Aktuelle Pressemitteilungen

Ein Vlies, das Chemotherapeutika direkt im Hirn freisetzt

Ein Team der Neurochirurgie am Uniklinikum Würzburg entwickelt gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Silicatforschung (ISC) ein neuartiges innovatives Verfahren zur lokalen Chemotherapie von Glioblastomen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,6 Millionen Euro gefördert.

Die Grafik zeigt das Konzept vom GlioGel
Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Silicatforschung (ISC) entwickelt die Neurochirurgie am Uniklinikum Würzburg ein neuartiges Verfahren zur lokalen Chemotherapie von Glioblastomen - ein Vlies, das Chemotherapeutika direkt im Hirn freisetzt. Das Projekt wird vom BMBF mit insgesamt 1,6 Millionen Euro gefördert.
Petrischale mit Gewebe
Das Team der Neurochirurgie am Uniklinikum Würzburg valididert das Drug Delivery System GlioGel an in vitro und ex vivo-Modellen auf Effektivität. © Clara Keller / UKW

Das Glioblastom ist der häufigste und zugleich aggressivste Hirntumor im Erwachsenenalter. Etwa 3.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr daran. Ihnen verbleiben im Schnitt 14 bis 15 Monate Lebenszeit. Charakteristisch für diesen Tumor ist, dass er unkontrolliert in das gesunde Hirngewebe infiltriert. „An den Rändern des ehemaligen Resektionsbereiches entstehen regelhaft Tumorrezidive, die von der Infiltrationszone des Tumors ausgehen. Das heißt, wenn wir den Tumor nach derzeitigem Therapiestandard behandeln, also operativ entfernen, den Bereich anschließend bestrahlen und über mehrere Wochen eine systemische Chemotherapie verabreichen, schaffen wir es aktuell nicht, alle Tumorzellen abzutöten“, erklärt Prof. Dr. Mario Löhr, Leitender Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am Uniklinikum Würzburg. 

Kieselgel-basierendes Faservlies zersetzt sich und gibt Therapeutika ab

Aufgrund der ungünstigen Prognose und zudem starken Nebenwirkungen der systemischen Chemotherapie haben Prof. Löhr und Prof. Dr. Carsten Hagemann, Leiter der Sektion Experimentelle Neurochirurgie in der Klinik, gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg ein Konzept für ein neuartiges innovatives Behandlungsverfahren entwickelt.

„Da viele Therapeutika die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden und daher ineffektiv sind, haben wir überlegt, wie wir die Wirkstoffe lokal applizieren können, um so die Therapieeffizienz zu steigern“, schildert Carsten Hagemann. So entstand gemeinsam mit dem Fraunhofer ISC die Idee eines auf Kieselgel basierenden Faservlies.

Basis dieses neuartigen Drug Delivery Systems ist ein am Fraunhofer ISC entwickeltes Vlies, das bereits medizinisch zugelassen ist. Das Material löst sich im Verlauf der Wundheilung nach sechs bis acht Wochen vollständig auf. „Wir freuen uns sehr, wenn unser Material auch bei der Therapie von Glioblastomen helfen kann“ erklärt Dr. Sofia Dembski, die Leiterin des Teams Biomaterialien am Fraunhofer ISC. Dieses Vlies wird von Fraunhofer-Forschern mit Chemotherapeutika modifiziert und kann danach in die Resektionshöhle eingesetzt werden, also an den ursprünglichen Ort des Tumors. „Die resorbierbaren Kieselgel-Fasern lassen sich einfach an den Resektionsbereich anpassen, zersetzen sich im Laufe der Zeit und geben so konstant die Wirkstoffe lokal ab. Auf diese Weise könne die Konzentration von Chemotherapeutika direkt ihre maximale Wirksamkeit entfalten und ein erneutes Tumorwachstum hemmen, so Hagemann.

Das Team der Würzburger Neurochirurgie, das sich auf die Erforschung von Hirntumoren spezialisiert hat, im speziellen ausgerichtet auf Tumorimmunologie, molekulare Grundlagen gutartiger und bösartiger Hirntumoren bis hin zu innovativen Therapiemethoden, wird dieses Drug Delivery System zunächst an in vitro- und ex vivo-Modellen auf Effektivität validieren. Anschließend ist geplant, in einer tierexperimentellen Studie das lokale zytostatische Wirkstofffreisetzungssystem im Organismus zu untersuchen und so zu prüfen, ob das sog. GlioGel das Überleben verlängern kann.

Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung Die Idee hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung überzeugt. Es fördert seit November 2022 das Projekt mit insgesamt 1,6 Millionen Euro. Offizieller Titel: Lokale Chemotherapie von Glioblastomen durch den Einsatz neuartiger flexibler Wirkstoffträger - GlioGel. 

Gesundheitsmagazin UNI.KLINIK mit Verdauungsproblemen als Schwerpunkt

Die kürzlich erschienene Ausgabe 4/2022 von UNI.KLINIK, dem Gesundheitsmagazin des Universitätsklinikums Würzburg, widmet sich in seinem Titelthema der Behandlung von Erkrankungen des oberen Verdauungstraktes.

Woran erkennt man Gesundheitsprobleme in Speiseröhre und Magen? Wann ist bei Schluckbeschwerden auch an Achalasie, eine Funktionsstörung der Speiseröhre, zu denken? Und wie viel Sodbrennen ist an den oft üppigen Weihnachtsfeiertagen eigentlich „normal“? Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich die vierte Ausgabe des Jahres von UNI.KLINIK.

Das kostenlose Gesundheitsmagazin wird vom Uniklinikum Würzburg (UKW) vierteljährlich herausgegeben.

 

Darüber hinaus thematisiert die aktuelle, 24-seitige Publikation die Hand-Fuß-Mund-Krankheit bei Kindern und erläutert, wie Verbrühungen im Vorschulalter am UKW behandelt werden. Ein anderer Beitrag zeigt auf, wie sich eine starke psychische Widerstandskraft trainieren lässt.

Diese und viele weitere Artikel finden sich in der Webreader-Version: HIER 

Auf www.ukw.de in der Rubrik Magazine https://www.ukw.de/medien-kontakt/presse/magazine/ finden Sie alle Ausgaben unserer beiden Magazine UNI.KLINIK und klinikum&wir.

 

 

Uni Würzburg: Lehrpreis geht in die Orthopädie

Der mit 10.000 Euro dotierte Albert-Kölliker-Lehrpreis der Medizinischen Fakultät geht an ein Team aus dem Lehrstuhl für Orthopädie.

Um die Lehre zu fördern und weiter zu verbessern, vergibt die Medizinische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) zwei Mal im Jahr den Albert Kölliker-Lehrpreis. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert; das Preisgeld muss zur weiteren Verbesserung der Lehre verwendet werden.

Bei der Examensfeier der Fakultät am 17. Dezember 2022 wurde das Lehrteam Orthopädie mit dem Preis ausgezeichnet. Das Team besteht aus Lehrstuhlleiter Professor Maximilian Rudert sowie Dr. Kilian List, Dr. Thomas Schäfer, Dr. Dominik Rak und Markus Koch. Sie alle haben Medizin an der JMU studiert. Gerade darum liegt es ihnen besonders am Herzen, die Lehre in ihrem Fachgebiet hier weiterzuentwickeln.

Ausgezeichnet wurden die Orthopäden unter anderem für ihr innovatives Vorlesungskonzept mit Videos. Dabei werden die Lehrenden zunächst vor einem Greenscreen gefilmt, dann freigestellt und in eine Lehrpräsentation hineinversetzt. Im fertigen Video stehen sie somit „wie im echten Hörsaal“ vor ihren Folien – und werden nicht in einem separaten Kasten neben der Präsentation dargestellt.

„Wir freuen uns sehr, dass dieses Konzept Eins-zu-eins von der Fakultät übernommen wurde“, so das preisgekrönte Team. Nach dessen Empfehlung für die technischen Bestandteile und die Software entstand 2021 in der Lehrklinik sogar ein eigenes Greenscreen-Studio für die gesamte Fakultät. (https://www.med.uni-wuerzburg.de/lehrklinik/greenscreen-studio/)

Rund 130 kommentierte Videos produziert

Um die klinischen Untersuchungstechniken am Bewegungsapparat zu vermitteln, brachte das Team sehr viel Mühe, Zeit und Liebe zum Detail auf und produzierte gut 130 kommentierte klinische Untersuchungsvideos. „Damit konnten wir erreichen, dass sich die Studierenden nun besser auf die Untersuchungskurse im Klinischen Praktikum Orthopädie im 7. Semester vorbereiten können und dann deutlich mehr von den Hands-on-Kursen profitieren“, so das Team.

Aktuell arbeiten die Preisträger daran, diese Inhalte der klinischen Untersuchung mit einer „Kitteltaschen-App“ für Smartphones noch besser und schneller im Klinikalltag zur Verfügung zu stellen. Die App soll nicht nur im Studium, sondern auch im weiteren Verlauf des Medizinerinnen- und Mediziner-Lebens hilfreich sein – egal ob orthopädisch oder in der Allgemeinmedizin.

Ruderts Team will das Preisgeld in die Weiterentwicklung der digitalen Lehre in der Orthopädie stecken – in bessere Hardware, aber auch in die weitere Integration von Krankheitsbildern und in den Ausbau der App zum Untersuchungskurs.

Über Albert Kölliker

Der Namenspatron des Lehrpreises, Albert Kölliker (1817-1905), lehrte und forschte ab 1849 für mehr als 50 Jahre an der Universität Würzburg. Der Professor für Anatomie und Physiologie führte Mikroskopierkurse und andere damals neuartige Lehrformen ein. Dadurch wirkte er als „Studentenmagnet“ – und sorgte mit dafür, dass die Würzburger Universitätsmedizin in dieser Zeit einen enormen Aufschwung erlebte.

Pressemeldung der Universität Würzburg

Würzburger Nuklearmedizin entwickelt Alternative zur Chemotherapie

Neuer Ansatz in der Diagnose und Therapie von Lymphom-Erkrankungen, bei der Chemokinrezeptoren (CXCR4), die während entzündlichen Prozessen und der Metastasierung von Tumoren hochreguliert werden, gezielt angesteuert werden. Die einmalige Behandlung mit dem Radionuklid 90Y-CXCR4 konnte bei mehreren Patienten eine Komplettremission erzielen.

Die Collage zeigt links die Chemokinrezeptor-Bildgebung bei der die T-Zell-Lymphome leuchten. Rechts ist das Ergebnis nach einer einmaligen Therapie mit Yttrium-90-CXCR4-Liganden zu sehen: Das Lymphom konnte komplett beseitigt werden.
In der im Journal of Nuclear Medicine erschienenen Arbeit zeigt das Team der Nuklearmedizin am Uniklinikum Würzburg den vielversprechenden Einsatz von Radioliganden in der Bildgebung und Tumortherapie, die an Chemokinrezeptoren binden und dabei Komplettremissionen erzielen können. © by the Society of Nuclear Medicine (Buck AK, Grigoleit GU, Kraus SK, Schirbel A, Heinsch M, Dreher N, Higuchi T, Lapa C, Hänscheid H, Samnick S, Einsele H, Serfling SE, Werner RA. C-X-C Motif Chemokine Receptor 4-Targeted Radioligand Therapy in Patients with Advanced T-Cell Lymphoma. J Nucl Med. Online ahead of print)

Die Nuklearmedizin in Würzburg stellte bereits in der Novemberausgabe 2022 des hochrangigen Fachmagazins „Journal of Nuclear Medicine“ (JNM) das Titelbild. Jetzt wird sie in der ersten Ausgabe im neuen Jahr des JNM erneut die Titelgeschichte liefern. Im Mittelpunkt stehen CXCR4-Liganden, beziehungsweise Proteine, die an die Chemokinrezeptoren namens CXCR4 binden und Tumoren nicht nur darstellen, sondern auch gezielt zerstören können. „Diese neue Art der Therapie, die durch die `Featured Articles of the Month´ nun noch mehr Sichtbarkeit erhält, gibt es tatsächlich auf der ganzen Welt nur in Würzburg“, verkündet Prof. Dr. Andreas Buck.

Chemokinrezeptor CXCR4 ist attraktives Ziel für Tumorbildgebung und Therapie 

Der Klinikdirektor der Nuklearmedizin am Uniklinikum Würzburg erklärt die Mechanismen: „Zellen benötigen die Chemokinrezeptoren CXCR4, um sich im Körper zu bewegen. Tumoren nutzen denselben Mechanismus. Wenn ein Tumor diesen Rezeptor hat, kann er aus dem Blutstrom heraustreten und sich in Organen wie Lunge oder Leber und in Knochen an Liganden binden, wodurch Metastasen entstehen. Wir finden bis zu einer Million solcher Rezeptoren auf einer einzigen Tumorzelle. Deswegen ist CXCR4 für uns ein attraktives Ziel, sowohl für die Tumorbildgebung als auch für die Therapie.“

Tumorzellen zum Aufleuchten bringen 

Mit seinem Team arbeitet Andreas Buck an Spürstoffen, so genannten Tracern. In der Radiochemie werden Moleküle künstlich mit radioaktiven Strahlern, die eine sehr kurzlebige Halbwertzeit haben, beladen, damit sie bestimmte Stoffe im Körper binden und über radioaktiven Zerfall sichtbar machen. „Die Moleküle, die an den Chemokinrezeptor binden, sie gewissermaßen zum Aufleuchten bringen, haben wir miterfunden“, sagt Buck nicht ohne Stolz.

Weiche Strahler für Diagnostik, harte Strahler für Behandlung

„Wenn wir sehen, dass der Tracer nur im Tumor anreichert und nicht in den gesunden Geweben, kann ich den Strahler austauschen und als Medikament für die Therapie einsetzen“, erklärt Andreas Buck. Für die Bildgebung mittels Positronen-Emissions-Tomographie (CXCR4-PET/CT) werden weiche Radionuklide wie Fluor-18 verwendet. Für die Therapie kommen sehr harte Strahler wie Lutetium-177 und Yttrium-90 zum Einsatz, die den Tumor dann auch tatsächlich zerstören können.

Der Nuklearmediziner zeigt die Collage, die im Januar den Titel vom Journal of Nuclear Medicine zieren wird – PET/CT-Bilder einer Patientin, die schwer kontrollierbare T-Zell-Lymphome aufwies, welche auf die Standardtherapie nicht angesprochen haben. „Links in der Chemokinrezeptor-Bildgebung sehen wir neben den Ausscheidungen der radioaktiv markierten Substanz über die Nieren in die Blase fast ausschließlich die Erkrankung. Die kugeligen Strukturen der T-Zell-Lymphome leuchten in zahlreichen Lymphknoten, in den Knochen, der Milz und der Lunge. Das rechte Bild zeigt das Ergebnis nach einer einmaligen Therapie mit Yttrium-90-CXCR4-Liganden. Das Lymphom konnte komplett beseitigt werden. Die Patientin hat noch eine milde Chemotherapie sowie eine Stammzelltherapie erhalten. Wir können zwar noch nicht von Heilung sprechen, aber von einer kompletten Remission.“

Dem Team aus Würzburg ist es inzwischen bei fünf Patientinnen und Patienten gelungen, die T-Zell-Lymphome mit CXCR4-Liganden zu beseitigen. Nicht nur Andreas Buck ist davon überzeugt, dass dies ein Weg sein könnte, in Zukunft weniger Chemotherapien einzusetzen.

Seit 2020 hat die PentixaPharm GmbH, ein in Würzburg ansässiges Tochterunternehmen der Eckert & Ziegler AG, das erfolgreiche Konzept aufgenommen, um in einem von der Industrie gesponserten klinischen Entwicklungs- und Zulassungsverfahren CXCR4 Diagnostik und Therapie einer Vielzahl von Patientinnen und Patienten zukommen lassen zu können.

Über die Nuklearmedizin am UKW 

Andreas Buck ist seit dem Jahr 2011 am Uniklinikum Würzburg. Zu der Zeit war die Nuklearmedizin noch traditionell mit der Behandlung von Schilddrüsenkrebs befasst. Inzwischen nutzt das mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassende Team die Kenntnisse der molekularen Medizin und überträgt die strahlungsbasierte Therapie auf andere Erkrankungen. In der Radiochemie werden die Substanzen für die Diagnostik und Behandlung entwickelt und unter GMP-Bedingungen (Good Manufacturing Practice) hergestellt. Die Medizinphysik achtet darauf, die Strahlung im niedrigen Bereich zu halten, die Ärztinnen und Ärzte untersuchen die Erkrankten, klären auf und behandeln, die technische Assistenz führt die Untersuchungen am Gerät durch und die Pflegekräfte betreuen die Patientinnen und Patienten auf der Station.

Hinweis: Andreas Buck erläutert die Methode im digitalen Adventskalender hinter dem 19. Türchen

Präzisionssprung in der Diagnostik von Multiplem Myelom am Uniklinikum Würzburg

Der Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ finanziert eine Personalstelle, die erforderlich ist, die schon heute am Uniklinikum Würzburg gebotene, hochempfindliche Tumordiagnostik bei Multiplem Myelom noch weiter zu verfeinern. Dahinter steht der Wunsch nach präzisen Informationen für möglichst maßgeschneiderte Therapieentscheidungen.

Würzburg. Seit etwa zwei Jahren führt ein von Prof. Dr. Andreas Beilhack geleitetes Forschungslabor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II (Med II) des Uniklinikums Würzburg (UKW) bei Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom routinemäßig Bluttests per Multiparameter-Durchflusszytometrie durch. „Mit diesem deutschlandweit einzigartigen Hochtechnologie-Angebot sind wir in der Lage, unter einer Million gesunden Blutzellen eine einzelne Tumorzelle zu erkennen“, schildert Prof. Beilhack. Doch diese an sich schon beeindruckende Präzision lässt sich nach seinen Worten noch steigern. „Wir gehen davon aus, dass es durch eine Modifikation der Methode möglich sein wird, unter 100 Millionen Zellen eine Myelom-Zelle zu entdecken“, verdeutlicht der Mediziner. Allerdings seien die Probenaufbereitung und die Durchführung der Probenmessung sehr personalintensiv: Für das systematische Etablieren und Validieren des neuen Verfahrens werde eine weitere Medizinisch-technische Assistenzkraft (MTA) benötigt. Die ersten sechs Monate dieser Stelle finanziert der Würzburger Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“. Dessen Vorsitzende Gabriele Nelkenstock überreichte dazu kürzlich einen Spendenscheck in Höhe von 29.000 Euro. 

Wertvolle Informationen für das Therapieansprechen

Warum ist die hochempfindliche Detektion von einzelnen Zellen aus der bösartigen Untergruppe des Lymphknotenkrebses so wichtig? „Mit dieser Technik sind wir in der Lage, quasi in Echtzeit die Krankheitsbelastung der Patientin oder des Patienten zu messen“, erläutert der Direktor der Med II, Prof. Dr. Hermann Einsele. Der international renommierte Myelom-Experte fährt fort: „Das wiederum gibt uns wertvolle Informationen über das Ansprechen der gewählten Therapie. Es hilft uns, rechtzeitig weitere oder andere Behandlungen einzuleiten. Auch Übertherapien können so leichter vermieden werden.“ Für die Erkrankten zahle sich dies letztlich in einem Gewinn an Lebensqualität aus. 

Anschubfinanzierungen durch „Hilfe im Kampf gegen Krebs“

„Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ hat die Einführung der Multiparameter-Durchflusszytometrie für die Myelom-Diagnostik am UKW in zurückliegenden Schlüsselmomenten schon mehrfach durch entsprechende Fördermittel vorangebracht. „Wir freuen uns sehr, dass wir durch unsere Anschubfinanzierungen dazu beitragen konnten und können, die Perspektiven der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Gleichzeitig sind wir stolz auf die Vorreiterrolle, die sich das Würzburger Uniklinikum in diesem Feld erarbeiten konnte“, kommentiert Gabriele Nelkenstock. Eine Vorreiterrolle von weit überregionaler Dimension: Von den in den vergangenen zwei Jahren durchgeführten rund 1.000 Messungen mit dem „alten“ Nachweisverfahren profitierten Myelom-Patientinnen und -Patienten aus ganz Deutschland sowie aus Österreich und der Schweiz. 

Um die Arbeit des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ auch in Zukunft voranzutreiben, sind Spenden immer willkommen unter:

Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.
Castell Bank Würzburg
IBAN: DE 74 7903 0001 0000 0092 45
BIC: FUCEDE77XXX

Kastentext:

Minimale Resterkrankung bei Multiplem Myelom

Das Multiple Myelom ist eine seltene, unheilbare Krebserkrankung der Plasmazellen, die üblicherweise im Knochenmark entsteht. Nach einer Behandlung bleibt im Körper der Patientin oder des Patienten vielfach eine minimale Resterkrankung (Minimal Residual Disease – MRD) bestehen. Diese wenigen Krebszellen verursachen häufig zunächst keine Anzeichen oder Symptome, können jedoch letztlich zum Wiederauftreten der Krankheit führen. Selbst kleine Mengen von MRD nach der Behandlung können tiefgreifende Auswirkungen auf den Behandlungserfolg und die Ergebnisse für die Patientinnen und Patienten haben. Aufgrund ihrer oft sehr geringen Anzahl lassen sich die im Blutkreislauf zirkulierenden Tumorzellen nur mit hochempfindlichen Tests, wie der Multiparameter-Durchflusszytometrie, erkennen. 

Studie zum Post-Covid-Syndrom gestartet

Die vom Würzburger Institut für Allgemeinmedizin geleitete Pilotstudie PreVitaCOV ist eine der ersten medikamentösen Therapiestudien zu langfristigen Symptomen nach einer Infektion mit COVID-19. Alle allgemeinmedizinischen Praxen können ab sofort ihre Patientinnen und Patienten mit Post-Covid an die drei Studienzentren in Würzburg, Tübingen und Kiel verweisen.

Die Grafik zeigt eine Frau, die ein riesiges Corona-Virus auf dem Rücken trägt.
Etwa 2-3% Prozent der SARS-COV19-Infektionen ziehen Beschwerden nach sich, die länger als zwölf Wochen anhalten können. Die Teilnahme an der Pilotstudie in der Primärversorgung PreVITACOV „Prednisolon und Vitamin B1, 6 und 12 bei Patient*innen mit Post-COVID-19-Syndrom“ ist ab sofort möglich. @Julia Bernhard
Die Grafik zeigt eine Ärztin und einen Patienten, der das Corona-Virus unterm Arm trägt.
Die vom Würzburger Institut für Allgemeinmedizin geleitete Pilotstudie PreVitaCOV ist eine der ersten medikamentösen Therapiestudien zu langfristigen Symptomen nach einer Infektion mit COVID-19. @Julia Bernhard

Die Corona-Wellen ebben zwar langsam ab, die Nachwirkungen sind bei einigen, die sich mit SARS-COV19 infiziert hatten, jedoch noch gewaltig. Etwa 2-3% Prozent der SARS-COV19-Infektionen* ziehen Beschwerden nach sich, die länger als zwölf Wochen anhalten können. Die Betroffenen leiden am häufigsten unter Müdigkeit und Erschöpfung, Atembeschwerden, Kopfschmerzen sowie Riech- und Schmeckstörungen. Weitere häufige Symptome reichen von allgemeinen Schmerzen und Husten über posttraumatische Belastungsstörungen, Ängste und Zwänge bis hin zu kognitiven Einschränkungen und Haarausfall. Gegen das Post-Covid-Syndrom, gibt es bislang keine wirksame Therapie. Eine Behandlungsoption evaluieren jetzt die Universitätskliniken Würzburg, Tübingen und Kiel in der Studie PreVitaCOV.

Ab sofort Teilnahme an Therapiestudie mit einem Cortison-Präparat und B-Vitaminen möglich

„Wer in seiner Allgemeinmedizinischen Praxis Patientinnen und Patienten mit dem Post-Covid-Syndrom betreut, ist herzlich eingeladen, die Betroffenen ab sofort an unsere Studienzentren in Würzburg, Tübingen oder Kiel zu verweisen“, appelliert Prof. Ildikó Gágyor vom Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). In der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten, vierarmigen, randomisierten kontrollierten Studie werden die Wirksamkeit und Sicherheit von Prednisolon und einer Fixkombination der Vitamine B1, B6 und B12 beim Post-Covid-19-Syndrom untersucht.

Zunächst überprüfen die Studienteams in einer Pilotstudie die Machbarkeit der Therapie in der häuslichen Versorgung und sammeln erste Daten zur Wirksamkeit. Das heißt: 100 Patientinnen und Patienten erhalten nach einer umfangreichen Erstuntersuchung im Studienzentrum mit körperlichem Check-up, Blutuntersuchung, Tests zu Konzentration und Aufmerksamkeit über 28 Tage entweder ein Kortikosteroid, ein Vitamin-B Komplex, eine Kombination aus Kortikosteroid und Vitamin-B Komplex oder ein Placebo. Die Studie ist „doppelt verblindet“, das bedeutet, dass weder die Probandinnen und Probanden noch das Studienteam wissen, wer welchen Wirkstoff erhält. Nachkontrollen des Gesundheitszustandes erfolgen nach einem, zwei und sechs Monaten. Für die Teilnahme an der Studie wird eine Aufwandsentschädigung und anteilige Erstattung der Fahrkosten gezahlt. Details zur Studie liefert die Webseite: www.PreVitaCOV.de.

Ursachen der Langzeitfolgen

„Vermutet werden, dass Gewebeschäden und chronische Entzündungsprozesse die Symptome hervorrufen. Eine Viruspersistenz, also das Überleben des Krankheitserregers im Körper sowie Fehlregulationen von Zell- und Gewebsfunktionen werden ebenfalls als Ursachen von Post-Covid diskutiert“, erläutert Ildikó Gágyor, die das Projekt leitet. „Bislang gibt es lediglich Empfehlungen der S1-Leitlinie zur Linderung der Beschwerden und Vermeidung der Chronifizierung“, berichtet Caroline Tengelmann, die Koordinatorin der Studie.

„Ich freue mich sehr, dass wir mit PreVitaCOV jetzt endlich an den Start gehen können“, berichtet die stellvertretende Projektkoordinatorin Yvonne Kaußner. „Das Post-Covid-Syndrom geht mit einer hohen psychosozialen Belastung einher und hat eine enorme ökonomische Relevanz. Sofern es in der Pilotstudie Hinweise für eine Wirksamkeit gibt, und wenn die Pilotstudie machbar ist, können wir sie fortsetzen, was ungemein wichtig ist für ambulante Forschung.“

Hinweis: In unserem digitalen Adventskalender „Forschende öffnen ihre Türchen“ lädt am 16. Dezember Yvonne Kaußner ins Studienzentrum des Instituts für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Würzburg ein und stellt die Studie PreVitaCOV vor. Der Film und viele weitere aus der bunten Palette an Forschungsprojekten im UKW können auf www.ukw.de/advent geöffnet werden.

* Im Niedrigprävalenzbereich zeigen sich bei 13,3% der Test-positiven Studienteilnehmer/innen Symptome ≥ 28 Tage, bei 4,5% ≥ 8 Wochen und bei 2,3% ≥ 12 Wochen Dauer (AWMF: S1-Leitlinie www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-027l_S1_Post_COVID_Long_COVID_2022-08.pdf)

Weltkrebstag 2023: Würzburger Universitätsmedizin informiert mit umfassender Online-Veranstaltung

Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar 2023 lädt das Onkologische Zentrum Würzburg am Comprehensive Cancer Center Mainfranken alle Interessierten zu einer thematisch breiten, kostenfreien Online-Infoveranstaltung ein.

Würzburg. Gemeinsam gegen Krebs im Onkologischen Zentrum Würzburg – so heißt eine Online-Veranstaltung, zu der die Würzburger Universitätsmedizin Betroffene, Angehörige sowie alle sonstig Interessierten am 4. Februar 2023 – dem Weltkrebstag – herzlich einlädt. In Vorträgen und Diskussionen wird es dabei zum einen um die Möglichkeiten zur Prävention, Diagnostik und Behandlung von unterschiedlichen Tumorerkrankungen gehen. Zum anderen werden die Referentinnen und Referenten auch Fragen zur individuellen Gestaltung eines Lebens mit Krebs thematisieren. Zum Angebot des kostenlosen Infotages gehören ferner ebenfalls online durchgeführte Schnupper-Mitmachkurse aus den Bereichen Bewegung, Entspannung und Nebenwirkungsmanagement.

Das Programm am Samstag, 4. Februar 2023, geht von 10:00 bis 14:00 Uhr. 

Details zu den Inhalten und einer Teilnahme finden sich hier: www.med.uni-wuerzburg.de/ccc/veranstaltungen/patientenveranstaltungen/weltkrebstag-2023