuschnitt und Nähen brauchen die erfahrenen Handarbeiterinnen pro Mütze etwa 30 Minuten. Die Materialkosten und oft auch das Porto tragen sie selbst. Was ist die Motivation hinter diesem großen Engagement? „Ich weiß durch mir nahestehende Menschen, wie schwer es sei kann, eine Krebserkrankung durchzustehen. Da sollen die Mützen nicht nur bei den durch Chemotherapie ausgefallenen Haaren helfen, sondern auch ein Zeichen unserer Solidarität sein“, erläutert Petra Kleider. Außerdem mache es ihr selbst Freude, jemandem anderen eine Freude zu bereiten.

Und tatsächlich kommen die weichen, mit viel Liebe zum Detail gefertigten Kopfbedeckungen bei den Empfängerinnen sehr gut an. Laut den Pflegekräften der Chemotherapie-Ambulanz sind viele ihrer Patientinnen von dem Angebot geradezu begeistert. Und bei der Vielfalt an Mustern und Farben falle so mancher die Auswahl schwer. „Die Onkomützen sind ein wirklich sinnvolles Geschenk – und als solches immer auch schnell vergriffen“, weiß Prof. Dr. Achim Wöckel. Der Direktor der Würzburger Universitätsfrauenklinik bedankt sich im Namen der Patientinnen ein weiteres Mal herzlich bei den fleißigen Näherinnen.

Weitere Infos zur Interessengemeinschaft Onkomütze: 
Homepage oder Facebook 

Schnarchtherapie: Uniklinikum Würzburg sucht Teilnehmende für Studie

Eine vom HNO-Schlaflabor des Uniklinikums Würzburg durchgeführte klinische Studie erprobt, ob sich Schnarchen durch ein spezielles Training der Zungen- und Schlundmuskulatur reduzieren lässt. In das im Sommer 2021 gestartete Forschungsprojekt können weitere Frauen und Männer aufgenommen werden.

Schnarchen kann die Lebens- und Schlafqualität erheblich beinträchtigen. Um hier Abhilfe zu schaffen, untersucht das Team des HNO-Schlaflabors des Uniklinikums Würzburg (UKW) in einer Studie, ob Schnarchen durch eine myofunktionelle Therapie, also ein spezielles Training der Zungen- und Schlundmuskulatur, reduziert werden kann. Dafür suchen die zum Interdisziplinären Zentrum für gesunden Schlaf des UKW gehörenden Fachleute weiterhin Studienteilnehmende beiderlei Geschlechts. Diese sollten zwischen 18 und 65 Jahre alt sein, schnarchen und keine relevanten Atemaussetzer (OSAS) haben. Außerdem sollte eine Bettpartnerin oder ein Bettpartner zur Bewertung des Schnarchens vorhanden sein. 

Zuteilung zu Behandlungs- oder Kontrollgruppe

Die Studie will die Wirksamkeit einer myofunktionellen Therapie im Vergleich zu einer Kontrollgruppe untersuchen. Vor dem Studieneinschluss erfolgt eine reguläre schlafmedizinische Abklärung der Beschwerden mit Gespräch, Untersuchung und ambulanter Messung in der HNO-Schlafambulanz. Nach dem Studieneinschluss und einer zufälligen Zuteilung zur Behandlungs- oder Kontrollgruppe führen sie nach Anleitung selbstständig daheim sechs Wochen lang Übungen durch. Nach dieser Zeit – und nochmals sechs Monate nach Therapiebeginn – wird der Rückgang des Schnarchens durch die Bettpartnerin oder den Bettpartner, Fragebögen sowie die Aufzeichnung der Schnarchgeräusche kontrolliert. 

Kontakt:

Interessierte können beim Interdisziplinären Zentrum für gesunden Schlaf einen Screening-Termin vereinbaren unter E-Mail: schlaflabor_hno@ ukw.de  

Würzburger Stiftungsprofessur zur Demenzprävention startet

Mit der Unterzeichnung einer Stiftungsvereinbarung haben die Würzburger Universitätsmedizin, die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp und die Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist die Weichen gestellt für die Neueinrichtung einer Professur für die Prävention von Demenz und Demenzfolgeerkrankungen.

Starke Allianz: Die neue Würzburger Stiftungsprofessur zur Demenzprävention wird von mehreren Partnern getragen.
Starke Allianz: Die neue Würzburger Stiftungsprofessur zur Demenzprävention wird von mehreren Partnern getragen. Über die gemeinsame Vereinbarung freuen sich (v.l.) PD Dr. Thomas Polak (Klinik für Psychiatrie, UKW), JMU-Präsident Prof. Dr. Paul Pauli, Dr. Michael Schwab (Geriatriezentrum Stiftung Bürgerspital), Prof. Dr. Matthias Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät), Prof. Dr. Jens Maschmann (Ärztlicher Direktor, UKW), Annette Noffz (Leitende Stiftungsdirektorin Stiftung Bürgerspital) und Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung. Foto: Margot Rössler / Uniklinikum Würzburg

Mit ihren Unterschriften unter eine Stiftungsvereinbarung schufen sechs Führungskräfte der Würzburger Julius-Maximilians-Universität (JMU), des Uniklinikums Würzburg (UKW), der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp und der Treuhandstiftung Futura der Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist am 8. März dieses Jahres die Grundlage für die Einrichtung einer neuen W1-Professur, die in Zukunft nach Präventionswegen bei Demenz und Demenzfolgeerkrankungen suchen soll. Die Finanzierung der auf zunächst sechs Jahre angelegten Stelle wird zur Hälfte vom UKW getragen, die beiden Stiftungen übernehmen jeweils ein Viertel der Kosten.

Aufbauend auf großangelegter Würzburger Kohorten-Studie

Impulsgeber für das Projekt war die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp. Deren Vorstandsvorsitzender Dr. Gunther Schunk erläutert: „Nachdem eine von uns ab dem Jahr 2010 finanzierte Kohorten-Studie zur Frühdiagnose von Demenzerkrankungen im Jahr 2022 endete, stellte sich die Frage, wie es mit den vielen dabei erarbeiteten Erkenntnissen weitergehen soll.“ An der vom Zentrum für Psychische Gesundheit (ZEP) des UKW durchgeführten wissenschaftlichen Langzeitbeobachtung nahmen 600 Würzburgerinnen und Würzburger teil, die zu Studienbeginn 75 Jahre alt waren. Diese wurden in den folgenden zwölf Jahren zu zwei Zeitpunkten nachuntersucht. „Dieser Wissensschatz und andere zwischenzeitlich erzielte Forschungsergebnisse bilden die Grundlage für die mit der neuen Professur fokussierten Frage, ob und wie sich Demenzen verhindern oder zumindest verzögern lassen“, schildert Prof. Dr. Jürgen Deckert. Laut dem Sprecher des ZEP sollen darüber hinaus auch Demenzfolgeerkrankungen wie Stürze, Depressionen oder Störungen des Schlafrhythmus‘ in den Blick genommen werden.

Hirnforschung und Künstliche Intelligenz zusammenführen

„Mit der Einrichtung der Professur wird es nun möglich sein, neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung mit Methoden der Künstlichen Intelligenz zusammenzuführen“, sagt Dekan Prof. Dr. Matthias Frosch, der im Namen der Medizinischen Fakultät der JMU die Stiftungsvereinbarung unterschrieb. Und der Universitätspräsident Prof. Dr. Paul Pauli ergänzt: „Der Professorin oder dem Professor werden für die erfolgreiche Bearbeitung diese Forschungsthemen an der Würzburger Universität hervorragende Strukturen sowie Kooperationspartnerinnen und -partner zur Verfügung stehen.“

Da es aufgrund des demografischen Wandels immer mehr ältere Menschen gibt, die zugleich immer älter werden, muss man davon ausgehen, dass die Anzahl der derzeit rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland in Zukunft weiter steigen wird. „Allein vor diesem Hintergrund liegt es für die Stiftung Bürgerspital, die seit ihrer Gründung alten Menschen mit all ihren Erkrankungen eine bestmögliche Versorgung unter Wahrung von Autonomie und Würde bietet, nahe, sich an der Stiftungsprofessur zu beteiligen“, sagt Annette Noffz. Die Leitende Stiftungsdirektorin ergänzt: „Zudem wird am Geriatriezentrum der Stiftung Bürgerspital und an der dort angesiedelten GesundheitsAkademie50Plus unter ärztlicher Leitung des Geriaters Dr. Michael Schwab schon seit 1994 die Therapie und Prävention typischer Alterserkrankungen – wie eben auch Demenz und deren Vorstufen – in der Praxis intensiv verfolgt.“ Und Dr. Schunk kommentiert: „Die Stiftungsprofessur ist eine passgenaue Lösung, um an der Schnittstelle zwischen Forschung, Lehre und Anwendung das gesellschaftlich so wichtige Thema voranzubringen.“

Mitfinanzierung durch die Stiftungen essentiell

Von Seiten des UKW gehörten der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Jens Maschmann, und der Kaufmännische Direktor, Philip Rieger, zu den Vertragsunterzeichnern. „Für den leider im Januar dieses Jahres verstorbenen Stiftungsgründer Dr. Eckernkamp war Stiften immer auch Anstiften“, berichtet Rieger und fährt fort: „Auch in diesem Fall wurden wir ‚angestiftet‘, denn ohne die Mitfinanzierung der beiden Stiftungen wäre die Professur nicht zustande gekommen.“

Prof. Maschmann umreißt das weitere Vorgehen: „Wir planen, die an unserer Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie angesiedelte Professur im April dieses Jahres auszuschreiben. Im Idealfall ist mit einer Besetzung zum Jahreswechsel 2022/23 zu rechnen.“

Starke Allianz: Die neue Würzburger Stiftungsprofessur zur Demenzprävention wird von mehreren Partnern getragen.
Starke Allianz: Die neue Würzburger Stiftungsprofessur zur Demenzprävention wird von mehreren Partnern getragen. Über die gemeinsame Vereinbarung freuen sich (v.l.) PD Dr. Thomas Polak (Klinik für Psychiatrie, UKW), JMU-Präsident Prof. Dr. Paul Pauli, Dr. Michael Schwab (Geriatriezentrum Stiftung Bürgerspital), Prof. Dr. Matthias Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät), Prof. Dr. Jens Maschmann (Ärztlicher Direktor, UKW), Annette Noffz (Leitende Stiftungsdirektorin Stiftung Bürgerspital) und Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung. Foto: Margot Rössler / Uniklinikum Würzburg

Kennen Sie Ihr ABCDE-Profil?

Kidney Health for All, lautet das Motto des diesjährigen Weltnierentages am 10. März. Wissenslücken sollen geschlossen werden, um die Nierenversorgung zu verbessern. Das Universitätsklinikum Würzburg schließt sich diesem Motto gern an und stellt eine wichtige Frage, die hilft, Nieren- aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig zu entdecken: Kennen Sie Ihr ABCDE-Profil?

Diese Frage sollten alle Männer ab 40 Jahren und alle Frauen nach der Menopause oder ab 50 Jahren bejahen können. A steht für Albuminurie, B für Blutdruck, C für Cholesterin, D für Diabetes und E für eGFR-Status. Das ABCDE-Profil kann mit F für Fettleibigkeit fortgesetzt werden, auch ein N für Nikotin sollte auftauchen. Das ABCDE-Profil liefert Hinweise auf ein mögliches Risiko für Nieren-, aber auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die genauen Prognosen sollen Patienten und Ärzte dazu anregen, frühzeitig vorbeugende Maßnahmen einzuleiten. Denn sowohl für die Herzinsuffizienz als auch für die Niereninsuffizienz gilt: Je eher die Erkrankungen erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln.

Komplexes Zusammenspiel von Herz und Niere

Neue Entwicklungen gehen übrigens dahin, Herz- und Niereninsuffizienz nicht mehr getrennt voneinander zu betrachten. Jeder zweite Herzinsuffizienz-Patient hat eine chronische Nierenerkrankung. Und viele Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz haben ein schwaches Herz. Je nach Ursprung ist oft von einem kardiorenalen oder renokardialen Syndrom die Rede (lateinisch ren für Niere). Das Zusammenspiel von Herz und Nieren ist wesentlich komplexer, sodass Mediziner inzwischen von der Nephrokardiologie sprechen. Nephrokardiologen stellen nicht mehr das auslösende Organ in den Vordergrund, sondern das dominante Krankheitsbild, welches zuerst behandelt werden muss. 

Geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) ist wichtiger Marker 

Doch inwiefern schwächen sich Herz und Nieren gegenseitig? Ein schwaches Herz pumpt schlecht. Die Nieren werden nicht mit ausreichend Blut versorgt und ihre Glomeruli filtrieren weniger Primärharn aus dem Blut ab, was eine verminderte glomeruläre Filtrationsrate (GFR) zur Folge hat. Die GFR wird durch das E aus dem ABCDE-Profil abgedeckt. Das „e“ steht für „estimated“ - eGFR. Das heißt, die GFR wird anhand des Serumkreatinins, Alters, Geschlechts und der Hautfarbe geschätzt. Der Normalwert liegt bei 90 bis 130 Milliliter pro Minute. Die Nieren reagieren auf diese Unterversorgung mit Blut, in dem sie mehr vom hormonähnlichen Renin freisetzen. Dieses bringt den Kreislauf wieder in Schwung, erhöht den Blutdruck und damit auch den Filtrationsdruck in den Nieren. Gleichzeitig wird das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) aktiviert. Das RAAS verengt die Gefäße, Blutdruck und Blutvolumen steigen immer weiter und damit auch der Druck auf Herz und Nieren.

Nieren leiden leise

Die wenigsten wissen oder spüren, dass ihre Herzen oder Nieren immer schwächer werden. Denn die Symptome sind anfangs nicht spezifisch. Und vor allem die Nieren leiden leise. Eine Nierenerkrankung geht ohne Schmerzen einher. Umso mehr begrüßt die Europäische Nierengesellschaft (ERA), dass die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) inzwischen in ihren neuen Leitlinien empfiehlt, beim Screening auf kardiovaskuläre Risikofaktoren immer auch die Marker für eine Nierenerkrankung zu berücksichtigen. „Damit erkennt sie die chronische Nierenerkrankung als starken und unabhängigen Risikofaktor für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung an“, betont Prof. Dr. Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie am Universitätsklinikum Würzburg und Präsident der ERA. Bislang sei die Unsichtbarkeit der Chronischen Nierenerkrankung als klinische Diagnose ein großes Hindernis für die Umsetzung von Strategien zur Verringerung des Herz-Kreislauf-Risikos. In einer schwedischen Kohorte wurde zum Beispiel bei mehr als 50.000 Personen mit einer Nierenerkrankung nur bei 23 Prozent eine tatsächliche Diagnose vom behandelnden Arzt in den elektronischen Gesundheitsakten registriert. 

Albumin-Bestimmung mit UACR-Test

Ein frühes Erkennen einer beginnenden Nierenschädigung ist neben der eGFR auch durch die Bestimmung des Eiweißes Albumin im Urin möglich und wichtig. Denn Nierenschäden können aufgehalten, aber nicht rückgängig gemacht werden. Ein Urinschnelltest mit einem klassischen Urinstreifen gibt erste Hinweise. „Noch genauer ist ein UACR-Test - Urin Albumin zu Creatinin-Ratio. Mit dem Labortest wird das Verhältnis von Albumin- und Kreatininkonzentration im Urin gemessen“, schildert Christoph Wanner. „Idealerweise bietet jeder Hausarzt, Diabetologe und Kardiologe regelmäßig diesen in der Handhabung sehr einfachen und sauberen Labortest an. Der Patient bringt ein vorher verteiltes Urinröhrchen seines Morgenurins mit zum Arzt.“ 

Ebenso wichtig ist es natürlich auch, bei Nierenpatienten das kardiovaskuläre Risiko genau abzuklären. Herz-Kreislauf-Komplikationen bei Patienten mit einer Niereninsuffizienz machen den Medizinern oft größere Sorgen als Nierenkomplikationen allein. Letztendlich sterben die meisten Nierenpatienten nicht aufgrund ihrer Niereninsuffizienz, sondern an einem Herz-Kreislauf-Ereignis. 

Weitere Informationen zur Nierengesundheit liefert ein kurzer Aufklärungsfilm der Europäischen Nierengesellschaft ERA auf der Präventionswebseite www.strongkidneys.eu.