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Würzburger Hebammenschule schließt: Abschiedsfeier mit neuen Perspektiven

Über 200-jährige Tradition / Neuer Studiengang „Hebammenwissenschaften“ bereits 2022 etabliert

Schulleiterin Edith Kroth, Christine Hildebrand (Leiterin des Staatlichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe), Christiane Völk, Lehrkraft der Hebammenschule und Martina Göb, Lehrkraft der Hebammenschule und stellv. Schulleiterin.
Bei der Abschiedsfeier: Schulleiterin Edith Kroth, Christine Hildebrand (Leiterin des Staatlichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe), Christiane Völk, Lehrkraft der Hebammenschule und Martina Göb, Lehrkraft der Hebammenschule und stellv. Schulleiterin. Foto: UKW / Katja Zischler

Würzburg. Der letzte Ausbildungsjahrgang hat bereits die Zeugnisse erhalten, am 30. September wurde bei einer offiziellen Abschiedsfeier nochmals auf die lange Geschichte der staatlichen Hebammenschule in Würzburg geschaut – und auf die neuen Perspektiven. Denn: Bereits seit zwei Jahren gibt es den Studiengang Hebammenwissenschaften an der Würzburger Universitätsmedizin. Als offizieller Startschuss für die Hebammenausbildung in Würzburg kann allerdings das Jahr 1805 gelten. Damit ist Würzburg nach München und Bamberg der drittälteste Standort der Hebammenausbildung in Bayern.

Der Hintergrund zur neuen Ausbildungsform und zur Schließung der Schule: Ende 2019 trat das neue Hebammengesetz in Kraft, das eine Akademisierung der Ausbildung vorsieht. Daher wurde 2022 an der Würzburger Universitätsmedizin der Studiengang Hebammenwissenschaften etabliert. Seit 2022 liefen beide Systeme – die Ausbildung an der staatlichen Berufsfachschule und der Studiengang, zunächst parallel. Die Berufsfachschule war ein Teil des Staatlichen beruflichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe in Würzburg. 

„Ein Stück Würzburger Medizingeschichte“

„Die Hebammenschule ist auch ein Stück Würzburger Medizingeschichte. Das kann man bei über einer 200-jährigen Tradition schon sagen“, betont Edith Kroth, die seit 1999 die Würzburger Hebammenschule geleitet hat und künftig Aufgaben im Studiengang übernimmt. Als offizieller Startpunkt gilt das Jahr 1805. In diesem Jahr gelang es Adam Elias von Siebold, am Juliusspital eine erste „Gebärklinik“ einzurichten. Teile der Ausbildung der Hebammen fanden damals u.a. in den Privatwohnungen der Ärzte statt, so Kroth. Natürlich gab es schon viele Jahrhunderte vorher Hebammen in Würzburg, so die langjährige Leiterin der Berufsfachschule, aber das Jahr 1805 sei aufgrund der Klinikgründung herausragend.

Das 19. Jahrhundert war von mehreren Standortwechseln und unterschiedlichen Zuständigkeiten geprägt. Ein wichtiger Schritt aus Sicht der Universitätsmedizin war dabei der Übergang von der „Kreisentbindungsanstalt“, in Verantwortung des Kreises Unterfranken, hin zur „Königlichen Universitäts-Frauenklinik und Hebammenschule“, bevor dann später mit dem Bezug der „neuen“ Frauenklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) in den 1930er Jahren die Hebammenschule dort eine neue Heimat fand. Seit 2020 fand die theoretische Ausbildung in den Schulräumen am Berliner Platz statt.

Männliche Hebammen? Fehlanzeige

Auf eine häufig gestellte Frage antwortet Edith Kroth: „Einen männlichen Auszubildenden hatten wir übrigens in den ganzen Jahren nicht. Es gab zwar einzelne Bewerbungen in den 1980er Jahren, aber daraus folgte keine Ausbildung.“ Sehr wohl habe sich aber der gesellschaftliche Wandel und natürlich der medizinische Fortschritt auch in den Ausbildungsinhalten gezeigt. „Bis in die 1960er Jahre war die Hausgeburt etwa dominierend, erst dann setzte die Entwicklung ein, dass die meisten Geburten in Kliniken stattfanden. Das beeinflusste natürlich auch die Aufgaben der Hebammen“, erklärt Kroth. Und auch etwas, was heute alltäglich ist bei der Geburt, setzte sich erst sehr langsam seit den 1980er Jahren durch: Die Anwesenheit des Vaters bei der Geburt. „Das war lange eine absolute Ausnahme, heute ist es der Normalfall.“ Zudem prägten viele weitere Entwicklungen die Ausbildungsinhalte: Verändertes Frauen- und Familienbild, Fortschritte bei der Hygiene, moderne Anästhesieverfahren, die Gründung von Geburts- und Hebammenhäusern vor allem in städtischen Regionen – stets begleitet von den sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen und medizinischen Leitlinien.

„Vielfältiges Berufsbild“

Eines ist Edith Kroth besonders wichtig: „Das Berufsbild ist so vielfältig. Dazu zählt die Schwangerenberatung, die Vorsorge, die Vorbereitung auf Geburt und Elternschaft, selbstverständlich die Geburt als solches und natürlich die Versorgung und Beratung im Wochenbett – es gibt so viele Facetten.“ Der letzte Ausbildungsjahrgang konnte bereits vor einigen Wochen die Zeugnisse entgegennehmen. Pro Jahr verließen zuletzt etwa 16 ausgebildete Hebammen die Schule. Kroth: „Unsere Absolventinnen sind weit verstreut – auch international.“

Zuletzt bestand das Team der Schule aus drei hauptberuflichen Hebammen-Lehrerinnen und zusätzlichen nebenberuflichen Dozenten verschiedener Fachbereiche. Die Zahl der Bewerbungen lag in den vergangenen Jahren bei jährlich etwa 300. „Das zeigt, dass der Beruf auch heute attraktiv ist“, so Kroth. Auch daher habe ihr immer die inhaltliche sowie die methodisch-didaktische Weiterentwicklung des Unterrichts besonders am Herzen gelegen. Das zeigt etwa, dass sie intensiv an der Weiterentwicklung des Lehrplans beteiligt war. Und: Natürlich ist der Abschied der Schule auch mit Wehmut verbunden, aber ganz bewusst habe man die Abschiedsfeier auch unter das ergänzende Motto „Neue Perspektiven“ gestellt.

Studiengang erfolgreich gestartet

„Durch diesen Übergang können wir die langjährige Erfahrung hier am Standort auch zukünftig in die akademische Hebammen-Ausbildung integrieren“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Pecks, Lehrstuhlinhaber „Maternale Gesundheit und Hebammenwissenschaft“ in Würzburg und Leiter der Geburtshilfe am UKW. „Durch den Start des Studienganges 2022 wird Würzburg weiter mit großem Erfolg Hebammen ausbilden und damit diese Würzburger Medizingeschichte weiterschreiben.“

Das Studium schließt mit dem Titel „Bachelor of Science“ ab. Prof. Pecks betont: „Die praktische Erfahrung ist ein wesentlicher Teil des Studiums, das die Hebammen auf die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten vorbereitet. Das ermöglicht auch die Theorie-Praxis-Verzahnung mit den zahlreichen kooperierenden Praxiseinrichtungen in der Region.“ Und ebenso wichtig sei auch: Die lange Tradition der Hebammenausbildung in Würzburg bleibt ein wichtiges Element im Studiengang und Verpflichtung zugleich.

Informationen zum Studiengang „Hebammenwissenschaften:
https://www.med.uni-wuerzburg.de/studium/hebammenwissenschaft/
 

Schulleiterin Edith Kroth, Christine Hildebrand (Leiterin des Staatlichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe), Christiane Völk, Lehrkraft der Hebammenschule und Martina Göb, Lehrkraft der Hebammenschule und stellv. Schulleiterin.
Bei der Abschiedsfeier: Schulleiterin Edith Kroth, Christine Hildebrand (Leiterin des Staatlichen Schulzentrums für Gesundheitsberufe), Christiane Völk, Lehrkraft der Hebammenschule und Martina Göb, Lehrkraft der Hebammenschule und stellv. Schulleiterin. Foto: UKW / Katja Zischler

Neu am UKW: Florian Waldmann leitet den Geschäftsbereich „Einkauf, Logistik, Liegenschaften, Dienstleistungen“

Neben dem klinikweiten Einkauf und dem Flächenmanagement ist u.a. auch die tägliche Logistik und Speisenversorgung an den einzelnen Standorten des UKW ein wichtiger Baustein für Patientenversorgung

Neu am UKW: Florian Waldmann leitet seit Anfang Oktober am Universitätsklinikum Würzburg den Geschäftsbereich 4 („Einkauf, Logistik, Liegenschaften, Dienstleistungen“). Foto: UKW / Anna Wenzl

Würzburg. Florian Waldmann leitet seit Anfang Oktober am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) den Geschäftsbereich 4 („Einkauf, Logistik, Liegenschaften, Dienstleistungen“). Der 35-Jährige wechselte vom Rhön-Klinikum an das UKW. Dort war er Mitglied der Geschäftsleitung der Rhön-Klinikum Services GmbH sowie der Rhön-Cateringgesellschaft mbH.

Der Wirtschaftswissenschaftler, ausgebildete Elektroniker und Industriemeister Elektrotechnik tritt damit die Nachfolge von Diana Ristau an, die das UKW verlassen hat. Vor seinen Tätigkeiten beim Rhön-Klinikum arbeitete der gebürtige Thüringer u.a. in verschiedenen Leitungsfunktionen bei der Bundeswehr.

Philip Rieger, Kaufmännischer Direktor des UKW: „Florian Waldmann bringt u.a. wertvolle Erfahrungen aus dem Klinikbetrieb mit. Seine Kompetenzen werden sicher auch neue Impulse für diesen wichtigen Aufgabenbereich am UKW bringen. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.“

Neben dem klinikweiten Einkauf und dem Flächenmanagement ist u.a. auch die tägliche Logistik und Speisenversorgung an den einzelnen Standorten des UKW ein wichtiger Baustein für Patientenversorgung. Diese vielfältigen Aufgaben deckt der Geschäftsbereich am UKW ab, den Florian Waldmann nun leitet. „Die Qualität der Dienstleistungen aus dem Geschäftsbereich sind für den reibungslosen Ablauf im Klinikalltag von enormer Wichtigkeit. Gemeinsam mit dem Team möchte ich die Abläufe auch in Zukunft so aufstellen, dass sie diesen Anspruch optimal erfüllen. Dazu zählt natürlich auch der Blick auf die bestehenden Strukturen und Prozesse innerhalb des UKW und den damit verbundenen Aufgaben“, so Waldmann.

Direkt im Geschäftsbereich arbeiten etwa 420 Menschen. Operativ wird der Bereich durch die UKW Service GmbH unterstützt, in der rund 1250 Menschen beschäftigt sind.

Florian Waldmann ist Vater eines Sohnes und lebt im unterfränkischen Veitshöchheim.

Neu am UKW: Florian Waldmann leitet seit Anfang Oktober am Universitätsklinikum Würzburg den Geschäftsbereich 4 („Einkauf, Logistik, Liegenschaften, Dienstleistungen“). Foto: UKW / Anna Wenzl

Wissenschaftsminister Markus Blume besucht UKW
Von links: Intensiver Austausch am UKW: Philip Rieger (KD), Marcus Huppertz (PD), Staatsminister Markus Blume, PD Dr. Tim von Oertzen, ÄD und Vorstandsvorsitzender des UKW und Prof. Dr. Matthias Frosch (Dekan).
Von links: Intensiver Austausch am UKW: Philip Rieger (Kaufmännischer Direktor, UKW), Marcus Huppertz (Pflegedirektor, UKW), Staatsminister Markus Blume, PD Dr. Tim von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKW und Prof. Dr. Matthias Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät). Foto: UKW / Stefan Dreising

Würzburg. Der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, besuchte am Mittwoch, 2. Oktober, das Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Beim Arbeitsreffen mit dem Vorstand der Uniklinik machte er sich u.a. ein Bild von den aktuellen Projekten an der unterfränkischen Uniklinik und den Perspektiven der Würzburger Universitätsmedizin. Dabei ging es sowohl um innovative Formen der Patientenversorgung, um aktuelle Forschungsprojekte sowie den Nutzen der der Digitalisierung für die Universitätsmedizin.
 

Von links: Intensiver Austausch am UKW: Philip Rieger (KD), Marcus Huppertz (PD), Staatsminister Markus Blume, PD Dr. Tim von Oertzen, ÄD und Vorstandsvorsitzender des UKW und Prof. Dr. Matthias Frosch (Dekan).
Von links: Intensiver Austausch am UKW: Philip Rieger (Kaufmännischer Direktor, UKW), Marcus Huppertz (Pflegedirektor, UKW), Staatsminister Markus Blume, PD Dr. Tim von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKW und Prof. Dr. Matthias Frosch (Dekan der Medizinischen Fakultät). Foto: UKW / Stefan Dreising

Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp fördert das Beratungsangebot „Kleeblatt“ am UKW mit 10.000 Euro

Unterstützung für Familien mit krebskranken Eltern / Spende ermöglicht altersgerechte Materialien für Kinder

Von links: Dr. Gunther Schunk, Catharina Kipping (Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp), Prof. Dr. Hermann Einsele, Prof. Dr. Imad Maatouk (Medizinische Klinik II, UKW) und Verena Helbig (Vogel Communications Group) bei der Spendenübergabe am UKW.
Von links: Dr. Gunther Schunk, Catharina Kipping (Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp), Prof. Dr. Hermann Einsele, Prof. Dr. Imad Maatouk (Medizinische Klinik II, UKW) und Verena Helbig (Vogel Communications Group) bei der Spendenübergabe am UKW. Foto: UKW / Philipp Kunte

Würzburg. Die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp hat dem Universitätsklinikum Würzburg (UKW) eine Spende von 10.000 Euro für das Projekt „Kleeblatt“ übergeben. Dieses Beratungsangebot richtet sich an Familien, bei denen ein Elternteil an Krebs erkrankt ist. Mit der Spende wird Lehrmaterial für Kinder bereitgestellt, das ihnen hilft, die Erkrankung ihrer Eltern besser zu verstehen und die Eltern dabei unterstützt, die richtigen Worte zu finden.

„Kinder sind unglaublich wissbegierig und feinfühlig“, erklärt Prof. Dr. Imad Maatouk, Schwerpunktleiter „Psychosomatische Medizin“ an der Medizinischen Klinik II des UKW. „Gerade in einer solch belastenden Situation brauchen sie altersgerechte Informationen und Unterstützung, um die schwierigen Veränderungen besser zu verarbeiten. Durch eine gezielte Begleitung können Eltern besser mit der Krankheit umgehen, was langfristig die mentale Gesundheit der Kinder positiv beeinflusst“, so Maatouk.

Das Projekt „Kleeblatt“ bietet betroffenen Familien professionelle Begleitung in einer herausfordernden Zeit. Es schafft einen Raum, in dem sowohl Eltern als auch Kinder offen über die Krankheit und ihre Sorgen sprechen können. Das Angebot richtet sich besonders an Kinder und Jugendliche, die oft intuitiv spüren, was in der Familie vor sich geht, und Unterstützung benötigen, um ihre Gefühle zu verarbeiten. Bereits zum Start des Projektes gab es eine großzügige Spende vom Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs". Dadurch konnte das Projekt erst realisiert werden.

„Stiften bedeutet für uns Anstiften“, betonte Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung, bei der Übergabe. „Mit unserer Spende wollen wir direkt dazu beitragen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse schnell bei den betroffenen Familien ankommen und dieses wichtige Beratungsangebot weiter ausgebaut werden kann.“
 

Von links: Dr. Gunther Schunk, Catharina Kipping (Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp), Prof. Dr. Hermann Einsele, Prof. Dr. Imad Maatouk (Medizinische Klinik II, UKW) und Verena Helbig (Vogel Communications Group) bei der Spendenübergabe am UKW.
Von links: Dr. Gunther Schunk, Catharina Kipping (Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp), Prof. Dr. Hermann Einsele, Prof. Dr. Imad Maatouk (Medizinische Klinik II, UKW) und Verena Helbig (Vogel Communications Group) bei der Spendenübergabe am UKW. Foto: UKW / Philipp Kunte

Medizinforschungsgesetz stärkt den Forschungsstandort Deutschland

Beschleunigung und Vereinfachung von Genehmigungsverfahren sowie Zulassungsverfahren sind elementar für das Voranbringen von klinischen Prüfungen

Die Deutsche Hochschulmedizin (DHM) begrüßt die heutige Billigung des Medizinforschungsgesetzes (MFG) durch den Bundesrat als wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland. Die Beschleunigung und Vereinfachung von Genehmigungsverfahren sowie Zulassungsverfahren sind elementar für das Voranbringen von klinischen Prüfungen. Das MFG ist eingebettet in die Pharmastrategie der Bundesregierung, die darauf abzielt, die medizinische Forschung und die pharmazeutische Industrie in Deutschland zu stärken. Dies ist notwendig geworden, weil Deutschland im internationalen Vergleich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat. Das MFG beinhaltet konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Forschungsbedingungen und zur Durchführung klinischer Studien, die in der Verantwortung von Wissenschaft und Industrie liegen.

 „Die Universitätsmedizin ist unverzichtbarer Initiator und Partner bei der Entwicklung von Innovationen für unser Gesundheitswesen. Mit dem MFG werden Anreize gesetzt, klinische Studien durchzuführen, und die Rahmenbedingungen für Forschung werden verbessert. Damit stärkt das MFG den biomedizinischen Forschungsstandort Deutschland und die Arbeit der exzellenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der deutschen Hochschulmedizin. Eine erfolgreiche und nachhaltige Stärkung der biomedizinischen Forschung ist angesichts des schnellen wissenschaftlichen Fortschritts und mit Blick auf die zukünftige Gesundheitsversorgung ausgesprochen wichtig“, betont Prof. Jens Scholz, 1. Vorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands.

Standardvertragsklauseln zur Beschleunigung der Vertragsverhandlungen

Ein wichtiger Bestandteil des neuen Gesetzes ist die Einführung verbindlicher Standardvertragsklauseln. „Wir begrüßen es, dass nun über den Verordnungsweg ein stärkeres Maß an Verbindlichkeit erreicht wird“, erklärt Prof. Matthias Frosch, Präsident des Medizinischen Fakultätentags (MFT). „Als Deutsche Hochschulmedizin haben wir gemeinsam mit weiteren Verbänden aus Industrie und Akademie durch unsere Mustervertragsklauseln ein Angebot zur zügigen Umsetzung gemacht und stehen für weitergehende Unterstützung bereit. Die gezielt gesetzten Anreize für Arzneimittelhersteller zur Durchführung klinischer Studien in Deutschland und zur Zusammenarbeit mit öffentlichen Forschungseinrichtungen sind ein ganz wichtiger Schritt, um den Forschungsstandort Deutschland attraktiver zu machen.”

 

Quelle: Pressemitteilung, Deutsche Hochschulmedizin e.V., 27.09.2024

Ehre und Verpflichtung

Prof. Dr. Hermann Einsele wurde in der Leopoldina und Academia Europaea aufgenommen und erhielt beim 21sten International Myeloma Society Meeting in Rio De Janeiro (Brasilien) als erster Deutscher den „Ken Anderson Basic and Translational Research Award“. Der Preis wird für herausragende Leistungen in der translationalen Myelomforschung verliehen.

 

Porträtfoto von Hermann Einsele im weißen Kittel im Flur des ZIM/ZOM am UKW
Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg, wurde in der Leopoldina und Academia Europaea aufgenommen. © Daniel Peter
Leo Rasche (links) und Martin Kortüm (rechts) gratulieren beim Kongress Hermann Einsele zum Preis, den er in seinen Händen hält.
Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des UKW erhielt beim 21sten International Myeloma Society Meeting in Rio De Janeiro (Brasilien) als erster Deutscher den „Ken Anderson Basic and Translational Research Award“. Hier gratulieren ihm die Leiter der klinischen und translationalen Myelomforschung am UKW, Prof. Dr. Leo Rasche (links) und Prof. Dr. Martin Kortüm (rechts).

Würzburg. Charles Darwin, Marie Curie, Albert Einstein, Emmanuelle Charpentier - sie alle waren oder sind Mitglieder der Leopoldina. Die Nationale Akademie der Wissenschaften zählt zu den ältesten und renommiertesten Wissenschaftsakademien der Welt. Als „Academia Naturae Curiosorum" 1652 in Schweinfurt gegründet, beschäftigten sich die ersten Mitglieder der „Akademie der Naturforscher“ vor allem mit medizinischen und naturwissenschaftlichen Fragen und trugen wesentlich zur wissenschaftlichen Aufklärung bei. Bis heute steht die Leopoldina für wissenschaftliche Exzellenz und interdisziplinären Austausch. Die Nominierung und Wahl zum Mitglied ist sowohl eine Anerkennung des wissenschaftlichen Lebenswerkes als auch eine Plattform, die Wissenschaftslandschaft aktiv mitzugestalten. 

Über die Ehre in den Kreis der rund 1.600 Akademiemitglieder aus 30 Ländern aufgenommen worden zu sein, freut sich gerade ganz besonders Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg. „Ich freue mich sehr über diese große Anerkennung meiner bisherigen wissenschaftlichen Leistungen und darauf, mich als Mitglied aktiv in die Arbeit dieser traditionsreichen Nationalen Akademie einbringen zu können“, so der Internist und Krebsspezialist. Um ihre Stärke der Akademie zu erhalten, wählt die Leopoldina jedes Jahr in einem mehrstufigen Auswahlverfahren etwa 50 neue Mitglieder.

Verständnis der Wissenschaften in der Öffentlichkeit verbessern und fördern

Die Mitglieder sind in Fachsektionen organisiert, die wiederum vier Klassen mit den Schwerpunkten Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften, Medizin sowie Verhaltens-, Sozial- und Geisteswissenschaften zugeordnet sind. Unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen erarbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gesellschaftlich relevante Zukunftsthemen und beraten die deutsche Politik und internationale Institutionen in wichtigen Fragen. Ihre Stellungnahmen zu Themen wie Gesundheit, Klimawandel oder Technologie haben großes Gewicht.
Bereits ein Jahr zuvor, 2023, war Hermann Einsele Mitglied der Academia Europaea geworden. Die 1988 gegründete europäische regierungsunabhängige wissenschaftliche Gesellschaft mit Sitz in London trägt mit vielfältigen Aktivitäten zur Stärkung der europäischen und internationalen Forschung bei und fördert den weltweiten Austausch von Wissen und Innovationen.

„Ken Anderson Basic and Translational Research Award“  

Beim 21. International Myeloma Society Meeting in Rio de Janeiro wurde Hermann Einsele eine weitere Ehre zuteil. Er erhielt als erster Deutscher den „Ken Anderson Basic and Translational Research Award“. Der Preis wird an Forscherinnen und Forscher verliehen, die bedeutende Fortschritte im Verständnis der Biologie des Multiplen Myeloms erzielt haben und deren Arbeiten potenziell klinische Anwendungen oder innovative Behandlungsansätze beeinflussen können. Benannt ist der Preis nach Dr. Kenneth C. Anderson, einem weltweit anerkannten Hämatologen und Experten für das Multiple Myelom am Dana-Farber Cancer Institute in Boston, vergeben wird er von der International Myeloma Foundation (IMF).

An der Zulassung wichtiger Krebstherapien beteiligt 

Die Expertise von Hermann Einsele liegt vor allem im Bereich der Stammzelltransplantation und der Immuntherapien bei hämatologischen Krebserkrankungen. Viele der Entwicklungen, an denen er beteiligt war, haben den klinischen Standard in der Behandlung von Blut- und Knochenmarkkrebs revolutioniert. So war er maßgeblich an der Erforschung und klinischen Entwicklung der CAR-T-Zelltherapie beteiligt, einer innovativen Immuntherapie zur Behandlung bestimmter Krebsarten, insbesondere des Multiplen Myeloms und anderer hämatologischer Malignome. Bei dieser Therapieform werden die T-Zellen der Patientinnen und Patienten genetisch so verändert, dass sie Krebszellen gezielt angreifen können. Einsele war auch führend in der Forschung zur allogenen und autologen Stammzelltransplantation, insbesondere bei der Verbesserung der Transplantationsverfahren und der Bekämpfung von Komplikationen wie Graft-versus-Host-Disease und schweren Infektionen bei immungeschwächten Patientinnen und Patienten. 


Über Hermann Einsele 

Hermann Einsele studierte Humanmedizin an den Universitäten Tübingen, Manchester und London. Im Jahr 1991 wurde er Facharzt für Innere Medizin, 1996 Facharzt für Hämatologie/Onkologie. Einsele habilitierte sich 1992 an der Abteilung für Hämatologie, Onkologie, Rheumatologie und Immunologie der Universität Tübingen und wurde 1999 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Er war Gastprofessor am City of Hope Hospital in Duarte (Kalifornien) und am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle. Im Juni 2004 wurde der gebürtige Stuttgarter auf den Lehrstuhl für Innere Medizin der Universität Würzburg berufen. Seit Dezember 2004 ist er Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg. Hermann Einsele gehörte sechs Jahre lang dem Präsidium der Julius-Maximilians-Universität (JMU) als Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an und ist in zahlreichen nationalen und internationalen Forschungsverbünden, Beiräten und Gesellschaften aktiv. Seit 2023 ist er Sprecher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen NCT WERA. 

Im Jahr 2003 erhielt Hermann Einsele den van Bekkum Award, die höchste jährliche europäische Auszeichnung für Forschung auf dem Gebiet der Stammzelltransplantation. Im Jahr 2011 wurde er zum Honorary Fellow des Royal College of Pathology in London gewählt und ein Jahr später, 2012, hielt er die Nobel Lecture Stem Cell Biology/Transplantation, Nobel Forum Karolinska Institute (Schweden). Seit 2014 ist er Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, und seit 2017 wird er regelmäßig als ISI „Highly Cited Researcher“ in der Kategorie Klinische Medizin ausgezeichnet. 2022 erhielt Professor Einsele den renommierten Erasmus Hematology Award der Erasmus Universität Rotterdam (Niederlande) für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Immuntherapie von Krebserkrankungen sowie den Bayerischen Verfassungsorden. 2023 wurde er in die Academia Europaea aufgenommen, ein Jahr später in die Leopoldina. Im September 2024 erhielt er als erster Deutscher den  „Ken Anderson Basic and Translational Research Award“. Der Preis wird für herausragende Leistungen in der translationalen Myelomforschung verliehen.

Text: Kirstin Linkamp / UKW 

Prof. Dr. Sebastian Walther wird neuer Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am UKW

„Gesamtes Spektrum der Therapieoptionen nutzen“ / Bewegungsstörungen bei psychiatrischen Erkrankungen sind ein Schwerpunkt

Zum 1. Oktober 2024 wird Prof. Dr. Sebastian Walther neuer Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW).
Zum 1. Oktober 2024 wird Prof. Dr. Sebastian Walther neuer Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: UKW / A. Wenzl

Würzburg. Aus der Schweiz nach Würzburg: Zum 1. Oktober 2024 wird Prof. Dr. Sebastian Walther neuer Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Er folgt auf Prof. Dr. Jürgen Deckert und wechselt vom Universitätsklinikum Bern nach Würzburg.

„Die Würzburger Klinik ist sehr gut aufgestellt und verfügt über ein breites Behandlungsangebot, sowohl stationär als auch ambulant. Zudem gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte für Forschungsprojekte in der Universitätsmedizin Würzburg, speziell natürlich unter dem Dach des Würzburger Zentrums für psychische Gesundheit (ZEP). Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe und den Start in Würzburg“, betont der 47-Jährige. Die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des UKW behandelt jährlich multiprofessionell etwa 3000 Patientinnen und Patienten und verfügt über verschiedene Schwerpunktstationen sowie drei tagesklinische Einrichtungen und mehrere Schwerpunktambulanzen. Seit 2023 ist dort auch die Würzburger Trauma-Ambulanz angesiedelt.

Motorische Störungen als frühes Warnsignal

Zu den klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkten von Prof. Walther zählt u.a. die Erforschung motorischer Störungen bei psychiatrischen Erkrankungen. „Bewegungsauffälligkeiten können ein früher Hinweis auf eine Erkrankung sein. Dieses Thema wurde lange vernachlässigt, stellt jedoch einen wichtigen Ansatz dar, um früh mit der geeigneten Therapie beginnen zu können. Zudem kann es sein, dass Medikamente zu Bewegungsstörungen beitragen. Auch deshalb ist die Motorik für die Patientinnen und Patienten wichtig. Wir blicken nicht nur ins Gehirn, sondern auf den gesamten Patienten und sein Umfeld. Das ist das Faszinierende an unserer Disziplin“, erklärt Prof. Walther.

Dabei gelte es, das gesamte Spektrum der Behandlungsoptionen zu nutzen: „Das sind natürlich die Möglichkeiten der Psychotherapie, der medikamentösen Therapie aber auch Verfahren der transkraniellen oder invasiven Hirnstimulation, die bei der Behandlung eine Rolle spielen können. Speziell bei schwerer Depression kann gerade die Kombination dieser Behandlungsansätze zu einem besseren Erfolg der Therapie beitragen. Gerade dann, wenn bisherige Therapieansätze nicht zum Ziel führten.“ Denn: Patienten mit einer Depression werden nur selten von einer einzigen Therapieform geheilt. Kombinationsbehandlungen sind Standard und Psychotherapie ist immer notwendig, so Prof. Walther.

Zuvor stellvertretender Klinikdirektor an der Uniklinik Bern

In Bern war Prof. Walther zuletzt stellvertretender Klinikdirektor und Chefarzt der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. 2005 wechselte er nach Bern, zuvor war er Assistenzarzt an der Charité, Medizin studierte er an der Universität Jena. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. 2018 erhielt Prof. Walther den Forschungspreis der Schweizer Hirnliga, 2020 den Preis der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) zur Erforschung psychischer Erkrankungen. Prof. Walther ist Vater von zwei Kindern. Er habilitierte 2014 in Bern.

PD Dr. Tim von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKW, erklärt: „Mit Prof. Walther haben wir einen international anerkannten Experten gewinnen können, der unser hochspezialisiertes Versorgungsangebot optimal ergänzt. Damit werden wir die hohe Behandlungsqualität für unsere Patientinnen und Patienten weiter ausbauen. Wir heißen Prof Walther am UKW herzlich willkommen.“ Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät in Würzburg, sagt: „Prof. Walther ergänzt mit seinem Forschungsprofil zudem hervorragend das wissenschaftliche Spektrum der Würzburger Universitätsmedizin. Er wird sicher dazu beitragen, durch innovative Ansätze neue Projekte hier in Würzburg zu etablieren. Auch bleibt es eine wichtige Aufgabe, unsere Studentinnen und Studenten für das Fachgebiet zu begeistern.“

 

Zum 1. Oktober 2024 wird Prof. Dr. Sebastian Walther neuer Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW).
Zum 1. Oktober 2024 wird Prof. Dr. Sebastian Walther neuer Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Foto: UKW / A. Wenzl