Aktuelle Pressemitteilungen

T2EVOLVE will Europa an die Spitze der Krebsimmuntherapie bringen

T2EVOLVE ist eine bahnbrechende Allianz von akademischen und industriellen Marktführern in der Krebsimmuntherapie, die im Januar 2021 im Rahmen der Innovative Medicines Initiative (IMI) der Europäischen Union startete. Hauptziel ist es, die Entwicklung zu beschleunigen und den Zugang von Krebspatienten zur Behandlung mit reprogrammierten Immunzellen zu verbessern. Die Reprogrammierung erfolgt durch gentechnische Veränderung mit einem T-Zell-Rezeptor (TCR) oder einem synthetischen Chimären Antigen Rezeptor (CAR).

Die Zelluläre Immuntherapie mit CAR-T-Zellen und TCR-transgenen T-Zellen ist eine revolutionäre Krebsbehandlung, bei der die Immunzellen des Patienten so reprogrammiert werden, dass sie Krebszellen suchen und zerstören. Sie hat das Potenzial, Krebs mit einer einzigen Spritze zu heilen. Bislang ist sie in der EU für die Behandlung von Leukämie zugelassen und verfügbar. Darüber hinaus besteht die berechtigte Hoffnung, dass sie sich in Zukunft auch zu einer Blockbuster-Therapie für andere Krebsarten sowie für Infektions- und Autoimmunkrankheiten entwickeln lässt. 

Die T-Zell-Behandlung muss für jede Krebsart im Forschungslabor angepasst werden und die klinische Entwicklung durchlaufen. Die Innovationspipeline der europäischen Forscherinnen und Forscher ist gefüllt mit neuartigen T-Zell-Produkten, doch die Umsetzung in klinische Studien und der Markteintritt in der EU erfolgen nur langsam. Europa liegt in diesem zukunftsträchtigen Feld hinter den USA und China zurück.

Für mehr Standardisierung, Zugänglichkeit und Aufklärung

Was hindert Europa daran, bei der klinischen Entwicklung solcher innovativer Therapien und ihrer Integration in das Gesundheitssystem die weltweite Führung zu übernehmen? Zum einen fehlt es an neuen und standardisierten Vorhersage-Modellen zur Sicherheit und Wirksamkeit während der präklinischen Entwicklung, mit denen sich die Identifizierung von Leitkandidaten beschleunigen ließe. Zum anderen werden standardisierte Strategien für die optimale Vorbehandlung, die Verabreichung und die Nachbeobachtung der Patienten benötigt. Und schließlich mangelt es an maßgeschneiderten Herstellungs- und Freigabeschemata für die umprogrammierten Immunzellen. 

Das T2EVOLVE-Konsortium will seine ehrgeizigen Projektziele erreichen, indem es Innovation und Kooperation fördert sowie den Stand der Technik in den folgenden Schlüsselaspekten verbessert:

  1. Optimierung der präklinischen Modelle für eine bestmögliche Sicherheits- und Wirksamkeitsvorhersage,
  2. Definition von Gold-Standard-Analysemethoden vor und nach der Immunzell-Infusion, 
  3. Auswahl der optimalen Vorbehandlung um das „Anwachsen“ der Immunzellen zu unterstützen,
  4. Erstellung von Good-Manufacturing-Practice-(GMP)-Richtlinien und Etablierung von Standard-Produktprofilen,
  5. Integration von Patienten und Ärzten in den F&E-Lebenszyklus der Immunzell-Therapie und Verbesserung der Patientenerfahrung durch ein gemeinsames Erstellen innovativer Kommunikations-, Aufklärungs- und Schulungsinstrumente,
  6. Erweiterung des Patientenzugangs, um allen europäischen Patienten die jeweils beste Krebstherapie zu ermöglichen. 

Dazu verfolgt T2EVOLVE eine Reihe strategischer Zielen. So soll der Entwicklungsprozess der CAR-T-Zell-Therapie und der TCR-transgenen T-Zell-Therapie in der Europäischen Union beschleunigt werden. Den Patienten in der EU soll der Zugang zur bestverfügbaren medizinischen Versorgung gewährt werden. Gleichzeitig wollen die Konsortialpartner zeigen, wie die neuartige Behandlung nachhaltig im EU-Gesundheitssystem implementiert werden kann und dazu beitragen, die finanzielle Belastung durch eine solche „High-Tech-Medizin“ für die Gesellschaft zu minimieren. Darüber hinaus wird die Einbeziehung von Krebspatienten sicherstellen, dass deren Perspektiven im Mittelpunkt stehen – sowohl im Forschungsumfeld als auch entlang des Kontinuums der Krebsversorgung.

Öffentlich-private Partnerschaft für schnellen Fortschritt und nachhaltige Wirkung

Alle Mitglieder des T2EVOLVE-Konsortiums sind Innovatoren und Pioniere auf dem Gebiet der Immuntherapie, die sich in hohem Maße dafür engagieren, die bestehenden Lücken zwischen Forschung und klinischer Anwendung in Europa zu schließen. Sie alle wollen die EU an die Spitze im weltweiten Wettbewerb der Immuntherapie bringen. 

Das T2EVOLVE-Konsortium wird vom Universitätsklinikum Würzburg/Deutschland und dem Pharmaunternehmen Servier/Frankreich, koordiniert. Es setzt sich aus 27 Partnern aus neun europäischen Nationen zusammen. Dazu gehören universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Pharma- und Biotechnologieunternehmen, Zulassungsbehörden sowie Patienten- und Berufsverbände. Ein zentrales Merkmal des verfolgten Ansatzes ist die Einbeziehung von Patienten als mitwirkende Teammitglieder auf allen Ebenen des F&E-Prozesses. 

Das Universitätsklinikum Würzburg führt das EU-Projekt T2EVOLVE an und bringt vor allem seine Expertise bei CAR-T-Zellen für die Krebsimmuntherapie ein. Die Arbeit des Universitätsklinikums Würzburg wird von Prof. Dr. Michael Hudecek als Koordinator und Prof. Dr. Hermann Einsele (beide Medizinische Klinik und Poliklinik II) geleitet.

Das Projekt wird von der Innovative Medicines Initiative 2 Joint Undertaking unter der Finanzhilfevereinbarung Nr. 945393 gefördert. Das Joint Undertaking wird vom Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union und vom Europäischen Verband der pharmazeutischen Industrie (EFPIA) unterstützt.

Kontakt und erster öffentliche Auftritt

Weitere Informationen zum Projekt werden ab dem 3. Februar 2021 auf der Website www.t2evolve.eu und auf dem LinkedIn-Profil des Projekts „T2EVOLVE consortium“ verfügbar sein. 

Das T2EVOLVE-Projekt wird seinen ersten öffentlichen Auftritt auf dem virtuell abgehaltenen 3. EHA & EBMT European CAR-T Cell Meeting (4. bis 6. Februar 2021) haben: Am 5. Februar findet um 19:00 Uhr MEZ ein Workshop mit dem Titel „How to rapidly move new CAR-Ts forward from bench to bedside? Key questions and answers!“ statt.

Das T2EVOLVE-Konsortium:

Koordinator: 

Prof. Dr. Michael Hudecek, MD, Universitätsklinikum Würzburg, Deutschland

Leiter: 

Dr. Hélène Negre, PhD, Servier, Frankreich

Projekt-Partner:

Academisch Medisch Centrum Amsterdam, Niederlande

Astellas, Niederlande

Bayer, Deutschland

BioSci Beratung, Belgien

Celgene-BMS, Schweiz

Clinica Universidad de Navarra, Spanien

European Hematology Association (EHA), Niederlande

Erasmus School of Health Policy & Management, Niederlande

European Cancer Patient Coalition, Italien

Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie, Deutschland

Französisches Nationales Krebsinstitut, Frankreich

Hospital Clinic Barcelona – August Pi i SunyerBiomedical Research Institute, Spanien

Hospital de la Santa Creu i Sant Pau, Spanien

Institut national de la santé et de la recherche médicale, Frankreich

IT for Translational Medicine, Luxemburg

Janssen Pharmaceutica, Belgien

Medizinische Universität Wien, Österreich

MiltenyiBiotec, Deutschland

Ospedale Pediatrico Bambino Gesù, Italien

Paul Ehrlich Institut, Deutschland

Servier, Frankreich

Takeda, Schweiz

T-CURX GmbH, Deutschland

Technische Universität München, Deutschland

Università Vita-Salute San Raffaele Milano, Italien

University College London, Großbritannien

Universitätsklinikum Würzburg, Deutschland

 

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Uniklinikum Würzburg: Arterienembolisation als neue Behandlungsoption bei Prostatavergrößerung

Seit vergangenem Herbst kann das Uniklinikum Würzburg ausgewählten Patienten mit vergrößerter Prostata ein neues, minimal-invasives und besonders schonendes Therapieangebot machen.

Die gutartige Prostatavergrößerung ist die häufigste urologische Erkrankung des Mannes. Sie beginnt in der Regel ab dem 50. Lebensjahr. Typische Symptome sind unter anderem häufiger und starker Harndrang, Probleme, das Wasserlassen zu beginnen und schwacher Harnstrahl. Zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie hat das Uniklinikum Würzburg (UKW) seit Oktober 2020 mit der Prostata-Arterienembolisation (PAE) eine weitere, vergleichsweise neue Therapieoption im Angebot. Für die Durchführung des minimal-invasiven und damit sehr schonenden Verfahrens ist das Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie zuständig. Prof. Dr. Ralph Kickuth, der Leiter der Interventionellen Radiologie am UKW, erläutert: „Das Ziel der PAE ist es, den Blutfluss innerhalb der Prostataarterien einzuschränken, um das Organ weniger zu durchbluten. Dadurch verkleinert sich die Prostata und drückt nicht mehr auf die Harnröhre.“

Kunststoffkügelchen blockieren Gefäße

Hierfür führen Prof. Kickuth und sein Team einen etwa 0,7 Millimeter starken Gefäßkatheter in die Leistenarterie ein und schieben ihn von dort durch die Beckenarterie bis in die linke beziehungsweise rechte Prostata-Arterie. Über den Katheter werden dann feine Kunststoffkügelchen mit unterschiedlichen Durchmessern bis maximal 200 Mikrometer in die Gefäße eingespült. Sie blockieren die Arterien und sorgen dafür, dass dauerhaft weniger Blut in die Prostata gelangt, wodurch sich die Vergrößerung zurückbildet. Der Eingriff wird unter Röntgen-Durchleuchtungskontrolle unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Für die Behandlung ist ein stationärer Aufenthalt von wenigen Tagen erforderlich.

Für einen ausgewählten Patientenkreis sinnvoll

„Insgesamt ist dieses Vorgehen hochpräzise und schonend. Zudem bleibt die Harnröhre selbst bei dem Eingriff unberührt“, nennt Prof. Kickuth die wesentlichen Vorteile. Bislang wurde von ihm ein Patient so behandelt – mit gutem Erfolg. Nach seiner Einschätzung kommen am UKW pro Jahr bis zu zehn Patienten für eine PAE in Frage. „Die mögliche Anwendung einer Prostata-Arterienembolisation muss von Fall zu Fall gegen die operativ-chirurgischen Standardverfahren abgewogen werden. Deshalb wählen wir die entsprechenden Patienten nur in enger Abstimmung mit den Kollegen der urologischen Klinik aus“, verdeutlicht der Experte. Diese Zusammenarbeit ist nach seinen Worten zwingend für die Abschätzung des Behandlungserfolgs erforderlich. Besonders geeignet sind Patienten, bei denen eine Operation zu risikoreich erscheint, zum Beispiel wegen einer medikamentös bedingten eingeschränkten Blutgerinnung oder eines erhöhten Narkoserisikos. Ausschlusskriterien sind unter anderem Prostatakarzinome, akute Prostata- oder Harnwegsinfekte sowie Ausstülpungen der Blase. 

 

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Expertenstatements der CCC Allianz WERA anlässlich des Weltkrebstages 2021

Die Comprehensive Cancer Center Allianz WERA veröffentlicht anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar Videoclips, in denen Experten der Zentren ihre persönliche Sicht auf die „Perspektiven der Krebsmedizin“ aufzeigen. WERA steht für die beteiligten Universitäten und Uniklinika in Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg.

Seit dem Jahr 2006 findet jährlich am 4. Februar der Weltkrebstag statt. Der internationale Aktionstag hat das Ziel, die Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Da in diesem Jahr die Beschränkungen der Corona-Pandemie die hierbei bislang üblichen Informationsveranstaltungen mit direkten Kontakten praktisch unmöglich machen, weichen die Akteure an den Universitäten und Universitätsklinika Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg in einer gemeinschaftlichen Aktion ins Internet aus. Dieser bayernweite Schulterschluss bietet sich an, denn die Comprehensive Cancer Center (CCC) der vier Standorte arbeiten schon seit längerem in der CCC Allianz WERA zusammen. Diese wurde zudem im September 2020 in das Netzwerk der Nationalen Centren für Tumorerkrankungen (NCT) aufgenommen. Die Aufgaben der vom Bundesforschungsministerium geförderten NCT sind die Versorgung von Tumorpatienten mit neuen Diagnostik- und Therapieverfahren sowie die schnellstmögliche Umsetzung von Forschungserkenntnissen in die klinische Praxis. Die Federführung des NCT WERA hat die Würzburger Universitätsmedizin mit dem CCC Mainfranken.

Videobotschaften von jedem WERA-Standort

Am 4. Februar 2021 wird das CCC Mainfranken eine Internetseite freischalten, auf der jeweils zwei Experten von jedem WERA-Standort in kompakten Videobotschaften ihre jeweiligen „Perspektiven der Krebsmedizin“ verdeutlichen. Beispielsweise erläutert Prof. Dr. Hermann Einsele, Sprecher des NCT WERA und Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Würzburg, die Chancen und den Stand der Immunonkologie. Diese eröffnet nach seinen Worten speziell bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen völlig neue Therapiemöglichkeiten, mit denen zum Teil dauerhafte Remissionen erreicht werden können.

Laut Prof. Dr. Dr. Michael Frühwald können derzeit rund 80 Prozent aller Kinder und Jugendlichen mit einer Krebserkrankung dauerhaft geheilt werden. Für die verbleibenden 20 Prozent müssten dringend neue Medikamente entwickelt werden. In seinem Video zeigt der Direktor der I. Klinik für Kinder und Jugendliche des Universitätsklinikums Augsburg unter anderem die dabei bestehenden Hürden und deren Lösungsmöglichkeiten auf. „Die gentherapeutischen Optionen sind mittlerweile auf einem so beeindruckenden Niveau, dass wir sehr schnell und hocheffizient nebenwirkungsarme Therapien entwickeln können.“ Das ist eine der Botschaften des Videoclips von Prof. Dr. Selim Corbacioglu, der am Universitätsklinikum Regenburg die Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation leitet. Für Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Direktor des Comprehensive Cancer Centers Erlangen-EMN, bietet die Digitalisierung die Option, Informationen aus allen Bereichen der Onkologie zusammenzubringen. Darin liegt laut dem Direktor des Comprehensive Cancer Centers Erlangen-EMN eine der Chancen, Krebs zu bekämpfen und letztendlich zu besiegen.

Diese sowie vier weitere Experten-Videoclips und ein Patientenstatement finden sich ab dem Weltkrebstag 2021 unter www.ccc-wera.de

 

Kastentext:

Die Expertenvideos im Überblick

Hier die Themen und Referenten der Videosammlung der CCC Allianz WERA zum Weltkrebstag 2021. Die Reihenfolge entspricht den Porträtfotos der Bildmontage – von links nach rechts und von oben nach unten.

Chancen der Gentherapie bei seltenen oder speziellen Krebserkrankungen

Prof. Dr. Selim Corbacioglu, Leiter der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation am Universitätsklinikum Regensburg

Digitalisierung in der Versorgung von Krebspatienten

Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen und des CCC Erlangen-EMN

Perspektiven der Nuklearmedizin für die Krebsdiagnostik und Krebsbehandlung

Prof. Dr. Andreas Buck, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Würzburg

Das Immunsystem als Waffe – Chancen der Immunonkologie

Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Würzburg, und Sprecher des NCT Wera

Perspektiven in der Kinderonkologie

Prof. Dr. Dr. Michael Frühwald, Direktor der I. Klinik für Kinder und Jugendliche am Universitätsklinikum Augsburg

Patientenbeteiligung in der Krebsmedizin

Dr. Wolfgang Schäfer, Sprecher der Selbsthilfegruppen am CCC Mainfranken 

Jeder Krebs ist anders – Personalisierte Krebs-Therapien

Prof. Dr. Peter A. Fasching, Stellv. Koordinator Genitalkrebszentrum am Universitätsklinikum Erlangen

Chancen der Personalisierten Tumortherapie

Prof. Dr. Christoph Klein, Bereichsleiter Personalisierte Tumortherapie am Universitätsklinikum Regensburg 

Anwendung intelligenter Systeme und künstlicher Intelligenz in der Krebsmedizin und -diagnostik

Prof. Dr. Dr. h.c. Ralf Huss, Kommissarischer Leiter des Instituts für Digitale Medizin am Universitätsklinikum Augsburg

 

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Uniklinikum Würzburg: Besuchsdienst der Suchtselbsthilfe jetzt digital

Der frühzeitige Kontakt der Patient*innen zu Selbsthilfegruppen ist elementarer Teil der Suchtmedizin an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uniklinikums Würzburg. Um diesen auch unter den Bedingungen der Corona-Pandemie zu ermöglichen, wurden kürzlich digitale Besuchsdienste ins Leben gerufen.

„Auf unserer Schwerpunktstation für Abhängigkeitserkrankungen verfolgen wir ein multimodales interdisziplinäres Therapiekonzept, das unter anderem darauf abzielt, dass die Patientinnen und Patienten sich einer Selbsthilfegruppe anschließen und deren Angebote nach dem stationären Aufenthalt möglichst regelmäßig nutzen“, berichtet Privatdozent Dr. Thomas Polak, der Leiter der Klinischen Suchtmedizin an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Uniklinikums Würzburg (UKW). Bis zum Ausbruch der Covid-19-Pandemie kamen dazu Vertreter*innen verschiedener regionaler Selbsthilfegruppen alle 14 Tage in einen Besprechungsraum der Station IV West. Im Stuhlkreis stellten sie den Patient*innen ihre jeweilige Gruppe und deren Angebote vor und berichteten aus ihrer eigenen Krankengeschichte. Die Beschränkungen der Corona-Pandemie machten diese unmittelbaren Kontakte unmöglich.

Besuchsdienst per Skype für Business

„Als Alternative entwickelten die Selbsthilfegruppen mit uns zusammen einen digitalen Besuchsdienst“, schildert Dr. Polak und fährt fort: „Seit Beginn dieses Jahres finden die Zusammenkünfte über die Internetplattform Skype for Business statt. Unsere Partner aus der Selbsthilfe sind dabei auf einem großen Bildschirm interaktiv in den Gesprächsrunden zugegen.“ Bislang nutzen Vertreter*innen des Kreuzbundes, des Blauen Kreuzes sowie der Phönix-Selbsthilfegruppe den neuen Kommunikationsweg. „Nach unseren ersten Erfahrungen funktioniert dieser ähnlich gut wie die direkten Gespräche“, sagt Arnd Rose, der Sprecher des Kreuzbundes für die Region Würzburg, Kitzingen und Lohr. 

Bedeutende Chancen durch Selbsthilfe-Angebote

Warum ist der frühzeitige Kontakt mit der Selbsthilfe für Suchtpatient*innen so wichtig? „Die Wirksamkeit dieser Angebote ist wissenschaftlich gut untersucht“, schildert Dr. Polak. Demnach bleiben nur 33 Prozent der Suchtkranken, die keine Selbsthilfegruppe (SHG) besuchen, in den ersten sechs Monaten nach der Entgiftung und dem Abschluss der stationären Therapie abstinent. Wird einmal im Monat an einem Gruppentreffen teilgenommen, steigt die Quote auf 45 Prozent. Und bei regelmäßigem, wöchentlichen Besuch einer SHG beträgt die Sechs-Monate-Abstinenz sogar 75 Prozent. „Aus medizinischer Sicht sind das sehr starke Effekte“, unterstreicht Dr. Polak.

Bei den – jetzt digitalen – Treffen in der Klinik geht es laut Arnd Rose nicht nur um die Präsentation der jeweiligen Programme und ein Kennenlernen der Akteure: „Gerade die authentischen Berichte aus unserer eigenen Suchtgeschichte erreichen die Betroffenen. Viele finden sich da selbst wieder.“

Nach seinen Angaben soll der digitale Besuchsdienst so lange beibehalten werden, wie der Corona-Lockdown anhält – die Termine für Februar und März stehen bereits. 

Dankbarkeit für das kreative Engagement der Selbsthilfegruppen

Nach den Beobachtungen von Dr. Polak und seinen Kolleg*innen haben die sozialen Bedingungen der Corona-Krise die Gefahren für Sucht und Rückfall erhöht. Erste internationale wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen diese Einschätzung. „Umso dankbarer sind wir, dass wir uns auf die anhaltende Unterstützung der Selbsthilfegruppen verlassen können“, betont der Psychiater. Gabriele Nelkenstock, die externe Selbsthilfebeauftragte des UKW, ergänzt: „Wir sind sehr stolz auf unsere Selbsthilfepartner, die von Beginn der Pandemie an mit uns zusammen engagiert nach neuen Wegen gesucht haben. Mit dieser Bereitschaft konnten wir schon in 2020 eine ganze Reihe von kreativen digitalen Lösungen entwickeln.“

Online-Angebote im Kommen

Auch außerhalb der Kooperation mit dem UKW sind bei den Selbsthilfegruppen Online-Angebote im Kommen. So veranstaltet zum Beispiel der von Arnd Rose geleitete Kreuzbund Kitzingen über seine Homepage statt der sonst üblichen Gruppenveranstaltung ein wöchentliches Skype-Treffen, das guten Anklang findet. „Wir planen, diesen Service auch nach der Pandemie, wenn wieder persönliche Treffen möglich sind, zusätzlich aufrechtzuerhalten“, kündigt Arnd Rose an. Um hierbei in Punkto Datenschutz noch sicherer zu sein, laufen nach seinen Angaben aktuell Gespräche mit dem Aktivbüro der Stadt Würzburg. Ziel ist es, in Zukunft die eigene Internetplattform der städtischen Selbsthilfekontaktstelle nutzen zu können. 

 

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Stabiles Herz – stabiler Geist

Dass Patienten mit einer Herzschwäche häufig Gedächtnisstörungen und Aufmerksamkeitsdefizite aufweisen, hat ein Würzburger Forschungsteam aus Kardiologen, Neurologen, Neuroradiologen und Psychologen bereits in den ersten Auswertungen der Beobachtungsstudie „Cognition.Matters-HF“ belegt. Über die Verlaufsdynamik dieser kognitiven Leistungsschwäche und begleitende Veränderungen im Gehirn bei Herzinsuffizienz-Patienten war bislang wenig bekannt. Die Forscher fanden nun heraus, dass sich die zum Studienstart vorhandenen kognitiven Defizite binnen drei Jahren bei optimaler Herzinsuffizienztherapie kaum verschlechtert haben – eine ermutigende Erkenntnis für die Patienten. Die Studienteilnehmer wurden mehrfach in vier Disziplinen untersucht. Eine Besonderheit der Studie war die gleichzeitige Erfassung der Hirnstruktur mittels Magnetresonanztomographie (MRT), um Einblicke über zugrundeliegende Herz-Hirn-Interaktionen zu bekommen. Die Studie ist jetzt im renommierten European Heart Journal veröffentlicht worden.

Mirko Pham, Stefan Störk, Anna Frey und Guido Stoll (v.l.n.r.) waren federführend an der Studie Cognition.Matters-HF beteiligt.

 

148 Männer und Frauen mittleren Alters mit einer mindestens ein Jahr zuvor diagnostizierten Herzschwäche wurden über den Verlauf von drei Jahren im interdisziplinären Ansatz durch vier verschiedene Fachrichtungen – Neurologie, Psychologie, Neuroradiologie und Kardiologie – dreimal untersucht. Das Programm war umfangreich: von EKG und Herzultraschall, über neurologische Untersuchungen und neuropsychologische Tests bis hin zur Kernspintomographie (MRT). Das Kopf-MRT stellte eine besondere Herausforderung dar. „Da bei alleinig zu Studienzwecken durchgeführten MRTs keine Patienten mit metallischen Implantaten zugelassen sind, durften sie weder einen Herzschrittmacher oder Defibrillator haben, noch durfte die Gefahr bestehen, dass sie ein solches Implantat im Verlauf der Studiendauer benötigen werden. Diese Geräte sind bei vielen Herzschwächepatienten bereits implantiert, insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung. Wir untersuchten demnach eine vergleichsweise leichter betroffene Herzinsuffizienz-Kohorte“, berichtet die Studienleiterin Privatdozentin Dr. Anna Frey. „128 Patienten nahmen an der zweiten Untersuchung nach einem Jahr teil, 105 noch an der dritten nach drei Jahren.“

Stabiler klinischer Verlauf und Kognition unter optimierter Herzinsuffizienz-Therapie
Die Anzahl der Studienteilnehmer blieb bis zum Studienabschluss über den geplanten Erwartungen. Erfreulicherweise verstarben im Zeitraum von drei Jahren nur vier Patienten, und nur zehn Patienten mussten mindestens einmalig wegen Verschlechterung der Herzschwäche stationär behandelt werden. Die am Anfang der Studie vorhandenen kognitiven Einschränkungen waren im zeitlichen Verlauf im Mittel stabil. Teilweise fanden sich sogar geringfügige Verbesserungen. Lediglich die Defizite in der Aufmerksamkeit nahmen im Verlauf von drei Jahren etwas zu.

Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der Klinischen Forschung am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg erklärt diese Stabilität unter anderem mit den optimalen Studienbedingungen: „Mit einer optimierten Herzinsuffizienz-Therapie und der besonderen Unterstützung durch das Studienteam mit speziell ausgebildeten Herzinsuffizienz-Schwestern scheinen sich die zum Studienstart vorhandenen Defizite kaum zu verschlechtern.“ Das belegt einmal mehr die Notwendigkeit einer intensiven und individuellen Betreuung. Denn die durch die verminderte Herz- und Hirnleistung betroffenen Patienten befinden sich in einem Dilemma. Eine Herzinsuffizienz erfordert eine umfassende Therapie und exakte Medikamenteneinnahme. Demgegenüber stehen allerdings die Störungen des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit. Viele Patienten können aus diesem Grunde den Therapieplan nicht einhalten. Eine individuelle Betreuung durch eine Herzinsuffizienz-Schwester wirkt dem entgegen.

Verminderte Hirnleistung und verkleinerter Hippocampus bei schwachem Herzen
Es stellte sich unmittelbar die Frage, welche strukturellen Hirnveränderungen den kognitiven Leistungseinbußen zugrunde liegen. Die Basisuntersuchungen hatten bereits gezeigt, dass die Mehrzahl der Patienten mit Herzschwäche im Vergleich zu einer herzgesunden Kontrollgruppe der Grazer Universitätsklinik eine deutlicher ausgeprägte Atrophie des Hippocampus aufwiesen. Das heißt, genau die Hirnregion war verkleinert, die für unterschiedliche kognitive Funktionen, wie Gedächtnis, Erkennen und Verarbeiten von Inhalten, entscheidend ist. Der Gewebeschwund in dieser Hirnregion stand im Zusammenhang mit der kognitiven Beeinträchtigung der Studienteilnehmer: 41 Prozent der untersuchten Patienten zeigten Defizite in der Reaktionszeit, 46 Prozent im verbalen Gedächtnis und 25 Prozent im Arbeitsgedächtnis. Diese Ergebnisse aus der Studie „Cognition.Matters-HF“ wurden bereits im Jahr 2018 im Journal of the American College of Cardiology: Heart Failure veröffentlicht. Neu und bislang einzigartig ist die Analyse des Langzeitverlaufs von Kognition und bildmorphologischen Gehirnveränderungen, die jetzt im European Heart Journal publiziert wurde.

Automatisierte Auswertung der Kopf-MRTs
„Dabei kam eine computergestützte Analysetechnik der MRT-Gehirnbilder zum Einsatz die von Dr. György Homola im neuroradiologischen Team entwickelt wurde“, wie Prof. Dr. Mirko Pham, Leiter des Instituts für Neuroradiologie berichtet. „Dieses Auswerteprogramm erlaubt die auf Kubikmillimeter genaue Vermessung der Volumina einzelner Hirnregionen, wie dem Hippocampus. Damit kann vollautomatisiert ein objektiver Befund erhoben werden, der allerdings erheblichen Rechenaufwand erfordert. Mit Hilfe dieses Programms lassen sich dann feinste Veränderungen im zeitlichen Verlauf eindeutig bestimmen.“ Dabei bestätigte sich zunächst, dass Herzinsuffizienz-Patienten ein vermindertes Volumen des Hippocampus im Vergleich zu publizierten Normwerten aufweisen. Neu ist allerdings der Befund, dass der im Verlauf von drei Jahren zu beobachtende globale und lokale Verlust von Hirnsubstanz das Ausmaß des physiologischen Alterns nicht übersteigt. Die Schwere der Hippocampusatrophie korrelierte mit kognitiven Leistungseinbußen bei Studieneintritt, aber – eine beruhigende Nachricht für die Patienten – Betroffene zeigen keinen beschleunigten Abbau von Hirnsubstanz, zumindest solange das Ausmaß der Herzinsuffizienz stabil blieb.

Führt akutes Ereignis zu kognitiven Einschränkungen?
„Die Studienergebnisse legen die Hypothese nahe, dass wesentliche pathologische Prozesse in der Herz-Hirn-Interaktion, die zur umschriebenen Hirnatrophie und kognitiven Einschränkungen führen, vielleicht bereits weit vor der Entwicklung der Herzschwäche selbst im Rahmen der ursächlichen Grunderkrankungen, wie zum Beispiel einem akuten Myokardinfarkt entstehen“, vermutet Prof. Dr. Guido Stoll, leitender Oberarzt der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Uniklinikum Würzburg. Dies ermutigt die Forscher zu weiteren interdisziplinären Untersuchungen, wie sie nur in einem Verbund unter dem Dach des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) möglich sind.

An der Studie waren federführend beteiligt: PD Dr. Anna Frey (Medizinische Klinik und Poliklinik I; DZHI), Prof. Dr. Stefan Störk (DZHI), Prof. Dr. Mirko Pham (Neuroradiologie) und Prof. Dr. Guido Stoll (Neurologie, DZHI). „Wir danken ganz herzlich unseren zahlreichen Mitarbeitern und natürlich unseren Patienten. Sie alle haben mit viel Kooperation und Einsatz die erfolgreiche Durchführung der Studie erst möglich gemacht“, so Anna Frey.   

Die Arbeit ist am 26. Januar 2021 im European Heart Journal erschienen:
Anna Frey, György A Homola, Carsten Henneges, Larissa Mühlbauer, Roxane Sell, Peter Kraft, Maximilian Franke, Caroline Morbach, Marius Vogt, Wolfgang Müllges, Georg Ertl, László Solymosi, Lukas Pirpamer, Reinhold Schmidt, Mirko Pham, Stefan Störk, Guido Stoll, Temporal changes in total and hippocampal brain volume and cognitive function in patients with chronic heart failure—the COGNITION.MATTERS-HF cohort study, European Heart Journal, 2021;, ehab003, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab003

 

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Wichtiger Hinweis: Wissenschaftliche Stellungnahmen zum Thema Covid-19

Ansprechpartner zu SARS-CoV-2, insbesondere zur PCR-Diagnostik: Prof. Dr. Dölken und Prof. Dr. Kurzai

Für virologische Fragestellung im Zusammenhang mit SARS-CoV-2, insbesondere zur <link medien-kontakt glossar suchwort pcr polymerase-kettenreaktion>PCR-Diagnostik, sind am Universitätsklinikum Würzburg und an der Universität Würzburg die fachlich zuständigen Ansprechpartner:

  • Prof. Dr. Lars Dölken, Leiter des Instituts für Virologie und Immunbiologie
  • Prof. Dr. Oliver Kurzai, Institut für Hygiene und Mikrobiologie

Wenn Sie Fragen zu anderen Aspekten der Corona-Pandemie haben, etwa zur Behandlung von Covid-19-Patienten, können wir Ihnen gerne den zuständigen Ansprechpartner nennen. Wenden Sie sich bitte an presse@ ukw.de

Äußerungen anderer Personen sind in der Regel von der Meinungs- beziehungsweise Wissenschaftsfreiheit gedeckt. Sie geben aber nicht den Standpunkt des Universitätsklinikums beziehungsweise der Universität Würzburg wieder.

Stern-Arbeitgeber-Ranking: UKW zweitbestes Universitätsklinikum in Bayern

Das Nachrichtenmagazin Stern veröffentlichte kürzlich ein Ranking der 650 besten Arbeitgeber Deutschlands. In der Kategorie „Gesundheit und Soziales“ kam das Uniklinikum Würzburg auf Platz 23 – und ist damit nach Regensburg (Platz 21) das am zweitbesten bewertete Universitätsklinikum in Bayern.

 

Mit seiner Ausgabe vom 21. Januar 2021 veröffentlichte das Nachrichtenmagazin Stern ein Ranking der 650 besten Arbeitgeber Deutschlands, aufgeteilt in 24 Branchenlisten. In der Branche „Gesundheit und Soziales“ steht auf Platz 23 das Uniklinikum Würzburg (UKW). Unter den bayerischen Uniklinika konnte sich nur Regensburg mit Platz 21 knapp vor das UKW setzen.

Über die Methodik

Hinter der Liste steht das weltweit aktive Marktforschungsunternehmen Statista. Bei dessen Umfrage konnten alle Unternehmen ausgezeichnet werden, die in Deutschland mindestens 500 Mitarbeiter/innen beschäftigen sowie insgesamt mindestens 100 Bewertungen von eigenen Beschäftigten und Beschäftigten aus der Branche erhielten. Die Befragung fand über Online-Access-Panels statt, was nach Angaben des Nachrichtenmagazins für Anonymität und Unabhängigkeit vom Arbeitgebereinfluss sorgte. Befragt wurde 47.500 Arbeitnehmer*innen die zusammen über 1,7 Millionen Bewertungen lieferten. Eine Kernfrage war dabei: Können Sie Ihren Arbeitergeber weiterempfehlen? Am Ende konnte Statista für knapp 1.400 Unternehmen ein Ergebnis ermitteln.

 

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