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Uniklinikum Würzburg: Potenzieller Ansatzpunkt für eine Sepsis-Früherkennung entdeckt

Würzburger Forscher*innen konnten nachweisen, dass schon im Frühstadium einer Sepsis ein Rezeptor auf den Thrombozyten der Patient*innen seine Funktion verliert. Möglicherweise ist dieses Phänomen eine Chance auf die Entwicklung einer Frühdiagnose der oft lebensbedrohlichen Blutvergiftung.

 

Bei einer Sepsis, die umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt wird, schädigen die Abwehrreaktionen des Körpers gegen eine Infektion die eigenen Gewebe und Organe. „Unsere hauptsächlichen therapeutischen Anstrengungen bei der Sepsis zielen darauf ab, ein Multiorganversagen zu verhindern“, schildert Privatdozent Dr. Dirk Weismann. Der Leiter der internistischen Intensiv- und Notfallmedizin der Medizinischen Klinik I des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Leider können wir mit den aktuellen Labordiagnoseverfahren eine Sepsis erst zuverlässig erkennen, wenn der Organschaden schon relativ groß ist.“

Sepsis: Oft zu spät erkannt
Eine Sepsis zählt zu den schwersten Komplikationen von Infektionskrankheiten, die durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten ausgelöst werden. Häufige Infektionsquellen einer Sepsis sind Lungenentzündungen, Infektionen des Magendarmtrakts und des Urogenitaltrakts, ferner auch Infektionen von Haut- und Weichteilgewebe, des zentralen Nervensystems und sogenannte katheterassozierte Infektionen. Eine Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der oft zu spät erkannt wird. In Deutschland sterben jährlich etwa 75.000 Menschen an einer Sepsis. Die Überlebende erleiden oft schwere Folgeschäden.

Der Glykoproteinrezeptor GPVI versagt den Dienst
Zu den diagnostisch genutzten Parametern zählt das Absinken der Anzahl der Blutplättchen – oder auch Thrombozyten – unter einer Sepsis. Während dieser Effekt schon seit Jahren bekannt ist, verfolgte ein Forschungsteam um Dr. Weismann und Prof. Dr. Harald Schulze vom Institut für Experimentelle Biomedizin des UKW kürzlich die Frage, ob sich bei einer Sepsis auch die Funktionsfähigkeit der Thrombozyten verändert. Tatsächlich konnten sie zeigen, dass im Verlauf einer Blutvergiftung die Thrombozyten nicht nur weniger werden, sondern sie sich auch schlechter aktivieren lassen. Über eine umfassende Analyse mittels Durchflusszytometrie, Aggregometrie und Immunoblotting identifizierten sie dabei das Versagen eines Rezeptors auf der Oberfläche der Blutplättchen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit für dieses Phänomen verantwortlich ist. Die Signalisierung des Glykoproteinrezeptors GPVI stumpft während einer Sepsis zunehmend ab.
„Besonders interessant ist, dass dieser Effekt schon zu Beginn der Sepsis einsetzt, deutlich früher als andere bisher messbare Faktoren“, erläutert Dr. Weismann. Deshalb könnte dieser Defekt möglicherweise als Indikator für eine frühe Sepsis-Diagnose genutzt werden, was jedoch in prospektiven Studien erst noch bestätigt werden müsse.
Die Ergebnisse der Studie wurden im April dieses Jahres in der Fachzeitschrift Blood veröffentlicht.

Literatur:
Weiss LJ, Manukjan G, Pflug A, Winter N, Weigel ML, Nagler N, Kredel M, Lam TT, Nieswandt B, Weismann D, Schulze H. Acquired platelet GPVI receptor dysfunction in critically-ill patients with sepsis. Blood. 2021 Apr 7:blood.2020009774. doi: 10.1182/blood.2020009774.

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Lern- und Entscheidungsprozesse im Blick

Als Juniorprofessorin für Lernprozesse in der Entwicklungspsychiatrie, Psychotherapie und Prävention ergänzt Andrea Reiter das Forschungsspektrum der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Würzburger Universitätsmedizin.

 

„Mit Drogen experimentieren, betrunken Auto fahren oder ungeschützten Geschlechtsverkehr haben – viele Gesundheitsgefahren von Jugendlichen beruhen auf schlechten Entscheidungen. Unter anderem deshalb ist es so wichtig, die dahinterstehenden Lern- und Entscheidungsprozesse noch besser zu verstehen“, sagt Andrea Reiter und umreißt damit eines ihrer Forschungsgebiete an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg. Seit Februar 2021 hat sie hier die neugeschaffene Juniorprofessur für Lernprozesse in der Entwicklungspsychiatrie, Psychotherapie und Prävention inne.

Damit kehrt die gebürtige Augsburgerin (Jahrgang 1986) zum Ausgangsort ihrer akademischen Karriere zurück: Im Jahr 2006 startete sie an der JMU mit ihrem Psychologie-Studium. Aus geisteswissenschaftlichem Interesse – vor allem an Sprachen – studierte sie außerdem parallel Anglistik, Romanistik und Erziehungswissenschaften bis zum ersten Staatsexamen. Ein eingeschobenes Erasmus-Auslandssemester führte sie an die Psychologische Fakultät der Universität Lissabon.

Promotion zu Sucht und Kontrollverlust


Nach dem in Würzburg abgelegten Diplom in Psychologie im Jahr 2012 wechselte Andrea Reiter mit einem kompetitiven Promotionsstipendium ans Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig.

An der dortigen International Max Planck Research School on Neuroscience of Communication und der Universität Leipzig promovierte sie an der Schnittstelle von kognitiven Neurowissenschaften und klinischer Psychologie. Thema waren die kognitiv-neurowissenschaftlichen Hintergründe von Suchterkrankungen und anderen psychischen Problemen, die mit Kontrollverlust einhergehen, wie der von Essattacken geprägten Binge-Eating-Störung.

Methodenportfolio vertieft

„Im Lauf der Zeit interessierte ich mich immer stärker für Entwicklungsaspekte von psychischen Erkrankungen, aber auch für Veränderungen im Lernen und Entscheidungsverhalten, die im typischen Entwicklungsverlauf eines Menschen auftreten“, schildert Andrea Reiter. Dies führte sie nach ihrer Doktorarbeit im Jahr 2015 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in den Bereich „Entwicklungspsychologie und Neurowissenschaft der Lebensspanne“ an der TU Dresden.

Ihre letzte Karriereetappe vor Würzburg war von 2018 bis 2020 das University College in London. Dort beschäftigte sie sich als Postdoktorandin am Max Planck – UCL Centre for Computational Psychiatry and Ageing Research und am Wellcome Trust Centre for Human Imaging mit jugendlicher Entwicklung und Psychopathologie. „Dabei hatte ich Gelegenheit, meine Kenntnisse in Bereichen wie Hirnbildgebung und Computationaler Modellierung zu vertiefen und an einer großangelegten Längsschnittstudie zur jugendlichen Entwicklung mitzuwirken“, erläutert Reiter.

Entscheidungsprozesse von Jugendlichen besser verstehen

Mit diesem Werdegang steht der Psychologin ein umfangreiches Methodenportfolio für ihre breit angelegten Forschungsinteressen zur Verfügung, die sie nun an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) des Uniklinikums Würzburg (UKW) weiterverfolgt.

„Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich aus einer grundlagenwissenschaftlichen Perspektive damit, wie vor allem junge Menschen Entscheidungen treffen, wie basale Lernprozesse ablaufen und wo es hierbei mögliche Zusammenhänge zu psychischen Erkrankungen gibt“, schildert die Wissenschaftlerin.

Die dafür nötigen Daten werden in psychologischen Experimenten gewonnen, bei denen neben Verhaltensmaßen unter anderem die besonders involvierten Hirnareale mittels Magnetresonanztomografie (MRT) oder Elektroenzephalografie (EEG) ermittelt werden. Anschließend helfen Computeralgorithmen, die aus Verhaltensexperimenten oder per Hirnscanner gewonnenen Informationen auszuwerten.

Mit struktureller Hirnbildgebung Umbauprozesse untersuchen

Die oben genannten Bildgebungsverfahren spielen auch eine zentrale Rolle, wenn es um die strukturelle Entwicklung des Gehirns geht. Andrea Reiter: „Wir wissen schon seit langem, dass sich das menschliche Gehirn in der Kindheit massiv verändert. Im Gegensatz dazu sind weitere solche Umbauprozesse im Teenager-Alter erst in den letzten beiden Jahrzehnten in den Fokus der Forschung gerückt. Eine Hypothese dabei ist, dass abweichende Umbauprozesse auch damit zusammenhängen können, dass Jugendliche psychische Probleme entwickeln.“

Verhalten ist ansteckend
Ein weiterer Schwerpunkt in der Forschungsarbeit der Juniorprofessorin sind soziale Aspekte von Verhalten. Sie verdeutlicht: „Wir alle lassen uns in unserem Verhalten von anderen anstecken. Im Jugendalter wirkt dieser Effekt allerdings deutlich stärker.“

Aus Studien ist bekannt, dass Jugendliche mit bestimmten psychischen Störungen soziale Reize anders verarbeiten als gesunde Jugendliche. Ein Ziel ihrer Arbeitsgruppe ist es, die Rolle von sozialer Information und Interaktion sowie von sozialem Lernen bei verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen, aber auch in Therapieprozessen zu untersuchen.

„Eine interessante Frage für die zukünftige Therapieplanung ist in diesem Zusammenhang, ob sich durch kognitive Marker, die zum Teil mit Computeralgorithmen gewonnen werden können, die Jugendlichen, die zum Beispiel von einer Gruppentherapie profitieren könnten, von denjenigen unterscheiden lassen, für die das nicht der richtige Behandlungsweg ist“, sagt Andrea Reiter.

Erfolgreiche Drittmitteleinwerbungen

„Wir sind hochzufrieden, dass wir die neue Juniorprofessur mit einer so vielseitigen und anerkannten Wissenschaftlerin besetzen konnten“, freut sich Prof. Dr. Marcel Romanos, der Direktor der KJPPP. Deutlich wird die Relevanz der wissenschaftlichen Themen des Würzburger Neuzugangs unter anderem durch die von ihr bislang eingeworbenen Forschungsmittel. Neben der mehrfachen Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde Andrea Reiter auch international durch den 2020 NARSAD Young Investigator Award der Brain & Behavior Research Foundation ausgezeichnet. Diese Förderung ist eine renommierte internationale Auszeichnung für NachwuchswissenschaftlerInnen im Bereich Biologische Psychiatrie.

Auch in Klinik und Lehre engagiert

Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ist Andrea Reiter auch klinisch als Psychotherapeutin tätig – sie hat 2019 die Approbation für psychologische Psychotherapie erworben. Außerdem engagiert sie sich in der Lehre, und zwar sowohl bei der Ausbildung von Medizinstudierenden als auch in der Betreuung von Medizin- und Psychologie-Doktorarbeiten.

In Summe ist die Professur für Andrea Reiter nach eigenen Worten wie maßgeschneidert. „Mein Interesse für die Wissenschaft ist durch mein Psychologiestudium in Würzburg geweckt worden. Eine Besonderheit war schon damals die hier gepflegte enge Zusammenarbeit, auch über Fakultäten hinweg, beispielsweise zwischen der Psychiatrie und der klinischen Psychologie. Auch jetzt freue ich mich auf vielfältige Kooperationsmöglichkeiten – sei es mit der Erwachsenenpsychiatrie, der Neuroradiologie und Neurobiologie, der Psychologie oder der Pädagogik.“ Außerdem gebe es in Würzburg schon seit langem einen starken wissenschaftlichen Fokus auf Lernprozesse.

„Last but not least kann ich mich hier im neuen Deutschen Zentrum für Präventionsforschung und Psychische Gesundheit engagieren. Das ist für mich sehr attraktiv, da ich es für essentiell halte, psychische Krankheiten nicht nur effektiv zu behandeln, sondern diesen auch evidenzbasiert vorzubeugen“, betont die Professorin. Ihre Stelle wurde von der JMU im Tenure-Track-Verfahren eingerichtet. Das bedeutet, dass in drei Jahren eine Evaluation stattfindet, nach der eine Verstetigung der Professur in Aussicht steht.

Kontakt

Juniorprofessorin Dr. Andrea Reiter, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätsmedizin Würzburg, reiter_a2@ ukw.de 

Pressemitteilung der Universität Würzburg 

Webinar „Stärke Deine Nieren“ - 27. Mai 2021, 17 Uhr

Wussten Sie, dass unsere Nieren alle fünf Minuten unser gesamtes Blut filtern? Das sind 1800 Liter täglich. Dabei reinigen sie nicht nur das Blut von Giftstoffen und Abfallprodukten, sie haben auch viele weitere Aufgaben. Welche diese sind, und warum wir den Nieren unbedingt mehr Aufmerksamkeit schenken sollten, das schildern am Donnerstag, 27. Mai um 17 Uhr, die Nephrologen Lothar Schramm und Christoph Wanner sowie der Kardiologe Stefan Störk.

 

Wunderwerk Niere – Kraftwerk und Kläranlage in unserem Körper Prof. Dr. Lothar Schramm, Dialyse-Zentrum Würzburg

Was uns an die Nieren geht – Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht Prof. Dr. Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie in der Med Eins am Uniklinikum Würzburg und Präsident der europäischen Nierenvereinigung ERA-EDTA 

Auf Herz und Nieren prüfen – wie die Organe verbunden sind 
Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der Herzinsuffizienzambulanz am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg

Sie sind herzlich eingeladen! Der Online-Vortrag findet über die Plattform „Skype for Business“ statt. Voraussetzung zur Teilnahme ist eine Internetverbindung, ein Smartphone, Tablet oder Laptop/Computer.  

Das Webinar findet online über „Skype for Business“ statt. Bitte klicken Sie auf folgenden Link, um am Webinar teilzunehmen: https://meet.ukw.de/skypeconf1/HGK3G279 

Probieren Sie „Skype for Business“ am besten rechtzeitig vor der Veranstaltung aus. Alternativ ist auch eine Teilnahme per Telefon möglich. Beachten Sie bitte, dass Sie in diesem Fall zwar zuhören und Fragen stellen können, die Präsentation für Sie aber nicht sichtbar sein wird.

Per Telefon teilnehmen: +49 931 201 6699998, Konferenzkennung: 4942561 

Informationen zum Umgang mit Ihren Daten bei der Verwendung von Skype for Business des Universitätsklinikums Würzburg können Sie unter https://www.ukw.de/recht/datenschutz/ abrufen. 

Download der Anleitung von Skype for Business

Hier das Video zur Kampagne "Strong Kidneys"
Weitere Informationen zur Kampagne finden Sie auf der Website der Medizinischen Klinik I



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Schmerz, lass‘ nach – Videoreihe der Gesunden Hochschule

Rückenschmerzen und Verspannungen sind in der heutigen Arbeitswelt keine Seltenheit. Mit einer sechsteiligen Videoreihe zeigt die „Gesunde Hochschule“ der Uni Würzburg, wie man mit einfachen Übungen selbst etwas dagegen tun kann.

 

Langes Sitzen kann für Muskeln, Sehnen und Bänder zur Qual werden: Der Nacken schmerzt, es zieht im Rücken oder des pocht im Kopf. Betroffene interessiert vor allem: Was kann man dagegen tun? Diese Frage will das Team „Gesunde Hochschule“ der Julius-Maximilians-Universität (JMU) beantworten – mit einer Videoreihe unter dem Titel „Schmerz lass‘ nach“, die kurze, aber effektive Übungen zeigt.

In insgesamt sechs zweiminütigen Videos zeigt Andreas Petko vom Hochschulsport der JMU hilfreiche Ausgleichsübungen zu Verspannungen, die aus typischen Fehlhaltungen bei einer sitzenden Tätigkeit resultieren. Als „Schauspielerinnen und Schauspieler“ konnten bekannte Akteure der Universität gewonnen werden – so zum Beispiel Kanzler Uwe Klug oder die ehemalige Vizepräsidentin Professorin Andrea Szczesny. Gedreht wurden die Videobeiträge von Michael Brill vom Lehrstuhl für Medienpsychologie der JMU.

Für Beschäftigte und auch für Studierende

„Idealerweise bekommen die Menschen Lust gleich mitzumachen, wenn sie das Video sehen. Dabei erfahren Sie, dass die Übungen leicht machbar sind und auch tatsächlich gegen Verspannungen helfen“, so Imke Ostermeier-Kittel von der Gesunden Hochschule. Wichtig sei für einen dauerhaften Erfolg, diese Übungen regelmäßig zu machen.

Die Videos sollen alle Beschäftigten der JMU ansprechen, die den Großteil ihres Arbeitstages sitzend verbringen. So sind die Videos aber natürlich auch für Studierende relevant – insbesondere bei langen Lernperioden zu Hause oder in der Bibliothek.

Ein Video pro Woche

Startschuss für die sechsteilige Videoreihe ist der heutige 18. Mai 2021. Zu sehen sind die Beiträge auf der Homepage der „Gesunden Hochschule“, wöchentlich im Uni-Magazin einBLICK und auf dem YouTube-Kanal der JMU. Im wöchentlichen Rhythmus wird ein neues Video veröffentlicht.

Freuen können sich die Beschäftigten zudem auf eine kleine Gedächtnisstütze: Nach den Pfingstferien werden Tischaufsteller mit den Übungen aus den Videos an alle Abteilungen und Dienststellen verschickt. „Dieser erinnert daran, die Übungen zu machen und es finden sich alle wichtigen Infos zu den Übungen. So fällt es leichter, die kleinen Bewegungseinheiten zu einem selbstverständlichen Teil des Arbeitstages werden zu lassen“, so Ostermeier-Kittel.

Kontakt

Gesunde Hochschule, Universität Würzburg, Tel: +49 931 – 31 82020, gesundheit@ uni-wuerzburg.de


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Online-Infoabend zu familiärem Brust- und Eierstockkrebs

Am Dienstag, den 22. Juni 2021, lädt das Familiäre Brust- und Eierstockkrebszentrum Würzburg Betroffene, Angehörige und sonstig Interessierte zu einem virtuellen Informationsabend ein. Bei der kostenlosen Veranstaltung stehen elf Expert*innen als Referent*innen und Diskussionsteilnehmer*innen zu den diversen Aspekten der erblich bedingten Tumorerkrankungen zur Verfügung.

„In fünf bis zehn Prozent der Fälle von Brust- und Eierstockkrebs handelt es sich um Erkrankungen, die familiär gehäuft auftreten“, berichtet Prof. Dr. Achim Wöckel. Der Direktor der Frauenklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Da das reguläre Brustkrebs-Früherkennungs-Programm hier nicht ausreicht, sollten sich die Betroffenen in einer spezialisierten Einrichtung beraten lassen.“ Eine solche Einrichtung ist das vom UKW betriebene Familiäre Brust- und Eierstockkrebszentrum (FBREK) Würzburg. Es fungiert als Anlaufstelle für Frauen aus dem Raum Nordbayern und aus benachbarten Gebieten.
Am Dienstag, den 22. Juni 2021, gibt eine Online-Veranstaltung allen Interessierten einen Einblick in die Tätigkeiten des FBREK Würzburg. Ab 18:00 Uhr erklären Expert*innen des Zentrums in allgemeinverständlichen Kurzvorträgen, wann der Verdacht auf eine familiäre Risikosituation vorliegt, wer sich testen lassen kann, wie die Test ablaufen und was dies für Folgen haben kann.
Neben zehn Fachleuten des UKW und der Uni Würzburg beteiligt sich auch Sabine Weimert vom Breast-Cancer (BRCA)-Netzwerk Nürnberg an dem kostenlosen Infoabend. Das BRCA-Netzwerk bietet Betroffenen und deren Familien die Möglichkeit zum Austausch an. 
Nach vier Referaten haben die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, ihre individuellen Fragen mit den Expert*innen zu diskutieren.
Für die Teilnahme ist eine Anmeldung bei Heike Barral von der Würzburger Universitätsfrauenklinik wichtig unter Tel: 0931/ 201 25263 oder E-Mail: barral_h@ ukw.de. 
Das detaillierte Programm der Veranstaltung findet sich unter www.ukw.de/frauenklinik  

 

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Alterungsprozesse stellen auch ohne erkennbare Krankheit oder Trauma das größte Risiko für eine Schädigung des Nervensystems dar. Die impulsleitenden, myelinisierten Fortsätze und synaptischen Verbindungen zwischen Nervenzellen sind hierbei aus bisher ungeklärten Ursachen besonders anfällig für eine alterungsabhängige Degeneration. Diese krankhaften Veränderungen äußern sich im fortgeschrittenen Alter oft im Verlust kognitiver, sensorischer, und motorischer Fähigkeiten und stellen ein enormes sozioökonomisches Problem dar.

Fehlaktivierung sorgt für Schäden

Die Wissenschaft geht schon lange davon aus, dass Entzündungsprozesse hierbei eine wichtige Rolle spielen. Die Fehl- oder Überaktivierung von bestimmten Zellen des angeborenen Immunsystems – der Mikroglia – scheinen eine Schädigung von Nervenzellfortsätzen und Synapsen im alternden zentralen Nervensystem (ZNS) zu fördern. In einer aktuellen Arbeit haben Wissenschaftler des Würzburger Universitätsklinikums nun eine wichtige Rolle des erworbenen Immunsystems entdeckt.

Die Studie entstand an der Neurologischen Klinik unter der Federführung von Privatdozent Dr. Janos Groh aus der Sektion „Experimentelle Entwicklungsneurobiologie“ (Prof. Dr. Rudolf Martini) in Zusammenarbeit mit Professor Wolfgang Kastenmüller (Institut für Systemimmunologie) und Dr. Antoine-Emmanuel Saliba vom Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt in der Fachzeitschrift Nature Aging veröffentlicht.

T-Zellen als Vermittler von Neurodegeneration

„Cytotoxische CD8+ T-Zellen erkennen und bekämpfen normalerweise infizierte oder entartete Zellen. Sie können im Fall von Autoimmunkrankheiten wie etwa der Multiplen Sklerose jedoch auch ungewollte Schäden im Nervensystem anrichten“, sagt Janos Groh. Solche CD8+ T-Zellen konnten von den Wissenschaftlern zuvor bereits in Modellen verschiedener genetisch bedingter neurologischer Erkrankungen als wichtige Krankheitsvermittler identifiziert werden. Ihre Rolle im alternden ZNS war bisher jedoch kaum funktionell erforscht. Das wollten die Forscher ändern; sie haben dafür den Einfluss der Zellen bei alten Mäusen untersucht, bei denen die Zellen vermehrt in Fasertrakten zu finden waren.

„Wir zeigen, dass die Akkumulation von CD8+ T-Zellen die Degeneration von Nervenfasern im ZNS von normalen, alternden Mäusen verursacht, was zur Beeinträchtigung motorischer und kognitiver Fähigkeiten beiträgt“, fasst Groh die wichtigsten Erkenntnisse der Studie zusammen. Mit modernen Analysen der Genexpression auf Einzelzellebene konnte das Team erstmals verschiedene Populationen dieser CD8+ T-Zellen in Gehirnen von adulten und alten Mäusen detailliert beschreiben. Dies half den Wissenschaftlern anschließend dabei, durch präzise immunologische Tierexperimente den Mechanismus zu klären, wie die CD8+ T-Zellen den Schaden im Gehirn verursachen.

Entzündung als Risiko, aber auch Therapiemöglichkeit


„Außerdem zeigen wir, dass ein T-Zell-vermittelter Schaden in alten, jedoch nicht in erwachsenen Mäusen durch systemische Entzündungsprozesse verstärkt wird“, ergänzt Groh. Somit bestätigt die Studie seinen Worten nach, dass CD8+ T-Zellen wichtige Vermittler entzündlicher Schädigungen des alternden ZNS darstellen, beispielsweise auch nach Infektionen an weiter entfernten Stellen des Körpers. Warum und wie es genau zur Auslösung dieser Entzündungsreaktion kommt, wollen die Forscher in zukünftigen Studien klären.

Ganz ähnliche T-Zellreaktionen wie in Mäusen konnten die Wissenschaftler schließlich auch in Autopsien der weißen Substanz aus dem zentralen Nervensystem älterer Menschen finden. Somit könnten CD8+ T-Zellen ein mögliches Ziel für therapeutische Ansätze darstellen, um die alterungsabhängige Beeinträchtigung von Struktur und Funktion des Nervensystems zu lindern. Die Studie liefert also grundlagenwissenschaftlich und translational weitreichende Einblicke in degenerative Alterungsprozesse und ein weiteres Beispiel für die komplexe Interaktion zwischen Nervensystem und Immunsystem.

Originalpublikation

Accumulation of cytotoxic T cells in the aged CNS leads to axon degeneration and contributes to cognitive and motor decline. Janos Groh, Konrad Knöpper, Panagiota Arampatzi, Xidi Yuan, Lena Lößlein, Antoine-Emmanuel Saliba, Wolfgang Kastenmüller & Rudolf Martini. Nat Aging 1, 357–367 (2021). doi.org/10.1038/s43587-021-00049-z

rdcu.be/ciK5O 


Kontakt

PD Dr. Janos Groh, T: +49 931 201-44053, groh_j@ ukw.de 


Pressemitteilung der Universität Würzburg

Trauer oder Depression, das ist hier die Frage

Was ist normale Trauer, und unterscheidet sie sich von Depression? Diese Fragen haben Wissenschaftler der Universität Würzburg untersucht. Ihre Studie zeigt: Die Gedanken machen den Unterschied.

Nach dem Tod einer nahen Bezugsperson erleben etwa 90 Prozent der Hinterbliebenen normale, das heißt, nicht besonders starke und nicht sehr lange andauernde Trauerreaktionen. Gleichwohl suchen manche in dieser Zeit einen Arzt auf – sei es, weil sie sich in ihrem Befinden beeinträchtigt fühlen, sei es, weil sie unter körperlichen Beschwerden leiden. Nicht selten diagnostiziert dann der Arzt eine Depression und verordnet das entsprechende Medikament, in der Regel ein Antidepressivum. Aber ist das gerechtfertigt?

Dieser Frage sind jetzt Forscher der Universität Würzburg nachgegangen. In ihrer Studie haben sie nach dem Unterschied zwischen Trauer und Depression gesucht. Verantwortlich dafür sind Joachim Wittkowski, außerplanmäßiger Professor an der Fakultät für Humanwissenschaft der Universität Würzburg, und Dr. Rainer Scheuchenpflug, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Psychologie III. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des European Journal of Health Psychology veröffentlicht.

Studie mit 400 Teilnehmenden

Mehr als 400 Personen, die meisten von ihnen verwitwet oder verwaiste Eltern, haben an der Studie teilgenommen. Sie haben dabei ihr Erleben nach dem Verlust einer ihnen nahestehenden Person anhand eines Fragebogens speziell zur Erfassung von Trauerreaktionen beschrieben. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler verschiedene Komponenten des Trauerns messen. Zusätzlich haben die Teilnehmenden einen Fragebogen ausgefüllt, der standardmäßig zum Einsatz kommt, wenn es darum geht, eine Depression zu erfassen.

„Die statistischen Analysen zeigen, dass eine eng gefasste Vorstellung von normaler Trauer, die allein auf Beeinträchtigungen im Denken und Fühlen ausgerichtet ist, große Ähnlichkeit mit einer Depression hat“, schildert Joachim Wittkowski das zentrale Ergebnis der Studie. Lege man aber ein umfassenderes Bild von Trauern zugrunde, das auch die Nähe zur verstorbenen Person, die Sehnsucht nach ihr, Schuldgefühle sowie positive Aspekte der Trauererfahrung berücksichtigt, erweise sich Trauer als eine Reaktionsform, die sich deutlich von Depression unterscheidet.

Ein genauer Blick ist erforderlich

Für Ärztinnen, Psychologen und Angehörige anderer Berufsgruppen im Gesundheitswesen ergibt sich nach Aussage der Wissenschaftler daraus die Schlussfolgerung, sich ausführlich mit Menschen in Trauer zu befassen und dabei das Augenmerk nicht ausschließlich auf Kummer und gedrückte Stimmung zu lenken, sondern auch Schuldgefühle und das Empfinden der Nähe zur verlorenen Person zu beachten. Wenn der Todesfall bereits länger zurückliegt, seien auch persönliches Wachstum und eine Zunahme von Empathie für andere Menschen Merkmale, die nur für Trauernde gelten, nicht hingegen für Depressive.

„Als Leitschnur für die diagnostische Einordnung von Menschen nach einem schwerwiegenden Verlust kann gelten, dass Trauernde und Depressive sich in ihren Gefühlen ähneln, sich hingegen in ihren Gedanken unterscheiden“, sagt der Psychologe. Zwar werde immer gestorben – und getrauert auch. Gerade unter den Bedingungen, unter denen in Zeiten der Pandemie gestorben wird und Abschied genommen werden muss, sei der differenzierte Umgang mit Trauer und Depression noch wichtiger als sonst.

Originalpublikation

Evidence on the conceptual distinction of grief from depression: A multi-faceted analysis of differential validity. European Journal of Health Psychology. Joachim Wittkowski und Rainer Scheuchenpflug. https://econtent.hogrefe.com/doi/10.1027/2512-8442/a000077

Kontakt

Prof. Dr. Joachim Wittkowski, T: +49 931 65171, wittkows@ psychologie.uni-wuerzburg.de 


Pressemitteilung der Universität Würzburg